Sicherung der Stromversorgung in Deutschland
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Sicherung der Stromversorgung in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2131
21. Wahlperiode 09.10.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Andreas Bleck, Dr. Michael Blos, Dr. Ingo Hahn, Karsten Hilse,
Dr. Rainer Kraft, Manuel Krauthausen, Marcel Queckemeyer, Dr. Paul Schmidt,
Martina Uhr, Dr. Malte Kaufmann, Marc Bernhard, Bernd Schattner, Raimond
Scheirich, Mathias Weiser, Stefan Henze, Christian Reck und der Fraktion der AfD
Sicherung der Stromversorgung in Deutschland
Getragen von klimapolitischen Zielen wird die Energie- und Stromversorgung
in Deutschland auf „erneuerbare Energien“ umgestellt.
Eine vergleichbare Umstellung hat dieses Jahr bereits in Spanien zu einem
flächendeckenden Zusammenbruch des Stromnetzes geführt (www.youtube.com/
watch?v=KqoCnGu685c; www.entsoe.eu/news/2025/07/16/28-april-blackout-i
n-spain-and-portugal-expert-panel-releases-new-information/).
Ein ähnliches Szenario wäre in Deutschland am 19. August 2024 (www.youtub
e.com/watch?v=mQvwXa46RPU; www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachtheme
n/ElektrizitaetundGas/NEP/Strom/Systemstabilitaet/Bewertung2025.pdf?__blo
b=publicationFile&v=4) fast Realität geworden.
Die Bundesregierung hat mit der „Roadmap Systemstabilität“ (www.bundeswir
tschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Publikationen/Energie/20231204-roadma
p-systemstabilitaet.pdf?__blob=publicationFile&v=12), nachfolgend mit
Roadmap bezeichnet, bereits einen Fahrplan zur Erreichung eines sicheren und
robusten Betriebs des zukünftigen Stromversorgungssystems mit 100 Prozent
erneuerbaren Energien, erstellt. Diese „Roadmap“ wirft für die Fragesteller
jedoch mehr Fragen auf, als dass sie Antworten gibt. Die nachfolgenden Fragen
beziehen sich jeweils auf die Roadmap mit der Angabe der jeweiligen
Seitenzahl.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wann hat der Deutsche Bundestag der Änderung des Stromnetzes auf
„Dargebotsabhängigkeit“ zugestimmt?
2. Wieso wird in der Roadmap (S. 5, 29, 56, 86) grundsätzlich von einem
dargebotsabhängigen Netz ausgegangen?
a) Warum wird nicht von einem Netz mit Energiespeichern ausgegangen,
die eine Dargebotsabhängigkeit überwinden?
b) Wird nicht an der Wasserstoff(H2)-Technologie gearbeitet, um diese
Dargebotsabhängikeit zu überwinden?
c) Wann und wo wurden die Bürger darüber informiert, dass die
Energiewende eine dargebotsabhängige Stromversorgung erfordert?
3. Woraus schloss das damalige Bundesministerium für Wirtschaft und
Klimaschutz (BMWK; Roadmap, S. 5), dass die Bürger mehrheitlich ein
dargebotsabhängiges Stromnetz haben wollen?
4. Wurden die wirtschaftlichen sowie die sozialen und gesellschaftlichen
Folgen des tiefgreifenden Systemwandels (S. 5) durch die Veränderung
des Stromsystems hin zu einer dargebotsabhängigen Versorgung
wissenschaftlich untersucht?
a) Wenn ja, in welchen Untersuchungen wurden die wirtschaftlichen
Folgen untersucht?
b) Wenn ja, in welchen Untersuchungen wurden die sozialen und
gesellschaftlichen Folgen untersucht?
c) Wenn ja, welche Erkenntnisse liegen dazu vor?
5. Wurde das nationale Rumpfnetz auf Übertragungsnetzebene (S. 29) durch
die nationalen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) bereits aufgebaut?
a) Wenn ja, in welcher Zeitspanne soll der Aufbau des nationalen
Rumpfnetzes auf Übertragungsnetzebene stattgefunden haben?
b) Wenn nein, wie im Einzelnen (Maßnahmen, Methoden) soll das
nationale Rumpfnetz auf Übertragungsnetzebene durch die
Übertragungsnetzbetreiber aufgebaut werden?
c) Wenn nein, wann soll der Aufbau des nationalen Rumpfnetzes auf
Übertragungsnetzebene so früh wie möglich im Prozess erfolgen?
d) Wie ist in diesem Zusammenhang „so früh wie möglich im Prozess“
(S. 29) zu verstehen?
6. Wurde der überregionale Transport von elektrischer Energie bereits
wieder freigeschaltet (S. 29) und das deutsche Übertragungsnetz wieder in
das europäische Verbundsystem eingegliedert?
a) Wenn ja, wann soll die (Wieder-)Freischaltung bzw.
(Wieder-)Eingliederung erfolgt sein?
b) Wenn nein, mit welchen Mitteln (Maßnahmen, Methoden), soll der
überregionale Transport von Energie wieder freigeschaltet und das
deutsche Übertragungsnetz wieder in das europäische Verbundsystem
eingegliedert werden?
c) Wenn nein, wann soll die schnelle (Wieder-)Freischaltung und die
möglichst frühzeitige (Wieder-)Eingliederung erfolgen?
7. Wie im Einzelnen (Maßnahmen, Methoden) soll im zunächst
subnationalen bzw. nationalen Versorgungswiederaufbau stehenden Netz in
dargebotsschwachen Zeiten (S. 29) die gesicherte (elektrische) Leistung und
Energie im benötigten Umfang für die Kunden hinreichend schnell zur
Verfügung gestellt werden?
8. Wurden die kritischen Netzzustände (S. 56) identifiziert, die aufgrund
einer steigenden Anzahl dezentraler, dargebotsabhängiger Netznutzer
sowie flexibler Lasten das Systemverhalten verändert und die Komplexität
der Systemführung gesteigert haben?
a) Welche kritischen Netzzustände (S. 56) wurden für dieses veränderte
Systemverhalten identifiziert?
b) Welche geeigneten Bewertungskriterien (S. 56) und Indikatoren
wurden daraus abgeleitet?
9. Welche frühzeitigen Erfahrungen für den sicheren und robusten
Systembetrieb mit 100 Prozent erneuerbaren Energien (S. 86) sind gemeint?
10. Gehören der Beinahe-Blackout wie am 19. August 2024 in Deutschland
sowie der Blackout in Spanien in diesem Jahr zu den frühzeitigen
Erfahrungen, um Anpassungen vorzunehmen und fundierte Entscheidungen zu
treffen?
11. Welche Strategien (S. 86) wurden erarbeitet, um den Netz- und
Versorgungswiederaufbau in einem System mit einer großen Anzahl (quasi
ausschließlich) dezentraler, dargebotsabhängiger Stromerzeuger zu
realisieren?
12. Worauf basiert die Annahme, dass das alleinige Vorhandensein von
netzbildenden Stromrichtern (siehe Einleitung, S. 6: „Diese vor allem
stromrichterbasierten Anlagen ersetzen die stabilisierenden Eigenschaften der
weggefallenen konventionellen Kraftwerke, die in Zukunft nicht mehr zur
Verfügung stehen.“ sowie S. 119 weitere Erwähnungen von
Stromrichtern) ausreichend ist, um die Systemstabilität zu gewährleisten?
13. Welche Erfahrungen (S. 9) zur Etablierung von netzbildenden
Stromrichtern wurden seit dem Erscheinen des Berichts gesammelt?
a) Welche Pilotversuche wurden zur Etablierung von netzbildenden
Stromrichtern durchgeführt?
b) Welche technischen Anforderungen an netzbildende Stromrichter
wurden definiert?
c) Welche technischen Anschlussregeln (differenziert nach
Spannungsebenen bzw. Leistungsklassen) für netzbildende Stromrichter wurden
erstellt?
d) Welche Potenziale wurden für die netzbildenden Stromrichter erkannt,
damit diese zur Erbringung von Momentanreserve einen
zweckdienlichen und signifikanten Beitrag zur Systemstabilität leisten können?
e) Bis wann sollen hierzu belastbare Ergebnisse vorliegen?
14. Welche technischen Umsetzungen einer Momentanreserve mit dem
Konzept von netzbildenden Stromrichtern(S. 9, Abschnitt Dritter Pfad: „Des
Weiteren sind technische Anschlussregeln (differenziert nach
Spannungsebenen bzw. Leistungsklassen) für netzbildende Stromrichter zu erstellen.
Über diesen Weg wird sichergestellt, dass das Potenzial der netzbildenden
Stromrichter (z. B. zur Erbringung von Momentanreserve) sicher und
zweckdienlich für einen signifikanten Beitrag zur Systemstabilität genutzt
werden kann.“ sowie S. 36 weitere Erwähnungen der Momentanreserve)
sind möglich?
15. Gibt es Überlegungen, die Momentanreserve durch batteriebetriebene
Wechselrichter darzustellen?
a) In welchem Ausmaß (Leistung und Kapazität) werden hierfür
Batteriespeicher bundesweit benötigt?
b) Mit welchen Gesamtkosten in Deutschland ist für dieses Ausmaß
(Leistung und Kapazität) an batteriebetriebenen Wechselrichtern zu
rechnen?
c) Mit welchen Kosten pro Einheit netzbildender Stromrichter ist zu
rechnen?
d) Mit welchen Kosten pro übertragene Megawattstunde (MWh) ist zu
rechnen?
e) Welche zusätzlichen Kosten pro Kilowattstunde (kWh) sind für den
Verbraucher durch diese Stabilisierungsmaßnahmen – die bisher von
den rotierenden Massen der Kraftwerksturbinen quasi kostenlos zur
Verfügung gestellt wurden – zu erwarten?
f) In welchem Zeitrahmen sollen diese Maßnahmen umgesetzt werden?
g) Welche Korrelationen sind zukünftig zwischen dem weiteren Ausbau
der „Erneuerbaren“ und der Etablierung von netzbildenden
Stromrichtern vorgesehen?
16. Welche Bewertungsverfahren (S. 7) zur Ausweisung der Systembedarfe
für den erforderlichen Kurzschlussstrombeitrag aus stromrichterbasierten
Anlagen wurden entwickelt bzw. weiterentwickelt?
17. Wie soll der Netz- und Versorgungswiederaufbau in einem System mit
einer großen Anzahl dezentraler, dargebotsabhängiger Erzeuger (S. 86)
und die Integration von netzbildenden Stromrichtern in ein dezentral
dominiertes System erfolgen, insbesondere auch hinsichtlich der
Resonanzstabilität?
18. Wie werden die Gefahren durch Oberschwingungen im Stromnetz infolge
der treppenförmigen Erzeugung der Sinusschwingungen durch
Gleichrichter eingeschätzt?
19. Welche Maßnahmen kommen in einem Gleichrichter-basierten Stromnetz
zur Begrenzung der Oberschwingen (S. 27) in Betracht?
a) Welche Bewertungsgrößen wurden dafür ermittelt?
b) Wie wird die Senke für Oberschwingungen realisiert?
c) Wie viele Senken und in welcher Größe sind für Oberschwingungen
geplant?
d) Bis wann sollen diese Senken für Oberschwingungen realisiert sein?
e) Mit welchen Kosten ist für diese Senken für Oberschwingungen zu
rechnen?
f) Wie werden sich diese Senken für Oberschwingungen auf den
Strompreis auswirken?
20. Wie soll die Stärkung der Netzanschlusspunkte (S. 27) umgesetzt werden?
a) Ab welcher Bewertungsgröße soll eine Verstärkung des
Netzanschlusspunktes erfolgen?
b) Welche Netzanschlusspunkte sollen verstärkt werden?
c) Bis wann soll die Verstärkung der Netzanschlusspunkte umgesetzt
werden?
d) Mit welchen Kosten ist für die Verstärkung der Netzanschlusspunkte
zu rechnen?
e) Wie wird sich die Verstärkung der Netzanschlusspunkte auf den
Strompreis der Endkunden pro kWh auswirken?
21. Inwiefern soll die Schutzauslösung (S. 27) bei Kraftwerken und
Umspannstationen verändert werden, um die Oberschwingungen besser
handhaben zu können?
a) Welche Bewertungsgrößen für die Veränderungen der
Schutzauslösungen wurden ermittelt?
b) Kann eine Veränderung der Schutzauslösung zu größeren Schäden am
Stromnetz, einschließlich Kraftwerken und Verbrauchern, führen?
c) Bis wann ist eine Veränderung der Schutzauslösung geplant?
d) Welche zusätzlichen Kosten bedeutet die Veränderung der
Schutzauslösung für Erzeuger und Verbraucher?
22. Wie soll die Ausbreitung von Störungen begrenzt werden?
a) Wurden Bewertungsgrößen für Spannungstrichter ermittelt?
b) Welche Spannungstrichter wurden dahin gehend identifiziert?
c) Wie soll eine Resilienz gegen Spannungstrichter erzeugt werden?
d) Bis wann sollen die Spannungstrichter im deutschen Stromnetz
beseitigt sein?
e) Mit welchen Kosten ist für die Beseitigung der Spannungstrichter zu
rechnen?
Berlin, den 2. Oktober 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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