Stromversorgung in Deutschland - Brownouts, Blackouts und Stabilität des Stromnetzes
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Stromversorgung in Deutschland - Brownouts, Blackouts und Stabilität des Stromnetzes
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1737
21. Wahlperiode 22.09.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Leif-Erik Holm, Bernd Schattner,
Dr. Malte Kaufmann, Uwe Schulz, Stefan Henze, Thomas Fetsch, Dr. Ingo
Hahn, Peter Boehringer, Tobias Teich, Raimond Scheirich, Kay Gottschalk,
Dr. Michael Espendiller, Hauke Finger, Thomas Korell, Sebastian Maack, Lukas
Rehm, Gerrit Huy, Stefan Keuter, Dr. Rainer Rothfuß, Iris Nieland, Kurt
Kleinschmidt, Marcel Queckemeyer, Dr. Paul Schmidt, Dr. Alexander Wolf,
Sascha Lensing, Steffen Janich, Otto Strauß, René Bochmann, Edgar Naujok,
Mirco Hanker, Rainhard Mixl, Andreas Paul, Rocco Kever, Thomas Ladzinski,
Carsten Becker, Udo Theodor Hemmelgarn, Olaf Hilmer, Jan Wenzel Schmidt,
Joachim Bloch, Kay-Uwe Ziegler, Stefan Schröder, Christian Reck, Thomas
Dietz, Achim Köhler, Dr. Christina Baum, Bernd Schuhmann, Manfred Schiller
und der Fraktion der AfD
Stromversorgung in Deutschland – Brownouts, Blackouts und Stabilität des
Stromnetzes
In Deutschland wird eine Energiepolitik forciert, die im Wesentlichen darauf
abzielt, keine Kernenergie und keine fossilen Energien zu nutzen und
gleichzeitig den Ausbau volatiler erneuerbarer Energien mit staatlichen Fördermitteln
voranzutreiben. Die Politik will, dass Deutschland bis 2045 „klimaneutral“ ist
(www.bundesregierung.de/breg-de/service/archiv-bundesregierung/klimaschutz
gesetz-2197410). Es wird jedoch immer deutlicher, dass der Ausbau der
erneuerbaren Energien zunehmend zu schweren und bald unlösbaren Problemen
führt.
Die steigende Einspeisung von Solar- und Windenergie statt regelbarer
konventioneller Energie führt immer häufiger zu Überlastungen im Stromnetz (www.ta
gesschau.de/wirtschaft/energie/solarinfarkt-ausbau-stromausfaelle-betreiber-10
0.html). Dies liegt zum einen daran, dass es an Speicherkapazität fehlt, und
zum anderen, dass das Stromnetz hierfür unzureichend ausgebaut und technisch
ausgerüstet ist (www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/stromnetz-a
m-limit-deutschland-drosselt-wind-und-solaranlagen-in-rekordmengen-li.234
6211).
Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Daten des
Finanzmarktdatenanbieters London Stock Exchange Group (LSEG) berichtet, hat
Deutschland im ersten Halbjahr 2025 eine Rekordmenge von Wind- und
Solaranlagen abgeschaltet (ebd.). Demnach wurde die Solarenergie in Deutschland
zwischen Januar und Juni 2025 um etwa 8 Prozent gekürzt – mehr als doppelt
so viel wie im Vorjahr (ebd.). Allein die Windkraft wurde um 5,3 Prozent
gedrosselt (ebd.).
Als Ursache benennt Nathalie Gerl, leitende Energieanalystin bei LSEG, die
fehlende Möglichkeit in Deutschland, die vielen Solarstromanlagen aus
Privathaushalten abzuregeln (ebd.). Laut Daten der Bundesnetzagentur hat sich die
Solarkapazität in Deutschland von rund 54 Gigawatt Ende 2020 auf etwa 108
Gigawatt (Stand: 31. Juli) in dreieinhalb Jahren knapp verdoppelt (Statistik zur
Stromerzeugungsleistung ausgewählter erneuerbarer Energieträger – Juli 2025,
S. 2, veröffentlicht unter: www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/Elektrizi
taetundGas/ErneuerbareEnergien/EE-Statistik/DL/EEStatistikMaStR.pdf?__blo
b=publicationFile&v=36). Bis Ende 2030 soll die installierte Leistung beim
Solarstrom sogar 215 Gigawatt betragen (ebd.).
Besonders die Stromnetze in Ostdeutschland seien häufig überlastet, weil diese
Regionen im Ausbau der erneuerbaren Energien führend sind (www.berliner-ze
itung.de/wirtschaft-verantwortung/stromnetz-am-limit-deutschland-drosselt-wi
nd-und-solaranlagen-in-rekordmengen-li.2346211). Ein Energieversorger in
Sachsen warnte deshalb, auch wenn der Netzausbau vorangetrieben werde,
verschärfe die zunehmende ungebremste Einspeisung von Solarstrom das Problem
zusätzlich (ebd.). Auch andere Anbieter, wie die RheinEnergie AG, sehen hier
erhebliche Risiken für die Versorgungssicherheit (https://live.handelsblatt.com/
energiewende-herausforderungen-und-loesungsansaetze/). Aufgrund der zuletzt
sprunghaft gestiegenen Nachfrage nach neuen Batteriespeicherprojekten hat
auch der Netzbetreiber Wesernetz die Notbremse gezogen und die
Stromversorgung von Großverbrauchern beschränkt (www.weser-kurier.de/bremen/wirtsch
aft/engpaesse-im-netz-swb-rationiert-den-strom-fuer-neue-grossverbraucher-do
c81tcmst4m2xjzpqlgt3).
Die Stromversorgung in Deutschland ist aufgrund des flächendeckend
betriebenen Ausbaus der erneuerbaren Energien über das ganze Jahr hinweg nach
Ansicht der Fragesteller als gefährdet anzusehen. Im Sommer ergeben sich
Netzstörungen durch Resonanzen bei digitalen Gleich- und Wechselrichtern, bei
gleichzeitig zu wenig mechanischen konventionellen Kraftwerken, die diese
Effekte auffangen könnten. Dies hat zum Zusammenbruch des Stromnetzes
dieses Jahr in Spanien und Portugal geführt (www.youtube.com/watch?v=KqoCn
Gu685c) (www.entsoe.eu/news/2025/07/16/28-april-blackout-in-spain-and-port
ugal-expert-panel-releases-new-information/) und am 19. August 2024 (www.y
outube.com/watch?v=mQvwXa46RPU) (www.bundesnetzagentur.de/DE/Facht
hemen/ElektrizitaetundGas/NEP/Strom/Systemstabilitaet/Bewertung2025.pdf
?__blob=publicationFile&v=4) hierzulande fast zu einem Blackout geführt. Im
Winter dagegen droht Stromknappheit mit der Folge von Blackouts oder
Brownouts und der gezielten Abregelung von Strom bzw. der Abschaltung von
Verbrauchern (sog. Lastabwurf).
Die Bundesregierung gab in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 21/679 an, dass zur Sicherstellung der Netzstabilität regelmäßig
Redispatch-Maßnahmen, Netzreserveeinsätze und andere Eingriffe notwendig
sind. Bezeichnenderweise hat die Bundesregierung in der vorgenannten
Antwort keine Angaben zur aktuellen Netzstabilität gemacht (siehe Antwort zu
Frage 6 auf Bundestagsdrucksache 21/679). Dies könnte in den Augen der
Fragesteller vermuten lassen, dass das Maß an Instabilität des Stromnetzes in
Deutschland sehr hoch ist.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung seit dem 6. Mai 2025 Maßnahmen zur Erhöhung
der Stromversorgungssicherheit unternommen, und wenn ja, welche?
2. Welche Ereignisse stuft die Bundesregierung als „kritische Netzsituation“
oder „Beinahe-Blackout“ ein (www.focus.de/finanzen/
energieversorgungeuropa-schrammte-am-freitag-knapp-am-blackout-vorbei_id_1286472
8.html)?
3. Ist es in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2010 zu
„kritischen Netzsituationen“ bzw. zu „Beinahe-Blackouts“ gekommen,
und wenn ja, in welchem Bundesland, und wann?
4. Gab es im ersten Halbjahr 2025 sog. Brownouts in Deutschland, und
wenn ja, wann, und in welchen Regionen, und wie viele Brownouts
wurden zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität durchgeführt?
5. Mit welcher Arbeitsdefinition des Begriffs „Brownout“ arbeitet die
Bundesregierung ggf., und wird dieses Begriffsverständnis der
Bundesregierung nach Kenntnis der Bundesregierung auch von den deutschen
Netzbetreibern verwendet?
6. Wie viele und welche erneuerbaren Stromerzeugungskapazitäten waren
bis zum Stichtag 1. Juli 2025 im Bundesgebiet installiert, und wie hoch
war deren durchschnittlicher bzw. gesicherter Beitrag zur Spitzenlast?
7. Wie bewertet die Bundesregierung aktuell die Netzstabilität in
Deutschland mit Blick auf den deutlich gestiegenen Ausbau der erneuerbaren
Energien und die mangelnde Fähigkeit, Schwankungen im Stromnetz
auszugleichen aufgrund der fehlenden Trägheit von Wind- und Solaranlagen
(www.telepolis.de/features/Blackout-Wie-erneuerbare-Energien-die-Stro
mnetze-ins-Wanken-bringen-10365829.html, bitte auch die
wissenschaftlichen Quellen und Daten angeben, auf denen die Einschätzung beruht,
und wann sowie von wem diese Daten erhoben worden sind)?
8. Welche Rolle spielen die verschiedenen Energiespeicher und
Speichertechnologien aktuell in der Netzstabilität?
9. Welche Projekte zur Kurz- und Langzeitspeicherung wurden seit dem
6. Mai 2025 ggf. gefördert (bitte jeweils Projektstatus sowie Kapazität
angeben)?
10. Wie viele Notstromaggregate sind nach Kenntnis der Bundesregierung
aktuell in Krankenhäusern, Behörden, Rechenzentren und kritischen
Infrastrukturen installiert und betriebsbereit, und welchen Zeitraum können
diese Notstromaggregate überbrücken?
11. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über vorbereitende
Maßnahmen von Kommunen, Ländern oder Bundesbehörden im Fall eines
lang anhaltenden Stromausfalls, und gibt es dafür konkrete
Katastrophenpläne?
12. Wie bewertet die Bundesregierung das Blackout-Risiko in Deutschland im
internationalen Vergleich (bitte mit Quellenangabe und methodischer
Erläuterung beantworten)?
13. Werden Ereignisse wie z. B. Leistungsabwürfe, Notstrommaßnahmen
oder Beinahe-Versorgungsunterbrechungen zentral erfasst, und sind
Informationen über derartige Ereignisse für den Bürger öffentlich oder nicht
öffentlich einsehbar und abrufbar?
a) Wenn ja, wo werden die Ereignisse erfasst, und wo sind sie einsehbar
und abrufbar?
b) Wenn nein, warum findet keine Erfassung und keine Veröffentlichung
statt?
14. Ist es nach Kenntnis der Bundesregierung zutreffend, dass es in
Deutschland an einer Möglichkeit fehlt, die Solarstromanlagen aus
Privathaushalten abzuregeln (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), und wenn ja, warum
ist dies der Fall, und ist beabsichtigt, eine solche Möglichkeit der
Abregelung auf nationaler Ebene zu schaffen?
15. Bis wann soll der Ausbau des Stromnetzes in Deutschland vollständig
abgeschlossen sein?
a) Haben die Bundesregierung bzw. die zuständigen Bundesministerien
hierzu eine Planung erarbeitet, und wenn ja, wie sieht diese Planung
aus, welcher Zeitrahmen wurde festgelegt, und wo ist diese Planung
veröffentlicht?
b) Welche Kosten werden für diesen Ausbau erwartet (www.enbw.com/u
nternehmen/themen/klimaschutz/kosten-der-energiewende.html)?
16. Bis wann sollen hinreichend Speicherkapazitäten für die sog.
erneuerbaren Energien in Deutschland geschaffen sein, und hat die Bundesregierung
bzw. haben die zuständigen Bundesministerien hierzu eine Planung
erarbeitet, und wenn ja, wie sieht diese Planung aus, welcher Zeitrahmen
wurde festgelegt, und wo ist diese Planung veröffentlicht?
Berlin, den 25. September 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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