Waffen- und sprengstoffrechtliche Erlaubnisse in Händen von Verfassungsfeinden
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Waffen- und sprengstoffrechtliche Erlaubnisse in Händen von Verfassungsfeinden
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2990
21. Wahlperiode 28.11.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Marcel Emmerich, Dr. Irene Mihalic, Schahina Gambir, Marlene
Schönberger, Dr. Konstantin von Notz, Lukas Benner, Lamya Kaddor und
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Waffen- und sprengstoffrechtliche Erlaubnisse in den Händen von
Verfassungsfeinden
Die für den Erhalt einer waffenrechtlichen Erlaubnis nach dem Waffenrecht
notwendige Zuverlässigkeit besitzt nach § 5 des Waffengesetzes (WaffG) unter
anderem nicht, wer verfassungsfeindliche Bestrebungen verfolgt oder Mitglied
einer Vereinigung war oder ist, die solche Bestrebungen verfolgt. Für das
Sprengstoffrecht beinhaltet § 8a des Sprengstoffgesetzes (SprenG) eine
inhaltsgleiche Regelung. Dennoch sind in Deutschland zahlreiche den
Sicherheitsbehörden als solche bekannte Rechtsextremisten und Reichsbürger im Besitz von
waffen- und bzw. oder sprengstoffrechtlichen Erlaubnissen und von
Schusswaffen. So waren etwa mehrere Mitglieder der „Gruppe Reuß“, die mutmaßlich
einen bewaffneten Umsturz plante, legal im Besitz von Schusswaffen (www.zei
t.de/gesellschaft/2023-10/reichsbuerger-terrorismus-schusswaffen-prinz-reuss).
Vor dem Hintergrund der hohen Gewaltbereitschaft und von Umsturzplänen
von Reichsbürgern und Rechtsextremisten stellen Schusswaffen in deren
Händen eine beträchtliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. Wie groß diese
Gefahr ist, zeigte sich etwa im Oktober 2016 in Georgensgmünd, als ein
Mitglied Anhänger der Reichsbürgerbewegung bei einer Razzia der Polizei zur
Beschlagnahme seiner Schusswaffen in seinem Haus einen am Einsatz beteiligten
Beamten erschoss. Zuvor war ihm die Waffenbesitzkarte entzogen worden
(www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-10/georgensgmuend-reichsbuerg
er-polizist-schuesse). Im Dezember 2022 wurde ein Polizeibeamter bei einer
Razzia im Umfeld der einen bewaffneten Umsturz planenden „Gruppe Reuß“
bei einer Razzia durch einen Schuss verletzt.
Zudem sorgen Waffen- und Sprengstofffunde immer wieder für Aufsehen.
Zuletzt wurden etwa in Remscheid über 300 Schusswaffen sowie etwa 40
Handgranaten entdeckt (www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2025-11/
remscheidwaffenfund-versteck).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Personen aus den Phänomenbereichen Rechtsextremismus,
Reichsbürger/Selbstverwalter und Verfassungsschutzrelevante
Delegitimierung des Staates waren zum Stichtag 1. Dezember 2025 im Besitz
einer waffenrechtlichen und bzw. oder sprengstoffrechtlichen Erlaubnis
(bitte nach Bundesländern aufgeschlüsselt angeben)?
2. Wie viele Personen aus den genannten Phänomenbereichen waren zum
Stichtag 1. Dezember 2025 im Besitz eines sogenannten Kleinen
Waffenscheins (bitte nach Bundesländern aufgeschlüsselt angeben)?
3. Wie vielen Personen aus den genannten Phänomenbereichen wurde die
waffenrechtliche und bzw. oder sprengstoffrechtliche Erlaubnis mit
Stichtag 1. Dezember 2025 rechtskräftig entzogen (bitte nach Bundesländern
und für die letzten fünf Jahre aufgeschlüsselt angeben)?
4. Bei wie vielen Personen prüft die zuständige Behörde den Entzug der
waffen- oder sprengstoffrechtlichen Erlaubnis oder ist nach einer solchen
Behördenentscheidung ein Gerichtsverfahren anhängig (bitte nach
Bundesländern aufgeschlüsselt angeben)?
5. Wie viele erlaubnispflichtige Schusswaffen waren zum Stichtag 1.
Dezember 2025 auf Personen aus den genannten Phänomenbereichen
zugelassen (bitte nach Bundesländern aufgeschlüsselt angeben)?
6. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zu Schießübungen im In-
und Ausland durch Personen der genannten Phänomenbereiche zum
Stichtag 1. Dezember 2025 (bitte nach Ort der Schießübung und Anzahl der
beteiligten Personen aufschlüsseln)?
7. Wie viele erlaubnispflichtige Schusswaffen wurden zum Stichtag 1.
Dezember 2025 bei Personen aus den genannten Phänomenbereichen
beschlagnahmt (bitte genau nach Phänomenbereich, Art der Waffe und
legalem oder illegalem Status aufschlüsseln)?
8. Wie viele Waffenverbote wurden in den letzten fünf Jahren bei Personen
aus den genannten Phänomenbereichen angeordnet (bitte nach
Phänomenbereichen, Bundesland, Art des Verbots und Grund der Anordnung
aufschlüsseln)?
9. Wie viele Personen aus den genannten Phänomenbereichen wurden zum
Stichtag 1. Dezember 2025 im Zuge der Kontrollen an den deutschen
Außengrenzen mit erlaubnispflichtigen Schusswaffen aufgegriffen (bitte für
die letzten drei Jahre nach Ort und Zeit der Kontrollen und Anzahl der
sichergestellten Waffen aufschlüsseln)?
10. Wie viele Waffen- und bzw. oder Sprengstoffdepots wurden zum Stichtag
1. Dezember 2025 durch die Polizeien der Länder und des Bundes im Jahr
2025 festgestellt (bitte Ort, Datum und Art der Funde angeben)?
11. Wie viele Personen aus den genannten Phänomenbereichen verfügten zum
1. Dezember 2025 über eine waffenrechtliche Erlaubnis gemäß den §§ 21
und 26 WaffG?
12. Wie oft haben Verfassungsschutzbehörden im Jahr 2025 die zuständigen
Waffenbehörden über verfassungsfeindliche Betätigungen von den
Sicherheitsbehörden bekannten Personen in den genannten Phänomenbereichen,
die über eine waffenrechtliche Erlaubnis verfügen, informiert?
13. Wie oft haben Verfassungsschutzbehörden im Jahr 2025 die zuständigen
Waffenbehörden über verfassungsfeindliche Betätigungen von den
Sicherheitsbehörden bekannten Personen in den genannten Phänomenbereichen,
die eine waffenrechtliche Erlaubnis beantragen, informiert?
14. Wie vielen Personen in den genannten Phänomenbereichen wurde in den
letzten fünf Jahren eine waffenrechtliche Erlaubnis aufgrund einer
Mitgliedschaft in der Alternative für Deutschland rechtskräftig entzogen oder
verweigert?
Berlin, den 26. November 2025
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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