Waffenbesitz und Waffeneinsatz von und durch Neonazis und Reichsbürger/Selbstverwalter sowie Waffenfunde in Deutschland
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Waffenbesitz und Waffeneinsatz von und durch Neonazis und Reichsbürger/Selbstverwalter sowie Waffenfunde in Deutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7377
21. Wahlperiode 28.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Ferat Koçak, Clara Bünger, Violetta Bock, Agnes Conrad,
Mandy Eißing, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Jan Köstering, Sonja
Lemke, Bodo Ramelow, David Schliesing, Aaron Valent, Donata Vogtschmidt,
Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Waffenbesitz und Waffeneinsatz von und durch Neonazis und Reichsbürger/
Selbstverwalter sowie Waffenfunde in Deutschland
Immer wieder finden Ermittlungsbehörden im Rahmen von
Durchsuchungsmaßnahmen legale wie illegale Waffen bei Neonazis, Rechtsextremisten oder
Reichsbürgern, wie einige aktuelle Beispiele belegen:
Im Februar 2026 fanden Beamtinnen und Beamte bei einem 25‑Jährigen, der
der rechtsextremistischen Szene zugeordnet wird, in Weißenborn neben
Luftgewehren und Armbrüsten auch Schwarzpulver, Munitionsteile und eine
Stopfmaschine und dazu sprengfähiges Material im zweistelligen Kilobereich (vgl.
„Rechtsextremer Bombenbauer? Neue Details nach Razzia in Weißenborn“,
MDR.de).
Im September 2025 wurden bei Durchsuchungsmaßnahmen gegen vier
mutmaßlich rechtsextreme Soldaten und einen Polizisten unter anderem „mehrere
scharfe Kurz- und Langwaffen“ sichergestellt (vgl. „Razzia: Soldaten und
Polizist unter den mutmaßlich Rechtsradikalen“, ndr.de).
Nach Auffassung der Fragestellenden ist neben dem Waffenbesitz der im Titel
genannten Personengruppen auch der Waffenbesitz anderer Akteure aus dem
rechten Spektrum in den Blick zu nehmen. Auch AfD-Politiker fallen in diesem
Zusammenhang auf. Im August 2025 wurden bei dem AfD-Politiker P. S. „eine
Vielzahl von Schuss-, Hieb- und Stichwaffen sowie eine größere Menge
Sprengstoff“ sichergestellt. P. S. hatte laut Medienberichten „lange Kontakte
ins rechtsextreme Milieu“ (vgl. „Waffenfund bei AfD-Politiker in Jessnitz“,
taz.de).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Rechtsextremisten, Reichsbürger/Selbstverwalter und wie viele
Personen aus dem Phänomenbereich „verfassungsschutzrelevante
Delegitimierung des Staates“ verfügten nach Kenntnis der Bundesregierung zum
Stichtag 31. Dezember 2024 sowie zum Stichtag 31. Dezember 2025 über
eine waffenrechtliche Erlaubnis und bzw. oder über Waffen (bitte nach
Bundesländern aufschlüsseln)?
2. Bei wie vielen der in Frage 1 erfragten Personen sind nach Kenntnis der
Bundesregierung Maßnahmen und Verfahren zur Prüfung und zum Entzug
waffenrechtlicher Erlaubnisse eingeleitet bzw. beendet worden (bitte nach
Bundesländern sowie dem Stand der waffenrechtlichen Überprüfungen
auflisten)?
3. Wie viele erlaubnispflichtige Schusswaffen waren zum Stichtag 31.
Dezember 2024 sowie zum Stichtag 31. Dezember 2025 im Nationalen
Waffenregister auf Rechtsextremisten, Reichsbürger/Selbstverwalter sowie
Personen aus dem Phänomenbereich „verfassungsschutzrelevante
Delegitimierung des Staates“ registriert?
4. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zur Sicherstellung illegaler
Waffen bei Durchsuchungsmaßnahmen bei Rechtsextremisten,
Reichsbürgern/Selbstverwaltern und bei Personen aus dem Phänomenbereich
„verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“ oder in von diesen
genutzten Objekten und Fahrzeugen in den Jahren 2024 und 2025 (bitte
Gesamtzahl der Fälle angeben und nach Bundesländern, Art der Waffen
und Munition, Datum der Durchsuchungen, einschließlich der Ergebnisse
etwaiger Sonderauswertungen der Behörden, nach Stand der jeweiligen
Ermittlungsverfahren und bzw. oder Verurteilungen sowie Anzahl der
Ermittlungsverfahren nach den §§ 129 und 129a des Strafgesetzbuchs
[StGB] aufschlüsseln)?
5. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zum Einsatz von legalen
und illegalen Waffen durch Rechtsextremisten, Reichsbürger/
Selbstverwalter und Personen aus dem Phänomenbereich
„verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates“ in den Jahren 2024 und 2025 bei der
Begehung von Straftaten aus dem Phänomenbereich Politisch motivierte
Kriminalität – rechts (PMK rechts) sowie PMK – nicht zuzuordnen (bitte
Gesamtzahl der Fälle angeben und nach Bundesländern, Datum und Art
der Straftaten, Status und Art der eingesetzten Waffen, einschließlich der
Ergebnisse etwaiger Sonderauswertungen der Behörden, sowie nach
Anzahl der Ermittlungen nach den §§ 129 und 129a StGB aufschlüsseln)?
6. Wie viele Rechtsextremisten, Reichsbürger/Selbstverwalter und wie viele
Personen aus dem Phänomenbereich „verfassungsschutzrelevante
Delegitimierung des Staates“ verfügten nach Kenntnis der Bundesregierung zum
Stichtag 31. Dezember 2024 sowie zum Stichtag 31. Dezember 2025 über
eine Waffenherstellungserlaubnis gemäß den §§ 21 bzw. 26 des
Waffengesetzes (WaffG; bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
7. Wie viele Rechtsextremisten, Reichsbürger/Selbstverwalter und wie viele
Personen aus dem Phänomenbereich „verfassungsschutzrelevante
Delegitimierung des Staates“ verfügten nach Kenntnis der Bundesregierung zum
Stichtag 31. Dezember 2024 sowie zum Stichtag 31. Dezember 2025 über
eine Waffenhandelserlaubnis gemäß § 21 WaffG (bitte nach
Bundesländern aufschlüsseln)?
8. Wie viele Rechtsextremisten, Reichsbürger/Selbstverwalter und wie viele
Personen aus dem Phänomenbereich „verfassungsschutzrelevante
Delegitimierung des Staates“ verfügten nach Kenntnis der Bundesregierung zum
Stichtag 31. Dezember 2024 sowie zum Stichtag 31. Dezember 2025 über
eine Schießstättenerlaubnis gemäß § 27 WaffG (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln)?
9. In wie vielen Fällen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung die in
den Fragen 6 bis 8 genannten waffenrechtlichen Erlaubnisse seit 2024
widerrufen bzw. der Widerruf eingeleitet (bitte nach Art der Erlaubnis und
Jahren aufschlüsseln)?
10. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zu Schießübungen von
Rechtsextremisten, Reichsbürgern/Selbstverwaltern und Personen aus
dem Phänomenbereich „verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des
Staates“ mit legalen wie illegalen Waffen in den Jahren 2024 und 2025 im
In- und Ausland (bitte Gesamtzahl der Fälle angeben und nach
Bundesländern, Ort und Art der Schießübungen, verwendeten Waffen und
organisatorischem Hintergrund der an den Schießübungen beteiligten Neonazis
sowie Ermittlungen nach den §§ 129 und 129a StGB auflisten)?
11. In wie vielen Fällen wurden bei Straf- und Gewalttaten gegen Geflüchtete
bzw. Flüchtlings- und Asylunterkünfte, die sich 2024 und 2025
ereigneten, legale bzw. illegale Schusswaffen durch die Täterinnen und Täter
eingesetzt (bitte nach Datum, Art der Schusswaffen, legal bzw. illegal,
Tatorten sowie Bundesländern auflisten)?
12. In wie vielen Fällen stellten die Polizeibehörden der Länder und des
Bundes bzw. die Kontrolleinheiten des Zolls nach Kenntnis der
Bundesregierung in den Jahren 2024 und 2025 Schusswaffen bzw. Waffenteile sicher
(bitte nach Jahren und Zusammenhang der Waffenfeststellung auflisten)?
13. a) In wie vielen Fällen stellten die Polizeibehörden der Länder und des
Bundes nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren 2024 und
2025 verborgene Schusswaffendepots fest (bitte jeweils nach Datum,
Ort, Anzahl und Art der aufgefundenen Waffen aufschlüsseln)?
b) Wenn der Bundesregierung hierzu keine Zahlen vorliegen, auf welche
Weise ist innerhalb der deutschen Polizei sichergestellt, dass sich
Polizeibehörden nach dem Fund eines Waffendepots Informationen zu
anderen Fällen solcher Waffendepots, typische modi operandi,
mutmaßliche Täterstrukturen etc. beschaffen können?
14. In wie vielen Fällen stellten die Polizeibehörden der Länder und des
Bundes bzw. die Kontrolleinheiten des Zolls nach Kenntnis der
Bundesregierung in den Jahren 2024 und 2025 illegale Waffentransporte fest (bitte
jeweils nach Datum, Ort, Anzahl und Art der Waffen aufschlüsseln)?
15. In wie vielen und welchen der in den Fragen 11 bis 14 aufgelisteten Fälle
verfügten nach Kenntnis der Bundesregierung die Betroffenen bzw.
letzten Besitzer über eine waffenrechtliche Erlaubnis (bitte jeweils nach
Datum, Ort und Art der waffenrechtlichen Erlaubnis aufschlüsseln)?
16. In wie vielen und welchen der in den Fragen 11 bis 14 aufgelisteten Fälle
wurde nach Kenntnis der Bundesregierung seither eine Prüfung oder ein
Entzug der waffenrechtlichen Erlaubnis eingeleitet (bitte jeweils nach
Datum, Ort, Art der waffenrechtlichen Erlaubnis und Verfahrensstand
aufschlüsseln)?
17. In wie vielen der in den Fragen 11 bis 14 aufgelisteten Fälle handelte es
sich nach Kenntnis der Bundesregierung bei den festgestellten
Schusswaffen um solche im Sinne des Kriegswaffenkontrollgesetzes (bitte jeweils
nach Datum, Ort, Herkunft, Anzahl und Art der Waffen aufschlüsseln)?
18. In wie vielen der in den Fragen 11 bis 14 aufgelisteten Fälle wurde nach
Kenntnis der Bundesregierung ein politischer Hintergrund festgestellt und
bzw. oder eine Zuordnung in die Phänomenbereiche der Politisch
motivierten Kriminalität vorgenommen (bitte jeweils nach Datum, Ort,
Phänomenbereich PMK sowie Anzahl und Art der Waffen aufschlüsseln)?
19. In wie vielen Fällen stellte die Polizei nach Kenntnis der Bundesregierung
in den Jahren 2024 und 2025 Sprengstoff sicher (bitte jeweils nach
Datum, Ort, Menge und Art des Sprengstoffs – gewerblicher, militärischer
Sprengstoff, Selbstlaborate – aufschlüsseln)?
20. In wie vielen Fällen stellte die Polizei nach Kenntnis der Bundesregierung
in den Jahren 2024 und 2025 verborgene Sprengstoffdepots fest (bitte
jeweils nach Datum, Ort, Menge und Art des Sprengstoffs aufschlüsseln)?
21. In wie vielen Fällen stellte die Polizei nach Kenntnis der Bundesregierung
in den Jahren 2024 und 2025 illegale Sprengstofftransporte fest (bitte
jeweils nach Datum, Ort, Menge und Art des Sprengstoffs aufschlüsseln)?
22. In wie vielen und welchen der in den Fragen 19 bis 21 aufgelisteten Fälle
verfügten nach Kenntnis der Bundesregierung die Betroffenen bzw.
letzten Besitzer über eine sprengstoffrechtliche Erlaubnis (bitte jeweils nach
Datum, Ort und Art der sprengstoffrechtlichen Erlaubnis aufschlüsseln)?
23. In wie vielen und welchen der in den Fragen 19 bis 21 aufgelisteten Fälle
wurde nach Kenntnis der Bundesregierung seither eine Prüfung oder ein
Entzug der sprengstoffrechtlichen Erlaubnis eingeleitet (bitte jeweils nach
Datum, Ort, Art der sprengstoffrechtlichen Erlaubnis und Verfahrensstand
aufschlüsseln)?
24. In wie vielen der in den Fragen 19 bis 21 aufgelisteten Fälle wurde nach
Kenntnis der Bundesregierung ein politischer Hintergrund festgestellt und
bzw. oder eine Zuordnung in die Phänomenbereiche der Politisch
motivierten Kriminalität vorgenommen (bitte jeweils nach Datum, Ort,
Phänomenbereich PMK sowie Anzahl und Art der Waffen aufschlüsseln)?
Berlin, den 28. Mai 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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