Gefälschte Berufsausbildungszeugnisse bei Pflegepersonal bekämpfen
Text
Gefälschte Berufsausbildungszeugnisse bei Pflegepersonal bekämpfen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/2710
21. Wahlperiode 11.11.2025
Antrag
der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl,
Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias
Ebenberger, Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin
Przygodda, Alexis L. Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul
Schmidt, Gereon Bollmann, Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Gefälschte Berufsausbildungszeugnisse bei Pflegepersonal bekämpfen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
In Deutschland wurden Fälle bekannt, in denen Pflegekräfte mit gefälschten Diplomen
oder unzureichend geprüften Qualifikationen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen
tätig waren.1, 2 Auch einige Leiharbeitsfirmen im Pflegebereich beschäftigten Personal
mit gefälschten Zertifikaten.3
Die Bundesregierung hat bereits 2015 die Innenministerien und Senatsverwaltungen
der Länder auf die Häufung von Fälschungen bei Berufsabschlüssen hingewiesen.4 Die
Bundesregierung stellte außerdem fest, dass selbst „die Aussage- und Beweiskraft
syrischer Reise- und Identitätsdokumente in Frage gestellt werden muss“ – selbst dann,
wenn keine offensichtlichen Fälschungsmerkmale vorlägen.5
Gefälschte Berufsausbildungszeugnisse im Gesundheitswesen stellen ein erhebliches
Risiko für die Patientensicherheit und die Qualität der medizinischen Versorgung in
Deutschland dar. Diese Gefährdung ergibt sich, wenn unqualifizierte Personen in
verantwortungsvollen Positionen tätig werden, ohne die notwendigen Qualifikationen zu
besitzen. Daher ist es unerlässlich, gezielte Maßnahmen zu ergreifen, um dieser
Problematik entschieden entgegenzutreten.
Die Stärkung der Patientensicherheit durch Vermeidung der Beschäftigung
unqualifizierter Fachkräfte in sensiblen Bereichen des Gesundheitswesens ist deshalb dringend
geboten.
1 www.focus.de/politik/ausland/mit-gefaelschten-diplomen-in-deutsche-krankenhaeuser_id_10276709.html
2 www.dw.com/de/mit-gef%C3%A4lschten-diplomen-in-deutsche-krankenh%C3%A4user/a-47351869
3 www.welt.de/wirtschaft/plus244945832/Krankenpflege-Leiharbeiter-mit-gefaelschtem-Zeugnis-der-Pflege-
gehen-die-Profis-aus.html
4 www.focus.de/politik/deutschland/innenministerium-warnt-falsche-zeugnisse-und-diplome-fluechtlinge-
koennen-im-libanon-antragspakete-kaufen_id_5066196.html
5 ebd.
Die Authentizität von Berufsausbildungszeugnissen sicherzustellen, führt zu einer
allgemeinen Verbesserung der Qualität der Gesundheitsversorgung, da dann wirklich nur
korrekt qualifizierte Fachkräfte in diesen Bereichen tätig werden.
Durch die Einführung klarer und strengerer Anerkennungsverfahren können Betrug
und Missbrauch im Berufsausbildungssektor wirksam verhindert werden.
Deutschland kann damit auch seine Attraktivität für wirklich qualifizierte ausländische
Fachkräfte erhöhen, indem es Missbrauch begegnet und faire sowie sichere
Rahmenbedingungen für das Anerkennungsverfahren schafft.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung vor diesem Hintergrund
auf,
verstärkte Maßnahmen zur Bekämpfung gefälschter Berufsausbildungszeugnisse in
den Pflegeberufen umzusetzen, um die Qualität der Gesundheitsversorgung zu
verbessern und die Patientensicherheit zu erhöhen. Im Einzelnen wird die Bundesregierung
aufgefordert,
1. beim Bundesgesundheitsministerium dafür eine interdisziplinär besetzte
Prüfungsstelle einzurichten, die zentral die berufliche Eignung der sich für
Pflegberufe in Deutschland Bewerbenden objektiv beurteilt und hierzu auch die
Authentizität von Zeugnissen und Abschlüssen prüft;
2. zur Förderung einer transparenten Dokumentation und Sanktionen bei
Unregelmäßigkeiten bei dieser Stelle ein zentrales, transparentes Register einzurichten,
in dem sämtliche von den Bewerbern aus Drittstaaten vorgelegten Dokumente
dokumentiert und zentral archiviert werden;
3. durch diese zentrale Prüfungsstelle alle von Bewerbern aus Drittstatten für eine
Tätigkeit in der Pflege in Deutschland eingereichten ausländischen Dokumente
bundesweit zu sammeln und systematisch auf ihre Echtheit und inhaltliche
Richtigkeit überprüfen zu lassen;
4. diese zentrale Prüfungsstelle bei festgestellten Unregelmäßigkeiten oder
Fälschungen von Diplomen oder Zeugnissen schnell bundesweit auch die Personen
ermitteln zu lassen, die gleichartige Nachweise verwendet haben und sofortige
Sanktionen zu ergreifen;
5. die Zusammenarbeit mit internationalen Behörden zu verstärken, um
grenzüberschreitenden Betrug zu verhindern und den Austausch von Informationen zu
erleichtern;
6. Informations- und Schulungskampagnen zur Aufklärung und Sensibilisierung
durchzuführen, um Arbeitgeber im Gesundheitssektor über die Risiken und
Erkennungsmerkmale gefälschter Zeugnisse zu informieren.
Berlin, den 11. November 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Die aufgedeckten Fälle zeigen, wie notwendig strengere Kontrollen und transparentere Verfahren bei der
Anerkennung von Pflegequalifikationen sind. Sie sind dringend erforderlich, um die Qualität der Pflege
sicherzustellen und das Vertrauen in das Gesundheitssystem zu erhalten.
Die Bundesregierung hat selbst in der Vergangenheit auf die Gefahren durch die mögliche Fälschung von
ausländischen Berufsabschlusszeugnissen hingewiesen.
Es müssen nun Taten folgen und Maßnahmen ergriffen werden, um die Sicherheitsvorkehrungen bei der
Anstellung von ausländischen Pflegekräften zu verschärfen und eine vollständige Überprüfung der eingereichten
Dokumente und Ausbildungsnachweise sicherzustellen. Nur so kann verhindert werden, dass sich inakzeptable
Vorfälle wiederholen.
Durch die oben genannten Maßnahmen soll die Qualität der pflegerischen Versorgung in Deutschland gesichert
werden. Eine gründlichere Überprüfung der Qualifikationen ist ein notwendiger Schritt, um das Vertrauen der
Bevölkerung in das Gesundheitssystem zu stärken und auch um die Integrität in den Pflegeberufen zu wahren.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- authored ← Alexis L. Giersch (Antrag)
- authored ← Birgit Bessin (Antrag)
- authored ← Carina Schießl (Antrag)
- authored ← Christina Baum (Antrag)
- authored ← Christoph Birghan (Antrag)
- authored ← Claudia Weiss (Antrag)
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Gereon Bollmann (Antrag)
- authored ← Joachim Bloch (Antrag)
- authored ← Kay-Uwe Ziegler (Antrag)
- authored ← Kerstin Przygodda (Antrag)
- authored ← Martina Kempf (Antrag)
- authored ← Martin Sichert (Antrag)
- authored ← Nicole Hess (Antrag)
- authored ← Paul Schmidt (Antrag)
- authored ← Stefan Möller (Antrag)
- authored ← Thomas Dietz (Antrag)
- authored ← Thomas Fetsch (Antrag)
- authored ← Tobias Ebenberger (Antrag)
- part_of_vorgang → Gefälschte Berufsausbildungszeugnisse bei Pflegepersonal bekämpfen (Antrag)