Bekämpfung gefälschter Berufsqualifikationen im Pflege- und Arztwesen
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Bekämpfung gefälschter Berufsqualifikationen im Pflege- und Arztwesen
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4612
21. Wahlperiode 10.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl, Claudia
Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias Ebenberger,
Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis
Leonard Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon
Bollmann, Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Bekämpfung gefälschter Berufsqualifikationen im Pflege- und Arztwesen
In Indien wurden kürzlich bei einer Razzia elf Personen festgenommen, die
über 100 000 gefälschte Universitätsabschlüsse in Medizin, Pflege und
Ingenieurwesen ausgestellt hatten – mit potenzieller Relevanz für den deutschen
Arbeitsmarkt im Gesundheitswesen im Kontext des EU-Indien-Deals und der
Fachkräfteeinwanderung (https://report24.news/eu-indien-deal-gefaelschte-dipl
ome-als-eintrittskarte-nach-europa/).
Deutsche Medien berichteten bereits Ende 2025 von einer indischen
Sprachprüfungs-Betrugsmasche, wobei indische Pflegekräfte hohe Summen für
Scheinzertifikate zahlen, um nach Deutschland zu kommen (www.wn.de/muen
sterland/betrug-indien-pflegekraefte-sprachpruefung-deutschland-3394256?pi
d=true&ueg=default).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Fälle von gefälschten oder unzureichend geprüften
Berufsabschlüssen (Pflege und Ärzte) aus Drittstaaten wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung seit 2015 bundesweit registriert (bitte nach Jahren (2015
bis 2026), Bundesländern, Herkunftsländern, z. B. Syrien, Indien, Saudi-
Arabien, Bosnien und Einrichtungstypen, also beispielsweise Kliniken,
Pflegeheime, Leihfirmen, Praxen, aufschlüsseln)?
2. Welche Trends zeigen sich in der Häufigkeit seit Inkrafttreten des
Fachkräfteeinwanderungsgesetzes (2024), inklusive Quote an ausländischen
Pflege- bzw. Ärzteanträgen (bitte in Prozent angeben)?
3. Wie viele laufende Ermittlungen zu Urkundenfälschungen (§ 267 des
Strafgesetzbuches (StGB)) im Gesundheitswesen gibt es nach Kenntnis
der Bundesregierung derzeit bei Polizei bzw. Staatsanwaltschaften, und
wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Aufklärungs- bzw.
Verurteilungsquote?
4. Gab es nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2024 Fälle wie Taleb A.
(Bundestagsdrucksache 21/1565) oder den Gauting-Fall (Bayern), bei
denen approbierte Ärzte bzw. Pflegekräfte aus Drittstaaten oder mit
unechten Zeugnissen Patienten durch falsche Behandlungen gefährdet haben
(bitte anonymisierte Details, also Anzahl, Folgen, Herkunft, benennen)?
5. Wie viele Patientenschäden bzw. Todesfälle wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung mit unqualifizierten Fachkräften (gefälschte Zeugnisse)
in Verbindung gebracht (bitte aufgeschlüsselt seit 2015 angeben)?
6. Sind nach Kenntnis der Bundesregierung deutsche Arbeitgeber bzw.
Pflegeeinrichtungen bezogen auf die Indien-Razzia (100 000 gefälschte
Abschlüsse) oder Bosnien-Fälle (www.zeit.de/politik/deutschland/2019-01/pf
legekraefte-ausland-bosnien-herzegowina-betrug-abschluss-deutschland-p
flegekraeftemangel/seite-2) mit betroffenen Diplomen in Kontakt
gekommen, und wie viele Anträge aus Indien bzw. Bosnien wurden 2019
abgelehnt?
7. Welche Rolle spielen Zeitarbeitsfirmen bei Fällen (vgl.
Bundestagsdrucksache 21/2710), und welche Sanktionen gegen sie gab es seit 2025?
8. Welche bundes- bzw. nach Kenntnis der Bundesregierung landesweiten
Verfahren existieren zur Prüfung ausländischer Qualifikationen, und wie
hoch ist ggf. die Quote systematischer Echtheitsprüfungen (bitte in
Prozent und jährlich aufgeschlüsselt seit 2015 angeben)?
9. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil ausländischer
Pflegekräfte bzw. Ärzte (2025/2026), und wie viele Anerkennungsanträge
scheitern an Fälschungsverdacht (bitte Quote und Herkunftsländer
angeben)?
10. Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung private Stellen
bzw. Agenturen bei gefälschten Sprachzeugnissen (z. B. Inder, Bosnier),
und welche Kontrollen gibt es?
11. Wurden Empfehlungen des 121. Ärztetags (2018) oder der Hinweis des
Bundesministeriums für Gesundheit aus 2015 umgesetzt, und welche
Erfolgsquoten zeigen sie?
12. Wie wird bei Leihfirmen bzw. Praxen (vgl. Bundestagsdrucksache
21/2710) die Nachverfolgung ähnlicher Fälle gewährleistet, und fehlen
bundeseinheitliche Standards?
13. Gibt es ein zentrales Register (wie auf Bundestagsdrucksachen 21/1565
und 21/2710 gefordert), und wenn nein, warum nicht, und welche Kosten
entstünden ggf. bei einer Einführung?
Berlin, den 9. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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