Herausforderungen und möglicher Verbesserungsbedarf in der generalistischen Pflegeausbildung
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Herausforderungen und möglicher Verbesserungsbedarf in der generalistischen Pflegeausbildung
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/272
21. Wahlperiode 26.05.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Martin Sichert, Kay-Uwe Ziegler, Dr. Christina Baum, Carina
Schießl, Alexis L. Giersch, Nicole Hess, Tobias Ebenberger, Claudia Weiss,
Thomas Dietz, Dr. Christoph Birghan und der Fraktion der AfD
Herausforderungen und möglicher Verbesserungsbedarf in der generalistischen
Pflegeausbildung
Im Jahr 2020 wurde in Deutschland die generalistische Pflegeausbildung
eingeführt, die eine grundlegende Reform des Ausbildungssystems für Pflegeberufe
darstellt (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/07/PD21_356_2
1 2 .html). Diese Reform führte die Ausbildungen in der Altenpflege,
Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege
zu einem einheitlichen Abschluss als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann
zusammen.
Vor der Einführung gab es erhebliche Herausforderungen in den bestehenden
Ausbildungsgängen, darunter hohe Abbrecherquoten und Durchfallquoten. Die
Abbrecherquote lag beispielsweise bereits vor der Reform bei 30 Prozent
(www.pflegenot-deutschland.de/ct/pflegeausbildung-abbruchquote/), wobei bis
zu 20 Prozent der Auszubildenden ihre Ausbildung bereits im ersten Jahr
abbrachen (www.bibliomed-pflege.de/news/hohe-abbrecherquote-zu-ausbildungs
beginn). Ein besonderes Problem bestand in der Durchfallquote, die teilweise
sehr hoch war, wie 2019 in der Akademie für medizinische Berufe der
Uniklinik Freiburg, wo 50 Prozent durch die Prüfung fielen (www.badische-zeitun
g.de/fast-jeder-zweite-pflegeschueler-faellt-bei-abschlusspruefung-durch).
Mit der Einführung der generalistischen Ausbildung wurde nun eine
Verschlechterung der Ausbildungssituation berichtet, z. B., dass die Zahl der
Auszubildenden rückläufig ist und die Abbrecherquote gestiegen sei. Insbesondere
Jugendliche, die sich ursprünglich auf die Altenpflege konzentrieren wollten,
könnten durch zusätzliche medizinische Inhalte aus dem Krankenhausbereich
abgeschreckt werden. Es wurde eine Abbrecherquote von 46 Prozent für den
neuen Ausbildungsgang gemeldet (www.bibliomed-pflege.de/news/sorge-um-d
ramatische-abbrecherquoten-in-der-pflegeausbildung).
Der Arbeitgeberverband warnte, dass die neue Pflegeausbildung
Berufsanfänger überfordere und „mit Anforderungen eines Studiums ‚Medizin light‘“
abschrecke (www.t-online.de/finanzen/beruf-karriere/id_83651904/arbeitgeber-w
arnen-neue-pflegeausbildungueberfordert-berufsanfaenger.html).
In Beantwortung einer Kleinen Anfrage (Bundestagsdrucksache 20/11109)
teilte die Bundesregierung mit, dass statistische Daten zur Abbrecherquote und
zur Durchfallquote erst ab dem Jahr 2023 verfügbar sind, weil der Beruf erst ab
dem Jahr 2020 erlernt werden konnte und der erste Jahrgang im Jahr 2023 die
Ausbildung abschließen konnte. Daten zur Verteilung von
Ausbildungsverträgen würden nicht systematisch erfasst, daher sei eine differenzierte Analyse nur
begrenzt möglich. Zur Beurteilung der Entwicklung der Ausbildungseintritte
wurde festgestellt, dass die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge von
2020 bis 2023 gestiegen sei. Der Bundesregierung fehlten differenzierte Daten
zur Struktur der in den Pflegeberuf eintretenden Mitarbeiter nach der
Ausbildung, weil es keine trennscharfe Unterscheidung zwischen den Berufen
Gesundheits- und Krankenpflege und Altenpflege gäbe.
Die Fragesteller möchten mit diesen Fragen zu den neuen Entwicklungen den
Status quo ermitteln und mögliche Maßnahmen zur Verbesserung
identifizieren. Angesichts des Pflegenotstands erscheint es ihnen wichtig, die Effektivität
der Ausbildung zu hinterfragen und auf erforderliche Anpassungen
hinzuarbeiten, die eine optimale Ausbildung sicherstellen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie haben sich die mit der Kleinen Anfrage „Erste Erfahrungen mit der
generalistischen Pflegeausbildung“ (Bundestagsdrucksache 20/10885)
erfragten Zahlen in den Jahren 2023 und 2024 weiterentwickelt?
2. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung ggf., um die hohe
Abbrecherquote in der Pflegeausbildung zu reduzieren und die
Ausbildungskapazitäten zu erhöhen?
3. Hat sich die Bundesregierung zu der Entwicklung, dass die generalistische
Pflegeausbildung mit den höheren fachlichen und theoretischen
Anforderungen einige Auszubildende angesichts der hohen Abbrecher- und
Durchfallquoten offenbar überfordert, insbesondere solche ohne
akademische Vorbildung oder Abitur, eine eigene Auffassung gebildet, und wenn
ja, wie lautet diese?
4. Welche Maßnahmen werden nach Kenntnis der Bundesregierung ggf.
ergriffen, um sicherzustellen, dass Auszubildende ausreichend
Unterstützung und Begleitung erhalten, um die Anforderungen der neuen
generalistischen Ausbildung zu bewältigen, insbesondere im Hinblick auf die
Praxisanleitung und die theoretische Ausbildung?
5. Gibt es Hinweise darauf, dass die gestiegenen Anforderungen in der
generalistischen Pflegeausbildung dazu führen, dass vermehrt Menschen ohne
Abitur den Beruf meiden, und wenn ja, wie plant ggf. die
Bundesregierung, diesen Trend zu stoppen?
6. Berücksichtigt die Bundesregierung in ihren Ausbildungsreformen die
mögliche Gefahr, dass durch die Einführung eines einheitlich hohen
fachlichen Niveaus potenzielle Bewerber, insbesondere ohne Abitur
abgeschreckt, werden, und wenn ja, inwieweit?
7. Hat sich die Bundesregierung zu den Abbruchquoten der neuen
Pflegeausbildung in Bezug auf den schulischen Hintergrund der Auszubildenden
eine eigene Auffassung gebildet, wenn ja, wie lautet diese, gibt es nach
Kenntnis der Bundesregierung Unterschiede in den Erfolgsraten zwischen
Auszubildenden mit und ohne Abitur, und wenn ja, welche Maßnahmen
werden ggf. getroffen, um diese Unterschiede zu verringern?
8. Gibt es Überlegungen seitens der Bundesregierung, zusätzliche
Ausbildungswege oder Qualifizierungsmaßnahmen einzuführen, die Menschen
ohne Abitur den Zugang zur Pflegeausbildung erleichtern, ohne die
Qualität der Ausbildung zu mindern?
9. Sind seitens der Bundesregierung Anpassungen (ggf. nach Kenntnis der
Bundesregierung in den Lehrplänen und didaktischen Konzepten)
vorgesehen, um sicherzustellen, dass auch Auszubildende ohne akademische
Vorbildung oder Abitur den Anforderungen der Ausbildung gerecht
werden können, und wenn ja, welche sind dies?
10. Wie unterstützt die Bundesregierung ggf. Pflegeeinrichtungen und
Berufsschulen, um individuellere Ausbildungspläne und Ausbildungsstrukturen
anzubieten, die den verschiedenen Bildungsniveaus der Auszubildenden
gerecht werden?
11. Welche Unterstützung erhalten ggf. Auszubildende mit
Sprachschwierigkeiten in der neuen generalistischen Ausbildung?
12. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung spezielle Programme, um
Quereinsteiger in die Pflegeausbildung zu integrieren, und ggf. welche?
13. Sind seitens der Bundesregierung Anpassungen geplant, um die
Ausbildung praxisnäher zu gestalten, und ggf. welche?
Berlin, den 19. Mai 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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