Hochtechnologie-Agenda wirksam machen - Plangenehmigungsverfahren verbessern, vereinfachen und beschleunigen
Text
Hochtechnologie-Agenda wirksam machen - Plangenehmigungsverfahren verbessern, vereinfachen und beschleunigen
Antrag
der Abgeordneten Nicole Höchst, Dr. Michael Kaufmann, Adam Balten,
Dr. Christoph Birghan, Dr. Ingo Hahn, Andreas Mayer, Stefan Schröder, Robin
Jünger, Dr. Paul Schmidt, René Bochmann, Sven Wendorf, Maximilian
Kneller, Marc Bernhard, Carolin Bachmann, Sebastian Münzenmaier, Olaf
Hilmer, Volker Scheurell, Otto Strauß, Bastian Treuheit, Alexander Arpaschi,
Dr. Christina Baum, Joachim Bloch, Erhard Brucker, Thomas Dietz, Hauke
Finger, Boris Gamanov, Alexis L. Giersch, Kay Gottschalk, Udo Theodor
Hemmelgarn, Karsten Hilse, Dr. Malte Kaufmann, Kurt Kleinschmidt, Heinrich
Koch, Achim Köhler, Arne Raue, Dr. Rainer Rothfuß, Manfred Schiller, Georg
Schroeter, Martina Uhr, Jörg Zirwes, Ulrich von Zons und der Fraktion der
AfD
Hochtechnologie-Agenda wirksam machen – Plangenehmigungsverfahren
verbessern, vereinfachen und beschleunigen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Bundesregierung hat mit ihrer Hochtechnologie-Agenda („Hightech Agenda
Deutschland“) das Ziel formuliert, Deutschland als Technologiestandort zu stärken
und Zukunftsinnovationen schneller in die Anwendung zu bringen. Dieses Ziel wird
jedoch durch langwierige und komplexe Planungs- und Genehmigungsverfahren
erheblich beeinträchtigt.
Im internationalen Standortwettbewerb wirken sich Verfahrensdauer und
Rechtsunsicherheit unmittelbar auf Investitionsentscheidungen aus. Zukunftsbranchen der
Mikroelektronik sind in besonderem Maße auf planbare, zügige Genehmigungen
angewiesen.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. unter Beachtung des Grundgesetzes und in Zusammenarbeit mit den Ländern
Vorschläge zu Gesetzesänderungen im Bundes Immissionsschutzgesetz und
seinen Durchführungsverordnungen mit dem Ziel vorzulegen, die
immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren und
Umweltverträglichkeitsprüfungen für Zukunftsbranchen der Mikroelektronik vorrangig und fristgebunden zu
bearbeiten;
2. unter Beachtung des Grundgesetzes und in Zusammenarbeit mit den Ländern
Vorschläge zu Gesetzesänderungen im Verwaltungsverfahrensgesetz mit dem
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7992
21. Wahlperiode 11.09.2026
Ziel vorzulegen, infrastrukturgebundene Planfeststellungs- und
Plangenehmigungsverfahren für Zukunftsbranchen der Mikroelektronik vorrangig und
fristgebunden zu bearbeiten;
3. unter Beachtung des Grundgesetzes und in Zusammenarbeit mit den Ländern
Vorschläge zu Gesetzesänderungen des Onlinezugangsgesetzes und des
Verwaltungsverfahrensgesetzes mit dem Ziel vorzulegen, Zukunftsbranchen der
Mikroelektronik vollständig, verbindlich und bundeseinheitlich eine digitale
Verfahrenssabwicklung für umwelt-, bau- und planungsrechtliche Genehmigungs-,
Plangenehmigungs- und Planfeststellungsverfahren zu ermöglichen;
4. einen Gesetzentwurf vorzulegen, der bestimmt, dass an der Errichtung und dem
Betrieb von Anlagen für Zukunftsbranchen der Mikroelektronik im Sinne der
Bundesimmissionsschutzverordnung ein überragendes öffentliches Interesse
besteht, das in immissionsschutz- und planungsrechtlichen Verfahren als
vorrangiger Belang in die Abwägung einzustellen ist.
Berlin, den 10. September 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Die Bundesregierung hat mit der Hightech Agenda Deutschland das Ziel formuliert, Deutschland als
Technologiestandort zu stärken und Zukunftsinnovationen – etwa den Bau von Mikroelektronikfabriken – schneller in die
Anwendung zu bringen. Dieses Ziel wird jedoch durch langwierige und komplexe Planungs- und
Genehmigungsverfahren erheblich beeinträchtigt. Hinzu kommt eine nur unzureichend vorangetriebene Digitalisierung der
Verwaltungsverfahren (Bundestagsdrucksache 21/1100).
Die Anlagenzulassung der Industrieanlage selbst – etwa einer Mikroelektronikfabrik – erfolgt nicht im Wege der
Planfeststellung, sondern als immissionsschutzrechtliche Genehmigung nach den §§ 4, 6, 10 BImSchG i. V. m.
der 4. und 9. BImSchV. Diese Genehmigung entfaltet Konzentrationswirkung (§ 13 BImSchG). Sie schließt
insbesondere die Baugenehmigung sowie weitere behördliche Entscheidungen ein, sodass ein gesondertes
Baugenehmigungsverfahren entfällt. Beschleunigungspotenzial liegt hier in der konsequenten Anwendung und
wirksamen Durchsetzung der bestehenden Frist (§ 10 Abs. 6a BImSchG: in der Regel sieben Monate) sowie in der
Bündelung der Fachprüfungen.
Die zugehörige Standortinfrastruktur einer Mikroelektronikfabrik – insbesondere Strom- und Netzanbindung,
Verkehrswege und Wasserinfrastruktur – wird demgegenüber regelmäßig im Planfeststellungsverfahren (§§ 72
bis 78 VwVfG) oder im vereinfachten Verfahren der Plangenehmigung (§ 74 Abs. 6 VwVfG) zugelassen.
Letztere ist zulässig, wenn Rechte anderer nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt werden.
Gerade diese Infrastrukturverfahren sind in der Praxis ein wesentlicher Zeitfaktor und werden bislang nur
eingeschränkt über den vereinfachten Weg der Plangenehmigung abgewickelt. Es gilt daher, verbindliche
Genehmigungsfiktionen bei Fristüberschreitung einzuführen sowie Doppelprüfungen in parallelen Fachverfahren zu
vermeiden.
Eine verbindliche Digitalisierung der Verfahren (elektronische Antragstellung, digitale Akteneinsicht, Online-
Beteiligung) auf Grundlage von § 27a VwVfG und des Onlinezugangsgesetzes erhöht die Effizienz und die
Bearbeitungszeiten. Die grundgesetzlich geregelten Verwaltungs- und Vollzugskompetenzen der Länder bleiben
(Art. 83 ff.) davon unberührt.
Die Figur des überragenden öffentlichen Interesses ist bereits etabliert und damit als Anknüpfungspunkt für eine
vergleichbare Priorisierung von Schlüsselvorhaben der Hightech Agenda anschlussfähig. Dieses Modell
entspricht dem Standort-Entwicklungsgesetz der Republik Österreich, das branchenoffene Großvorhaben als
beschleunigte Vorhaben von öffentlichem Interesse behandelt (www.bvwg.gv.at/verfahren/Fachbereiche/
Wirtschaft--Kommunikation--Verkehr-und-Umwelt/umweltvertraeglichkeitspruefung.html).
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ISSN 0722-8333
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