Technologische Souveränität durch deutsches Fachwissen sichern - Staatliche Koordination für ein europäisches KI-Kooperationsprojekt nach Vorbild von Airbus starten
Text
Technologische Souveränität durch deutsches Fachwissen sichern - Staatliche Koordination für ein europäisches KI-Kooperationsprojekt nach Vorbild von Airbus starten
Antrag
der Abgeordneten Robin Jünger, Nicole Höchst, Dr. Michael Kaufmann,
Adam Balten, Dr. Christoph Birghan, Ingo Hahn, Andreas Mayer, Stefan
Schröder, Sergej Minich, Martin Reichardt, Dr. Paul Schmidt, René
Bochmann, Sven Wendorf, Maximilian Kneller, Ruben Rupp, Tobias
Ebenberger, Alexander Arpaschi, Lars Haise, Edgar Naujok, Sebastian Maack,
Steffen Janich, Leif-Erik Holm, Steffen Kotré, Dr. Malte Kaufmann, Marc
Bernhard, Dirk Brandes, Enrico Komning, Bernd Schattner, Raimond
Scheirich, Uwe Schulz, Mathias Weiser, Dr. Rainer Kraft, Christian Reck,
Manfred Schiller, Joachim Bloch, Dr. Michael Blos, Erhard Brucker, Boris
Gamanov, Hans-Jürgen Goßner, Stefan Henze, Kurt Kleinschmidt, Heinrich
Koch, Achim Köhler, Markus Matzerath, Reinhard Mixl, Iris Nieland, Tobias
Matthias Peterka, Bernd Schuhmann, Martina Uhr, Dr. Daniel Zerbin und der
Fraktion der AfD
Technologische Souveränität durch deutsches Fachwissen sichern –
Staatliche Koordination für ein europäisches KI-Kooperationsprojekt nach
Vorbild von Airbus starten
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die Fähigkeit Europas, selbstbestimmt über seine technologische Zukunft zu
entscheiden, ist essenziell für seine politische und wirtschaftliche Souveränität. Im globalen
Wettbewerb um Schlüsseltechnologien haben insbesondere die USA und China in den
vergangenen Jahren massive Investitionen in Zukunftsfelder wie Künstliche
Intelligenz (KI), Halbleiter und Cloud-Infrastrukturen getätigt. Dies führte nicht nur zur
technologischen Vormachtsstellung dieser Akteure, sondern auch zu einem
beunruhigenden Abfluss von Fachwissen, Talenten und Kapital aus Europa. Trotz beachtlicher
Forschungsleistungen gelingt es europäischen Akteuren zu selten, technologische
Entwicklungen in marktfähige Produkte und globale Marktführerschaft zu überführen.
Zugleich bestehen in Europa zahlreiche strukturelle Hindernisse wie fragmentierte
Förderlandschaften, übermäßige Regulierung, hohe bürokratische Hürden sowie
ineffiziente Vergabeverfahren für F&E-Mittel.1
Die Folge ist ein wachsendes Innovationsgefälle, das Europa nicht nur wirtschaftlich
schwächt, sondern auch seine außen-, sicherheits- und industriepolitische Handlungs-
1 https://research-and-innovation.ec.europa.eu/system/files/2020-09/2020_compilation_research_and_inno-
vation_sections_in_country_reports.pdf
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4833
21. Wahlperiode 19.03.2026
fähigkeit einschränkt. Deutschland trägt als größter EU-Mitgliedstaat, führender
Wissenschaftsstandort und stärkste Volkswirtschaft besondere Verantwortung.
Deutschland investierte im Jahr 2023 rund 129 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung
(F&E), was 3,1 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht – ein Wert, der den EU-
Durchschnitt deutlich übersteigt.2 Damit rangiert Deutschland in Europa an vierter
Stelle und gehört zu den führenden F&E-Standorten. Anknüpfend an erfolgreiche
Modelle wie Airbus, ESA oder CERN ist es notwendig, unter deutscher Führung eine
öffentlich koordinierte, europäisch getragene Plattform für KI-Basistechnologien zu
etablieren – einen „KI-Airbus“. Die technologische Souveränität Deutschlands ist von
entscheidender strategischer Bedeutung. Sie bildet die Grundlage für die Sicherung
von wirtschaftlichem Wohlstand, innerer und äußerer Sicherheit sowie politischer
Selbstbestimmung. Angesichts des technologischen Rückstands in zentralen
Innovationsfeldern wie KI, Halbleitertechnologie, Cloud-Infrastrukturen und
Quantencomputing ist ein entschlossenes, koordiniertes Handeln erforderlich. Deutschland verfügt
über exzellente Grundlagen: eine leistungsfähige Wissenschaftslandschaft,
forschungsstarke Industriebranchen, einen innovationsfreudigen Mittelstand sowie eine
substanzielle öffentliche und private F&E-Finanzierung (ebd). Diese Stärken gilt es in
ein strategisches, europäisch abgestimmtes Großprojekt zu überführen, dass wie beim
Luftfahrtkonsortium Airbus vorhandene Kompetenzen vernetzt, Ressourcen effizient
bündelt und internationale Maßstäbe setzt. Zugleich bestehen gravierende Defizite,
insbesondere in der Marktreifeentwicklung und Kapitalbindung. Innovative
europäische Projekte scheitern oft an überlangen Genehmigungsverfahren, kleinteiligen
Zuständigkeiten und der fehlenden Skalierbarkeit auf dem Weltmarkt. Die Abwanderung
von Talenten und Investitionen in außereuropäische Märkte ist ein Warnsignal und
Beleg für die mangelnde Attraktivität des europäischen Innovationsraums. Ohne
entschlossene Gegenmaßnahmen wird Europa dauerhaft vom technologischen Fortschritt
abgehängt. Ein gezieltes, von Deutschland angeleitetes Flaggschiff-Projekt für KI
kann einen Paradigmenwechsel einleiten. Es dient dazu, digitale Souveränität
herzustellen, Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern zu reduzieren, Datenschutz
und IT-Sicherheit nach europäischen Standards zu gewährleisten und die
wirtschaftliche Wertschöpfung im Binnenmarkt zu halten. Ein solcher Ansatz stärkt nicht nur
Europas Wettbewerbsfähigkeit, sondern sichert auch seine Gestaltungsfreiheit in einer
zunehmend digitalen Weltordnung.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. ein offenes europäisches Kooperationsprojekt im Bereich Künstliche Intelligenz
nach Vorbild von Airbus, ESA oder CERN zu initiieren, das unter deutscher
Führungsverantwortung als öffentlich-rechtlich koordinierte, europäisch getragene
Entwicklungsplattform für KI-Basistechnologien strukturiert ist. Ziel ist die
Entwicklung, Kontrolle und Anwendung leistungsfähiger KI-Sprachmodelle,
Dateninfrastrukturen und Rechenkapazitäten ausschließlich unter europäischer Norm-
und Rechtsaufsicht;
2. ein nationales Investitions- und Forschungsprogramm aufzulegen, das zusätzlich
zu bestehenden EU-Förderlinien gezielt auf den Aufbau technologischer
Souveränität in den Bereichen KI, Halbleiter, Cloud-Technologien,
Quantenkommunikation und Hochleistungsrechnen ausgerichtet ist. Die Bundesregierung wird
aufgefordert, die nationalen F&E-Ausgaben bis zum Jahr 2028 auf 4 % des BIP zu
steigern;
3. bürokratische Hemmnisse für Forschung und High-Tech-Unternehmertum
konsequent abzubauen. Hierzu zählen insbesondere die radikale Verkürzung von
Genehmigungszeiten für KI-Projekte, die Entbürokratisierung der Fördervergabe im
2 www.gtai.de/en/invest/business-location-germany/rd-framework/r-d-landscape-68372?utm
Rahmen öffentlicher Innovationsprogramme sowie die Einführung eines
beschleunigten Zulassungsverfahrens für digitale Technologien auf nationaler und
europäischer Ebene;
4. ein strategisches Rückholprogramm für europäische Spitzenforscher, KI-
Entwickler und IT-Fachkräfte aufzusetzen, das durch steuerliche Anreize, direkte
Reintegrationsförderung und den gezielten Aufbau exzellent finanzierter
Forschungseinrichtungen unter nationaler Aufsicht Talente aus dem Ausland
zurückgewinnt und an deutsche Institutionen bindet;
5. neue europäische Exzellenzcluster in strategischen Technologiefeldern
aufzubauen oder bestehende zu erweitern, wobei Deutschland die koordinierende
Funktion übernimmt. Dabei ist jedes beteiligte Land entsprechend seiner
industriellen oder wissenschaftlichen Kompetenz in klar definierter Zuständigkeit
einzubinden – z. B. Frankreich in der Raumfahrt, die Niederlande in der
Halbleiterfertigung, Skandinavien in der Telekommunikation, Deutschland in KI und
industriellen Anwendungen;
6. den Schutz europäischer Zukunftstechnologien massiv zu verschärfen. Die
Bundesregierung wird verpflichtet, gesetzliche Grundlagen für eine erweiterte
Investitionskontrolle im Technologiesektor zu schaffen. Ziel ist die Verhinderung des
Verkaufs oder der Übernahme forschungsintensiver Unternehmen durch
außereuropäische Investoren in Schlüsselbereichen wie KI, Quanten-IT, Halbleiter,
Softwareentwicklung und Datenspeicherung;
7. einen Vorrang für europäische Digitalprodukte in der öffentlichen Beschaffung
zu verankern. Software, Cloud-Dienste, Sicherheitslösungen und
Kommunikationsinfrastruktur, die mit EU-Recht und Datenschutzvorgaben vereinbar sind, sind
bei Ausschreibungen im Bereich der Kritischen Infrastruktur und der Verwaltung
systematisch zu bevorzugen. Dazu sind gesetzliche Anpassungen im
Vergaberecht vorzulegen;
8. dem Deutschen Bundestag jährlich Bericht zu erstatten über den Stand und die
Fortschritte der Umsetzung. Dabei ist u. a. auszuführen, inwieweit technologische
Abhängigkeiten reduziert, Investitionen gebündelt, Exzellenzcluster vernetzt und
konkrete Produkte oder Verfahren im Rahmen des KI-Flaggschiffs zur
Anwendung gebracht wurden. Der Bericht soll Handlungsdefizite benennen,
Umsetzungslücken aufzeigen und strukturierte Verbesserungsvorschläge unterbreiten.
Berlin, den 17. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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