Stand und Steuerung des Glasfaser-, Mobilfunk- und satellitengestützten Breitbandausbaus in Deutschland
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Stand und Steuerung des Glasfaser-, Mobilfunk- und satellitengestützten Breitbandausbaus in Deutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4829
21. Wahlperiode 19.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Robin Jünger, Ruben Rupp, Alexander Arpaschi,
Sebastian Maack, Tobias Ebenberger, Lars Haise, Edgar Naujok,
Steffen Janich und der Fraktion der AfD
Stand und Steuerung des Glasfaser-, Mobilfunk- und satellitengestützten
Breitbandausbaus in Deutschland
Eine leistungsfähige, resiliente und flächendeckende digitale Infrastruktur ist
Grundvoraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, wirtschaftliche Wertschöpfung,
moderne Daseinsvorsorge sowie die Funktionsfähigkeit eines digital
handlungsfähigen Staates. Der Ausbau gigabitfähiger Netze (insbesondere Glasfaser
bis in Gebäude bzw. Wohnungen) wird von der Bundesregierung seit Jahren als
politisches Kernziel benannt (www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/stan
d-glasfaserausbau-2364444). Zugleich ist in der Praxis weiterhin erkennbar,
dass Genehmigungs- und Ausbauprozesse vielfach als langwierig
wahrgenommen werden und die Transparenz über den tatsächlichen Fortschritt aus Sicht
der Fragesteller nicht ausreicht, um Wirksamkeit, Effizienz und Zielerreichung
belastbar zu bewerten.
Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS)
beschreibt seine Zuständigkeit für den Bereich „Digitale Infrastrukturen“
ausdrücklich als Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Ausbau von
Glasfaser und 5G (https://bmds.bund.de/themen/digitale-infrastrukturen).
Gleichzeitig verweist die Bundesregierung im Kontext der Gigabitpolitik auf
Informations- und Planungsinstrumente wie das Gigabit-Grundbuch und den
Breitbandatlas (https://gigabitgrundbuch.bund.de/GIGA/DE/_Home/start.html
sowie https://gigabitgrundbuch.bund.de/GIGA/DE/Breitbandatlas/start.html).
Diese Instrumente können staatliches Controlling, Priorisierung von
Fördermitteln und die transparente Erfolgskontrolle nur dann unterstützen, wenn
Datenqualität, Aktualität, Plausibilitätsprüfungen und die Abbildung tatsächlich
anschlussfähiger bzw. genutzter Anschlüsse nachvollziehbar sind.
Mit dem Bericht zum Stand des Glasfaserausbaus in Deutschland hat das
BMDS zwar eine umfangreiche Bestandsaufnahme vorgelegt, dennoch stellt
sich die Frage, ob die Bundesregierung auf Basis dieses Berichts eine
hinreichend konkrete, terminierte Steuerung der Zielerreichung vornimmt. Hinzu
kommt, dass die öffentliche Debatte regelmäßig zwischen „Verfügbarkeit“,
„Ausbaufortschritt“, „Anschlussfähigkeit“ und tatsächlicher Nutzung
unterscheidet. Ohne eine klare, bundeseinheitliche Definition und Veröffentlichung
zentraler Kennzahlen (z. B. anschlussbereite Haushalte, aktive Anschlüsse,
Ausbau je Gemeindeprägung) bleibt der politische Anspruch aus Sicht der
Fragesteller schwer überprüfbar. (https://bmds.bund.de/fileadmin/BMDS/Dokume
nte/Bericht-Glasfaserausbau-V10-SCREEN-BF-Maps-highres.pdf).
Zudem ist der Netzausbau nicht allein auf leitungsgebundene Technologien
beschränkt. Gerade für abgelegene Regionen, temporäre Lagen und
Resilienzanforderungen können satellitengestützte Breitbandzugänge eine ergänzende
Rolle spielen, wobei hierfür insbesondere Frequenzregulierung, Erdfunkstellen,
Satellitenfunknetze und nationale Verfahren relevant sind (www.bundesnetzage
ntur.de/DE/Fachthemen/Telekommunikation/Frequenzen/SpezielleAnwendung
en/SatFu/start.html sowie www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/Teleko
mmunikation/Frequenzen/SpezielleAnwendungen/SatFu/Erdfunk/artikel.html).
Auf EU-Ebene existiert zudem mit dem „Union Secure Connectivity
Programme“ ein Rechtsrahmen für sichere Konnektivitätsdienste (IRIS2), der auf
staatliche und kritische Bedarfe abzielt (https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/
TXT/PDF/?uri=CELEX:32023R0588). Für eine moderne Staatsdigitalisierung
ist aus Sicht der Fragesteller relevant, ob und wie die Bundesregierung
leitungsgebundene Ausbauziele, Mobilfunkversorgung, neue Netztechnologien
und satellitengestützte Ergänzungen in einer kohärenten, überprüfbaren
Gesamtstrategie zusammenführt.
Vor diesem Hintergrund besteht seitens der Fragesteller ein erhebliches
parlamentarisches Aufklärungsinteresse an belastbaren, regionalisierten Daten, an
der haushalts- und förderrechtlichen Steuerung, an der Umsetzung europäischer
Vorgaben, an der Verwaltungsbeschleunigung sowie an der Frage, welche
international erprobten, EU-rechtlich belastbaren Best-Practice-Ansätze geprüft und
gegebenenfalls übernommen werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Haushalte und Unternehmen sind nach Kenntnis der
Bundesregierung aktuell nicht mit Glasfaser bis ins Gebäude bzw. in die
Wohnung (Fibre to the Building (FTTB) bzw. Fibre to the Home (FTTH))
versorgt (bitte nach Bundesländern sowie Landkreisen bzw. kreisfreien
Städten aufschlüsseln und den Stand der Datenerhebung unter Angabe der
Datenquelle, z. B. Breitbandatlas im Gigabit-Grundbuch, benennen)?
2. Welche Arbeitsdefinitionen verwendet die Bundesregierung für die
Begriffe „anschlussfähig“, „ausgebaut/versorgt“ und „genutzt“ im Kontext
des Glasfaserausbaus, und welche Kennzahlen veröffentlicht sie hierzu
regelmäßig (bitte jeweils die Rechts- bzw. Verwaltungsvorschrift oder
interne Leitlinie benennen, sofern vorhanden)?
3. Welche konkreten, terminierten Zielpfade (Jahresmeilensteine) hat die
Bundesregierung zur Erreichung ihrer Gigabit-Ziele festgelegt, und wie
verknüpft sie diese Zielpfade mit dem Bericht Stand des Glasfaserausbaus
in Deutschland?
4. In welchem Umfang wurden seit Beginn der laufenden Legislaturperiode
Bundesmittel für den Breitband- bzw. Glasfaserausbau bewilligt,
gebunden und tatsächlich ausgezahlt (bitte nach Haushaltsjahren,
Programmlinien, Empfängerkategorien und Bundesländern aufschlüsseln)?
5. Wie viele geförderte Ausbauvorhaben wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung seit Beginn der laufenden Legislaturperiode teilweise oder ganz
aufgehoben, verzögert, neu zugeschnitten oder nachträglich umgeplant,
und welche Hauptgründe wurden hierfür dokumentiert (bitte nach
Programmlinie und Bundesland aufschlüsseln)?
6. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um ineffiziente
Parallel- bzw. Doppelausbauten zwischen geförderten und
eigenwirtschaftlichen Projekten zu vermeiden, und welche quantitativen Kriterien
nutzt sie hierfür?
7. Welche bundesseitigen Vorgaben oder Vereinbarungen bestehen nach
Kenntnis der Bundesregierung mit Ländern und Kommunen zur
Beschleunigung von Genehmigungsverfahren (z. B. Aufgrabegenehmigungen,
Wegerechte), und welche durchschnittlichen Bearbeitungszeiten werden
bundesweit beobachtet (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
8. Welche konkreten Umsetzungsmaßnahmen plant oder vollzieht die
Bundesregierung zur Anwendung der Verordnung (EU) 2024/1309 „Gigabit
Infrastructure Act“ in Deutschland, insbesondere hinsichtlich
koordinierter Bauarbeiten, Zugang zu physischer Infrastruktur und „faserfähiger“
Gebäudeinfrastruktur?
9. Welche Prüf-, Plausibilisierungs- und Sanktionsmechanismen setzt die
Bundesregierung ein, um die Datenmeldungen für das Gigabit-Grundbuch
und den Breitbandatlas auf Richtigkeit und Aktualität zu überprüfen, und
wie häufig erfolgen solche Prüfungen?
10. Beabsichtigt die Bundesregierung, im Rahmen des europäischen
Rechtsrahmens zum Universaldienst einen nationalen Mindeststandard für einen
angemessenen Breitband-Internetzugang festzulegen, und wenn ja, mit
welchen Parametern (Down- bzw. Upload, Latenz, Verfügbarkeit,
Preisbzw. Erschwinglichkeitskriterien), und ab wann?
11. Welche Rolle misst die Bundesregierung satellitengestützten
Breitbandzugängen als Ergänzung zur Glasfaser- und Mobilfunkversorgung bei, und
welche bundesseitigen Planungen, Förderansätze oder regulatorischen
Initiativen bestehen hierzu unter Berücksichtigung der Zuständigkeiten der
Bundesnetzagentur im Bereich Satellitenfunk?
12. Welche Abstimmungen führt die Bundesregierung zu Frequenz- und
Zulassungsfragen für satellitengestützte Breitbandanwendungen (z. B.
Erdfunkstellen, Schutz bestehender Anlagen) durch, und welche konkreten
Ziele verfolgt sie dabei für die Versorgung von „weißen Flecken“?
13. Welche Position und welche Nutzungsszenarien verfolgt die
Bundesregierung im Hinblick auf das EU-Programm für sichere Konnektivität (IRIS2)
gemäß Verordnung (EU) 2023/588, insbesondere für kritische
Infrastrukturen, Behördenkommunikation und resiliente Ersatz- bzw.
Ergänzungsanbindungen in Deutschland?
14. Welche internationalen, EU-rechtlich belastbaren Best-Practice-Ansätze
zur Koordination, Zielsteuerung oder Förderarchitektur des
Breitbandausbaus hat die Bundesregierung geprüft (z. B. staatlich koordinierte
Strategiemodelle wie „Breitbandstrategie 2030“ der Republik Österreich), und
welche Elemente beabsichtigt sie konkret zu übernehmen oder
ausdrücklich nicht zu übernehmen?
Berlin, den 18. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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