Kostensteigerung beim Bundeswehrstandort Büchel - Ursachen, Verantwortlichkeiten und haushaltspolitische Folgen
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Kostensteigerung beim Bundeswehrstandort Büchel - Ursachen, Verantwortlichkeiten und haushaltspolitische Folgen
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1677
21. Wahlperiode 16.09.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Jörg Zirwes, Mirco Hanker, Kurt Kleinschmidt, Thomas
Ladzinski, Gerold Otten, Andreas Paul und der Fraktion der AfD
Kostensteigerung beim Bundeswehrstandort Büchel – Ursachen,
Verantwortlichkeiten und haushaltspolitische Folgen
Im Jahr 2022 beauftragte die damalige Bundesregierung die Beschaffung von
35 F-35-Kampfjets; ab 2027 sollen sie am Luftwaffenstützpunkt Büchel
stationiert werden (www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe/sondervermoege
n-luftwaffe/kampfjets-f-35-luftwaffe). Für den dafür erforderlichen
Standortausbau waren ursprünglich rund 700 Mio. Euro eingeplant. Nach aktueller
Berichterstattung ist mit neuerlichen Mehrkosten von über 640 Mio. Euro zu
rechnen; insgesamt stehen damit gut 2 Mrd. Euro im Raum (www.faz.net/aktue
ll/politik/inland/aufruestung-von-luftwaffen-stuetzpunkt-buechel-wird-gut-600-
millionen-euro-teurer-110607045.html).
Ursächlich für die Kostensteigerungen sind nach Angaben des
Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) und Medienberichten unter anderem
zusätzliche Sicherheits- und Infrastrukturanforderungen der USA-Seite, die
allgemeine Baupreisentwicklung sowie hoher Zeitdruck. Laut einem Bericht der „FAZ“
vom 25. Juli 2025 geht das Bundesverteidigungsministerium von Mehrkosten
in Höhe von über 640 Mio. Euro aus, wodurch sich die Gesamtkosten auf rund
2 Mrd. Euro belaufen (ebd.). Diese Entwicklung spiegelt sich auch in einem
anderen Zeitungsbericht wider: Die Kosten steigen demnach von
zwischenzeitlich 1,2 Mrd. auf rund 2 Mrd. Euro (www.zeit.de/politik/deutschland/2025-07/a
tom-jets-kosten-anstieg-buechel-eifel-militaerflughafen-usa).
Zudem nennen öffentlich zugängliche Berichte als wesentliche Kostentreiber
zusätzliche Sicherheits- und Infrastrukturanforderungen der USA-Seite sowie
die allgemeine Baupreisentwicklung; unter anderem sollen weder chinesische
Chips noch chinesischer Stahl verbaut werden (deutschlandfunk.de/aufruestun
g-von-luftwaffen-stuetzpunkt-buechel-wird-600-millionen-euro-teurer-10
0.html; FAZ, 25. Juli 2025: faz.net/aktuell/politik/inland/aufruestung-von-luftw
affen-stuetzpunkt-buechel-wird-gut-600-millionen-euro-teurer-11060704
5.html).
Das Bundesministerium der Verteidigung bekräftigt zudem, dass ab 2027 die
Infrastruktur in Büchel für den Flugbetrieb der F-35 zur Verfügung stehen soll (
bmvg.de/de/aktuelles/kampfjet-f-35-beschaffung-baumassnahmen-im-zeitplan-
5958376; Bundeswehr, 5. Dezember 2024: bundeswehr.de/de/organisation/luft
waffe/aktuelles/f-35-deutschland-5864336).
Vor diesem Hintergrund sehen die Fragesteller die Notwendigkeit, weitere
Informationen zu Planung, Kostensteuerung und Verantwortlichkeiten beim
Standortausbau in Büchel sowie zu den haushaltspolitischen Folgen der
Kostenentwicklung zu erfragen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche ursprünglichen Kostenannahmen legte die Bundesregierung bei
der Planung der Infrastrukturmaßnahmen am Standort Büchel zugrunde,
und wie wurden diese kalkuliert?
2. Zu welchem Zeitpunkt war der Bundesregierung bekannt, dass die
ursprünglich veranschlagten Kosten nicht ausreichen würden, und wie
wurde der Deutsche Bundestag hierüber informiert?
3. Welche konkreten Anforderungen der USA-Seite führten zur
nachträglichen Änderung der Bauvorgaben (z. B. Ausschluss bestimmter
Materialien, Sicherheitsfreigaben, Fristen), und auf welcher vertraglichen
Grundlage beruhen diese Vorgaben?
4. Welche Anteile der derzeit auf 1,948 Mrd. Euro geschätzten
Gesamtkosten entfallen jeweils auf bauliche Maßnahmen, sicherheitstechnische
Infrastruktur, Auflagen Dritter (insbesondere USA) sowie Planungs- oder
Risikoreserven?
5. Wie bewertet die Bundesregierung ihr eigenes Handeln zur Ermöglichung
der haushaltsrechtlichen Kontrolle durch das Parlament in diesem Projekt,
insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung der Kosten zwischen 2022
und 2025?
6. Wurden mögliche Kostentreiber – etwa inflationsbedingte
Baupreissteigerungen, Sicherheitsanforderungen oder Drittstaatenrestriktionen –
frühzeitig in die Projektplanung einbezogen, wenn ja, warum nicht in der jetzt
erforderlichen Höhe, und wenn nein, warum, nicht?
7. Gab es interne Hinweise oder Risikoanalysen im Bundesministerium der
Verteidigung oder in den für die Bauplanung und Kostensteuerung
zuständigen Dienststellen der Bundeswehr, die bereits vor 2024 auf eine
erhebliche Kostensteigerung beim Standortausbau in Büchel hingewiesen haben?
8. Welche Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus der
Kostenentwicklung für zukünftige Projekte im Rahmen der nuklearen Teilhabe,
insbesondere bei Beschaffungen mit USA-Beteiligung?
9. Welche Bauleistungen und Baumaterialien führen zu erhöhten Baukosten
und in welcher Höhe, um die expliziten USA-Zertifizierungsstandards,
gegenüber Bauleistungen und Baumaterialien, die nach Stand der Technik
frei wählbar sind, also beispielsweise unabhängig vom Herstellungsland,
zu erfüllen?
10. Mit welchen Gesamtkosten (Infrastrukturmaßnahmen, Maßnahmen zur
Ausbildung und Qualifizierung von Piloten und Bodenpersonal,
Maßnahmen im Rahmen der Materialerhaltung und des Ersatzteilwesens, der
Bewaffnung, Maßnahmen für Software und Lizenzen) ist im Zusammenhang
mit der Beschaffung der 35 F-35 zu rechnen?
11. Sehen die Verträge zur Lieferung der 35 F-35 eine Vertragsstrafe
(Kompensation) für den Lieferanten vor, wenn die 35 F-35 nicht termingerecht
ausgeliefert werden können?
Berlin, den 28. August 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333]
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