Zuständigkeitsbereich des Zentralrats der Juden in Deutschland
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Zuständigkeitsbereich des Zentralrats der Juden in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/1129
21. Wahlperiode 05.08.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Bodo Ramelow, Clara Bünger, Anne-Mieke Bremer, Agnes
Conrad, Mandy Eißing, Katrin Fey, Dr. Gregor Gysi, Luke Hoß, Ferat Koçak, Jan
Köstering, Sonja Lemke, Tamara Mazzi, David Schliesing, Aaron Valent, Donata
Vogtschmidt, Christin Willnat und der Fraktion Die Linke
Zuständigkeitsbereich des Zentralrats der Juden in Deutschland
In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 17. Juli 2025 wird der Präsident
des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, folgendermaßen
zitiert:
„Der Zentralrat ist auch das Dach der jüdischen Gemeinden und vertritt alle
Denominationen. Er ist die gesellschaftliche, politische und religiöse
Vertretung des deutschen Judentums.“ (www.faz.net/aktuell/politik/inland/schuster-b
ezeichnet-wadephuls-aeusserung-ueber-zwangssolidaritaet-als-entgleisung-110
593344.html). Ergänzt wird diese Aussage von Josef Schuster noch mit dem
Hinweis auf die vom Zentralrat initiierte Gründung der Nathan Peter Levinson
Stiftung, welche die Ausbildung für ein liberales Rabbinerseminar an der
Universität Potsdam übernehmen soll, und die Errichtung des Militärrabbinats.
Eine Kooperationsvereinbarung mit der Universität Potsdam liege laut Josef
Schuster jedoch nicht vor, die staatliche Förderung laufe laut den Aussagen von
Josef Schuster jedoch schon über die Nathan Peter Levinson Stiftung.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie begründen sich die Finanzmittel für die Nathan Peter Levinson
Stiftung im Entwurf des Bundeshaushalts 2025, wenn doch im Staatsvertrag
zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Zentralrat der Juden in
Deutschland in Artikel 6 Absatz 1 festgelegt ist, dass es keine weiteren
Finanzmittel neben den genannten in Artikel 2, 5 und 6 offen oder verdeckt
geben darf?
2. Auf welcher rechtlichen Grundlage liegen laut Bundesregierung die
zusätzlichen Mittel im Bundeshaushaltsentwurf 2025 für den Zentralrat der Juden
in Deutschland, welche über die Nathan Peter Levinson Stiftung ausgezahlt
werden?
3. Wurde der Zentralrat der Juden in Deutschland als Religionsgemeinschaft
anerkannt, und wenn ja, wann, und woraus leitet sich der Anspruch ab, „die
religiöse Vertretung des Deutschen Judentums“ zu sein (www.faz.net/aktuel
l/politik/inland/schuster-bezeichnet-wadephuls-aeusserung-ueber-zwangsso
lidaritaet-als-entgleisung-110593344.html)?
4. a) Ist nach Ansicht der Bundesregierung der Zentralrat der Juden in
Deutschland der religiöse Vertreter des Liberalen Judentums, und wenn
ja, wie begründet die Bundesregierung die Nichtbeachtung der
Körperschaft des öffentlichen Rechts (K.d.ö.R.) UPJ (Union Progressiver
Juden), wenngleich bei der Errichtung des Militärrabbinats der Zentralrat
der Juden in Deutschland dem Bundesministerium der Verteidigung
noch schriftlich (5. Dezember 2019) zugesagt hat, die Pluralität der
religiösen Denominationen zu sichern und hierfür die Autorisierung der
K.d.ö.R. UPJ vorgelegt hat?
b) Wie beurteilt die Bundesregierung diese aus Sicht der Fragesteller
bestehende Vereinnahmung und Verdrängung des religiösen,
eigenständigen Bekenntnisses?
5. a) Wann wurde nach Kenntnis der Bundesregierung durch Vertreter der
Union Progressiver Juden in Deutschland bzw. der Denomination, die
auch das religiöse Bekenntnis für die Ordination der im Abraham
Geiger Kolleg ausgebildeten Rabbiner und Kantoren darstellt, ein
Einverständnis mit der Bundesregierung oder dem Zentralrat der Juden in
Deutschland hergestellt, dass die staatliche Förderung zur zukünftigen
Ausbildung der liberalen Rabbiner und Kantoren vom Abraham Geiger
Kolleg zur Nathan Peter Levinson Stiftung übergehen soll?
b) Wann und mit welchem Vertrag oder mit welcher vertraglichen
Änderung wurde diese Neuverteilung der Aufgaben durch die
Bundesregierung und den Zentralrat der Juden in Deutschland geregelt?
6. Wie berücksichtigte die Bundesregierung bei der Erstellung des
Haushaltsentwurfes 2025 das ergangene Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur
finanziellen Beteiligung einer Jüdischen liberalen Gemeinde, die zur K.d.ö.R.
UPJ gehört und nicht bereit war, von der Verteilung staatlicher Mittel
ausgeschlossen zu sein (Bundesverwaltungsgericht (BVerwG), Urteil vom
28. Februar 2002 – 7 C 7.01; Oberverwaltungsgericht (OVG) Sachsen-
Anhalt http://lexetius.com/2002,2130)?
7. Wie setzt die Bundesregierung die verfassungsrechtlichen Vorgaben aus den
ergangenen Leitsätzen, z. B. der Staat dürfe eine Religionsgemeinschaft
nicht in ein Abhängigkeitsverhältnis von einer anderen
Religionsgemeinschaft bringen, aus dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur
angemessenen Beteiligung an staatlichen Mitteln, sich nicht dem Zentralrat der
Juden in Deutschland unterordnen zu müssen, wenn es sich um eine
eigenständige Denomination handelt, um (BVerfGE 123, 148 ff.)?
Berlin, den 31. Juli 2025
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333]
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