Schwere Durchfallerkrankungen bei Kindern - Häufung von Fällen des hämolytisch-urämischen Syndroms in Frankreich und mögliche Auswirkungen auf Deutschland
Text
Schwere Durchfallerkrankungen bei Kindern - Häufung von Fällen des hämolytisch-urämischen Syndroms in Frankreich und mögliche Auswirkungen auf Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/707
21. Wahlperiode 30.06.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Carina Schießl, Claudia
Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias Ebenberger,
Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis L.
Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon Bollmann,
Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Schwere Durchfallerkrankungen bei Kindern – Häufung von Fällen des
hämolytisch-urämischen Syndroms in Frankreich und mögliche Auswirkungen
auf Deutschland
Zwischen dem 13. und 18. Juni 2025 wurden in Frankreich sieben Kinder im
Alter zwischen etwa einem Jahr und zwölf Jahren mit schweren
Durchfallerkrankungen in Krankenhäuser eingeliefert. Laut Medienberichten entwickelten
mindestens vier von ihnen ein hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS), ein
Kind verstarb (www.focus.de/gesundheit/news/7-kinder-in-frankreich-erkranke
n-schwer-an-durchfall-eins-stirbt-ursache-unklar_bc77562b-bed4-426e-9b1b-0
129b4d57108.html). Die Ursache für die Erkrankungen ist bislang unklar, erste
epidemiologische Hinweise deuten auf den Konsum von Hackfleisch aus zwei
verschiedenen Metzgereien hin (ebd.). Die betroffenen Kinder hatten jedoch
nicht gemeinsam gegessen oder sich am selben Ort aufgehalten, was auf eine
mögliche breitere Kontamination oder systemische Verunreinigung hinweisen
könnte.
Solche Fälle werfen nach Auffassung der Fragesteller auch für Deutschland
wichtige Fragen hinsichtlich Prävention, Lebensmittelsicherheit,
Frühwarnsystemen und grenzüberschreitender Gesundheitsüberwachung auf. Besonders
relevant ist dabei in den Augen der Fragesteller die Risikobewertung für Kinder
und die Zusammenarbeit mit europäischen Nachbarstaaten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wurde die Bundesregierung über die Fälle informiert, und wenn ja, wann
erstmals, und über welche Kanäle (z. B. Europäisches Zentrum für die
Prävention und die Kontrolle von Krankheiten [ECDC],
Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel [Rapid Alert System for Food and
Feed – RASFF])?
2. Wenn Frage 1 bejaht wurde, liegen der Bundesregierung weitere
Informationen über die sieben schweren Durchfallerkrankungen bei Kindern in
Frankreich seit dem 13. Juni 2025 vor, und wenn ja, welche?
3. Wenn Frage 1 bejaht wurde, liegen der Bundesregierung Erkenntnisse
über die Altersverteilung der betroffenen Kinder vor, und wenn ja,
welche?
4. Wenn Frage 1 bejaht wurde, liegen der Bundesregierung zu den
französischen Angaben über die Anzahl der betroffenen Kinder (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller) eigene Erkenntnisse vor, und wenn ja, welche?
5. Wenn Frage 1 bejaht wurde, welche Todesursache wurde im bekannt
gewordenen Sterbefall nach Kenntnis der Bundesregierung festgestellt?
6. Wenn Frage 1 bejaht wurde, gibt es Hinweise auf weitere Erkrankungen,
Todesfälle oder Nachmeldungen seit dem ursprünglichen
Berichtszeitraum?
7. Wenn Frage 1 bejaht wurde, welche Erreger wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung bei den betroffenen Kindern in Frankreich identifiziert
oder ausgeschlossen (z. B. EHEC [Enterohämorrhagische Escherichia
coli], E. coli O157, Shigellen, Viren)?
8. Wenn Frage 1 bejaht wurde, welche diagnostischen Verfahren (PCR
[Polymerase-Kettenreaktion], Kultur, Toxin-Nachweis) wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung angewendet?
9. Wenn Frage 1 bejaht wurde, wurde nach Kenntnis der Bundesregierung
eine molekulare Typisierung oder Serotypisierung des Erregers
vorgenommen?
10. Wenn Frage 1 bejaht wurde, gibt es Hinweise auf eine gemeinsame Quelle
oder unterschiedliche Infektionsquellen?
11. Wenn Frage 1 bejaht wurde, welche Lebensmittel oder Verzehrprodukte
stehen nach Kenntnis der Bundesregierung im Verdacht, Auslöser der
Erkrankung zu sein?
12. Wenn Frage 1 bejaht wurde, welche Rolle spielen nach bisherigen
Erkenntnissen Hackfleischprodukte oder bestimmte Metzgereibetriebe?
13. Gibt es Hinweise auf nach Deutschland importierte Lebensmittel, die mit
den französischen Fällen im Zusammenhang stehen könnten?
14. Gab es RASFF-Meldungen mit Bezug zu dem Vorfall?
15. Wurde das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) oder das
Robert Koch-Institut (RKI) mit einer Risikoeinschätzung beauftragt?
16. Gibt es Hinweise auf vergleichbare Fälle in Deutschland im Zeitraum Mai
bis Juni 2025?
17. Wie beurteilt die Bundesregierung das derzeitige Risiko für Kinder in
Deutschland?
18. Welche Maßnahmen zur Früherkennung, Information und Prävention
wurden seitens der Bundesregierung oder nachgeordneten Behörden
ergriffen?
19. Gab es öffentliche Warnhinweise durch das Bundesamt für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) oder andere Stellen?
20. Inwieweit sind die Frühwarnsysteme für lebensmittelbedingte
Krankheitsausbrüche nach Ansicht der Bundesregierung für solche Fälle
ausreichend?
21. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung aus früheren HUS-
Ausbrüchen (z. B. 2011 in Deutschland, edoc.rki.de/bitstream/handle/176
904/1798/23KbuKpvigReA.pdf?sequence=1&isAllowed=y) hinsichtlich
Prävention und Reaktionsgeschwindigkeit gewonnen?
22. Wie wird sichergestellt, dass Eltern und Betreuungseinrichtungen (Kitas,
Schulen) bei potenziellen Ausbrüchen rasch informiert werden?
23. Wie viele HUS-Fälle bei Kindern wurden in Deutschland in den Jahren
von 2015 bis 2024 jährlich registriert (bitte nach Jahr aufschlüsseln)?
24. Gab es in den letzten zehn Jahren in Deutschland Cluster aus mehreren
HUS-Fällen mit lebensmittelbedingter Ursache?
25. Wie hoch ist die durchschnittliche HUS-Inzidenz bei Kindern unter
15 Jahren in Deutschland pro 100 000 Einwohner?
26. Welche Meldepflichten bestehen in Deutschland für HUS und schwere
Durchfallerkrankungen mit vermuteter Lebensmittelursache?
Berlin, den 27. Juni 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- asked ← Alexis L. Giersch (Kleine Anfrage)
- asked ← Birgit Bessin (Kleine Anfrage)
- asked ← Carina Schießl (Kleine Anfrage)
- asked ← Christina Baum (Kleine Anfrage)
- asked ← Christoph Birghan (Kleine Anfrage)
- asked ← Claudia Weiss (Kleine Anfrage)
- asked ← Gereon Bollmann (Kleine Anfrage)
- asked ← Joachim Bloch (Kleine Anfrage)
- asked ← Kay-Uwe Ziegler (Kleine Anfrage)
- asked ← Kerstin Przygodda (Kleine Anfrage)
- asked ← Martina Kempf (Kleine Anfrage)
- asked ← Martin Sichert (Kleine Anfrage)
- asked ← Nicole Hess (Kleine Anfrage)
- asked ← Paul Schmidt (Kleine Anfrage)
- asked ← Stefan Möller (Kleine Anfrage)
- asked ← Thomas Dietz (Kleine Anfrage)
- asked ← Thomas Fetsch (Kleine Anfrage)
- asked ← Tobias Ebenberger (Kleine Anfrage)
- authored ← Christina Baum
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Martin Sichert
- part_of_vorgang → Schwere Durchfallerkrankungen bei Kindern - Häufung von Fällen des hämolytisch-urämischen Syndroms in Frankreich und mögliche Auswirkungen a (Kleine Anfrage)