Fragen zur wirtschaftlichen Situation im Monat Mai 2025 (Antwort zu Drs. 21/399)
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Fragen zur wirtschaftlichen Situation im Monat Mai 2025 (Antwort zu Drs. 21/399)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/611
21. Wahlperiode 20.06.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Bernd Schattner, Raimond Scheirich
und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/399 –
Fragen zur wirtschaftlichen Situation im Monat Mai 2025
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie veröffentlichte die
Pressemitteilung „Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Mai 2025“ am
14. Mai 2025 auf seiner Internetseite (www.bmwk.de/Redaktion/DE/Pressemi
tteilungen/Wirtschaftliche-Lage/2025/20250514-die-wirtschaftliche-lage-in-de
utschland-im-mai-2025.html#:~:text=Im%20gesamten%20ersten%20Quartal
%202025,%2C0%20%25%20)%20Zuw%C3%A4chse%20verzeichnen). Die
Fragesteller sind besorgt über die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen in
unserem Land. Aus diesem Grund sehen sie sich veranlasst, einige
Sachverhalte der Pressemitteilung zu hinterfragen.
1. Welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen wären nach Auffassung der
Bundesregierung geeignet, Insolvenzen gezielt in besonders betroffenen
Branchen zu verhindern?
Die Bundesregierung sieht es vor allem als notwendig an, die
Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandorts Deutschlands signifikant zu verbessern. Dazu
gehören verbesserte Rahmenbedingungen für Investitionen und Innovation, ein
effektiver Abbau überbordender Bürokratie, die Senkung von Strompreisen
oder verbesserte Erwerbsanreize. Diese wirtschaftspolitische Ausrichtung trägt
auch zu einer günstigeren ökonomischen Perspektive von Branchen bei, die
vom Strukturwandel besonders betroffen sind. Die dadurch angeschobene
Wachstumsdynamik wird sich außerdem auf die Insolvenzentwicklung positiv
auswirken. Prioritäre Maßnahmen können dem vom Koalitionsausschuss
beschlossenen „Sofortprogramm“ entnommen werden.
2. Welche Sektoren profitieren nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit
am stärksten von konjunkturellen Vorzieheffekten, und wie nachhaltig sind
diese Impulse?
Insgesamt schwanken die deutschen Warenausfuhren in die USA am aktuellen
Rand relativ stark. Besonders im Februar haben sie saisonbereinigt kräftig ge-
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
vom 20. Juni 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
genüber dem Vormonat zugelegt. Die sektoralen Exportdaten weisen darauf
hin, dass vor allem die deutschen Lieferungen von Kfz und Kfz-Teilen in die
USA seit Jahresbeginn deutlich gegenüber dem Vorjahr expandiert haben, was
auf Vorzieheffekte im US-Geschäft hindeutet. Auch die Auftragseingänge aus
dem Ausland geben Hinweise auf vorgezogene Bestellungen aus den USA. So
sind insbesondere die Bestellungen von Investitionsgütern im Februar und
März deutlich gestiegen. Ein Blick auf einzelne Branchen zeigt, dass vor allem
die Auslandsorder aus den Ländern außerhalb des Euroraums im Kfz-Bereich
seit Jahresbeginn durchgängig im Plus lagen. Auch in der Pharmaindustrie
waren hier deutliche Steigerungen zu beobachten.
Angesichts der zuletzt sprunghaften US-Zollpolitik sind auch im weiteren
Verlauf erhöhte Schwankungen im Exportgeschäft nicht auszuschließen. Nach
aktuellem Datenstand sind die Warenexporte Deutschlands in die USA im April
nach den vorangegangenen – durch Vorzieheffekte gestützten – Anstiegen
wieder merklich zurückgegangen.
3. Wie wirkt sich nach Kenntnis der Bundesregierung die volatile US-
Zollpolitik differenziert auf Branchen wie Kfz, Maschinenbau und Chemie
aus?
Nach Modellrechnungen des IfW Kiel ist in Deutschland die verarbeitende
Industrie am stärksten von der US-Zollpolitik betroffen, insbesondere
Transportmittel (Autos und Flugzeuge), gefolgt von der Stahlindustrie und dem
Maschinenbau.
Betrachtet man die meistexportierten Waren aus DEU im Jahr 2024, so zeigt
sich, dass die USA als Absatzmarkt besonders für deutsche Schlüsselindustrien
wie die Pharma- und Automobilbranche mit Anteilen des US-Geschäfts am
gesamten Branchenexport von 24,1 Prozent bzw. 13,2 Prozent eine hohe
Relevanz haben. Darüber hinaus hatten die USA als Abnehmer bei Luft- und
Raumfahrzeugen sowie bei optischen und fotografischen Erzeugnissen einen hohen
Anteil. Zollanhebungen auf Produkte dieser Branchen treffen die deutsche
Wirtschaft insgesamt also wesentlich stärker als z. B. solche auf Stahl- und
Aluminium. In letzteren beiden Wirtschaftsbereichen lag der Anteil der Exporte
in die USA 2024 jeweils bei rund 4 Prozent. Allerdings ist die indirekte
Betroffenheit dieser Sektoren deutlich höher, u. a. weil Stahl- und Aluminium
wesentliche Vorprodukte für die Automobilindustrie darstellen, die ihrerseits ebenfalls
von US-Zöllen betroffen ist.
Auch in den ifo-Exporterwartungen der Unternehmen spiegelt sich die
sprunghafte US-Zollpolitik wider, insbesondere in den Sektoren Automobil- und
Maschinenbau sowie bei Herstellern von Metallerzeugnissen. In diesen Branchen
fielen die Exporterwartungen nach den US-Zollankündigungen im April
wesentlich pessimistischer aus als noch im März. Im Mai hellten sich die
Aussichten im Maschinen- und Automobilbau dann wieder auf, verblieben aber
weiter auf niedrigem Niveau. Insgesamt bleiben die Schwankungen im
Exportgeschäft und bei den Exportaussichten aktuell hoch.
4. Welche politischen Maßnahmen wären nach Auffassung der
Bundesregierung geeignet, die Exportwirtschaft gegen externe Handelsschocks
resilienter zu machen?
Die Aufgabe der Bundesregierung liegt in der Gestaltung
außenwirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen, um die Wirtschaft bei der Diversifizierung ihrer
Lieferketten, Bezugs- und Absatzmärkte zu unterstützen. Die Bundesregierung
unterstützt daher erstens die für die Handelspolitik federführende Europäische
Kommission in ihren Bemühungen, Handelskonflikte auf dem
Verhandlungsweg zu lösen, neue EU-Handelsabkommen insbesondere mit Ländern in
Lateinamerika und Indo-Pazifik zu verhandeln und abzuschließen sowie das
multilaterale Handelssystem mit der WTO im Zentrum zu stärken und
zielgerichtet zu reformieren. Mit dem Ziel der Beförderung eines Level Playing-
Fields unterstützt die Bundesregierung die EU zudem beim zielgerichteten
Einsatz des handelspolitischen Instrumentariums, soweit im Einzelfall erforderlich
und angemessen. Zweitens wirkt die Bundesregierung darauf hin, das bewährte
Außenwirtschaftsförderinstrumentarium weiter auszubauen, um die Position
der deutschen Wirtschaft im internationalen Wettbewerb und in strategisch
relevanten Sektoren zu stärken. Drittens sieht die Bundesregierung in der Stärkung
der Wirtschaftssicherheit auf EU- und nationaler Ebene einen zentralen
Baustein, um den wachsenden geopolitischen Herausforderungen zu begegnen.
Viertens setzt sich die Bundesregierung dafür ein, den europäischen
Binnenmarkt zu vollenden.
5. Welche Bedeutung kommt nach Kenntnis der Bundesregierung der
gestiegenen Kerninflation für geld- und tarifpolitische Entscheidungen zu?
Die Teuerungsrate ohne Nahrungsmittel und Energie (sog. Kerninflation) lag
im Jahr 2024 bei 3 Prozent nachdem sie im Jahr 2023 + 5,1 Prozent betragen
hatte. Im laufenden Jahr bewegten sich die Veränderungsraten gegenüber den
Vorjahresmonaten zwischen 2,6 Prozent und 2,9 Prozent.
Die Kerninflation entwickelt sich gegenüber der gesamten
Verbraucherpreisinflation nachgelagert und bewegt sich somit etwas zeitverzögert auf das EZB-
Ziel zu. Dies ist vor allem auf das höhere Gewicht der Dienstleistungspreise bei
der Kerninflation zurückzuführen. Die Preisentwicklung bei Dienstleistungen
ist insbesondere von der Lohnentwicklung geprägt, die (u. a. aufgrund
laufender Tarifverträge) erst mit einigem Zeitverzug auf die gesamtwirtschaftliche
Entwicklung wie auch die Inflationsentwicklung insgesamt reagiert.
Zu den geldpolitischen Entscheidungen der EZB äußert sich die
Bundesregierung grundsätzlich nicht.
6. Welche konjunkturellen Indikatoren sind nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit besonders geeignet, eine bevorstehende Abschwächung der
Weltkonjunktur frühzeitig zu erkennen?
Für die weltwirtschaftliche Entwicklung gibt es eine Vielzahl an
Frühindikatoren. Wichtige Indikatoren für die weltwirtschaftliche Entwicklung sind der
globale Einkaufsmanagerindex von S&P Global, der Index des RWI/ISL zum
weltweiten Containerumschlag oder finanzmarktbasierte Indikatoren wie der
Sentix-Index. Außerdem spielen markt- oder pressebasierte
Unsicherheitsindikatoren aktuell eine wichtige Rolle.
7. Wie können nach Auffassung der Bundesregierung kleine und mittlere
Unternehmen (KMU) im Handwerk ihre Investitionsentscheidungen unter
hoher Unsicherheit sinnvoll planen?
Die Bundesregierung weiß um die Wichtigkeit von Planungssicherheit für
Investitionsentscheidungen kleiner und mittlerer Unternehmen, auch im
Handwerk. Gezielte Investitionsanreize setzt die Bundesregierung daher mit dem am
4. Juni 2025 im Kabinett beschlossenen „Gesetzentwurf für ein steuerliches
Investitionssofortprogramm zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland“,
der u. a. schnellere Abschreibungsmöglichkeiten und steuerliche Entlastungen
beinhaltet. Damit soll ein kurzfristiger Anschub wachstumswirkender
Investitionen ermöglicht und gleichzeitig langfristig für spürbare Entlastungen gesorgt
werden, die den Betrieben die notwendige Planungssicherheit für Investitionen
bieten. Davon profitiert auch das Handwerk.
8. Welche Rückschlüsse lassen sich nach Auffassung der Bundesregierung
aus der gegenläufigen Entwicklung der leicht rückläufigen Kurzarbeit und
der leicht steigenden Erwerbstätigkeit ziehen?
Die wirtschaftliche Stagnation der vergangenen Jahre wirkt sich auch auf dem
Arbeitsmarkt aus. So befanden sich gemäß vorläufigen Daten der
Bundesagentur für Arbeit im März 2025 etwa 248 000 Personen in konjunktureller
Kurzarbeit. Die Inanspruchnahme von Kurzarbeit lag damit zwar leicht unterhalb
des Vormonats, aber immer noch höher als im Vorjahreszeitraum. Zuletzt haben
sich die Anzeigen von konjunktureller Kurzarbeit relativ stabil entwickelt.
Nach einem Rückgang der saisonbereinigten Erwerbstätigkeit zu Jahresbeginn
waren in den letzten Monaten wieder leichte Zuwächse zu verzeichnen. Im
Vorjahresvergleich ist die Erwerbstätigkeit jedoch leicht gesunken.
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ISSN 0722-8333]
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