Fragen zur wirtschaftlichen Situation im Monat April 2025 (Antwort zu Drs. 21/244)
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Fragen zur wirtschaftlichen Situation im Monat April 2025 (Antwort zu Drs. 21/244)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/445
21. Wahlperiode 10.06.2025
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Bernd Schattner, Leif-Erik Holm,
Dr. Malte Kaufmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/244 –
Fragen zur wirtschaftlichen Situation im Monat April 2025
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz veröffentlichte die
Pressemitteilung „Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im April 2025“ am
14. April 2025 auf seiner Internetseite (www.bmwk.de/Redaktion/DE/Pressem
itteilungen/Wirtschaftliche-Lage/2025/20250414-die-wirtschaftliche-lage-in-d
eutschland-im-april-2025.html). Die Fragesteller sind besorgt über die
jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen in unserem Land. Aus diesem Grund
sehen sie sich veranlasst, einige Sachverhalte der Pressemitteilung zu
hinterfragen.
1. Welche strukturellen Schwächen, wie beispielsweise die Abgabenlast oder
die Energiepreisentwicklung, machen die deutsche Industrie nach
Kenntnis der Bundesregierung besonders anfällig für externe Schocks wie
beispielsweise protektionistische US-Zollmaßnahmen?
Die Industrie in Deutschland und Europa steht vor großen strukturellen
Herausforderungen. Dazu gehören insbesondere der Fachkräftebedarf aufgrund des
demographischen Wandels, hohe Energiepreise, bürokratische Lasten sowie
geopolitische Unsicherheiten. Die Bundesregierung adressiert diese und weitere
industrierelevante Themen und hat sich bereits zu weitreichenden Maßnahmen
zur Stärkung des Industriestandorts Deutschland sowie dessen Resilienz
verständigt. Es gilt nun, diese Maßnahmen möglichst zügig und so umzusetzen,
dass die Wettbewerbsfähigkeit der Industrieunternehmen nachhaltig gestärkt
wird. Eine insgesamt günstige Wettbewerbsposition stärkt auch die Resilienz
im Hinblick auf eine protektionistische Zollpolitik wesentlicher
Handelspartner.
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
vom 6. Juni 2025 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
2. Welche Handlungsoptionen bestehen für kleine und mittlere Unternehmen
(KMU) nach Kenntnis der Bundesregierung in Handwerk und Industrie,
um sich gegen volatile Exportbedingungen abzusichern?
Nicht nur, aber auch mit Blick auf volatile Außenhandelsbedingungen
unterstützt die Bundesregierung eine EU-Handelspolitik, die sich ambitioniert für
multilaterale Lösungen und bilaterale Handelsabkommen einsetzt. Neue
Handelsabkommen tragen zu mehr Diversifizierung der Handelsbeziehungen bei
und damit insgesamt zu einer höheren Resilienz der deutschen Wirtschaft,
einschließlich der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Im Übrigen kann in
Märkten, die über den privaten Versicherungsmarkt nicht abzusichern sind, die
Bundesregierung Exporteure und exportfinanzierende Banken über das
Instrument der Exportkreditgarantien gegen einen möglichen Forderungsausfall
(wirtschaftlich und politisch) des ausländischen Bestellers oder
Darlehensnehmers absichern. Dies ist besonders relevant für Auslandsgeschäfte in relativ
risikoreichen Märkten, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern. Durch
die Übernahme des Ausfallrisikos bei Auslandsgeschäften ermöglicht die
Bundesregierung heimischen Unternehmen insbesondere auch des Mittelstands
zusätzliche Wirtschaftsbeziehungen. Ausführliche Informationen finden sich hier:
www.exportkreditgarantien.de/de
3. Können binnenorientierte Dienstleistungsbranchen nach Kenntnis der
Bundesregierung als konjunkturelle Stabilisatoren gezielt gestärkt werden,
und wenn ja, wie?
Die Bundesregierung wird strukturelle Reformen für die gesamte Wirtschaft
umsetzen, um Investitions- und Innovationsbedingungen in Deutschland zu
stärken.
4. Welche Branchen tragen trotz der konjunkturellen Schwäche nach
Kenntnis der Bundesregierung überdurchschnittlich zur wirtschaftlichen
Stabilität des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bei?
Die anhaltende wirtschaftliche Stagnation ist insbesondere auf eine schwache
Entwicklung im Produzierenden Gewerbe zurückzuführen. Im
Dienstleistungsbereich konnte die preisbereinigte Wertschöpfung gegenüber dem Niveau vor
der Corona-Pandemie hingegen zum Teil deutlich gesteigert werden. Neben
den öffentlichen Dienstleistern legten dabei vor allem der Bereich Information
und Kommunikation sowie die Unternehmensdienstleister zu.
5. Welche konjunkturpolitischen Impulse wären nach Auffassung der
Bundesregierung geeignet, die negative Dynamik bei Investitionen und
Auftragseingängen nach Kenntnis der Bundesregierung zu durchbrechen?
Die öffentlichen Investitionen werden von den zusätzlichen finanziellen Mitteln
durch das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz sowie den geplanten
Maßnahmen zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren
profitieren. Hierdurch werden nicht nur strukturelle Defizite im
Infrastrukturbereich adressiert, sondern auch konjunkturelle Impulse gesetzt. Auch die
angelegte Erhöhung der Verteidigungsausgaben dürfte sich positiv auf öffentliche
Investitionen auswirken und zu zusätzlichen Auftragseingängen führen. Zur
Aktivierung privater Investitionen sieht der Koalitionsvertrag zudem ab dem
Jahr 2025 für drei Jahre eine degressive Abschreibung auf
Ausrüstungsinvestitionen in Höhe von 30 Prozent vor.
Zentral für eine tragfähige Wiederbelebung der wirtschaftlichen Dynamik sind
jedoch die von der Bundesregierung ausgehenden strukturellen Reformen zur
Verbesserung der Standortbedingungen, etwa der Abbau von bürokratischen
Hürden, die Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren und
die Senkung der Energiekosten. Darüber hinaus wird auch die ab 2028 geplante
schrittweise Senkung der Körperschaftsteuer die Standortattraktivität
verbessern und so Anreize für Investitionen im Inland bieten.
6. Wie verändert sich das Risikoprofil deutscher Exportunternehmen nach
Kenntnis der Bundesregierung angesichts der jüngsten Entwicklungen im
internationalen Handel (US-Zölle)?
Die seit dem 5. April 2025 von den Vereinigten Staaten von Amerika
verhängten zusätzlichen universellen Importzölle, die derzeit bei 10 Prozent liegen,
erfassen grundsätzlich auch Einfuhren aus Deutschland. Daneben gelten für
verschiedene Branchen (aktuell Stahl und Aluminium und -derivate sowie
Personenkraftwagen und -komponenten) so genannte sektorale Importzölle, die
derzeit bei 25 Prozent bzw. 50 Prozent liegen. Ob, wie und wie stark die US-
Importzölle deutschen Exportunternehmen schaden, hängt unter anderem von der
Höhe des Zollsatzes und der konkreten Markt- und Wettbewerbskonstellation
ab. Grundsätzlich dürften erhöhte Zollsätze die Preise importierter Produkte auf
dem US-Markt tendenziell verteuern und die dortige Nachfrage nach diesen
Waren reduzieren. Soweit nicht die gesamten Zollkosten auf die US-Nachfrager
überwälzt werden können, dürften zudem die auf dem US-Markt erzielten
Gewinnmargen deutscher Exportunternehmen sinken. Entscheidend für den
Gesamteffekt ist darüber hinaus, inwieweit und mit welchen Gewinnmargen eine
gegebenenfalls sinkende Nachfrage auf dem US-Markt über Exporte in andere
Märkte kompensiert werden kann.
7. In welchen Gremien auf europäischer Ebene wird nach Kenntnis der
Bundesregierung die protektionistische US-Zollpolitik zwischen der EU-
Kommission und den EU-Mitgliedstaaten diskutiert (bitte nach Treffen, Ort
und Teilnehmern aufschlüsseln)?
Übergreifend wird die US-Zollpolitik regelmäßig in verschiedenen Gremien,
vor allem im Handelspolitischen Ausschuss, dem Ausschuss der Ständigen
Vertreter und dem Handelsministerrat diskutiert. Darüber hinaus werden die US-
Handelsbeziehungen in spezifischen Ratsformationen, wie zum Bespiel in der
Ratsarbeitsgruppe transatlantische Beziehungen (Cotra) behandelt. Es nehmen
jeweils Vertreter aller EU-Mitgliedstaaten, der Europäischen Kommission und
der amtierenden EU-Ratspräsidentschaft teil, wobei letztere den Vorsitz hat.
Die Sitzungen finden grundsätzlich in Brüssel oder Luxemburg (nur
Handelsministerrat) statt, im Falle informeller Sitzungen auch im Land der jeweiligen
Ratspräsidentschaft.
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ISSN 0722-8333]
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