Deindustrialisierung stoppen - Verbrenner-Verbot aufheben (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/225)
Text
Deindustrialisierung stoppen - Verbrenner-Verbot aufheben (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/225)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/476
21. Wahlperiode 12.06.2025
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Wirtschaft und Energie (9. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Leif-Erik Holm, Marc Bernhard, Peter Boehringer,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/225 –
Deindustrialisierung stoppen – Verbrenner-Verbot aufheben
A. Problem
Die Fraktion der AfD führt aus, dass die voranschreitende Deindustrialisierung,
von der insbesondere auch die deutsche Autoindustrie betroffen sei, und der
Abbau von Stellen gestoppt werden müssten. Ursächlich für die sinkende Produktion
und fortschreitende Arbeitsplatzverluste in der Autobranche seien unter anderem
Eingriffe des Staates, insbesondere der Europäischen Union in den Automarkt,
wie das Zulassungsverbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren.
Die Fraktion fordert die Bundesregierung daher dazu auf, das Verbot des
Verbrennungsmotors ab dem Jahr 2035 rückgängig zu machen. Die deutsche
Industrie müsse gestärkt und die gesamtwirtschaftliche Lage verbessert werden.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
C. Alternativen
Annahme des Antrags.
D. Kosten
Wurden im Ausschuss nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/225 abzulehnen.
Berlin, den 4. Juni 2025
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie
Christian Freiherr von Stetten
Vorsitzender
Dr. Sandra Detzer
Berichterstatterin
Dunja Kreiser
Berichterstatterin
Bericht der Abgeordneten Dr. Sandra Detzer und Dunja Kreiser
I. Überweisung
Der Antrag auf Drucksache 21/225 wurde in der 7. Sitzung des Deutschen Bundestages am 22. Mai 2025 an den
Ausschuss für Wirtschaft und Energie zur federführenden Beratung überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die Fraktion der AfD schickt ihrem Antrag voraus, die Bundesregierung habe in ihrer Frühjahrsprojektion 2025
die Wachstumsprognose auf 0,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesenkt. Die deutsche Wirtschaft stagniere
das dritte Jahr in Folge. Deutsche Autohersteller und Autozulieferer planten den Abbau von Stellen und
Schließungen von Produktionsstandorten. Ursächlich für die sinkende Produktion in der Autobranche seien
ausbleibende Investitionen in Spitzentechnologien. Grund dafür seien nach Auffassung der Antragsteller radikale und
strukturelle Eingriffe des Staates, insbesondere der Europäischen Union in den Automarkt in Form von faktischen
Technologieverboten, wie den technisch nicht realisierbaren CO2-Flottengrenzwerten samt Androhung von
Strafzahlungen bei Nichteinhaltung und dem Zulassungsverbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ab dem
Jahr 2035.
Die Fraktion der AfD fordert die Bundesregierung zur Stärkung der deutschen Wirtschaft und zur Verbesserung
der gesamtwirtschaftlichen Lage auf, das Verbot des Verbrennungsmotors ab dem Jahr 2035 rückgängig zu
machen, statt zu den durch die Europäische Union festgeschriebenen Flottengrenzwerten für den durchschnittlichen
CO2-Ausstoß zu stehen und ab dem Jahr 2035 europaweit nur noch Nullemissions-Fahrzeuge zuzulassen.
III. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie hat den Antrag auf Drucksache 21/225 in seiner 2. Sitzung am 4. Juni
2025 abschließend beraten.
Die Fraktion der AfD schickte voraus, die Automobilindustrie in Deutschland habe einen dramatischen
Produktionseinbruch erlebt. Die Beschäftigung sei auf einem niedrigen Stand und die Firmen hätten angekündigt,
weiteres Personal abzubauen. Hierfür ursächlich seien eine mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, die Höhe der
Energiepreise, die Steuer- und Abgabenlast und die Bürokratie. Die von den USA angestoßene Zollpolitik komme noch
erschwerend dazu, aber auch die nach Auffassung der Fraktion falsche Energie- und Klimapolitik. Den
Automobilherstellern mache zudem das selbst auferlegte Verbrenner-Verbot zu schaffen, wie auch unerreichbare
Flottengrenzwerte. Die Bundesregierung unterlaufe die eigene Zielsetzung der Technologieoffenheit, indem sie
Elektroautos steuerlich subventioniere. Nach Auffassung der Fraktion der AfD sei es falsch, durch künstliche Prämien
Kaufanreize zu schaffen. Die Fraktion stelle sich die Frage, ob für den Kauf von Elektroautos weitere Prämien
geplant seien. Weiter möchte sie wissen, ob die Bundesregierung zur Vermeidung von Strafzahlungen die
eingeführte Flexibilität bei den CO2-Flottengrenzwerten durch eine überjährige Verrechnung des CO2-Ausstoßes für
ausreichend halte.
Die Fraktion der CDU/CSU kritisierte, der Antrag der Fraktion der AfD lasse es an Tiefe missen und sei
rückwärtsgewandt ausgerichtet. Die von der Fraktion der AfD geforderte Technologieoffenheit werde im Ergebnis
nicht unterstützt, vielmehr werde der Eindruck erweckt, die einseitige Fokussierung auf fossile Kraftstoffe sei der
einzig richtige Weg. Die von der Fraktion der CDU/CSU geforderte Technologieoffenheit beziehe dagegen die
Elektromobilität und synthetische Kraftstoffe wie E-Fuels als einen Teil der Lösung mit ein. Von zentraler
Bedeutung sei, eine Versorgungssicherheit zu gewährleisten und umsetzbare Vorgaben für die Industrie vorzusehen.
Die Fraktion der AfD biete hierzu keine Lösung an. Die Fraktion der CDU/CSU stelle sich die Frage, wie die
Bundesregierung auf europäischer Ebene ein gemeinsames Vorgehen hinsichtlich der Schaffung von
Planungssicherheit für die Industrie beim Erreichen CO2-neutraler Mobilität abstimmen wolle. Es bedürfe eines europäischen
Handelns und nicht, wie es im Antrag der AfD gefordert werde, eines einseitigen Abweichens Deutschlands. Die
Fraktion der CDU/CSU lehne den Antrag der Fraktion der AfD ab.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN führte aus, es sei völlig klar, dass der Trend in Richtung
klimaneutrale Antriebsarten gehe. Dieser Trend sei insbesondere für die deutsche Automobilindustrie bedeutsam, um
wettbewerbsfähig zu sein. Der Antrag der Fraktion der AfD greife diese Entwicklung nicht auf, weswegen er auch
durch die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN abgelehnt werde. Der Trend in Richtung individualisierte
Elektromobilität sei ernst zu nehmen. Beispielsweise seien im größten Absatzmarkt China inzwischen 50 Prozent der
Neuzulassungen elektrisch oder hybrid. Die Fraktion möchte von der Bundesregierung wissen, was sie außer der
Förderung der Elektromobilität noch plane, um die Mobilitätswende zu unterstützen.
Die Fraktion der SPD merkte an, der Strukturwandel in der Automobilindustrie sei voll im Gange. Viele
Konzerne hätten sich darauf vorbereitet, Elektrofahrzeuge zu produzieren, auch indem sie teilweise die
Batteriezellfertigung in den Werken vorsähen. Die Unternehmen hätten bereits sehr viel in die Transformation investiert, wie
beispielsweise Schulungs- und Umschulungsmaßnahmen. Die Bundesregierung sollte die Transformation der
Wirtschaft – wie in der Vergangenheit – durch verschiedene Fördermaßnahmen weiter unterstützen. Beispielhaft
hierfür stehe das Batterierecycling. Die Fraktion der SPD werde den Antrag der Fraktion der AfD ablehnen, denn
erforderlich sei, die Automobilindustrie zu unterstützen. Die Fraktion möchte von der Bundesregierung wissen,
welche Maßnahmen sie zur Förderung der Ladeinfrastruktur vorsehe. Weiter sei von Interesse zu erfahren, was
durch den beschlossenen Investitionsbooster zur Stärkung des Standorts Deutschlands zu erwarten sei.
Die Fraktion Die Linke hob hervor, die geforderte Rücknahme des Verbrenner-Aus sei wirtschaftspolitisch mehr
als kontraproduktiv. Die wirtschaftliche Unsicherheit werde sich dadurch verfestigen. Die Situation der
Automobilbranche habe nach Auffassung der Fraktion mit Missmanagement, mit falschen Einschätzungen und mit
fehlenden Investitionen in Zukunftstechnologien sowie mit globalen Entwicklungen zu tun und nicht mit der CO2-
Begrenzung der Flottenziele. Der Antrag der Fraktion der AfD sei sowohl in der Analyse als auch in der
Schlussfolgerung falsch. Die Fraktion Die Linke setze sich für eine sozial-ökologische Transformation der
Automobilindustrie ein. Der Antrag der Fraktion der AfD werde abgelehnt. Die Fraktion fordere die Bundesregierung auf, sich
zur Elektromobilität und zum Verbrenner zu bekennen und eine entsprechende Gesetzgebung auf den Weg zu
bringen. Diese sollte für Planungssicherheit und für eine zügige Umsetzung der Transformation stehen. Die
deutsche Industrie sollte zukunftsfest und klimaneutral aufgestellt werden, damit für sichere und nachhaltige
Arbeitsplätze mit guten Löhnen gesorgt werde.
Die Bundesregierung unterstrich, die Automobilindustrie sei ein zentraler Pfeiler der deutschen Wirtschaft. Sie
trage zur industriellen Wertschöpfung bei und von ihr hingen weit über 1,5 Millionen Arbeitsplätze direkt und
indirekt ab. Es sei deshalb wichtig, sich mit der Frage der Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie zu
beschäftigen. Die Bundesregierung setze sich für einen starken Automobilstandort in Deutschland ein. Das
Bundeskabinett habe zur Förderung der Elektromobilität bereits steuerliche Förderungen beschlossen. Die
Elektromobilität sei ein wichtiger Bestandteil der Mobilität insgesamt in Deutschland und sie werde auch weiter an Bedeutung
gewinnen, auch durch Schaffung der entsprechenden Ladeinfrastruktur. Die Bundesregierung habe sich für die
Flexibilisierung der Flottengrenzwerte eingesetzt, um die Belange der Hersteller besonders zu berücksichtigen.
Die Bundesregierung werde die Weichen – auch im europäischen Dialog – so stellen, dass in der
Automobilwirtschaft ein technologieoffener Ansatz verfolgt werde, um Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum zu generieren.
Der Ausschuss für Wirtschaft und Energie empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags
auf Drucksache 21/225.
Berlin, den 4. Juni 2025
Dr. Sandra Detzer
Berichterstatterin
Dunja Kreiser
Berichterstatterin
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- authored ← Ausschuss für Wirtschaft und Energie
- authored ← Dunja Kreiser (Berichterstattung)
- authored ← Sandra Detzer (Berichterstattung)
- part_of_vorgang → Deindustrialisierung stoppen - Verbrenner-Verbot aufheben (Beschlussempfehlung und Bericht)