Weiterer Umgang mit dem Wolf
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Weiterer Umgang mit dem Wolf
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/281
21. Wahlperiode 27.05.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stefan Schröder, Stephan Protschka, Peter Felser, Danny
Meiners, Christian Reck, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann,
Dr. Michael Blos, Olaf Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars
Schieske und der Fraktion der AfD
Weiterer Umgang mit dem Wolf
Der Wolfsbestand in Deutschland nimmt stetig zu. Laut Angaben der
Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW)
wurden im Monitoringjahr 2023/2024 insgesamt 209 Wolfsrudel, 46
Wolfspaare, 19 territoriale Einzeltiere sowie 781 Welpen bestätigt (www.dbb-wolf.de/wo
lfsvorkommen/territorien#:~:text=Im%20Monitoringjahr%202023%2F24%20s
ind,insgesamt%20781%20Welpen%20best%C3%A4tigt%20werden). Das
Bundesamt für Naturschutz (BfN) geht auf Grundlage dieser Daten von 1 601
nachgewiesenen Wolfsindividuen in den bestätigten Territorien aus (www.bf
n.de/pressemitteilungen/aktuelle-zahlen-und-daten-zum-wolf-deutschland-bund
esweit-209-rudel-bestaetigt). Tatsächlich dürfte die reale Zahl der Wölfe jedoch
deutlich höher liegen. Der Deutsche Jagdverband (DJV) kritisiert seit Jahren
die mangelnde Transparenz sowie die Verwendung veralteter und teils nicht
nachvollziehbarer Daten durch DBBW und BfN. Eine aktuelle Hochrechnung
des DJV geht inzwischen von rund 270 Rudeln und mindestens 2 000 bis 3 000
Wölfen in Deutschland aus (www.jagdverband.de/djv-bemaengelt-veraltete-wo
lfszah-len#:~:text=Das%20Bundesumweltministerium%20geht%20derzeit%20
von,bis%2025%20Prozent%20pro%20Jahr; www.jagdverband.de/verbandsberi
cht_2023_24/schwerpunktthemen/01_wolf.html).
Die Zahl der von Wölfen gerissenen Weidetiere ist von 2022 zu 2023 um
31 Prozent auf insgesamt 5 727 Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde gestiegen
(Stand: 2023) (www.dbb-wolf.de/wolfsmanagement/herdenschutz/schadensstat
istik, www.agrarheute.com/politik/wolf-deutsche-landwirte-verlieren-so-
vieleweidetiere-noch-nie-609778#:~:text=Darunter%20waren%203.778%20Schafe
%2C%20260,hat%20nun%20den%20Rekordwert%20erreicht). In vielen Fällen
reißen Wölfe innerhalb eines Tages 30 bis 40 Weidetiere (vgl. beispielsweise
www.sueddeutsche.de/panorama/vorfall-in-bad-wildbad-gefundenes-fressen-fu
er-wolfsgegner-1.3963190). Zahlreiche Tiere werden dabei bei lebendigem
Leibe schwer verletzt oder angefressen. Die übrigen geraten in Panik und
brechen aus. Das bisher verfolgte, rein passive Herdenschutzkonzept hat sich
damit nach Ansicht der Fragesteller offensichtlich als völlig unzureichend
erwiesen. Der stark wachsende Wolfsbestand und die massiv zunehmenden
Nutztierrisse stellen nach Auffassung der Fragesteller eine existenzielle Bedrohung für
die ökologisch wertvolle und artgerechte Weidetierhaltung in Deutschland dar.
Die Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
und SPD zum Ziel gesetzt, durch eine Änderung des
Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) für eine rechtssichere Entnahme von Wölfen zu sorgen
und den Wolf umgehend ins Jagdrecht aufzunehmen (www.koalitionsvertrag20
25.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koalitionsvertrag.pdf, S. 39 f.).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Wolfsrudel, Paare und Einzeltiere sind nach Kenntnis der
Bundesregierung aktuell in den einzelnen Bundesländern sowie bundesweit
nachgewiesen (bitte unter Angabe des jeweiligen Erfassungsjahres bzw.
Monitoringjahres auflisten)?
2. Wie viele Anträge auf Entnahme sogenannter Problemwölfe wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung seit 2018 gestellt, wie viele wurden
genehmigt, und wie viele davon wurden tatsächlich vollzogen (bitte nach
Bundesländern aufschlüsseln)?
3. Welche Schlussfolgerungen für ihr eigenes Handeln zieht die
Bundesregierung aus der steigenden Zahl von Wolfsbegegnungen in
unmittelbarer Nähe zu Wohnsiedlungen und Schulen, und welche Maßnahmen
sind zum Schutz der Bevölkerung ggf. vorgesehen (www.landundforst.de/
landleben/wolf-bissendorf-gesichtet-schulen-kitas-beachten-sollten-57
3206)?
4. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der Internationalen Union zur
Bewahrung der Natur (IUCN), dass der Wolf aufgrund der stabilen und
wachsenden Populationen in Europa nicht mehr als gefährdet eingestuft
wird (rm.coe.int/inf45e-2022-wolf-assessment-bern-convention-2791-597
9-4182-1-2/1680a7fa47, S. 17)?
5. Wird die Bundesregierung angesichts von mindestens 1 601
nachgewiesenen Wolfsindividuen in den bestätigten Territorien sowie einer hohen
jährlichen Reproduktionsrate von etwa 30 Prozent schnellstmöglich einen
günstigen Erhaltungszustand des Wolfes an die EU-Kommission melden,
um die Voraussetzungen für ein aktives Bestandsmanagement zu schaffen
(www.wochenblatt-dlv.de/politik/jagd-wolf-tun-579997)?
a) Wenn ja, bis wann?
b) Wenn nein, warum betrachtet die Bundesregierung den Wolfsbestand
in Deutschland isoliert von der gesamten eurasischen Metapopulation,
obwohl der Genaustausch zwischen den europäischen
Wolfspopulationen den Bestand als Teil einer stabilen Art zeigt, und ist ein
systematisches nationales Monitoring geplant, um diesen internationalen
Kontext zu berücksichtigen?
6. Sind der Bundesregierung die Einschätzungen von Experten wie
Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel und dem Direktor des Kölner Zoos, Theo
Pagel, bekannt, wonach eine dauerhafte Koexistenz mit dem Wolf nur
durch regulierte und kontrollierte Bejagung gelingen könne, um dem Tier
Scheu vor Menschen, Siedlungen und Weidetieren anzuerziehen, und dass
daher mittelfristig auch in Deutschland Jagdquoten für Wölfe eingeführt
werden müssten, und wenn ja, wie positioniert sich die Bundesregierung
zu dieser Einschätzung, und sind Maßnahmen geplant (www.landundfors
t.de/landwirtschaft/tier/interview-wolfsmanagement-isegrim-regulieren-er
halten-569423; www.topagrar.com/panorama/news/kolner-zoodirektor-ha
lt-jagdquote-fur-wolfe-fur-unausweichlich-20012645.html)?
7. Sind der Bundesregierung die Erfahrungen anderer europäischer Staaten
wie Schweden, Frankreich oder Finnland mit regulierten Abschussquoten
für Wölfe bekannt?
a) Wenn ja, zieht die Bundesregierung daraus Rückschlüsse auf die
Möglichkeit der Übernahme entsprechender Modelle in Deutschland, und
wenn ja, welche?
b) Wenn nein, beabsichtigt die Bundesregierung, entsprechende
Erfahrungsberichte aus diesen Ländern einzuholen?
8. Wird die Bundesregierung die existierenden Forschungsprojekte zur
Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung in ihrer bisherigen Form
fortführen, und welche weiteren Forschungs- und Fördermaßnahmen plant sie in
diesem Bereich?
9. Sind in den vergangenen zehn Jahren seitens der Bundesregierung
Fördermittel im Zusammenhang mit dem Wolf an die Organisationen Bund für
Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e. V., Naturschutzbund
Deutschland (NABU) e. V., WWF Deutschland, Deutsche Umwelthilfe
(DUH) e. V. und bzw. oder Greenpeace geflossen?
a) Wenn ja, in welcher Höhe, und für welche konkreten Projekte jeweils?
b) Wenn ja, beabsichtigt die Bundesregierung eine Fortsetzung der
Zusammenarbeit mit diesen Organisationen?
10. Wird die Bundesregierung den Vorschlag der EU-Kommission zur
Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie
(FFH-Richtlinie) nach der kürzlich erfolgten Verabschiedung durch das
Europäische Parlament unverzüglich in nationales Recht umsetzen, wie es
im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD vereinbart wurde,
und hierzu die erforderlichen Änderungen am Bundesnaturschutzgesetz
sowie Bundesjagdgesetz einleiten (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/w
ww.koalitionsvertrag2025.de/files/koalitionsvertrag.pdf, S. 39 f.)?
a) Wenn ja, wann, und welche konkreten Änderungen an
Bundesnaturschutz- und Bundesjagdgesetz sind dabei vorgesehen, um
ein wirksames Wolfsmanagement zu ermöglichen?
b) Wenn nein, warum nicht?
11. Beabsichtigt die Bundesregierung, den Wolf als jagdbare Wildart ins
Bundesjagdrecht aufzunehmen?
a) Wenn ja, bis wann und soll eine jährliche Abschussquote festgelegt
werden?
b) Wenn nein, warum nicht?
12. Wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
und SPD vereinbarte Unterstützung des Herdenschutzes umsetzen, und
wenn ja, mit welchen konkreten Maßnahmen, insbesondere angesichts der
zunehmenden Fälle, in denen Wölfe die sogenannten wolfssicheren Zäune
überwinden und Weidetiere reißen (www.agrarheute.com/land-leben/wol
f-ueberwindet-180-meter-hohen-zaun-angriffe-nehmen-600612)?
Berlin, den 21. Mai 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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