Team Europe und die europäische Entwicklungszusammenarbeit (Antwort zu Drs. 21/7274)
Text
Team Europe und die europäische Entwicklungszusammenarbeit (Antwort zu Drs. 21/7274)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7577
21. Wahlperiode 12.08.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Rocco Kever, Matthias Rentzsch,
Denis Pauli, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/7274 –
Team Europe und die europäische Entwicklungszusammenarbeit
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Bundesregierung misst der europäischen Entwicklungszusammenarbeit
nach eigener Darstellung eine besondere Bedeutung bei. Das
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) verweist
darauf, dass die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten gemeinsam einen
erheblichen Anteil der weltweiten öffentlichen Entwicklungsleistungen
erbringen und die Entwicklungszusammenarbeit der Europäischen Union eng mit
den nationalen Programmen der Mitgliedstaaten abgestimmt werde (vgl.
www.bmz.de/de/ministerium/arbeitsweise/europaeische-zusammenarbeit-1
9666).
Im Jahr 2020 wurde der sogenannte Team-Europe-Ansatz eingeführt, um die
Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Kommission, den
Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie europäischen Finanzinstitutionen im
Bereich der Außen- und Entwicklungspolitik zu koordinieren (vgl. www.bmz.de/
de/service/lexikon/team-europe-118298). Nach Angaben des BMZ werden im
Rahmen sogenannter Team-Europe-Initiativen Maßnahmen verschiedener
europäischer Akteure in einzelnen Themenbereichen gebündelt, um
Wirksamkeit und Sichtbarkeit europäischer Entwicklungszusammenarbeit zu erhöhen
(ebd.).
Das BMZ führt ferner aus, dass der Team-Europe-Ansatz eng mit der
gemeinsamen europäischen Programmplanung (Joint Programming) verbunden sei.
Deutschland beteilige sich hierbei in allen Partnerländern der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit an der gemeinsamen Programmplanung; nationale
Länderstrategien würden nach Möglichkeit durch gemeinsame europäische
Strategien ergänzt oder ersetzt (ebd.).
Darüber hinaus verweist die Bundesregierung auf das
Finanzierungsinstrument Neighbourhood, Development and International Cooperation
Instrument – Global Europe (NDICI – Global Europe), das für den Zeitraum 2021
bis 2027 Mittel in Höhe von 79,5 Mrd. Euro umfasst und unter anderem der
Förderung nachhaltiger Entwicklung, der Finanzierung von
Infrastrukturmaßnahmen sowie der Umsetzung der Strategie „Global Gateway“ dient (ebd.).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung vom 12. August 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung weist darauf hin, dass es sich bei Team-Europe-Initiativen
(TEI) um einen Ansatz der inhaltlichen, politischen und operativen
Koordinierung innerhalb der Europäischen Union (EU) handelt. Ziel ist die Stärkung
deutscher und EU-gemeinsamer entwicklungspolitischer Wirkungen. Der
deutsche Beitrag zu den TEI erfolgt in Form entwicklungspolitischer Maßnahmen
der Bundesregierung, die den regulären Verfahren der Planung, Bewilligung,
Umsetzung und Kontrolle unterliegen.
1. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Maßnahmen als
Team-Europe-Initiativen anerkannt beziehungsweise in bestehende
Team-Europe-Strukturen integriert werden können (vgl. Vorbemerkung
der Fragesteller)?
Es wird auf den öffentlich zugänglichen Leitfaden der EU-Kommission für
Team-Europe-Initiativen verwiesen: https://capacity4dev.europa.eu/library/wor
king-better-together-guidance-full-version_en.
2. Welche Bundesministerien, Bundesbehörden, bundeseigenen
Gesellschaften und sonstigen öffentlichen Einrichtungen sind derzeit an der
Planung, Finanzierung oder Umsetzung von Team-Europe-Initiativen
beteiligt (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
3. Welche finanziellen Verpflichtungen ist die Bundesregierung seit
Einführung des Team-Europe-Ansatzes im Rahmen von Team-Europe-
Initiativen eingegangen, und wie verteilen sich diese auf Haushaltsjahre,
Ressorts und Finanzierungsinstrumente (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
4. Welcher Anteil der im Rahmen von Team Europe eingesetzten Mittel
entfällt nach Kenntnis der Bundesregierung auf unmittelbar aus dem
Bundeshaushalt finanzierte Maßnahmen (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Die Fragen 2 bis 4 werden zusammen beantwortet.
Es wird auf die öffentlich zugängliche Datenbank der EU-Kommission
verwiesen. Hier sind die Finanzdaten der EU-Mitgliedstaaten zum Team-Europe-
Engagement anhand der ODA-Meldung abrufbar, die u. a. nach Haushaltsjahren,
beteiligten Meldenden, eingesetzten Instrumenten, Empfängerländern und
Themen gefiltert werden können: https://team-europe-explorer.europa.eu/explore-
oda.
5. In welchen Partnerstaaten beziehungsweise Regionen bestehen derzeit
Team-Europe-Initiativen mit deutscher Beteiligung, und welche
thematischen Schwerpunkte weisen diese jeweils auf (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Es wird auf die öffentlich zugängliche Webseite der EU-Kommission zu Team-
Europe-Initiativen verwiesen, die Informationen zu den einzelnen Initiativen,
darunter auch zu den jeweiligen Beteiligungen der Mitgliedstaaten und den
thematischen Schwerpunkten bereitstellt: https://capacity4dev.europa.eu/resource
s/team-europe-tracker.
6. Welche strategischen entwicklungspolitischen, außenpolitischen und
wirtschaftlichen Zielsetzungen verfolgt die Bundesregierung mit ihrer
Beteiligung am Team-Europe-Ansatz (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
7. Nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl der Themenfelder und
Schwerpunktbereiche von Team-Europe-Initiativen (vgl. Vorbemerkung
der Fragesteller)?
Die Fragen 6 und 7 werden zusammen beantwortet.
Die jeweiligen entwicklungspolitischen, außenpolitischen und wirtschaftlichen
Ziele der an Team-Europe beteiligten Bundesministerien für die jeweiligen
Partnerländer und Zielregionen sind für das Engagement der Bundesregierung
im Rahmen des Team-Europe-Ansatzes leitend (vgl. Vorbemerkung der
Bundesregierung sowie Antwort zu den Fragen 2 bis 4).
8. In welchem Umfang hat die gemeinsame europäische Programmplanung
(Joint Programming) seit ihrer Einführung zu Veränderungen
bestehender deutscher Länderstrategien geführt (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
9. In welchen Partnerländern wurden nationale Strategien oder
Schwerpunktsetzungen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ganz oder
teilweise durch gemeinsame europäische Programmplanungen ersetzt
oder angepasst (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die Fragen 8 und 9 werden zusammen beantwortet.
Die bisherigen Länderstrategien des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zu den Ländern Bolivien, Ghana,
Kambodscha, Laos und Usbekistan wurden durch kürzere „Chapeaupapiere“ zu
den Joint Programming Dokumenten ersetzt, welche den deutschen Beitrag
zum Joint Programming und die von Deutschland verfolgten
entwicklungspolitischen Ziele darstellen. Mit der aktuellen Reform der Entwicklungspolitik
werden die Länderstrategien des BMZ als zentrales Steuerungsinstrument der
bilateralen Entwicklungszusammenarbeit gestärkt und verschlankt. Sie sind für alle
Partnerländer zu erstellen und regelmäßig zu aktualisieren und dienen auch als
Grundlage für die Geberkoordinierung. Sie fließen also in die Erstellung der
EU Joint Programming Dokumente ein, die im Wesentlichen der effizienten
Koordinierung der EU und ihrer Mitgliedstaaten dienen.
10. Welche Mitwirkungs-, Informations- und Kontrollrechte besitzt der
Deutsche Bundestag hinsichtlich der Planung, Priorisierung,
Finanzierung und Umsetzung von Team-Europe-Initiativen (vgl. Vorbemerkung
der Fragesteller)?
Der Deutsche Bundestag verfügt über umfassende parlamentarische
Kontrollrechte (vgl. Vorbemerkung der Bundesregierung).
11. Welche Verfahren bestehen zur Überprüfung der zweckentsprechenden
Verwendung der im Rahmen von Team Europe eingesetzten Mittel (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die Überprüfung der zweckentsprechenden Mittelverwendung für deutsche
Maßnahmen, die Team-Europe-Initiativen zugeordnet sind, folgt den allgemein
geltenden Verfahrensabläufen des jeweiligen titelbewirtschaftenden Ressorts
und der durchführenden Organisationen (vgl. Vorbemerkung der
Bundesregierung).
12. Welche Prüf- und Kontrollmechanismen bestehen insbesondere
hinsichtlich Korruptionsprävention, Wirtschaftlichkeit, Erfolgskontrolle und
Transparenz bei Team-Europe-Initiativen (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Deutsche Maßnahmen, die einer Team-Europe-Initiative zugeordnet sind,
unterliegen den allgemein geltenden Verfahrensabläufen und Regeln des jeweils
projektverantwortlichen Ressorts und der durchführenden Organisationen (vgl.
Vorbemerkung der Bundesregierung).
13. Welche Evaluierungen, Zwischenberichte oder Wirkungsanalysen zum
Team-Europe-Ansatz liegen der Bundesregierung bislang vor (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Evaluierungs- und Zwischenberichte zu den außenwirksamen Projekten,
Programmen und Strategien der EU inklusive des Team-Europe-Ansatzes sind auf
den Seiten https://international-partnerships.ec.europa.eu/policies/monitoring-a
nd-evaluation/project-and-programme-evaluation-reports_en und https://interna
tional-partnerships.ec.europa.eu/policies/monitoring-and-evaluation/strategic-e
valuation-reports_en veröffentlicht. Entwicklungspolitische Beiträge
Deutschlands zur Umsetzung von Team-Europe-Ansätzen werden darüber hinaus nach
Maßgabe der Leitlinien des BMZ für die Evaluierung der
Entwicklungszusammenarbeit (www.bmz.de/de/ministerium/evaluierung) durch die Deutsche
Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (www.giz.de/de/ueber-uns/wirkun
g-evaluierung/projektevaluierungen), die Entwicklungsbank der KfW (www.kf
w-entwicklungsbank.de/Evaluierung/IDEaL/) und das Deutsche
Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (www.deval.org/de/evaluierungen/la
ufende-und-abgeschlossene-evaluierungen) veröffentlicht und liegen damit
auch der Bundesregierung vor (vgl. Vorbemerkung der Bundesregierung).
14. Nach welchen fachlichen, entwicklungspolitischen oder wirtschaftlichen
Kriterien bewertet die Bundesregierung die Wirksamkeit einzelner Team-
Europe-Initiativen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Für jede Team-Europe-Initiative wird gemeinsam mit den beteiligten Partnern
jeweils eine Joint Intervention Logic (JIL) mit Indikatoren erstellt, anhand
derer die Wirksamkeit der Initiative gemessen wird.
15. Welche Team-Europe-Initiativen wurden seit Einführung des Ansatzes
vorzeitig beendet, wesentlich umstrukturiert oder nicht weitergeführt,
und aus welchen Gründen erfolgte dies jeweils (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
Die Bundesregierung hat Kenntnis über jene Team-Europe-Initiativen, an
denen sie auch beteiligt ist. Für einen Gesamtüberblick wird an die EU-
Kommission als zentral koordinierende Stelle aller Team-Europe-Initiativen
verwiesen.
16. Welche Rolle spielen Nichtregierungsorganisationen, politische
Stiftungen, kirchliche Träger, internationale Organisationen oder
privatwirtschaftliche Akteure bei der Umsetzung von Team-Europe-Initiativen
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Politische Stiftungen unterstützen den „Team-Europe“-Ansatz der
Europäischen Union mit Blick auf Demokratieförderung, politischen Dialog und
Stärkung der Zivilgesellschaft. Sie agieren selbständig mit Zustimmung der
Bundesregierung im Rahmen der gewährten Zuwendungen und tragen mittels
Förderung von Rechtsstaatlichkeit, pluralistischen Parteiensystemen und
demokratischen Institutionen in Partnerländern zu den Zielen des Team-Europe-
Ansatzes bei.
Kirchliche Träger als relevante zivilgesellschaftliche Akteure tragen mittelbar
zur Umsetzung von Team-Europe-Initiativen bei. Sie verfügen über
weitreichende Netzwerke bis in entlegene Regionen ihrer Einsatzländer und können
somit zur effektiveren Durchführung beispielsweise von Hilfsprogrammen
beitragen. Auch anderen zivilgesellschaftliche Akteure können sich an Team-
Europe-Initiativen beteiligen.
Privatwirtschaftliche Akteure sind keine direkten Teilnehmer von Team-
Europe-Initiativen (TEIs), bringen sich aber mittelbar über entwicklungsförderliche
private Investitionen oder öffentlich und privat finanzierte
Entwicklungspartnerschaften in die Umsetzung von TEIs mit ein. Die TEIs unterstützen den
politischen und regulativen Rahmen für lokale und internationale Investitionen
und unterstützen, z. B. über die Bereitstellung von Finanzierungen, die
Entwicklung der lokalen Privatwirtschaft.
17. Welche Vorgaben bestehen hinsichtlich Transparenz, Neutralität,
Vergabeverfahren sowie fachlicher Standards bei der Auswahl von
Projektträgern und Umsetzungspartnern im Rahmen von Team Europe (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Für deutsche Maßnahmen im Rahmen von Team Europe gelten die üblichen
Vorgaben hinsichtlich Transparenz, Neutralität, Vergabeverfahren sowie
fachlicher Standards bei der Auswahl von Projektträgern und Umsetzungspartnern
(vgl. Vorbemerkung der Bundesregierung). Bei gemeinsamen Finanzierungen
werden geeignete Träger und Umsetzungspartner im Rahmen der
Vorhabenprüfung identifiziert.
18. Welche Bedeutung kommt der Strategie „Global Gateway“ für die
Priorisierung, Finanzierung und politische Ausrichtung von Team-Europe-
Initiativen zu (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Global Gateway ist eine gemeinsame Strategie der Europäischen Union und der
EU-Mitgliedstaaten für die strategische Zusammenarbeit in Partnerländern. Sie
wird gemeinsam von EU-Kommission und Mitgliedstaaten umgesetzt, wobei
der Team-Europe-Ansatz das Rückgrat für diese Umsetzung bildet. Team-
Europe-Initiativen sind ein zentrales Instrument, um die politischen Ziele der Global
Gateway Strategie in den Partnerländern zu konkretisieren.
19. In welchem Umfang werden im Rahmen von Team Europe Maßnahmen
in den Bereichen Klimapolitik, Energiepolitik, Migration,
Digitalisierung, Gleichstellung der Geschlechter oder gesellschaftspolitische
Transformationsvorhaben finanziert (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Es wird auf die Antwort zu den Fragen 2 bis 4 verwiesen.
20. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung infolge veränderter
internationaler Rahmenbedingungen, insbesondere hinsichtlich
geopolitischer Entwicklungen und veränderter Beiträge anderer Geberstaaten auf
Umfang, Finanzierung und strategische Ausrichtung von Team Europe
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Die veränderten Rahmenbedingungen erhöhen die Bedeutung des Team-
Europe-Ansatzes, um bilaterale und europäische Maßnahmen gezielt zu verzahnen,
Synergien zu hebeln, Doppelstrukturen zu vermeiden, sowie zusätzliche Mittel
zu mobilisieren. Der Team-Europe-Ansatz bündelt die Ressourcen der EU und
ihrer Mitgliedstaaten und leistet so einen maßgeblichen Beitrag, Europa als
handlungsfähigen entwicklungspolitischen Akteur zu positionieren. Damit
gewinnt auch Deutschland als entwicklungspolitischer Akteur an Profil,
Sichtbarkeit und Wirkung.
21. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um Transparenz,
parlamentarische Nachvollziehbarkeit und demokratische Kontrolle im
Zusammenhang mit Team-Europe-Initiativen künftig weiter zu stärken (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung wird verwiesen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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