Gemeinsame Mitteilung an das Europäische Parlament und den Rat - Werte verteidigen, Reformen vorantreiben, Wirkung erzielen: Die humanitäre Hilfe der EU in einer sich wandelnden Weltordnung; JOIN(2026) 25 final
Text
Gemeinsame Mitteilung an das Europäische Parlament und den Rat - Werte verteidigen, Reformen vorantreiben, Wirkung erzielen: Die humanitäre Hilfe der EU in einer sich wandelnden Weltordnung; JOIN(2026) 25 final
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ISSN 0720-2946
Bundesrat Drucksache 374/26
15.06.26
EU
Unterrichtung
durch die Europäische Kommission
Gemeinsame Mitteilung an das Europäische Parlament und den Rat - Werte verteidigen,
Reformen vorantreiben, Wirkung erzielen: Die humanitäre Hilfe der EU in einer sich
wandelnden Weltordnung;
JOIN(2026) 25 final
Der Bundesrat wird über die Vorlage gemäß § 2 EUZBLG auch durch die Bundesregierung
unterrichtet.
Hinweis: Drucksache 408/95 = AE-Nr. 952001;
AE-Nr. 250977
DE DE
EUROPÄISCHE
KOMMISSION
HOHER VERTRETER
DER UNION FÜR
AUẞEN- UND
SICHERHEITSPOLITIK
Brüssel, den 27.5.2026
JOIN(2026) 25 final
GEMEINSAME MITTEILUNG AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT UND DEN
RAT
Werte verteidigen, Reformen vorantreiben, Wirkung erzielen: Die humanitäre Hilfe der
EU in einer sich wandelnden Weltordnung
{SWD(2026) 312 final} - {SWD(2026) 313 final} - {SWD(2026) 314 final}
1
Einführung
Humanitäre Hilfe1 rettet Leben, lindert Leid und spiegelt die Grundwerte der
Europäischen Union – Menschlichkeit, Frieden und Solidarität – wider. Seit 1992 engagiert
sich die EU für die Bereitstellung humanitärer Hilfe im Einklang mit den internationalen
humanitären Grundsätzen der Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität und
Unabhängigkeit, wie sie in Artikel 214 Absatz 2 des Vertrags über die Arbeitsweise der
Europäischen Union, der Verordnung über die humanitäre Hilfe (1996)2 und dem Europäischen
Konsens über die humanitäre Hilfe (20073) verankert sind. Humanitäre Hilfe ist zwar kein Ziel
an sich, stärkt jedoch die Sicherheit der Menschen und trägt dazu bei, die weiterreichenden
regionalen und globalen Folgen von Konflikten und Katastrophen abzumildern, wodurch ein
sichereres und stabileres globales Umfeld im Einklang mit den Grundwerten und Interessen
der EU gefördert wird4.
Das globale humanitäre System steht heute vor einer Zerreißprobe. Die Zunahme von
Konflikten und klimabedingten Katastrophen lässt den Bedarf an humanitärer Hilfe auf ein nie
da gewesenes Niveau steigen, während die finanziellen Mittel und der Handlungsspielraum
immer weiter schrumpfen. Die Zahl der Menschen und Länder, die von Konflikten und
Naturkatastrophen betroffen sind, ist heute so hoch wie noch nie seit dem Ende des Kalten
Krieges5. Derzeit gibt es weltweit rund 130 Konflikte, mehr als doppelt so viele wie noch vor
15 Jahren6, und sie verursachen rund 70 % des globalen humanitären Bedarfs. Parallel dazu
kommt es infolge von Klimawandel und Umweltzerstörung immer häufiger zu
Naturkatastrophen, die Menschen in besonders fragilen Kontexten, in denen die
Gemeinschaften am wenigsten in der Lage sind, damit umzugehen, unverhältnismäßig stark
treffen. Dies führt zu Flucht und Vertreibung, Ernährungsunsicherheit, Wasserknappheit,
Epidemieausbrüchen und zum Zusammenbruch von Lebensgrundlagen, was
Entwicklungsfortschritte untergräbt und die globale Instabilität erhöht.
Infolgedessen steigt der humanitäre Bedarf. Die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen und
Asylsuchenden hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt und lag im Jahr 2025 bei
117,3 Millionen Menschen7. Rund 20 % aller Kinder weltweit – etwa eine halbe Milliarde –
leben in Konfliktgebieten oder sind aus solchen Gebieten geflohen. Sexuelle und
geschlechtsspezifische Gewalt, einschließlich sexueller Gewalt im Zusammenhang mit
Konflikten, nimmt weiter zu, und die Zahl der Menschen, die unter akutem Hunger leiden,
erreicht katastrophale Ausmaße8. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge sind im
Jahr 2026 weltweit 239 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen – gegenüber
31 Millionen im Jahr 2006.
1 Die Begriffe „humanitäre Hilfe“ und „humanitäre Unterstützung“ werden in diesem Dokument synonym
verwendet.
2 Verordnung (EG) Nr. 1257/96 des Rates über die humanitäre Hilfe.
3 Gemeinsame Erklärung zum Europäischen Konsens über die humanitäre Hilfe. Amtsblatt der Europäischen
Union 2008/C 25/01 vom 30. Januar 2008.
4 Artikel 3 Absatz 5 des Vertrags über die Europäische Union (EUV).
5 Europäische Kommission: Wissenszentrum für Katastrophenvorsorge, „INFORM Severity Facts and Figures“.
Gemeinsame Forschungsstelle, abgerufen am 30. April 2026, https://drmkc.jrc.ec.europa.eu/inform-
index/INFORM-Severity/Severity-Facts-Figures.
6 Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), Aufruf 2026: Überblick, Genf, 2026,
https://www.icrc.org/sites/default/files/2026-02/ICRC-Appeals-2026-Overview.pdf.
7 Flüchtlings-kommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR), Mid-Year Trends 2025, Kopenhagen, 2025,
www.unhcr.org/sites/default/files/2025-11/mid-year-trends-report-2025.pdf.
8 Global Network Against Food Crises, 2026 Global report on food crises, Rom, 2026,
https://doi.org/10.4060/cd9424en.
2
Humanitäre Organisationen haben Mühe, dieser Welle wachsenden Bedarfs gerecht zu
werden, und müssen unter zunehmend gefährlichen und schwierigen Bedingungen
arbeiten. Das humanitäre Völkerrecht wird missachtet, und die Verantwortlichen werden kaum
zur Rechenschaft gezogen. Humanitären Akteuren wird oft der Zugang verwehrt und sie sehen
sich zunehmend Unsicherheit, administrativen Hindernissen, Abgaben und politischer
Einmischung ausgesetzt, wodurch Hilfe verzögert, umgeleitet oder an Bedingungen geknüpft
wird. Vorsätzliche Angriffe auf humanitäres Personal haben exponentiell zugenommen, und die
Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen haben sich zwischen 2023 und 2024 verdoppelt9.
Gefährdete und marginalisierte Gruppen, die von Diskriminierung bedroht sind, werden
unverhältnismäßig stark getroffen und Bemühungen um Inklusion, Barrierefreiheit und
geschlechtssensible humanitäre Maßnahmen werden zunehmend infrage gestellt. Darüber
hinaus werden humanitäre Maßnahmen zunehmend durch Desinformation untergraben10.
Im vergangenen Jahr wurde das System durch wichtige politische Entscheidungen und
drastische Mittelkürzungen, insbesondere seitens der Vereinigten Staaten und einiger anderer
großer Geber, zusätzlich belastet. Dadurch waren humanitäre Organisationen gezwungen, ihre
Einsätze drastisch zu priorisieren, sodass nur ein Bruchteil der Bedürftigen erreicht werden
konnte11. Zudem wird die Hilfe zunehmend von politischen oder ideologischen Erwägungen
beeinflusst, anstatt sich an den humanitären Grundsätzen der Menschlichkeit und
Unparteilichkeit zu orientieren, wodurch die Grundlagen des internationalen humanitären
Systems untergraben werden.
Angesichts dieser Entwicklungen ist eine Reform des multilateralen humanitären Systems
sowohl dringend erforderlich als auch unvermeidlich. Der im März 2025 eingeleitete
„Humanitarian Reset“ der Vereinten Nationen zielt darauf ab, das kollektive humanitäre
Handeln zu stärken, die Effizienz zu steigern, Entscheidungsbefugnisse und Ressourcen näher
an die von Krisen betroffene Bevölkerung heranzurücken und prinzipienorientiertes Handeln
zu fördern. Als führender und prinzipienorientierter Partner unterstützt die EU diese
Bemühungen um ein widerstandsfähigeres, zukunftsfähiges humanitäres System entschlossen.
Darüber hinaus wird sich die EU weiterhin für das multilaterale System einsetzen, die Charta
der Vereinten Nationen und die UN80-Initiative als Teil des umfassenderen Reformprozesses
der Vereinten Nationen unterstützen, um sicherzustellen, dass die Vereinten Nationen
wirkungsvoll, kosteneffizient und reaktionsfähig bleiben12.
Gemeinsam bleiben die EU und ihre Mitgliedstaaten zuverlässige und berechenbare
Geber, die den größten Anteil an der weltweiten humanitären Hilfe leisten (34 % im
Jahr 2025)13. Die EU wird weiterhin bedarfsorientierte, inklusive und diskriminierungsfreie
Hilfe leisten14, um Leben zu retten und die Menschenwürde zu wahren. Die Unterstützung wird
weiterhin über ihre langjährigen humanitären Partner geleistet, insbesondere die Vereinten
9 Humanitarian Outcomes, Aid Worker Security Report 2025 – Defenceless: Aid worker security amid the
humanitarian funding collapse, London, 2025, https://www.humanitarianoutcomes.org/AWSR_2025.
10 World Disaster Report 2026 der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften.
11 Im Rahmen des Hilfsappells für 2026 werden Mittel in Höhe von 23 Mrd. USD für lebensrettende Hilfe für
87 Millionen der insgesamt 239 Millionen Menschen in Not gefordert.
12 Europäischer Rat, „Schlussfolgerungen des Europäischen Rates“, EUCO 1/26, Brüssel, 19. März 2026.
13 Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA), „Humanitarian aid
contributions“, Financial Tracking service, abgerufen am 30. April 2026, https://fts.unocha.org/.
14 Ernährung, Gesundheit, Unterkünfte, Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH), Schutz und Bildung in
Notsituationen, unter Gewährleistung der durchgängigen Berücksichtigung von Geschlechter-, Alters- und
Behindertenperspektiven sowie der Konfliktsensibilität, siehe Europäische Kommission: GD ECHO, Thematic
Policies Annex, https://ec.europa.eu/echo/files/funding/hip2026/thematic_policies_annex_2026.pdf.
3
Nationen, die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung sowie internationale
Nichtregierungsorganisationen, wobei deren jeweilige Stärken genutzt werden.
Gleichzeitig passt sich die EU rasch an sich wandelnde Gegebenheiten an und positioniert sich
als treibende Kraft für Reformen. Sie verfolgt dabei einen kollektiven Team-Europa-Ansatz15,
um die Wirkung des Handelns der EU auf der Grundlage von drei zentralen Säulen16 zu
verstärken, um konkrete Lösungen anzubieten und Millionen von Menschen in Not
prinzipienbasierte, hochwertige Hilfe und Schutz zu gewähren:
1. Schutz: Wahrung humanitärer Grundsätze, Verteidigung des humanitären Völkerrechts
und Gewährleistung, dass humanitäre Organisationen effektiv arbeiten können, indem
ein strategischer Ansatz für die humanitäre Diplomatie entwickelt, humanitäres
Personal und die Zivilbevölkerung geschützt und die betroffenen Menschen in den
Mittelpunkt der Hilfsmaßnahmen gestellt werden.
2. Umsetzung: Stärkung einer kosteneffizienten und widerstandsfähigen Bereitstellung
humanitärer Hilfe durch die Reform der Lieferketten, die Maximierung des Nutzens der
humanitären Finanzmittel der EU und die Unterstützung systemischer Funktionen,
welche die Bereitstellung humanitärer Hilfe ermöglichen.
3. Partnerschaft: Engere Zusammenarbeit mit Akteuren aus den Bereichen Entwicklung,
Frieden und Diplomatie entlang der Schnittstelle zwischen humanitärer Hilfe,
Entwicklung und Frieden (HDP), Stärkung der Partnerschaften mit internationalen
Finanzinstitutionen (IFI) und dem Privatsektor, um Fragilität anzugehen, Resilienz und
Katastrophenvorsorge zu verbessern, dauerhafte Lösungen zu fördern und damit den
humanitären Bedarf zu verringern sowie die strategischen Ziele der EU zu unterstützen.
In dieser Gemeinsamen Mitteilung werden die strategischen Prioritäten und wichtigsten
Maßnahmen der EU in Bezug auf diese drei Säulen skizziert. In drei begleitenden
Arbeitsunterlagen der Kommissionsdienststellen werden die Arbeiten zu den folgenden
zentralen Aspekten der Gemeinsamen Mitteilung weiter vertieft: ein strategischer Ansatz für
die humanitäre Diplomatie der EU17, humanitäre Lieferketten18 und integrierter Ansatz zur
Bewältigung von Fragilität19.
1. Schutz: Menschen, Grundsätze und sichere humanitäre Hilfe
In Zeiten, in denen grundlegende humanitäre Prinzipien infrage gestellt werden, bekräftigt die
EU ihr Engagement für den Schutz des humanitären Völkerrechts, der humanitären Grundsätze,
des humanitären Personals und vor allem der betroffenen Menschen. Die derzeitige Lage
erfordert einen neuen strategischen Ansatz für die humanitäre Diplomatie, der den
humanitären Raum und die humanitären Prinzipien verteidigt und gleichzeitig eine
menschenzentrierte, sichere und inklusive humanitäre Hilfe fördert.
15 An Team Europa beteiligen sich die Europäische Union, ihre Mitgliedstaaten, die Europäische Investitionsbank
(EIB) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE). Der Schwerpunkt des Team-
Europa-Ansatzes liegt auf der Zusammenarbeit und Koordinierung zwischen diesen Beteiligten, um die
Wirksamkeit und den Einfluss ihrer Maßnahmen im Außenbereich zu steigern.
16 Diese Handlungssäulen wurden nach eingehenden Konsultationen mit den Interessengruppen festgelegt.
Zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 wurde eine Aufforderung zur Stellungnahme durchgeführt, zu der
55 Beiträge eingingen. Einzelheiten sind hier zu finden: Website der Europäischen Kommission, „Mitteilung über
humanitäre Hilfe“, https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/16012-Mitteilung-
uber-humanitare-Hilfe_de.
17 SWD 2026 (312)
18 SWD 2026 (314)
19 SWD 2026 (313)
4
1.1. Verstärkung der humanitären Diplomatie
In einem globalen Umfeld, das geprägt ist von einer hohen Zahl von Konflikten, und in dem
multilaterale Institutionen zunehmend unter Druck geraten, ist entschlossenes Handeln zur
Verteidigung des humanitären Völkerrechts und des humanitären Raums dringender
erforderlich denn je. Daher wird die EU die Wirksamkeit ihrer humanitären Diplomatie
steigern und dabei humanitäre, politische, wirtschaftliche, sicherheitspolitische und
diplomatische Instrumente nutzen. Offizielle Vertreter der EU werden mit
Entscheidungsträgern, Konfliktparteien sowie deren Unterstützern oder Einflussnehmern in
Kontakt treten, um dazu beizutragen, humanitäre Krisen zu verhindern, abzumildern und zu
bewältigen, die Einhaltung des humanitären Völkerrechts durch die Konfliktparteien zu
verbessern und eine stärkere Ausrichtung an den internationalen humanitären Grundsätzen und
Zielen zu fördern.
Die humanitäre Diplomatie der EU basiert auf den folgenden zentralen Grundsätzen und
Werten:
- Sie ist ein integraler Bestandteil des auswärtigen Handelns und der Außenpolitik
der EU und wird im Rahmen ihrer diplomatischen Interventionen und Verhandlungen
systematisch berücksichtigt.
- Sie orientiert sich an den humanitären Grundsätzen der Menschlichkeit, Neutralität,
Unparteilichkeit und Unabhängigkeit, wobei alle Anstrengungen unternommen
werden, um unbeabsichtigten Schaden zu vermeiden. Sie sollte zudem konfliktsensibel,
geschlechtssensibel und situationsbewusst sein.
- Sie zielt darauf ab, die EU-Koordinierung und einen Team-Europa-Ansatz optimal
zu nutzen, indem sie die spezifischen Mandate der EU-Sonderbeauftragten und der
zuständigen Sondergesandten, der Missionen und Operationen im Rahmen der
Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP), der Kommission, der
Hohen Vertreterin und der Mitgliedstaaten nutzt und dabei systematisch Erkenntnisse in
Echtzeit einbezieht, einschließlich derer, die aus der Präsenz der EU vor Ort gewonnen
werden.
- Sie gewährleistet eine sinnvolle Einbindung und Beteiligung lokaler Organisationen
und von Stimmen aus der Gemeinschaft, insbesondere von Organisationen, die
Frauen, Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, junge Menschen, LGBTIQ+-
Personen, Angehörige von Minderheiten und andere von Diskriminierung bedrohte
vulnerable Gruppen vertreten. Sie stellt die spezifischen Bedürfnisse und
Schutzbedürfnisse der von Konflikten betroffenen Bevölkerungsgruppen durch einen
differenzierten und inklusiven Ansatz in den Mittelpunkt.
- Sie baut auf strategischen Partnerschaften mit Organisationen und Gebern auf, die
sich für eine bessere operative Koordinierung der humanitären Diplomatie und die
Verwirklichung gemeinsamer humanitärer Ziele einsetzen. Dazu gehören regionale und
bilaterale Partnerschaften, die Teilnahme an multilateralen Foren sowie die
Unterstützung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und die
Umsetzung seiner globalen Initiative zum humanitären Völkerrecht20.
20 Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), „Globale Initiative, um dem politischen Engagement für das
humanitäre Völkerrecht neuen Schwung zu verleihen“, https://www.icrc.org/de/global-initiative-international-
humanitarian-law.
5
- Sie passt sich spezifischen Kontexten und Umständen an, stützt sich auf fundierte
Erkenntnisse, unter anderem durch regelmäßige Kontakte zu wichtigen humanitären
Akteuren, und wird teils öffentlich, teils hinter den Kulissen durchgeführt.
Wenngleich humanitäre Diplomatie einer Vielzahl humanitärer Ziele dienen kann, liegt ihr
Fokus auf einer Reihe zentraler thematischer Prioritäten:
- Verhinderung von Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht und die
internationalen Menschenrechtsnormen sowie Förderung der Einhaltung dieser
Rechtsvorschriften und Normen und einer starken Rechenschaftspflicht,
- Aufrechterhaltung der Unterstützung für den Schutz der Zivilbevölkerung und der
zivilen Infrastruktur während bewaffneter Konflikte, mit besonderem Schwerpunkt
auf den am stärksten gefährdeten Menschen. Dazu gehört die Berücksichtigung der
Bedürfnisse bestimmter Gruppen, wie beispielsweise von Menschen mit
Behinderungen21,
- Nutzung aller verfügbaren Instrumente zur Verhinderung und Beendigung
schwerwiegender Verstöße gegen die Rechte von Kindern, zum Schutz ihrer Rechte
und ihres Wohlergehens sowie Förderung des Rechts auf Bildung in Konfliktgebieten.
Dazu gehört, die Länder zu ermutigen, internationale Instrumente und Verpflichtungen
zum Schutz von Kindern in Konfliktsituationen zu unterzeichnen,
- angesichts weitverbreiteter Einschränkungen des humanitären Zugangs Verteidigung
des humanitären Raums und Verhinderung der Politisierung humanitärer
Maßnahmen, auch durch Maßnahmen gegen Desinformation. Dazu gehört,
bürokratische Hindernisse zu beseitigen, Sicherheitsbeschränkungen anzugehen und
weitere Maßnahmen zu ergreifen, damit alle humanitären Akteure tätig werden können,
- die Gewährleistung der Sicherheit von humanitärem und medizinischem Personal,
einschließlich Sicherung der Rechenschaftspflicht für Angriffe auf dieses Personal,
- Prävention, Eindämmung und Bekämpfung sexueller und geschlechtsspezifischer
Gewalt in Notfall- und Konfliktsituationen,
- Berücksichtigung humanitärer Prioritäten bei der Friedenskonsolidierung, der
Mediation und der Konfliktlösung.
Zentrale Maßnahmen
Im Rahmen ihrer Aufgaben wird die Kommission in Zusammenarbeit mit der Hohen
Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik und gegebenenfalls mit Unterstützung
der EU-Sonderbeauftragten22 folgende Maßnahmen ergreifen:
Den institutionellen Zusammenhalt für eine wirksame humanitäre Diplomatie
stärken
o Stärkung der Fähigkeit der EU zu einer koordinierten humanitären Diplomatie
durch einen strategischen Ansatz, der auf den oben dargelegten Hauptzielen und
Grundsätzen aufbaut und an die spezifische Situation jeder Krise angepasst ist.
Dies beinhaltet die Stärkung institutioneller Mechanismen für die Koordinierung,
einen regelmäßigen internen Dialog sowie gemeinsame Planungs-,
Überwachungs- und Bewertungsprozesse. Eine solche Koordinierung wird,
21 Im Einklang mit dem Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit
Behinderungen (UNCRPD).
22 EAD, „EU-Sonderbeauftragte“, Website der Europäischen Union, 12. September 2025, abgerufen am
30. April 2026, https://www.eeas.europa.eu/eeas/eu-special-representatives_en?etrans=de.
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soweit angemessen, durch Anlaufstellen für humanitäre Diplomatie im Rahmen
der vorhandenen Ressourcen erleichtert.
o Stärkung des Team-Europa-Ansatzes in der humanitären Diplomatie durch
strategische Koordinierung mit den EU-Mitgliedstaaten. Dies beinhaltet die
Entwicklung gemeinsamer Botschaften und den Vorschlag gemeinsamer
Maßnahmen in zentralen Krisensituationen, in denen Verstöße gegen das
humanitäre Völkerrecht vorliegen und der Zugang eingeschränkt ist.
Diplomatische Instrumente nutzen, um die größtmögliche Wirkung zu erzielen
o Sich in politischen und sicherheitspolitischen Dialogen, Menschenrechtsdialogen
und diplomatischen Demarchen zwischen EU-Vertretern und Ländern oder
Akteuren, die an Konflikten beteiligt oder von diesen betroffen sind, für die
Bekämpfung von Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht und von
Einschränkungen des humanitären Zugangs einsetzen.
o Die strategischen Kommunikationsbemühungen verstärken und die
Instrumente der humanitären Diplomatie stärken, während gleichzeitig der
Informationsmanipulation entgegengewirkt wird.
o Die Entwicklung gemeinsamer Einschätzungen und Botschaften von
humanitären Partnern und der diplomatischen Gemeinschaft zu komplexen
humanitären Kontexten erleichtern, unter anderem durch eine spezielle
Gebergruppe für humanitäre Diplomatie und humanitären Zugang.
o Strategische Allianzen mit wichtigen Staaten und multilateralen
Organisationen stärken und die Unterstützung für die Rolle der Vereinten
Nationen in der humanitären Diplomatie verstärken, unter anderem im Rahmen
des UN80-Prozesses, der Initiative „Humanitarian Reset“ und der Globalen
Initiative, um dem politischen Engagement für das humanitäre Völkerrecht neuen
Schwung zu verleihen.
In die Nachhaltigkeit der humanitären Diplomatie der EU investieren
o Ein Schulungsprogramm auf den Weg bringen, um die Fähigkeiten und
Kenntnisse von EU-Diplomatinnen und -Diplomaten und anderen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bereich der humanitären Diplomatie zu
verbessern.
o Finanzielle Unterstützung für die humanitäre Diplomatie, um die Instrumente
zu stärken, die humanitären Akteuren zur Unterstützung der humanitären
Diplomatie zur Verfügung stehen. Dies betrifft insbesondere die Fähigkeit lokaler
Akteure über den notwendigen humanitären Zugang zu verhandeln sowie die
Erhebung und Analyse zuverlässiger Daten zu Verstößen gegen das humanitäre
Völkerrecht, die für die Unterstützung einer faktenbasierten Diplomatie und das
Vorgehen gegen Informationsmanipulation, einschließlich Desinformation,
unerlässlich sind.
1.2. Schutz des humanitären Personals
Die Gewalt gegen humanitäre Helferinnen und Helfer hat ein beispielloses Ausmaß
erreicht. Im Jahr 2025 wurden 334 Personen getötet, 192 verletzt, 109 entführt und
45 rechtswidrig festgenommen23, wobei es sich bei der überwiegenden Mehrheit um Ortskräfte
handelte. Informationsmanipulation, einschließlich Desinformation, sowie Hassreden gegen
23 Humanitarian Outcomes, Aid Worker Security Report 2025 – Defenceless: Aid worker security amid the
humanitarian funding collapse, London, 2025, https://humanitarianoutcomes.org/AWSR_2025.
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humanitäre Organisationen und medizinisches Personal nehmen zu24 und eskalieren oft zu
Zugangsbeschränkungen und Sicherheitsbedrohungen vor Ort. In einigen Fällen werden
humanitäres Personal und humanitäre Organisationen wegen ihrer Arbeit kriminalisiert und
sehen sich Strafverfolgung, Inhaftierung oder rechtlichen Hindernissen ausgesetzt. Die
Bemühungen zum Schutz humanitärer Helferinnen und Helfer werden zudem durch die
wachsende Finanzierungslücke beeinträchtigt. Die Gewährleistung der Sicherheit des
humanitären Personals und die Sensibilisierung für die Sorgfaltspflichten waren noch nie so
wichtig wie heute.
Die EU setzt sich nachdrücklich für die Sicherheit und den Schutz von humanitärem
Personal ein, wie ihre führende Rolle bei der jährlichen Resolution der UN-
Generalversammlung zum Schutz von humanitärem Personal und UN-Personal deutlich macht.
Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind auf der 34. Internationalen Konferenz der Rotkreuz- und
Rothalbmondgesellschaften entsprechende Verpflichtungen eingegangen und haben sich der
australischen Initiative25 angeschlossen, um den Schutz von humanitärem Personal zu stärken.
Die EU wird ihr Engagement zur Stärkung des Schutzes und der Sicherheit bei
humanitären Einsätzen verstärken. Um Sicherheitsvorfälle zu verhindern, wird die EU die
im vorigen Abschnitt beschriebenen Instrumente der humanitären Diplomatie einsetzen, um die
Regierungen der entsprechenden Länder oder de facto Machthaber davon zu überzeugen,
Garantien für einen sicheren Zugang zu gewähren. Die EU wird zudem in den
Kapazitätsaufbau und Schulungen im Bereich des Sicherheitsrisikomanagements investieren
und das Bewusstsein humanitärer Organisationen für ihre Sorgfaltspflichten schärfen, unter
anderem durch gezielte Finanzmittel und die Unterstützung bei der Entwicklung gemeinsamer
Mindestsicherheitsstandards.
Die EU wird zudem eine bessere operative Sicherheitskoordination und Zusammenarbeit
zwischen humanitären Organisationen fördern, unter anderem über Plattformen wie Saving
Lives Together (SLT)26. Sie wird sich dafür einsetzen, dass die Vereinten Nationen, die
Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung sowie Partner der Zivilgesellschaft ihre
Sicherheitskapazitäten ausbauen, ihre Ressourcen bündeln und gemeinsame Initiativen
entwickeln, unter anderem in den Bereichen Risikobewertung und Notfallplanung.
Wo es nicht möglich war, Bedrohungen zu mindern, haben das Wohlergehen und die Erholung
des humanitären Personals oberste Priorität. Der Mechanismus „Protect Aid Workers“ (PAW)27
bietet finanzielle und psychologische Unterstützung für Mitarbeitende, die während ihres
Einsatzes einen kritischen Vorfall erlebt haben.
Die EU ist zudem bereit, auf neue Bedrohungen für humanitäre Organisationen und die
Zivilbevölkerung zu reagieren, und überprüft und modernisiert kontinuierlich ihre eigenen
Kapazitäten zur Überwachung, Aufdeckung und Bekämpfung von
24 UN-Resolution 2730 (2024), verabschiedet vom Sicherheitsrat auf seiner 9634. Sitzung am 24. Mai 2024, S. 3
https://digitallibrary.un.org/record/4049572.
25 Außenministerin von Australien, „Declaration for the Protection of Humanitarian Personnel“, 22. September
2025, abgerufen am 30. April 2026, https://www.foreignminister.gov.au/minister/penny-wong/media-
release/declaration-protection-humanitarian-personnel.
26 Global Interagency Security Forum (GISF), „Saving Lives Together“, GISF-Website, London, 2026,
abgerufen am 30. April 2026, https://gisf.ngo/themes/coordination-for-hsrm/saving-lives-together/.
27 Protect Aid Workers, „Providing rapid support for aid workers at risk – A rapid-response mechanism for aid
workers“, Website von Protect Aid Workers, abgerufen am 30. April 2026, https://protectaidworkers.org/.
8
Informationsmanipulation, einschließlich Desinformation, um ihre humanitären Partner bei
ihren Bemühungen zur Gewährleistung der Integrität von Informationen zu unterstützen.
Zentrale Maßnahmen
Die Kommission wird ...
die Prävention von Sicherheitsvorfällen durch die Unterstützung von Programmen zum
Kapazitätsaufbau und zur Fortbildung, insbesondere für humanitäres Personal vor Ort,
verstärken,
die Entwicklung gemeinsamer Mindestsicherheitsstandards in der gesamten
humanitären Gemeinschaft vorantreiben und sicherstellen, dass das gesamte humanitäre
Personal, insbesondere das Personal vor Ort, über das erforderliche Wissen und die
notwendigen Instrumente verfügt, um sicher arbeiten zu können,
die operative Unterstützung für humanitäres Personal verstärken, unter anderem durch
eine verstärkte Zusammenarbeit und Koordination in Sachen Sicherheit über Plattformen
wie Saving Lives Together und durch die Gewährleistung einer breiteren Verfügbarkeit
kritischer Sicherheitsdaten,
die Betreuung von Opfern und Überlebenden von Angriffen auf humanitäres Personal
verbessern, indem der Protect-Aid-Workers-Mechanismus zu einem globalen Programm
ausgebaut wird,
sicherstellen, dass Partnerorganisationen sexuelle Ausbeutung, Missbrauch und
Belästigung bekämpfen, Rechenschaftspflicht und sichere Arbeitsumgebungen für alle
Mitarbeitenden, einschließlich lokaler Kräfte, fördern und Initiativen zur Erhebung
harmonisierter Daten vorantreiben, um solche Risiken besser zu verstehen.
1.3. Menschenzentrierte, lokal gesteuerte, schutzorientierte und inklusive humanitäre Hilfe
In jeder Krise sind die Mitglieder der Gemeinschaft vor Ort die ersten, die Hilfe leisten. Die
Menschen und ihre lokalen Strukturen helfen einander über Netzwerke, die zu Hause beginnen
und sich oft über den ganzen Globus erstrecken. Diese Hilfe ist für das Überleben der Menschen
unerlässlich. Das Bekenntnis der EU zur Rechenschaftspflicht gegenüber den betroffenen
Bevölkerungsgruppen stellt die von Krisen betroffenen Gemeinschaften in den Mittelpunkt der
Entscheidungen und Prozesse, die sich auf sie auswirken. Die Anerkennung der
Bewältigungsfähigkeiten und der vielfältigen Bedürfnisse der Betroffenen trägt dazu bei, dass
die geleistete Hilfe relevant und nachhaltig ist.
Der partizipative Ansatz sorgt dafür, dass die Hilfe auf die am besten geeignete Art und Weise
an die betroffenen Gemeinschaften weitergeleitet wird, und stärkt so das Vertrauen in das
humanitäre System. Die EU wird stärkere Anreize schaffen, um ein systematisches
Engagement auf Gemeinschaftsebene zu ermöglichen. Sie wird auch die gebietsbezogene
Koordinierung unterstützen, um den Bedürfnissen der Menschen umfassend gerecht zu werden,
und dabei über sektorspezifische Ansatzpunkte hinaus zu einer stärker integrierten humanitären
Hilfe übergehen.
Lokale Einsatzkräfte spielen eine entscheidende Rolle bei humanitären Maßnahmen. Mit ihren
Leitlinien von 2023 zur Förderung gerechter Partnerschaften mit lokalen
Einsatzkräften28 hat die Kommission einen positiven Trend in diesem Bereich angestoßen.
28 Europäische Kommission: GD ECHO, Guidance Note, Promoting Equitable Partnerships with Local
Responders in Humanitarian Settings, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, Luxemburg, 2023,
https://op.europa.eu/de/publication-detail/-/publication/6dd03554-c894-11ed-a05c-01aa75ed71a1.
9
Seitdem wurden erhebliche Fortschritte erzielt, wodurch der Anteil der humanitären EU-
Finanzmittel für lokale Akteure bis Ende 2024 von 6 % auf 11 % gestiegen ist. Im Jahr 2025
bekräftigte die Kommission ihr Engagement mit einem neuen Lokalisierungsfahrplan, in dem
sie sich verpflichtete, bis 2027 25 % ihrer Mittel so direkt wie möglich an lokale Akteure zu
vergeben. Die Kommission wird zudem nach Möglichkeiten suchen, die Kapazitäten lokaler
Akteure und deren Rolle in internationalen Entscheidungsgremien zu stärken.
Schutz trägt dazu bei, die Sicherheit, Würde und Rechte von Menschen zu gewährleisten, die
von Krisen betroffen sind, und ist ein zentraler Bestandteil der humanitären Maßnahmen
der EU: Alle humanitären Akteure müssen koordiniert vorgehen, um die Gefährdung der
betroffenen Menschen durch Gewalt, Entbehrungen und Missbrauch zu verringern.
Kinder haben gemäß den internationalen Menschenrechten und dem humanitären Völkerrecht
Anspruch auf besonderen Schutz. Die dramatische Lage von Kindern, die von humanitären
Krisen betroffen sind, das beispiellose Ausmaß an Verletzungen ihrer Unversehrtheit, ihres
Wohlergehens und ihrer Rechte (Anstieg um 25 % in den letzten Jahren)29 sowie die mangelnde
Achtung des besonderen Schutzes, auf den sie Anspruch haben, erfordern besondere
Aufmerksamkeit. Die EU setzt sich dafür ein, Gewaltanwendung, Misshandlungen,
Verwahrlosung und alle weiteren spezifischen Gefahren, denen Kinder im humanitären
Kontext ausgesetzt sind, zu verhindern, abzumildern und zu verringern, unter anderem
durch die Förderung von Bildung in Notsituationen30 und durch die Gewährleistung, dass das
Wohl des Kindes bei allen humanitären Maßnahmen im Vordergrund steht.
In Krisensituationen werden Gleichstellungsaspekte oft übersehen. Frauen und Mädchen
sowie LGBTIQ+-Personen sind nach wie vor am stärksten von sexueller und
geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen, einschließlich sexueller Gewalt im Zusammenhang
mit Konflikten. Zudem sind sie in Krisensituationen einem höheren Risiko von Zwangsheirat
und Menschenhandel ausgesetzt. Auch Menschen mit Behinderungen sind unverhältnismäßig
stark betroffen, da sie beim Zugang zu Hilfe mit zusätzlichen Hindernissen konfrontiert sind.
Um spezifischen Situationen und Bedürfnissen gerecht zu werden, ist ein opferorientierter
Ansatz von entscheidender Bedeutung, und die Kommission wird diesbezüglich politische
Leitlinien bereitstellen. Zudem leisten vulnerable Gruppen als Ersthelfende vor Ort im
humanitären Kontext einen wertvollen Beitrag, und die Ermittlung ihrer spezifischen
Bedürfnisse und Prioritäten für zusätzliche Unterstützung kann die Wirksamkeit von
Maßnahmen erhöhen.
Die durchgängige Berücksichtigung der Geschlechterperspektive und die Einbeziehung der
sexuellen und reproduktiven Gesundheit in humanitäre Projekte werden in alarmierendem
Maße geschwächt, was die Fortschritte gefährdet, die für die Förderung gerechter und
florierender Gesellschaften von entscheidender Bedeutung sind. Die EU wird ihr Engagement
im Bereich sexuelle und reproduktive Gesundheit und zur Bekämpfung
geschlechtsspezifischer Gewalt verstärken, unter anderem durch die Einleitung der Initiative
SHIELD (Sexual and Reproductive Health in Emergencies and Life in Dignity)31. Darüber
hinaus wird die EU sich in strategischen Gesprächen mit anderen Gebern und in allen relevanten
Foren, einschließlich der Leitungsgremien von UN-Organisationen, für die Berücksichtigung
von Gleichstellungsaspekten einsetzen.
29 Vereinte Nationen: Menschenrechtsrat, „Children in armed conflict – Report of the Special Representative of
the Secretary-General for Children and Armed Conflict“, A/HRC/61/37, 23. Dezember 2025,
https://docs.un.org/en/A/HRC/61/37.
30 COM(2018) 304 final.
31 COM (2026) 113 final, S. 20.
10
Zentrale Maßnahmen
Die Kommission wird ...
bis 2027 25 % ihrer humanitären Mittel so direkt wie möglich an lokale Akteure
leiten,
dezentrale Koordinierungsstrukturen unterstützen, welche die lokale
Eigenverantwortung fördern, insbesondere die gebietsbezogene Koordinierung. Eine
integrierte, sektorübergreifende Planung zur Norm machen, mit wirksamen
Mechanismen zur Weiterverweisung an spezialisierte Dienste, sofern erforderlich,
systematisch sicherstellen, dass betroffene Gemeinschaften in die Gestaltung,
Bereitstellung und Überwachung der Hilfe einbezogen werden, und sich bemühen,
ihren Bedürfnissen und Erwartungen gerecht zu werden,
die Arbeit darauf ausrichten, die verbleibenden Hindernisse für lokale Einsatzkräfte zu
beseitigen, damit diese durch Kapazitätsaufbau und Schulungen eine größere Rolle in der
humanitären Hilfe spielen können, indem der Verwaltungsaufwand für lokale Akteure
verringert und die Finanzierung auf lokal geführte, gemeinsame humanitäre Fonds
ausgeweitet wird,
die Advocacy-Arbeit und Unterstützung für den Bereich Schutzmaßnahmen,
einschließlich des Kinderschutzes, verstärken und den Schutz weiterhin in den
Mittelpunkt der humanitären Hilfe stellen,
ihre Unterstützung für Menschen, die von Problemen im Bereich der sexuellen und
reproduktiven Gesundheit betroffen sind, und für Maßnahmen zur Bekämpfung
sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, insbesondere von sexueller Gewalt im
Zusammenhang mit Konflikten, ausbauen,
ihr thematisches Strategiepapier zum Thema Gleichstellung der Geschlechter
aktualisieren32.
2. Umsetzung: Steigerung der Effizienz und der Kosteneffizienz humanitärer
Maßnahmen für eine größere Wirkung
Vor dem Hintergrund steigender Bedürfnisse und knapper Haushaltsmittel lässt sich eine
maximale Kosteneffizienz nur erreichen, wenn betroffene Gemeinschaften, humanitäre Akteure
und Geber gemeinsam wirkungsvolle Maßnahmen zur Bewältigung von Krisen entwickeln. Es
gibt erheblichen Spielraum für die Beseitigung von Ineffizienz im derzeitigen
Finanzierungsmodell, und die EU wird zu diesem Zweck Anreize für Veränderungen schaffen.
Die EU hat drei Hauptprioritäten festgelegt: Reform der humanitären Lieferkette,
Maximierung des Werts der humanitären Finanzmittel der EU und Unterstützung kollektiver
unterstützender Dienste.
2.1. Reform der strategischen humanitären Lieferketten
Humanitäre Lieferketten sind für humanitäre Einsätze von entscheidender Bedeutung. Mit
ihnen soll sichergestellt werden, dass bedürftige Gemeinschaften die richtigen Hilfsgüter in der
richtigen Qualität, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und zu den richtigen Kosten erhalten.
Das derzeitige Lieferkettenmodell ist jedoch dem Ausmaß der Bedürfnisse nicht mehr
angemessen. Im Laufe der Zeit haben humanitäre Organisationen parallele, voneinander
getrennte Lieferketten aufgebaut, was zu einer Zersplitterung und unnötigen Überschneidungen
32 Europäische Kommission, GD ECHO, Gender – Different Needs, Adapted Assistance, Thematisches
Strategiepapier der GD ECHO Nr. 6, Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, Luxemburg, 2013,
https://ec.europa.eu/echo/files/policies/sectoral/gender_thematic_policy_document_en.pdf.
11
geführt hat, beispielsweise wenn sie um die Beschaffung derselben Hilfsgüter konkurrieren
oder separate Fuhrparks und Lager betreiben. Dies mindert die Effizienz und Wirksamkeit und
schwächt letztlich die Wirkung der humanitären Hilfe.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat die Kommission im Jahr 2024 die
Humanitarian Leadership Group on Supply Chain (HLGSC) ins Leben gerufen, in der
Geber, die Vereinten Nationen, die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung,
Nichtregierungsorganisationen, der Privatsektor und die Wissenschaft vertreten sind. Diese
Gruppe einigte sich auf eine gemeinsame Vision für ein neues Modell der humanitären
Lieferkette – ein kooperativeres und kohärenteres Netzwerk, das die Wirkung durch die
miteinander verknüpften Prinzipien einer besseren Abstimmung, Interoperabilität und des
Datenaustauschs sowie durch eine systematischere Nutzung gemeinsamer Plattformen und
Operationen steigert. Das übergeordnete Ziel ist ein System, das besser für die Menschen
funktioniert, indem Hilfe schneller und vorhersehbarer bereitgestellt wird, und zwar auf eine
Weise, die kosteneffizienter ist und die lokalen Kapazitäten sowie die Resilienz im Einklang
mit den humanitären Grundsätzen stärkt.
Das Reformbestreben der HLGSC spiegelt sich in ergänzenden Initiativen wider, insbesondere
in der gemeinsamen Initiative der Vereinten Nationen zur Schaffung eines stärker integrierten
humanitären Lieferkettensystems als Teil des UN80-Reformprozesses oder im Rahmen der G7.
Diese Bemühungen sollten weiterverfolgt werden, da sie einen wesentlichen Baustein der
Gesamtreform der humanitären Lieferketten darstellen. Die Kommission wird diese Prozesse
weiterhin aufmerksam verfolgen und fördern.
Die Reform und Modernisierung des Lieferkettenmodells bietet erhebliche Chancen für
Effizienzsteigerungen und die Freisetzung von Ressourcen für Menschen in Not. Es bedarf
eines Paradigmenwechsels, bei dem Lieferkettenfunktionen als strategische Wegbereiter für
humanitäre Wirksamkeit anerkannt werden. Dieser systemweite Prozess, der auf
Zusammenarbeit, Bündelung von Ressourcen und Austausch von Kapazitäten ausgerichtet ist,
sollte im Einklang mit der HLGSC die folgenden miteinander verknüpften Themen behandeln:
- Die Beschaffung muss von Anfang an in die Planung der Einsätze integriert werden,
um die Effizienz, die Wirksamkeit und das Finanzmanagement zu verbessern,
insbesondere durch die gegenseitige Anerkennung von Beschaffungsentscheidungen
und die gemeinsame Beschaffung zwischen humanitären Organisationen.
- Ökologische Nachhaltigkeit muss in humanitäre Maßnahmen eingebettet werden,
zusammen mit einer Verlagerung von kurzfristiger Kostenminimierung hin zu
langfristiger Wertoptimierung, insbesondere durch die Verringerung von
Treibhausgasemissionen – beispielsweise indem lokale Lösungen für den Einsatz
erneuerbarer Energien begünstigt werden –, die Verbesserung von
Lebenszyklusanalysen und Spezifikationen für umweltfreundliche Produkte,
verantwortungsvolle Abfallwirtschaft und die Unterstützung von Maßnahmen der
Kreislaufwirtschaft.
- Digitale Systeme, einschließlich KI-Lösungen, müssen Teil eines interoperablen
Ökosystems werden, dessen Governance-Rahmen auf gemeinsamen offenen Standards
basiert, an lokale Kapazitäten angepasst ist und von angemessenen
Datenschutzvorkehrungen begleitet wird.
- Vorsorge sollte zur Norm werden, basierend auf einem gemeinsamen Rahmen, der in
lokalen Kapazitäten und der Beteiligung der Akteure an der Planung verankert ist,
unterstützt durch Prognosen und Vorabpositionierung, während gleichzeitig die
Einführung und Skalierung innovativer Lösungen sichergestellt wird.
12
- Die Lokalisierung nachhaltiger Lieferketten erfordert, dass internationale
humanitäre Akteure schrittweise Zuständigkeiten, Ressourcen und
Entscheidungsbefugnisse an lokale Akteure übertragen und gleichzeitig die lokalen
Märkte stärken.
Die Umsetzung dieses Modells hängt von einer Reihe grundlegender Voraussetzungen ab:
- Einbeziehung von Überlegungen zur Lieferkette in die strategische und operative
Entscheidungsfindung humanitärer Organisationen,
- Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Gebern, um eine bessere Abstimmung der
Compliance- und Regulierungsansätze sowie der Finanzierungsprioritäten zu fördern,
- Förderung innovativer Finanzierungsmechanismen zur Sicherung langfristiger
Investitionen und Anerkennung der Kosten der Lieferkette, einschließlich der Kosten
für Digitalisierung und Umwelt, als wesentliche Programmausgaben,
- Einbeziehung des Privatsektors in die gemeinsame Gestaltung und Unterstützung des
systemweiten Wandels und
- weitere Stärkung der Professionalisierung, um hoch qualifizierte Arbeitskräfte zu
sichern.
Die Kommission wird diesen Prozess vorantreiben und dabei eng mit den EU-Mitgliedstaaten
und gegebenenfalls mit Gebern außerhalb der EU zusammenarbeiten. Sie wird das neue
Lieferkettenmodell auch in die Verwaltung und Finanzierung ihrer eigenen humanitären Hilfe
integrieren und ihren Partnern klare Leitlinien und angemessene Unterstützung bieten. Die
Präsenz der EU vor Ort wird ebenfalls dazu beitragen, diese Bemühungen zu fördern.
Zentrale Maßnahmen
Die Kommission wird ...
eine Charta für die humanitäre Lieferkette ins Leben rufen – einen freiwilligen, auf
partnerschaftlicher Zusammenarbeit basierenden Multi-Stakeholder-Rahmen, dem sich
im humanitären Bereich tätige Akteure, einschließlich Gebern, anschließen können, um
die Umsetzung der Reform zu beschleunigen. In der Charta werden konkrete
Verpflichtungen und eine kollektive Rechenschaftspflicht festgelegt, und sie wird durch
eine Plattform unterstützt, die als technisches Sekretariat und Koordinationsstelle
fungiert,
angemessene finanzielle Mittel bereitstellen, um die Umsetzung der Lieferkettenreform,
einschließlich der Arbeit der Humanitarian Leadership Group on Supply Chain
(HLGSC), zu unterstützen, indem sie schrittweise Finanzierungsbedingungen für die
Projektauswahl festlegt. Dies wird dazu beitragen, dass humanitäre Organisationen
effizienter arbeiten können und es wird Ressourcen zur Unterstützung von Menschen in
Not freisetzen. Die Umsetzung vor Ort wird zunächst in Pilotländern gefördert;
einen Anerkennungsrahmen mit klaren Zulassungskriterien und Mindeststandards für
Beschaffungszentren für humanitäre Hilfe einrichten, die Partner und EU-
Mitgliedstaaten für eine einfachere und effizientere Beschaffung nutzen können;
sich eng mit den EU-Mitgliedstaaten und Nicht-EU-Gebern abstimmen, um die
Verwaltungsvereinfachung, operative Synergien sowie die Angleichung von
Finanzierungsprioritäten und -modalitäten zu fördern.
2.2. Transformative Finanzierung und Vereinfachung der humanitären Hilfe
13
In einer Zeit, in der Mittelkürzungen die humanitären Akteure überfordern, muss die EU als
verantwortungsbewusster und engagierter humanitärer Geber auf eine Weise helfen, die
Anreize für Effizienz schafft und den Verwaltungsaufwand verringert. Die EU wird die
Flexibilität ihrer bestehenden Finanzierungsinstrumente weiterhin voll ausschöpfen, unter
anderem durch den Einsatz von Krisenklauseln33 und programmatischen Partnerschaften34,
sowie durch die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Partnern und Konsortien. Darüber
hinaus werden transformative Finanzierungs- und Interventionsformen, welche die Effizienz
fördern, wie nachstehend beschrieben, priorisiert und ausgeweitet.
Durch die Bereitstellung von Finanzmitteln über lokale Akteure wird deren
Eigenverantwortung gestärkt und die Schnelligkeit, Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit der
Hilfsmaßnahmen verbessert. Durch vorausschauende Maßnahmen können Partner frühzeitig
handeln und gefährdeten Gemeinschaften bereits vor dem Eintreten einer Krise helfen, wodurch
die Auswirkungen gemildert, Leben und Lebensgrundlagen gerettet und die Klima- und
Umweltresilienz gestärkt werden.
Bargeldhilfen haben sich durchweg als wesentlich kosteneffizienter erwiesen als
Sachleistungen, da mit denselben finanziellen Mitteln mehr Menschen erreicht und gleichzeitig
verschiedene sektorale Bedürfnisse abgedeckt werden können. Betroffene Menschen
bevorzugen zudem Bargeldhilfen, da so ihre Handlungsfähigkeit, Entscheidungsfreiheit und
Würde anerkannt werden. Bargeld unterstützt zudem die lokale Wirtschaft und trägt so zum
Aufbau langfristiger Resilienz bei. Die EU wird der vielseitig einsetzbaren Bargeldhilfe
weiterhin Priorität einräumen und sich für deren Einsatz auf Systemebene stark machen.
Der Übergang von jährlicher Finanzierung zu mehrjährigen Verträgen verbessert die
Vorhersehbarkeit der Hilfsmaßnahmen, bringt Effizienzgewinne und Skaleneffekte mit sich und
bietet die Möglichkeit für eine strategischere Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen. Dies
trägt zudem dazu bei, die Phase, in der humanitäre Hilfe bereitgestellt wird, mit Maßnahmen in
den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung zu verknüpfen, und
unterstützt den Übergang zu systemischer angelegten Maßnahmen und schließlich den Ausstieg
aus der humanitären Hilfe. In lang anhaltenden Krisen sollte eine mehrjährige Finanzierung zur
Regel werden.
Nicht oder nur vage zweckgebundene Mittel ermöglichen flexiblere Reaktionen und bieten
den Partnern besser verfügbare Optionen, um sich an veränderte Umstände anzupassen. Neben
der Ausweitung größerer Maßnahmen mit mehreren Gebern oder regionaler Ausrichtung wird
die EU auch höhere Beiträge zu einer Vielzahl von gemeinsamen Fonds in Betracht ziehen, wie
beispielsweise länderbezogene gemeinsame Fonds (CBPFs) oder den Katastrophenhilfe-
Notfallfonds (DREF), sofern diese einen komparativen Vorteil bieten. Die Einhaltung
humanitärer Grundsätze, klar definierte Leistungsparameter, eine inklusive Governance, eine
solide Aufsicht, Kontrolle und Rechenschaftspflicht, der Beitrag zu Lokalisierungsbemühungen
sowie die Sichtbarkeit der EU gelten auch für Beiträge zu solchen Fonds.
Um den Verwaltungsaufwand zu verringern, wird die EU im Einklang mit internationalen
Verpflichtungen und der Vereinfachungsagenda der EU nach Möglichkeiten suchen, die
33 Das Hauptziel der Krisenklausel besteht darin, eine schnelle und wirksame Reaktion auf aufkommende Krisen
im Rahmen einer laufenden humanitären Maßnahme zu ermöglichen. Europäische Kommission, GD ECHO
Partners Website, abgerufen am 30. April 2026, www.dgecho-partners-helpdesk.eu/ngo/
actionsimplementation/crisis-modifier.
34 Europäische Kommission: GD ECHO, „Working with DG ECHO programmatic partnership 2021-2027“,
Website der Europäischen Kommission, abgerufen am 30. April 2026, www.dgecho-partners-
helpdesk.eu/programmatic-partnership/programmatic-partnership.
14
Berichtspflichten für ihre Partner zu vereinfachen. Dazu gehört die Modernisierung der
Verwaltung der Finanzhilfen der Kommission durch die Einführung interoperabler digitaler
Systeme. Dieser Übergang wird die Transparenz erhöhen und die Rückverfolgbarkeit von EU-
Mitteln verbessern, während die operative Flexibilität gewahrt bleibt.
Zentrale Maßnahmen
Die Kommission wird ...
den Einsatz transformativer Finanzierungsmodalitäten (flexible und vorhersehbare
mehrjährige Finanzierung, Bargeldhilfe, ein breites Spektrum an gemeinsamen Fonds,
vorausschauende Maßnahmen und Unterstützung für lokale Akteure) ausweiten, sodass
mindestens zwei Drittel ihrer humanitären Finanzmittel auf diesem Wege
bereitgestellt werden,
den Anteil der mehrjährigen Finanzierung in lang anhaltenden Krisen erheblich
erhöhen,
einen Team-Europa-Ansatz für länderspezifische gemeinsame Fonds fördern und die
EU-Koordinierung in den CBPF-Governance-Foren stärken, um eine größere kollektive
Wirkung der EU zu erzielen,
zusammen mit interessierten Mitgliedstaaten einen gemeinsamen Geberansatz für
Bargeldhilfe umsetzen35 und sich stärker dafür einsetzen, dass Bargeldhilfe zur
Standardmodalität bei humanitären Hilfsmaßnahmen wird,
das System der Verwaltung von Finanzhilfen weiter vereinfachen.
2.3. Grundsätzliche humanitäre Hilfe durch kooperative Dateninitiativen ermöglichen
Gemeinsame Dienste, durch die humanitäre Hilfe geleistet werden kann, sind von
entscheidender Bedeutung, um eine wirksame, koordinierte und hochwertige Hilfe auf der
Grundlage von Fakten zu gewährleisten. Die EU unterstützt traditionell viele der systemweiten
Initiativen, die diese Arbeit vorantreiben, wie beispielsweise die INFORM-Tools36. Angesichts
drastischer Kürzungen, die den Fortbestand dieser Dienste gefährdeten, erhöhte die EU ihre
Investitionen in diesem Bereich im Jahr 2025 um 50 % auf insgesamt 150 Mio. EUR. Sie wird
sich weiterhin für die Finanzierung von unterstützenden Diensten einsetzen, darunter Daten und
Fakten, Sicherheit und Zugang37, Logistik und Koordination.
Zuverlässige Daten sind eine Grundlage für humanitäre Hilfe, da sie dabei helfen, den Bedarf
und dessen Schweregrad zu ermitteln sowie die Wirksamkeit der Maßnahmen zu messen. Das
derzeitige System der Datenerhebung und -analyse wurde von vielen verschiedenen Akteuren
entwickelt, was die Datenlandschaft komplex und schwer überschaubar macht. Es ist
notwendig, die Aufschlüsselung (nach Geschlecht, Alter und Behinderung), die Erfassung, die
Zuverlässigkeit und die Vergleichbarkeit der Daten zu verbessern und sie standardmäßig als
Open-Source-Daten bereitzustellen. Durch Investitionen in Datenqualität und Interoperabilität
sowie die Stärkung von Analyse- und Berichterstattungsinstrumenten, unter anderem durch den
35 CALP-Netzwerk, „Common Donor Approach to Humanitarian Cash Assistance“, Website des CALP-
Netzwerks, 25. September 2025, abgerufen am 30. April 2026,
https://www.calpnetwork.org/publication/common-donor-approach-to-humanitarian-cash-assistance-2025/.
36 INFORM ist eine Reihe von Instrumenten, die von und für die humanitäre Gemeinschaft entwickelt wurden und
eine gemeinsame Analyse auf der Grundlage geprüfter systemweiter Daten ermöglichen. Für weitere
Informationen siehe Europäische Kommission: Gemeinsame Forschungsstelle, „INFORM“, abgerufen am 30.
April 2026, https://drmkc.jrc.ec.europa.eu/inform-index/.
37 Siehe Abschnitte 1.2 und 2.1.
15
ethischen Einsatz von KI, Erdbeobachtung und Modellierungsinstrumenten (einschließlich
relevanter Satellitendienste wie dem Copernicus-Programm), wird die EU die evidenzbasierte
Entscheidungsfindung verbessern und schnellere, besser koordinierte und wirksamere
Kriseneinsätze ermöglichen.
Der sichere und verantwortungsvolle Austausch von Daten über Hilfsempfänger und die
Verfügbarkeit von Dienstleistungen zwischen humanitären Organisationen ist unerlässlich.
Diese Praxis hat bereits zu erheblichen Kosteneinsparungen38 geführt, indem sie
Überschneidungen bei der Hilfe und Lücken in den Maßnahmen verhindert hat. Vereinbarungen
zum Datenaustausch zwischen Organisationen sind jedoch nach wie vor schwer zu erreichen,
und wo sie auf globaler Ebene bestehen, werden sie vor Ort oft nicht umgesetzt.
Die EU unterstützt Open-Source-Technologie, föderierte Systeme und dezentrale Governance.
In den letzten Jahren hat sie mehrere Pilotprojekte zum sicheren Datenaustausch mittels
geprüfter Technologien unterstützt. Die EU wird diesen Trend fördern und auf einem sicheren
Datenaustausch bestehen, da dies zu einer transparenteren und kohärenteren humanitären Hilfe
führt.
Zentrale Maßnahmen
Die Kommission wird ...
ein neues globales Programm für sektorübergreifende Bedarfsanalysen entwickeln,
um eine engere Zusammenarbeit zwischen den Akteuren zu fördern und die
Fragmentierung zu verringern. Dadurch wird sichergestellt, dass wichtige Daten zu den
Bedürfnissen der Menschen kontextübergreifend vergleichbar, inklusiv und für alle
zugänglich sind;
die Nutzung von Vereinbarungen zum sicheren Datenaustausch zwischen den
Partnern fordern, um Überschneidungen zu verringern und die Wirksamkeit der
Hilfsmaßnahmen zu steigern. Der sichere Datenaustausch zwischen Organisationen wird
als Voraussetzung für die Finanzierung aufgenommen;
die Nutzung von Copernicus und INFORM durch den humanitären Hilfssektor zur
Steuerung humanitärer Hilfsmaßnahmen verbessern;
weiterhin interoperable digitale Systeme und gemeinsame Datenstandards über den
gesamten Lebenszyklus der humanitären Finanzierung hinweg fördern, um die
Fragmentierung zu verringern und die Rückverfolgbarkeit zu verbessern.
3. Partnerschaft: Allianzen nutzen, um Menschen in Not zu helfen
Das Ausmaß der Krise des humanitären Systems kann nicht allein von humanitären Akteuren
bewältigt werden. Das gesamte Spektrum an Maßnahmen im Schnittstellenbereich von
humanitärer Hilfe, Entwicklung und Frieden muss genutzt werden, und es bedarf einer
Vertiefung strategischer Allianzen mit einem breiten Spektrum von Akteuren, um den
wachsenden humanitären Bedarf zu decken und Krisen nachhaltig zu bewältigen. Die
Kommission wird sich darauf konzentrieren, diese Verbindungen durch gemeinsame
Maßnahmen zur Bewältigung von Fragilität und zur Steigerung der Resilienz zu stärken und
enger mit einem breiteren Spektrum von Partnern, wie beispielsweise dem Privatsektor,
38 In der in der Ukraine wurden 250 Mio. EUR eingespart. Ukraine Cash Working Group, „Ukraine CWG Data
Management – Systems and Governance Assessment July 2025“, OCHA, 23. Juli 2025, abgerufen am 30.
April 2026, https://reliefweb.int/report/ukraine/ukraine-cwg-data-management-systems-and-governance-
assessment-report-july-2025.
16
zusammenzuarbeiten. Die Verstärkung der Wirkung eines Team-Europa-Ansatzes in diesem
Bereich ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung.
3.1. Integrierter Ansatz zur Bewältigung von Fragilität
Weltweit nimmt die Fragilität39 zu, was Unsicherheit schürt und Entwicklungsfortschritte
weltweit behindert, wobei die Ausstrahlungseffekte potenziell die Sicherheit und den
Wohlstand der EU beeinträchtigen können. In wichtigen Regionen kann Fragilität von feindlich
gesinnten Akteuren für geopolitische Zwecke instrumentalisiert werden. Werden fragile
Kontexte nicht umfassend angegangen, besteht die Gefahr, dass globale Normen, darunter
Menschenrechte und das humanitäre Völkerrecht, weiter untergraben werden. Darüber hinaus
bedroht Fragilität den internationalen Frieden, die Sicherheit und die Stabilität, beeinträchtigt
die Lebensgrundlagen und den Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, verschärft
bestehende Gefährdungen durch die Auswirkungen von Klimawandel und Umweltzerstörung,
stört Märkte, Lieferketten und die wirtschaftliche Sicherheit und verschärft Herausforderungen
im Zusammenhang mit Vertreibung und Migration.
Die Bekämpfung der Ursachen von Fragilität ist daher sowohl ein Akt der Solidarität als
auch eine dringende und strategische Notwendigkeit für die EU und die internationale
Gemeinschaft. Zu den Zielen der EU in diesem Zusammenhang gehören die Linderung
menschlichen Leids und die Bekämpfung der Ursachen von Fragilität, um Armut,
Hilfsabhängigkeit und klimabedingte Anfälligkeit zu beenden sowie eine nachhaltige
Entwicklung zu fördern. Darüber hinaus setzt sich die EU für Menschenrechte, Demokratie und
Rechtsstaatlichkeit, die Gleichstellung der Geschlechter, Inklusion, die Stärkung der Jugend
sowie ein förderliches Umfeld für die Zivilgesellschaft ein.
Langfristige, strategische Maßnahmen in fragilen Situationen sind unerlässlich, um Resilienz
aufzubauen, Krisen vorherzusehen, Konflikte zu verhindern und nachhaltigen Frieden,
Stabilität und Sicherheit zu fördern.
Die EU und ihre Mitgliedstaaten sind seit Jahrzehnten in fragilen Kontexten präsent und
verfügen über eine einzigartige Position, um ihr umfassendes Instrumentarium zur Förderung
von Frieden, Stabilität und Resilienz einzusetzen. Die EU hat maßgeblich dazu beigetragen,
die Regierungsstrukturen und das Wirtschaftswachstum der Staaten zu unterstützen und ihnen
bei der Verwirklichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) zu helfen.
Um den sich wandelnden geopolitischen Gegebenheiten und den vielschichtigen
Herausforderungen der Fragilität wirksam zu begegnen, muss die EU ihre Maßnahmen neu
ausrichten und ihre Strategien optimieren, um ein verlässlicher Partner zu bleiben und
gleichzeitig diejenigen unterstützen, die am weitesten zurückliegen und eine größere Wirkung
erzielen. Diese Gemeinsame Mitteilung baut daher auf bestehenden Instrumenten auf, um einen
integrierten EU-Ansatz in Bezug auf Fragilität zu entwickeln – einen strategischen Rahmen
zur Stärkung des Engagements der EU in fragilen Kontexten. Sie orientiert sich an folgenden
Grundsätzen und Prioritäten:
Engagement aufrechterhalten und gleichzeitig kontextspezifische und
konfliktsensible Maßnahmen gewährleisten (Schadensvermeidung)
Die EU bekräftigt ihr Vorhaben, sich im Einklang mit den Interessen der EU weiterhin in allen
Kontexten zu engagieren, die von hoher oder extrem hoher Fragilität geprägt sind,
39 Fragilität ist die Kombination aus Risikoexposition und unzureichender Bewältigungskapazität des Staates, des
Systems und/oder der Gemeinschaften, diese Risiken zu bewältigen, aufzufangen oder zu mindern, OECD, States
of Fragility, OECD Publishing, Paris, 2025, https://doi.org/10.1787/81982370-en.
17
einschließlich solcher, die komplex sind oder in denen das Verhältnis zwischen lokalen
Machthabern und internationalen Gebern schwierig ist. Dies wird durch einen flexiblen,
anpassungsfähigen und konfliktsensiblen Ansatz geschehen, bei dem das Engagement
differenziert auf die Bedürfnisse der betroffenen Partnerländer und ihrer Bevölkerung
zugeschnitten wird, unter Beibehaltung der eigenen strategischen Ziele der EU.
Multidimensionaler Ansatz für Resilienz und Nachhaltigkeit
Die Bekämpfung der Ursachen von Fragilität erfordert einen multidimensionalen Ansatz, bei
dem gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische, sicherheitspolitische und ökologische
Faktoren berücksichtigt werden. Die EU wird Ansätzen mit transformativem Potenzial
Vorrang einräumen, um eine langfristig nachhaltige Entwicklung und den Frieden zu fördern.
Auf der Grundlage ihres umfassenden Instrumentariums umfassen die thematischen
Prioritäten unter anderem: a) menschliche Entwicklung und Stärkung der Resilienz, b)
wirtschaftliche Entwicklung durch die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für
Investitionen und die Stärkung der Zusammenarbeit mit internationalen Finanzinstitutionen, c)
Abmilderung der Auswirkungen von Klimawandel, Umweltzerstörung und Wasserknappheit,
d) Stärkung der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit sowie e)
Konfliktprävention, Mediation, Stabilisierung, Friedenskonsolidierung und Sicherheit. Der
Schwerpunkt liegt auf den am stärksten gefährdeten Gruppen, darunter Frauen, Kinder und
Jugendliche, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, Angehörige von Minderheiten,
Geflüchtete, Vertriebene und Rückkehrende sowie deren finanzielle Inklusion.
Stärkung des Team-Europa-Ansatzes und strategischer Partnerschaften im
Rahmen eines Ansatzes, der humanitäre Hilfe, Entwicklung und Frieden
miteinander verknüpft
Durch die Stärkung der Verknüpfung von humanitärer Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und
Friedensförderung (HDP-Nexus) wird die EU komplementäre Ansätze und Maßnahmen
besser aufeinander abstimmen, um Krisen wirksamer zu antizipieren, sich darauf vorzubereiten
und darauf zu reagieren. Unter Nutzung der Flexibilität des künftigen Instruments „Europa in
der Welt“ wird die EU den Einsatz innovativer und flexibler Finanzierungsmechanismen
aktiv verstärken, um mehr private Mittel zu mobilisieren und gleichzeitig den lokalen
Privatsektor zu stärken. Sie wird zudem die Zusammenarbeit mit internationalen
Finanzinstitutionen, einschließlich der Europäischen Investitionsbank, und den
Entwicklungsbanken der EU-Mitgliedstaaten intensivieren, um Investitionen zu fördern, die
wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit in fragilen Umfeldern und den strukturellen Abbau
humanitärer Bedürfnisse ermöglichen.
Bei all diesen Bemühungen wird die EU einen Team-Europa-Ansatz fördern, der für eine
sichtbare, einheitliche und koordinierte Haltung bei der Bewältigung von Fragilität unerlässlich
ist. Die EU wird zudem die Koordinierung und Zusammenarbeit mit anderen Partnern und
Akteuren vertiefen, auch auf lokaler Ebene, wie der Zivilgesellschaft, dem Privatsektor und
wichtigen Organisationen wie den Vereinten Nationen, der Rotkreuz- und
Rothalbmondbewegung sowie regionalen Organisationen.
Zentrale Maßnahmen
Im Rahmen ihrer Aufgaben wird die Kommission in Zusammenarbeit mit der Hohen
Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik einen integrierten EU-Ansatz zur
Bekämpfung von Fragilität umsetzen, der auf intelligenteren und kooperativeren
18
Ansätzen beruht und einen besonderen Schwerpunkt auf extrem fragile Kontexte legt.
Hierzu gehören:
die Entwicklung gemeinsamer Analysen, in denen das Verständnis der lokalen
Dynamiken, spezifische Risiken sowie Ursachen im Zusammenhang mit Konflikten
und dem Klimawandel beleuchtet werden;
die Entwicklung anpassungsfähiger und agiler Rahmenwerke für Fragilität in
allen extrem fragilen Kontexten, basierend auf früheren Erfahrungen mit den
derzeit getesteten Nexus-Kooperationsrahmenwerken und in deren Ablösung, um
eine erhöhte Agilität zu gewährleisten und auf relevanten analytischen
Rahmenwerken aufzubauen. Diese werden ein gemeinsames Verständnis hinsichtlich
der Prioritäten und Maßnahmen skizzieren, die im Schnittstellenbereich zwischen
humanitärer Hilfe, Entwicklung und Frieden erforderlich sind, um ein
wirkungsvolleres Engagement vor Ort sicherzustellen;
Bemühungen um eine verbesserte Integration von Maßnahmen in den Bereichen
humanitäre Hilfe, Entwicklung und Frieden durch aufeinander abgestimmte, sich
ergänzende oder gemeinsame Finanzierung, um die Wirkung zu maximieren, auch
in sich rasch verändernden Kontexten; die Nutzung aller verfügbaren
Flexibilitätsverfahren, um eine anpassungsfähige Reaktion auf Krisen zu erleichtern;
die Benennung von Kontaktstellen für Fragilität in den zuständigen EU-
Delegationen und den Büros der GD ECHO auf der Grundlage vorhandener
Ressourcen, um ein gemeinsames Verständnis zu fördern und die Umsetzung des
Ansatzes auf Länderebene voranzutreiben;
die Organisation regelmäßiger Austauschmöglichkeiten mit wichtigen Akteuren
wie Durchführungspartnern, zentralen und lokalen Behörden, den Vereinten
Nationen, internationalen Finanzinstitutionen und der Zivilgesellschaft bei
gleichzeitiger Fortsetzung der Koordinierung mit den EU-Mitgliedstaaten;
der Aufbau und die Stärkung von Partnerschaften mit Drittländern und
regionalen Organisationen, um fragile Kontexte anzugehen und finanzielle
Unterstützung zu gewährleisten, insbesondere mit dem Ziel, Stabilität, Sicherheit und
nachhaltige Entwicklung in der Nachbarschaft der EU und anderen strategischen
Regionen sicherzustellen.
eine verstärkte Koordinierung im Rahmen des Team-Europa-Ansatzes innerhalb
der Leitungsgremien multilateraler Organisationen;
eine systematischere gemeinsame Überwachung, soweit möglich in
Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedstaaten;
die Organisation regelmäßiger dienststellenübergreifender Informationsrunden
über die Umsetzung und die erzielten Ergebnisse, um die Fortschritte zu verfolgen;
verstärkte gezielte Investitionen in die institutionellen Kapazitäten und das
Wissensmanagement des EU-Personals sowie Gewährleistung einer regelmäßigen
Überprüfung der Fortschritte und Ergebnisse;
eine verstärkte strategische Kommunikation, um Informationsmanipulation,
einschließlich Desinformation, und gegebenenfalls hybriden Bedrohungen
entgegenzuwirken;
der Vorschlag einer unabhängige Bewertung der Ergebnisse dieses Ansatzes nach
drei Jahren.
3.2. Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor und nicht-traditionellen Akteuren bei
humanitären Hilfsmaßnahmen
19
Um die Finanzierungslücke im humanitären Bereich zu schließen, müssen die Ressourcen,
die Fachkenntnisse über die Lage vor Ort und die komparativen Vorteile eines breiteren
Spektrums von Akteuren außerhalb des traditionellen humanitären Bereichs genutzt werden,
darunter der Privatsektor, philanthropische Organisationen, ein breiteres Spektrum von
Gebern und die breite Öffentlichkeit.
Der Privatsektor ist ein wichtiger Partner, der neben Finanzmitteln auch technisches
Fachwissen, Innovation und Zugang zu Technologien wie KI einbringen kann. Er kann zu
dauerhaften Lösungen auf lokaler Ebene beitragen, indem er die Widerstandsfähigkeit der
Märkte stärkt und wirtschaftliche Chancen für die betroffene Bevölkerung schafft. In fragilen
Kontexten spielen Kleinstunternehmen, kleine Betriebe und der informelle Sektor eine zentrale
Rolle. Sie sollten befähigt werden, langfristig zur Stärkung der Resilienz beizutragen.
Da diese Unternehmen an vorderster Front am stärksten unter Kreditengpässen leiden, sollten
Anreize wie Instrumente zur Risikominderung, technische Hilfe und verbesserte
Investitionsdaten entwickelt werden, um internationale und nationale Geldgeber zu ermutigen,
ihren Zugang zu Kapital zu verbessern. Aufbauend auf mehreren erfolgreichen Pilotprojekten
zur humanitären Mischfinanzierung wird die EU solche Initiativen im Rahmen ihres
Engagements für die Förderung dauerhafter Lösungen und die Ermöglichung eines Rückzugs
humanitärer Akteure weiter unterstützen, sofern die Bedingungen dies zulassen.
Die EU wird zudem in der Debatte innerhalb des humanitären Sektors über die Ausweitung
des Engagements des Privatsektors in humanitären und fragilen Kontexten eine führende
Rolle übernehmen. Dazu gehören die Beseitigung von Hindernissen beim Zugang zu
Finanzmitteln und bei der finanziellen Inklusion sowie der Ausbau von Partnerschaften
zwischen privaten und humanitären Akteuren in Bereichen wie Logistik und Technologie oder
beim Zugang zu grundlegenden öffentlichen Dienstleistungen. Datengestützte KI-
Technologien verändern den humanitären Bereich zunehmend. Die EU wird mit traditionellen
Partnern und anderen Akteuren zusammenarbeiten, um Wege zu finden, wie KI zur
Verbesserung der humanitären Hilfe eingesetzt und gleichzeitig Risiken über den gesamten
Krisenzyklus hinweg verringert werden können.
Neben dem Engagement des Privatsektors ist es wichtig, mit nicht-traditionellen Gebern
zusammenzuarbeiten und auf Komplementaritäten aufzubauen. Die EU unterhält bereits starke
Partnerschaften mit vielen internationalen Akteuren, wie der Afrikanischen Union, dem
Verband Südostasiatischer Nationen und den Staaten des Golf-Kooperationsrats. Sie wird nun
strategische Bereiche für eine verstärkte Zusammenarbeit in den Bereichen humanitäre Hilfe
und Katastrophenrisikomanagement entwickeln.
Eurobarometer-Umfragen haben durchgehend gezeigt, dass es eine starke Unterstützung der
Bevölkerung für die humanitäre Hilfe der EU gibt. Im Jahr 2024 hielten es 91 % der Befragten
für wichtig, dass die EU humanitäre Hilfe finanziert40. Eine solche Unterstützung ist nicht
selbstverständlich und kann durch eine zunehmende Flut von Informationsmanipulationen,
einschließlich Desinformation, untergraben werden. Die EU wird die Einbindung der EU-
Bürgerinnen und -Bürger weiter verstärken und humanitäre Maßnahmen auf transparente
Weise bekannt machen.
Zentrale Maßnahmen
40 Europäische Kommission: GD COMM, Special Eurobarometer 542 – EU humanitarian aid, Amt für
Veröffentlichungen der Europäischen Union, 2024, https://op.europa.eu/de/publication-detail/-
/publication/2adc08d5-daab-11ee-b9d9-01aa75ed71a1.
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Die Kommission wird ...
in Zusammenarbeit mit dem Weltwirtschaftsforum eine globale Plattform für die
Zusammenarbeit mit dem Privatsektor im Kontext der humanitären Hilfe entwickeln,
um Themen wie das Investitionsumfeld, Geberaktivitäten und Philanthropie, Ethik und
Partnerschaften zu erörtern;
die Mittel für Projekte aufstocken, mit denen das Engagement des Privatsektors in lang
anhaltenden humanitären Krisen unterstützt wird, und diese Bemühungen mit den
Akteuren der Entwicklungszusammenarbeit koordinieren;
einen politischen Rahmen für die Einbindung neuer Geber und Akteure in humanitäre
Maßnahmen verabschieden. In diesem Rahmen werden konkrete Bereiche und
vorrangige Regionen festgelegt, in denen mit verschiedenen Akteuren
zusammengearbeitet werden soll;
die Einbindung der EU-Bürgerinnen und -Bürger stärken, beispielsweise durch
Kommunikationskampagnen oder gezielte Ad-hoc-Dialoge.
3.3. Ergebnisse durch einen Team-Europa-Ansatz
Gemeinsam stellen die EU und ihre Mitgliedstaaten den weltweit größten Anteil der
humanitären Finanzmittel bereit. Im Einklang mit dem Europäischen Konsens über die
humanitäre Hilfe bekennen sie sich gemeinsam nachdrücklich zu humanitären Grundsätzen und
bedarfsorientierter Hilfe sowie zu einem multilateralen, regelbasierten System. In Bezug auf
Planung und Umsetzung würde eine stärkere Abstimmung zwischen der EU und ihren
Mitgliedstaaten zu einer noch größeren Wirkung führen und ihrer gemeinsamen Stimme mehr
Gewicht verleihen.
In der gegenwärtigen Situation, in der die Ressourcen knapp sind, würden die von der EU und
ihren Mitgliedstaaten unterstützten Durchführungspartner von stärker harmonisierten
Anforderungen der Geber profitieren, was ihnen erhebliche Einsparungen ermöglichen
würde.
Daher wird die EU in Ergänzung zu dem in dieser Gemeinsamen Mitteilung vorgeschlagenen
Team-Europa-Ansatz harmonisierte und interoperable Finanzierungsprozesse auf Team-
Europa-Ebene fördern. Insbesondere eine bessere digitale Abstimmung würde es ermöglichen,
die Ressourcen von Team Europa wirkungsvoller und kohärenter zu bündeln. Dies würde auch
die humanitären Ergebnisse und die Sichtbarkeit von Team Europa verbessern und gleichzeitig
den Verwaltungsaufwand für die Partner verringern.
Zentrale Maßnahmen
Die Kommission wird ...
in Ergänzung zu ihren Bemühungen um eine Vereinfachung der Verwaltung von
Finanzhilfen ihre nicht-rechtlichen Anforderungen erheblich vereinfachen,
einschließlich ihrer Leitlinien zur humanitären Politik und der Berichtspflichten. Diese
vereinfachten Verfahren können als gemeinsame Grundlage für die Finanzierungsansätze
von Team Europa dienen;
mit dem Ziel, für den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (2028–2034) gerüstet zu sein,
auf einen Zertifizierungsrahmen für humanitäre NRO hinarbeiten, auf den sich mehr
EU-Mitgliedstaaten gegenseitig verlassen können, was sowohl den EU-Mitgliedstaaten
als auch den Partnern zugutekommt;
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während des gesamten Lebenszyklus der humanitären Finanzierung und im Bereich der
Notfallhilfeprojekte sollten gemeinsam mit den EU-Mitgliedstaaten zusätzliche
Synergien, gemeinsame Ansätze, einheitliche Modalitäten und
Koordinierungsstrukturen ausgelotet werden, um die EU-Ressourcen wirkungsvoller zu
bündeln. Dies könnte die Koordinierung von Bevorratungsinitiativen und gemeinsame
Maßnahmen unter Nutzung von ReliefEU umfassen;
mit den EU-Mitgliedstaaten Optionen für die Entwicklung einer gemeinsamen
Plattform zur Einreichung und zum Austausch harmonisierter
Finanzierungsvorschläge erörtern, die als flexible zentrale Anlaufstelle für die
Einreichung von Vorschlägen dienen soll, die je nach Prioritäten von verschiedenen
Team-Europa-Akteuren aufgegriffen werden könnten;
in Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedstaaten gemeinsame digitale Berichtsrahmen
ausloten.
Schlussfolgerung
Seit Jahrzehnten hat sich die humanitäre Hilfe der EU durch ihre prinzipientreue,
bedarfsorientierte und berechenbare Vorgehensweise bewährt. Viele Überlebende von Krisen
können dies bezeugen. Indem sie dazu beiträgt, die Auswirkungen humanitärer Krisen
abzumildern und Fragilität zu bekämpfen, trägt sie auch zu einem sichereren und stabileren
Umfeld bei, auch in der weiteren Nachbarschaft der EU. Mit dieser Gemeinsamen Mitteilung
bekräftigt die EU ihr Bekenntnis zur Solidarität mit den Bedürftigsten. Die EU wird in
ihrem auswärtigen Handeln und auf internationaler Ebene weiterhin eine prinzipienbasierte
humanitäre Hilfe und das humanitäre Völkerrecht fördern und verteidigen. Die EU strebt an,
einen positiven Wandel in der humanitären Hilfe zum Wohle der Betroffenen und der
gesamten humanitären Gemeinschaft voranzutreiben und diese resilienter, effizienter und
zukunftssicherer zu machen. Um der Dringlichkeit der aktuellen Lage gerecht zu werden, wird
die Kommission in enger Zusammenarbeit mit der Hohen Vertreterin der EU für Außen- und
Sicherheitspolitik, soweit relevant, die skizzierten Maßnahmen mit großer Entschlossenheit
vorantreiben. Sie wird im Jahr 2028 eine Bilanz der Umsetzung dieser Gemeinsamen
Mitteilung ziehen.
Drucksache 374/26 - 22 -
Relationen
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