Strategische Absicherung, Geheimdiplomatie und die deutsche Einbindung in Gespräche zum Ukraine-Krieg
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Strategische Absicherung, Geheimdiplomatie und die deutsche Einbindung in Gespräche zum Ukraine-Krieg
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8041
21. Wahlperiode 17.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Anna Rathert, Gerold Otten, Uwe Schulz, Tobias Teich und
der Fraktion der AfD
Strategische Absicherung, Geheimdiplomatie und die deutsche Einbindung in
Gespräche zum Ukraine-Krieg
Der Besuch des US-amerikanischen CIA-Direktors in Moskau im August 2026
hat die diplomatischen und nachrichtendienstlichen Gesprächskanäle im
Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg erneut in den Fokus gerückt. Der Leiter
des russischen Auslandsnachrichtendienstes SWR bestätigte das Treffen. Zu
den konkreten Gesprächsinhalten wurden öffentlich keine Einzelheiten
mitgeteilt (vgl. www.reuters.com/world/europe/russias-foreign-spy-chief-confirms-h
e-held-talks-with-cia-director-moscow-2026-08-27/, zuletzt aufgerufen am
9. September 2026 sowie www.tagesspiegel.de/internationales/us-anliegen-sol
l-ihm-nicht-gefallen-haben-putin-sagte-treffen-mit-cia-chef-offenbar-in-letzter-
minute-ab-16003281.html, zuletzt aufgerufen am 9. September 2026).
Medienberichten zufolge standen bei den Gesprächen unter anderem
Warnungen der USA vor einer militärischen oder hybriden Eskalation gegen NATO-
Mitgliedstaaten, Fragen des Ukraine-Krieges sowie die russisch-iranische
Zusammenarbeit im Raum. Ebenfalls wurde berichtet, dass die Vereinigten
Staaten die Ukraine im Zusammenhang mit der Reise um eine zeitweilige
Zurückhaltung bei Angriffen auf bestimmte Ziele in Russland gebeten hätten (vgl.
www.wsj.com/politics/policy/cia-chiefs-surprise-moscow-trip-was-to-warn-rus
sia-not-to-attack-nato-c2d997f3?mod=mhp, zuletzt aufgerufen am 9.
September 2026 und www.cbsnews.com/news/cia-john-ratcliffe-warned-russia-not-
toattack-nato-moscow-trip/, zuletzt aufgerufen am 9. September 2026 sowie
www.t-online.de/nachrichten/ausland/internationale-politik/id_101407582/cia-s
orge-vor-hybriden-angriffen-so-koennte-russland-die-nato-testen.html, zuletzt
aufgerufen am 9. September 2026).
Bundeskanzler Friedrich Merz setzt die militärische und finanzielle
Unterstützung der Ukraine fort. Die Kosten für diese Unterstützung belaufen sich derzeit
auf insgesamt ca. 100 Mrd. Euro (www.dw.com/de/deutschland-stockt-
ukrainehilfe-auf-ukraine-russland-merz-selenskyj-ukraine-krieg/a-76761327). Zugleich
nimmt Deutschland gemeinsam mit Frankreich und dem Vereinigten
Königreich im E3‑Format an Gesprächen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg
teil (vgl. www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/merz-europaeischer-rat-ju
ni26-2443460, zuletzt aufgerufen am 9. September 2026).
Während die Vereinigten Staaten von Amerika parallel zu ihrer Unterstützung
der Ukraine unmittelbare Gesprächs- und Sondierungskanäle mit der
Russischen Föderation nutzen, setzen Deutschland und seine europäischen Partner
im Rahmen der Europäischen Union gegenüber Russland weiterhin maßgeblich
auf wirtschaftlichen und politischen Druck. Zu diesen Instrumenten gehört das
am 23. Juli 2026 beschlossene 21. EU-Sanktionspaket gegen Russland (vgl.
www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2026/07/23/21st-package-
ofsanctions-eu-hits-russian-energy-financial-services-and-crypto-hard/, zuletzt
aufgerufen am 9. September 2026). Für die tatsächliche politische Wirkung
dieses Ansatzes ist dabei auch von Bedeutung, in welchem Umfang die
beschlossenen Exportbeschränkungen tatsächlich durchgesetzt oder über Drittstaaten
umgangen werden. Dies betrifft insbesondere Beschränkungen für Dual-Use-
Güter und mögliche Umgehungswege über zentralasiatische Staaten sowie
Georgien (vgl. www.bafa.de/SharedDocs/Newsletter/DE/ManuellerVersand/Au
ssenwirtschaft/EKA_2026_07.html, zuletzt aufgerufen am 9. September 2026
sowie www.mdr.de/nachrichten/deutschland/wirtschaft/russland-sanktionen-ex
porte-zentralasien-100.html, zuletzt aufgerufen am 9. September 2026 sowie
www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/54599/georg
ien/, zuletzt aufgerufen am 9. September 2026).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche eigenen oder von Verbündeten übermittelten Erkenntnisse besitzt
die Bundesregierung gegebenenfalls über die konkreten Inhalte,
Vereinbarungen oder Botschaften, die im Rahmen des Treffens zwischen CIA-
Direktor und Leitung des SWR in Moskau ausgetauscht wurden?
2. Wurde die Bundesregierung im Vorfeld über die Reise des CIA-Direktors
informiert oder in die strategische Abstimmung dieser Mission
eingebunden (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, in welcher Form?
b) Wenn nein, warum nicht?
3. Wann und auf welchem Wege erlangte die Bundesregierung
gegebenenfalls erstmals Kenntnis von der geplanten Reise des CIA-Direktors nach
Moskau?
4. Wurde die Bundesregierung vor Beginn der Reise durch die USA oder
andere Verbündete zu deren Zielsetzung oder zu Gesprächsgegenständen
konsultiert, die deutsche Sicherheitsinteressen oder die europäische
Sicherheitsordnung berühren (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, auf welcher Ebene?
b) Wenn nein, warum nicht?
5. Hat die Bundesregierung gegebenenfalls vor der Reise eigene Positionen
oder Anliegen gegenüber der US-Regierung kommuniziert (vgl. Frage 4)?
a) Wenn ja, zu welchen Themenfeldern?
b) Wenn nein, warum nicht?
6. Wurde die Bundesregierung nach Abschluss der Gespräche durch die US-
Regierung über deren Ergebnisse und die Deutschland betreffenden
Schlussfolgerungen unterrichtet (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, wann, und auf welcher Ebene?
b) Wenn nein, warum nicht?
7. Liegen der Bundesregierung Informationen darüber vor, ob die Ukraine
auf Bitten der USA ihre Drohnenangriffe auf Moskau während der
Präsenz des CIA-Chefs temporär eingestellt hat, und hat sie sich eine eigene
Auffassung erarbeitet zu diesem Eingriff in die operative Kriegsführung
der Ukraine (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller, bitte ausführen)?
8. Inwiefern unterscheidet sich gegebenenfalls die strategische Zielsetzung
der von Bundeskanzler Friedrich Merz im Kanzleramt geführten Ukraine-
Gespräche von den parallel laufenden US-amerikanischen
Sondierungsinitiativen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller, bitte ausführen)?
9. Welche Rolle soll Deutschland nach Auffassung der Bundesregierung bei
der Ausgestaltung und Garantie einer zukünftigen Sicherheitsarchitektur
für die Ukraine im Falle eines Waffenstillstands einnehmen (bitte
ausführen)?
10. Unterhält die Bundesregierung derzeit auf Ebene des Bundeskanzlers, des
Bundesministers des Auswärtigen oder ihrer jeweiligen Beauftragten
unmittelbare politische oder diplomatischen Gesprächskanäle zur russischen
Führung, und wenn ja, welche?
11. Hat sich die Bundesregierung bereits eine Auffassung zu dem Risiko
gebildet, dass die US-Administration unter Einbindung ihrer Geheimdienste
Verhandlungsergebnisse mit der Russischen Föderation ohne vorheriges
Einvernehmen mit den EU-Staaten erzielt, die europäische
Sicherheitsinteressen, wie z. B. die Stationierung von US-Atomwaffen in Europa oder
NATO-Garantien, betreffen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, wie lautet diese?
b) Wenn nein, warum nicht?
12. Welche diplomatischen Vorkehrungen trifft das Auswärtige Amt
gegebenenfalls, um sicherzustellen, dass Deutschland und die europäischen
Partner bei zentralen Sicherheitsabsprachen bezüglich der Ukraine aktiv
mitgestalten?
13. Bei welchen der Bundesregierung bekannten amerikanisch-russischen
Gesprächs-, Sondierungs- oder Verhandlungsprozessen zum Ukraine-
Krieg seit dem 1. Januar 2026 war die Bundesregierung
a) an der Vorbereitung beteiligt,
b) vorab konsultiert,
c) vorab informiert,
d) nachträglich über Verlauf oder Ergebnisse unterrichtet?
14. Hat die Bundesregierung vor amerikanisch-russischen Gesprächen eigene
Positionen, Anliegen oder Bewertungen an die US-Regierung übermittelt?
a) Wenn ja, in welchen Fällen, zu welchen Themenfeldern, und über
welche konkreten politischen oder diplomatischen Kanäle?
b) Wenn nein, warum nicht?
15. Welche konkreten Ergebnisse oder Gesprächsinhalte
amerikanischrussischer Kontakte gehen nach Kenntnis der Bundesregierung auf zuvor
von deutscher Seite eingebrachte Positionen, Anliegen oder Bewertungen
zurück (bitte ausführen)?
16. In welchen für Deutschland relevanten Fragen der Begrenzung oder
Beendigung des Ukraine-Krieges oder einer künftigen europäischen
Sicherheitsordnung war die Bundesregierung seit dem 1. Januar 2026
gegebenenfalls unmittelbar an der Ausarbeitung von Gesprächs- oder
Verhandlungspositionen beteiligt (bitte ausführen)?
17. Welche konkreten Einfluss- und Mitgestaltungsmöglichkeiten bei
Gesprächen über die Begrenzung oder Beendigung des Ukraine-Krieges und über
die künftige europäische Sicherheitsordnung verspricht sich die
Bundesregierung von den wirtschaftlichen und geopolitischen Wirkungen des am
23. Juli 2026 beschlossenen 21. EU-Sanktionspakets gegen Russland?
18. Welche konkreten Erkenntnisse hat die Bundesregierung über das Ausmaß
der Umgehung deutscher Exportbeschränkungen für Dual-Use-Güter
(Güter mit doppeltem Verwendungszweck) über zentralasiatische Staaten,
insbesondere Kasachstan und Kirgisistan, oder Georgien im laufenden Jahr
2026, und welche Auswirkungen hat dies nach Auffassung der
Bundesregierung auf die Wirksamkeit der gegenüber Russland eingesetzten
wirtschaftlichen Druckmittel?
19. Welche konkreten zusätzlichen Einfluss- oder
Mitgestaltungsmöglichkeiten bei Gesprächen über die Begrenzung oder Beendigung des Ukraine-
Krieges und über die künftige europäische Sicherheitsordnung ergeben
sich nach Auffassung der Bundesregierung aus dem Umfang der von
Deutschland übernommenen finanziellen, militärischen und politischen
Unterstützung der Ukraine (bitte ausführen)?
Berlin, den 16. September 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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