Aktueller Stand der Versorgungssicherheit mit Blutplasma und Plasmaderivaten in Deutschland
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Aktueller Stand der Versorgungssicherheit mit Blutplasma und Plasmaderivaten in Deutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7151
21. Wahlperiode 16.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Janosch Dahmen, Simone Fischer, Dr. Armin Grau,
Linda Heitmann, Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Johannes Wagner und der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Aktueller Stand der Versorgungssicherheit mit Blutplasma und Plasmaderivaten
in Deutschland
Blutplasma ist ein unverzichtbarer Ausgangsstoff für die Herstellung
zahlreicher lebenswichtiger Arzneimittel. Aus Blutplasma gewonnene Plasmaderivate
werden unter anderem zur Behandlung von Menschen mit angeborenen oder
erworbenen Immundefekten, Gerinnungsstörungen, neurologischen
Erkrankungen sowie verschiedenen entzündlichen Erkrankungen eingesetzt. Da
Blutplasma nicht synthetisch hergestellt werden kann, sind Patientinnen und Patienten
auf ein ausreichendes Spendenaufkommen sowie auf stabile Produktions- und
Lieferketten angewiesen. Die Europäische Union ist bei der Versorgung mit
Plasma und daraus hergestellten Arzneimitteln in erheblichem Umfang auf
Importe angewiesen, insbesondere aus den Vereinigten Staaten von Amerika.
Internationale Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
sowie europäische Institutionen stufen Blutplasma und daraus gewonnene
Arzneimittel als versorgungsrelevant ein (vgl. https://iris.who.int/server/api/core/bit
streams/17642505-ecd3-4940-a691-4f1dfa0d835a/content und www.ema.europ
a.eu/en/documents/other/union-list-critical-medicines-en.xlsx). Gleichzeitig
steigt der Bedarf an bestimmten Plasmaderivaten seit Jahren kontinuierlich an.
Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts hat sich insbesondere der Verbrauch
von Immunglobulinen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht (vgl. www.pe
i.de/DE/newsroom/hp-meldungen/2025/251208-paul-ehrlich-institut-veroeffent
licht-bericht-blutprodukteversorgung-2024.html).
Die Sicherstellung der Versorgung mit Blutplasma und daraus hergestellten
Arzneimitteln ist daher nicht nur eine Frage der regulären
Gesundheitsversorgung, sondern gewinnt auch mit Blick auf die gesundheitliche Resilienz
Deutschlands zunehmend an Bedeutung. Die Erfahrungen der COVID‑19-
Pandemie, wiederkehrende Lieferengpässe bei Arzneimitteln, zunehmende
geopolitische Spannungen sowie die Diskussion über die Krisen- und
Verteidigungsfähigkeit kritischer Infrastrukturen haben die Bedeutung robuster und
möglichst widerstandsfähiger Versorgungsstrukturen verdeutlicht.
Bereits in der 20. Wahlperiode hat die CDU/CSU-Fraktion die Situation der
medizinischen Versorgung mit Blutplasmapräparaten sowie die Risiken einer
rückläufigen Spendenbereitschaft und einer zunehmenden Abhängigkeit von
Importen aus dem Ausland zum Gegenstand einer Kleinen Anfrage gemacht
(Bundestagsdrucksache 20/4072). Darin wurden unter anderem mögliche
Versorgungsengpässe, die Bedeutung von Blutplasma für die Versorgung von
Patientinnen und Patienten sowie die Frage nach geeigneten Maßnahmen zur
Sicherung der Versorgung thematisiert.
Seit Mai 2025 ist die CDU/CSU-Fraktion Teil der Regierungskoalition und im
thematisch betroffenen Bundesministerium für Gesundheit in
Regierungsverantwortung. Vor diesem Hintergrund besteht ein besonderes parlamentarisches
Interesse daran, wie die Bundesregierung die damals beschriebenen
Herausforderungen heute bewertet, welche Entwicklungen seitdem eingetreten sind und
welche konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungssicherheit
ergriffen wurden. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage, wie die
Bundesregierung die Versorgung mit Blutplasma und Plasmaderivaten im
Spannungsfeld von Gesundheitsversorgung, Arzneimittelresilienz, Krisenvorsorge und
strategischer Abhängigkeit von Importen bewertet und welche
Schlussfolgerungen sie daraus für die zukünftige Ausgestaltung der gesundheitlichen
Versorgung zieht.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Entwicklung
der Blut- und Plasmaspendebereitschaft in Deutschland vor?
2. Welche Ursachen sieht die Bundesregierung für die Entwicklung der
Spendenzahlen, und welche Maßnahmen wurden seit dem Jahr 2025
ergriffen, um die Spendenbereitschaft zu stärken?
3. Über welche Daten verfügt die Bundesregierung zur Herstellung
plasmabasierter Arzneimittel, zum Verbrauch von Plasmaderivaten sowie zur
Importabhängigkeit Deutschlands in den vergangenen zehn Jahren (bitte
nach Jahren sowie, soweit verfügbar, nach Produktgruppen aufschlüsseln),
und welche Defizite sieht die Bundesregierung bei der
Datenverfügbarkeit?
4. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung in Bezug auf die
in der Kleinen Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/4072 aufgeführten
Themen ergriffen, um die damals beschriebenen Risiken für die
Versorgung mit Blutplasma und Plasmaderivaten zu adressieren, und wie
bewertet sie die Wirksamkeit dieser Maßnahmen?
5. Wie bewertet die Bundesregierung die gegenwärtige Abhängigkeit
Deutschlands und der Europäischen Union von Importen von Blutplasma
und Plasmaderivaten aus Drittstaaten, insbesondere aus den Vereinigten
Staaten von Amerika, und welche Risiken ergeben sich daraus für die
Versorgungssicherheit in Krisen-, Konflikt- oder Handelskonfliktsituationen?
6. Welche quantitativen oder qualitativen Ziele verfolgt die Bundesregierung
zur Stärkung der Versorgungssicherheit mit Blutplasma und
Plasmaderivaten in Deutschland und der Europäischen Union?
7. Anhand welcher Indikatoren misst die Bundesregierung die Erreichung
der in Frage 6 erfragten Ziele, und wie ist der aktuelle Umsetzungsstand?
8. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über Lieferengpässe bei
plasmabasierten Arzneimitteln in den vergangenen fünf Jahren vor?
9. Welche Patientengruppen waren von Lieferengpässen bei plasmabasierten
Arzneimitteln in der Vergangenheit besonders betroffen, und welche
Maßnahmen wurden zur Vermeidung oder Abmilderung solcher Engpässe
ergriffen?
10. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung der Versorgung mit
Blutplasma und Plasmaderivaten im Rahmen des geplanten
Gesundheitssicherstellungsgesetzes, der gesundheitlichen Resilienz sowie der zivilen
Gesundheitsvorsorge bei, und welche konkreten Vorsorge- und
Sicherungsmaßnahmen sind vorgesehen?
11. Welche Maßnahmen ergreift oder plant die Bundesregierung, um die
europäische Eigenversorgung mit Blutplasma und daraus hergestellten
Arzneimitteln zu stärken und die strategische Abhängigkeit von Importen aus
Drittstaaten zu reduzieren?
12. Welche Forschungs-, Innovations- oder Fördervorhaben unterstützt die
Bundesregierung zur langfristigen Sicherung der Versorgung mit
Blutplasma und Plasmaderivaten sowie zur Verbesserung der Resilienz
entsprechender Liefer- und Versorgungsketten?
Berlin, den 6. Juli 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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