Reform der Politikerpensionen - Bundestagsabgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung aufnehmen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/958)
Text
Reform der Politikerpensionen - Bundestagsabgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung aufnehmen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/958)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6852
21. Wahlperiode 03.07.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung
(1. Ausschuss)
a) zu dem Antrag der Abgeordneten Ulrike Schielke-Ziesing, René Springer, Peter
Bohnhof, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/958 –
Reform der Politikerpensionen – Bundestagsabgeordnete in die gesetzliche
Rentenversicherung aufnehmen
b) zu dem Antrag der Abgeordneten Sarah Vollath, Janine Wissler, Doris
Achelwilm, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/2708 –
Bundestagsabgeordnete vollumfänglich in die gesetzliche Rentenversicherung
einbeziehen
A. Problem
Zu Buchstabe a
Die einbringende Fraktion stellt in ihrem Antrag fest, dass es ein Gebot der
sozialen Gerechtigkeit sei, die Wähler und die gewählten Abgeordneten des
Deutschen Bundestages im gleichen Alterssicherungssystem zu versichern. Damit
könne auch das Vertrauen in die Integrität der in den Deutschen Bundestag
gewählten Politiker erhöht werden. Darüber hinaus könne durch eine Einbeziehung
der Abgeordneten in die Versichertengemeinschaft die gesellschaftliche
Akzeptanz des Rentensystems insgesamt gestärkt werden. Vor diesem Hintergrund
fordert die einbringende Fraktion die Einrichtung einer interfraktionellen
Arbeitsgruppe im Deutschen Bundestag, die bis zum 31. Dezember 2026 einen
entsprechenden Gesetzentwurf ausarbeiten solle, um für die Abgeordneten des
Deutschen Bundestages die Altersversorgung in einem „Bausteinmodell“ neu zu
strukturieren und die Abgeordneten in die gesetzliche Rentenversicherung
einzugliedern.
Zu Buchstabe b
Die einbringende Fraktion stellt in ihrem Antrag fest, dass es eines grundlegenden
Kurswechsels in der Rentenpolitik bedürfe, um die gesetzliche
Rentenversicherung langfristig zu stärken. Auf dem Weg hin zu einer sogenannten
Erwerbstätigenversicherung sollen in einem ersten Schritt die gewählten Vertreterinnen und
Vertreter der Bevölkerung im Deutschen Bundestag und im weiteren Verlauf
weitere Gruppen in die gesetzliche Rentenversicherung aufgenommen werden. Vor
diesem Hintergrund fordert die einbringende Fraktion die Einrichtung einer
interfraktionellen Arbeitsgruppe im Deutschen Bundestag, die einen Gesetzentwurf
ausarbeiten solle, um ab dem Beginn der 22. Legislaturperiode des Deutschen
Bundestages die Altersversorgung der Abgeordneten in die gesetzliche
Rentenversicherung zu überführen. Zudem soll die Bundesregierung zur Vorlage eines
Gesetzentwurfs aufgefordert werden, um die Beitragsbemessungsgrenze zur
allgemeinen Rentenversicherung bis zum 1. Januar 2028 schrittweise zu verdoppeln
sowie ab dem 1. Juli 2026 eine „Beitragsäquivalenzgrenze“ einzuführen, um
besonders hohe Renten in verfassungsmäßig zulässigem Maße abzuflachen.
B. Lösung
Zu Buchstabe a
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD,
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion
der AfD.
Zu Buchstabe b
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD
und SPD gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke bei Stimmenthaltung
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
C. Alternativen
Keine.
D. Kosten
Wurden im Ausschuss nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
a) den Antrag auf Drucksache 21/958 abzulehnen;
b) den Antrag auf Drucksache 21/2708 abzulehnen.
Berlin, den 25. Juni 2026
Der Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung
Macit Karaahmetoğlu
Vorsitzender
Dr. Hendrik Hoppenstedt
Berichterstatter
Peter Bohnhof
Berichterstatter
Esther Dilcher
Berichterstatterin
Helge Limburg
Berichterstatter
Ina Latendorf
Berichterstatterin
Bericht der Abgeordneten Dr. Hendrik Hoppenstedt, Peter Bohnhof, Esther Dilcher,
Helge Limburg und Ina Latendorf
I. Überweisung
Zu Buchstabe a
Der Deutsche Bundestag hat die Vorlage auf Drucksache 21/958 in seiner 30. Sitzung am 8. Oktober 2025
beraten und an den Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung zur federführenden Beratung sowie
an den Haushaltsausschuss und den Ausschuss für Arbeit und Soziales zur Mitberatung überwiesen.
Zu Buchstabe b
Der Deutsche Bundestag hat die Vorlage auf Drucksache 21/2708 in seiner 41. Sitzung am 14. November 2025
beraten und an den Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung zur federführenden Beratung
sowie an den Ausschuss für Arbeit und Soziales zur Mitberatung überwiesen.
II. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Zu Buchstabe a
Der Haushaltsausschuss hat die Vorlage auf Drucksache 21/958 in seiner 38. Sitzung am 20. Mai 2026 beraten
und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die Linke
gegen die Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags.
Der Ausschuss für Arbeit und Soziales hat die Vorlage auf Drucksache 21/958 in seiner 30. Sitzung am 20. Mai
2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und
Die Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD die Ablehnung des Antrags.
Zu Buchstabe b
Der Ausschuss für Arbeit und Soziales hat die Vorlage auf Drucksache 21/2708 in seiner 30. Sitzung am 20.
Mai 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die
Stimmen der Fraktion Die Linke bei Stimmenthaltung der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Ablehnung des
Antrags.
III. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung hat die Beratung der Vorlagen unter den
Buchstaben a und b in seiner 7. Sitzung in Geschäftsordnungsangelegenheiten am 21. Mai 2026 sowie in seiner 8.
Sitzung in Geschäftsordnungsangelegenheiten am 11. Juni 2026 vertagt. In seiner 9. Sitzung in
Geschäftsordnungsangelegenheiten am 25. Juni 2026 hat der Ausschuss die Vorlagen unter den Buchstaben a und b abschließend
beraten.
Die Fraktion der SPD verwies auf die von der Rentenkommission vorgelegten Ergebnisse und erklärte, im
Hinblick darauf eigene gesetzgeberische Vorschläge machen zu wollen und deshalb die Anträge der Fraktionen AfD
und Die Linke abzulehnen.
Die Fraktion der AfD kritisierte, dass die Beratung der Anträge zunächst wiederholt vertagt worden sei und diese
nun ohne vertiefte Diskussion abgelehnt werden sollten. Hinsichtlich des Antrags der Fraktion Die Linke erklärte
die Fraktion der AfD, diesen abzulehnen, da darin nicht lediglich die Einbeziehung der Abgeordneten in die
gesetzliche Rentenversicherung, sondern zusätzlich auch eine Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze gefordert
werde.
Die Fraktion Die Linke erinnerte daran, dass die Koalitionsfraktionen in der Vergangenheit stets auf die noch
ausstehenden Ergebnisse der Rentenkommission verwiesen hätten. Diese lägen nun vor und enthielten ebenfalls
den Vorschlag, die Abgeordneten in die gesetzliche Rentenversicherung einzubeziehen. Insofern sei es
unverständlich, dass die Koalitionsfraktionen dem Antrag der Fraktion Die Linke nun nicht in Übereinstimmung mit
der Rentenkommission zustimmten. Die Fraktion betonte, dass die Einbeziehung der Abgeordneten in die
gesetzliche Rentenversicherung angesichts der Diskrepanz zwischen den Ansprüchen, die Abgeordnete in kürzester Zeit
ihrer Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag erwerben würden, und den Rentenansprüchen durchschnittlicher
Arbeitnehmer längst überfällig sei.
Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erklärte, das Ziel der Einbeziehung der Abgeordneten in die
gesetzliche Rentenversicherung zu teilen. Es sei zu begrüßen, dass auch die von der Bundesregierung eingesetzte
Rentenkommission eine solche Einbeziehung vorschlage. Vor diesem Hintergrund sollte die Thematik nun
unmittelbar angegangen werden und nicht noch die in dem Antrag der Fraktion Die Linke vorgesehene interfraktionelle
Arbeitsgruppe eingesetzt werden. Die Fraktion merkte zudem an, dass die Einbeziehung in die gesetzliche
Rentenversicherung aus ihrer Sicht auch für die Abgeordneten der Landtage gelten sollte, wenngleich dies auf
Landesebene diskutiert werden müsse.
Die Fraktion der CDU/CSU stellte in Aussicht, dass die von der Rentenkommission unterbreiteten Vorschläge
als Gesamtkonzept beschlossen würden. Die in den Anträgen formulierte Forderung nach der Einbeziehung der
Abgeordneten in die gesetzliche Rentenversicherung sei von der Rentenkommission explizit mit aufgeführt
worden und werde daher Eingang in die gesetzgeberischen Vorschläge der Koalitionsfraktionen finden.
Zu Buchstabe a
Der Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung empfiehlt die Ablehnung des Antrags
auf Drucksache 21/958 mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und Die
Linke gegen die Stimmen der Fraktion der AfD.
Zu Buchstabe b
Der Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung empfiehlt die Ablehnung des Antrags
auf Drucksache 21/2708 mit den Stimmen der Fraktionen der CDU/CSU, AfD und SPD gegen die Stimmen der
Fraktion Die Linke bei Stimmenthaltung der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
Berlin, den 25. Juni 2026
Dr. Hendrik Hoppenstedt
Berichterstatter
Helge Limburg
Berichterstatter
Peter Bohnhof
Berichterstatter
Ina Latendorf
Berichterstatterin
Esther Dilcher
Berichterstatterin
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Relationen
- authored ← Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung
- authored ← Esther Dilcher (Berichterstattung)
- authored ← Helge Limburg (Berichterstattung)
- authored ← Hendrik Hoppenstedt (Berichterstattung)
- authored ← Ina Latendorf (Berichterstattung)
- authored ← Peter Bohnhof (Berichterstattung)
- part_of_vorgang → Bundestagsabgeordnete vollumfänglich in die gesetzliche Rentenversicherung einbeziehen (Beschlussempfehlung und Bericht)
- part_of_vorgang → Reform der Politikerpensionen - Bundestagsabgeordnete in die gesetzliche Rentenversicherung aufnehmen (Beschlussempfehlung und Bericht)