Rede von Heinz-Peter Haustein (FDP) – Drucksachen 16/10616, 16/11240
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 6: Drucksachen 16/10616, 16/11240 –.
Text
Rede von Heinz-Peter Haustein (FDP) – Drucksachen 16/10616, 16/11240
Verehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten
Damen und Herren! Alle Jahre wieder! Alle Jahre wieder
kommen die Anträge der Linken zu Hartz IV – vernebelt
und verschleiert und mit Halbwahrheiten gespickt.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der
CDU/CSU und des Abg. Rolf Stöckel [SPD])
Diesmal geht es um die Anrechnung des Kindergeldes
auf Leistungen nach Hartz IV. Hartz IV ist gleich
Sozialhilfe und damit das unterste Netz der sozialen
Sicherungen.
Erwerbsfähige, die keine Arbeit finden, sind damit
abgesichert. Das betrifft in Deutschland über 2 Millionen
Menschen und auch über 2 Millionen Kinder. Dass
Kinder Sozialhilfe erhalten, ist nicht gut: Kinder gehören
nicht in die Sozialhilfe, Kinder gehören in die Mitte
unserer Gesellschaft. Kinder sind das Wertvollste, was wir
haben. Darüber müssen wir uns im Klaren sein. Dafür
müssen wir kämpfen.
(Beifall bei der FDP)Eine Familie mit zwei Kindern über 15 Jahren erhält
heute etwa 1 600 Euro inklusive Zahlungen für die
Unterkunft. Hinzukommen 439 Euro für die Sozialabgaben,
bezahlt vom Staat. Das gibt ein Gesamteinkommen von
über 2 000 Euro. Dazukommen Vergünstigungen, etwa
bei Theaterbesuchen, bei Rundfunkgebühren oder für
Schüler bei der Beförderung. Auch wenn ich es den
Betroffenen gönne, will ich einmal feststellen: Eine Familie
muss ungefähr 1 650 Euro brutto verdienen, um auf das
ALG-II-Niveau zu kommen.
Damit wir uns klar verstehen: Es ist wichtig, dass wir
soziale Sicherungssysteme haben, dass sozialer Frieden
herrscht; aber es ist auch wichtig, dass wir die Medaille
einmal drehen und uns anschauen, wer das Geld
aufbringt.
(Beifall bei der FDP – Rolf Stöckel [SPD]:
Richtig!)
Die Linke, zuletzt Kollege Gysi, hat darauf
hingewiesen, dass wir das Geld zur Rettung der Banken,
480 Milliarden Euro, sofort zur Verfügung gehabt haben.
Auch wir als FDP haben für die Bereitstellung dieses
Geldes gestimmt, weil es um unser deutsches Land geht.
Wir haben für dieses Rettungspaket gestimmt, um
Schaden von unserem Land abzuwehren. Aber, liebe
Freunde, man kann einen solchen Rettungsschild für die
Banken, für unser Land doch nicht mit Kindergeld oder
mit Hartz IV vergleichen. Dieser Vergleich hinkt. Das
ist, als wenn man Äpfel mit Birnen, nein, als wenn man
Äpfel mit Sauerkraut vergleicht. So etwas passt
überhaupt nicht.
(Beifall bei der FDP – Frank Spieth [DIE
LINKE]: Und wer ist das Sauerkraut?)
Die Linke fordert immer und immer wieder höhere
Regelsätze, immer mehr Transferleistungen. Aber fragen
Sie einmal diejenigen, die um fünf in der Früh aufstehen,
die arbeiten gehen: Ich denke an Menschen, die um
sechs Uhr in der Bäckerei stehen, an die
Krankenschwestern in den Krankenhäusern, an die Müllmänner,
die den Müll wegräumen, an die vielen fleißigen Leute.
Ich denke auch an die Handwerksbetriebe und an die
Landwirte, denen – trotz Arbeit – immer mehr
weggenommen wurde oder wird.
(Elke Reinke [DIE LINKE]: Vielleicht wollen
die anderen auch fleißig sein!)
Fragen Sie einmal diejenigen, die immer wieder die
Transferleistungen erwirtschaften müssen. Bitte, sehen
Sie nicht nur immer die eine Seite, sondern auch die
andere Seite.
Eine Familie mit drei Kindern und einem
Alleinverdiener mit einem Jahreseinkommen von 40 000 Euro hatte
in den letzten drei Jahren dank der
Steuererhöhungspolitik über 8 000 Euro weniger zur Verfügung. Auch
darüber müssen wir einmal sprechen.
Wir als FDP haben gute Konzepte. Wir wollen, dass
die Kinder in den Mittelpunkt der Politik gestellt
werden.
Wir treten für Chancengleichheit von Anfang an ein.
Wir sind für eine einmalige Unterstützung der Kinder
beim Schulbedarf, und zwar in Form von Sachleistungen
bis zu 100 Euro. Es kann nicht sein, dass es an
Schulmitteln fehlt, wenn ein Kind in die Schule geht.
Wir sind dafür, dass auch die Sprachförderung
eingeführt wird, damit alle, die in die Schule kommen,
Deutsch reden und verstehen können.
Wir wollen weg von der Objekt- und hin zu der
Subjektförderung. Das Geld sollte nicht den Einrichtungen,
sondern den Kindern gegeben werden. Die Kinder müssen
im Mittelpunkt stehen.
Wir fordern das Bürgergeldsystem, um endlich von
Hartz IV wegzukommen.
Wir fordern das, weil es wichtig ist, unser Land zu
erneuern. Dazu brauchen wir zuallererst ein einfaches,
soziales und gerechtes Steuersystem. Damit geht es los.
(Beifall bei der FDP – Rolf Stöckel [SPD]:
Das geht ja schon nicht zusammen! – IngridFischbach [CDU/CSU]: Wer soll denn das
Bürgergeld finanzieren?)
Schafft es doch endlich, gerade in der jetzigen Situation!
Im Krieg und in der Not ist der Mittelweg der Tod. Wir
müssen jetzt etwas tun. Dann kommt es auch unseren
Kindern zugute. Dafür müssen wir etwas machen.
Liebe Freunde, die FDP hat gute Programme.
Unterstützen Sie uns dabei! In diesem Sinne ein herzliches
Glückauf aus dem Erzgebirge!