Rede von Uwe Beckmeyer (SPD) – Drucksachen 16/10264, 16/11105
Teil von Protokoll der 193. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 26: Drucksachen 16/10264, 16/11105 –.
Text
Rede von Uwe Beckmeyer (SPD) – Drucksachen 16/10264, 16/11105
Wir haben bereits am 25. September 2008 eine Debatte
zu diesem Thema geführt. Ihre Argumente – und dies geht
an die Adresse der Fraktion Die Linke – werden aber
nicht dadurch besser, dass Sie diese ständig wiederholen.
Für die SPD-Bundestagsfraktion gilt nach wie vor: Der
Erhalt von Transferleistungen über private Unternehmen
in Form von verbilligten Produkten oder Leistungen ist
generell intransparent und kann damit zu großen
Ungerechtigkeiten führen. Bezahlt werden müssen diese
ohnehin durch die Steuerzahler, weil der Staat bzw. die
öffentlichen Hände Zuschüsse an die entsprechenden
Unternehmen zu leisten haben.
Wenn man den vorliegenden Antrag in seinem
substanziellen Kern bewertet, muss man feststellen: Der Antrag
ist höchst problematisch, weil unsolidarisch und
ungerecht.
Was ist zum Beispiel mit einer alleinerziehenden
Mutter von zwei Kindern, die halbtags arbeitet und damit
zwar mehr als den Hartz-IV-Satz verdient, aber mit ihrem
Einkommen gerade über die Runden kommt? Was ist mit
dem Rentner, der 40 Jahre lang am Band gearbeitet hat,
aber heute nur eine bescheidende Rente bekommt? Auch
er wird nicht in den Genuss eines „Sozialtarifs“ kommen.
Die von Ihnen vorgenommene Beschränkung der
Anspruchsberechtigung grenzt viele Menschen aus. Jemand,
der nur über ein geringes Einkommen verfügt, das gerade
eben über dem Hartz-IV-Satz liegt, wird nicht in den
Genuss eines sogenannten Sozialtickets kommen. Finden Sie
das fair?
Mit dem Inhalt dieses Antrages werden willkürlich
Grenzen gezogen, die fragwürdig sind. Das bestätigt nur
eines: Wer so Gerechtigkeit erzwingen will, schafft
Ungerechtigkeit. Wer so Solidarität erzwingen will, schafft
Entsolidarisierung. Sie, meine Damen und Herren vonder Fraktion Die Linke, sind zu häufig auf dem falschen
Dampfer. Sie spulen – ohne zu überlegen – Ihr
Programmmaterial herunter, welches aber leider an den
Menschen vorbeigeht. Ziel muss es doch sein – und da
wiederhole ich mich gerne –, möglichst viele Menschen in
Arbeit zu bringen – und nicht, sie vom Sozialstaat
abhängig zu machen. Ziel muss es doch sein, als Arbeitnehmer
oder Arbeitnehmerin ein Mindesteinkommen für gute
Arbeit zu erzielen, ein Einkommen, mit dem man sich und
seine Familie ernähren kann, anstatt mit ungerechten
Sozialtarifen die Welt verbessern zu wollen. Diese Konzepte,
meine Damen und Herren von der Fraktion Die Linke,
sind reines Flickwerk. Niemals gab es in Deutschland so
viele Beschäftigte wie heute: Fast 41 Millionen
Erwerbstätige und mittlerweile rund 28 Millionen
sozialversicherungspflichtige Beschäftigte sprechen eine eindeutige
Sprache. Diese Jobs sind das Ergebnis unserer Politik.
Die Arbeitslosenquote ist trotz Finanzkrise im
November 2008 sogar auf 7,1 Prozent gefallen. Allein im
vergangenen Jahr haben mehr als eine halbe Million
Menschen eine reguläre Beschäftigung gefunden.
Ich will nicht verhehlen, dass wir die Finanzkrise auch
auf dem Arbeitsmarkt zu spüren bekommen werden. Hier
den Bürgerinnen und Bürgern Sand in die Augen zu
streuen und eine heile Welt vorzugaukeln, wäre nicht
richtig. Aber wir handeln, um die negativen Wirkungen
möglichst gering zu halten:
Der Bundestag hat heute ein Maßnahmenpaket zur
Sicherung von Wachstum und Beschäftigung beschlossen.
Wir handeln vorausschauend und schaffen damit eine
Perspektive für die rasche Überwindung der sich
abzeichnenden Konjunkturschwäche. Der Bundesminister
für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat im Rahmen
dieses Maßnahmenpakets heute ein
„Arbeitsplatzprogramm Bauen und Verkehr“ aufgelegt. Mit ihm wird es
möglich, dringliche Verkehrsinvestitionen beschleunigt
umzusetzen. Das Paket umfasst konkrete
Verkehrsprojekte und Maßnahmen mit einem Volumen von insgesamt
zwei Milliarden Euro für 2009 und 2010. Das sind
Antworten, die notwendig sind, wenn wir über die Sicherung
von Arbeitsplätzen in Deutschland sprechen.
Dabei gilt für uns Sozialdemokratinnen und
Sozialdemokraten nach wie vor: Guter Lohn für gute Arbeit – das
ist unser Ziel. Wir setzen mit unserem Maßnahmenpaket
gezielte konjunkturelle, arbeitsplatzsichernde Impulse,
um dieses Ziel auch in wachstumsschwachen Zeiten zu
erreichen.