Rede von Dr. Ralf Brauksiepe (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/73
Teil von Protokoll der 73. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages.
Text
Rede von Dr. Ralf Brauksiepe (CDU/CSU) – Plenarprotokoll 16/73
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen! Liebe
Kollegen! Die große Koalition hält Kurs in der Rentenpolitik
und bringt heute die notwendigen Antworten ein, um die
Alterssicherung langfristig und weit über die laufende
Legislaturperiode hinaus zu stabilisieren.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)
Blicken wir auf die Entwicklungen in der
Vergangenheit zurück. Die bestehende Altersgrenze von 65 gibt es
seit mittlerweile 90 Jahren: seit 1913 für die
Angestellten und seit 1916 für die Arbeiter. Diese Grenze wurde
also in einer Zeit festgelegt, in der die Lebenserwartung
weit darunter lag. Arbeiten praktisch bis in den Tod
– das ist heute unvorstellbar – ist bei der Einführung
dieser Regelaltersgrenze noch der übliche Fall gewesen. Es
hat im Laufe der Jahrzehnte erheblichen sozialen
Fortschritt gegeben. So lag die durchschnittliche
Rentenbezugsdauer in den 60er-Jahren bei zehn Jahren, heute
beträgt sie 17 Jahre.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das, was wir
vorlegen, bedeutet nach all den Zahlen, die wir kennen, dass
wir sagen: Die Rentenversicherung kann es verkraften,
dass die durchschnittliche Rentenbezugsdauer bis zum
Jahr 2030 von heute 17 Jahren auf 18 Jahre steigt. Das
ist der Inhalt, um den es erfreulicherweise geht. Wir
wissen schon heute, dass die Lebenserwartung der 65-
Jährigen im Jahr 2029 knapp drei Jahre höher ist als heute.
Die Lebenserwartung der Rentner steigt also um knapp
drei Jahre. Die Lebensarbeitszeit erhöhen wir um zwei
Jahre. Das heißt, die durchschnittliche Rentenlaufzeit
wird um rund ein Jahr steigen. Das ist eine gute
Nachricht für die Menschen. Das kann die gesetzliche
Rentenversicherung dank der Produktivität der
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in unserer Volkswirtschaft
verkraften. Die durchschnittliche Rentenbezugsdauer
auf 20 Jahre zu erhöhen, das wäre allerdings
unverantwortlich. Deswegen beschließen wir heute die
vorliegenden Maßnahmen zur Rente mit 67.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei
Abgeordneten der SPD)Von verschiedenen Seiten wird kritisiert, das sei ein
Rentenkürzungsprogramm.
– Lieber Kollege Kolb, das, was Sie gesagt haben, war
wirklich weit unter Ihrem Niveau. Wir haben seit letztem
Jahr 536 000 Arbeitslose weniger. Diese Entwicklung
lässt sich schon rein mathematisch nicht bis zum
Jahr 2029 fortschreiben. Denn dann müssten wir ein paar
Millionen Arbeitslose minus haben.
(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Ach was! – Dirk
Niebel [FDP]: So ein Quatsch!)
Ich wiederhole: in einem Jahr 536 000 Arbeitslose
weniger.
Herr Kollege Kolb, Ihre Partei hat in der Geschichte
dieses Landes 42 Jahre lang in unterschiedlichen
Konstellationen regiert,
(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das waren nicht
die schlechtesten Jahre! – Zuruf von der SPD:
Jawohl! Genauso ist es!)
entweder mit uns oder mit den Sozialdemokraten. Ich
fordere Sie auf – dabei lasse ich Ihnen die freie Auswahl –:
Suchen Sie das beste dieser 42 Jahre heraus und sagen Sie
uns, in welchem Umfang in diesem Jahr die
Arbeitslosigkeit reduziert wurde.
Wenn Sie die Reduzierung der Arbeitslosigkeit um
536 000 Personen als ungenügend bezeichnen,
(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Das setzt sich
aber doch nicht in
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung um! Das ist nicht so
einfach umzusetzen!)
muss ich Ihnen sagen: Sie haben von der Realität
überhaupt keine Ahnung mehr, Herr Kollege Kolb.
(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD –
Abg. Dr. Heinrich L. Kolb [FDP] meldet sich
zu einer Zwischenfrage)
– Herr Kollege Kolb, es kommen noch ganz andere
Sachen. Bleiben Sie erst einmal sitzen.
(Dr. Heinrich L. Kolb [FDP]: Dann kommt
nachher aber eine Kurzintervention! – Anton
Schaaf [SPD]: Es kommt noch besser!)
Suchen Sie lieber in Ruhe das beste Jahr Ihrer
Regierungszeit heraus und sagen Sie uns, in welchem Umfang
Sie in diesem Jahr die Arbeitslosigkeit gesenkt haben.