Medienberichte über ein Gespräch ehemaliger Spitzenbeamter aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Russland in Wien
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Medienberichte über ein Gespräch ehemaliger Spitzenbeamter aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Russland in Wien
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8831
21. Wahlperiode 28.10.2026
Kleine Anfrage
des Abgeordneten Stefan Keuter und der Fraktion der AfD
Medienberichte über ein Gespräch ehemaliger Spitzenbeamter aus Deutschland,
Großbritannien, Frankreich und Russland in Wien
Im Juli 2026 trafen sich nach einem Bericht des Medienunternehmens
Bloomberg ehemalige hochrangige Diplomaten und Sicherheitsberater aus drei EU-
Staaten mit russischen Vertretern in der Nähe von Wien. Teilnehmer waren
demnach der ehemalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt und früherer EU-
Botschafter in Russland, Markus Ederer, der ehemalige britische Nationaler
Sicherheitsberater und Ex-Botschafter bei der EU sowie in Moskau und Kiew,
Tim Barrow, und Pierre Vimont, ehemaliger Generalsekretär des Europäischen
Auswärtigen Dienstes und hochrangiger französischer Diplomat. Auf
russischer Seite sollen ebenfalls ehemalige hochrangige, namentlich nicht genannte
Regierungsvertreter teilgenommen haben. Die Gespräche fanden ohne
ukrainische Beteiligung statt (www.bloomberg.com/news/articles/2026-08-05/europea
n-and-russian-ex-officials-held-talks-on-war-in-ukraine, letzter Aufruf
20. August 2026).
Organisiert wurden das Treffen durch Schweizer Center for Humanitarian
Dialogue (HD). Dieses wird nach eigenen Angaben von diversen Regierungen
(u. a. DEU), staatlichen Akteuren sowie privaten Stiftungen und
Organisationen finanziert, https://hdcentre.org/ letzter Aufruf 20. August 2026).
Nach einem Bericht der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ soll das
Auswärtige Amt gegenüber Bloomberg erklärt haben, es habe bis zu dessen
Anfrage keine Kenntnis von den erwähnten Gesprächen gehabt und sei an
deren Vorbereitung nicht beteiligt gewesen (www.derstandard.de/story/300000
0334664/geheimtreffen-in-wien-europaeische-diplomaten-trafen-russen-ohne-u
krainische-beteiligung, letzter Aufruf 20. August 2026). Einem Bericht der
österreichischen Zeitung „Die Presse“ nach nahm an dem Treffen der
ehemalige Kreml-Beamte Alexander Woloschin teil und es soll sich schon das zweite
Treffen dieser Art gehandelt haben. (www.diepresse.com/41165105/das-gehei
mtreffen-mit-putins-ex-kabinettschef-in-baden-bei-wien).
Die Fragesteller unterstützen Diplomatie und auch gegebenenfalls sog.
Track‑II-Gespräche zwischen Deutschland und Russland mit dem Ziel einer
friedlichen Konfliktlösung. Zugleich sprechen sie sich gegen doppelte
Standards bei der Bewertung von Russlandreisen unterschiedlicher Personen und
Parteien aus.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat die Bundesregierung oder haben einzelne Minister oder
Staatssekretäre Kenntnis von diesem Treffen und seinen Ergebnissen?
Vorabfassung - w
ird durch die lektorierte Version ersetzt.
2. Wann erlangte die Bundesregierung erstmals Kenntnis davon, dass ein
oder zwei Treffen stattgefunden haben sollen und hatte die
Bundesregierung gegebenenfalls Kenntnisse über Teilnehmer, Organisatoren und
Gesprächsgegenstände?
3. An welchem Tag und durch welche Organisationseinheit des Auswärtigen
Amts wurde gegenüber Bloomberg erklärt, das Auswärtige Amt habe
„keine Kenntnis von den erwähnten Gesprächen“ gehabt (vgl.
Vorbemerkung)?
4. Wie lautete der vollständige Wortlaut der Stellungnahme (vgl. Vorfrage)?
5. Gab es im Vorfeld der Erklärung des Auswärtigen Amts Kontakte oder
Absprachen mit den Außenministerien von Frankreich und oder
Großbritannien und wenn ja, wie sahen diese aus?
6. Bezog sich die Erklärung des Auswärtigen Amts ausschließlich auf das
Treffen im Juli 2026 in Wien/Baden bei Wien oder auch auf frühere
informelle Treffen europäischer und russischer ehemaliger Amtsträger,
insbesondere ein Treffen in Baku?
7. Hat die Bundesregierung von Treffen deutscher Politiker oder ehemaliger
deutscher Spitzenbeamten mit hochrangigen russischen
Gesprächspartnern seit 2025 Kenntnis?
8. Hat die Bundesregierung von den Ergebnissen solcher Besprechungen seit
2025 über Medienberichte hinaus Kenntnis und wenn ja, in welcher Form
fließen diese Ergebnisse in die Außenpolitik der Bundesregierung ein?
Wenn nein, hat sich die Bundesregierung um Erlangung von Kenntnissen
bemüht und wenn nein, warum nicht?
9. Hat die Bundesregierung von der Tätigkeit von Staatssekretär a. D.
Markus Ederer im Center for Humanitarean Dialogue Kenntnis und wenn
ja, seit wann?
10. Wenn die Bundesregierung Kenntnis von der Tätigkeit von
Staatssekretär a. D. Ederer hatte, wurde diese von der Bundesregierung genehmigt
oder in irgendeiner Weise gefördert?
11. Wenn die Bundesregierung Kenntnis von der Tätigkeit von
Staatssekretär a. D. Ederer für das Centre for Humanitarean Dialogue hat, was weiß
sie im Detail?
12. Seit wann und mit welchen Zielen wird das Centre for Humanitarean
Dialogue von Deutschland finanziell unterstützt, wie hoch sind Leistungen
seit 2024 jährlich und von welchem Ressort bzw. welchen Ressorts
werden die Beträge geleistet?
13. Werden die Aktivitäten des Centre for Humanitarean Dialogue generell
oder werden einzeln Projekte gefördert?
14. Erhält die Bundesregierung in irgendeiner Form eine Gegenleistung und
wenn ja, wie sieht diese aus?
Wenn nein, warum wird dann die Tätigkeit des Centre for Humanitarean
Dialogue gefördert?
Berlin, den 28. Oktober 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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