Rede von Christoph Strässer (SPD) – Drucksachen 16/4373, 16/4419
Teil von Protokoll der 88. Sitzung des 16. Deutschen Bundestages · TOP 6: Drucksachen 16/4373, 16/4419 –.
Text
Rede von Christoph Strässer (SPD) – Drucksachen 16/4373, 16/4419
Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und
Kollegen! Ich möchte kurz auf den Beitrag des Kollegen
Norman Paech eingehen. Wenn wir heute über Darfur
reden – und zwar bisher sehr sachlich und konstruktiv –,
dann bleibe ich bei der Position, dass dies die größte
humanitäre Katastrophe ist, die sich derzeit weltweit
abspielt. Ich finde es geradezu zynisch, das damit
aufzurechnen, dass es in einem anderen Land viel mehr Tote
gibt. So kann man, denke ich, nicht glaubwürdig Politik
betreiben.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der FDP)
Christoph SträsserIch möchte kurz auf die Expertenkommission des
UNO-Menschenrechtsrates eingehen, die, wie wir alle
wissen, trotz vorheriger Zusage der sudanesischen
Regierung nicht direkt in den Sudan einreisen durfte und
ihre Ermittlungen in den Grenzregionen durchführen
musste. Ich zitiere aus dem vorliegenden Bericht:
Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die
Menschlichkeit dauern in Darfur an. Wir kommen
zu dem Schluss, dass die Regierung des Sudan
offensichtlich darin versagt hat, die Bevölkerung
Darfurs zu schützen, und dass sie diese Verbrechen
selbst orchestriert und daran teilgenommen hat.
Ich glaube, dem ist zunächst einmal nichts
hinzuzufügen.
Für gut und wichtig halte ich – es gibt mir aber auch
zu denken –, dass die deutsche EU-Ratspräsidentschaft
für die westliche Staatengruppe im Menschenrechtsrat
durchgesetzt hat, dass der Bericht dort debattiert wird.
Es ist aber ein Skandal, dass man dafür kämpfen muss,
dass solche Berichte in diesem Gremium zur Kenntnis
genommen werden.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der FDP)
Ich meine, dass diese Debatte nicht folgenlos
bleiben darf. Deshalb ist meine Bitte an die
Bundesregierung – ich weiß, dass sie bereits aktiv ist –, dass auf der
Grundlage dieses Expertenberichts für die Sitzung des
Menschenrechtsrates bis zum 30. März zumindest ein
Resolutionsantrag der sogenannten westlichen Gruppe
vorgelegt wird, der eine klare Verurteilung der
Menschenrechtsverletzungen und der dafür
Verantwortlichen beinhaltet.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten
der CDU/CSU und des BÜNDNISSES 90/
DIE GRÜNEN)
Ich weiß um die Schwierigkeiten, auch was die
Zusammensetzung dieses Rates angeht. Aber wenn man
hört – diese Informationen kommen bei uns an –, dass
selbst innerhalb der Regierungen der 27 EU-Staaten
nicht klar ist, dass es zu einem solchen Entwurf kommen
wird, dann wäre das angesichts der Werte, für die diese
Staaten stehen und die sie repräsentieren wollen, meiner
Meinung nach eine menschenrechtliche und humanitäre
Bankrotterklärung.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der FDP)
Das Europäische Parlament hat in einer
Entschließung vom 15. Februar in, wie ich finde,
wünschenswerter Deutlichkeit Position bezogen und insbesondere
auch die EU-Organe aufgefordert, Sanktionen
anzuwenden, die sich gegen alle Parteien – einschließlich
der sudanesischen Regierung – richten, die den
Waffenstillstand verletzen oder Zivilpersonen, Angehörige
von Friedensmissionen oder Mitarbeiter humanitärer
Organisationen angreifen, sowie alle nötigen Maßnah-men zur Beendigung des Zustandes der Straffreiheit zu
ergreifen, indem sie durch – ich zitiere – „gezielte
wirtschaftliche Sanktionen“ unter Einschluss von
Reiseverboten und des Einfrierens von Vermögen die
Verhängung von Sanktionen durch den VN-Sicherheitsrat
stärken und zu ihrer Umsetzung beitragen. Ich glaube,
diese Position ist klar und deutlich. Ich halte sie für
richtig.
Es wurde schon angesprochen, dass es
19 Erklärungen im EU-Rat der Außenminister gegeben
hat. In dem heute erschienenen Artikel der
„Süddeutschen Zeitung“ wird darauf hingewiesen, dass dabei
53-mal in verschiedener Intensität die Besorgnis zum
Ausdruck gebracht wurde. Wir wissen, dass die
sudanesische Regierung einem konsequenten Druck nicht
ausweichen kann. Das zeigen die Schritte hin zum
Comprehensive Peace Agreement, zum Friedensschluss
zwischen dem Norden und dem Süden. Deshalb finde
ich es richtig, dass Lord Patten, der amtierende
Vorsitzende der International Crisis Group, die Außenminister
auffordert – ich denke, unser Außenminister unterstützt
das –, statt einer 54. Betroffenheitserklärung nunmehr
dem Ruf des Europäischen Parlamentes nach Sanktionen
zu folgen. Dem sollten wir uns hier anschließen.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU, der FDP
und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Ich hoffe auf einen interfraktionellen Antrag dazu.
Ich schließe mit einem Zitat aus Goethes „Faust“, das
man in einer solchen Debatte vielleicht nicht vermutet,
das aber passt: „Der Worte sind genug gewechselt, lasst
mich auch endlich Taten sehn!“
Danke schön.
(Beifall bei der SPD, der CDU/CSU und dem
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei
Abgeordneten der FDP)