Deutschlandfonds - Zielsetzung, staatliche Risikoübernahme und Steuerung
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Deutschlandfonds - Zielsetzung, staatliche Risikoübernahme und Steuerung
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6507
21. Wahlperiode 15.06.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Dr. Malte Kaufmann, Marc Bernhard,
Uwe Schulz, Adam Balten und der Fraktion der AfD
Deutschlandfonds – Zielsetzung, staatliche Risikoübernahme und Steuerung
Die Bundesregierung hat mit dem sogenannten Deutschlandfonds ein neues
Instrument angekündigt, mit dem durch staatliche Garantien und
Risikoübernahmen private Investitionen in erheblichem Umfang mobilisiert werden sollen
(www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/deutschlandfonds-gestartet-240
0860). Nach den Planungen der Bundesregierung sollen hierfür Garantien des
Bundes in Höhe von rund 30 Mrd. Euro bereitgestellt werden, um Investitionen
von bis zu 130 Mrd. Euro auszulösen (s. o.).
Der Deutschlandfonds zählt damit zu den zentralen wirtschaftspolitischen
Vorhaben der Bundesregierung in der laufenden Legislaturperiode (s. o.). Ziel ist
es, Investitionshemmnisse zu überwinden und privates Kapital in strategisch
bedeutsame Bereiche der Wirtschaft zu lenken (s. o.). Zugleich ist der Fonds
jedoch mit erheblichen finanziellen Risiken für den Bund verbunden, weil
staatliche Garantien im Schadensfall unmittelbar zu Zahlungsverpflichtungen
des Bundes führen können (www.handelsblatt.com/politik/deutschland/deutsch
landfonds-130-milliarden-euro-fuer-die-wirtschaftswende/100183949.html).
Bislang ist jedoch nicht hinreichend erkennbar, wie der Deutschlandfonds im
Einzelnen ausgestaltet, gesteuert und vor allem kontrolliert werden soll (s. o.).
Unklar bleibt insbesondere, nach welchen Kriterien Investitionsentscheidungen
vorbereitet werden, wie die Auswahl der geförderten Projekte erfolgt und in
welchem Verhältnis staatliche Risikoübernahmen zu privaten
Renditeerwartungen stehen (s. o.). Ebenso wenig ist bislang transparent, wie sichergestellt
werden soll, dass der Fonds tatsächlich zusätzliche und strukturwirksame
Investitionen auslöst und nicht lediglich bestehende Marktaktivitäten mit staatlichen
Risiken unterlegt (s. o.).
Zudem bleibt für die Fragesteller offen, wie die Bundesregierung die mit dem
Deutschlandfonds verbundenen Risiken systematisch bewertet, wie sie diese
Risiken begrenzt und wie sie über Umfang, Entwicklung und mögliche
Inanspruchnahmen der staatlichen Garantien Rechenschaft ablegt. Angesichts der
Größenordnung der vorgesehenen Mittel und der langfristigen
Bindungswirkungen staatlicher Garantien kommt diesen Fragen nach Auffassung der
Fragesteller besondere Bedeutung zu.
Gerade weil der Deutschlandfonds erhebliche staatliche Risiken mobilisiert,
bedarf seine Ausgestaltung einer klaren politischen Verantwortungszuordnung.
Die vorliegende Kleine Anfrage zielt daher darauf ab, den Deutschlandfonds
nicht nur als wirtschaftspolitisches Förderinstrument, sondern auch als
staatliches Risiko- und Steuerungsinstrument transparent zu machen. Sie soll
Aufschluss darüber geben, welche Ziele die Bundesregierung mit dem Fonds
verfolgt (auch Ziele fernab seiner institutionellen und formellen Zielsetzung), wie
sie dessen Risiken steuert und wie sie sicherstellt, dass staatliche Garantien
zielgerichtet, wirksam und verantwortungsvoll eingesetzt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche konkreten wirtschafts- und strukturpolitischen Ziele verfolgt die
Bundesregierung mit dem Deutschlandfonds und anhand welcher
messbaren Kriterien soll nach Auffassung der Bundesregierung beurteilt werden,
ob, wann und wie diese Ziele erreicht werden (müssen), und sofern keine
messbaren Kriterien vorgesehen sind, aus welchen Gründen wurde darauf
verzichtet?
2. Wie ist der Deutschlandfonds organisatorisch und institutionell
ausgestaltet, insbesondere im Hinblick auf Zuständigkeiten, Entscheidungswege
und die Abgrenzung der Verantwortung zwischen dem
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, dem Bundesministerium der Finanzen
und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), und wenn die
Ausgestaltung noch nicht abschließend festgelegt ist, welche Modelle werden
derzeit geprüft?
3. Nach welchen Kriterien sollen Investitionsprojekte oder
Finanzierungsinstrumente im Rahmen des Deutschlandfonds ausgewählt werden,
welche Rolle spielen dabei Aspekte wie Zusätzlichkeit,
volkswirtschaftlicher Nutzen und langfristige Strukturwirkung, und wenn hierzu noch
keine verbindlichen Kriterien definiert wurden, bis wann beabsichtigt die
Bundesregierung, diese festzulegen?
4. Inwieweit beabsichtigt die Bundesregierung, durch den Deutschlandfonds
gezielt bestimmte Wirtschaftsbereiche oder Technologien zu fördern, wie
wird dabei sichergestellt, dass die Auswahl nicht primär renditegetrieben
erfolgt, und sofern keine sektoralen oder technologischen Schwerpunkte
vorgesehen sind, wie begründet die Bundesregierung diese Entscheidung?
5. Welche Rolle spielen externe Akteure, insbesondere private
Finanzinvestoren oder Beratungsgesellschaften, bei der Vorbereitung, Bewertung oder
Auswahl von Investitionsentscheidungen im Rahmen des
Deutschlandfonds, und wenn externe Akteure eingebunden werden, wie wird nach
Auffassung der Bundesregierung eine klare Verantwortungszuordnung
gewährleistet?
6. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass Entscheidungen im Rahmen
des Deutschlandfonds transparent, nachvollziehbar, kohärent und frei von
Zielkonflikten getroffen werden, insbesondere vor dem Hintergrund
staatlicher Risikoübernahmen, und sofern hierfür keine spezifischen Verfahren
vorgesehen sind, aus welchen Gründen wurde darauf verzichtet?
7. In welchem Umfang beabsichtigt die Bundesregierung ggf., im Rahmen
des Deutschlandfonds staatliche Garantien oder sonstige
Risikoübernahmen einzugehen, wie verteilen sich diese nach Art der Instrumente (z. B.
Garantien, Haftungsübernahmen, Absicherungen), und sofern hierzu noch
keine abschließenden Festlegungen getroffen wurden, welche Bandbreiten
oder Obergrenzen liegen den bisherigen Planungen zugrunde?
8. Nach welchen Festlegungen entscheidet die Bundesregierung ggf., in
welchem Umfang Risiken durch den Bund übernommen werden und in
welchem Umfang Risiken bei privaten Investoren verbleiben sollen, und
wenn hierzu keine übergreifenden Festlegungen definiert wurden, aus
welchen Gründen wurde darauf verzichtet?
9. Wie schätzt die Bundesregierung die Wahrscheinlichkeit einer
Inanspruchnahme staatlicher Garantien im Rahmen des Deutschlandfonds ein,
auf welche Annahmen oder Szenarien stützt sie diese Bewertung, und
sofern keine systematische Bewertung vorgenommen wurde, wie begründet
die Bundesregierung diesen Verzicht vor dem Hintergrund der
vorgesehenen Garantiesummen?
10. Welche Vorkehrungen trifft die Bundesregierung ggf., um eine Bündelung
oder Konzentration staatlicher Risiken innerhalb einzelner Projekte,
Sektoren oder Zeiträume zu vermeiden, und wenn keine solchen
Vorkehrungen vorgesehen sind, aus welchen Gründen hält die Bundesregierung dies
nicht für erforderlich?
11. In welcher Weise berücksichtigt die Bundesregierung ggf. mögliche
Wechselwirkungen zwischen den Risiken des Deutschlandfonds und
bestehenden staatlichen Garantien oder Haftungsinstrumenten des Bundes,
und sofern keine übergreifende Betrachtung erfolgt, wie stellt die
Bundesregierung sicher, dass die Gesamtrisiken für den Bund angemessen erfasst
werden?
12. Welche Kriterien legt die Bundesregierung ggf. zugrunde, um im Fall
einer Inanspruchnahme staatlicher Garantien im Rahmen des
Deutschlandfonds politische Verantwortung und Konsequenzen zu bewerten, und
wenn hierfür keine Kriterien vorgesehen sind, aus welchen Gründen
verzichtet die Bundesregierung auf eine entsprechende Festlegung?
13. Welche Informationen beabsichtigt die Bundesregierung, regelmäßig über
Umfang, Struktur und Entwicklung des Deutschlandfonds bereitzustellen,
gegenüber wem, insbesondere im Hinblick auf eingegangene Garantien,
bewilligte Projekte und potenzielle Risiken, und sofern keine regelmäßige
Berichterstattung vorgesehen ist, aus welchen Gründen wurde darauf
verzichtet?
14. In welcher Form plant die Bundesregierung ggf., die Wirksamkeit des
Deutschlandfonds zu evaluieren, insbesondere im Hinblick auf die
Zusätzlichkeit der ausgelösten Investitionen und deren strukturpolitische Effekte,
und wenn keine systematische Evaluation vorgesehen ist, wie begründet
die Bundesregierung diesen Verzicht?
15. Wie stellt die Bundesregierung ggf. sicher, dass mit dem
Deutschlandfonds nicht primär Investitionen abgesichert werden, die auch ohne
staatliche Risikoübernahme erfolgt wären, und sofern hierfür keine
spezifischen Prüfmechanismen vorgesehen sind, aus welchen Gründen hält die
Bundesregierung dies nicht für erforderlich?
16. Welche Rolle spielen ggf. zeitliche Befristungen, Überprüfungsklauseln
oder Ausstiegsoptionen bei der Ausgestaltung des Deutschlandfonds,
insbesondere vor dem Hintergrund langfristiger staatlicher
Risikoübernahmen, und wenn solche Instrumente nicht vorgesehen sind, welche
Erwägungen waren hierfür maßgeblich?
17. Wie beabsichtigt die Bundesregierung, auf veränderte wirtschaftliche
Rahmenbedingungen oder unerwartete Entwicklungen und Externalitäten
im Rahmen des Deutschlandfonds zu reagieren, insbesondere wenn sich
Risiken erhöhen oder die angestrebten Investitionseffekte ausbleiben, und
sofern hierfür keine klaren Verfahren vorgesehen sind, aus welchen
Gründen wurde darauf verzichtet?
Berlin, den 11. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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