Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Eurojust-Gesetzes
Text
Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Eurojust-Gesetzes
[Bundesrat Drucksache 641/25
07.11.25
R
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln
Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0720-2946
Gesetzentwurf
der Bundesregierung
B
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Fu
ss
Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Eurojust-
Gesetzes
A. Problem und Ziel
Der Entwurf dient der Aktualisierung des Eurojust-Gesetzes (EJG) sowie der Eurojust-
Anlaufstellen-Verordnung (EJTAnV).
Der Aktualisierungsbedarf ergibt sich daraus, dass die dem EJG und der EJTAnV
zugrundeliegende Verordnung (EU) 2018/1727 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 14. November 2018 betreffend die Agentur der Europäischen Union für justizielle
Zusammenarbeit in Strafsachen (Eurojust) und zur Ersetzung des Beschlusses
2002/187/JI des Rates (ABl. L 295 vom 21.11.2018, S. 138; L 215 vom 19.8.2019, S. 3)
durch die Verordnung (EU) 2023/2131 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
4. Oktober 2023 zur Änderung der Verordnung (EU) 2018/1727 des Europäischen
Parlaments und des Rates sowie des Beschlusses 2005/671/JI des Rates im Hinblick auf
digitalen Informationsaustausch in Terrorismusfällen (ABl. L 2023/2131, 11.10.2023)
Änderungen erfahren hat, die sich auf die gegenwärtigen Fassungen des EJG und der EJTAnV
auswirken.
B. Lösung
Der Entwurf beinhaltet die erforderlichen Anpassungen des EJG und der EJTAnV.
Daneben sind redaktionelle Änderungen vorgesehen.
C. Alternativen
Keine.
D. Haushaltsausgaben ohne Erfüllungsaufwand
Keine.
E. Erfüllungsaufwand
E.1 Erfüllungsaufwand für Bürgerinnen und Bürger
Für Bürgerinnen und Bürger entsteht kein Erfüllungsaufwand.
Fristablauf: 19.12.25
E.2 Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft
Für die Wirtschaft entsteht kein Erfüllungsaufwand.
Davon Bürokratiekosten aus Informationspflichten
Keine.
E.3 Erfüllungsaufwand der Verwaltung
Für die Verwaltung entsteht kein Erfüllungsaufwand.
F. Weitere Kosten
Sonstige Kosten für die Wirtschaft und für soziale Sicherungssysteme werden nicht
erwartet, ebenso wenig Auswirkungen auf das Preisniveau, insbesondere das
Verbraucherpreisniveau.
Bundesrat Drucksache 641/25
07.11.25
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Gesetzentwurf
der Bundesregierung
B
R
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ss
Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Eurojust-
Gesetzes
Bundesrepublik Deutschland Berlin, 7. November 2025
Der Bundeskanzler
An den
Präsidenten des Bundesrates
Herrn Bürgermeister
Dr. Andreas Bovenschulte
Sehr geehrter Herr Bundesratspräsident,
hiermit übersende ich gemäß Artikel 76 Absatz 2 des Grundgesetzes den von der
Bundesregierung beschlossenen
Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Eurojust-Gesetzes
mit Begründung und Vorblatt.
Federführend ist das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz.
Mit freundlichen Grüßen
Friedrich Merz
Fristablauf: 19.12.25
Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Eurojust-Gesetzes1)
Vom ...
Der Bundestag hat das folgende Gesetz beschlossen:
Artikel 1
Änderung des Eurojust-Gesetzes
Das Eurojust-Gesetz vom 9. Dezember 2019 (BGBl. I S. 2010) wird wie folgt geändert:
1. § 1 wird durch den folgenden § 1 ersetzt:
§ 1„
Anwendungsbereich
Dieses Gesetz regelt die Durchführung der Verordnung (EU) 2018/1727 (Eurojust-
Verordnung) in der Fassung vom 4. Oktober 2023.“
2. In § 2 Absatz 1 Satz 1, Absatz 2 und 4, § 3 Absatz 1 und 5 Satz 1, § 4 Satz 1 und § 5
Absatz 1 in der Angabe vor Nummer 1 und Nummer 1 bis 4 wird jeweils nach der
Angabe „Eurojust-Verordnung“ die Angabe „in der Fassung vom 4. Oktober 2023“
eingefügt.
3. § 6 wird wie folgt geändert:
a) Absatz 1 wird wie folgt geändert:
aa) Nummer 1 wird durch die folgende Nummer 1 ersetzt:
1. „ Anlaufstellen für Eurojust gemäß Artikel 20 Absatz 1 und 2a der
Eurojust-Verordnung in der Fassung vom 4. Oktober 2023 (Eurojust-
Anlaufstellen) sowie“.
bb) In Nummer 2 wird nach der Angabe „Eurojust-Verordnung“ die Angabe „in der
Fassung vom 4. Oktober 2023“ eingefügt.
b) In Absatz 3 Satz 2 wird nach der Angabe „Eurojust-Verordnung“ die Angabe „in
der Fassung vom 4. Oktober 2023“ eingefügt.
1) Dieses Gesetz dient der Durchführung der Verordnung (EU) 2018/1727 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 14. November 2018 betreffend die Agentur der Europäischen Union für justizielle
Zusammenarbeit in Strafsachen (Eurojust) und zur Ersetzung und Aufhebung des Beschlusses
2002/187/JI des Rates (ABl. L 295 vom 21.11.2018, S. 138; L 215 vom 19.8.2019, S. 3), die zuletzt
durch die Verordnung (EU) 2023/2131 vom 4. Oktober 2023 (ABl. L, 2023/2131, 11.10.2023) geändert
worden ist.
4. In § 7 in der Angabe vor Nummer 1 und Nummer 1 wird jeweils nach der Angabe
„Eurojust-Verordnung“ die Angabe „in der Fassung vom 4. Oktober 2023“ eingefügt.
5. § 8 wird durch den folgenden § 8 ersetzt:
§ 8„
Verwaltung des Fallbearbeitungssystems von Eurojust durch das nationale Mitglied
(1) Das nationale Mitglied verarbeitet personenbezogene Daten gemäß Artikel 23
Absatz 7 der Eurojust-Verordnung in der Fassung vom 4. Oktober 2023, soweit dies
zur Aufgabenerfüllung von Eurojust oder für Zwecke der Strafrechtspflege erforderlich
ist. Für den Umfang der zu verarbeitenden Daten gilt § 484 Absatz 1 Nummer 1 bis 5
der Strafprozessordnung entsprechend.
(2) Das nationale Mitglied gestattet Personen nach Artikel 24 Absatz 2 der
Eurojust-Verordnung in der Fassung vom 4. Oktober 2023 Zugriff auf die von ihm selbst
im Fallbearbeitungssystem angelegten Daten, soweit dies zur Aufgabenerfüllung von
Eurojust oder für Zwecke der Strafrechtspflege erforderlich ist.
(3) Das nationale Mitglied gewährt Eurojust-Anlaufstellen nach Artikel 20
Absatz 3 Buchstabe a, b und c der Eurojust-Verordnung in der Fassung vom 4. Oktober
2023, die im Anwendungsbereich dieses Gesetzes oder in anderen Mitgliedstaaten an
das Fallbearbeitungssystem angebunden sind, nach Artikel 25 Absatz 1 Buchstabe a
der Eurojust-Verordnung in der Fassung vom 4. Oktober 2023 Zugriff auf Daten, die es
in dem Fallbearbeitungssystem speichert, soweit dies für Zwecke der Strafrechtspflege
erforderlich ist. Für Daten, die von einem nationalen Mitglied eines anderen
Mitgliedstaates angelegt wurden, prüft das nationale Mitglied zusätzlich zum Kriterium der
Erforderlichkeit, ob die Voraussetzungen des Artikels 25 Absatz 1 Buchstabe b der
Eurojust-Verordnung in der Fassung vom 4. Oktober 2023 erfüllt sind.
(4) Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz entscheidet
nach Konsultation mit dem deutschen nationalen Mitglied darüber, welche in Artikel 20
Absatz 3 Buchstabe a, b und c der Eurojust-Verordnung in der Fassung vom 4. Oktober
2023 genannten Eurojust-Anlaufstellen befugt sind, die Bundesrepublik Deutschland
betreffende Daten in das Fallbearbeitungssystem nach Maßgabe von Artikel 25
Absatz 4 der Eurojust-Verordnung in der Fassung vom 4. Oktober 2023 einzugeben. Die
Befugnis zur Eingabe kann erteilt werden, soweit dies für die Zwecke der
Strafrechtspflege erforderlich und für die Effizienz der Arbeitsabläufe förderlich ist.
(5) Das nationale Mitglied trifft Entscheidungen nach den Absätzen 1, 2 und 3
Satz 1 im Einvernehmen mit derjenigen zuständigen deutschen Stelle, von der die
Daten oder Informationen stammen.“
6. In § 9 Absatz 1, § 10 Absatz 1 in der Angabe vor Nummer 1 und Absatz 2 sowie § 11
Nummer 1 und 2 wird jeweils nach der Angabe „Eurojust-Verordnung“ die Angabe „in
der Fassung vom 4. Oktober 2023“ eingefügt.
Artikel 2
Änderung der Eurojust-Anlaufstellen-Verordnung
Die Eurojust-Anlaufstellen-Verordnung vom 17. Dezember 2004 (BGBl. I S. 3520), die
zuletzt durch Artikel 3 Absatz 2 des Gesetzes vom 9. Dezember 2019 (BGBl. I S. 2010)
geändert worden ist, wird wie folgt geändert:
1. § 1 wird durch den folgenden § 1 ersetzt:
§ 1„
Nationale Anlaufstelle für Terrorismusfragen
Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof ist nationale Eurojust-
Anlaufstelle für Terrorismusfragen nach Artikel 20 Absatz 2a und 3 Buchstabe c der
Verordnung (EU) 2018/1727 (Eurojust-Verordnung) in der Fassung vom 4. Oktober 2023
(nationale Anlaufstelle).“
2. In § 2 Absatz 1 Satz 1 wird die Angabe „Artikel 2 Abs. 3 und 5 des Beschlusses
2005/671/JI“ durch die Angabe „Artikel 21a Absatz 1 und 4 der Eurojust-Verordnung in
der Fassung vom 4. Oktober 2023“ ersetzt.
3. § 3 wird wie folgt geändert:
a) In Absatz 1 wird die Angabe „Artikel 2 Abs. 3 und 5 des Beschlusses 2005/671/JI“
durch die Angabe „Artikel 21a Absatz 1 und 4 der Eurojust-Verordnung in der
Fassung vom 4. Oktober 2023“ ersetzt.
b) In Absatz 2 wird die Angabe „Artikels 2 Abs. 3 und 5 des Beschlusses 2005/671/JI“
durch die Angabe „Artikels 21a Absatz 1 und 4 der Eurojust-Verordnung in der
Fassung vom 4. Oktober 2023“ ersetzt.
4. § 4 Absatz 3 wird durch den folgenden Absatz 3 ersetzt:
(3) „ Die Übermittlung von Informationen an Eurojust erfolgt nach Artikel 21a der
Eurojust-Verordnung in der Fassung vom 4. Oktober 2023.“
5. Nach § 5 Absatz 2 wird der folgende Absatz 3 eingefügt:
(3) „ Die nach § 3 Absatz 1 übermittelnde Stelle informiert den
Generalbundesanwalt, wenn die nach § 3 Absatz 1 übermittelten Informationen nach Abschluss des
Verfahrens von Eurojust zu löschen sind. Der Generalbundesanwalt unterrichtet Eurojust
unverzüglich, wenn die nach § 4 übermittelten Informationen zu löschen sind. Für
Entscheidungen nach den Sätzen 1 und 2 gilt § 489 der Strafprozessordnung
entsprechend.“
Artikel 3
Inkrafttreten
Dieses Gesetz tritt am … [einsetzen: Datum des ersten Tages des auf die Verkündung
folgenden Quartals] in Kraft.
EU-Rechtsakte:
Verordnung (EU) 2018/1727 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 14. November 2018 betreffend
die Agentur der Europäischen Union für justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (Eurojust) und zur Ersetzung
und Aufhebung des Beschlusses 2002/187/JI des Rates (ABl. L 295 vom 21.11.2018, S. 138; L 215 vom
19.8.2019, S. 3), die zuletzt durch die Verordnung (EU) 2023/2131 vom 4. Oktober 2023 (ABl. L, 2023/2131,
11.10.2023) geändert worden ist
Begründung
A. Allgemeiner Teil
I. Zielsetzung und Notwendigkeit der Regelungen
Der Entwurf dient der Aktualisierung des Eurojust-Gesetzes (EJG) und der Eurojust-
Anlaufstellen-Verordnung (EJTAnV).
Der Aktualisierungsbedarf ergibt sich daraus, dass die dem EJG und der EJTAnV
zugrundeliegende Verordnung (EU) 2018/1727 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
14. November 2018 betreffend die Agentur der Europäischen Union für justizielle
Zusammenarbeit in Strafsachen (Eurojust) und zur Ersetzung des Beschlusses 2002/187/JI des
Rates (ABl. L 295 vom 21.11.2018, S. 138; L 215 vom 19.8.2019, S. 3 – im Folgenden:
Eurojust-Verordnung) durch die Verordnung (EU) 2023/2131 des Europäischen Parlaments
und des Rates vom 4. Oktober 2023 zur Änderung der Verordnung (EU) 2018/1727 des
Europäischen Parlaments und des Rates sowie des Beschlusses 2005/671/JI des Rates im
Hinblick auf digitalen Informationsaustausch in Terrorismusfällen (ABl. L 2023/2131 vom
11.10.2023) Änderungen erfahren hat, die sich auf die gegenwärtigen Fassungen des EJG
und der EJTAnV auswirken.
Die am 31. Oktober 2023 in Kraft getretene Verordnung 2023/2131 führt zu verschiedenen
Neuregelungen in der Eurojust-Verordnung, die sich mit dem digitalen
Informationsaustausch in grenzüberschreitenden Terrorismusfällen (Nummer 1), der Modernisierung des
Fallbearbeitungssystems (Nummer 2), den technischen Einzelheiten der digitalen
Kommunikation und des Datenaustauschs (Nummer 3) und dem Zugriffsrecht von
Verbindungsstaatsanwälten und -staatsanwältinnen aus Drittstaaten befassen (Nummer 4).
1. Der digitale Informationsaustausch in grenzüberschreitenden Terrorismusfällen
Die Verordnung 2023/2131 verfolgt insbesondere das Ziel, den digitalen
Informationsaustausch in grenzüberschreitenden Terrorismusfällen zu stärken. Im Wesentlichen wird dabei
die bereits auf der Grundlage des Artikels 2 des Beschlusses 2005/671/JI des Rates vom
20. September 2005 über den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit betreffend
terroristische Straftaten (ABl. L 253/22 vom 29. September 2005 – im Folgenden:
Beschluss 2005/671/JI) bestehende Verpflichtung der Mitgliedstaaten, bestimmte
Informationen über Terrorismusfälle an Eurojust zu übermitteln, in Artikel 21a in Verbindung mit
Anlage III der Eurojust-Verordnung überführt. Dabei haben diese Verpflichtungen eine
Ausweitung etwa auf Telefonnummern und E-Mailadressen erfahren. Soweit zusätzlich
nunmehr auch biometrische Daten (Fingerabdrücke und Fotografien) genannt werden, ist
deren Übermittlung jedoch nicht verpflichtend. Vorgaben zur Datenverarbeitung und
Löschung von Informationen über Terrorismusfälle finden sich in Artikel 27 Absatz 5 und in
Artikel 29 Absatz 1a, 2 und 3 der Eurojust-Verordnung.
Die bereits vor Inkrafttreten der Verordnung 2023/2131 gemäß Artikel 2 Absatz 2 des
Beschlusses 2005/671/JI bestehende Verpflichtung der Mitgliedstaaten zur Benennung einer
zuständigen nationalen Behörde als nationale Eurojust-Anlaufstelle für Terrorismusfragen
findet sich nunmehr in Artikel 20 Absatz 2a der Eurojust-Verordnung. Die Bundesrepublik
Deutschland hat bereits auf der Grundlage von Artikel 20 Absatz 3 Buchstabe c der
Eurojust-Verordnung und Artikel 2 Absatz 2 des Beschlusses 2005/671/JI durch die EJTAnV
den Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof als nationale Eurojust-Anlaufstelle für
Terrorismusfragen eingesetzt. Dieser übermittelt die einschlägigen Informationen zu
Terrorismusfällen an Eurojust. Dort werden die Daten in einem justiziellen Register zur
Bekämpfung von Terrorismus, dem sogenannten Counter Terrorism Register, im Rahmen
des dortigen Fallbearbeitungssystems abgelegt.
2. Die Modernisierung des Fallbearbeitungssystems
Mit der Verordnung 2023/2131 soll ferner das Fallbearbeitungssystem modernisiert und in
diesem Zuge auch das justizielle Register zur Bekämpfung von Terrorismus vollständig in
das Fallbearbeitungssystem integriert werden, um Eurojust noch besser in die Lage zu
versetzen, Querverbindungen zwischen den einzelnen übermittelten Informationen
herzustellen. Die entsprechenden Regelungen – auch zur Verwaltung und zu Zugriffsrechten auf das
Fallbearbeitungssystem – finden sich in dem neu gefassten Artikel 23
(Fallbearbeitungssystem), Artikel 24 (Verwaltung der Informationen im Fallbearbeitungssystem) und in
Artikel 25 (Zugriff auf das Fallbearbeitungssystem auf nationaler Ebene) der Eurojust-
Verordnung. Hinsichtlich der Zugriffsrechte ist hervorzuheben, dass bestimmte in Artikel 20
Absatz 3 Buchstabe a bis c der Eurojust-Verordnung genannte nationale Eurojust-
Anlaufstellen unter den Voraussetzungen des Artikels 20 Absatz 8 der Eurojust-Verordnung an das
Fallbearbeitungssystem angebunden werden. Der Umfang des tatsächlichen Zugriffs der
nationalen Ebene auf die im Fallbearbeitungssystem abgelegten Daten ergibt sich aus dem
neu gefassten Artikel 25 der Eurojust-Verordnung.
3. Die technische Ausgestaltung des Fallbearbeitungssystems
Die technische Modernisierung des Fallbearbeitungssystems lässt sich im Einzelnen dem
Artikel 22a (Sicherheit der digitalen Kommunikation und des Datenaustauschs zwischen
den zuständigen nationalen Behörden und Eurojust), dem Artikel 22b (Erlass von
Durchführungsrechtsakten durch die Europäische Kommission) und dem Artikel 22c
(Ausschussverfahren) der Eurojust-Verordnung entnehmen. Die Vorschriften enthalten technische
Details und gewährleisten zugleich eine Verknüpfung zur Verordnung (EU) 2023/2844 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Dezember 2023 über die Digitalisierung
der justiziellen Zusammenarbeit und des Zugangs zur Justiz in grenzüberschreitenden
Zivil-, Handels- und Strafsachen und zur Änderung bestimmter Rechtsakte im Bereich der
justiziellen Zusammenarbeit (ABl. L 2023/2844 vom 27. Dezember 2023, S. 1).
Gemäß Artikel 22a Absatz 3 Satz 1 der Eurojust-Verordnung übermitteln die zuständigen
nationalen Behörden die gemäß Artikel 21 und 21a der Eurojust-Verordnung zu
übermittelnden Daten an Eurojust in halbautomatischer und auf strukturierte Weise. Die hierfür
erforderlichen Durchführungsrechtsakte erlässt die Europäische Kommission gemäß
Artikel 22b Absatz 2 in Verbindung mit Artikel 22a Absatz 3 der Eurojust-Verordnung bis zum
1. November 2025 gemäß dem in Artikel 22c Absatz 2 der Eurojust-Verordnung genannten
Prüfverfahren. Nach Inkrafttreten des Durchführungsrechtsaktes können die zuständigen
nationalen Behörden unter den Voraussetzungen von Artikel 80 Absatz 10 und 11 der
Eurojust-Verordnung noch zwei Jahre lang andere Kommunikationskanäle als die in
Artikel 22a Absatz 1 der Eurojust-Verordnung genannten nutzen bzw. die Informationen noch
abweichend von den Vorgaben aus Artikel 22a Absatz 3 der Eurojust-Verordnung
übermitteln.
Eurojust kann gemäß Artikel 80 Absatz 9 der Eurojust-Verordnung das
Fallbearbeitungssystem bis zum 1. Dezember 2025 weiterverwenden, sofern das neue
Fallbearbeitungssystem noch nicht eingerichtet ist. Die Europäische Kommission hat jedoch am 2. April 2025
einen Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zur
Änderung der Verordnung (EU) 2018/1727 hinsichtlich der Verlängerung des Zeitrahmens für
die Einrichtung des Fallbearbeitungssystems von Eurojust (COM(2025) 143 final)
vorgelegt, um Artikel 80 Absatz 9 der Eurojust-Verordnung dahingehend anzupassen, dass die
Frist zur Modernisierung des Fallbearbeitungssystems bis zum 1. Dezember 2027
verlängert wird. Hintergrund ist, dass insbesondere die Übertragung der Daten von dem
bestehenden Fallbearbeitungssystem in das neue System nach Aussage der Europäischen
Kommission nicht bis zum 1. Dezember 2025 abgeschlossen werden kann.
4. Die Verbesserung der Zusammenarbeit von Eurojust mit Drittstaaten
Ferner soll die Verordnung 2031/2131 die Zusammenarbeit von Eurojust mit Drittstaaten
verbessern. Zu diesem Zweck ist die Eurojust-Verordnung um einen Artikel 54a ergänzt
worden, nach dessen Absatz 3 zu Eurojust entsandte Verbindungsstaatsanwälte und -
staatsanwältinnen Zugang zum Fallbearbeitungssystem erhalten, wobei die Übermittlung
operativer personenbezogener Daten an Verbindungsstaatsanwälte und -
staatsanwältinnen aus Drittstaaten über das Fallbearbeitungssystem nur nach Maßgabe der Vorschriften
und Bedingungen erfolgen kann, die in der Eurojust-Verordnung, in der Vereinbarung mit
dem jeweiligen Drittstaat oder in anderen anwendbaren Rechtsinstrumenten festgelegt
sind.
Im Zuge der in den Nummern 1 bis 4 dargelegten Änderungen, die mit der Verordnung
2023/2131 in die gegenwärtige Fassung der Eurojust-Verordnung Eingang erhalten haben,
werden Anpassungen im EJG und in der EJTAnV erforderlich, die mit dem vorliegenden
Entwurf vorgenommen werden sollen.
II. Wesentlicher Inhalt des Entwurfs
Der Entwurf enthält die erforderlichen Anpassungen des EJG und der EJTAnV an die
aktuelle Eurojust-Verordnung.
Die Änderungen der Eurojust-Verordnung erfordern für das EJG insbesondere eine
Anpassung der Verordnungsermächtigung in § 6 Absatz 1 Nummer 1 EJG-E, auf die sich die
EJTAnV stützt. Denn die Rechtsgrundlage für die nationale Eurojust-Anlaufstelle für
Terrorismusfragen ergibt sich nicht mehr aus Artikel 20 Absatz 1 der Eurojust-Verordnung,
sondern aus Artikel 20 Absatz 2a der Eurojust-Verordnung. Die Vorschriften zur
Modernisierung des Eurojust-Fallbearbeitungssystems in den Artikeln 22a ff. der Eurojust-Verordnung
geben Anlass zu diversen Änderungen betreffend die Verwaltung des
Fallbearbeitungssystems durch das nationale Mitglied in § 8 EJG-E. Denn zum einen wird in der Eurojust-
Verordnung die Unterscheidung zwischen Arbeitsdateien und Index aufgegeben und zum
anderen werden die Zugriffsrechte auf bestimmte Eurojust-Anlaufstellen beschränkt.
Die Änderungen der EJTAnV beziehen sich in § 1 EJTAnV-E auf die in Artikel 20 Absatz 2a
der Eurojust-Verordnung angelegte Rechtsgrundlage für die Einrichtung der nationalen
Eurojust-Anlaufstelle für Terrorismusfragen und in den §§ 2 und 3 EJTAnV-E auf die mit
Artikel 21a der Eurojust-Verordnung geschaffene Rechtsgrundlage für den
Informationsaustausch über Terrorismusfälle. Die jeweiligen Verpflichtungen befanden sich vormals in dem
Beschluss 2005/671/JI. Ferner regelt § 5 Absatz 3 EJTAnV-E das neue Prozedere zur
Löschung bereits an Eurojust übermittelter Daten nach Abschluss des nationalen
Strafverfahrens, damit die neuen Regelungen in Artikel 27 Absatz 4 und 5 und in Artikel 29 Absatz 1a
bis 3 der Eurojust-Verordnung hinreichend abgebildet werden.
Daneben sind redaktionelle Änderungen vorgesehen.
III. Exekutiver Fußabdruck
Interessenvertreterinnen und -vertreter sowie beauftragte Dritte haben nicht zum Inhalt des
Entwurfs beigetragen (§ 43 Absatz 1 Nummer 13 der Gemeinsamen Geschäftsordnung).
IV. Alternativen
Keine.
V. Gesetzgebungskompetenz
Die internationale Zusammenarbeit in strafrechtlichen Angelegenheiten ist Teil der Pflege
der auswärtigen Beziehungen nach Artikel 32 Absatz 1 des Grundgesetzes (GG). Die
Änderungen des EJG fallen deshalb in den Bereich der ausschließlichen
Gesetzgebungskompetenz des Bundes nach Artikel 73 Absatz 1 Nummer 1 GG, ebenso die auf das EJG
bezogene EJTAnV.
VI. Vereinbarkeit mit dem Recht der Europäischen Union und völkerrechtlichen
Verträgen
Der Entwurf dient der Anpassung der Durchführungsvorschriften betreffend die durch
Verordnung 2023/2131 geänderte Eurojust-Verordnung. Er ist mit dem Recht der Europäischen
Union vereinbar. Der Entwurf ist auch mit den völkerrechtlichen Verträgen, die die
Bundesrepublik Deutschland abgeschlossen hat, vereinbar.
VII. Gesetzesfolgen
1. Rechts- und Verwaltungsvereinfachung
Die Eurojust-Verordnung stellt in der Bundesrepublik Deutschland unmittelbar geltendes
Recht dar. Soweit sich durch die Anpassung der Eurojust-Verordnung im Zuge der
Verordnung 2023/2131 für die Mitgliedstaaten ein zusätzlicher Verwaltungsaufwand ergibt, wird
dieser durch die Eurojust-Verordnung vorgegeben. Dies betrifft etwa die Verpflichtung der
Mitgliedstaaten – im Vergleich zur Verpflichtung aus dem Beschluss 2005/671/JI –
zusätzliche Daten zu übermitteln, diese fortlaufend zu aktualisieren und aktiv auf die Löschung
von Informationen hinzuwirken, hinsichtlich derer das nationale Verfahren rechtskräftig
abgeschlossen ist.
Das EJG und die EJTAnV beschränken sich demgegenüber auf
Durchführungsbestimmungen, die ihrerseits zur Entlastung von Rechtsanwendern und -anwenderinnen beitragen
(vergleiche im Einzelnen Bundestagsdrucksache 19/13451, S. 16).
2. Nachhaltigkeitsaspekte
Der Entwurf steht im Einklang mit den Leitgedanken der Bundesregierung zur nachhaltigen
Entwicklung im Sinne der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, weil die
grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Strafsachen mit Eurojust und zwischen den Mitgliedstaaten der
Europäischen Union verbessert wird. Dies führt zu einer Verbesserung sowohl der
nationalen als auch der europaweiten Kriminalitätsbekämpfung und erhöht die Sicherheit in der
Bundesrepublik Deutschland und in Europa (vergleiche im Einzelnen
Bundestagsdrucksache 19/13451, S. 16).
3. Haushaltsausgaben ohne Erfüllungsaufwand
Für Bund, Länder und Kommunen fallen keine Haushaltsausgaben ohne
Erfüllungsaufwand an.
4. Erfüllungsaufwand
a) Erfüllungsaufwand für Bürgerinnen und Bürger
Für Bürgerinnen und Bürger entsteht kein Erfüllungsaufwand.
b) Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft
Für die Wirtschaft entsteht kein Erfüllungsaufwand. Auch Bürokratiekosten aus
Informationspflichten entstehen für die Wirtschaft nicht.
c) Erfüllungsaufwand der Verwaltung
Für die Verwaltung eintsteht kein Erfüllungsaufwand.
Soweit für die Staatsanwaltschaften und Gerichte ein Erfüllungsaufwand entsteht,
beispielsweise durch Informationspflichten gegenüber Eurojust, werden diese nicht durch die
neuen Vorschriften im EJG oder in der EJTAnV ausgelöst, sondern unmittelbar durch die
Eurojust-Verordnung selbst (vergleiche im Einzelnen Bundestagsdrucksache 19/13451,
S. 16 f.). Der nationale Gesetzgeber verfügt dabei hinsichtlich der Übermittlung der Daten
über keinen eigenen Beurteilungsspielraum.
5. Weitere Kosten
Sonstige Kosten für die Wirtschaft und für soziale Sicherungssysteme werden nicht
erwartet, ebenso wenig Auswirkungen auf das Preisniveau, insbesondere das
Verbraucherpreisniveau.
6. Weitere Gesetzesfolgen
Der Entwurf hat keine erkennbaren gleichstellungspolitischen Auswirkungen. Frauen und
Männer sind von den Vorschriften des Entwurfs in gleicher Weise betroffen.
Verbraucherpolitische sowie demografische Auswirkungen sind ebenfalls nicht ersichtlich.
VIII. Befristung; Evaluierung
Eine Befristung ist aufgrund der unmittelbaren Geltung der Eurojust-Verordnung, die selbst
keine Befristung, sondern eine Evaluierung nach Artikel 69 vorsieht, nicht angezeigt. Eine
Evaluierung des vorliegenden Gesetzes ist daneben nicht angezeigt.
B. Besonderer Teil
Zu Artikel 1 (Änderung des EJG)
Zu Nummer 1 (Änderungen in § 1 EJG)
Die Verweisung auf die Verordnung (EU) 2018/1727 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 14. November 2018 betreffend die Agentur der Europäischen Union für
justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (Eurojust) und zur Ersetzung und Aufhebung des
Beschlusses 2002/187/JI des Rates (ABl. L 295 vom 21.11.2018, S. 138 – Eurojust-
Verordnung), die zuletzt durch die Verordnung (EU) 2023/2131 des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 4. Oktober 2023 (ABl. L 2131 vom 11.10.2023) geändert worden ist, wurde
aktualisiert. Diese Verweisung stellt eine statische Verweisung dar, die sich auch auf alle
Stellen im übrigen Gesetz bezieht, die mit Eurojust-Verordnung bezeichnet sind.
Zu Nummer 2 (Änderungen in § 2 Absatz 1 Satz 1, Absatz 2 und 4, § 3 Absatz 1 und
5 Satz 1, § 4 Satz 1 und § 5 Absatz 1 in der Angabe vor Nummer 1 und Nummer 1
bis 4)
Es wird jeweils nach der Angabe „Eurojust-Verordnung“ die Angabe „in der Fassung vom
4. Oktober 2023“ eingefügt, um deutlich zu machen, dass es sich um statische
Verweisungen handelt.
Zu Nummer 3 (Änderung in § 6 EJG)
Zu Buchstabe a (Änderung in § 6 Absatz 1 EJG)
Zu Doppelbuchstabe aa (Änderung in § 6 Absatz 1 Nummer 1 EJG)
Gemäß Artikel 20 Absatz 1 der Eurojust-Verordnung muss jeder Mitgliedstaat eine oder
mehrere Anlaufstellen für Eurojust einrichten. § 6 Absatz 1 Nummer 1 EJG begründet die
Verordnungsermächtigung, auf deren Grundlage die Eurojust-Anlaufstellen im
Verordnungswege eingerichtet werden können (vergleiche Bundestagsdrucksache 19/13451,
S. 21). Der Gesetzgeber hat von dieser Verordnungsermächtigung Gebrauch gemacht, um
die EJTAnV zu erlassen, die in § 1 den Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof als
nationale Eurojust-Anlaufstelle für Terrorismusfragen bestimmt. Eine entsprechende
Vorgabe ergab sich bislang aus Artikel 20 Absatz 3 Buchstabe c der Eurojust-Verordnung und
aus Artikel 2 Absatz 2 des Beschlusses 2005/671/JI. Mit der Verordnung 2023/2131 hat der
europäische Gesetzgeber Artikel 2 Absatz 2 des Beschlusses 2005/671/JI gestrichen und
dessen Inhalt in Artikel 20 Absatz 2a der Eurojust-Verordnung überführt. § 6 Absatz 1
Nummer 1 EJG wird daher um Artikel 20 Absatz 2a der Eurojust-Verordnung ergänzt.
Zu Doppelbuchstabe bb (Änderung in § 6 Absatz 1 Nummer 2 EJG)
§ 6 Absatz 1 Nummer 2 EJG-E wird redaktionell angepasst, indem das Datum der Fassung
der Eurojust-Verordnung aufgenommen wird. Der Hinweis macht deutlich, dass es sich um
einen statischen Verweis handelt.
Zu Buchstabe b (Änderung in § 6 Absatz 3 Satz 1 EJG)
§ 6 Absatz 3 Satz 1 EJG-E wird redaktionell angepasst, indem das Datum der Fassung der
Eurojust-Verordnung aufgenommen wird. Der Hinweis macht deutlich, dass es sich um
einen statischen Verweis handelt.
Zu Nummer 4 (§ 7 Absatz 1 in der Angabe vor Nummer 1 und Nummer 1 EJG)
Es wird jeweils nach der Angabe „Eurojust-Verordnung“ die Angabe „in der Fassung vom
4. Oktober 2023“ eingefügt, um deutlich zu machen, dass es sich um statische
Verweisungen handelt.
Zu Nummer 5 (Neufassung des § 8 EJG)
Die Grundstruktur zum Fallbearbeitungssystem bei Eurojust stellt sich auf der Grundlage
der Änderungen durch die Verordnung 2023/2131 wie folgt dar:
1. Die Artikel 23, 24 und 25 der Eurojust-Verordnung wurden durch die Verordnung
2023/2131 neu gefasst. Hintergrund ist, dass das justizielle Terrorismusregister auf der
Grundlage des Beschlusses 2005/671/JI erst im September 2019 – und damit zeitlich
nach Verabschiedung der Eurojust-Verordnung – eingeführt wurde. Die Vorschriften
der Eurojust-Verordnung zum Fallbearbeitungssystem konnten daher die Einrichtung
des justiziellen Terrorismusregisters nicht hinreichend reflektieren. Die gleichwohl auf
der Grundlage des Beschlusses 2005/671/JI von den Mitgliedstaaten an Eurojust
übersandten Daten zu Terrorismusfällen wurden in der Konsequenz ebenso im
Fallbearbeitungssystem von Eurojust gespeichert wie die operativen Daten zu laufenden
Fällen. Die Neufassung der Artikel 23, 24 und 25 der Eurojust-Verordnung soll hieraus
resultierende Rechtsunsicherheiten auflösen.
Die Datenverarbeitungsvorschriften in Artikel 23 der Eurojust-Verordnung werden
nunmehr durch die Verordnung 2023/2131 flexibler ausgestaltet. Hierdurch soll es möglich
werden, Informationen, die nach Artikel 21 oder 21a der Eurojust-Verordnung
übermittelt werden, in einer anderen modernisierten Struktur und über einen längeren Zeitraum
zu speichern als dies in den herkömmlichen temporären Arbeitsdaten der Fall ist. Um
eine technische Modernisierung des Fallbearbeitungssystems zu ermöglichen, werden
die einschlägigen Vorschriften nunmehr technik-neutral gehalten, wobei allerdings der
Grundsatz der nur vorübergehenden Speicherung durch die Vorgabe von Fristen zur
Löschung von operativen personenbezogenen Daten in Artikel 29 der Eurojust-
Verordnung erhalten bleibt.
Die operativen personenbezogenen Daten der Anhänge II und III der Eurojust-
Verordnung werden gemäß Artikel 23 Absatz 1 der Eurojust-Verordnung weiterhin in einem
Fallbearbeitungssystem zu den in Artikel 23 Absatz 2 der Eurojust-Verordnung
genannten Zwecken verwaltet. Weitere automatisierte Dateien darf Eurojust gemäß
Artikel 23 Absatz 6 der Eurojust-Verordnung nicht anlegen. Die nationalen Mitglieder
können allerdings für die Dauer von maximal drei Monaten vorübergehend
personenbezogene Daten speichern und analysieren, um zu klären, ob diese in das
Fallbearbeitungssystem aufzunehmen sind.
Das Fallbearbeitungssystem kann an gesicherte Kommunikationskanäle, wie zum
Beispiel an die gesicherte Telekommunikationsverbindung aus Artikel 9 des Beschlusses
2008/976/JI des Rates vom 16. Dezember 2008 über das Europäische Justizielle Netz
(ABl. L 348 vom 24. Dezember 2008, S. 130), gemäß Artikel 23 Absatz 3 der Eurojust-
Verordnung angebunden werden. Ferner kann Eurojust das Fallbearbeitungssystem
nutzen, um auf andere Informationssysteme der Union zuzugreifen, soweit sich aus
anderen Rechtsinstrumenten entsprechende Zugriffsrechte ergeben (Artikel 23
Absatz 4 der Eurojust-Verordnung).
Artikel 24 der Eurojust-Verordnung unterstreicht in Absatz 1 die Verantwortlichkeit des
nationalen Mitglieds für die ordnungsgemäße Verwaltung der von diesem bearbeiteten
Daten. Ferner entscheiden die nationalen Mitglieder gemäß Artikel 24 Absatz 2 der
Eurojust-Verordnung auch weiterhin über die Gewährung von Zugangsrechten und
dessen Umfang beziehungsweise nach Absatz 3 über den Umfang von Einschränkungen
zur Nutzung der Daten.
Artikel 25 der Eurojust-Verordnung regelt in den Absätzen 1 bis 3 den Umfang des
Zugriffs auf das Fallbearbeitungssystems durch bestimmte nationale Anlaufstellen
sowie in Absatz 4 den Umfang der Eingabebefugnisse dieser Anlaufstellen.
2. Die technische Architektur des modernisierten Fallbearbeitungssystems stützt sich auf
die Artikel 22a, 22b und 22c der Eurojust-Verordnung. Gemäß Artikel 22a Absatz 1 der
Eurojust-Verordnung erfolgt die Kommunikation zwischen den zuständigen nationalen
Behörden und Eurojust über das dezentrale IT-System. Zur Einrichtung und
Verwendung des dezentralen IT-Systems erlässt die Europäische Kommission nach Maßgabe
von Artikel 22b Absatz 1 der Eurojust-Verordnung Durchführungsrechtsakte
(vergleiche hierzu im Einzelnen Erwägungsgründe 18 ff. der Verordnung 2023/2031). Diese
werden gemäß Artikel 22b Absatz 2 der Eurojust-Verordnung bis zum 1. November
2025 gemäß dem in Artikel 22c Absatz 2 der Eurojust-Verordnung genannten
Prüfverfahren erlassen. Gemäß Artikel 80 Absatz 10 der Eurojust-Verordnung können die
zuständigen nationalen Behörden und Eurojust bis zum ersten Tag des Monats, der auf
den Zeitraum von zwei Jahren nach dem Tag des Inkrafttretens des
Durchführungsrechtsaktes folgt, unter den in Artikel 80 Absatz 10 der Eurojust-
Verordnung genannten Voraussetzungen weiterhin andere Kommunikationskanäle als die in
Artikel 22a Absatz 1 der Eurojust-Verordnung genannten nutzen. Ferner können die
zuständigen nationalen Behörden gemäß Artikel 80 Absatz 11 der Eurojust-
Verordnung bis zum ersten des Tag des Monats, der auf den Zeitraum von zwei Jahren nach
dem Tag des Inkrafttretens des Durchführungsrechtsaktes folgt, weiterhin
Informationen gemäß Artikel 22a Absatz 3 der Eurojust-Verordnung auf andere Weise als
halbautomatisch übermitteln, sofern die technischen Voraussetzungen dafür noch nicht
gegeben sind.
Zu Absatz 1
Gemäß Artikel 23 Absatz 6 der Eurojust-Verordnung können die nationalen Mitglieder zur
Erfüllung ihrer Aufgaben personenbezogene Daten, die sie auf der Grundlage der Eurojust-
Verordnung oder auf der Grundlage sonstiger anwendbarer Rechtsakte erhalten haben,
verarbeiten. Das Erfordernis einer Entscheidung des nationalen Mitglieds darüber, welche
der Daten in den Index des Fallbearbeitungssystems aufgenommen werden, ergibt sich
zwar nicht mehr aus der Eurojust-Verordnung, da die Eurojust-Verordnung im Zuge der
Modernisierung des Fallbearbeitungssystems nicht mehr auf die Begrifflichkeiten der
Arbeitsdateien in Verbindung mit einem Index abstellt. Dies führt allerdings nicht dazu, dass
§ 8 Absatz 1 EJG obsolet ist. Denn gemäß Artikel 23 Absatz 6 der Eurojust-Verordnung
können die nationalen Mitglieder personenbezogene Daten verarbeiten, so dass § 8
Absatz 1 EJG-E eine Durchführungsbestimmung in Bezug auf das damit eingeräumte
Ermessen enthält. Die Datenverarbeitung muss zur Aufgabenerfüllung von Eurojust oder für
Zwecke der Strafrechtspflege erforderlich sein. Auf die Begründung in Bundestagsdrucksache
19/13451, S. 23, wird Bezug genommen. Für den Umfang der zu verarbeitenden Daten gilt
§ 484 Absatz 1 Nummer 1 bis 5 der Strafprozessordnung (StPO) entsprechend.
Zu Absatz 2
Gemäß Artikel 24 Absatz 2 der Eurojust-Verordnung entscheidet das nationale Mitglied in
jedem Einzelfall, ob der Zugang zu den Informationen beschränkt bleibt oder anderen
nationalen Mitgliedern, Verbindungsstaatsanwälten und -staatsanwältinnen bei Eurojust,
ermächtigten Bediensteten von Eurojust oder einer anderen vom Verwaltungsdirektor oder
der Verwaltungsdirektorin entsprechend ermächtigten Person, die im Namen von Eurojust
arbeitet, ganz oder teilweise gestattet wird. Neu hinzugekommen sind hier die
Verbindungsstaatsanwälte und -staatsanwältinnen bei Eurojust. Hierdurch soll dem Umstand Rechnung
getragen werden, dass die zwischen Eurojust und Drittstaaten geschlossenen
Kooperationsvereinbarungen Bestimmungen über den Datenaustausch enthalten. Um diesem
Umstand in der Praxis Rechnung tragen zu können, sollen die Verbindungsstaatsanwälte und
-staatsanwältinnen daher in diesem Umfang und abhängig von der Gestattung des
nationalen Mitglieds die Möglichkeit eines Zugriffs auf die von dem nationalen Mitglied im
Fallbearbeitungssystem verarbeiteten Daten erhalten.
Für die nach Artikel 24 Absatz 2 der Eurojust-Verordnung von dem nationalen Mitglied zu
treffenden Entscheidungen soll maßgeblich sein, ob und inwieweit der jeweilige Zugriff zur
Aufgabenerfüllung von Eurojust oder für Zwecke der Strafrechtspflege erforderlich ist
(vergleiche Bundestagsdrucksache 19/13451, S. 23). Der Bezug auf die befristet geführten
Dateien wird gestrichen, nachdem die Eurojust-Verordnung zum Zwecke der Modernisierung
des Fallbearbeitungssystems auf diese Begrifflichkeiten verzichtet. Stattdessen wird auf die
vom nationalen Mitglied gespeicherten Daten abgestellt.
Zu Absatz 3
Die Regelung zum Umfang von Zugriffsrechten für nationale Eurojust-Anlaufstellen auf
Daten des Fallbearbeitungssystems bei Eurojust ist durch die Neufassung von Artikel 25 der
Eurojust-Verordnung übersichtlicher geworden. Dies liegt insbesondere daran, dass nicht
mehr zwischen dem Index und befristet geführten Arbeitsdateien differenziert wird
(vergleiche zur bisherigen Rechtslage Bundestagsdrucksache 19/13451, S. 23 f.). Eine
entsprechende Differenzierung in § 8 EJG-E, wie sie in § 8 Absatz 3 und 4 EJG in der bisherigen
Fassung anzutreffen ist, entfällt daher.
Gemäß Artikel 25 Absatz 1 Eurojust-Verordnung sollen bestimmte nationale Eurojust-
Anlaufstellen grundsätzlich einen beschränkten Zugriff auf Daten des
Fallbearbeitungssystems erhalten, für die das nationale Mitglied verantwortlich ist (Buchstabe a), und auf Daten,
für die andere nationale Mitglieder verantwortlich sind und auf die dem eigenen nationalen
Mitglied Zugriff gewährt wurde (Buchstabe b). Diese grundsätzlichen Zugriffsrechte
beziehen sich nur noch auf die in Artikel 20 Absatz 3 Buchstabe a, b und c der Eurojust-
Verordnung benannten Eurojust-Anlaufstellen. Artikel 20 Absatz 3 der Eurojust-Verordnung nennt
unter Buchstabe a die nationalen Eurojust-Anlaufstellen, unter Buchstabe b die nationale
Eurojust-Anlaufstelle für Angelegenheiten mit Bezug zur Zuständigkeit der Europäischen
Staatsanwaltschaft und unter Buchstabe c die nationale Eurojust-Anlaufstelle für
Terrorismusfragen. In Bezug auf die letztgenannte Eurojust-Anlaufstelle wird in Artikel 25 Absatz 3
der Eurojust-Verordnung konkretisiert, dass der Zugriff auf Informationen über
Terrorismusfälle, die auf der Grundlage des Artikels 21a der Eurojust-Verordnung an Eurojust
übermittelt wurden, nur durch die nationalen Eurojust-Anlaufstellen für Terrorismusfragen erfolgen
darf. Hinsichtlich der unter Buchstabe b genannten nationalen Eurojust-Anlaufstelle für
Angelegenheiten mit Bezug zur Zuständigkeit der Europäischen Staatsanwaltschaft bleibt es
dabei, dass eine solche Anlaufstelle in der Bundesrepublik Deutschland gegenwärtig nicht
eingerichtet werden soll, weil insoweit weiterhin kein Bedarf besteht (vergleiche hierzu auch
Bundestagsdrucksache 19/13451, S. 21, letzter Absatz). Da die Begriffe „Daten“ und
„Informationen“ in Artikel 25 der Eurojust-Verordnung synonym genutzt werden, beschränkt
sich § 8 Absatz 3 EJG-E auf „Daten“, so dass das Wort „Informationen“ gestrichen werden
kann.
In der Vorfassung der Eurojust-Verordnung bezogen sich die grundsätzlichen
Zugriffsrechte aus Artikel 25 Absatz 1 der Eurojust-Verordnung auf den gesamten Artikel 20
Absatz 3 der Eurojust-Verordnung, so dass auch Buchstabe d (insbesondere die nationale
Anlaufstelle für das Europäische Justizielle Netz für Strafsachen), Buchstabe e (nationale
Mitglieder oder Kontaktstellen des Netzes gemeinsamer Ermittlungsgruppen und der
Netze, die mit den Beschlüssen 2002/494/JI, 2007/845/JI und 2008/852/JI eingerichtet
wurden) sowie Buchstabe f (gegebenenfalls eine andere Justizbehörde) erfasst waren.
Insoweit war jedoch ein unmittelbarer Zugriff auf Daten des Fallbearbeitungssystems in der
Vergangenheit weder erfolgt noch erforderlich, so dass die Streichung dieser Eurojust-
Anlaufstellen die bisherige Handhabung nachvollzieht.
Die einschlägigen Eurojust-Anlaufstellen werden gemäß Artikel 20 Absatz 8 der Eurojust-
Verordnung auf Kosten der Union an das Fallbearbeitungssystem angebunden. Der
Umfang der Zugriffsrechte wird jedoch durch das nationale Mitglied gemäß Artikel 25 Absatz 2
der Eurojust-Verordnung festgelegt. Gemäß Artikel 25 Absatz 2 der Eurojust-Verordnung
entscheidet das nationale Mitglied innerhalb der aufgezeigten Einschränkungen nach
Artikel 25 Absatz 1 der Eurojust-Verordnung, in welchem Umfang Stellen oder Personen nach
Artikel 20 Absatz 3 Buchstabe a, b und c der Eurojust-Verordnung aus seinem Mitgliedstaat
der Zugriff auf die von dem nationalen Mitglied im Fallbearbeitungssystem gespeicherten
Informationen gewährt wird. Eingeschränkt wird dieses Ermessen durch die Vorgabe in
Artikel 25 Absatz 3 der Eurojust-Verordnung in Bezug auf die Eurojust-Anlaufstelle für
Terrorismusfragen, da nur sie Zugriff auf Informationen über Terrorismusfälle haben darf, die auf
der Grundlage von Artikel 21a der Eurojust-Verordnung übersandt werden.
In Bezug auf den danach verbleibenden Ermessensspielraum des nationalen Mitglieds
regelt § 8 Absatz 3 EJG-E, dass sich dessen Entscheidung an den Zwecken der
Strafrechtspflege orientieren muss. Die Entscheidung zum Umfang des Zugangs bezieht sich gemäß
Artikel 25 Absatz 1 Buchstabe a der Eurojust-Verordnung auf alle Daten, für die das
nationale Mitglied verantwortlich ist. Das betrifft gemäß Artikel 24 Absatz 1 der Eurojust-
Verordnung alle Daten, die dem nationalen Mitglied auf der Grundlage der Eurojust-
Verordnung oder anderer anwendbarer Rechtsakte übermittelt wurden und die dieser im
Fallbearbeitungssystem speichert. Insoweit ist Satz 1 einschlägig. Ferner bezieht sich die – aus
deutscher Perspektive – vom deutschen nationalen Mitglied zu treffende Entscheidung
gemäß Artikel 25 Absatz 1 Buchstabe b der Eurojust-Verordnung auf alle Daten, für die
nationale Mitglieder anderer Mitgliedstaaten verantwortlich sind und zu denen dem deutschen
nationalen Mitglied Zugriff gewährt wurde. Insoweit hat das deutsche nationale Mitglied
jedoch zusätzlich zu prüfen, ob bzw. inwieweit das verantwortliche nationale Mitglied den
Zugriff für die einschlägigen deutschen Anlaufstellen verweigert hat. Diese Regelung findet
sich in § 8 Absatz 3 Satz 2 EJG-E.
Das Erfordernis aus Artikel 25 Absatz 3 der Eurojust-Verordnung alte Fassung, nach der
jeder Mitgliedstaat nach Anhörung seines nationalen Mitglieds darüber entscheidet, in
welchem Umfang in diesem Mitgliedstaat Stellen bzw. Personen nach Artikel 20 Absatz 3 der
Eurojust-Verordnung der Zugang zum Index gewährt wird, sofern sie an das
Fallbearbeitungssystem angebunden sind, ist in der Neufassung von Artikel 25 der Eurojust-
Verordnung entfallen. Gleichwohl gilt für die Durchführung weiterhin, dass ein Zugriff aller
deutschen Eurojust-Anlaufstellen, die auf der Grundlage von Artikel 20 Absatz 3 Buchstabe a,
b und c der Eurojust-Verordnung eingesetzt sind, grundsätzlich zulässig ist.
Das nationale Mitglied übt die Entscheidung über den Umfang des Zugriffs auf die von ihm
im Fallbearbeitungssystem gespeicherten Daten durch die in Artikel 20 Absatz 3
Buchstabe a, b und c der Eurojust-Verordnung benannten Eurojust-Anlaufstellen auf der
Grundlage der Eurojust-Verordnung unter Berücksichtigung der Vorgabe zum
Ermessensspielraum in § 8 Absatz 3 EJG-E, mithin unter Berücksichtigung der Zwecke der
Strafrechtspflege, aus. An dem grundsätzlichen Konzept von § 8 Absatz 3 und 4 EJG in seiner
bisherigen Fassung soll hier also nichts geändert werden.
Zu Absatz 4
1. Soweit § 8 EJG alte Fassung in Absatz 3 die Regelung zum Index und in Absatz 4 die
Regelung zu den Arbeitsdateien umfasst, ist diese Differenzierung nicht mehr
erforderlich, da eine Unterscheidung zwischen dem Index und den Arbeitsdateien in Artikel 25
Absatz 1 der Eurojust-Verordnung im Zuge der Verordnung 2023/2131 nicht mehr
erfolgt. § 8 Absatz 3 Satz 1 EJG-E regelt daher die Ermessensausübung für die vom
deutschen nationalen Mitglied gespeicherten Daten insgesamt. Der Regelungsgehalt
von § 8 Absatz 4 Satz 2 EJG alte Fassung wird in § 8 Absatz 3 Satz 2 EJG-E mit einer
redaktionellen Anpassung aufgenommen.
2. Der neue Regelungsgehalt von § 8 Absatz 4 EJG-E enthält Vorgaben zur
Durchführung von Artikel 25 Absatz 4 Eurojust-Verordnung. Nach dieser Vorschrift kann jeder
Mitgliedstaat nach Konsultation seines nationalen Mitglieds entscheiden, dass Stellen
oder Personen nach Artikel 20 Absatz 3 Buchstabe a, b und c der Eurojust-Verordnung
innerhalb der in Artikel 25 Absatz 1, 2 und 3 der Eurojust-Verordnung genannten
Beschränkungen Informationen, die ihren Mitgliedstaat betreffen, in das
Fallbearbeitungssystem eingeben dürfen. Das Kollegium bei Eurojust legt dabei die Einzelheiten der
praktischen Umsetzung von Artikel 25 Absatz 4 Satz 1 der Eurojust-Verordnung fest.
Aus Artikel 25 Absatz 4 der Eurojust-Verordnung folgt, dass die in Artikel 20 Absatz 3
der Eurojust-Verordnung genannten nationalen Eurojust-Anlaufstellen (Buchstabe a),
die in der Bundesrepublik Deutschland nicht existente nationale Eurojust-Anlaufstelle
für Angelegenheiten mit Bezug zur Zuständigkeit der Europäischen Staatsanwaltschaft
(Buchstabe b) und die nationalen Eurojust-Anlaufstellen für Terrorismusfragen
(Buchstabe c) die Befugnis erhalten können, Daten eigenständig in das
Fallbearbeitungssystem einzugeben, die sodann im Verantwortungsbereich des nationalen Mitglieds
liegen. Da die Beschränkungen aus Artikel 25 Absatz 1, 2 und 3 der Eurojust-Verordnung
zu beachten sind, kann die Eingabe dieser Daten nur Informationen betreffen, die für
die Zwecke der Strafrechtspflege relevant sind (Artikel 25 Absatz 2 Eurojust-
Verordnung in Verbindung mit § 8 Absatz 1 bis 3 EJG-E). Ferner können Eurojust-
Anlaufstellen für Terrorismusfragen mit Blick auf Artikel 25 Absatz 3 der Eurojust-Verordnung nur
Informationen eingeben, die nach den Vorgaben von Artikel 21a der Eurojust-
Verordnung übermittelt werden.
Der Wortlaut von Artikel 25 Absatz 4 der Eurojust-Verordnung lässt offen, ob sich die
Eingabebefugnis von Daten grundsätzlich nur auf die einschlägigen deutschen
Anlaufstellen bezieht oder auch auf die einschlägigen Anlaufstellen anderer Mitgliedstaaten
beziehen kann. Zwar dürfen die Anlaufstellen nur Informationen eingeben, die ihren
Mitgliedstaat betreffen. Das schließt aber nicht zwingend aus, dass es sich bei diesen
Daten, die die einschlägigen Anlaufstellen anderer Mitgliedstaaten eingeben könnten,
gleichzeitig um Informationen handelt, die auch für die Bundesrepublik Deutschland
interessant sind. Allerdings sollten derartige Informationen anderer Mitgliedstaaten
nicht für die Bundesrepublik Deutschland in das Fallbearbeitungssystem eingegeben
werden, sondern vielmehr im Verantwortungsbereich des nationalen Mitglieds des
jeweiligen Mitgliedstaats verbleiben, dem die einschlägige Anlaufstelle zugehörig ist.
Dieses nationale Mitglied kann dem deutschen nationalen Mitglied sodann gegebenenfalls
den Zugriff auf diese Daten gestatten. Die Bewilligung der Eingabebefugnis kommt
daher nur für einschlägige Anlaufstellen der Bundesrepublik Deutschland in Betracht.
Darüber hinaus wird von der Bundesrepublik Deutschland in § 8 Absatz 4 EJG-E die
Vorgabe gemacht, dass die Eingabebefugnis die Effizienz des Arbeitsablaufs fördern
muss. Grundsätzlich denkbar wäre dies zum Beispiel für die deutsche nationale
Eurojust-Anlaufstelle für Terrorismusfragen, die regelmäßig die Informationen aus
Artikel 21a der Eurojust-Verordnung an Eurojust übermitteln und aktualisieren muss. Zu
beachten ist aber – auch mit Blick auf die Arbeitseffizienz –, dass die konkreten
Eingaben gemäß Artikel 25 Absatz 4 Satz 2 der Eurojust-Verordnung stets der Validierung
durch das jeweilige nationale Mitglied unterliegen, das weiterhin für die Verwaltung
dieser Daten gemäß Artikel 24 Absatz 1 Unterabsatz 2 der Eurojust-Verordnung
verantwortlich bleibt. Gemäß Erwägungsgrund 24 der Verordnung 2023/2131 ist es wichtig,
dass die Kontrolle und Verantwortung der nationalen Mitglieder für die Daten, die sie
von den zuständigen nationalen Behörden empfangen, erhalten bleibt. Die
Entscheidung über die Genehmigung der Eingabebefugnis trifft das Bundesministerium der
Justiz und für Verbraucherschutz entsprechend nach Konsultation mit dem deutschen
nationalen Mitglied. Zwar unterliegt das deutsche nationale Mitglied gemäß § 2 Absatz 2
EJG der fachlichen Weisungen des Bundesministeriums der Justiz, so dass letztlich
das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz über die
Eingabebefugnis entscheidet. Allerdings stellt die vorangehende Konsultation mit dem deutschen
nationalen Mitglied einen wichtigen Aspekt der Entscheidungsfindung dar, der unter
anderem wichtige Anhaltspunkte im Hinblick auf die Arbeitseffizienz liefert. Soweit dies
für die Entscheidungsfindung erforderlich ist, bindet das Bundesministerium der Justiz
und für Verbraucherschutz auch andere betroffene Akteure wie zum Beispiel die
Landesjustizverwaltungen ein. Gemäß Artikel 25 Absatz 4 der Eurojust-Verordnung
entscheidet der Mitgliedstaat über die Befugnis zur Dateneingabe. Für die Bundesrepublik
Deutschland entfällt die Entscheidungsbefugnis auf das Bundesministerium der Justiz
und für Verbraucherschutz als zuständiges Ressort der Bundesregierung.
Die Entscheidung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz
bezieht sich auf die generelle Genehmigung der Eingabe von Daten und nicht auf die
jeweiligen konkreten Dateneingaben im Einzelfall. So könnte etwa der Eurojust-
Anlaufstelle für Terrorismusfragen die grundsätzliche Befugnis zur Eingabe der gemäß
Artikel 21a der Eurojust-Verordnung an Eurojust zu übermittelnden Daten übertragen
werden. Auf dieser Grundlage würde die Eurojust-Anlaufstelle für Terrorismusfragen
sodann die jeweiligen Daten in das Fallbearbeitungssystem bei Eurojust eingeben dürfen,
die sodann jeweils vom deutschen nationalen Mitglied validiert werden müssten. Die
Eingabebefugnis von Daten durch eine der Eurojust-Anlaufstellen nach Artikel 20
Absatz 3 Buchstabe a, b und c der Eurojust-Verordnung setzt voraus, dass die
technische Möglichkeit zur Dateneingabe besteht. Gemäß Artikel 25 Absatz 4 Satz 2 der
Eurojust-Verordnung legt das Kollegium von Eurojust hierzu die Einzelheiten der
praktischen Umsetzung fest.
Zu Absatz 5
Mit § 8 Absatz 5 EJG-E wird die Einbindung derjenigen zuständigen Stelle, von der die
Daten oder Informationen stammen, in die Entscheidungsfindung nach § 8 Absatz 1, 2 und 3
Satz 1 EJG-E sichergestellt. In der Regel ist davon auszugehen, dass Daten zu
strafrechtlichen Ermittlungen, die dem nationalen Mitglied vorliegen, über die Gewährung von
Zugriffsrechten auf diese Daten und im Einklang mit den Zwecken der Strafrechtspflege mit
den nationalen Mitgliedern anderer Mitgliedstaaten geteilt werden. Im Einzelfall kann jedoch
eine Weitergabe dieser Daten nicht anzuraten sein, etwa um die laufenden Ermittlungen
oder die Sicherheit einer Person nicht zu gefährden oder wenn die Weitergabe von
Informationen wesentlichen Sicherheitsinteressen des betreffenden Mitgliedstaates
zuwiderlaufen würde (vergleiche Artikel 21a Absatz 2 der Eurojust-Verordnung). Das nationale
Mitglied trifft daher Entscheidungen nach § 8 Absatz 1, 2 und 3 Satz 1 EJG-E im
Einvernehmen mit den deutschen Staatsanwaltschaften oder Gerichten (vergleiche im Einzelnen
Bundestagsdrucksache 19/13451, S. 24). Für Entscheidungen nach § 8 Absatz 3 Satz 2 EJG-E
ist eine verpflichtende Abstimmung jedoch nicht erforderlich, weil insoweit nur Daten
betroffen sein können, die von einem nationalen Mitglied eines anderen Mitgliedstaats angelegt
wurden.
Zu Nummer 6 (Änderung der §§ 9 Absatz 1, 10 Absatz 1 in der Angabe vor
Nummer 1 und Absatz 2 sowie § 11 Nummer 1 und 2 EJG)
Es wird jeweils nach der Angabe „Eurojust-Verordnung“ die Angabe „in der Fassung vom
4. Oktober 2023“ eingefügt, um deutlich zu machen, dass es sich um statische
Verweisungen handelt.
Zu Artikel 2 (Änderung der EJTAnV)
Zu Nummer 1 (Neufassung des § 1 EJTAnV)
Im Wesentlichen hat der europäische Gesetzgeber mit der Verordnung 2023/2131 die sich
aus dem Beschluss 2005/671/JI ergebenden Verpflichtungen zum Informationsaustausch
bei Terrorismusfällen in die Eurojust-Verordnung überführt. Soweit jeder Mitgliedstaat
gemäß Artikel 2 Absatz 2 des Beschlusses 2005/671/JI eine nationale Eurojust-Anlaufstellte
für Terrorismusfragen schaffen sollte, ist dieser Regelungsgehalt in Artikel 20 Absatz 2a
der Eurojust-Verordnung aufgegangen und Artikel 2 Absatz 2 des Beschlusses 2005/671/JI
im Gegenzug der Löschung anheimgefallen. Bereits vor Änderung der Eurojust-Verordnung
hatte Artikel 20 Absatz 3 Buchstabe c der Eurojust-Verordnung eine nationale Eurojust-
Anlaufstelle für Terrorismusfragen vorgesehen. In § 1 ist daher neben der letztgenannten
Norm nunmehr auch Artikel 20 Absatz 2a der Eurojust-Verordnung zu nennen. (Zur
Benennung des Generalbundesanwalts beim Bundesgerichtshof siehe im Einzelnen auch
Bundesratsdrucksache 798/04, S. 6.)
Zu Nummer 2 (Änderung des § 2 Absatz 1 EJTAnV)
Aufgrund der Überführung des Regelungsinhalts über den Austausch von Informationen
über Terrorismusfälle aus Artikel 2 Absatz 3 und 5 des Beschlusses 2005/671/JI in
Artikel 21a Absatz 1 und 4 der Eurojust-Verordnung ist die entsprechende Anpassung
erforderlich. Artikel 21a Absatz 1 der Eurojust-Verordnung statuiert die Verpflichtung der
Übermittlung von Informationen zu allen strafrechtlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit
terroristischen Straftaten. Artikel 21a Absatz 4 der Eurojust-Verordnung verweist zu den
konkret zu übermittelnden Informationen auf Anhang III der Eurojust-Verordnung, mit dem
die ursprünglich in Artikel 2 Absatz 5 des Beschlusses 2005/671/JI genannten
Informationen konkretisiert werden. Die Übersendung der in Anhang III Buchstabe d der Eurojust-
Verordnung genannten Fingerabdrücke und Lichtbilder ist nicht verpflichtend (siehe auch
oben, A.I.1.).
Zu Nummer 3 (Änderung des § 3 EJTAnV)
Zu Buchstabe a (Änderung des § 3 Absatz 1 EJTAnV)
Aufgrund der Überführung des Regelungsinhalts über den Austausch von Informationen
über Terrorismusfälle aus Artikel 2 Absatz 3 und 5 des Beschlusses 2005/671/JI in
Artikel 21a Absatz 1 und 4 der Eurojust-Verordnung sind die in § 3 Absatz 1 und 2 EJTAnV-E
vorgenommenen Anpassungen erforderlich (vergleiche im Einzelnen oben Begründung zu
§ 2 Absatz 1 EJTAnV-E). Im Rahmen von § 3 Absatz 1 EJTAnV-E haben die Länder zu
beachten, dass bezüglich bereits an den Generalbundesanwalt übersandter Daten auch
Änderungen an diesen Daten mitzuteilen sind, die die Länder als Strafverfolgungsbehörden
erhoben haben. Gemäß Artikel 21a Absatz 5 der Eurojust-Verordnung unterrichten die
zuständigen nationalen Behörden ihre nationalen Mitglieder unverzüglich und, sofern möglich,
zehn Tage nach Eintreten einer Änderung, über alle Änderungen an den übermittelten
Informationen. Ausnahmen von dieser Verpflichtung ergeben sich aus Artikel 21a Absatz 2
der Eurojust-Verordnung, wenn die Weitergabe dieser Informationen eine laufende
Ermittlung oder die Sicherheit einer Person gefährden würde oder die Weitergabe von
Informationen wesentlichen Sicherheitsinteressen des betreffenden Mitgliedstaats zuwiderlaufen
würde.
Zu Buchstabe b (Änderung des § 3 Absatz 2 EJTAnV)
Siehe Begründung zu § 3 Absatz 1 EJTAnV-E.
Zu Nummer 4 (Änderung des § 4 Absatz 3 EJTAnV)
Bislang war Artikel 21 der Eurojust-Verordnung die allein einschlägige Rechtsgrundlage für
den Informationsaustausch mit den Mitgliedstaaten und zwischen den nationalen
Mitgliedern. Mit Einführung von Artikel 21a der Eurojust-Verordnung stellt nunmehr diese
speziellere Vorschrift eine spezielle Rechtsgrundlage für die Durchführung des
Informationsaustausches über Terrorismusfälle bereit. § 4 Absatz 3 EJTAnV-E ist daher entsprechend
anzupassen.
Als unmittelbar geltendes Unionsrecht bedarf Artikel 21a der Eurojust-Verordnung keiner
nationalen Umsetzung. Zudem verbieten sich wortgleiche Wiederholungen einer
Verordnung der Europäischen Union im nationalen Recht, um Unklarheiten über Urheberschaft
und Geltungsrang der Normen zu vermeiden (vergleiche Bundestagsdrucksache 19/13451,
S. 12). Das Prozedere des Informationsaustausches ist daher Artikel 21a der Eurojust-
Verordnung unmittelbar zu entnehmen.
Erfasst werden gemäß Artikel 21a Absatz 3 der Eurojust-Verordnung Informationen über
alle terroristischen Straftaten, die in der Richtlinie (EU) 2017/541 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 15. März 2017 zur Terrorismusbekämpfung und zur Ersetzung
des Rahmenbeschlusses 2002/475/JI des Rates und zur Änderung des Beschlusses
2005/671/JI des Rates (ABl. L 88 vom 31. März 2017, S. 6) aufgeführt sind. Die zu
übermittelnden Informationen ergeben sich gemäß Artikel 21a Absatz 4 der Eurojust-
Verordnung aus Anhang III der Eurojust-Verordnung. Die dort aufgeführten Informationen
konkretisieren zum einen die vormals gemäß Artikel 2 Absatz 5 des Beschlusses 2005/671/JI zu
übermittelnden Informationen, gehen zum anderen aber teilweise – etwa in Bezug auf
Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Angaben zu Konten bei Banken oder anderen
Finanzinstitutionen – auch darüber hinaus. Soweit unter Buchstabe d von Anhang III der Eurojust-
Verordnung Daten zu Fingerabdrücken und Lichtbilder genannt werden, wird in Artikel 21a
Absatz 4 der Eurojust-Verordnung klargestellt, dass diese Informationen unter bestimmten
Bedingungen übermittelt werden können. Eine Übermittlungsverpflichtung besteht insoweit
hingegen nicht.
Hinsichtlich der Frage des Verfahrensstadiums, dem die zu übersendenden Informationen
zu entnehmen sind, nimmt Artikel 21a Absatz 1 der Eurojust-Verordnung den
Regelungsgehalt von § 2 Absatz 3 des Beschlusses 2005/671/JI auf. In zeitlicher Hinsicht wird die
Übermittlungsverpflichtung in Artikel 21a Absatz 1 der Eurojust-Verordnung dahingehend
konkretisiert, dass die nationalen Mitglieder über alle unter der Aufsicht von Justizbehörden
laufenden oder abgeschlossenen strafrechtlichen Ermittlungen zu informieren sind, sobald
der Fall an die Justizbehörden verwiesen wird. Dies ist ausweislich Erwägungsgrund 14 der
Verordnung 2023/2131 der Fall, wenn die Justizbehörde beispielsweise über eine laufende
Ermittlung unterrichtet wird, eine Ermittlungsmaßnahme genehmigt oder anordnet oder
beschließt, die Strafverfolgung aufzunehmen. Die Übermittlung von Informationen kann
gemäß Artikel 21a Absatz 2 der Eurojust-Verordnung unterbleiben, wenn mit der Weitergabe
laufende Ermittlungen oder die Sicherheit einer Person gefährdet würde (Buchstabe a) oder
die Weitergabe wesentlichen Sicherheitsinteressen des betreffenden Mitgliedstaats
zuwiderlaufen würde (Buchstabe b). Derartige Abweichungen sollten gemäß Erwägungsgrund
17 der Verordnung 2023/2131 aber nur unter außergewöhnlichen Umständen und lediglich
in Einzelfällen erfolgen.
Zu melden sind ferner einschlägige abgeschlossene strafrechtliche Ermittlungen, wobei
sich die Verarbeitung operativer personenbezogener Daten bei rechtskräftigen
Verfahrenseinstellungen oder Freisprüchen nach dem neu eingeführten Artikel 27 Absatz 4 und 5 der
Eurojust-Verordnung richtet. Eurojust kann die operativen personenbezogenen Daten nach
rechtskräftigen Freisprüchen und Verfahrenseinstellungen weiterverarbeiten, um
Verbindungen zwischen laufenden, künftigen oder abgeschlossenen Ermittlungen und
Strafverfolgungsmaßnahmen zu ermitteln. Dies gilt allerdings nur, wenn die zuständige nationale
Behörde nichts anderes beschließt. Entscheidet diese, dass die Verarbeitung der Daten
von freigesprochenen oder strafrechtlich nicht verfolgten Personen nicht erforderlich ist, so
sollten diese Daten gelöscht werden (vergleiche Erwägungsgrund 28 der Verordnung
2023/2131). Daraus folgt, dass die zuständige nationale Behörde selbst aktiv werden muss,
wenn die Daten gelöscht werden sollen. Die Löschung unterliegt mithin keinem
Automatismus.
Bereits an Eurojust übermittelte Information müssen gemäß Artikel 21a Absatz 6 der
Eurojust-Verordnung nicht erneut übermittelt werden. Soweit zu bereits übermittelten
Informationen Aktualisierungen vorliegen, sollen diese gemäß Artikel 21a Absatz 5 der Eurojust-
Verordnung – sofern möglich – spätestens zehn Tage nach Änderung übermittelt werden.
Gemäß Artikel 22 Absatz 3 der Eurojust-Verordnung übermitteln die zuständigen
nationalen Behörden die Informationen, auf die in Artikel 21 und 21a der Eurojust-Verordnung
Bezug genommen wird, aus den nationalen Registern halbautomatisch und auf strukturierte
Weise (vergleiche im Einzelnen Erwägungsgründe 18 ff. der Verordnung 2023/2131 und
hier insbesondere Erwägungsgrund 22 der Verordnung 2023/2131).
Die Einzelheiten für eine solche Übermittlung werden von der Europäischen Kommission
im Benehmen mit Eurojust durch einen Durchführungsrechtsakt gemäß Artikel 22b der
Eurojust-Verordnung festgelegt. Er ist gemäß Artikel 22b Absatz 2 der Eurojust-Verordnung
bis zum 1. November 2025 zu erlassen. Die zuständigen nationalen Behörden können unter
den Voraussetzungen von Artikel 80 Absatz 11 der Eurojust-Verordnung bis zum ersten
Tag des Monats, der auf den Zeitraum von zwei Jahren nach dem Tag des Inkrafttretens
des Durchführungsrechtsaktes nachfolgt, weiterhin Informationen gemäß Artikel 22a
Absatz 3 der Eurojust-Verordnung auf andere Weise als halbautomatisch übermitteln
(vergleiche auch oben § 8 EJG-E).
Zu Nummer 5 (Einfügen des Absatzes 3 in § 5 EJTAnV)
Gemäß Artikel 27 Absatz 5 Buchstabe a der Eurojust-Verordnung kann Eurojust die in
Anhang III der Eurojust-Verordnung aufgeführten operativen personenbezogenen Daten von
Personen verarbeiten, in Bezug auf welche nach dem nationalen Recht des betreffenden
Mitgliedstaats ernsthafte Gründe für die Annahme bestehen, dass sie eine Straftat
begangen haben oder im Begriff sind, eine Straftat zu begehen, die in die Zuständigkeit von
Eurojust fällt. Sofern die zuständige nationale Behörde nicht im Einzelfall anders entscheidet,
gilt dies auch nach rechtskräftigem Abschluss des nationalen Verfahrens, und zwar auch
im Falle eines Freispruchs oder einer rechtskräftigen Entscheidung, das Verfahren
einzustellen.
Daraus folgt, dass die zuständigen nationalen Behörden von sich aus aktiv werden müssen,
wenn eine weitere Speicherung dieser Daten insbesondere nach rechtskräftigen
Freisprüchen oder Verfahrenseinstellungen nicht mehr zulässig ist. Soweit es sich um Verfahren
handelt, die bei den Ländern geführt werden, müssen die deutschen Staatsanwaltschaften
der Länder den Generalbundesanwalt darüber informieren. Soweit es sich um Verfahren
handelt, die beim Generalbundesanwalt selbst geführt werden, trifft der
Generalbundesanwalt diesbezügliche Entscheidungen selbst. In beiden Fällen muss der
Generalbundesanwalt in seiner Funktion als nationale Anlaufstelle für Terrorismusfragen entsprechende
Vorgaben der Länder beziehungsweise entsprechende eigene Entscheidungen unverzüglich
Eurojust mitteilen, wenn die nach § 4 übermittelten Informationen zu löschen sind, damit
diese dort im Einklang mit Artikel 29 Absatz 1 Buchstabe a der Eurojust-Verordnung
gelöscht werden können.
Die Entscheidung darüber, hinsichtlich welcher Daten gegenüber Eurojust die Löschung
erklärt werden muss, treffen die Länder beziehungsweise der Generalbundesanwalt nach
Maßgabe von § 489 StPO (Löschung und Einschränkung der Verarbeitung von Daten).
Zu Artikel 3 (Inkrafttreten)
Die Vorschrift regelt das Inkrafttreten des Gesetzes entsprechend den Vorgaben aus
Ziffer I.4 des Arbeitsprogramms Bessere Rechtssetzung aus dem Jahr 2018.
- 19 - Drucksache 641/25]
Relationen
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- part_of_vorgang → Erstes Gesetz zur Änderung des Eurojust-Gesetzes (Gesetzentwurf)