Ausbreitung der Nonnengans in Deutschland - Schutzstatus und Auswirkungen auf die Landwirtschaft
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Ausbreitung der Nonnengans in Deutschland - Schutzstatus und Auswirkungen auf die Landwirtschaft
Deutscher Bundestag Drucksache 21/6160
21. Wahlperiode 28.05.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Danny Meiners, Stephan Protschka, Bernd Schattner, Peter
Felser, Julian Schmidt, Christian Reck, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos,
Steffen Janich, Enrico Komning, Lars Schieske, Stefan Schröder, Dario Seifert
und der Fraktion der AfD
Ausbreitung der Nonnengans in Deutschland – Schutzstatus und Auswirkungen
auf die Landwirtschaft
Die Bestände der Nonnengans haben in den vergangenen Jahren in Deutschland
und Nordwesteuropa stark zugenommen. Gleichwohl unterliegt die Art
weiterhin einem strengen Schutzregime nach der europäischen Vogelschutzrichtlinie
(Richtlinie 2009/147/EG), welches eine reguläre Bejagung grundsätzlich
ausschließt.
Diese Entwicklung führt insbesondere in landwirtschaftlich intensiv genutzten
Regionen zu zunehmenden Nutzungskonflikten. Nach Angaben des
Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz kommt es insbesondere in den Küstenregionen zu erheblichen
Fraßschäden durch Wildgänse, die zu spürbaren Ertragseinbußen auf
landwirtschaftlichen Flächen führen (www.ml.niedersachsen.de/startseite/themen/landwirtscha
ft/tierhaltung/weidetiere/wildgaense-153991.html). Die wirtschaftlichen
Belastungen für betroffene landwirtschaftliche Betriebe sind erheblich.
Die Problematik ist keineswegs auf Niedersachsen beschränkt. Auch in
weiteren norddeutschen Bundesländern sowie zunehmend in Binnenregionen
Deutschlands wird von vergleichbaren Entwicklungen berichtet. Damit handelt
es sich um ein überregionales Problem mit wachsender Dynamik.
Das Bundesamt für Naturschutz bestätigt zunehmende Konflikte zwischen
wachsenden Beständen geschützter Gänsearten und der landwirtschaftlichen
Nutzung (www.bfn.de/thema/gaensemanagement). Gleichzeitig zeigen
Untersuchungen aus dem Umfeld des Naturschutzbunds Deutschland (NABU), dass
Gänsefraß zu erheblichen Biomasseverlusten und damit zu relevanten
Nutzungseinschränkungen führen kann (www.nabu.de/natur-und-landschaft/landnu
tzung/landwirtschaft/gaensemanagement.html).
Auch auf europäischer Ebene weist die European Environment Agency auf
stark wachsende Wildgansbestände und zunehmende Nutzungskonflikte mit der
Landwirtschaft hin (www.eea.europa.eu).
Vor diesem Hintergrund stellt sich den Fragestellern die Frage, ob das
bestehende Schutzregime noch der tatsächlichen Bestandsentwicklung entspricht
oder ob die Bundesregierung trotz wachsender Probleme ausreichende
Maßnahmen zur Begrenzung landwirtschaftlicher Schäden ergreift.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Bestand der
Nonnengans in Deutschland in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte jährlich
und nach Bundesländern aufschlüsseln)?
2. Über welche belastbaren Daten verfügt die Bundesregierung zum
tatsächlichen Umfang landwirtschaftlicher Schäden durch Nonnengänse in
Deutschland?
3. In welchen Regionen Deutschlands treten nach Kenntnis der
Bundesregierung besonders hohe Schadensintensitäten auf, und wie werden diese
quantifiziert?
4. In welcher Höhe sind nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten
zehn Jahren Entschädigungszahlungen für durch Nonnengänse
verursachte Schäden geleistet worden (bitte nach Jahren und Bundesländern
aufschlüsseln)?
5. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über nicht kompensierte
Schäden und daraus resultierende wirtschaftliche Belastungen
landwirtschaftlicher Betriebe vor?
6. Auf welcher Datengrundlage bewertet die Bundesregierung den aktuellen
Schutzstatus der Nonnengans trotz steigender Bestände als weiterhin
angemessen?
7. Welche konkreten Schwellenwerte oder Kriterien legt die
Bundesregierung zugrunde, um eine Anpassung des Schutzstatus auf europäischer
Ebene zu prüfen?
8. Welche Initiativen hat die Bundesregierung seit Beginn der laufenden
Wahlperiode auf EU-Ebene ergriffen, um eine Neubewertung des
Schutzstatus der Nonnengans zu erreichen?
9. Wenn keine Initiativen ergriffen wurden (vgl. Frage 8), welche fachlichen
oder politischen Gründe sprechen aus Sicht der Bundesregierung
dagegen?
10. Welche konkreten rechtlichen und administrativen Hürden bestehen nach
Kenntnis der Bundesregierung ggf. bei der Anwendung von
Ausnahmeregelungen gemäß Artikel 9 der Vogelschutzrichtlinie?
11. In welchem Umfang werden solche Ausnahmeregelungen (vgl. Frage 10)
in den Bundesländern tatsächlich genutzt, und welche Unterschiede
bestehen dabei?
12. Welche konkreten Maßnahmen zur Vergrämung oder Bestandsregulierung
werden nach Kenntnis der Bundesregierung gegen Nonnengänse derzeit
angewendet, und welche quantifizierbaren Effekte sind damit ggf. erzielt
worden?
13. Welche wissenschaftlich belastbaren Erkenntnisse liegen der
Bundesregierung ggf. zur Wirksamkeit dieser Maßnahmen vor (vgl. Frage 12)?
14. Welche Gründe sprechen aus Sicht der Bundesregierung ggf. gegen
bundeseinheitliche Mindeststandards im Umgang mit stark wachsenden
Populationen geschützter Arten?
15. Welche konkreten Unterstützungsmaßnahmen stellt der Bund den Ländern
zur Verfügung, und in welchem Umfang werden diese tatsächlich in
Anspruch genommen?
16. In welchem Stand befinden sich etwaige Planungen der Bundesregierung
für einen bundesweiten Managementplan für Wildgänse?
17. Welche finanziellen Mittel wurden in den letzten fünf Jahren für die
Forschung, das Monitoring und Management von Wildganspopulationen
bereitgestellt (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
18. In welchen Punkten sieht die Bundesregierung ggf. Anpassungsbedarf im
Bundesnaturschutzrecht im Hinblick auf stark zunehmende Populationen
geschützter Arten?
19. Welche konkreten politischen und rechtlichen Schritte plant die
Bundesregierung innerhalb der laufenden Wahlperiode, um die dokumentierten
Schäden durch Nonnengänse wirksam zu begrenzen?
Berlin, den 26. Mai 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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