Fragen zu an öffentlichen Schulen stattfindenden Lesungen des Anti-AfD-Aktivisten Jakob Springfeld (Antwort zu Drs. 21/5709)
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Fragen zu an öffentlichen Schulen stattfindenden Lesungen des Anti-AfD-Aktivisten Jakob Springfeld (Antwort zu Drs. 21/5709)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5988
21. Wahlperiode 19.05.2026
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Martin Reichardt, Sebastian Maack,
Gereon Bollmann, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 21/5709 –
Fragen zu an öffentlichen Schulen stattfindenden Lesungen des Anti-AfD-
Aktivisten Jakob Springfeld
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Am 14. April 2026 meldeten mehrere Nachrichtenportale, dass der Buchautor
und Linksaktivist Jakob Springfeld am Folgetag im niedersächsischen
Barsinghausen am dortigen Hannah-Arendt-Gymnasium eine Lesung aus seinem
Buch „Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten passiert. Warum das
Erstarken der Rechten eine Bedrohung für uns alle ist“ abhalten werde (vgl.
https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2026/schueler-werden-zu-veranstal
tung-der-omas-gegen-rechts-verpflichtet/; zuletzt abgerufen am 14. April
2026).
Aus einem veröffentlichten Informationsschreiben eines am genannten
Gymnasium tätigen und für das Fach Politik verantwortlichen Oberstudienrates zur
Veranstaltung geht hervor, dass „die Jahrgänge 9 und 10 geschlossen“ an der
Lesung teilnehmen würden. Ferner werde die Veranstaltung während der
fünften und sechsten Unterrichtsstunde in der Aula des Gymnasiums stattfinden
und von den ortsansässigen „Omas gegen Rechts“ organisiert (https://nius.de/
gesellschaft/schulen-verpflichten-schueler-zu-omas-gegen-rechts-lesungen,
zuletzt abgerufen am 14. April 2026).
Auf der Internetseite des Gymnasiums wird die Lesung mit Jakob Springfeld
u. a. dahingehend angekündigt, dass die Lesung „[…] ein aktueller Beitrag zur
eigenständigen Meinungsbildung im Rahmen der politischen Bildung sei. […]
Die Lesung wird organisiert von der Fachgruppe Politik und den ‚Omas gegen
Rechts‘, Barsinghausen“ (www.han-nah.de/aktuelles/anzeige/nachricht/detail
s/einzel/lesung-mit-jakob-springfeld.html, zuletzt abgerufen am 14. April
2026).
Die Schulleiterin des Barsinghäuser Gymnasiums soll auf Anfrage hin zu
verstehen gegeben haben, dass während der Veranstaltung mit Jakob Springfeld
keine Gegenpositionen zu seinen Ausführungen diskutiert werden sollen. Die
Lesung werde allerdings im Unterricht „vor- und nachbereitet“ werden
(https://nius.de/gesellschaft/schulen-verpflichten-schueler-zu-omas-gegen-rec
hts-lesungen, zuletzt abgerufen am 14. April 2026).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren,
Frauen und Jugend vom 18. Mai 2026 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Auch am Matthias-Claudius-Gymnasium im benachbarten Gehrden soll Jakob
Springfeld in den Morgenstunden des 15. April 2026 in der Schulaula vor
Schülern der elften und zwölften Jahrgangsstufe aus seinem Buch „Unter
Nazis. Jung, ostdeutsch, gegen rechts“ vorlesen (https://mcg.gehrden.de/portal/m
eldungen/aktueller-terminplan-98-60.html?rubrik=618, zuletzt abgerufen am
14. April 2026). Aus ebendiesem Buch wollte Jakob Springfeld bereits vor
Jahren an der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (FH)
vortragen. Doch die Hochschulleitung erteilte der geplanten Veranstaltung im
November 2023 eine Absage, und zwar mit der Begründung, dass der Auftrag
der Hochschule Lehre und Forschung und Springfelds Buchvorstellung „zu
politisch“ sei (www.htwk-leipzig.de/hochschule/aktuelles/newsdetail/artikel/u
nter-nazis-an-der-htwk-leipzig, zuletzt abgerufen am 14. April 2026).
In seinem in Barsinghausen auf dem Programm stehenden Buch „Der Westen
hat keine Ahnung, was im Osten passiert“ stellt Springfeld u. a. bedauernd die
Behauptung auf, dass „Ampel und CDU […] AfD-Politik […] betreiben“
würden, die politische Brandmauer gegen die Alternative für Deutschland (AfD)
„schon lange gefallen“ sei, und hält in diesem Zusammenhang fest: „Ja,
staatliche Behörden, die Bundeswehr, unser Justizsystem […] sind Teil des
Problems“ (Jakob Springfeld, Der Westen hat keine Ahnung, was im Osten
passiert. Warum das Erstarken der Rechten eine Bedrohung für uns alle ist, Köln
2024, S. 57,117,147).
In seinem in Gehrden auf dem Programm stehenden Buch berichtet Jakob
Springfeld von einer Demonstration gegen eine Kundgebung der AfD in
Zwickau: „Ich bin aus Halle gekommen, um mit meinen Freund*innen ordentlich
Lärm zu machen. ,Fuck AfD!‘ Wir fühlen uns stark […] Doch […] als die
Demo endet, kippt die Stimmung. Die Polizei fordert uns auf, die
Zigarettenstummel, die an dem Ort unseres Gegenprotests rumliegen, zu entsorgen. Mir
kommt das wie Schikane vor“ (Jakob Springfeld mit Issio Ehrlich, Unter
Nazis. Jung, ostdeutsch, gegen rechts, Köln 2022, S. 159).
1. Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, ob die „Omas gegen Rechts“
Hannover Land und bzw. oder die „Omas gegen Rechts“, Ortsgruppe
Barsinghausen (https://omasgegenrechts-nord.de/tag/barsinghausen/, zuletzt
abgerufen am 14. April 2026), in den Jahren 2020 bis 2026 mittelbar oder
unmittelbar mit Bundesmitteln gefördert worden sind bzw. gefördert
werden, und wenn ja, in welcher Höhe (bitte nach Kalenderjahr aufschlüsseln,
erfolgte die Förderung im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie
leben!“?
Nein, es ist keine Förderung im Sinne der Fragestellung erfolgt.
2. Sind in den Jahren seit 2022 Jakob Springfelds Buchprojekte,
Veranstaltungen, Engagements, Lesungen unmittelbar oder mittelbar mit
Bundesmitteln gefördert worden, und wenn ja, welche genau, und in welcher
Höhe?
Die Bundesregierung hat Veranstaltungen mit dem in der Fragestellung
erwähnten Autor seit 2022 gefördert. Bei den nachfolgend aufgeführten Mitteln
handelt es sich um die jeweiligen Gesamtkosten der geförderten Maßnahme.
Diese umfassen alle mit der Durchführung der Veranstaltung in Verbindung
stehenden Kosten.
Jahr Maßnahme Mittelansatz
2023 Lesung Jakob Springfeld: „Unter Nazis. Jung,
ostdeutsch, gegen Rechts“
483,81 Euro
2023 Geh mit! Gehstrukturen aufsuchender
Bildungsarbeit für den ländlichen Raum
344,45 Euro
2025 Momentmal! – Einsprüche der Zivilgesellschaft 9.301,71 Euro
2026 Autorenlesung Buch „Der Westen hat keine
Ahnung, was im Osten passiert“
2.340,00 Euro
3. Hat die Bundesregierung Kenntnis, ob die Lesung Jakob Springfelds am
Gehrdener Gymnasium ebenfalls auf eine Initiative der „Omas gegen
Rechts“ zurückgeht?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.
4. Hat die Bundesregierung Kenntnisse darüber, ob öffentliche Schulen in
Deutschland weitere Lesungen des Anti-AfD-Aktivisten Jakob Springfeld
während der Regelunterrichtszeit planen, an denen die Teilnahme für
Schüler verpflichtend ist, und wenn ja, welche sind dies?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor. Die ausschließliche
Zuständigkeit für die Schulen liegt bei den Ländern.
5. Steht die Bundesregierung zu den genannten Schullesungen des Anti-
AfD-Aktivisten Springfeld im Austausch mit der niedersächsischen
Landesregierung, und
a) wenn ja, was sind die Inhalte dieses Austauschs.
b) wenn nein, wird die Bundesregierung hierzu in einen Austausch mit
der niedersächsischen Landesregierung treten?
Die Bundesregierung stand und steht zu den in der Frage 5 genannten
Schullesungen nicht im Austausch mit der niedersächsischen Landesregierung. Es
besteht aufgrund der föderalen Ordnung kein Anlass, hierzu einen Austausch mit
der niedersächsischen Landesregierung aufzunehmen.
6. Hat sich die Bundesregierung eine Auffassung dazu gebildet, ob in den
genannten Schullesungen des Anti-AfD-Aktivisten Jakob Springfeld, die
jeweils während der Regelunterrichtszeit im jeweils zentralen Fest- und
Versammlungssaal der Schulen stattfinden, d. h. für die betroffenen
Schüler nicht fakultativ sind, ein Verstoß gegen das Überwältigungsverbot des
Beutelsbacher Konsenses gesehen werden kann, und wenn ja, welche
Auffassung ist dies, und welche Schritte zur künftigen Unterbindung
derartiger Lesungen an Schulen in Deutschland wird die Bundesregierung ggf.
unternehmen?
7. Hat sich die Bundesregierung eine Auffassung dazu gebildet, ob in den
genannten Schullesungen des Anti-AfD-Aktivisten Jakob Springfeld, die
jeweils während der Regelunterrichtszeit im jeweils zentralen Fest- und
Versammlungssaal der Schulen stattfinden, d. h. für die betroffenen
Schüler nicht fakultativ sind, einVerstoß gegen den zweiten didaktischen
Leitgedanken des Beutelsbacher Konsenses – „Was in […] Politik kontrovers
ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen“ – gesehen werden
kann, und wenn ja, welcher Auffassung ist die Bundesregierung und
welche Schritte zur künftigen Unterbindung derartiger Lesungen an
Schulen in Deutschland wird die Bundesregierung ggf. unternehmen?
Die Fragen 6 und 7 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Einhaltung der Grundsätze der politischen Bildung gemäß Beutelsbacher
Konsens ist durch die jeweiligen Landesbehörden und die Schulen
sicherzustellen. Die Bundesregierung befürwortet die Prinzipien des Beutelsbacher
Konsenses als Grundsatz für eine pluralistische politische Bildung. Sie nimmt
gemäß der föderalen Ordnung keine Einzelfallbewertung von Veranstaltungen an
Schulen vor.
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ISSN 0722-8333
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