Anreiz-, Förder- und Rechtsrahmen für die Reduktion von Zucker, Salz und Fett in verarbeiteten Lebensmitteln
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Anreiz-, Förder- und Rechtsrahmen für die Reduktion von Zucker, Salz und Fett in verarbeiteten Lebensmitteln
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5972
21. Wahlperiode 18.05.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stefan Schröder, Stephan Protschka, Peter Felser, Julian
Schmidt, Danny Meiners, Bernd Schuhmann, Christian Reck, Bernd Schattner,
Lars Schieske, Enrico Komning, Steffen Janich, Dario Seifert, Dr. Michael Blos
und der Fraktion der AfD
Anreiz-, Förder- und Rechtsrahmen für die Reduktion von Zucker, Salz und Fett in
verarbeiteten Lebensmitteln
Die Bundesregierung verfolgt seit 2018 mit der Nationalen Reduktions- und
Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten einen auf
freiwillige Vereinbarungen und wissenschaftliches Monitoring gestützten Ansatz
zur Verringerung entsprechender Gehalte in verarbeiteten Lebensmitteln. Im
April 2024 wurde hierzu ein zweiter Zwischenbericht veröffentlicht (www.publ
ikationen-bundesregierung.de/pp-en/search-for-publications/reduktion-salz-fet
t-zucker-2269112). Das Max Rubner-Institut führt im Rahmen der Strategie ein
Produktmonitoring auf der Grundlage von Basiserhebungen seit 2016 und
Folgeerhebungen bis 2025 durch. Zudem hat das Institut im Auftrag des
Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft einen Stakeholderprozess zur
Ableitung wissenschaftsbasierter Reduktionsziele durchgeführt und im Mai
2025 einen Abschlussbericht vorgelegt (www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Pres
semitteilungen/PM20250701-Produktmonitoring-Stakeholder/Stakeholderproze
ss_Abschlussbericht-2025_bfrei.pdf). Nach Darstellung des Max Rubner-
Instituts reichen die bislang umgesetzten Maßnahmen vielfach noch nicht aus.
Nach Angaben des Bundes sollen die Ergebnisse des Produktmonitorings und
des Stakeholderprozesses in eine für Ende 2026 geplante Gesamtbilanz
einfließen (www.bmleh.de/DE/themen/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/reduktionsstr
ategie/reduktionsstrategie_node.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Produktgruppen und Produktuntergruppen werden im Rahmen der
Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und
Salz in Fertigprodukten derzeit erfasst, und nach welchem Zeitplan sollen
bis zur angekündigten Gesamtbilanz weitere Erhebungen, Auswertungen
und Schlussfolgerungen vorgelegt werden?
2. Welche konkreten Reduktionsziele, Orientierungswerte oder sonstigen
Zielmarken galten oder gelten nach Kenntnis der Bundesregierung seit
2018 für welche Produktgruppen jeweils in Bezug auf Zucker, Salz, Fett,
gesättigte Fettsäuren und Energiegehalt (bitte nach Produktgruppe,
Zielgröße, Bezugsgröße und Zeithorizont aufschlüsseln)?
3. In welchen Produktgruppen wurden diese Zielmarken nach Kenntnis der
Bundesregierung erreicht, teilweise erreicht oder verfehlt (bitte nach
Produktgruppe, Nährstoff und Stand der Zielerreichung aufschlüsseln)?
4. In welchen Produktgruppen wurden seit Beginn des Monitorings keine
statistisch signifikanten Verringerungen oder sogar statistisch signifikante
Erhöhungen bei Zucker-, Salz-, Fett-, gesättigten Fettsäure- oder
Energiegehalten festgestellt (bitte nach Produktgruppe, Nährstoff und
Erhebungszeitraum aufschlüsseln)?
5. Welche Produktgruppen leisten nach Kenntnis der Bundesregierung den
größten Beitrag zur Zucker-, Salz- und Fettaufnahme von Kindern,
Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland (bitte nach Altersgruppe,
Produktgruppe und jeweiligem Nährstoff aufschlüsseln)?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu Produkten mit
Kinderoptik oder sonstiger gezielter Ansprache von Kindern und
Jugendlichen im Hinblick auf Zucker-, Salz-, Fett- und Energiegehalte vor (bitte
nach Produktgruppe und, soweit vorhanden, Anteil der Produkte, die
einschlägigen Nährwertprofilmodellen entsprechen, aufschlüsseln)?
7. Welche Datenquellen, Verzehrstudien und sonstigen empirischen
Grundlagen nutzt die Bundesregierung zur Bewertung der gesundheitlichen
Relevanz von Zucker-, Salz- und Fettreduktionen, und welche Datenlücken
sieht sie hierbei?
8. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus den bisherigen
Ergebnissen des Produktmonitorings und des vom Max Rubner-Institut
koordinierten Stakeholderprozesses für die weitere Ausgestaltung der
Reduktionsstrategie?
9. Welche rechtlichen Möglichkeiten des Bundes bestehen nach Auffassung
der Bundesregierung grundsätzlich, um Reformulierungen von
verarbeiteten Lebensmitteln steuerlich, förderrechtlich, vergaberechtlich,
kennzeichnungsrechtlich oder ordnungsrechtlich zu begünstigen?
10. Welche unionsrechtlichen Vorgaben oder Beschränkungen wären nach
Kenntnis der Bundesregierung bei bundesgesetzlichen Anreizsystemen für
die Reduktion von Zucker, Salz und Fett besonders zu beachten,
insbesondere im Beihilfe-, Binnenmarkt-, Steuer-, Kennzeichnungs- und
Lebensmittelrecht?
11. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über ausländische Modelle
zur Förderung der Reduktion von Zucker, Salz und Fett in verarbeiteten
Lebensmitteln, und wie bewertet sie deren Übertragbarkeit auf
Deutschland (bitte nach Staat, Instrumententyp und zentralen Ergebnissen
aufschlüsseln)?
12. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu den technologischen
Herausforderungen bei der Reduktion von Zucker, Salz und Fett in
verschiedenen Produktgruppen vor, insbesondere im Hinblick auf
Lebensmittelsicherheit, Haltbarkeit, Textur, Volumen, Fermentation, sensorische
Qualität und Verbraucherakzeptanz?
13. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über Ausweich- oder
Kompensationseffekte bei Reformulierungen vor, insbesondere über einen
möglichen Ersatz von Zucker durch Süßstoffe oder andere süßende
Zutaten, von Fett durch Stärke- oder Zusatzstoffsysteme oder von Salz durch
andere Zutaten?
14. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die direkten und
indirekten Kosten von Reformulierungen für Unternehmen der
Lebensmittelwirtschaft, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, etwa für
Forschung und Entwicklung, Rohstoffe, Umstellungen in der Produktion,
Analytik, Kennzeichnung, Zulassung, Marketing und Absatz?
15. Welche Förderprogramme des Bundes wurden seit 2018 zur Entwicklung
oder Markteinführung zucker-, salz- oder fettreduzierter Produkte,
entsprechender Vorprodukte, Technologien oder Verfahren eingesetzt (bitte
nach Programm, Ressort, Fördernehmer, Förderhöhe, Laufzeit und
Förderzweck aufschlüsseln)?
16. Welche weiteren Forschungs- und Entwicklungsbedarfe sieht die
Bundesregierung ggf. im Bereich der Reduktion von Zucker, Salz und Fett,
insbesondere im Hinblick auf sensorische Alternativen, Haltbarmachung,
sichere Reformulierungsverfahren, Rohstoffinnovationen und digitale
Rezepturentwicklung?
17. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, wie sich
Reformulierungen auf Verbraucherpreise, Handelsspannen, Absatzmengen und
Marktanteile auswirken?
a) Wenn ja, welche Auswirkungen sind ihr bekannt?
b) Wenn nein, warum hat sie keine Kenntnis davon?
18. Welche Instrumente des Bundes kommen nach Auffassung der
Bundesregierung in Betracht, um Anreize für die Weitergabe möglicher
Kostenvorteile an Verbraucher zu setzen?
19. Welche Rolle misst die Bundesregierung ggf. dem Nutri-Score oder
anderen Kennzeichnungsinstrumenten für die Sichtbarkeit reformulierter
Produkte und für mögliche gesetzliche Anreizmodelle bei?
20. Welche Daten-, Nachweis- und Dokumentationspflichten wären nach
Auffassung der Bundesregierung erforderlich, um ein gesetzliches
Förderoder Anreizsystem für Reformulierungen missbrauchssicher und
vollzugstauglich auszugestalten?
21. Welche Kriterien hält die Bundesregierung für geeignet, um
produktgruppenspezifische Reduktionsziele oder Schwellenwerte festzulegen,
insbesondere im Hinblick auf Bezugsgrößen je 100 Gramm bzw. 100 Milliliter,
Portionen, Absatzgewichtung oder Perzentilansätze?
22. Welche Produktgruppen und Bevölkerungsgruppen sollten nach
Auffassung der Bundesregierung unter Wirksamkeitsgesichtspunkten
hinsichtlich der Reduktionsstrategie prioritär adressiert werden?
23. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob bestehende Steuern,
Abgaben, Förderbedingungen oder sonstige regulatorische Vorgaben derzeit
Anreize zugunsten oder zulasten reformulierter Produkte setzen, und
wenn ja, welche sind in diesem Zusammenhang zu nennen?
24. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, wie sich
Maßnahmen zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett auf die
Innovationsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit, Importkonkurrenz und Standortbedingungen
der deutschen Ernährungswirtschaft auswirken können?
a) Wenn ja, welche sind das?
b) Wenn nein, warum hat sie keine Kenntnis darüber?
25. Welche Meilensteine, Berichtstermine und Entscheidungspunkte plant die
Bundesregierung bis zur angekündigten Gesamtbilanz der Nationalen
Reduktions- und Innovationsstrategie, und wann ist mit politischen
Schlussfolgerungen zu rechnen?
26. Welche gesetzgeberischen, untergesetzlichen oder administrativen
Folgemaßnahmen erwägt die Bundesregierung im Anschluss an die
angekündigte Gesamtbilanz derzeit?
Berlin, den 28. April 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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