polradar

Ernährungsreport 2025 der Bundesregierung (Antwort zu Drs. 21/3202)

dip / drucksache 09.01.2026 · WP 21 · 21/3556 · Antwort · Original ↗

Im Graph öffnen

Text

Ernährungsreport 2025 der Bundesregierung (Antwort zu Drs. 21/3202) [Deutscher Bundestag Drucksache 21/3556 21. Wahlperiode 09.01.2026 Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Julian Schmidt, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD – Drucksache 21/3202 – Ernährungsreport 2025 der Bundesregierung V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r Der jüngste Ernährungsreport für Deutschland offenbart eine deutliche Verschiebung im Verbraucherverhalten. 59 Prozent der Befragten legen beim Kauf von Lebensmitteln wieder vermehrt Wert auf die Preise (www.bmleh.de/ SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/ernaehrungsreport-2024.pdf?__blo b=publicationFile&v=4, S. 10, Was beim Einkauf wichtig ist). Dieser Trend ist eine unmittelbare Reaktion auf die erhebliche Preissteigerung bei Nahrungsmitteln, die sich seit 2020 durchschnittlich um 30 Prozent verteuert haben (https://de.statista.com/themen/8554/lebensmittelpreise/#topicOverview). Der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer, unterstreicht in diesem Kontext die Notwendigkeit, dass Lebensmittel für alle Schichten der Bevölkerung bezahlbar bleiben müssen und die Bundesregierung keine zusätzlichen Abgaben oder Zuschläge auf Nahrungsmittel plant und den Bürgern keinesfalls vorschreiben will, welche Speisen sie wählen sollen (www.bmleh.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/115-ernaehrung sreport-2025.html). „Essen ist individuell, Teil unserer Identität und ein Stück Heimat“, betonte der Bundesminister bei der Präsentation der Studie (www.b mleh.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2025/115-ernaehrungsreport-202 5.html). Darüber hinaus bleibt der Geschmack der entscheidende Faktor beim Einkauf, denn fast alle Teilnehmer (98 Prozent) der Umfrage nannten ihn als primäres Kriterium für ihre Entscheidung darüber, was verzehrt wird (der BMLEH (Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat)- Ernährungsreport „Deutschland, wie es isst“, S. 4, Beim Essen zählt der Geschmack). Ein weiterer markanter Befund zeigt, dass Verbraucher zunehmend auf die Zusammensetzung von Fertigprodukten achten. Insbesondere die Verringerung von Zucker, Fett und Salz gewinnt an Relevanz, und so stieg der Anteil derjenigen, die bewusst zuckerreduzierte Produkte wählen, von 58 Prozent im Jahr 2019 auf 64 Prozent im Jahr 2025 (der BMLEH-Ernährungsreport „Deutschland, wie es isst“, S. 22, Lieber weniger süß, fettig und salzig). Ähnliche Zuwächse gibt es bei salz- und fettreduzierten Varianten. Die Ergebnisse des Reports basieren auf einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes forsa unter 1 000 Personen ab 14 Jahren, die ihre Gewohnheiten beim Essen und Einkaufen beleuchtet (der BMLEH-Ernährungsreport „Deutschland, wie es isst“, S. 31). Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat vom 9. Januar 2026 übermittelt. Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext. Der Report, der seit 2015 jährlich vom Bundesagrarministerium herausgegeben wird, hebt zudem hervor, dass Aspekte wie Saisonalität, Regionalität und Tierwohl insbesondere beim Essen außer Haus ebenfalls an Bedeutung gewinnen (der BMLEH-Ernährungsreport „Deutschland, wie es isst“, S. 24, Essen außer Haus – Essen soll schmecken). Etwa 69 Prozent der Verbraucher kaufen pflanzliche Alternativen aus Neugier oder um Klima und Umwelt zu schützen (60 Prozent), wenngleich der Anteil der Konsumenten, die öfters vegetarische oder vegane Produkte gekauft haben, im Jahr 2025 leicht auf 34 Prozent zurückging (der BMLEH-Ernährungsreport „Deutschland, wie es isst“, S. 14, Pflanzliche Alternativen als Option). Neben der aktuell immer noch andauernden Inflation, vor allem im Nahrungssegment, und einer nicht enden wollenden Preisspirale, sind die Fragesteller daran interessiert, von der Bundesregierung zu erfahren, wie sie mit den Ankündigungen vonseiten der EU-Kommission zukünftig umgehen will, ab 2026 eine höhere Besteuerung auf stark verarbeitete Lebensmittel mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt sowie auf Alkopops einzuführen (https://kurier.at/wirt schaft/fett-zucker-salz-steuer-medizin-eu-lebensmittel-industrie/403103917).  1. Wie plant die Bundesregierung konkret, die Preisstabilität bei Lebensmitteln langfristig zu sichern, insbesondere angesichts der im Ernährungsreport 2025 seit dem Jahr 2020 dokumentierten 13-prozentigen Steigerung beim Lebensmitteleinkauf wieder vermehrt auf die Preise zu achten, anstatt auf andere Kaufargumente?  2. Ist die Bundesregierung daran interessiert, dass die Preise für Lebensmittel wieder für alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen erschwinglich werden, und wenn ja, mit welchen Maßnahmen soll das gelingen?  3. Welche Maßnahmen werden durch die Bundesregierung ergriffen, um einkommensschwache Haushalte vor weiteren Preissteigerungen zu schützen, ohne in die individuelle Essenswahl einzugreifen? Die Fragen 1 bis 3 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam beantwortet. Preise bilden sich in der Sozialen Marktwirtschaft grundsätzlich durch Angebot und Nachfrage. Preisänderungen sind wichtige Signale und haben eine zentrale Lenkungsfunktion, um ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu erreichen. Eingriffe in die Preisbildung lehnt die Bundesregierung ab. Infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine stiegen die Preise für Energie stark an. Dies trug in den Folgemonaten zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise bei wie seit vielen Jahren nicht mehr. Inzwischen hat sich die Teuerungsrate von Lebensmitteln wieder normalisiert. Die Bundesregierung beobachtet die Marktentwicklungen aufmerksam, um auf Veränderungen angemessen reagieren und damit Engpässe und Krisen möglichst vermeiden zu können. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat deutlich gezeigt, dass die Bundesregierung in Krisenzeiten die Möglichkeit hat, mit unterschiedlichen Maßnahmen sinnvoll auf Preisschocks zu reagieren. Darüber hinaus hat die Bundesregierung auch in dieser Legislaturperiode zahlreiche Maßnahmen zur Entlastung der Bürgerinnen und Bürger und Wirtschaft bei Steuern, Abgaben und Energiepreisen auf den Weg gebracht. Spürbare Steigerungen bei Reallöhnen und Renten steigern die Kaufkraft der Bevölkerung. Menschen mit geringen Einkommen profitieren zudem von weiteren Anpassungen bei Sozialleistungen und höheren Mindestlöhnen.  4. Gibt es Pläne seitens der Bundesregierung für eine Ausweitung der Lebensmittelhilfeprogramme oder Steuererleichterungen? Die Bundesregierung plant derzeit keine zusätzlichen, über die bestehenden Leistungen der sozialen Sicherungssysteme hinausgehende Maßnahmen oder eine Änderung der Besteuerung im Lebensmittelbereich.  5. Wie positioniert sich die Bundesregierung zu den Vorschlägen der EU- Kommission, Steuern auf stark verarbeitete Lebensmittel zu erheben (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?  6. Plant die Bundesregierung, diese in Frage 5 genannten Maßnahmen zu blockieren oder inhaltliche Einwände zu erheben, um wieder Preisstabilität im Nahrungsmittelsegment herzustellen oder zumindest das derzeitige Niveau zu halten und so die Kosten für Lebensmittel nicht noch weiter ausufern zu lassen? Die Fragen 5 und 6 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam beantwortet. Die Europäische Kommission hat am 16. Dezember 2025 im Europäischen Parlament einen umfassenden Aktionsplan zur Bekämpfung von Herz-Kreislauf- Erkrankungen vorgestellt. Der sogenannte „Safe-Hearts-Plan“ soll die kardiovaskuläre Gesundheit in Europa nachhaltig verbessern und der wachsenden Krankheitslast wirksam begegnen. Ein besonderer Fokus liegt auf stark verarbeiteten Lebensmitteln mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt. Entgegen der Annahme der Fragestellenden sieht der Aktionsplan derzeit keine unmittelbare EU-weite Abgabe auf stark verarbeitete Lebensmittel mit hohem Fett-, Zucker- und Salzgehalt sowie auf Alkopops vor. Auf Grundlage einer noch in Auftrag zu gebenden Studie zu den Auswirkungen ultra-verarbeiteter Lebensmittel will die Europäische Kommission prüfen, welche Instrumente – einschließlich möglicher finanzieller Maßnahmen – künftig geeignet sind, Primärprävention zu unterstützen, die Reformulierung von Lebensmitteln voranzutreiben und gesündere Verbraucherentscheidungen zu fördern. Aktuell prüft die Bundesregierung die Vorschläge der Europäischen Kommission.  7. Inwiefern könnten EU-Steuern nach Auffassung der Bundesregierung den Trend unterstützen, dass Verbraucher zunehmend auf reduzierte Zucker-, Fett- und Salzgehalte in Fertigprodukten achten, und welche Alternativen schlägt die Bundesregierung vor, falls Steuern für dieses Nahrungsmittelsegment abgelehnt werden? Die Europäische Union besitzt kein allgemeines Steuererhebungsrecht, dieses liegt ausschließlich in der Zuständigkeit der Mitgliedstaaten. Im Übrigen wird auf die Antwort zu den Fragen 5 und 6 verwiesen. Mit der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten (NRI) führt das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) seit Jahren eine wirksame, verhältnispräventive Maßnahme durch, um Verbraucherinnen und Verbraucher dabei zu unterstützen, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Ein weiteres zentrales Element, das es Verbraucherinnen und Verbrauchern erleichtern soll, die gesündere Wahl zu treffen und Lebensmittel einer Produktkategorie hinsichtlich ihres nährwertbezogenen Gesamtwertes zu vergleichen, ist der Nutri-Score als erweiterte Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite der Lebensmittelverpackung.  8. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung von EU-weiten Steuern auf hochverarbeitete Lebensmittel auf den deutschen Markt, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen in der Lebensmittelindustrie, und liegen der Bundesregierung in diesem Zusammenhang Berechnungen zu den potenziellen Auswirkungen von Preiserhöhungen vor? Es wird auf die Antwort zu Frage 7 verwiesen.  9. Wie wird die Bundesregierung sicherstellen, dass EU-Initiativen nicht zu einer Belastung für Verbraucher werden, die bereits mit Preissteigerungen zu kämpfen haben, weshalb das Kaufargument Preis wieder stärker in den Fokus der Konsumenten gerückt ist? Es wird auf die Antwort zu den Fragen 1 bis 3 verwiesen. 10. Plant die Bundesregierung eigene Programme zur Reduktion ungesunder Inhaltsstoffe ohne steuerliche Zwänge? a) Wenn ja, welche sind das? b) Wenn nein, warum nicht? Die Fragen 10 bis 10b werden gemeinsam beantwortet. Das BMLEH wird die NRI im Jahr 2026 auswerten und einen Abschlussbericht dazu veröffentlichen, der eine Gesamtbewertung der Strategie enthält und die nächsten Schritte darlegt. 11. Wird die Bundesregierung verhindern, dass EU-Steuern auf bestimmte Lebensmittel indirekt Einfluss auf die individuelle Freiheit der Bundesbürger nehmen, selbst darüber zu entscheiden, was sie essen, und wenn ja, wie (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)? 12. Welche Szenarien plant die Bundesregierung ggf., falls die EU- Kommission Steuern auf verarbeitete Lebensmittel durchsetzt? a) Könnte dies zu Konflikten mit der von Bundesminister Alois Rainer geforderten Erschwinglichkeit führen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)? b) Wie würde die Bundesregierung ggf. dagegen vorgehen? 13. Hat sich die Bundesregierung zu den potenziellen Nutzen von EU- Steuern für die Gesundheit (z. B. Reduktion von Adipositas) im Vergleich zu den Risiken für Preisstabilität, basierend auf den Daten des Reports, eine eigene Auffassung erarbeitet, und wenn ja, wie lautet diese? Die Fragen 11 bis 13 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam beantwortet. Auf die Antwort zu Frage 7 wird verwiesen. Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de ISSN 0722-8333]

Relationen