Maßnahmen zur Abmilderung von Preiserhöhungen im Lebensmittelbereich
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Maßnahmen zur Abmilderung von Preiserhöhungen im Lebensmittelbereich
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/312
21. Wahlperiode 03.06.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Julian Schmidt, Danny
Meiners, Bernd Schuhmann, Christian Reck, Bernd Schattner, Stefan Schröder,
Lars Schieske, Enrico Komning, Steffen Janich, Dario Seifert, Dr. Michael Blos,
Olaf Hilmer und der Fraktion der AfD
Maßnahmen zur Abmilderung von Preiserhöhungen im Lebensmittelbereich
In den letzten Jahren sind die Preise für Lebensmittel rasant gestiegen. Auch
wenn der Preisdruck auf die Verbraucher in Deutschland im April 2025 leicht
nachgelassen hat und sich die Inflation mittlerweile bei 2,1 Prozent befindet,
waren Nahrungsmittel im Jahresvergleich um 2,8 Prozent teurer (www.destati
s.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Verbraucherpreisindex/_inhalt.html).
Weiterer Preistreiber bleiben nach wie vor Dienstleistungen, zu denen nicht nur
beispielsweise Autoreparaturen, sondern auch Gaststättenbesuche zählen. Das
allgemeine Preisniveau hat sich bei Lebensmitteln in den letzten Jahren
insgesamt stark erhöht. Auch wenn die Teuerung inzwischen nicht mehr so schnell
steigt, kosten Lebensmittel heute im Durchschnitt rund 30 Prozent mehr als
2021. Die stärksten Preisanstiege verzeichnen die Produktgruppen Speisefette
und Speiseöle mit 64,3 Prozent, Brot und Getreideerzeugnisse mit 37,4 Prozent
sowie Fleisch und Fleischwaren mit 35,4 Prozent (www.verbraucherzentral
e.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/steigende-lebensmittelpreise-f
akten-ursachen-tipps-71788). Wie dieser kleine Ausschnitt in den Augen der
Fragesteller eindringlich zeigt, betreffen die Teuerungen alle
Lebensmittelgruppen einschließlich der Grundnahrungsmittel. Der Fakt, dass gerade
Nahrungsmittel, die den Hauptbestandteil der Ernährung der deutschen Bevölkerung
ausmachen, betroffen sind, ist aus Sicht der Fragesteller äußerst problematisch für
die deutschen Verbraucher, denn ein Absinken der Preise für Nahrungsmittel
scheint derzeit nicht greifbar. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts dürfte die
Inflationsrate in den kommenden Monaten über der Marke von 2 Prozent bleiben
(www.ifo.de/pressemitteilung/2025-04-09/experten-erwarten-weltweit-
anstiegder-inflationsraten#:~:text=F%C3%BCr%20das%20Jahr%202025%20gehen,in
%20der%20Umfrage%20im%20Vorquartal).
Allerdings könnte das Milliarden-Finanzpaket von CDU/CSU und SPD die
Inflation auch befeuern, befürchten manche Ökonomen (www.springerprofession
al.de/investitionsfinanzierung/verwaltungsfinanzen/inflationsgefahr-begleitet-d
as-finanzpaket/50784270). Die Fragesteller befürchten, dass ohne Reformen
das Risiko besteht, dass die zusätzlichen Schulden einen Inflationsdruck
erzeugen, in der Folge die Zinsen steigen und die erhofften Wachstumsimpulse
versiegen.
Viele Faktoren haben die Situation in der Landwirtschaft und der
Lebensmittelwirtschaft verändert. Die Kosten für Energie, Düngemittel und Futtermittel
bleiben höher als in der Vergangenheit, Arbeitskräftemangel und Mindestlohn
verteuern die Personalkosten. Hinzu kommen Missernten aufgrund von
Schlechtwetterereignissen. Nicht alle Preissteigerungen der vergangenen Jahre
waren nachvollziehbar, einige sogar nicht gerechtfertigt, wie versteckte
Preiserhöhungen durch geringere Füllmengen und veränderte Rezepturen (www.verbr
aucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/steigende-lebens
mittelpreise-fakten-ursachen-tipps-71788).
In ihrem Koalitionsvertrag haben sich CDU/CSU und SPD das Ziel gesetzt,
sich für mehr Transparenz bei versteckten Preiserhöhungen einzusetzen (www.
koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koav_202
5.pdf, S. 40 ff.). Darüber hinaus soll die Umsatzsteuer für Speisen in der
Gastronomie zum 1. Januar 2026 dauerhaft auf 7 Prozent reduziert werden (ebd.,
www.koalitionsvertrag2015.de). Die Fragesteller sind daran interessiert zu
erfahren, mit welchen Strategien und Maßnahmen dieses Vorhaben im
Nahrungsmittelbereich stattfinden soll.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Plant die Bundesregierung, die Umsatzsteuersätze auf Lebensmittel zu
senken, um den Preisdruck auf die Verbraucher abzuschwächen?
a) Wenn ja, was spricht aus Sicht der Bundesregierung für eine Senkung
oder gar einen kompletten Wegfall des derzeitigen Umsatzsteuersatzes
auf Lebensmittel?
b) Wenn nein, kann sie Gründe anführen, weshalb eine Entlastung der
Verbraucher für sie nicht infrage kommt?
2. In welcher Höhe beläuft sich der in Frage 1 erfragte, möglicherweise zu
vermindernde Umsatzsteuersatz auf Lebensmittel?
a) Ab wann soll er ggf. wirksam werden?
b) Für welche Lebensmittel und Lebensmittelgruppen soll er ggf.
Gültigkeit haben?
3. Plant die Bundesregierung weitere Maßnahmen, um einer Verteuerung der
Lebensmittel entgegenzuwirken?
a) Wenn ja, welche sind das detailliert?
b) Wenn nein, warum sind keine Maßnahmen vorgesehen, um für
finanzielle Entspannung unter den Konsumenten zu sorgen?
4. Welche Maßnahmen gedenkt die Bundesregierung ggf. zu ergreifen, um
auch Familien, vor allem Kinder, aus einkommensschwachen
Verhältnissen eine gesunde Ernährung zu ermöglichen?
5. Möchte die Bundesregierung Maßnahmen ergreifen, um sogenannten
Mogelpackungen, das heißt, weniger Inhalt bei gleichem Preis
(Shrinkflation), zu beseitigen?
a) Wenn ja, hat sie sich dazu bereits einen Strategieplan erarbeitet, und
wie sehen ggf. Maßnahmen aus?
b) Wenn nein, warum möchte sie nichts gegen diese nach Auffassung der
Fragesteller offensichtliche Verbrauchertäuschung unternehmen?
6. Möchte die Bundesregierung Maßnahmen ergreifen, um sogenannten
Mogelpackungen, das heißt, minderwertigere Komponenten bei gleichem
Preis (Skimpflation), zu beseitigen?
a) Wenn ja, hat sie sich dazu bereits einen Strategieplan erarbeitet, und
wie sehen ggf. Maßnahmen aus?
b) Wenn nein, warum möchte sie nichts gegen diese nach Auffassung der
Fragesteller offensichtliche Verbrauchertäuschung unternehmen?
7. Plant die Bundesregierung, eine Beitragsreduzierung oder
Beitragsbefreiung für die Gemeinschaftsverpflegung in Bildungseinrichtungen wie Kitas
und Schulen einzuführen?
a) Wenn ja, in welcher Höhe sollen die Beiträge gemindert werden, und
wie möchte die Bundesregierung dieses Vorhaben refinanzieren?
b) Wenn nein, warum sollen die Beiträge für die
Gemeinschaftsverpflegung in Bildungseinrichtungen nicht gesenkt werden?
8. Plant die Bundesregierung die Einführung einer Zuckersteuer in der
21. Legislaturperiode, und wenn ja, in welcher Höhe soll sie sich
belaufen?
9. Möchte die Bundesregierung in der laufenden Wahlperiode die
Einführung einer Fleischsteuer forcieren, und wenn ja, in welcher Höhe soll sie
sich belaufen?
10. Möchte die Bundesregierung in der laufenden Legislaturperiode
gemeinnützige Hilfsorganisationen bzw. Einrichtungen unterstützen, die
Mahlzeiten für Bedürftige anbieten?
a) Wenn ja, wie möchte die Bundesregierung diesen Organisationen
helfen?
b) Wenn nein, warum plant sie, nichts zu unternehmen?
11. Hält die Bundesregierung an ihrem gesetzten Zeitplan fest, die
Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie zum 1. Januar 2026 wieder
dauerhaft auf 7 Prozent zu reduzieren (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, wie hoch sind schätzungsweise die Steuereinnahmen, die
dem deutschen Fiskus im kommenden Jahr dadurch fehlen, und wie
möchte die Bundesregierung diese Einnahmeverluste kompensieren?
b) Wenn nein, warum kann sie nicht am Zeitplan aus dem
Koalitionsvertrag festhalten?
12. Plant die Bundesregierung, diesen (vgl. Frage 11) reduzierten
Umsatzsteuersatz von 7 Prozent auch auf Luxuswaren wie Austern, Langusten,
Hummer und Kaviar sowie bei der Ausgabe von Speisen auf
wiederverwertbarem Porzellangeschirr, bei denen derzeit grundsätzlich der höhere
Steuersatz von 19 Prozent gilt, anzuwenden?
a) Wenn ja, auf welche Angebote soll der ermäßigte Steuersatz
Anwendung finden?
b) Wenn nein, warum soll bei diesen Waren die Umsatzsteuer nicht
reduziert werden?
13. Wer wird nach Auffassung der Bundesregierung am ehesten von einer
dauerhaften Umsatzsteuersenkung von 19 auf 7 Prozent für Speisen in der
Gastronomie profitieren, und warum?
14. Möchte die Bundesregierung in der 21. Legislaturperiode die
Energiepreise senken, um den Nahrungsmittelsektor in Produktion, Verarbeitung und
Vertrieb zu entlasten?
a) Wenn ja, welche Energieträger sollen davon betroffen sein, und wann
wird dieses Vorhaben umgesetzt?
b) Wenn nein, warum sollen die Kosten für Energie nicht abgesenkt
werden?
15. Plant die Bundesregierung, kartellrechtliche Untersuchungen auf
mögliche interne Preisabsprachen im Lebensmitteleinzelhandel anzuweisen?
a) Wenn ja, wann beginnen die Untersuchungen?
b) Wenn nein, warum nicht?
16. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, wenn im
Koalitionsvertrag dargelegt ist, dass sich die Koalition der Fraktionen von CDU/CSU
und SPD für mehr Transparenz bei versteckten Preiserhöhungen einsetzen
will (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Berlin, den 21. Mai 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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