Trinkwassersicherheit in Deutschland
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Trinkwassersicherheit in Deutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5948
21. Wahlperiode 15.05.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Marcel Queckemeyer, Andreas Bleck, Dr. Michael Blos,
Dr. Ingo Hahn, Karsten Hilse, Dr. Rainer Kraft, Thomas Korell, Manuel
Krauthausen, Dr. Paul Schmidt und der Fraktion der AfD
Trinkwassersicherheit in Deutschland
Die Versorgung der Bevölkerung mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser ist
ein zentraler Bestandteil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Nach Angaben des
Umweltbundesamtes weist Trinkwasser in Deutschland derzeit überwiegend
eine gute bis sehr gute Qualität auf und kann nahezu flächendeckend
bedenkenlos genutzt werden (www.umweltbundesamt.de/daten/wasser/wasserwirtschaft/
qualitaet-des-trinkwassers-aus-zentralen).
Gleichwohl bleibt die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung eine
strukturelle und langfristige Herausforderung. So wird in Teilen Deutschlands im
Grundwasser, aus dem ein Großteil des Trinkwassers gewonnen wird, eine
erhöhte Nitratbelastung festgestellt. In über einem Viertel der Grundwasserkörper
wird der angestrebte gute chemische Zustand nicht erreicht. Die Ursachen
hierfür sind komplex und regional unterschiedlich. Neben aktuellen Einträgen
spielen auch langfristige Entwicklungen, natürliche Gegebenheiten sowie
standortspezifische Einflussfaktoren eine Rolle. Vor diesem Hintergrund ist eine
differenzierte Betrachtung erforderlich, die auf wirksame, standortangepasste
Lösungen abzielt (www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/grundwasser/zustan
d-des-grundwassers/chemischer-zustand-des-grundwassers; www.dvgw.de/the
men/umwelt/nitrat-im-wasser; www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Downloa
d_PDF/Binnengewaesser/nitratbericht_2020_bf.pdf).
Darüber hinaus werden Spurenstoffe wie z. B. Arzneimittelrückstände, per- und
polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) oder auch Pflanzenschutzmittel in
Umweltmedien und teilweise auch im Trinkwasser nachgewiesen. Für PFAS
werden derzeit Grenzwerte eingeführt, die ab 2006 bzw. 2008 verbindlich gelten
sollen (www.umweltbundesamt.de/system/files/document/uba_empfehlung_um
gang_abweichungen_pfas20_und_4_mitLink_zum_Tool_2.pdf).
Zudem wird darauf hingewiesen, dass bislang nicht alle Stoffe und deren
Abbauprodukte umfassend überwacht werden (https://foresight.tab-beim-bundesta
g.de/reports/wasser/aktuelle-trends-2/belastung-der-qualitaet-von-trinkwasserre
ssourcen/).
Hinzu kommen mögliche Auswirkungen weiterer Veränderungen, etwa Ausbau
von Besiedelung oder Industrie, die regional zu einer stärkeren Belastung der
Wasserressourcen sowie zu Nutzungskonflikten führen können. Studien zeigen,
dass Wasserressourcen auch in Deutschland zunehmend unter Druck geraten
und regional übernutzt werden (https://foresight.tab-beim-bundestag.de/reports/
wasser/aktuelle-trends-2/belastung-der-qualitaet-von-trinkwasserressourcen/).
Vor diesem Hintergrund besteht nach Auffassung der Fragesteller ein
erhebliches öffentliches Interesse daran, den aktuellen Zustand sowie mögliche
Risiken für die Trinkwassersicherheit in Deutschland umfassend zu beleuchten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viel Trinkwasser steht nach Kenntnis der Bundesregierung in
Deutschland insgesamt und pro Kopf (absolutes Inventar und pro Jahr) zur
Verfügung (bitte für die letzten 20 Jahre aufschlüsseln und Veränderungen
ggf. begründen)?
2. Wie bewertet die Bundesregierung den aktuellen Zustand der
Trinkwasserqualität in Deutschland insgesamt?
3. In welchen Regionen Deutschlands wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in den letzten zehn Jahren Grenzwertüberschreitungen bei
Trinkwasserparametern festgestellt (bitte nach Stoffgruppen und Jahren
aufschlüsseln sowie etwaige Überschreitungen quantitativ angeben)?
4. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Nitratbelastung im
Grundwasser seit 2010 entwickelt (bitte nach Bundesländern und Jahren
aufschlüsseln)?
5. In wie vielen Messstellen werden nach Kenntnis der Bundesregierung die
Grenzwerte von 50 mg/l Nitrat überschritten (bitte nach Bundesländern
aufschlüsseln)?
6. Auf welcher fachlichen und wissenschaftlichen Grundlage wurde der
Grenzwert von 50 mg/l Nitrat im Trinkwasser festgelegt, inwiefern
entspricht dieser Wert den aktuellen Empfehlungen der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), und sieht die Bundesregierung Anlass, diesen Grenzwert
auf Basis neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse zu überprüfen?
7. Welche Hauptursachen identifiziert die Bundesregierung für diese
Belastungen (vgl. Frage 6)?
8. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Belastung von
Trinkwasserressourcen mit
a) Pflanzenschutzmitteln,
b) Arzneimittelrückständen,
c) Per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS)
vor?
9. In welchem Umfang werden nach Kenntnis der Bundesregierung die in
Frage 8 genannten Stoffe derzeit systematisch überwacht (bitte nach
Stoffgruppen aufschlüsseln)?
10. In wie vielen Fällen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
bestehende oder künftig geltende Grenz- bzw. Orientierungswerte
überschritten?
11. Welche Grenz- oder Orientierungswerte bestehen nach Kenntnis der
Bundesregierung aktuell für PFAS und andere neuartige Schadstoffe im
Trinkwasser?
12. Welche Änderungen der Trinkwasserverordnung sind nach Kenntnis der
Bundesregierung seit 2015 erfolgt bzw. ggf. geplant?
13. In welchen Regionen Deutschlands sieht die Bundesregierung Risiken für
die Trinkwasserversorgung infolge klimatischer Veränderungen?
14. Welche konkreten Maßnahmen wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung seit 2015 zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung insbesondere
in Trockenperioden ergriffen?
15. Hat die Bundesregierung eine Einschätzung zur Höhe des
Sanierungsbedarfs der Trinkwasserinfrastruktur (insbesondere Leitungsnetze und
Aufbereitungsanlagen) vorgenommen, und wenn ja, auf welche Höhe beläuft
sich dieser ihrer Auffassung nach?
16. In welchem Umfang kommt es nach Kenntnis der Bundesregierung
jährlich zu Wasserverlusten durch Leitungsdefekte (bitte nach Jahren
aufschlüsseln und Menge sowie prozentualen Anteil an der Gesamtmenge
angeben)?
17. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Kosten der
Trinkwasseraufbereitung seit 2010 entwickelt (bitte nach Jahren und den zehn
Schadstoffen mit den größten Belastungsgradienten aufschlüsseln)?
18. In welchem Umfang führen nach Kenntnis der Bundesregierung
zusätzliche Belastungen durch Schadstoffe zu steigenden Aufbereitungskosten
(vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
19. Welche Rolle kommt nach Kenntnis der Bundesregierung
Bundesbehörden, insbesondere dem Umweltbundesamt, bei der Bewertung und
Sicherstellung der Trinkwasserqualität zu?
20. Welche konkreten Abstimmungsmechaniken, gemeinsamen Gremien oder
Koordinierungsformate bestehen zwischen Bund, Ländern und
Kommunen im Bereich der Trinkwasserversorgung, wie oft haben diese seit 2015
getagt, welche verbindlichen Ergebnisse haben sie erzielt, und wo sieht
die Bundesregierung konkreten Verbesserungsbedarf?
21. Welche Förderprogramme des Bundes dienen ggf. dem Schutz von
Trinkwasserressourcen, insbesondere des Grundwassers (bitte, so vorhanden,
nach Programmen, Laufzeit und Mitteln aufschlüsseln)?
22. Nach welchen fachlichen, rechtlichen und haushaltsbezogenen Kriterien
werden nach Kenntnis der Bundesregierung die möglichen
entsprechenden Maßnahmen ausgewählt und priorisiert (vgl. Frage 21)?
23. In welchem Umfang wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
Fördermittel für Maßnahmen zum Schutz von Wasserressourcen seit 2015
bewilligt und abgerufen (bitte nach Jahren und Programmen aufschlüsseln)?
24. Welche Rolle spielen nach Auffassung der Bundesregierung
naturschutzfachliche Kriterien und Bewertungen bei der Auswahl entsprechender
Fördermaßnahmen?
25. Kam es nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2015 zu
Rückforderungen von Fördermitteln im Bereich Wasser- und Grundwasserschutz, und
wenn ja, warum, und in wie vielen Fällen (bitte nach Programmen,
Begründung und Jahr aufschlüsseln)?
26. Wenn Frage 25 bejaht wird, aus welchen Gründen erfolgten die in
Frage 25 thematisierten Rückforderungen (bitte nach Fallgruppen, z. B.
Zweckverfehlung, Mittelverwendung, Projektabbruch, aufschlüsseln)?
27. In welchem Umfang wurden nach Kenntnis der Bundesregierung etwaige
Rückforderungen (vgl. Frage 25) erfolgreich durchgesetzt?
28. Welche größten Risiken für die Trinkwassersicherheit in Deutschland
sieht die Bundesregierung in den kommenden zehn Jahren hinsichtlich
Qualität und Quantität?
29. Inwieweit hält die Bundesregierung die bestehenden gesetzlichen und
regulatorischen Rahmenbedingungen für ausreichend, um die
Trinkwasserversorgung langfristig sicherzustellen?
Berlin, den 28. April 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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