Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Aktionsplan für den KI-Kontinent
Text
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Aktionsplan für den KI-Kontinent
[Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln
Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0720-2946
Bundesrat Drucksache 209/25
15.05.25
EU - AIS - Fz - In - K - Wi
Unterrichtung
durch die Europäische Kommission
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Aktionsplan für den
KI-Kontinent
COM(2025) 165 final
Der Bundesrat wird über die Vorlage gemäß § 2 EUZBLG auch durch die Bundesregierung
unterrichtet.
Hinweis: Drucksache 79/24 = AE-Nr. 240133;
Drucksache 65/25 = AE-Nr. 250115
DE DE
EUROPÄISCHE
KOMMISSION
Brüssel, den 9.4.2025
COM(2025) 165 final
MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN
RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND
DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN
Aktionsplan für den KI-Kontinent
1
Aktionsplan für den KI-Kontinent
Die Europäische Union ist fest entschlossen, im Bereich der künstlichen Intelligenz eine
globale Führungsrolle zu übernehmen und ein führender KI-Kontinent zu werden. In dieser
Mitteilung wird eine Reihe von ambitionierten Maßnahmen dargelegt, mit denen dieses Ziel
erreicht werden soll. Der Einsatz von KI in den Schlüsselsektoren unserer Wirtschaft steht noch
am Anfang. Sie soll dabei helfen, die drängendsten Herausforderungen unserer Zeit zu
bewältigen. Auch wenn die Auswirkungen dieses Wandels noch nicht vollständig absehbar
sind, muss Europa ambitioniert, rasch und vorausschauend handeln, um die Zukunft der KI so
zu gestalten, dass unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessert, unsere demokratischen Werte
gewahrt und gestärkt und unsere kulturelle Vielfalt geschützt werden. Eine vertrauenswürdige
und auf den Menschen ausgerichtete KI ist sowohl für das Wirtschaftswachstum als auch für
die Wahrung der Grundrechte und Grundsätze, auf denen unsere Gesellschaften beruhen, von
entscheidender Bedeutung. Rasches politisches Handeln hat höchste Priorität.
Der globale Wettlauf um die Führungsrolle im KI-Bereich ist noch lange nicht vorbei.
Neue Durchbrüche sorgen dafür, dass sich die Grenzen dessen, was möglich ist, immer wieder
verschieben. Von modernsten Basismodellen bis hin zu spezialisierten KI-Anwendungen: Die
KI-Landschaft in der EU entwickelt sich weiterhin dynamisch und wird von Forschung, neuen
Technologien und einem florierenden Start-up- und Scale-up-Ökosystem vorangetrieben.
Um unsere Ziele im KI-Bereich zu erreichen, müssen wir sowohl bei der Entwicklung als auch
bei der Nutzung von KI eine Führungsrolle übernehmen. Dies erfordert nachhaltige
Investitionen in die Infrastruktur (einschließlich Rechenleistung und Netze) sowie
Fortschritte bei der Modellentwicklung und einen breiten Einsatz in der gesamten Wirtschaft.
Nur wenn wir auf EU-, nationaler und lokaler Ebene zusammenarbeiten, wird dieses Vorhaben
gelingen. Dabei kommt sowohl dem privaten als auch dem öffentlichen Sektor eine wichtige
Rolle zu. Unternehmen müssen mehr investieren und müssen KI in ihren jeweiligen
Tätigkeitsbereichen einsetzen, während der öffentliche Sektor seine Kapazitäten ausbauen
muss. Bei der Vergabe öffentlicher Aufträge sollte – wie im Kompass für
Wettbewerbsfähigkeit1 vorgeschlagen – vermehrt europäischen Anbietern Vorrang eingeräumt
werden, wenn es um kritische Sektoren und Technologien geht.
Die EU muss ihren ganz eigenen Ansatz im KI-Bereich weiterverfolgen, indem sie ihre
Stärken nutzt und auf das setzt, was sie am besten kann. Dies beinhaltet: erstens einen großen
Binnenmarkt mit einem einheitlichen, in der gesamten EU geltenden Paket von
Sicherheitsvorschriften, einschließlich der kürzlich angenommenen KI-Verordnung, mit dem
sichergestellt wird, dass KI vertrauenswürdig ist und mit den Werten der EU in Einklang steht,
zweitens die bestmögliche Nutzung der in der EU angesiedelten hochwertigen Forschung und
Wissenschaft und eines umfangreichen Pools von Wissenschaftlern und qualifizierten
Fachkräften, drittens eine florierende Start-up- und Scale-up-Landschaft, industrielles
Knowhow und Fachwissen und nicht zuletzt eine solide Grundlage an Rechenleistung auf
Weltklasseniveau mit Datenräumen, die für alle zugänglich sind.
Tatsächlich zeitigt der europäische Ansatz der offenen Innovation Ergebnisse. Die
Rechenleistung in der EU ist über das vom Gemeinsamen Unternehmen für europäisches
1 COM(2025) 30 final.
2
Hochleistungsrechnen (EuroHPC2) eingerichtete europäische Netz hochmoderner
Supercomputer öffentlich zugänglich. Das Netz bietet KI-Innovatoren und
Forschungseinrichtungen eine offene Umgebung für den Zugang zu Rechenressourcen zwecks
Training und Feinjustierung von Modellen, sorgt für eine Verbindung zu hochwertigen
Datenräumen und ermöglicht eine breite Beteiligung an der Entwicklung modernster Modelle.
Die KI-Modellentwicklung in der EU profitiert von den bei quelloffenen Ansätzen erzielten
Fortschritten. Sie fördert den Wissensaustausch, ermöglicht die Zusammenarbeit, erleichtert
die Integration in bestimmte Anwendungen und sorgt für mehr Transparenz.
In diesem Zusammenhang ist es nicht überraschend, dass die KI-Start-up- und KI-Scale-up-
Landschaft in der EU floriert. Dies zeigt sich auch daran, dass die Investitionen und die Zahl
der Einhörner in diesem Bereich in den letzten Jahren zugenommen haben. In der EU gibt es
mehr als 6 800 KI-Start-up-Unternehmen3. Diese lebendige Gemeinschaft innovativer KI-
Start-up-Unternehmen und KI-Innovatoren sorgt für die Weiterentwicklung der KI-
Modelle und ihren Einsatz in branchenspezifischen Anwendungen. Dennoch bleibt noch
Einiges zu tun. Die EU muss sicherstellen, dass ihre Start-up-Unternehmen, ihre Industrie, ihr
öffentlicher Sektor und ihre Wissenschaftler insgesamt über das verfügen, was sie benötigen,
um die mit KI verbundenen Chancen nutzen zu können. Dazu gehört auch die Gewährleistung
sicherer Wertschöpfungsketten, ihrer Widerstandsfähigkeit sowie der Resilienz des EU-
Binnenmarkts, was für die Wettbewerbsfähigkeit der EU und ihre künftige Innovationskraft im
derzeitigen geopolitischen Kontext von besonderer Bedeutung ist.
Damit sich die EU zu einem KI-Kontinent entwickeln kann, bedarf es beschleunigter und
intensiverer Anstrengungen in fünf Schlüsselbereichen:
Erstens im Bereich der Recheninfrastruktur: Die öffentliche KI-Infrastruktur der EU muss
ausgebaut werden, damit Innovatoren und Forscher hochmoderne KI-Modelle trainieren und
feinjustieren können. Dazu gehört sowohl die Stärkung des Netzes der KI-Fabriken, die in
Planung sind, um größere Rechenkapazitäten für KI und damit verbundene Dienste anzubieten,
als auch die Einrichtung ressourceneffizienter Gigafabriken, die massive Rechenleistung in
Rechenzentren einspeisen. Inspiration für diese Gigafabriken war das dem CERN zugrunde
liegende Ziel; diese Gigafabriken bieten leistungsfähige und einzigartige Infrastrukturen und
werden so die wissenschaftliche Zusammenarbeit fördern und dafür sorgen, dass Forscher,
Unternehmer und Investoren gemeinsam ehrgeizige und zukunftsorientierte Projekte –
sogenannte „Moonshots“ – in Bereichen wie Gesundheitsversorgung, Biotechnologie,
Industrie, Robotik und wissenschaftliche Entdeckung auf den Weg bringen. In diesem Sinne
könnte der Europäische KI-Forschungsrat (Resource for AI Science in Europe – RAISE)
Ressourcen für KI-Wissenschaftler und Fachwissenschaftler bündeln, die KI EU-weit
einsetzen. Gleichzeitig müssen Investitionen des Privatsektors in Cloud-Kapazitäten und
nachhaltige Rechenzentren erleichtert und ausgeweitet werden.
Zweitens müssen wir weitere Maßnahmen zur Sicherstellung eines besseren Zugangs von KI-
Innovatoren zu hochwertigen Daten ergreifen. Dementsprechend wird die EU an einer
2 Das Gemeinsame Unternehmen für europäisches Hochleistungsrechnen (EuroHPC) wurde 2018 ins Leben
gerufen und wird gemeinschaftlich von der EU, den Mitgliedstaaten und privaten Akteuren finanziert.
Beachtenswerte Beispiele für EuroHPC-Supercomputer sind LUMI (global Platz 8), Leonardo (Platz 9) und
MareNostrum 5 (Platz 11), die gemeinsam die Rechenkapazitäten Europas erhöhen. Ferner wurde der Vertrag
über die Beschaffung des ersten EuroHPC-Exa-Supercomputers JUPITER unterzeichnet.
3 https://www.appliedaiinstitute.de/en/hub/2024-generative-ai-study.
3
speziellen Strategie für eine Datenunion arbeiten und unter anderem die Entwicklung von
Datenlaboren als integrale Bestandteile der KI-Fabriken prüfen, um die Bereitstellung,
Bündelung und sichere gemeinsame Nutzung hochwertiger Daten zu ermöglichen.
Drittens müssen wir die Weiterentwicklung von KI-Algorithmen fördern und uns ihren
Einsatz in den strategischen Sektoren der EU zunutze machen. Im Rahmen der
anstehenden Strategie „KI anwenden“ werden konkrete Maßnahmen eingeleitet, um neue
industrielle und wissenschaftliche Anwendungen von KI zu fördern und öffentliche
Dienstleistungen zu verbessern. Die europäischen digitalen Innovationszentren werden ihren
Fokus neu ausrichten, um die Einführung von KI durch KMU, Midcap-Unternehmen und
öffentliche Verwaltungen zu unterstützen. Ferner werden im Verlauf der nächsten drei Jahre
weitere technologische Fortschritte in strategischen Sektoren durch europäische
Förderprogramme unterstützt.
Viertens stellt der breite KI-Talentpool der EU einen großen Vorteil dar. Wir müssen KI-
Kompetenzen, einschließlich eines grundlegenden Verständnisses von KI sowie vielfältiger
Talente, in der gesamten EU stärken, indem wir bestehende Lücken schließen, Exzellenz in der
KI-bezogenen allgemeinen und beruflichen Bildung und Forschung stärken, mehr Frauen für
KI gewinnen, die Gesellschaft im Allgemeinen wie auch die öffentliche Verwaltung für KI
sensibilisieren und KI-Talente von außerhalb der EU anwerben und halten. Da die EU in der
freien wissenschaftlichen Forschung weltweit führend ist, ist sie ein attraktives Ziel und muss
für Talente aus der ganzen Welt offen bleiben.
Fünftens ist der große EU-Binnenmarkt mit seinem einheitlichen klaren Regelwerk,
einschließlich der KI-Verordnung, ein bedeutender Vorteil, sorgt er doch dafür, dass eine
Marktfragmentierung verhindert und das Vertrauen und die Sicherheit bei der Nutzung von KI-
Technologien gestärkt werden. Dennoch muss die Einhaltung der KI-Verordnung
erleichtert werden, insbesondere für kleinere Innovatoren.
Dies sind die notwendigen Säulen, damit Europa zu einem KI-Kontinent werden kann. Die
Kommissionspräsidentin stellte diese Vision auf dem KI-Aktionsgipfel4 im Februar 2025 in
Paris vor, als sie InvestAI ankündigte, eine Initiative zur Mobilisierung von 200 Mrd. EUR für
Investitionen in KI im Einklang mit den politischen Prioritäten des Kompasses für
Wettbewerbsfähigkeit.
4 https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/speech_25_471.
4
1. Aufbau großer KI-Daten- und Recheninfrastrukturen in ganz Europa für das KI-
Ökosystem
Die Infrastruktur – insbesondere die Rechenleistung – ist für die Entwicklung von KI-
Modellen über den gesamten KI-Lebenszyklus hinweg von grundlegender Bedeutung. Vom
Training, bei dem das Modell aus riesigen Datenmengen lernt und massive Rechenressourcen
benötigt, wofür häufig moderne Hochleistungs-KI-Prozessoren erforderlich sind, über die
Feinjustierung, falls eine Optimierung der KI für spezifische Anwendungen stattfindet, und
das Testen, bei dem das Modell nach Training und Validierung getestet wird, um seine Leistung
zu bewerten, bis hin zu Inferenz und Einsatz, wenn die Ausgaben des Modells in reale
Anwendungen integriert werden. Die Verfügbarkeit leistungsfähiger Rechenressourcen ist für
die Anwerbung von Talenten aus Wissenschaft, Technik und Industrie ein wichtiges Element
und ist für die Stärkung des KI-Ökosystems von entscheidender Bedeutung. Daher ist es
besonders wichtig, dass die EU und die Mitgliedstaaten gemeinsam für die Bereitstellung
entsprechender Rechenleistung auf dem KI-Kontinent sorgen, einschließlich in
Zusammenarbeit mit EU-Bewerberländern und potenziellen EU-Bewerberländern.
Recheninfrastruktur
Vereinfachung der
Rechtsvorschriften
Kompetenzen
Daten
Entwicklung von Algorithmen
und Einführung
KI-
KONTINENT
5
1.1 Einrichtung und Skalierung von KI-Fabriken
Wie im KI-Innovationspaket 20245 angekündigt, hat die EU vor kurzem das EuroHPC-Netz
von Supercomputern im Rahmen der Initiative für KI-Fabriken gestärkt. KI-Fabriken sind
dynamische Ökosysteme, die Innovation, Zusammenarbeit und Entwicklung im KI-Bereich
fördern. Sie vereinen KI-optimierte Supercomputer, umfassende Datenressourcen,
Programmierungs- und Trainingseinrichtungen und Humankapital, um modernste KI-Modelle
und ‑Anwendungen zu entwickeln. Durch die Vernetzung von Hochleistungsrechenzentren,
Hochschulen, Start-up-Unternehmen, Industrie, öffentlichem Sektor und Finanzakteuren
werden KI-Fabriken in ganz Europa für eine engere Zusammenarbeit im KI-Bereich sorgen.
Auch werden sie den Fortschritt bei KI-Anwendungen in verschiedensten Bereichen
vorantreiben. Darüber hinaus werden KI-Fabriken durch die Verbindung zu großen nationalen
Datenspeichern, EU-Datenräumen und speziellen Datenlaboren für einen verbesserten Zugang
zu hochwertigen Daten sorgen (siehe Abschnitt 2).
Die Initiative für KI-Fabriken war ein großer Erfolg und zeigt, wie stark das Engagement
und die Unterstützung seitens der Mitgliedstaaten ist. Nach Ablauf der ersten Frist für die
Einreichung von Vorschlägen für KI-Fabriken am 1. November 2024 wurden sieben
Konsortien bestehend aus 15 Mitgliedstaaten6 und zwei assoziierten EuroHPC-
Teilnehmerstaaten7 für die Errichtung der ersten KI-Fabriken ausgewählt. Auf diese Dynamik
aufbauend wurden im März 2025 sechs zusätzliche KI-Fabriken ausgewählt8. Mit insgesamt
13 KI-Fabriken in 17 Mitgliedstaaten und zwei EuroHPC-Teilnehmerstaaten werden sich die
Gesamtinvestitionen in Hochleistungsrecheninfrastrukturen und KI-Fabriken in der EU im
Zeitraum 2021-2027 auf 10 Mrd. EUR belaufen. In diesem Zusammenhang werden im
Zeitraum 2025-2026 neun neue KI-optimierte Supercomputer beschafft und in der
gesamten EU eingesetzt und ein vorhandener Supercomputer wird mit KI-Fähigkeiten
aufgerüstet9. Dadurch wird die derzeitige KI-Rechenkapazität des EuroHPC mehr als
verdreifacht.
KI-Fabriken bieten einzigartige Stärken, sind in spezialisierten Schwerpunktbereichen tätig
und spielen eine zentrale Rolle bei der Weiterentwicklung von KI-Anwendungen in
strategischen Sektoren, wie folgende Abbildung zeigt:
5 KI-Innovationspaket.
6 https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/ip_24_6302.
7 Am Gemeinsamen Unternehmen EuroHPC teilnehmende Nicht-EU-Mitgliedstaaten, d. h. Island, Israel,
Montenegro, Nordmazedonien, Norwegen, Serbien, die Türkei, das Vereinigte Königreich und bald auch die
Schweiz: Discover EuroHPC JU - EuroHPC JU.
8 https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/news/second-wave-ai-factories-set-drive-eu-wide-
innovation#:~:text=This%20follows%20the%20first%20selection,of%20around%20%E2%82%AC485%20mill
ion.
9 Einzelheiten siehe Anhang I.
6
Anhang I enthält eine Zusammenfassung der 13 ausgewählten EuroHPC-KI-Fabriken.
In den Mitgliedstaaten ist ein steigendes Interesse und zunehmendes Vertrauen zu verzeichnen,
und es haben weitere Länder ihre Bereitschaft signalisiert, an der laufenden dritten
Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen teilzunehmen, deren Frist im zweiten
Quartal 2025 endet. Dies unterstreicht den Erfolg der Initiative und ihre strategische Bedeutung
für die KI-Zukunft Europas.
Darüber hinaus können die Teilnehmerstaaten KI-Fabrik-Antennen einrichten, um Dienste
für ihr nationales KI-/HPC-Ökosystem zu unterstützen, ohne dass hierfür eine eigene
Supercomputer-Infrastruktur benötigt wird. Mit KI-Fabrik-Antennen wird der Fernzugriff auf
die KI-optimierten Hochleistungsrechenressourcen der verbundenen, in einem anderen
Mitgliedstaat ansässigen KI-Fabrik möglich sein.
Bis Ende 2025 werden alle ausgewählten KI-Fabriken und KI-Fabrik-Antennen vollständig in
Betrieb, vernetzt und mit anderen zentralen KI-Unterstützungsinitiativen, wie den Test- und
Versuchseinrichtungen für KI10 zur Bereitstellung spezieller Ressourcen für das Testen von
KI-Lösungen, und dem Netz europäischer digitaler Innovationszentren, verbunden sein.
Das Gemeinsame Unternehmen EuroHPC wird als zentrale Anlaufstelle für Nutzer in
der gesamten EU dienen und Zugang zu Rechenzeit und Unterstützungsdiensten der
EuroHPC-KI-Fabriken bieten. Die KI-Fabriken stehen europäischen11 Nutzern aus
verschiedenen Sektoren offen, darunter Industrie, Forschung, Wissenschaft und öffentliche
Hand. Durch neue maßgeschneiderte Zugangsarten wird KI-Innovatoren – Start-up-
Unternehmen, Scale-up-Unternehmen, KMU – und ausgewählten EU-finanzierten
Forschungsprojekten Vorrang eingeräumt, um einen vereinfachten und schnellen Zugang zu
Rechenressourcen mit minimalen Verwaltungsgemeinkosten zu gewährleisten. Der
Verwaltungsrat des Gemeinsamen Unternehmens EuroHPC plant, diese Zugangsstrategie
zeitgleich zur Veröffentlichung dieser Mitteilung anzunehmen. Im Einklang mit unseren
Strategien für eine krisenfeste Union und für die innere Sicherheit sind Bestimmungen
über die direkte Zuweisung von Zugriffszeit für strategische EU-Projekte12 sowie für die
Bewältigung von Not- und Krisensituationen enthalten.
10 https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/testing-and-experimentation-facilities.
11 In einem EU-Mitgliedstaat, einem Teilnehmerstaat oder einem mit dem Programm Digitales Europa oder
Horizont Europa assoziierten Drittland niedergelassen oder ansässig.
12 Destination Earth, Leitinitiative „Human Brain“, Exzellenzzentren für Hochleistungsrechnen oder die
Initiative „1+ Million Genome“.
Schlüsselsektoren AT BG DE EL ES FI FR IT LU PL SE SI
Gesundheit und
Biowissenschaften ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●
Technologie und Digitales ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●
Umwelt und Nachhaltigkeit ● ● ● ● ● ● ● ● ● ●
Bildung und Kultur ● ● ● ● ● ● ● ● ●
Fertigung und Ingenieurwesen ● ● ● ● ● ● ●
Finanzen und Unternehmen ● ● ● ● ● ● ●
Landwirtschaft und Ernährung ● ● ● ● ● ●
Cybersicherheit &
Doppelnutzung ● ● ●
Luft- und Raumfahrt ● ● ● ●
Öffentlicher Sektor ● ● ● ●
7
Wichtigste Maßnahmen der Kommission/des EuroHPC:
- Einrichtung und Inbetriebnahme ausgewählter KI-Fabriken und ihrer Dienste
(2. Quartal 2025)
- Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle für alle Nutzer in ganz Europa für den
Zugang zu KI-Fabriken und ihren Diensten (2. Quartal 2025)
- Einleitung des Verfahrens zur Beschaffung der ersten KI-optimierten Fabrik-
Supercomputer (2./3. Quartal 2025)
- Veröffentlichung der Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen zur Einrichtung
von KI-Fabrik-Antennen (2. Quartal 2025)
- Veröffentlichung einer Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen zur
Vernetzung aller Tätigkeiten von KI-Fabriken und KI-Fabrik-Antennen
(2. Quartal 2025)
CSC
Kajaani
Universität
Linköping
Posen
PolenJülich
Deutschland
LuxProvide
Bissen
Bruyères-le-Châtel
Frankreich
Universität
Stuttgart
Wien
Österreich
Maribor
Slowenien
CINECA
Bologna Tecnopolo
Barcelona
Hochleistungsrechenzentrum
Sofia
Bulgarien
GRNET
Athen
KIF-Standortländer
KIF-Partnerländer
Übrige EuroHPC-
Teilnehmerstaaten
KI-Fabriken
Beteiligung der Schweiz vorbehaltlich der Ratifizierung ihrer Teilnahme an Horizont Europa
8
1.2 Investitionen in KI-Gigafabriken
Obgleich KI-Modelle durch die jüngsten Fortschritte bei den Trainingstechniken und durch die
Optimierung ihrer Architektur effizienter geworden sind, erfordert die Entwicklung
hochmoderner KI-Modelle nach wie vor enorme Rechen- und Datenkapazitäten.
In den letzten zwei Jahren sind KI-Modelle immer komplexer geworden und haben sich
von der Textverarbeitung hin zum Ziehen von Schlussfolgerungen, zu multimodalen
Fähigkeiten und zu KI-Agenten entwickelt. Dieser Trend wird sich fortsetzen, wobei davon
auszugehen ist, dass die nächste Generation hochmoderner KI-Modelle bei den Fähigkeiten
einen großen Sprung hin zur starken künstlichen Intelligenz (Artificial General Intelligence,
AGI) machen wird, die in der Lage ist, hochkomplexe und vielfältige Aufgaben zu bewältigen
und menschlichen Fähigkeiten gleichkommt.
Derzeit spielen die leistungsstärksten, mit bis zu 25 000 modernen KI-Prozessoren
ausgestatteten Supercomputer der KI-Fabriken bei der Entwicklung und beim Training der
aktuellen Generation von KI-Modellen eine zentrale Rolle. Um bei der nächsten Welle
fortschrittlicher KI-Modelle eine Führungsposition zu übernehmen, sind erheblich mehr
Rechenleistung und Daten erforderlich. Wie im Kompass für Wettbewerbsfähigkeit
angekündigt, wird die EU in KI-Gigafabriken investieren.
Bei KI-Gigafabriken wird es sich um sehr große Anlagen handeln, in denen komplexe KI-
Modelle auf noch nie da gewesenem Niveau – mit hunderten Billionen Parametern –
entwickelt und trainiert werden. Mit über 100 000 modernen KI-Prozessoren werden sie
über eine massive Rechenleistung verfügen, wobei der Leistungskapazität, der Energie- und
Wassereffizienz sowie der Kreislauffähigkeit Rechnung getragen wird. Diese Anlagen sind
von entscheidender Bedeutung, damit Europa im globalen Wettbewerb bestehen und seine
strategische Autonomie beim wissenschaftlichen Fortschritt und in kritischen Industriezweigen
bewahren kann. Sie werden an das Netz der EuroHPC-KI-Fabriken gekoppelt, um eine
nahtlose Integration und den Wissensaustausch im gesamten europäischen KI-Ökosystem zu
gewährleisten. Dies sollte auch die Konzeption – und zu gegebener Zeit die Herstellung – von
KI-Prozessoren in Europa begünstigen. Die COVID-19-Krise und die jüngsten geopolitischen
Entwicklungen13 haben gezeigt, wie wichtig sichere und widerstandsfähige
Wertschöpfungsketten und ein starker Binnenmarkt für Europa sind. Die EU ist entschlossen,
eine Fragmentierung ihres Binnenmarkts zu verhindern und ihre Kapazitäten auszubauen, um
bei kritischen Technologien weniger abhängig zu sein, und ihre Souveränität bei
hochmodernen Halbleitern zu stärken14. Während die Arbeit in diesem Bereich bereits im
Rahmen des Gemeinsamen Unternehmens für Chips und des Gemeinsamen Unternehmens
EuroHPC begonnen hat, sollte dies auch bei der Überarbeitung des Chip-Gesetzes, mit der die
strategische Autonomie bei der Konzeption und Herstellung von KI-Halbleitern sichergestellt
13 Gemeinsame Erklärung von Exekutiv-Vizepräsidentin Henna Virkkunen und Kommissar Maroš Šefčovič,
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/statement_25_255.
14 Das Gemeinsame Unternehmen EuroHPC hat die mit 240 Mio. EUR ausgestattete Initiative „DARE“ ins
Leben gerufen, um auf der Grundlage offener RISC-V-Prozessoren (allgemeiner Verwendungszweck und
Beschleuniger, einschließlich KI-spezifischer Chips) und deren Integration in europäische Supercomputer auf
Exa- und Post-Exa-Niveau ein umfassendes HPC-Ökosystem aufzubauen. Durch die Herstellung
wettbewerbsfähiger HPC-Technologie für die künftigen europäischen Supercomputer mit maßgeblichen
Auswirkungen auf andere Bereiche wie KI, Cloud- und Rechenzentren oder die Automobilindustrie wird diese
Initiative die strategische technologische Souveränität der EU stärken.
9
werden soll, eine zentrale Priorität sein. Die Kommission wird für einen rascheren Abschluss
der für die Überarbeitung des Chip-Gesetzes im Jahr 2026 nötigen Vorbereitungsarbeiten
sorgen. Hohe Energieeffizienz und Sicherheit sollten zu den Kernanforderungen an
europäische KI-Chips gehören.
Es ist davon auszugehen, dass für die Einrichtung einer einzigen KI-Gigafabrik erhebliche
Investitionen erforderlich sind, die sowohl Investitionsausgaben als auch operative
Ausgaben umfassen. Angesichts des Umfangs der erforderlichen Investitionen wird der
Aufbau dieser KI-Gigafabriken mittels öffentlich-privater Partnerschaften und innovativer
Finanzierungsmechanismen erfolgen. In diesem Zusammenhang hat Kommissionspräsidentin
von der Leyen auf dem KI-Aktionsgipfel in Paris15 die Einrichtung der Fazilität „InvestAI“
angekündigt, mit der Investitionen in Höhe von 20 Mrd. EUR für die KI-Infrastruktur und
insbesondere für bis zu fünf KI-Gigafabriken in der Union bereitgestellt werden sollen. Ziel
dieser Fazilität, die gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank-Gruppe entwickelt
werden soll, ist es, private Investitionen zu erleichtern und zu mobilisieren. Ergänzt werden
soll dies durch Finanzhilfen und Garantien aus dem Unionshaushalt und aus den
Mitgliedstaaten. Zudem hat die Kommission die Mitgliedstaaten und Regionen im Rahmen
ihrer Halbzeitüberprüfung der Kohäsionspolitik nachdrücklich aufgefordert, digitale
Kapazitäten wie KI, Cloud und Giga-Fabriken stärker zu unterstützen16.
Im Rahmen einer solchen öffentlich-privaten Partnerschaft würden etwa die EU und die
Mitgliedstaaten – unter Einhaltung der geltenden Vorschriften über staatliche Beihilfen –
direkte Finanzhilfen gewähren, während private Akteure für die Finanzierung des
verbleibenden Betrags zuständig wären – mit der Möglichkeit, das Investitionsrisiko über die
Fazilität „InvestAI“ zu senken. Diese KI-Gigafabriken können sich auch zu einer Plattform für
die Gewinnung großer internationaler Finanzinvestoren entwickeln.
Für die Errichtung der allerersten KI-Gigafabriken auf europäischem Boden werden erhebliche
Investitionsanstrengungen und eine umfassende politische Koordinierung erforderlich sein –
bei einem gleichzeitig klaren Mehrwert für die Wettbewerbsfähigkeit der EU. Daher werden
die KI-Gigafabriken als ein Pilot-Verfahren des im Kompass für Wettbewerbsfähigkeit
angekündigten Koordinierungsinstruments für Wettbewerbsfähigkeit dienen.
Vorgehen entsprechend dieser Vision:
- Zusammen mit der Annahme dieses Aktionsplans wird eine Aufforderung zur
Interessenbekundung für Konsortien veröffentlicht, die an der Gründung von KI-
Gigafabriken interessiert sind. Ziel ist es, mit einzelnen Interessenten in einen Dialog zu
treten. Bei diesem Dialog wird es um die Partnerschaft, das vorgeschlagene Budget, den
geografischen Standort, die Rechenleistung, technische Spezifikationen und
Nachhaltigkeitsaspekte sowie eine Durchführbarkeitsanalyse in Bezug auf ihre KI-Gigafabrik
gehen.
- Auf der Grundlage der Ergebnisse der im Rahmen der ersten Aufforderungen zur
Interessenbekundung mit den Beteiligten, einschließlich der Mitgliedstaaten, der Industrie und
der Finanzinstitute, geführten Gespräche, veröffentlicht das Gemeinsame Unternehmen
EuroHPC im 4. Quartal 2025 die offizielle Aufforderung zur Einreichung von
Vorschlägen zur Einrichtung von KI-Gigafabriken.
15 https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/speech_25_471.
16 Mitteilung „Eine modiernisierte Kohäsionspolitik: Die Halbzeitüberprüfung“, COM(2025) 163.
10
Für die Weiterentwicklung von KI-Modellen, einschließlich in Richtung einer starken KI
(AGI), ist es außerdem erforderlich, dass Unternehmen die Hochskalierung erleichtert wird.
Zur Mobilisierung umfangreicher Kapitalinvestitionen für die Entwicklung neuer KI-
Modelle könnten Investmentfonds herangezogen werden, wie etwa die Fonds, die
Unterstützung aus dem Fonds des Europäischen Innovationsrats, dem geplanten TechEU-
Scale-up-Fonds17, der „European Tech Champions“-Initiative der EIB-Gruppe oder der
InvestEU-Garantie erhalten. Darüber hinaus könnte die öffentliche Auftragsvergabe in der EU,
auf die über 15 %18 unseres BIP entfallen, dafür sorgen, dass ein enormer Markt für innovative
Produkte und Dienstleistungen entsteht. In diesem Zusammenhang wurde im Kompass für
Wettbewerbsfähigkeit angekündigt, dass die europäische Präferenz bei der Vergabe
öffentlicher Aufträge für kritische Sektoren und Technologien im Rahmen der
bevorstehenden Überarbeitung der EU-Vorschriften gestärkt werden soll.
Im Rahmen der von der Europäischen Kommission im Kompass für Wettbewerbsfähigkeit
angekündigten Start-up- und Scale-up-Strategie der EU werden spezifische Lösungen zur
Erleichterung des Zugangs innovativer Start-up- und Scale-up-Unternehmen zu Finanzmitteln,
öffentlichen Aufträgen, Märkten, Dienstleistungen und Talenten geprüft.
Wichtigste Maßnahmen der Kommission/des EuroHPC:
- Veröffentlichung einer Aufforderung zur Interessenbekundung für Investitionen in
KI-Gigafabriken (9. April 2025)
- Ausarbeitung der Fazilität „InvestAI“ mit der EIBG (3./4. Quartal 2025)
- Veröffentlichung der offiziellen Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen für
KI-Gigafabriken im Rahmen des Gemeinsamen Unternehmens EuroHPC
(4. Quartal 2025)
- Schließung der Finanzierungslücke von Start-up-Unternehmen und Scale-up-
Unternehmen und Erleichterung ihres Zugangs zu Märkten, öffentlichen Aufträgen,
Dienstleistungen und Talenten im Rahmen der Start-up- und Scale-up-Strategie der
EU (2. Quartal 2025)
1.3 Schaffung eines Unterstützungsrahmens zur Stärkung der Cloud-Kapazitäten und
der Rechenzentren-Kapazitäten in der EU
Die EU benötigt zudem weitere Instrumente, die es dem Privatsektor ermöglichen, andere
Kapazitätslücken, die entlang des Rechenkontinuums bestehen und alle Phasen des
Lebenszyklus eines KI-Modells – von der Entwicklung und Feinjustierung bis hin zur
Einführung und Echtzeitnutzung – betreffen, zu schließen. Zu diesen Kapazitätslücken gehören
insbesondere: allgemeine Cloud-Kapazitäten, die in der Regel von großen Rechenzentren
bereitgestellt werden, und Edge-Kapazitäten, die ähnliche Dienste erbringen, jedoch mit
deutlich kürzerer Antwortzeit (Latenz), z. B. in einer Telekommunikationsumgebung
(Telco Edge)19. In Bezug auf KI sind Cloud- und Edge-Computing wichtige Voraussetzungen
17 Aus dem Kompass für Wettbewerbsfähigkeit: „(…) mit dem die Finanzierungslücke geschlossen, disruptive
Innovationen unterstützt, die industriellen Kapazitäten Europas gestärkt und die Hochskalierung von
Unternehmen ermöglicht werden sollen“.
18 Access to public procurement | Single Market and Competitiveness Scoreboard.
19 Der Begriff „Telco Edge“ bezeichnet Edge-Computing-Umgebungen, die von Telekommunikationsbetreibern
als Dienstleistung für Dritte angeboten werden. Dies sind die heute bekanntesten Edge-Computing-Angebote.
11
für kleinere Feinjustierungsarbeiten, insbesondere solche zur Anpassung trainierter KI-
Modelle an bestimmte Aufgaben unter Verwendung kleinerer Datensätze, und für die Inferenz,
bei der trainierte KI-Modelle aus neuen Daten Ausgaben generieren.
Die EU liegt bei den verfügbaren Kapazitäten von Rechenzentren derzeit hinter den USA und
China zurück und ist in hohem Maße auf Infrastrukturen angewiesen, die sich in anderen
Regionen der Welt befinden, von diesen kontrolliert werden und auf die Nutzer aus der EU
über die Cloud zugreifen. Während der Zugang zu innovativen und erschwinglichen Cloud-
Diensten für die Wettbewerbsfähigkeit der EU von entscheidender Bedeutung ist, kann eine
übermäßige Abhängigkeit von EU-fremden Infrastrukturen Risiken für die
wirtschaftliche Sicherheit bergen und stellt für die europäische Industrie, die wichtigsten
Wirtschaftssektoren und die öffentlichen Verwaltungen ein Problem dar. Um dem KI- und
allgemeinen Rechenbedarf von Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen in der gesamten
EU angemessen gerecht zu werden und Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität zu
gewährleisten, ist es für die EU von entscheidender Bedeutung, ihre derzeitigen Cloud-
und Rechenzentren-Kapazitäten in geografisch ausgewogener Weise auszubauen.
Mit dem EU-Rechtsakt über Cloud- und KI-Entwicklung wird die EU über den geeigneten
Rahmen verfügen, um Anreize für umfangreiche Investitionen in Cloud- und Edge-Kapazitäten
zu schaffen. Heute liegt die durchschnittliche Zeit bis zum Erhalt einer Genehmigung und der
entsprechenden Umweltgenehmigungen für den Bau eines Rechenzentrums in Europa oft bei
über 48 Monaten. Die Rechenzentrumsbranche hat Schwierigkeiten, geeignete Standorte zu
finden und Zugang zu ausreichender Energie für die Versorgung ihrer Anlagen zu erhalten.
Mit dem EU-Rechtsakt über Cloud- und KI-Entwicklung werden diese Hindernisse beseitigt,
um die Kapazitäten der Rechenzentren in der EU in den nächsten fünf bis sieben Jahren
mindestens zu verdreifachen und bis 2035 ein Niveau zu erreichen, das den Bedarf der
Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen in der EU deckt. Zu diesem Zweck sieht die
Kommission vor, dass Projekte im Zusammenhang mit Rechenzentren, die die Anforderungen
an die Ressourceneffizienz, einschließlich der Energie- und Wassereffizienz, und an die
Kreislaufwirtschaft erfüllen, und zudem den Innovationsanforderungen genügen, von
vereinfachten Genehmigungsverfahren bei gleichzeitiger Wahrung des Umweltschutzes und
gleichzeitigem Schutz der menschlichen Gesundheit sowie von anderen öffentlichen
Fördermaßnahmen im Einklang mit den geltenden Vorschriften über staatliche Beihilfen
profitieren sollen.
Die Einbindung neuer Rechenzentren in das Netz bringt große Herausforderungen mit sich,
insbesondere was die potenziellen Auswirkungen auf den Verbrauch, andere
Energieverbraucher, Netzwerke und Dekarbonisierung angeht. Im strategischen Fahrplan für
Digitalisierung und KI im Energiesektor werden Maßnahmen vorgeschlagen, um die
nachhaltige Integration von Rechenzentren in das Energiesystem zu erleichtern und andere
energiebezogene Probleme zu lösen, die sich aus der groß angelegten Einrichtung von
Rechenzentren in der EU ergeben, wie z. B. Stromnetzoptimierung, Energieeffizienz in
Gebäuden und in der Industrie sowie nachfrageseitige Flexibilität. In diesem Sinne wird es Ziel
der künftigen Strategie für eine resiliente Wasserversorgung sein, den Wasserfußabdruck
dieser Anlagen zu verringern und ihre Kreislauffähigkeit durch Wasserwiederverwendung,
Wassereffizienz und Trockenkühlung zu verbessern.
Weitere Einzelheiten siehe: https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/library/white-paper-how-master-europes-
digital-infrastructure-needs.
12
Bei hochkritischen Anwendungsfällen, einschließlich KI-Anwendungen, erfordern
Souveränität und operative Autonomie besonders sichere, in der EU angesiedelte Cloud-
Kapazitäten. Mit dem Rechtsakt über Cloud- und KI-Entwicklung wird sichergestellt, dass
der öffentliche und der private Sektor in der EU bei diesen Anwendungsfällen auf derartige
Kapazitäten zurückgreifen können, wodurch die Grundlage für die Einführung von KI im
öffentlichen Sektor in einem vertrauensvollen Umfeld geschaffen wird. Generell soll mit dem
Rechtsakt über Cloud- und KI-Entwicklung durch Nutzung der bestehenden, in der
Datenverordnung enthaltenen Bestimmungen über den Cloud-Wechsel ein gemeinsamer EU-
Marktplatz für Cloud-Kapazitäten und -Dienste geschaffen werden, um einer breiteren
Palette von Cloud-Diensteanbietern den Markteintritt zu ermöglichen.
Die Kommission fordert die Interessenträger auf, sich im Rahmen einer öffentlichen
Konsultation, die zu diesem Aktionsplan durchgeführt wird, zum Rechtsakt über Cloud- und
KI-Entwicklung zu äußern.
Mit den von der Kommission auf diesem Gebiet ergriffenen Maßnahmen werden die
Bemühungen der Mitgliedstaaten ergänzt, die derzeit zwei mögliche neue wichtige Vorhaben
von gemeinsamem europäischem Interesse (IPCEI) in diesem Bereich erarbeiten. Dabei steht
bei einer Initiative die Förderung der über den aktuellen Stand der Technik hinausgehenden
Forschung und der erste industrielle Einsatz von Lösungen in einem Kontinuum föderierter
und verteilter KI-Dienste im Mittelpunkt. Bei einer weiteren Initiative liegt der Fokus auf dem
Aufbau von Recheninfrastrukturen und -diensten in großem Maßstab.
Wichtigste Maßnahmen der Kommission:
- Annahme eines Vorschlags für den Rechtsakt über Cloud- und KI-Entwicklung
(4. Quartal 2025 - 1. Quartal 2026), welcher die Einleitung einer öffentlichen
Konsultation (9. April 2025) vorausgeht
- Annahme eines strategischen Fahrplans für Digitalisierung und KI im Energiesektor
(2026)
- Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Ausarbeitung möglicher künftiger IPCEI
im Bereich KI und Datenverarbeitungsinfrastruktur
2. Daten für KI
Der Zugang zu zuverlässigen und gut strukturierten Daten ist von entscheidender Bedeutung,
wenn die EU das Potenzial von KI voll ausschöpfen will. Die Kommission wird sich in der
zweiten Jahreshälfte 2025 mit einer neuen Strategie für die Datenunion befassen, um mehr
Daten zur Unterstützung von Entwicklungen und Innovationen im KI-Bereich zur Verfügung
zu stellen.
Der Schwerpunkt der Strategie für die Datenunion wird auf der Stärkung des
Datenökosystems der EU liegen, indem die Interoperabilität und die sektorübergreifende
Verfügbarkeit von Daten verbessert werden. So soll dem Mangel an robusten und hochwertigen
Daten für das Training und die Validierung von KI-Modellen entgegengewirkt werden. Ziel
der Strategie ist es, die Datenpolitik besser auf die Bedürfnisse der Unternehmen, des
öffentlichen Sektors und der Gesellschaft abzustimmen und gleichzeitig ein
vertrauenswürdiges Umfeld für den Datenaustausch zu fördern. Um dies zu erreichen, werden
die erforderlichen Schutzvorkehrungen getroffen, um die Vertraulichkeit, Integrität und
Sicherheit gemeinsam genutzter Daten zu gewährleisten und so eine Kultur des Vertrauens und
13
der Zusammenarbeit zu fördern. Besonderes Augenmerk wird dabei der Straffung der
bestehenden Datenvorschriften gelten, um die Komplexität und den Verwaltungsaufwand zu
verringern und sicherzustellen, dass die Daten-Governance-Strukturen effizient und wirksam
sind, und zwar auf der Grundlage eines inklusiven Prozesses, der den geltenden
Urheberrechtsvorschriften Rechnung trägt.
Ein wichtiges Instrument in diesem Zusammenhang werden die Datenlabore sein, die im
Rahmen der Initiative für KI-Fabriken eingerichtet werden. In diesen Datenlaboren werden
sektorspezifische Daten aus verschiedenen KI-Fabriken vereint und zusammengeführt.
Darüber hinaus stellen sie Verknüpfungen zu den entsprechenden gemeinsamen europäischen
Datenräumen her und stellen diese Daten KI-Entwicklern unter geeigneten Bedingungen zur
Verfügung. Auf diese Weise werden die Datenlabore dafür sorgen, dass KI-Entwickler Zugang
zu großen Mengen hochwertiger Daten in den Bereichen Gesundheit, Energie oder in anderen
Bereichen haben (stets im Einklang mit den für jeden Datenraum geltenden Vorschriften).
Datenlabore werden nicht nur den Zugang zu gemeinsamen europäischen Datenräumen
gewährleisten, sondern könnten auch eine Reihe anderer Dienste anbieten, darunter etwa die
Bereinigung und Anreicherung von Datensätzen, die Bereitstellung technischer Instrumente
(z. B. standardisierte Formate, synthetische Daten, gemeinsame technische Bausteine) oder die
Förderung der sektor- und grenzübergreifenden Interoperabilität. Datenlabore könnten auch
Dienste zur Bündelung von Daten anbieten, die Unternehmen dabei helfen, Daten unter
Einhaltung der kartellrechtlichen Vorschriften auszutauschen, und sich dabei im Hinblick auf
vertrauenswürdige Datenmittler auf die Verordnung über europäische Daten-Governance
stützen. Kurz gesagt würden sie fragmentierte Datenquellen zu einer vertrauenswürdigen und
zugänglichen Ressource für die KI-Entwicklung machen.
Die Kommission unterstützt diese Bemühungen durch die Entwicklung von Simpl, einer
gemeinsamen Cloud-Software zur Erleichterung der Verwaltung und Vernetzung von
Datenräumen20. Diese Software dient als gemeinsame Ebene und hilft den Datenraum-
Teilnehmern, reibungsloser zusammenzuarbeiten. Sie bietet praxistaugliche Instrumente – wie
sichere Wege für den Datenaustausch, die Zugangsverwaltung und die Identitätsüberprüfung –
und verringert so die technische Komplexität und senkt die Kosten. Dies wiederum wird dazu
beitragen, dass sich mehr Organisationen EU-weit an Datenräumen beteiligen und diese
ergänzen.
Der Sprachdaten-Bereich ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie die Bündelung von Daten aus
verschiedenen Mitgliedstaaten zu greifbaren Ergebnissen führen kann. Sprachdaten bilden die
Grundlage für große Sprachmodelle. Ihre Verfügbarkeit ist von entscheidender Bedeutung, um
Sprachbarrieren im Binnenmarkt abzubauen und den Handel innerhalb der EU möglicherweise
um bis zu 360 Mrd. EUR zu steigern21. Die Allianz für Sprachtechnologien (ALT-EDIC) ist
eine groß angelegte Unternehmung zur Bündelung von EU-Sprachdaten und wurde im
März 2025 ins Leben gerufen. In ihrem Rahmen werden 17 Mitgliedstaaten gemeinsam an der
Erstellung einer umfassenden Sammlung hochwertiger Sprachressourcen arbeiten, um die
Lücke bei mehrsprachigen Daten zu schließen, die sprachliche und kulturelle Vielfalt Europas
zu bewahren und technologische Exzellenz sowie Technologieführerschaft zu fördern.
Ein weiteres Beispiel ist der Bereich Gesundheit, wo mit der Verordnung über den
europäischen Raum für Gesundheitsdaten ein gemeinsamer Rahmen für die sichere
20 https://simpl-programme.ec.europa.eu/.
21 Studie über Sprachtechnologielösungen (CNECT/LUX/2022/OP/0030).
14
Bereitstellung von Gesundheitsdaten aus verschiedenen Mitgliedstaaten für die EU-weite
Sekundärnutzung festgelegt wird. Durch die Gewährleistung des Zugangs zu hochwertigen
Datensätzen, die die Vielfalt der europäischen Bevölkerung widerspiegeln, wird dies zur
Verringerung von Verzerrungen beitragen und bei der Entwicklung von KI-Anwendungen für
das Gesundheitswesen für mehr Fairness und Wirksamkeit sorgen.
Darüber hinaus sammelt die Europäische Cloud für offene Wissenschaft, Europas Datenraum
für Forschung und Innovation, riesige Mengen hochwertiger Forschungsdaten von
Forschungsinstituten, um sie für innovative Anwendungen zur Verfügung zu stellen. Die EU
selbst stellt über Copernicus frei zugängliche Geodaten für die Entwicklung von KI-
Technologien bereit.
Neben der Bereitstellung von mehr Daten wird im Rahmen der Strategie für die Datenunion
auch geprüft, wie unnötige Bürokratie abgebaut werden kann. Mit der Strategie soll die
Einhaltung der EU-Datenvorschriften durch Unternehmen vereinfacht werden, sodass sie
Daten für KI leichter austauschen und nutzen können. Im Rahmen der Strategie wird außerdem
geprüft, wie die EU weitere wertvolle Daten gewinnen und gleichzeitig sicherstellen kann, dass
sensible EU-Daten geschützt werden, wenn sie international ausgetauscht werden.
Zur Konzipierung der Strategie wird die Kommission eine öffentliche Konsultation einleiten,
um Beiträge von Unternehmen, dem öffentlichen Sektor, Forschern und anderen
Interessenträgern einzuholen. Dies wird dazu beitragen, den spezifischen Datenbedarf zu
ermitteln, vorgeschlagene Maßnahmen zu verfeinern und sicherzustellen, dass mit der Strategie
ein starkes, wettbewerbsfähiges und innovatives KI-Ökosystem in der EU unterstützt wird.
Wichtigste Maßnahmen der Kommission:
Einleitung einer öffentlichen Konsultation zur Strategie für die Datenunion, um sich ein
genaueres Bild vom Datenbedarf der Industrie zu machen (2. Quartal 2025), bevor die
Strategie für die Datenunion vorgestellt wird (Mitteilung, 3. Quartal 2025)
Einrichtung der mit den KI-Fabriken verbundenen Datenlabore (3.-4. Quartal 2025)
Weitere Unterstützung der Einrichtung gemeinsamer europäischer Datenräume
(einschließlich der Verwendung gemeinsamer Software und der Nutzung gemeinsamer
technischer Bausteine zur Gewährleistung von Interoperabilität) und Stärkung ihrer
Verknüpfung mit KI-Fabriken (Programm Digitales Europa 2025-2027)
3. Förderung von Innovation und Beschleunigung der KI-Einführung in strategischen
Sektoren der EU
Vielen europäischen Unternehmen, insbesondere Midcap-Unternehmen und KMU, fällt die
Einführung von KI immer noch schwer. Bis 2024 setzten nur 13,5 % der Unternehmen in der
EU KI ein22. Eine beschleunigte Einführung von KI in allen Sektoren, einschließlich in der
öffentlichen Verwaltung, fördert Innovation und ist für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit,
die Ankurbelung des Wirtschaftswachstums und die Verringerung des Verwaltungsaufwands
von entscheidender Bedeutung.
Dies ist das Ziel der künftigen Strategie „KI anwenden“, des Ansatzes der EU für einen
beschleunigten Einsatz von KI und für die Förderung von Innovation bei gleichzeitiger
Nutzung von in Europa hergestellten KI-Lösungen. Im Mittelpunkt der Strategie werden
Industriezweige stehen, in denen das Know-how der EU zu einer weiteren Steigerung der
22 https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/isoc_eb_ai/default/table.
15
Produktivität und der Wettbewerbsfähigkeit beitragen könnte. Sie wird sich auch mit der
Einführung von KI im öffentlichen Sektor beschäftigen, wo KI in Bereichen wie dem
Gesundheitswesen transformative Vorteile für das Wohlergehen mit sich bringen kann.
Ergänzend dazu soll mit einer europäischen Strategie für KI in der Wissenschaft speziell der
Einsatz von KI in wissenschaftlichen Disziplinen gefördert werden, um die Produktivität zu
steigern und wissenschaftliche Durchbrüche zu erzielen.
3.1 Anwendungsfallbasierter Ansatz in Schlüsselsektoren der europäischen Industrie und
im öffentlichen Sektor
Im Einklang mit dem Draghi-Bericht wird die Strategie „KI anwenden“ auf die
Schlüsselsektoren der europäischen Industrie ausgerichtet sein, in denen die EU führend
ist. Zu diesen Sektoren mit dem größten ungenutzten Potenzial beim Einsatz von KI gehören
unter anderem fortgeschrittene Fertigung, Luft- und Raumfahrt, Sicherheit und
Verteidigung23, Agrar- und Lebensmittelsektor, Energie- und Fusionsforschung, Umwelt
und Klima, Mobilität und Automobilindustrie, Pharmazie, Biotechnologie, Konzeption
fortgeschrittener Werkstoffe, Robotik, elektronische Kommunikation, Kultur- und
Kreativwirtschaft24 sowie Wissenschaft. Darüber hinaus wird der öffentliche Sektor eine
wichtige strategische Triebkraft für die Strategie „KI anwenden“ sein. Mit der Strategie wird
sichergestellt, dass KI eingesetzt wird, um die Qualität und Effizienz öffentlicher
Dienstleistungen in Bereichen wie Gesundheitswesen, Justiz, Bildung und öffentliche
Verwaltung zu verbessern. In diesem Zusammenhang kann KI ein wirksames Instrument zur
Prävention und Bekämpfung von Diskriminierung und zur Gewährleistung der
Chancengleichheit für alle sein, indem etwa barrierefreie Lösungen geschaffen und
Hindernisse für Menschen mit Behinderungen beseitigt werden. Allerdings muss unbedingt
sichergestellt werden, dass die weitere Integration und Nutzung von KI in diesen Sektoren die
Interessen der EU in Bezug auf die wirtschaftliche Sicherheit nicht untergräbt. Hierbei wird
das Instrumentarium der EU für wirtschaftliche Sicherheit eine zentrale Rolle spielen.
In der Strategie werden Maßnahmen zur Bewältigung sektorspezifischer Herausforderungen
vorgeschlagen, darunter der Zugang zu Daten, Talente, Kompetenzentwicklung
und -verbesserung, automatisierte Auftragsvergabe und Testmöglichkeiten. Der Ansatz dient
letztlich der Bestimmung der wirksamsten politischen Instrumente zur Erleichterung der
sektorspezifischen und sektorübergreifenden Einführung von KI-Lösungen. Dazu gehört auch
die strategische Positionierung geeigneter Unterstützungsinstrumente wie KI-
Fabriken/Gigafabriken, europäische digitale Innovationszentren, Test- und
Versuchseinrichtungen, die Strategie für die Datenunion und die Akademie für KI-
Kompetenzen (siehe Abschnitt 4). Darüber hinaus wird in der Strategie vorgeschlagen, dass
das Europäische Büro für Künstliche Intelligenz als KI-Kompetenzzentrum der EU eine
Beobachtungsstelle zur Überwachung der Entwicklungen und der Umsetzung einrichtet.
23 Entsprechend dem „Weißbuch zur europäischen Verteidigung – Bereitschaft 2030“ sind grundlegende
Technologien wie KI sowohl für das langfristige Wirtschaftswachstum als auch für die militärische
Überlegenheit von entscheidender Bedeutung.
24 Für die Kreativwirtschaft wird parallel zur künftigen Strategie „KI anwenden“ eine KI-Strategie für den
Kultur- und Kreativsektor entwickelt. Schwerpunkt dieser Strategie wird es sein, sicherzustellen, dass KI
menschliche Kreativität ermöglicht und stärkt, anstatt Menschen zu ersetzen, und dass sie zum Schutz der
kulturellen und sprachlichen Vielfalt Europas beiträgt.
16
Zur Einholung eines breiten Spektrums an Standpunkten und Beiträgen, Ermittlung der
Prioritäten und Herausforderungen der Interessenträger und Bewertung der Zweckmäßigkeit
potenzieller Lösungen fordert die Europäische Kommission die Interessenträger auf, sich im
Rahmen der öffentlichen Konsultation, die diese Mitteilung flankiert, zur Strategie „KI
anwenden“ zu äußern.
Darüber hinaus werden von der Kommission derzeit strukturierte Dialoge mit Vertretern
der Industrie (einschließlich KMU, Start-up- und Scale-up-Gemeinschaften) sowie mit dem
öffentlichen Sektor eingeleitet. Aufbauend auf bestehenden Plattformen für die Konsultation
der Interessenträger zielen diese Dialoge darauf ab, einschlägige Beispiele für ungenutztes
Potenzial in Bezug auf die Nutzung von KI-Technologien in bestimmten Sektoren zu ermitteln
und sich ein Bild von der aktuellen Integration von KI in Geschäfts- und Produktionsprozesse
sowie von den Möglichkeiten einer noch stärkeren Nutzung im betreffenden Sektor und in der
Wirtschaft insgesamt zu machen.
3.2 Europäische digitale Innovationszentren als wesentliche Triebkräfte für die
Förderung des Einsatzes von KI
Bei der Förderung einer wirksamen KI-Integration wird das Netz der europäischen digitalen
Innovationszentren, die in allen EU-Mitgliedstaaten sowie in zehn anderen europäischen
Ländern, einschließlich Bewerberländern, angesiedelt sind und 85 % der europäischen
Regionen abdecken, eine Schlüsselrolle spielen. Mit den europäischen digitalen
Innovationszentren soll sichergestellt werden, dass der digitale Wandel bei KMU, Midcap-
Unternehmen und Organisationen des öffentlichen Sektors gelingt. In einer zweiten Phase, d. h.
ab Dezember 2025, werden aus den europäischen digitalen Innovationszentren
Kompetenzzentren für KI. Ihr Fokus wird verstärkt auf der Einführung von KI liegen, damit
sie den Einsatz sektorspezifischer KI-Lösungen wirksam unterstützen können; gleichzeitig
werden sie auch weiterhin begleitende Dienstleistungen wie Finanzierungsberatung,
Vernetzung und Schulungen anbieten.
Das Netz europäischer digitaler Innovationszentren wird eng mit dem Ökosystem der KI-
Fabriken zusammenarbeiten. Unter anderem wird es den Zugang von Unternehmen zu den
Rechen- und Datenressourcen der KI-Fabriken sowie zu anderen KI-Initiativen wie
Reallaboren und Test- und Versuchseinrichtungen erleichtern.
KI-Gigafabriken
KI-Fabriken
Europäische digitale Innovationszentren
Industriezweige Öffentlicher
Sektor (einschl.
Gesundheitswesen)
Wissenschaft
Binnenmarkt für KI
Große Anlagen für das Training von hochmodernen KI-Modellen
Nutzung von Hochleistungsrechnen,
Daten und Talenten für das KI-Ökosystem
Unterstützung der Einführung von KI in
Organisationen
Die Strategie „KI anwenden“ wird
aufzeigen, wie die strategischen Sektoren
der EU am besten von KI-Lösungen
profitieren können
17
Letztere bieten große reale Umgebungen, um KI zu testen und zu verfeinern, wodurch
sichergestellt wird, dass das KI-Modell validiert, optimiert und auf den Einsatz vorbereitet
wird. Test- und Versuchseinrichtungen werden insbesondere in den Bereichen Gesundheit,
Fertigung, intelligente Städte (einschließlich Verkehr und Mobilität), Landwirtschaft und
Energie betrieben25. 2026 wird eine neue derartige Test- und Versuchseinrichtung in Betrieb
genommen.
So könnte etwa ein Unternehmen, das ein KI-gestütztes Prognosemodell für den
Energieverbrauch in ein bestehendes Fertigungssystems integrieren möchte, spezifische
Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen für seine Mitarbeiter benötigen. Die europäischen
digitalen Innovationszentren können solche Schulungen durchführen und werden das
Unternehmen auch mit einem Angebot klarer, den Bedürfnissen der Mitarbeiter entsprechender
Weiterbildungspfade unterstützen.
Die folgenden Beispiele zeigen, wie die europäischen digitalen Innovationszentren KMU
bereits bei der Anwendung von KI-Lösungen unterstützt haben:
KI-Algorithmen und Sensorintegration für Roboterschiffe (Estland)26
Mindchip OÜ, ein Kleinst-Start-up-Unternehmen für Seeverkehrstechnologie in Estland, sah sich bei
der Entwicklung eines wirksamen KI-gestützten Systems für maschinelles Sehen zur Nutzung in
autonomen Schiffen mit Problemen konfrontiert. Durch die Zusammenarbeit mit dem europäischen
digitalen Innovationszentrum AI & Robotics Estonia, das im Rahmen der Initiative „Testen vor der
Investition“ Unterstützung leistete und bei der Erschließung von Finanzierungsmöglichkeiten half,
konnte das Unternehmen ein hochmodernes KI-gestütztes System für maschinelles Sehen
integrieren, durch das sich die autonomen Navigationsfähigkeiten erheblich verbessert haben. Dieses
System hat für eine erhebliche Verringerung der Kosten und der Umweltauswirkungen gesorgt und
gleichzeitig die Sicherheit und die Betriebseffizienz verbessert.
ARACNE – Maschinelles Sehen zur Kontrolle von Nadeln und Platinen für eine mangelfreie
Herstellung: Vom Konzeptnachweis zum Spin-off-Unternehmen (Spanien)27
Ziel von CANMARTEX, ein kleines Unternehmen in Spanien, war es, Ineffizienzen bei der
Textilherstellung aufgrund von Gewebemängeln zu beseitigen. Im Rahmen einer Partnerschaft mit
Eurecat, die über das europäische digitale Innovationszentrum DIH4CAT zustande kam, wurde die
ARACNE-Lösung entwickelt, die moderne KI-Technologien und Technologien für maschinelles
Sehen umfasste. Dieses prädiktive Qualitätskontrollsystem erkennt und behebt potenzielle Mängel
an Webmaschinen in Echtzeit, wodurch erheblich weniger Abfall anfällt und die Produktivität
gesteigert wird. Der innovative Ansatz führte zur Gründung eines Spin-off-Unternehmens und zur
Verleihung mehrerer renommierter Auszeichnungen an CANMARTEX, darunter die Auszeichnung
„Beste KI-Lösung für die industrielle Fertigung“ bei der Veranstaltung „Fabriken der Zukunft“ im
Jahr 2023.
Unterstützung des Erfolgs der Gas Grün GmbH in den Bereichen KI, Marketing und
Prototypen mittels 3D-Druck (Deutschland)28
Die Gas Grün GmbH, ein kleines Biogas-Start-up aus Deutschland, hatte Schwierigkeiten, die
Energieausbeute ihrer Biogasanlagen zu optimieren. Mithilfe eines digitalen Innovationszentrums,
25 https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/testing-and-experimentation-facilities.
26 https://european-digital-innovation-hubs.ec.europa.eu/knowledge-hub/success-stories/ai-algorithms-a
ndsensor-integration-robotic-vessels.
27 https://european-digital-innovation-hubs.ec.europa.eu/knowledge-hub/success-stories/aracne-machine-
visionneedles-and-sinkers-control-zero-defect.
28 https://european-digital-innovation-hubs.ec.europa.eu/de/knowledge-hub/success-stories/unterstuetzung-
deserfolgs-der-gas-gruen-gmbh-den-bereichen-ki.
18
das die Möglichkeit bot, Technologien wie den 3D-Druck vor der Tätigung von Investitionen in diese
Technologien zu testen, und Kontakte zwischen Gas Grün und spezialisierten Partnern herstellte,
entwickelte das Unternehmen ein KI-gestütztes Kontrollsystem, mit dem die Energieerzeugung
optimiert und der Abfall auf ein Mindestmaß reduziert wurde. Dadurch konnte das Unternehmen sein
Geschäft ausweiten und seine Erfolge auf Veranstaltungen der Branche präsentieren.
ArtCentrica: Online-Plattform zur Revolutionierung des Lernens in den Bereichen Kunst und
Geisteswissenschaften (Italien)
ArtCentrica bietet Zugang zu über 8 000 hochauflösenden Kunstwerken aus Museen aus aller Welt
sowie ein einzigartiges Bildungstool, das menschliche und künstliche Intelligenz vereint, um
interaktive Multimedia-Geschichten rund um Kunstwerke zu erzählen: AI ArtCentrica Stories. Mit
diesem innovativen Tool verwandeln sich Kunstwerke in dynamische Elemente, die sowohl als
Gegenstand der Geschichte als auch als Instrument zur Veranschaulichung unterschiedlicher
Konzepte dienen. Die FuE für dieses Projekt erfolgt mithilfe eines digitalen Innovationszentrums.
3.3 KI, die von der Forschung bis zur Marktreife „Made in Europe“ ist
Im Hinblick auf den Einsatz von KI-Lösungen ist es von entscheidender Bedeutung, für einen
fortlaufenden Prozess zu sorgen, der sich über den gesamten Entwicklungszyklus der
Technologie, d. h. von der Forschung bis zur Marktreife, erstreckt. Die Förderung von FuI-
Tätigkeiten ist daher unabdingbar. Die Kommission hat mit dem im Januar 2024 ins Leben
gerufenen KI-Innovationspaket bereits Anstrengungen in diese Richtung unternommen.
Dieses Paket beinhaltet die finanzielle Unterstützung von Forschung und Innovation im
Bereich der generativen KI durch die Initiative GenAI4EU, mit der die angewandte Forschung
unterstützt und die Eckpfeiler für ein starkes europäisches KI-Ökosystem geschaffen werden.
Mit der Initiative GenAI4EU, die einen sektorspezifischen Ansatz verfolgt, wurde dafür
gesorgt, dass bislang fast 700 Mio. EUR für im Rahmen der Programme „Horizont
Europa“ und „Digitales Europa“ geplante Aufforderungen zur Einreichung von
Vorschlägen29 für die Entwicklung moderner KI-Modelle und -Lösungen in einer Vielzahl
von Sektoren bereitgestellt wurden. Im Rahmen der Projekte wird unter anderem generative
KI für die Optimierung der Produktionslinien in der Fertigung entwickelt, um die Autonomie
von Robotern und die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter bei komplexen
Aufgaben zu verbessern und unsere Fähigkeiten im Bereich Cyberabwehr und medizinische
Bildgebung zu stärken.
Darüber hinaus soll im öffentlichen Sektor mit bis zu vier Pilotprojekten für einen
schnelleren Einsatz europäischer generativer KI-Lösungen in öffentlichen Verwaltungen
gesorgt werden. Der Schwerpunkt dieser Pilotprojekte wird auf der Verbesserung der
Entscheidungsfindung, der Straffung interner Verwaltungsverfahren und der Verbesserung der
Interaktion mit den Bürgern durch eine leichtere Zugänglichkeit öffentlicher Dienste liegen.
Unter Nutzung der öffentlichen Kaufkraft stärkt die Aufforderung die innovationsfördernde
Auftragsvergabe, fördert die Entwicklung und den Einsatz neuartiger Lösungen und
beschleunigt die Einführung und Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen. Aufbauend auf
der GenAI4EU-Initiative wird die Kommission die europäische FuI im Bereich KI und die
Entwicklung von KI-Lösungen in den Jahren 2026 und 2027 als integraler Bestandteil der
Strategie „KI anwenden“ weiterhin unterstützen. Der Schwerpunkt wird auf den im Rahmen
29 Betrag für laufende und geplante Aufforderungen: für den Zeitraum 2024-2025 im Rahmen des Programms
Horizont Europa und für den Zeitraum 2024-2027 im Rahmen des Programms Digitales Europa.
19
der Strategie ermittelten besonders vielversprechenden Anwendungsfällen liegen. Darüber
hinaus wird die Initiative „GovTech-Incubator“ im Zeitraum 2025-2029 21 GovTech-Akteure
aus 16 Ländern bei der – als ersten Schritt – gemeinsamen Erprobung und Entwicklung von
KI-Lösungen für die Vergabe öffentlicher Aufträge, für die Verarbeitung von Nachweisen und
für Barrierefreiheit-Assistenten unterstützen.
Zur Ergänzung und Stärkung der oben genannten Initiativen sind umfangreiche Investitionen
in die Grundlagenforschung von entscheidender Bedeutung. Dies ist für die Bewahrung der
KI-Exzellenz Europas von zentraler Bedeutung, wobei das Fachwissen von Weltrang in den
Mitgliedstaaten genutzt und die Kräfte auf europäischer Ebene gebündelt werden müssen, um
die Zusammenarbeit zu fördern, die besten Forschungstalente anzuwerben und zu halten und
die nächste Generation von Technologien und wissenschaftlichen Durchbrüchen
voranzutreiben, die sowohl der Industrie als auch der Gesellschaft zugutekommen. Der in den
politischen Leitlinien für 2024-2029 angekündigte Europäische KI-Forschungsrat, der in
Form einer Ressource für die KI-Wissenschaft in Europa (Resource for AI Science in
Europe, RAISE) eingerichtet werden soll, wird Ressourcen bündeln, um die technologischen
Grenzen von KI zu durchbrechen und ihr Potenzial nutzen, um leichter wissenschaftliche
Durchbrüche zu erzielen. Er wird sowohl „Wissenschaft für KI“ zur Förderung der
Entwicklung von KI-Technologien der nächsten Generation als auch „KI in der Wissenschaft“
zur Förderung des Einsatzes von KI für die Entdeckung und Exploration in einer Reihe
wissenschaftlicher Disziplinen und zur wechselseitigen Befruchtung zwischen KI und
Fachwissenschaften unterstützen. Auf der Grundlage der im Rahmen der öffentlichen
Konsultationen sowohl zu „KI anwenden“ als auch zu „KI in der Wissenschaft“ eingegangenen
Beiträge wird die Kommission das Konzept, einschließlich seiner Governance,
weiterentwickeln und bis 2026 eine Pilotphase der Ressource für die KI-Wissenschaft in
Europa (RAISE) einleiten.
Die künftige Strategie „KI anwenden“ wird daher die Wissenschaft als vertikalen Sektor
umfassen und mit der Strategie „KI in der Wissenschaft“ (die zusammen mit der Strategie
„KI anwenden“ angenommen werden soll) verknüpft sein. Ziel dieser Strategie ist es, mit
Unterstützung der RAISE den verantwortungsvollen und raschen Einsatz von KI durch
Wissenschaftler zu erleichtern. Mit der Strategie wird ein Aktionsplan eingeführt, um
Hindernisse, die sich Wissenschaftlern stellen, zu beseitigen, die Wissenschaftsgemeinschaft
zu stärken und die Zusammenarbeit und wissenschaftliche Exzellenz zu fördern. Sie wird eine
Verbindung zur Rechenleistung von Gigafabriken herstellen und ein offenes Umfeld für die
wissenschaftliche Zusammenarbeit schaffen.
Wichtigste Maßnahmen der Kommission:
- Einleitung einer öffentlichen Konsultation und Aufforderung zur Stellungnahme, um
die Prioritäten der Interessenträger zu ermitteln und Input für die Strategie „KI
anwenden“ zu erhalten (9. April 2025)
- Aufforderung zur Stellungnahme und gezielter Konsultationen mit der
Wissenschaftsgemeinschaft als Input für die Strategie „KI in der Wissenschaft“
(2. Quartal 2025)
- Organisation strukturierter Dialoge mit Vertretern der Industrie und des öffentlichen
Sektors, um sektorspezifische KI-bezogene Zielvorgaben und zentrale
Leistungsindikatoren zu ermitteln und Input für die Strategie „KI anwenden“ zu
erhalten (2.-3. Quartal 2025)
20
- Anpassung des Auftrags der europäischen digitalen Innovationszentren, um
sicherzustellen, dass sie die Einführung einschlägiger KI-Lösungen in strategischen
Sektoren uneingeschränkt unterstützen können (2.-3. Quartal 2025)
- Annahme der Strategie „KI anwenden“ zusammen mit der Strategie „KI in der
Wissenschaft“ (3. Quartal 2025)
- Annahme des FuI-Arbeitsprogramms 2026-2027 im Rahmen von „Horizont Europa“
zur weiteren Förderung der Entwicklung und des Einsatzes von KI/generativer KI in
strategischen Sektoren (4. Quartal 2025)
- Als Teil der Initiative GenAI4EU: Aufforderungen zur Einreichung von Vorschlägen
im Rahmen der Programme „Horizont Europa“ und „Digitales Europa“ in den
Bereichen Gesundheit, Cybersicherheit, Energie, Pharmazeutik/Arzneimittel,
elektronische Kommunikation, Luft- und Raumfahrt, Robotik, Fertigung,
öffentlicher Sektor, Wissenschaft usw. mit einem Investitionsbetrag in Höhe von fast
700 Mio. EUR (1. Quartal 2026)
- Einleitung einer Pilotphase des RAISE, des Europäischen KI-Forschungsrats (2026)
4. Stärkung von KI-Kompetenzen und KI-Talenten
Entscheidend für die Wettbewerbsstärke Europas sind seine Bürgerinnen und Bürger – dies
wird in der Union der Kompetenzen30 hervorgehoben. Eine qualifizierte Bevölkerung ist von
entscheidender Bedeutung, um auf den sich heute vollziehenden raschen technologischen
Wandel zu reagieren und den künftigen Wohlstand und die Wettbewerbsfähigkeit der EU
sicherzustellen. KI wirkt sich zunehmend auf die Stellenprofile, aber auch auf die
Kompetenzen aus, die Arbeitnehmer und Bürger benötigen. Die EU muss daher entsprechend
dem Ziel der Strategie „KI anwenden“ gegen Fachkräftemangel und sektorübergreifende
Diskrepanzen zwischen Qualifikationsangebot und -nachfrage vorgehen. In diesem
Zusammenhang und im Einklang mit den Arbeitsbereichen31 der Union der Kompetenzen32
wird der Schwerpunkt des KI-Kontinents auf Maßnahmen zur Erweiterung des Pools von KI-
Fachkräften in der EU und zur entsprechenden, den Einsatz von KI betreffenden
Weiterqualifizierung und Umschulung von Arbeitnehmern und Bürgern in der EU liegen.
Der Aufbau eines breiten KI-versierten Bestands an Arbeitskräften beginnt mit einer
hochwertigen und inklusiven allgemeinen und beruflichen Erstausbildung. Mit dem Fahrplan
für die Zukunft der digitalen Bildung und Kompetenzen bis 2030 und der mit ihm
verbundenen Initiative zu KI in der allgemeinen und beruflichen Bildung33 werden – etwa
durch die Unterstützung von Lehrkräften und Bildungseinrichtungen und den Ausbau ihrer
Kapazitäten – die Entwicklung von KI-Kompetenzen in der Primar- und Sekundarbildung
unterstützt und der strategische und ethische Einsatz von KI in der Bildung gefördert. Hierauf
30 Union der Kompetenzen – Europäische Kommission.
31 1) Aufbau von Kompetenzen für das Leben durch ein solides Bildungsfundament, 2) Weiterqualifizierung und
Umschulung zur Gewährleistung zukunftsorientierter Kompetenzen, 3) Zirkulation von Kompetenzen und
Abstimmung von Qualifikationsangebot und -nachfrage zur Erschließung des vollen Potenzials des
Binnenmarkts, 4) Anwerbung und Bindung von Talenten aus Drittländern zur Behebung des Fachkräftemangels
und zur Entwicklung von Spitzentalenten in Europa.
32 Und den damit verbundenen politischen Strategien wie dem Strategieplan für die Bildung in MINT-Fächern,
COM(2025) 89 final.
33 Wie in der Union der Kompetenzen angekündigt.
21
aufbauend und als Beitrag zu den vier Arbeitsbereichen34 der Union der Kompetenzen und
insbesondere zum Strategieplan für die Bildung in MINT-Fächern35 wird der Schwerpunkt des
KI-Kontinents auf Maßnahmen zur Erweiterung des Pools von KI-Fachkräften in der EU und
zur entsprechenden, den Einsatz von KI betreffenden Weiterqualifizierung und Umschulung
von Arbeitnehmern und Bürgern in der EU liegen.
4.1 Erweiterung des Pools von KI-Fachkräften in der EU
Die EU muss ihren KI-Talentpool erweitern, um der steigenden Nachfrage nach KI-bezogenem
Fachwissen, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung von KI-Anwendungen und
branchenspezifische Kompetenzen, gerecht zu werden36. Um dies zu erreichen wird
Kommission den Schwerpunkt auf folgende Bereiche legen:
Aus- und Weiterbildung der nächsten Generation von in der EU ansässigen KI-
Experten
Schaffung von Anreizen für europäische KI-Talente zum Verbleib in der EU bzw. zur
Rückkehr in die EU und
Anwerbung und Bindung qualifizierter KI-Talente aus Nicht-EU-Ländern,
einschließlich Forschern
Zur Ergänzung bestehender Bildungsprogramme37 und Vorbereitung der nächsten Generation
von KI-Experten in Europa wird die Kommission die Ausweitung des Gesamtangebots in der
EU an Bachelor- und Masterstudiengängen und Doktorandenprogrammen in
Schlüsseltechnologien, einschließlich KI38, unterstützen und virtuelle Studienmessen und
Stipendien zur Förderung solcher Programme organisieren. Eine zentrale Maßnahme in diesem
Zusammenhang wird die Einrichtung der Akademie für KI-Kompetenzen39 sein, eine
zentrale Stelle, die Programme der allgemeinen und beruflichen Bildung zur Vermittlung von
Kompetenzen im Zusammenhang mit der Entwicklung und dem Einsatz von KI, insbesondere
generativer KI, bietet. Über die Akademie wird die Kommission auch ein Pilotprogramm zur
KI-Ausbildung durchführen, um einen Pool von KI-Spezialisten auszubilden, die anhand von
Projekten aus der Praxis geschult wurden und bereit sind, (wieder) in den EU-Arbeitsmarkt
einzutreten. Zu diesem Zweck sind Wiedereintrittsprogramme40 für weibliche Fachkräfte
geplant. Um für weitere positive Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft und Industrie zu
sorgen, wird die Kommission außerdem europäische Wettbewerbe für fortgeschrittene
digitale Kompetenzen entwickeln, bei denen junge Menschen in die gemeinsame Erarbeitung
34 1) Aufbau von Kompetenzen für das Leben durch ein solides Bildungsfundament, 2) Weiterqualifizierung und
Umschulung zur Gewährleistung zukunftsorientierter Kompetenzen, 3) Zirkulation von Kompetenzen und
Abstimmung von Qualifikationsangebot und -nachfrage zur Erschließung des vollen Potenzials des
Binnenmarkts, 4) Anwerbung und Bindung von Talenten aus Drittländern zur Behebung des Fachkräftemangels
und zur Entwicklung von Spitzentalenten in Europa.
35 COM(2025) 89 final.
36 LEADS, D1.3 Final ADS Demand and Forecast Report, 2023.
37 Einschließlich Initiativen wie die Europäischen Hochschulallianzen im Rahmen von Erasmus±, die MSCA-
Doktorandennetzwerke und die Initiativen des Europäischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT) und
seiner Wissens- und Innovationsgemeinschaften (KIC).
38 Siehe die Maßnahmen im Arbeitsprogramm Digitales Europa 2025-2027: Work Programme 2025-2027 of the
Digital Europe Programme (DIGITAL) | Shaping Europe’s digital future.
39 EU Funding & Tenders Portal | EU Funding & Tenders Portal.
40 Wiedereintrittsprogramme unterstützen die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt nach einer längeren
Unterbrechung der beruflichen Laufbahn z. B. wegen Mutterschaftsurlaubs. Diese Programme ergänzen weitere
EU-Initiativen zur Gewinnung von mehr Frauen und Mädchen für die allgemeine und berufliche Bildung im
Bereich KI, einschließlich des Strategieplans für die Bildung in MINT-Fächern.
22
von KI-gestützten Lösungen für zentrale gesellschaftliche und industrielle Herausforderungen
einbezogen werden und die kreatives und innovatives Denken fördern.
Zusammen mit den KI-Fabriken wird die Akademie für KI-Kompetenzen41 auch für die
Nutzung von Exzellenz in der KI-Bildung und -Forschung wichtig sein42. Die Akademie wird
KI-Stipendienprogramme unterstützen, die es hochqualifizierten Doktoranden in der EU und
außerhalb der EU sowie jungen Fachkräften, die außerhalb der EU leben, ermöglichen, in
Einrichtungen mit Sitz in der EU zu arbeiten. Mit KI-Stipendien wird sichergestellt, dass
hochrangige Experten für generative KI die an der Akademie für KI-Kompetenzen Lernenden
ausbilden und schulen und gleichzeitig ihre eigene Forschung in diesem Bereich voranbringen
können. Die Akademie für KI-Kompetenzen wird daher einen Pilot-Studiengang mit
Schwerpunkt generative KI entwickeln43. KI-Fabriken hingegen werden für die Schaffung
eines hochdynamischen Umfelds für Spitzenforscher von entscheidender Bedeutung sein und
Innovationen und die Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Einführung von KI-Lösungen
in strategischen Sektoren fördern.
Zur weiteren Unterstützung der Gewinnung hochrangiger Doktoranden und Forscher wird sich
die Kommission auf Maßnahmen zur Anwerbung der besten Studenten und Forscher (auch im
KI-Sektor) aus Nicht-EU-Ländern konzentrieren. Zu diesem Zweck wird die Kommission in
der künftigen Visastrategie Maßnahmen zur Verbesserung der Umsetzung der Richtlinie über
Studenten und Forscher und der Hochqualifizierten-Richtlinie darlegen und im Rahmen der
Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen die Pilotausschreibung „MSCA Choose Europe“
veröffentlichen. Wie bei anderen MSCA-Initiativen wird auch dieses Pilotprojekt für alle
Forschungsbereiche offenstehen und es Forschungseinrichtungen wie Universitäten und
Forschungsinfrastrukturen ermöglichen, exzellente internationale KI-Forscher anzuwerben,
für ihre Entwicklung zu sorgen und sie zu halten. Im Rahmen des Pilotprojekts werden
Einstellungsprogramme kofinanziert, die es ihnen ermöglichen, die MSCA-Zuschüsse mit
einer langfristigen Perspektive in der Einrichtung zu verknüpfen, z. B. durch
Auswahlverfahren für unbefristete Stellen. Ziel ist es, der Prekarität in Forschungslaufbahnen
entgegenzuwirken, das europäische FuI-Ökosystem attraktiver zu machen und die
europäischen Forschungskapazitäten langfristig zu stärken.
Und schließlich wird die Kommission auf der Grundlage des bestehenden EU-Rechtsrahmens
Maßnahmen ergreifen, um die Mitgliedstaaten und die Arbeitgeber dabei zu unterstützen,
mehr hochqualifizierte Drittstaatsangehörige, einschließlich KI-Experten, anzuwerben
und zu halten. Ein wichtiges Instrument hierfür wird der künftige EU-Talentpool sein, dessen
Schaffung so bald wie möglich von den gesetzgebenden Organen beschlossen werden sollte.
Bis 2026 wird die Kommission darüber hinaus die ersten Multipurpose Legal Gateway
Offices (multifunktionale Stellen für legale Wege in den europäischen Arbeitsmarkt) in
wichtigen Partnerländern einrichten, um die internationale Arbeitskräftemobilität und die
Kompetenzentwicklung zwischen der EU, den Mitgliedstaaten und den Partnerländern,
einschließlich im IKT-Bereich, zu fördern. Die Kommission wird auch weiterhin
41 Die Akademie für KI-Kompetenzen wird eine Zusammenarbeit mit anderen einschlägigen Initiativen prüfen,
z. B. mit der Europäischen Allianz für künstliche Intelligenz.
42 Bei gleichzeitiger Gewährleistung von Komplementarität und Synergien mit anderen einschlägigen Initiativen
wie der Europäischen Allianz für künstliche Intelligenz (ARISA).
43 Dadurch werden die im Rahmen des Programms Erasmus+ unternommenen Anstrengungen zur Förderung
innovativer Ansätze für den Einsatz generativer KI-Instrumente in der Bildung (EdTech) sehr gut ergänzt,
während gleichzeitig den einschlägigen Maßnahmen der Union der Kompetenzen, wie dem europäischen
Hochschulabschluss/Gütesiegel, Rechnung getragen wird.
23
Fachkräftepartnerschaften stärken, um die Arbeitskräftemobilität und die
Kompetenzentwicklung in für KI relevanten Bereichen zu maximieren, wie etwa im Bereich
IKT, einem prioritären Bereich bei vier der fünf derzeitigen Fachkräftepartnerschaften.
4.2 Weiterqualifizierung und Umschulung von Arbeitskräften und Bevölkerung in der
EU
Um eine wirksame Verbreitung von KI in der gesamten EU zu unterstützen und einen auf den
Menschen ausgerichteten digitalen Wandel am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft im
weiteren Sinne sicherzustellen, muss die Kommission zusammen mit den Mitgliedstaaten die
Weiterqualifizierung und Umschulung von Fachkräften in allen Bereichen und der breiteren
Bevölkerung mit Blick auf den Einsatz von KI unterstützen44. In diesem Zusammenhang ist
der soziale Dialog von entscheidender Bedeutung, um den Qualifikationsbedarf auf dem
Arbeitsmarkt zu antizipieren und zu decken und die Einführung digitaler Technologien am
Arbeitsplatz in Europa auf faire und inklusive Weise zu erleichtern.
Um das kontinuierliche Lernen von Arbeitnehmern (in KMU, Midcap-Unternehmen, Start-up-
Unternehmen sowie Organisationen des öffentlichen Sektors) sicherzustellen, wird die
Kommission das Netz der europäischen digitalen Innovationszentren heranziehen, das seine
Kompetenzen und Schulungsdienste ausbauen und praktische KI-Kurse für verschiedene
technische und nichttechnische Profile und für bestimmte Sektoren anbieten wird. Die
Kommission wird auch das Bewusstsein für KI-Kompetenzen schärfen45 und den Dialog
über KI für alle fördern46, insbesondere durch die Stärkung von Verbreitungsmaßnahmen
und durch die Pflege eines Verzeichnisses von Initiativen zu KI-Kompetenzen privater und
öffentlicher Organisationen47.
Wichtigste Maßnahmen der Kommission:
- Unterstützung der Ausweitung des EU-Angebots an Bachelor- und
Masterstudiengängen und Doktorandenprogrammen in Schlüsseltechnologien,
einschließlich KI (2. Quartal 2025)
- Start der Akademie für KI-Kompetenzen (2. Quartal 2025), darunter:
o KI-Stipendienprogramme zur Anwerbung von im Ausland lebenden
Doktoranden, Forschern und jungen Fachkräften aus der EU und aus Drittstaaten
o die (zusammen mit KI-Fabriken erfolgende) Entwicklung eines zertifizierten
Pilot-Studiengangs mit Schwerpunkt generative KI zur Erleichterung
hochrangiger Lehrtätigkeit und Forschung von KI-Stipendiaten
o die Durchführung eines Pilotprogramms zur KI-Ausbildung zusammen mit der
Industrie
o Stipendien- und Wiedereintrittsprogramme für weibliche Fachkräfte
44 In den kommenden Jahren werden 61 % der erwachsenen Arbeitnehmer neue Kompetenzen benötigen, um
sich den Auswirkungen von KI auf ihre Arbeit anzupassen, allerdings haben bislang nur 15 % Schulungen zur
Nutzung von KI-Tools erhalten (Cedefop, AI skills survey, 2025).
45 Dies wird im Einklang mit parallel laufenden Tätigkeiten erfolgen, wie dem Fahrplan für die Zukunft der
digitalen Bildung und Kompetenzen bis 2030, der mit ihm verbundenen Initiative zu KI in der allgemeinen und
beruflichen Bildung und der Aktualisierung des Referenzrahmens für digitale Kompetenzen der Bürgerinnen
und Bürger (DigComp 3.0), die jeweils in der Union der Kompetenzen angekündigt wurden.
46 Im Einklang mit der KI-Verordnung, der Europäischen Erklärung zu den digitalen Rechten und Grundsätzen
und insbesondere dem Grundsatz, niemanden zurückzulassen.
47 Das Verzeichnis wurde im Rahmen der Arbeiten zur Unterstützung der Umsetzung von Artikel 4 der KI-
Verordnung erstellt und enthält bislang eine Sammlung der von den Unterzeichnern des KI-Pakts eingesetzten
Verfahren: Living repository to foster learning and exchange on AI literacy | Shaping Europe’s digital future.
24
- Durchführung von Wettbewerben für fortgeschrittene digitale Kompetenzen in
Schlüsseltechnologien, einschließlich KI (2. Quartal 2025)
- Beitrag zur Anwerbung und Bindung qualifizierter KI-Talente aus Nicht-EU-Ländern,
einschließlich durch das an Forscher gerichtete Programm „MSCA Choose Europe“
(4. Quartal 2025-2026)
- Unterstützung des kontinuierlichen Lernens von Arbeitnehmern in KMU, Midcap-
Unternehmen, Start-up-Unternehmen und Organisationen des öffentlichen Sektors in
Zusammenarbeit mit den europäischen digitalen Innovationszentren (2. Quartal 2025)
- Förderung von KI-Kompetenzen durch Verbreitungsmaßnahmen und ein Verzeichnis
der Initiativen zu KI-Kompetenzen (2. Quartal 2025)
- Einleitung eines Pilotprojekts zur Nutzung bestehender Fachkräftepartnerschaften
und Einrichtung der Multipurpose Legal Gateway Offices zur Förderung der Mobilität
hochqualifizierter Arbeitskräfte aus Drittstaaten im KI-Sektor (4. Quartal 2025)
5. Förderung der Einhaltung und Vereinfachung der Rechtsvorschriften
Ein praktikabler und robuster Rechtsrahmen ist von entscheidender Bedeutung, um ein
positives und wettbewerbsorientiertes Umfeld zu schaffen, in dem KI-Unternehmen in der EU
florieren können und das es dem KI-Ökosystem der EU ermöglicht, Innovationen
hervorzubringen. Die EU hat die KI-Verordnung angenommen, um die Voraussetzungen
für einen gut funktionierenden Binnenmarkt für KI zu schaffen, den freien
grenzüberschreitenden Verkehr und harmonisierte Bedingungen für den Zugang zum EU-
Markt zu gewährleisten. Sie stellt auch sicher, dass die in Europa entwickelte und verwendete
KI sicher ist, die Grundrechte achtet und von höchster Qualität ist – ein Verkaufsargument für
europäische Anbieter. Zudem fördert sie den Einsatz von KI. Die KI-Verordnung verfolgt
einen gezielten und risikobasierten Ansatz und enthält in diesem Sinne nur Vorgaben für
Hochrisiko-KI-Anwendungen. Sie trat am 1. August 2024 in Kraft und wird schrittweise
eingeführt, bis sie schließlich am 2. August 2027 vollständig anwendbar ist.
Der Erfolg der KI-Verordnung wird in erster Linie davon abhängen, wie praktikabel ihre
Vorschriften in der Praxis sind. Die derzeitige Vorbereitungsphase ist für eine erfolgreiche
Durchführung von entscheidender Bedeutung. Die Mitgliedstaaten und die Kommission,
einschließlich ihres Büros für Künstliche Intelligenz, müssen verstärkt Maßnahmen ergreifen,
um für eine möglichst reibungslose und berechenbare Anwendung der KI-Verordnung zu
sorgen. In einem ersten Schritt richtet die Kommission den Service Desk für die KI-
Verordnung ein, der als zentrale Informationsplattform zur KI-Verordnung dienen wird, auf
der Interessenträger Hilfe und maßgeschneiderte Antworten erhalten. Diese Initiative
ermöglicht einen einfachen und freien Zugang zu Informationen über den geltenden
Rechtsrahmen und zu entsprechender Beratung und wird damit insbesondere den Bedürfnissen
kleinerer Anbieter und Betreiber von KI-Lösungen gerecht. Die Hilfestellung erfolgt in Form
von praktischen Ratschlägen, die dazu beitragen, die KI-Verordnung zu verstehen und
einzuhalten. Der Service Desk für die KI-Verordnung wird von einem speziellen Team im Büro
für Künstliche Intelligenz bereitgestellt. Er wird eine interaktive Plattform bieten, auf der
Unternehmen und andere Interessenträger, einschließlich öffentlicher Stellen, Fragen stellen,
Antworten erhalten und auf technische Tools zugreifen können, die sie bei der Anwendung der
KI-Verordnung zu unterstützen, darunter etwa Entscheidungsbäume und andere
Selbstbewertungsinstrumente.
25
Der Service Desk für die KI-Verordnung wird das EU-Ökosystem zur Unterstützung der
Interessenträger ergänzen, zu dem auch die Bereitstellung erster Informationen durch die
europäischen digitalen Innovationszentren und die Möglichkeit der Zusammenarbeit bei der
Entwicklung von Hochrisiko-KI-Systemen in einem nationalen KI-Reallabor gehören. Die KI-
Reallabore werden derzeit in den Mitgliedstaaten eingerichtet und werden bis August 2026
einsatzbereit sein. Die Interessenträger können auch heute schon direkt mit dem Büro für
Künstliche Intelligenz zusammenarbeiten, indem sie sich am KI-Pakt48 beteiligen, der sie bei
der Planung der Umsetzung der Maßnahmen der KI-Verordnung bestärkt und unterstützt.
Darüber hinaus wird die Kommission weiterhin Hilfestellung bei der Anwendung der KI-
Verordnung bieten, um die Einhaltung der Vorschriften zu unterstützen. Dazu gehört die
Ausarbeitung von delegierten Durchführungsrechtsakten und von Leitlinien, die beispielsweise
die kohärente Anwendung der KI-Verordnung mit sektorspezifischen Produktvorschriften,
z. B. der Verordnung über Medizinprodukte49, und ihr Zusammenspiel mit anderen
einschlägigen Rechtsvorschriften erleichtern50. Darüber hinaus sorgt die Kommission durch
die Einrichtung von Koregulierungsinstrumenten, darunter etwa die Entwicklung von Normen
zur Unterstützung der KI-Verordnung und des Verhaltenskodex für KI mit allgemeinem
Verwendungszweck51, für eine leichtere Einhaltung der Vorschriften. Angesichts der
wichtigen Rolle, die Normen bei der Senkung von Befolgungskosten und der Förderung
wirksamer, praktischer und in großem Umfang angewandter Lösungen spielen, wird sich die
Kommission gemeinsam mit den zuständigen Organisationen noch intensiver um eine
möglichst schnelle Entwicklung solcher Normen bemühen. Die Kommission wird weiterhin
mit dem KI-Gremium52 der Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, das bei der Bereitstellung von
Leitlinien zur Anwendung der KI-Verordnung, auch im Zusammenhang mit
sektorspezifischen Rechtsvorschriften, behilflich ist.
In einem nächsten Schritt wird die Kommission dann aufbauend auf den in der derzeitigen
Durchführungsphase gewonnenen Erkenntnissen weitere Maßnahmen ermitteln, die
erforderlich sind, um insbesondere im Hinblick auf kleinere Unternehmen für eine
reibungslose, optimierte und einfache Anwendung der KI-Verordnung zu sorgen. Die
öffentliche Konsultation zur Anwendung der KI-Strategie, die parallel zu dieser Mitteilung
eingeleitet wird, enthält daher auch spezifische Fragen zu den Herausforderungen bei der
Umsetzung der KI-Verordnung. Dies soll Aufschluss darüber geben, wo Rechtsunsicherheit
die Entwicklung und Einführung von KI behindert und wie die Kommission und die
Mitgliedstaaten die Interessenträger bei der Durchführung der KI-Verordnung besser
unterstützen können. Die Kommission wird die Ergebnisse der Konsultation der
Interessenträger berücksichtigen und Vorlagen und Leitlinien bereitstellen und Webinare und
Schulungen anbieten, um die Verfahren zu straffen und die Einhaltung der Vorschriften zu
erleichtern. Die Ergebnisse dieser öffentlichen Konsultation werden auch in die im ersten Jahr
des Mandats durchgeführte umfassendere Bewertung der Frage einfließen, ob der erweiterte
48 https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/ai-pact.
49 Verordnung (EU) 2017/745 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. April 2017 über
Medizinprodukte, zur Änderung der Richtlinie 2001/83/EG, der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 und der
Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 und zur Aufhebung der Richtlinien 90/385/EWG und 93/42/EWG des Rates
(ABl. L 117 vom 5.5.2017, S. 1).
50 Z. B. Verordnung (EU) 2016/679 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27. April 2016 zum Schutz
natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten, zum freien Datenverkehr und zur
Aufhebung der Richtlinie 95/46/EG (Datenschutz-Grundverordnung) (ABl. L 119 vom 4.5.2016, S. 1).
51 https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/ai-code-practice.
52 https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/ai-board.
26
digitale Besitzstand, einschließlich der KI-Verordnung, den Bedürfnissen und Zwängen von
Unternehmen wie KMU und Midcap-Unternehmen gerecht wird bzw. über die erforderlichen
Leitvorgaben und Normen hinausgeht, die die Einhaltung der Vorschriften erleichtern53.
Die KI-Verordnung ist eine horizontale Rechtsvorschrift, mit der ein Binnenmarkt für sichere
und vertrauenswürdige KI in allen Sektoren und Bereichen geschaffen wird, darunter
Strafverfolgung, Gesundheit, Maschinen, Funkanlagen, Kraftfahrzeuge,
Finanzdienstleistungen und Beschäftigung. Die KI-Verordnung wird ihre volle Wirkung
entfalten, wenn sie in den nächsten 2 Jahren schrittweise zur Anwendung kommt54. Da Klarheit
für Innovationen von entscheidender Bedeutung ist, wird die Kommission sicherstellen, dass
rechtzeitig vor Beginn der Anwendung der jeweiligen Bestimmungen der KI-Verordnung
entsprechende Durchführungsmaßnahmen getroffen werden. Um mit der Verordnung einen
echten Binnenmarkt zu schaffen, in dem sich das Potenzial von KI unter gemeinsamen,
berechenbaren regulatorischen Bedingungen entfalten kann, ist es von entscheidender
Bedeutung, dass sowohl die Mitgliedstaaten als auch die EU ihre wirksame Durchführung in
den Mittelpunkt rücken. Grundsätzlich sollten wir zunächst Erfahrungen mit der Anwendung
dieser neuen horizontalen Vorschriften sammeln und ihre Auswirkungen bewerten, bevor
mögliche neue KI-Rechtsvorschriften in Betracht gezogen werden können.
Wichtigste Maßnahmen der Kommission:
- Einrichtung eines Service Desk für die KI-Verordnung im Europäischen Büro für
Künstliche Intelligenz (Juli 2025)
- Im Rahmen der öffentlichen Konsultation zur Anwendung der KI-Strategie
Einleitung eines Verfahrens zur Ermittlung der sich den Interessenträgern stellenden
regulatorischen Herausforderungen und zum Erhalt von Input für mögliche weitere
Maßnahmen zur Erleichterung der Einhaltung der KI-Verordnung und zu ihrer
möglichen Vereinfachung (April 2025)
6. Schlussfolgerung
Der Aktionsplan für den KI-Kontinent zielt darauf ab, die KI-Politik der EU zu fördern und zu
beschleunigen, indem in große KI-Recheninfrastrukturen investiert, der Zugang zu Daten
verbessert und die KI-Einführung in strategischen EU-Sektoren beschleunigt wird und
indem KI-Kompetenzen und -Talente gestärkt und die Einhaltung und Vereinfachung
der Rechtsvorschriften gefördert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen EU-Organe,
Regierungen, Unternehmen, Forscher und Entwickler zusammenarbeiten und sich einem
gemeinsamen Unterfangen verschreiben, das die Zusammenarbeit auf eine neue Ebene bringt.
Insbesondere wird das Europäische Büro für Künstliche Intelligenz über das KI-Gremium eng
53 COM(2025) 47 – Ein einfacheres und schnelleres Europa: Mitteilung über die Umsetzung und Vereinfachung.
54 Die KI-Verordnung trat am 1. August 2024 in Kraft. Ihr Anwendungsbeginn erfolgt schrittweise, bis zu ihrer
vollständigen Anwendung am 2. August 2027. Die allgemeinen Bestimmungen und Verbote finden seit dem
2. Februar 2026 Anwendung, während die Vorschriften über Governance und KI-Modelle mit allgemeinem
Verwendungszweck ab dem 2. August 2025 gelten werden, die allgemeine Anwendung, die die Bestimmungen
für Hochrisiko-KI-Systeme, Transparenz und Maßnahmen zur Innovationsförderung umfasst, am 2. August
2026 wirksam wird, und die Vorschriften für Hochrisiko-KI-Systeme, die unter die geltenden
Produktvorschriften fallen, ab dem 2. August 2027 Anwendung finden werden.
27
mit den Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um einen kohärenten politischen Ansatz unter
Berücksichtigung der raschen technologischen Entwicklung sicherzustellen.
Internationales Engagement ist ein fester Bestandteil der Strategie, mit der die Position und
der Einfluss der EU im KI-Bereich gestärkt werden sollen. Die EU ist bestrebt, im Wege einer
proaktiven bilateralen und multilateralen Zusammenarbeit mit Partnerländern eine
Führungsrolle bei den weltweiten Anstrengungen im KI-Bereich zu übernehmen – ein Ziel, das
durch die Unterstützung von Innovationen, die Schaffung von Vertrauen mittels
Schutzvorkehrungen und die Entwicklung der globalen KI-Governance erreicht werden soll.
Es ist von entscheidender Bedeutung, dass sich die EU mit gleichgesinnten Partnern,
Bewerberländern und potenziellen Bewerberländern zusammentut, um in multilateralen Foren
für eine sichere, vertrauenswürdige und auf den Menschen ausgerichtete Entwicklung von KI
einzutreten. Die EU wird weiter prüfen, welche Möglichkeiten ihre digitalen Partnerschaften
und die internationale digitale Zusammenarbeit zur Förderung eines KI-Ansatzes bieten, der
für mehr Wohlergehen der Menschen und für gesellschaftlichen Fortschritt sorgt. In der
kommenden Mitteilung über eine internationale Strategie für digitale Souveränität,
Sicherheit und Demokratie (2. Quartal 2025) wird der internationale Ansatz der EU genauer
ausgeführt.
Der Aktionsplan für den KI-Kontinent umfasst eine Reihe von Initiativen, mit denen die
politischen Maßnahmen beschleunigt werden sollen, die erforderlich sind, damit sich Europa
in Sachen Innovation in den Technologiesektoren eine Spitzenposition sichern kann. Durch
Investitionen in Schlüsselbereiche wie KI, Quanteninformatik und Chipentwicklung kann
Europa seine Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit steigern, seine technologische
Souveränität sicherstellen und seinen Bürgerinnen und Bürgern hochwertige öffentliche
Dienstleistungen anbieten. Europa bietet sich hier die große Chance, rasch zu handeln, um
die künftige Entwicklung von KI zu gestalten, für alle Europäerinnen und Europäer eine
bessere Zukunft zu schaffen und letztlich zu einem führenden KI-Kontinent zu werden.
DE DE
EUROPÄISCHE
KOMMISSION
Brüssel, den 9.4.2025
COM(2025) 165 final
ANNEX
ANHANG
der
MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN
RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND
DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN
Aktionsplan für den KI-Kontinent
1
Anhang
Zusammenfassung der 13 ausgewählten EuroHPC-KI-Fabriken
LUMI AI Factory
CSC – IT Center for Science
Konsortium KI-Supercomputer Schlüsselsektoren
FI, CZ, DK, EE, NO, PL
LUMI-AI (neuer KI-
optimierter
Supercomputer)
Fertigung, Gesundheit, Biowissenschaften,
Kommunikationstechnologien
Die LUMI AI Factory (LAIF) soll als wegweisendes, offenes KI-Ökosystem dienen, das
Rechenleistung auf Weltklasseniveau, hochwertige Daten und Spitzentalente im KI-Bereich nahtlos
integriert. Sie baut auf den Erfahrungen auf, die mit der Unterstützung hochwirksamer KI-
Anwendungsfälle durch den LUMI-Supercomputer gesammelt wurden. Durch die Nutzung einer
umfassenden und zugänglichen Diensteinfrastruktur, die ein hochmodernes Zentrum für die
Unterstützung durch Sachverständige sowie eine Ökosystem-Plattform beinhaltet, wird die LAIF KI-
Start-up-Unternehmen, KMU, Forschern und anderen öffentlichen und privaten Nutzern die
Möglichkeit zur Entwicklung innovativer europäischer KI-Modelle, -Anwendungen, -Instrumente
und -Lösungen bieten. Die Dienste werden sich an ganz unterschiedliche Nutzer richten, von
Neulingen im Bereich Hochleistungsrechnen bis hin zu erfahrenen KI-Entwicklern, wodurch
umfassend in die Talent- und Kompetenzentwicklung investiert wird.
Im Mittelpunkt des Diensteangebots der LAIF wird ein neuer KI-orientierter Supercomputer stehen,
wobei eine umfassende, beschleunigte Partition unter Verwendung von GPUs und CPUs der neuesten
Generation genutzt wird. Das innovative Konzept Software-definierter Partitionen bietet Flexibilität
bei der Unterstützung eines breiten Spektrums von Rechenarbeiten – von Schulungen über die
Inferenz bis hin zu klassischen Simulationen.
IT4LIA
CINECA Consorzio Interuniversitario
Konsortium KI-Supercomputer Schlüsselsektoren
IT, AT, SI
Neuer KI-optimierter
Supercomputer
Agrartechnologie, Agrar- und
Lebensmittelsektor, Cybersicherheit,
Geowissenschaften, Gesundheitswesen,
Kunst, Bildung, Finanzwesen
Die italienische KI-Fabrik IT4LIA ist eine wegweisende Initiative, die darauf abzielt, die
Weiterentwicklung der KI-Landschaft Italiens und Europas durch eine neue KI-optimierte
Recheninfrastruktur und ein umfassendes, an ein vielfältiges Ökosystem aktueller und künftiger KI-
Nutzer gerichtetes Dienstleistungsportfolio zu beschleunigen. Diese Initiative wird KI-Forschern,
Start-up-Unternehmen, KMU, Branchenführern und öffentlichen Einrichtungen die zur Entwicklung,
Einführung und Skalierung KI-gestützter Innovationen erforderlichen Ressourcen an die Hand
geben.
Die KI-Fabrik wird ein Kontinuum an Rechenanlagen nutzen, mit dem der gesamte KI-Arbeitslast-
Bedarf von der Datenvorbereitung und -verarbeitung bis hin zum Training von Modellen und zur
2
Inferenz gedeckt werden kann. IT4LIA stützt sich auf den EuroHPC-Supercomputer Leonardo, sein
KI-gestütztes LISA-System, die GAIA-Cloud und das kommende KI-optimierte KI-Fabriksystem.
BSC AI Factory
Hochleistungsrechenzentrum Barcelona
Konsortium KI-Supercomputer Schlüsselsektoren
ES, PT, RO, TR
MareNostrum 5 (mit
KI-Fähigkeiten
aufzurüsten)
Gesundheit, Klima, Landwirtschaft,
Finanzen, Recht, Energie, Kommunikation,
Medien, öffentlicher Sektor
Zentrales Element bei der Errichtung der BSC AI Factory wird der Supercomputer MareNostrum 5
sein. Im Rahmen der KI-Fabrik wird für die Nutzer ein umfassendes Paket hochwertiger KI-
orientierter Rechendienste und anderer Dienste mit spezialisierter Unterstützung entwickelt und
bereitgestellt.
Der Supercomputer MareNostrum 5 wird mit neuesten KI-orientierten Rechenarchitekturen
aufgerüstet, die speziell für KI-Arbeitsprozesse wie das Training großer Sprachmodelle und die
Inferenz konzipiert sind, einschließlich eines Speichersystems, das auf KI-Arbeitslasten ausgelegt
und mit dem massiven Speicher von MareNostrum 5 verbunden ist. Er wird über fortgeschrittene KI-
Rechenkapazitäten mit einer speziellen und spezialisierten KI-Software und einen umfangreichen
Datenspeicher verfügen.
Die BSC AI Factory wird durch die Einrichtung einer einzigartigen modernen experimentellen KI-
optimierten Plattform für die Erprobung neuer auf dem Markt erhältlicher Rechentechnologien
ergänzt.
KI-Fabrik Luxemburg
LuxProvide
Konsortium KI-Supercomputer Schlüsselsektoren
LU
MeluXina-AI (neuer
KI-optimierter
Supercomputer)
Finanzen, Raumfahrt, Cybersicherheit, grüne
Wirtschaft
Die luxemburgische KI-Fabrik LuxProvide will bei der Bewältigung der mit der Integration von KI
in Unternehmen verbundenen Herausforderungen helfen und Unternehmen jeder Größe in die Lage
versetzen, das Potenzial von KI voll auszuschöpfen und modernste, vertrauenswürdige und sichere
KI-Lösungen zu entwickeln. Sie wird alle Organisationen unterstützen und Start-up-Unternehmen,
Scale-up-Unternehmen und KMU in ihrer Frühphase aktiv an die Hand nehmen und ihnen helfen, zu
wachsen.
Im Mittelpunkt der LuxProvide steht MeluXina-AI, ein neuer souveräner KI-optimierter
Supercomputer, der in zwei führenden Rechenzentren untergebracht ist und sichere, hypervernetzte
und skalierbare Rechenleistung für die Entwicklung und den Einsatz von KI bietet. Mit einem
innovativen Cloud-nativen, dynamischen, mandantenfähigen und auf mehreren Standorten
basierenden Ansatz geht MeluXina-AI beim Streben nach außerordentlicher KI-Leistung noch einen
Schritt weiter. Er bietet hochsichere Verarbeitungsumgebungen für private KI und unterstützt ein
3
Ende-zu-Ende-Rechenkontinuum durch Rechen- und Datenbrücken, die eine einfache Integration
mit Data Lakes und Diensten von Cloud-Anbietern und KI-Fabriken ermöglichen.
MIMER
National Academic Infrastructure of Supercomputing
Konsortium KI-Supercomputer Schlüsselsektoren
SE
Neuer KI-optimierter
Supercomputer
Biowissenschaften, Werkstoffkunde,
autonome Systeme, Spieleindustrie, Klima,
Landwirtschaft
Die schwedische KI-Fabrik MIMER stützt sich auf zwei Säulen: einen neuen spezifischen KI-
Supercomputer und ein Team von KI-Fachleuten, die praktische Unterstützung leisten. MIMER wird
KI-Nutzer und KI-Arbeitslasten in den Mittelpunkt rücken und Hardware, Schulungen und
Unterstützung bieten. Außerdem wird die KI-Fabrik ein spezielles Zentrum für KI-
Forschung, -Entwicklung und -Anwendungen umfassen, das sowohl Hochschulen als auch die
Industrie unterstützt. MIMER wird zum Abbau von Hindernissen bei der KI-Einführung beitragen
und den Nutzern beim Einsatz von KI helfen, um komplexe Herausforderungen durch
projektorientiertes Onboarding, Datenverwaltung, KI-Training und Bereitstellung fertiger Modelle
zu bewältigen.
Grundlage für die MIMER-Dienste wird ein Supercomputer sein, der für das Training von Modellen
im großen Maßstab, generative KI und Echtzeit-Inferenz konzipiert ist, wobei hochleistungsfähige
GPUs mit Cloud-artigen Zugang verwendet werden, um sowohl die interaktive exploratorische
Forschung als auch die KI-Einführung auf Produktionsebene zu erleichtern.
HammerHAI
Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart
Konsortium KI-Supercomputer Schlüsselsektoren
DE
Neuer KI-optimierter
Supercomputer
Ingenieurwesen, Fertigung
Die KI-Fabrik HammerHAI (Hybrid and Advanced Machine Learning Platform for Manufacturing,
Engineering, and Research) soll europäischen Unternehmen und Forschern sichere, skalierbare und
leicht zugängliche KI-Ressourcen für Training und Inferenz zur Verfügung zu stellen, die zentrale
Aspekte des gesamten KI-Lebenszyklus abdecken. Vorrangiges Ziel von HammerHAI ist es, die
Hürden abzubauen, denen sich Start-up-Unternehmen, KMU, große Unternehmen und
wissenschaftliche Einrichtungen gegenübersehen, die für die Entwicklung und den Einsatz KI-
gestützter Lösungen leistungsstarke Rechenkapazitäten benötigen. Durch die Verbindung
modernsten Supercomputing-Know-hows mit aktuellen „Cloud-ähnlichen“ Funktionen wird
HammerHAI Innovationen beschleunigen, die Aus- und Weiterbildung von KI-fähigen
Arbeitskräften unterstützen und ein robustes sowie sicheres Ökosystem für KI in Deutschland und in
ganz Europa fördern.
Im Mittelpunkt von HammerHAI wird ein neuer KI-optimierter Supercomputer stehen, der
beschleunigte Knoten für Schulungen für mittlere bis große KI-Modell-Trainings- und Inferenz-
Arbeitslasten bietet. Eine „Cloud-ähnliche“ Benutzerfreundlichkeit ermöglicht es den Nutzern,
4
bestehende Lösungen auf die HammerHAI-Infrastruktur zu migrieren und bei Bedarf auf
Rechenressourcen zuzugreifen. Darüber hinaus bietet HammerHAI robuste Sicherheitsstandards.
Pharos
Nationale Infrastrukturen für Forschung und Technologie
Konsortium KI-Supercomputer Schlüsselsektoren
EL
DAEDALUS
(Vorhandener KI-
optimierter
Supercomputer)
Gesundheit, Kultur, Sprache, Nachhaltigkeit
Die griechische KI-Fabrik Pharos wird als Plattform dienen, die Wissenschaft und Forschung mit
dem öffentlichen und dem privaten Sektor verbindet. Pharos soll für die Entwicklung neuer KI-
gestützter Dienste sorgen und wird eine entscheidende Rolle bei der Förderung eines lebendigen und
wettbewerbsfähigen Ökosystems von auf KI spezialisierten Start-up-Unternehmen und KMU
spielen. Pharos wird eine reibungslose gemeinsame Nutzung von Daten und Rechenleistung mit
anderen europäischen Infrastrukturen ermöglichen und Zugang zu Cloud-Diensten bieten.
Pharos wird den EuroHPC-Supercomputer DAEDALUS nutzen, der derzeit in Griechenland
eingerichtet wird. Mit seiner Hochgeschwindigkeitsdatenverarbeitung, seiner Flüssigkeitskühlung
für mehr Effizienz und seinen umfangreiche Speicherlösungen wird DAEDALUS große KI-
Anwendungen unterstützen. Dienste mit Hochleistungsrechenbedarf werden mit der DAEDALUS-
Infrastruktur interagieren, um rechenintensive Ressourcen, Speicherressourcen, Arbeitsplanung,
Hochgeschwindigkeitsnetzanbindung und gebrauchsfertige Softwarestacks zu ermöglichen.
JUPITER AI Factory
Jülich Supercomputing Centre
Konsortium KI-Supercomputer Schlüsselsektoren
DE
JUPITER
(Vorhandener KI-
optimierter Exa-
Supercomputer)
Gesundheitswesen, Energie, Klima, Umwelt,
Bildung, Kultur, Medien, öffentlicher Sektor,
Finanzen, Versicherungen, Fertigung
Mit der JUPITER AI Factory (JAIF) wird ein KI-Ökosystem auf Weltklasseniveau für europäische
Start-up-Unternehmen, KMU, Industrie und Spitzenforschung geschaffen, in dessen Mittelpunkt der
besonders leistungsstarke europäische Supercomputer JUPITER steht. Die KI-Fabrik soll
Hochleistungsrechnen auf Exa-Niveau, Daten- und Unterstützungsstrukturen, Exzellenz in der KI-
Wissenschaft und KI-Methodikforschung, einschließlich sehr großer Basismodelle, sehr enge
Verbindungen zur Industrie und zu KMU und Gemeinschaftsaufbau unter einem Dach vereinen.
JUPITER, der erste europäische Exa-Supercomputer, wird ab Mitte 2025 zur Verfügung stehen. Das
GPU-beschleunigte JUPITER-Modul für KI-Anwendungen bietet äußerst energieeffiziente und
extrem leistungsstarke Superchips. JUPITER wird durch das Inferenzmodul JARVIS ergänzt, das für
einen Cloud-ähnlichen Betrieb optimiert ist, wobei der Schwerpunkt auf der Anwendung und
Verbesserung von KI-Modellen liegt, wodurch ein einzigartiges modulares
Hochleistungsrechenumfeld auf Weltklasseniveau für KI-Anwendungen entsteht.
5
AI Factory France
Grand équipement national de calcul intensif
Konsortium KI-Supercomputer Schlüsselsektoren
FR
Alice Recoque (KI-
optimierter Exa-
Supercomputer)
Robotik, Gesundheit, Geowissenschaften,
Werkstoffkunde, Sicherheit, Energie,
Nachhaltigkeit, digitale Kontinuität, Luft-
und Raumfahrt, EdTech, Landwirtschaft,
Finanzen, Geisteswissenschaften
Mit dem vorrangigen Ziel, die Nutzung von KI für Forschung, Innovation und öffentliche Dienste in
Europa zu fördern, wird mit der AI Factory France eine einzigartige zentrale Anlaufstelle für KI
entstehen, die als Vorreiter für das gesamte französische KI-Ökosystem fungieren und gleichzeitig
dem europäischen KI-Ökosystem zugutekommen wird. Die AI Factory France zielt auf die Schaffung
eines starken und dezentralen KI-Ökosystems ab, das Start-up-Unternehmen, KMU, große
Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Datenzentren, Universitäten sowie Wirtschafts- und
Ingenieurhochschulen vereint und bei KI-Software, -Modellen und -Training führend ist.
Die AI Factory France stützt sich auf Alice Recoque, den zweiten KI-fähigen EuroHPC-Exa-
Supercomputer. Dieses System, das derzeit beschafft wird, soll als konvergenter Supercomputer
dienen, um den Anforderungen im Zusammenhang mit numerischer Simulation, Verarbeitung großer
Datensätze und künstlicher Intelligenz gerecht zu werden. Die AI Factory France bietet zu Beginn
des Projekts eine Öffnung ihrer Dienste durch die Bereitstellung von Zugang zu Supercomputern und
Unterstützungsdiensten für Nutzer im Bereich Hochleistungsrechnen/KI unter Verwendung der
operativen nationalen Systeme von GENCI an.
Slovenian AI Factory
Institute of Information Science
Konsortium KI-Supercomputer Schlüsselsektoren
SI
Neuer KI-optimierter
Supercomputer
Landwirtschaft, Umwelt, Energie, Fertigung,
Upcycling, Gesundheit, Biotechnologie,
digitale Gesellschaft
Die Slovenian AI Factory (SLAIF) wird die KI-Fähigkeiten Sloweniens durch die Verbindung eines
hochmodernen KI-optimierten Supercomputers mit einem dynamischen KI-Ökosystem zur
Unterstützung von Industrie, Forschung und öffentlichen Einrichtungen verbessern. Die SLAIF wird
einen umfassenden Unterstützungsrahmen bieten, der sektorspezifische Leitlinien und
Unterstützungsdienste für die Entwicklung und Einführung von KI, den Zugang zu vortrainierten KI-
Modellen, Daten und maßgeschneiderten Cloud-gestützten KI-Diensten umfasst.
Im Mittelpunkt der SLAIF wird ein neuer KI-optimierter Supercomputer stehen, der das derzeitige
Vega-EuroHPC-System ersetzen und kontinuierliche Exzellenz in der Rechen- und
Speicherinfrastruktur für Industrie und Wissenschaft gewährleisten wird. Die KI-Fabrik wird im
Sinne der Nachhaltigkeit mit Strom aus Wasserkraft betrieben und sorgt gleichzeitig dafür, dass
Slowenien bei KI-gestützter wissenschaftlicher Entdeckung und Innovation weiterhin eine
Spitzenposition einnimmt. Darüber hinaus wird es Unternehmen dank der Cloud-Infrastruktur des
Supercomputers möglich sein, KI-Fähigkeiten nahtlos in ihren Betrieb zu integrieren.
6
PIAST AIF
Poznań Supercomputing and Networking Center
Konsortium KI-Supercomputer Schlüsselsektoren
PL
Neuer KI-optimierter
Supercomputer
Gesundheit, Biowissenschaften, IT,
Cybersicherheit, Raumfahrt, Robotik,
Nachhaltigkeit, öffentlicher Sektor
Die polnische KI-Fabrik PIAST soll als führende KI-Innovationsplattform fungieren, die
Hochleistungsrechnen, Cloud-gestützte KI-Dienste und modernste Forschungsinfrastrukturen in
Polen vereint. Erreicht werden soll dies, indem Innovationen und der Einsatz von KI in der Industrie –
insbesondere in KMU, Spin-off-Unternehmen und Start-up-Unternehmen – gefördert und zentrale
EU-Initiativen genutzt werden. KI-Entwickler werden über nationale und europäische offene
Datenspeicher Zugang zu hochwertigen, föderierten Datensätzen erhalten, die erklärbare KI-Rahmen
und die Echtzeit-KI-Analyse unterstützen. KMU und Start-up-Unternehmen werden mit speziellen
Ressourcen für die Entwicklung von KI-Modellen, für Schulungsprogramme und für eine sichere
Datenverwaltung unterstützt.
Zur Unterstützung der KI-Forschung und -Einführung wird ein neuer KI-optimierter Supercomputer
für anspruchsvolle KI-Arbeitslasten, generative KI, KI-Cloud-HPC-Integration und KI-
Quantensimulationen angeschafft. Insgesamt wird die KI-Fabrik PIAST dazu beitragen, dass Polen
einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der KI-Landschaft in Europa leistet.
AI Factory Austria
Advanced Computing Austria
Konsortium KI-Supercomputer Schlüsselsektoren
AT
Neuer KI-optimierter
Supercomputer
Biotechnologie, Landwirtschaft, Fertigung,
öffentliche Verwaltung, Physik, Industrie
Die AI Factory Austria (AI:AT) ist eine neue groß angelegte Initiative, die darauf abzielt, die KI-
Fähigkeiten Österreichs zu stärken und die Entwicklung und Einführung vertrauenswürdiger KI-
Lösungen in den wichtigsten Industriesektoren Österreichs zu beschleunigen. Als
Innovationszentrum und zentrale Anlaufstelle für KI wird die KI:AT Unternehmen, Forschern,
staatlichen Organisationen und Innovatoren Zugang zu modernsten Hochleistungsrechenressourcen,
fachlicher Beratung und kollaborativen Arbeitsbereichen bieten. Durch die Bereitstellung
kosteneffizienter Ressourcen mit hoher Kapazität auf gemeinsamen Plattformen ermöglicht die
KI:AT eine enge Zusammenarbeit von Forschern, KMU, öffentlichen Organisationen und großen
Unternehmen, wodurch Innovationen gefördert und KI-gestützte Durchbrüche beschleunigt werden.
Im Mittelpunkt der KI:AT wird ein neuer österreichischer KI-Supercomputer stehen, der mit
modernen GPUs, direkter Wasserkühlung und Hochgeschwindigkeitsverbindungen ausgestattet sein
wird, um skalierbares Hochleistungsrechnen für KI-intensive Anwendungen in verschiedenen
Bereichen – von den Biowissenschaften über die Fertigung bis hin zur Werkstoffkunde –
bereitzustellen.
7
Bulgarian Robotics & AI Nexus
Sofia Tech Park
Konsortium KI-Supercomputer Schlüsselsektoren
BG
Neuer KI-optimierter
Supercomputer
Sprache, Robotik, Raumfahrt, Erde,
Produktentwicklung
Im Rahmen der bulgarischen KI-Fabrik Bulgarian Robotics & AI Nexus (BRAIN++) soll ein
modernes KI-Ökosystem geschaffen und der Discoverer++ eingerichtet werden. Auf diese Weise soll
ein robustes Ökosystem für die KI-Forschung, -Entwicklung und -Anwendung entstehen, sollen
Innovationen gefördert und soll die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Industrie und
öffentlichen Einrichtungen gestärkt werden. Die Brain++ wird vertrauenswürdige KI-Compliance-
Tools, föderierte KI-Data Lakes und Cloud-gestützte kollaborative Arbeitsbereiche fördern.
Discoverer++ ist der neue Supercomputer, der neben dem EuroHPC-Supercomputer Discoverer+
betrieben wird. Er wird ein neues KI-optimiertes System mit heterogenen GPU/CPU-Partitionen
umfassen, das für generative KI-Arbeitslasten optimiert ist, und wird über hochmoderne
Kühlsysteme zur Gewährleistung von Energieeffizienz und spezialisierte sektorspezifische
Partitionen verfügen.
Drucksache 209/25 - 36 -]
Relationen
- authored ← Europäische Kommission
- part_of_vorgang → Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Reg (Unterrichtung)