Krankenhausschließungen und medizinische Versorgung im ländlichen Raum in Brandenburg
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Krankenhausschließungen und medizinische Versorgung im ländlichen Raum in Brandenburg
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5255
21. Wahlperiode 10.04.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Christian Görke, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Jorrit
Bosch, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy Eißing, Kathrin Gebel, Ates
Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Cansin Köktürk, Ina Latendorf,
Sonja Lemke, Stella Merendino, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek, Zada
Salihović, David Schliesing, Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Donata
Vogtschmidt, Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Krankenhausschließungen und medizinische Versorgung im ländlichen Raum in
Brandenburg
Die stationäre medizinische Versorgung in Deutschland befindet sich seit
Jahren in einem tiefgreifenden Strukturwandel. In den letzten 35 Jahren hat sich
die Anzahl der Krankenhäuser um mehr als 20 Prozent verringert. Gleichzeitig
ist die Anzahl privater Krankenhäuser gestiegen, sodass mittlerweile rund
40 Prozent der Krankenhäuser in privater Hand sind (vgl. Destatis, Grunddaten
der Krankenhäuser 2024, www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/G
esundheit/Krankenhauser/Publikationen/_publikationen-innen-grunddaten-kran
kenhaus.html).
Der Abbau der stationären Versorgung betrifft insbesondere kleinere
Krankenhäuser im ländlichen Raum. Hier kommt es vermehrt zu Schließungen von
Abteilungen oder ganzen Krankenhäusern, Standortzusammenlegungen und dem
Abbau medizinischer Angebote. Diese Entwicklungen können erhebliche
Auswirkungen auf die Erreichbarkeit von Gesundheitsleistungen, die
Notfallversorgung sowie auf spezialisierte Versorgungsbereiche wie die Geburtshilfe und
den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen haben. Die Zahl der Kreißsäle hat
sich in den letzten 35 Jahren halbiert. Während im Jahr 1991 noch fast die
Hälfte aller Krankenhäuser eine Geburtshilfe anboten, waren es im Jahr 2023
weniger als ein Drittel (Schulz/Valentukeviciute: Kahlschlag in der
Krankenhauslandschaft. Wie Schließungen und Privatisierung die medizinische
Versorgung verschlechtern und was wir dagegen tun können, S. 41, www.gemeingut.o
rg/wordpress/wp-content/uploads/2025/10/lux_beitr_28_Krankenhausschliessu
ngen_web.pdf).
In Ostdeutschland wurden vor allem in den Jahren nach 1990 Krankenhäuser
geschlossen (Schulz/Valentukeviciute, a. a. O., S. 9), so auch in Brandenburg.
Aktuell sind vor allem im Süden Brandenburgs Krankenhäuser von Schließung
bedroht (www.gemeingut.org/wordpress/wp-content/uploads/2023/09/KART
E_dez2025_FINAL_151225-pdf.jpg).
Die sich aktuell in der Umsetzung befindliche Krankenhausreform hat weitere
Zentralisierung und Spezialisierung zum Ziel und wird so weitere
Krankenhausschließungen bewirken (www.deutschlandfunk.de/ministerin-warken-
cduklinikschliessungen-trotz-anpassung-der-krankenhausreform-104.html).
Nach Ansicht der Fragestellenden steht die Bundesregierung jedoch in der
Verantwortung, eine flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung
sicherzustellen und Ungleichheiten zwischen städtischem und ländlichem Raum nicht
weiter zu verschärfen. Mit dieser Kleinen Anfrage sollen die zahlenmäßige
Entwicklung von Krankenhausschließungen, die Erreichbarkeit stationärer
Versorgung sowie die Versorgungslage im Bereich Geburtshilfe und
Schwangerschaftsabbrüche in Brandenburg erfragt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Krankenhäuser in Brandenburg wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in den letzten zehn Jahren geschlossen, zusammengelegt
oder in ihrer Versorgungsstufe herabgestuft (bitte nach Jahren sowie den
Kategorien „Landkreis“ und „kreisfreie Stadt“ aufschlüsseln und nach
Trägerschaft: privat, öffentlich, freigemeinnützig, differenzieren)?
2. Wie viele Krankenhausbetten je 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner
standen in Brandenburg in den letzten zehn Jahren zur Verfügung, und wie
stellt sich dieser Wert im Vergleich zum Bundesdurchschnitt dar (bitte
nach Jahren sowie den Kategorien „Landkreis“ und „kreisfreie Stadt“
aufschlüsseln)?
3. Wie viele der in Brandenburg erfolgten Krankenhausschließungen
betrafen nach Kenntnis der Bundesregierung Standorte im ländlichen Raum,
und wie definiert die Bundesregierung in diesem Zusammenhang
„ländlichen Raum“?
4. Wie viele Menschen in Brandenburg leben nach Kenntnis der
Bundesregierung in Regionen, in denen das nächstgelegene Krankenhaus eine
Fahrzeit von mehr als 20 Minuten, 30 Minuten und 45 Minuten mit dem
motorisierten Individualverkehr aufweist (bitte nach Landkreisen
aufschlüsseln)?
5. Wie hat sich die durchschnittliche Fahrzeit zum nächstgelegenen
Krankenhaus in Brandenburg seit 2015 entwickelt?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Auswirkungen
von Krankenhausschließungen in Brandenburg auf die Notfallversorgung
und Rettungsdienstzeiten vor?
7. Wurden in Orten und Landkreisen, wo Krankenhäuser geschlossen
wurden (z. B. Kloster Lehnin), die Rettungsdienstkapazitäten
dementsprechend aufgestockt?
8. Wie viele geburtshilfliche Abteilungen wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in Brandenburg seit 2010 geschlossen (bitte nach Jahren und
Regionen sowie den Kategorien „Landkreis“ und „kreisfreie Stadt“
aufschlüsseln)?
9. Wie viele Landkreise und kreisfreie Städte in Brandenburg verfügen
aktuell über keine geburtshilfliche Abteilung?
10. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Erreichbarkeit der
Geburtshilfe in Brandenburg vom Wohnort aus und deren Entwicklung?
11. Wie viele Kliniken in Brandenburg boten nach Kenntnis der
Bundesregierung im Jahr 2025 Schwangerschaftsabbrüche an, und wie stellt sich diese
Zahl im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2020 dar?
12. Welche durchschnittlichen Wegstrecken bzw. Fahrzeiten müssen Frauen in
Brandenburg nach Kenntnis der Bundesregierung für einen
Schwangerschaftsabbruch zurücklegen (bitte regionale Unterschiede darstellen)?
13. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu regionalen
Versorgungsengpässen im Bereich Schwangerschaftsabbrüche in Brandenburg
vor?
14. Welche Rolle spielen wirtschaftliche Gründe, Personalmangel oder
Vorgaben der Krankenhausplanung nach Kenntnis der Bundesregierung als
Ursache von Krankenhausschließungen in Brandenburg?
15. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung durch die geplante
Krankenhausreform konkret für die stationäre Versorgung im ländlichen
Raum in Brandenburg?
16. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den aktuellen Stand
der Zuteilung von Leistungsgruppen an die Krankenhausträger in
Brandenburg und die Folgen der Zuteilung für die Anzahl von
Krankenhausstandorten?
17. Welche Maßnahmen sieht die Bundesregierung vor, um eine
flächendeckende stationäre Versorgung sowie den Zugang zu Geburtshilfe und
Schwangerschaftsabbrüchen in Brandenburg dauerhaft sicherzustellen?
18. Welche Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds wurden in den Jahren
2016 bis 2025 für Vorhaben in Brandenburg bewilligt (bitte nach
geförderten Vorhaben, Fördertatbeständen, Antragstellenden, Zeitraum, Höhe der
Mittel, Ergebnis aufschlüsseln)?
19. Wie viele Fachkliniken gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in
Brandenburg aktuell, welche medizinischen Leistungen bieten sie jeweils
an, und in welcher Trägerschaft (öffentlich, freigemeinnützig oder privat)
sind sie jeweils?
Berlin, den 31. März 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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