Krankenhausschließungen und medizinische Versorgung im ländlichen Raum in Bayern
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Krankenhausschließungen und medizinische Versorgung im ländlichen Raum in Bayern
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7211
21. Wahlperiode 17.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Evelyn Schötz, Nicole Gohlke, Dr. Michael Arndt, Jorrit Bosch,
Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Agnes Conrad, Mandy Eißing, Kathrin Gebel,
Christian Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski, Cansin
Köktürk, Ina Latendorf, Sonja Lemke, Stella Merendino, Sören Pellmann, Heidi
Reichinnek, Zada Salihović, David Schliesing, Julia-Christina Stange, Aaron
Valent, Donata Vogtschmidt, Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Krankenhausschließungen und medizinische Versorgung im ländlichen Raum in
Bayern
Die stationäre medizinische Versorgung in Deutschland befindet sich seit
Jahren in einem tiefgreifenden Strukturwandel. In den letzten 35 Jahren hat sich
die Anzahl der Krankenhäuser um mehr als 20 Prozent verringert (vgl. Destatis,
Grunddaten der Krankenhäuser 2024, www.destatis.de/DE/Themen/Gesellscha
ft-Umwelt/Gesundheit/Krankenhauser/Publikationen/_publikationen-innen-gru
nddaten-krankenhaus.html). Gleichzeitig ist die Anzahl privater Krankenhäuser
gestiegen, sodass mittlerweile rund 40 Prozent der Krankenhäuser in privater
Hand sind (ebd.). Der Abbau der stationären Versorgung betrifft insbesondere
kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum. Hier kommt es vermehrt zu
Schließungen von Abteilungen oder ganzen Krankenhäusern,
Standortzusammenlegungen und zum Abbau medizinischer Angebote. Diese Entwicklungen
können erhebliche Auswirkungen auf die Erreichbarkeit von
Gesundheitsleistungen, die Notfallversorgung sowie auf spezialisierte Versorgungsbereiche wie
die Geburtshilfe und den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen haben. Die
Zahl der Kreißsäle hat sich in den letzten 35 Jahren halbiert. Während im
Jahr 1991 noch fast die Hälfte aller Krankenhäuser eine Geburtshilfe anboten,
waren es im Jahr 2023 weniger als ein Drittel (Schulz, J. u.
Valentukeviciute, L.: Kahlschlag in der Krankenhauslandschaft: Wie Schließungen und
Privatisierung die medizinische Versorgung verschlechtern und was wir dagegen tun
können, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Oktober 2024, S. 41).
Bayern ist als größtes Bundesland geprägt von Disparitäten zwischen Stadt und
erweiterten ländlichen Landkreisen, die die Fahrzeiten deutlich verlängern. Die
sich aktuell in der Umsetzung befindliche Krankenhausreform hat weitere
Zentralisierung und Spezialisierung zum Ziel und wird so weitere
Krankenhausschließungen bewirken (www.deutschlandfunk.de/ministerin-warken-
cduklinikschliessungen-trotz-anpassung-der-krankenhausreform-104.html). Nach
Ansicht der Fragestellenden steht die Bundesregierung jedoch in der
Verantwortung, eine flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen
und Ungleichheiten zwischen städtischem und ländlichem Raum nicht weiter
zu verschärfen. Mit dieser Kleinen Anfrage soll die zahlenmäßige Entwicklung
von Krankenhausschließungen, die Erreichbarkeit stationärer Versorgung sowie
die Versorgungslage im Bereich Geburtshilfe und Schwangerschaftsabbrüche in
Bayern erfragt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Krankenhäuser in Bayern wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in den letzten zehn Jahren geschlossen, zusammengelegt oder in
ihrer Versorgungsstufe herabgestuft (bitte nach Jahren sowie den
Kategorien „Landkreis“ und „kreisfreie Stadt“ aufschlüsseln und nach den
Trägerschaften privat, öffentlich, freigemeinnützig, differenzieren)?
2. Wie viele Krankenhausbetten je 100 000 Einwohnerinnen und
Einwohnern standen in Bayern nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten
zehn Jahren zur Verfügung, und wie stellt sich dieser Wert im Vergleich
zum Bundesdurchschnitt dar (bitte nach Jahren sowie den Kategorien
„Landkreis“ und „kreisfreie Stadt“ aufschlüsseln)?
3. Wie viele der in Bayern erfolgten Krankenhausschließungen betrafen nach
Kenntnis der Bundesregierung Standorte im ländlichen Raum, und wie
definiert die Bundesregierung in diesem Zusammenhang „ländlichen
Raum“?
4. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um zu gewährleisten,
dass der Sicherstellungsauftrag für eine bedarfsgerechte stationäre
Krankenhausversorgung erfüllt wird, und welche Maßnahmen stehen der
Bundesregierung zur Verfügung, wenn die Krankenhausplanung der Länder
keine flächendeckende, bedarfsgerechte Versorgung sicherstellt?
5. Welche Einschätzungen und Daten bildeten die Grundlage dafür, dass die
Bundesministerin für Gesundheit, Nina Warken,
Krankenhausschließungen, Krankenhauszusammenlegungen und eine Reduktion der Anzahl der
Krankenhäuser als Zielsetzung der Krankenhausreform formuliert (www.z
eit.de/politik/deutschland/2025-10/krankenhausreform-aenderung-warke
n-gesundheitsministerin-bundesregierung)?
a) Welche Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung erwartet die
Bundesregierung durch die Krankenhausschließungen infolge der
Krankenhausreform?
b) Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um sicherzustellen,
dass aufgrund von Krankenhausschließungen entstandene
Versorgungslücken, insbesondere auch bei der Notfallversorgung,
geschlossen werden?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Auswirkungen
von Krankenhausschließungen in Bayern auf die Notfallversorgung und
Rettungsdienstzeiten vor?
7. Auf der Grundlage welcher Zahlen, Studien und Einschätzungen
formulierte die Bundesgesundheitsministerin, die Gesundheitsversorgung in
Deutschland sei „gut erreichbar“ (www.zeit.de/politik/deutschland/2025-1
0/krankenhausreform-aenderung-warken-gesundheitsministerin-bundesreg
ierung)?
8. Wurden in Orten und Landkreisen, wo Krankenhäuser geschlossen
wurden (z. B. in Weilheim-Schongau, Roding, Tirschenreuth), die
Rettungsdienstkapazitäten dementsprechend aufgestockt?
9. Wie viele geburtshilfliche Abteilungen wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in Bayern seit 2010 geschlossen (bitte nach Jahren und
Regionen sowie den Kategorien „Landkreis“ und „kreisfreie Stadt“
aufschlüsseln)?
10. Wie viele Landkreise und kreisfreie Städte in Bayern verfügen nach
Kenntnis der Bundesregierung aktuell über keine geburtshilfliche
Abteilung?
11. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Erreichbarkeit der
Geburtshilfe in Bayern vom Wohnort aus und deren Entwicklung?
12. Wie viele Kliniken in Bayern boten nach Kenntnis der Bundesregierung
im Jahr 2025 Schwangerschaftsabbrüche an, und wie stellt sich diese Zahl
im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2020 dar?
13. Welche durchschnittlichen Wegstrecken bzw. Fahrzeiten müssen Frauen in
Bayern nach Kenntnis der Bundesregierung für einen
Schwangerschaftsabbruch zurücklegen (bitte regionale Unterschiede darstellen)?
14. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu regionalen
Versorgungsengpässen im Bereich Schwangerschaftsabbrüche in Bayern vor?
15. Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung wirtschaftliche
Gründe, Personalmangel oder Vorgaben der Krankenhausplanung als
Ursache von Krankenhausschließungen in Bayern?
16. Inwiefern ist die Aussage der Bundesgesundheitsministerin „Es werden
künftig die Kliniken am Netz bleiben, die auch wirtschaftlich arbeiten
können“ (www.zeit.de/politik/deutschland/2025-10/krankenhausreform-ae
nderung-warken-gesundheitsministerin-bundesregierung) so zu verstehen,
dass die Bundesregierung der Auffassung ist, dass bedarfsnotwendige
Krankenhäuser dann geschlossen werden sollen, wenn sie aufgrund des
aktuellen Finanzierungssystems nicht wirtschaftlich arbeiten können?
17. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den aktuellen Stand
der Zuteilung von Leistungsgruppen an die Krankenhausträger in Bayern
und die Folgen der Zuteilung für die Anzahl von Krankenhausstandorten?
18. Welche Maßnahmen sieht die Bundesregierung vor, um eine
flächendeckende stationäre Versorgung sowie den Zugang zu Geburtshilfe und
Schwangerschaftsabbrüchen in Bayern dauerhaft sicherzustellen?
19. Welche Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds wurden in den Jahren
2016 bis 2025 für Vorhaben in Bayern bewilligt (bitte nach geförderten
Vorhaben, Fördertatbeständen, Antragstellenden, Zeiträumen, Höhe der
Mittel, Ergebnis aufschlüsseln)?
Berlin, den 5. Juli 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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