Krankenhausschließungen und medizinische Versorgung im ländlichen Raum in Rheinland-Pfalz
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Krankenhausschließungen und medizinische Versorgung im ländlichen Raum in Rheinland-Pfalz
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4642
21. Wahlperiode 11.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Julia-Christina Stange, Stella Merendino, Nicole Gohlke,
Dr. Michael Arndt, Jorrit Bosch, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy
Eißing, Kathrin Gebel, Christian Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier,
Maren Kaminski, Cansin Köktürk, Ina Latendorf, Sonja Lemke, Sören Pellmann,
Heidi Reichinnek, Zada Salihović, David Schliesing, Evelyn Schötz, Donata
Vogtschmidt, Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Krankenhausschließungen und medizinische Versorgung im ländlichen Raum in
Rheinland-Pfalz
Die stationäre medizinische Versorgung in Deutschland befindet sich seit
Jahren in einem tiefgreifenden Strukturwandel. In den letzten 35 Jahren hat sich
die Anzahl der Krankenhäuser um mehr als 20 Prozent verringert (vgl. Destatis,
Grunddaten der Krankenhäuser 2024, www.destatis.de/DE/Themen/Gesellscha
ft-Umwelt/Gesundheit/Krankenhauser/Publikationen/_publikationen-innen-gru
nddaten-krankenhaus.html). Gleichzeitig ist die Anzahl privater Krankenhäuser
gestiegen, sodass mittlerweile rund 40 Prozent der Krankenhäuser in privater
Hand sind (ebd.). Der Abbau der stationären Versorgung betrifft insbesondere
kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum. Hier kommt es vermehrt zu
Schließungen von Abteilungen oder ganzen Krankenhäusern,
Standortzusammenlegungen und dem Abbau medizinischer Angebote. Diese Entwicklungen
können erhebliche Auswirkungen auf die Erreichbarkeit von
Gesundheitsleistungen, die Notfallversorgung sowie auf spezialisierte Versorgungsbereiche wie
die Geburtshilfe und den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen haben. Die
Zahl der Kreißsäle hat sich in den letzten 35 Jahren halbiert. Während 1991
noch fast die Hälfte aller Krankenhäuser eine Geburtshilfe anboten, waren es
2023 weniger als ein Drittel (Schulz, J. u. Valentukeviciute, L.: Kahlschlag in
der Krankenhauslandschaft. Wie Schließungen und Privatisierung die
medizinische Versorgung verschlechtern und was wir dagegen tun können; Rosa-
Luxemburg-Stiftung, Oktober 2024, S. 41).
Rheinland-Pfalz ist als Flächenland mit einem großen Anteil ländlicher
Regionen in besonderem Maße vom Abbau der wohnortnahen stationären
Versorgung betroffen. Die sich aktuell in der Umsetzung befindliche
Krankenhausreform hat weitere Zentralisierung und Spezialisierung zum Ziel und wird so
weitere Krankenhausschließungen bewirken (www.deutschlandfunk.de/
ministerinwarken-cdu-klinikschliessungen-trotz-anpassung-der-krankenhausreform-10
4.html). Nach Ansicht der Fragestellenden steht die Bundesregierung jedoch in
der Verantwortung, eine flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung
sicherzustellen und Ungleichheiten zwischen städtischem und ländlichem
Raum nicht weiter zu verschärfen. Mit dieser Kleinen Anfrage soll die
zahlenmäßige Entwicklung von Krankenhausschließungen, die Erreichbarkeit
stationärer Versorgung sowie die Versorgungslage im Bereich Geburtshilfe und
Schwangerschaftsabbrüche in Rheinland-Pfalz erfragt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in den letzten zehn Jahren geschlossen, zusammengelegt
oder in ihrer Versorgungsstufe herabgestuft (bitte nach Jahren sowie den
Kategorien „Landkreis“ und „kreisfreie Stadt“ aufschlüsseln und nach
Trägerschaft: privat, öffentlich, freigemeinnützig, differenzieren)?
2. Wie viele Krankenhausbetten je 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner
standen in Rheinland-Pfalz in den letzten zehn Jahren zur Verfügung, und
wie stellt sich dieser Wert im Vergleich zum Bundesdurchschnitt dar (bitte
nach Jahren sowie den Kategorien „Landkreis“ und „kreisfreie Stadt“
aufschlüsseln)?
3. Wie viele der in Rheinland-Pfalz erfolgten Krankenhausschließungen
betrafen nach Kenntnis der Bundesregierung Standorte im ländlichen Raum,
und wie definiert die Bundesregierung in diesem Zusammenhang
„ländlichen Raum“?
4. Wie viele Menschen in Rheinland-Pfalz leben nach Kenntnis der
Bundesregierung in Regionen, in denen das nächstgelegene Krankenhaus eine
Fahrzeit von mehr als 20 Minuten, 30 Minuten und 45 Minuten mit dem
motorisierten Individualverkehr aufweist (bitte nach Landkreisen
aufschlüsseln)?
5. Wie hat sich die durchschnittliche Fahrzeit zum nächstgelegenen
Krankenhaus in Rheinland-Pfalz seit 2015 entwickelt?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Auswirkungen
von Krankenhausschließungen in Rheinland-Pfalz auf die
Notfallversorgung und Rettungsdienstzeiten vor?
7. Wurden in Orten und Landkreisen, wo Krankenhäuser geschlossen
wurden (z. B. Ahrweiler, Annweiler, Ingelheim), die
Rettungsdienstkapazitäten dementsprechend aufgestockt?
8. Wie viele geburtshilfliche Abteilungen wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in Rheinland-Pfalz seit 2010 geschlossen (bitte nach Jahren
und Regionen sowie den Kategorien „Landkreis“ und „kreisfreie Stadt“
aufschlüsseln)?
9. Wie viele Landkreise und kreisfreie Städte in Rheinland-Pfalz verfügen
aktuell über keine geburtshilfliche Abteilung?
10. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Erreichbarkeit der
Geburtshilfe in Rheinland-Pfalz vom Wohnort aus und deren
Entwicklung?
11. Wie viele Kliniken in Rheinland-Pfalz boten nach Kenntnis der
Bundesregierung im Jahr 2025 Schwangerschaftsabbrüche an, und wie stellt sich
diese Zahl im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2020 dar?
12. Welche durchschnittlichen Wegstrecken bzw. Fahrzeiten müssen Frauen in
Rheinland-Pfalz nach Kenntnis der Bundesregierung für einen
Schwangerschaftsabbruch zurücklegen (bitte regionale Unterschiede darstellen)?
13. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu regionalen
Versorgungsengpässen im Bereich Schwangerschaftsabbrüche in Rheinland-
Pfalz vor?
14. Welche Rolle spielen wirtschaftliche Gründe, Personalmangel oder
Vorgaben der Krankenhausplanung nach Kenntnis der Bundesregierung als
Ursache von Krankenhausschließungen in Rheinland-Pfalz?
15. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung durch die geplante
Krankenhausreform konkret für die stationäre Versorgung im ländlichen
Raum in Rheinland-Pfalz?
16. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den aktuellen Stand
der Zuteilung von Leistungsgruppen an die Krankenhausträger in
Rheinland-Pfalz und die Folgen der Zuteilung für die Anzahl von
Krankenhausstandorten?
17. Welche Maßnahmen sieht die Bundesregierung vor, um eine
flächendeckende stationäre Versorgung sowie den Zugang zu Geburtshilfe und
Schwangerschaftsabbrüchen in Rheinland-Pfalz dauerhaft sicherzustellen?
18. Welche Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds wurden in den
Jahren 2016 bis 2025 für Vorhaben in Rheinland-Pfalz bewilligt (bitte nach
geförderten Vorhaben, Fördertatbeständen, Antragstellenden, Zeitraum,
Höhe der Mittel, Ergebnis aufschlüsseln)?
Berlin, den 24. Februar 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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