Krankenhausschließungen und medizinische Versorgung im ländlichen Raum in Baden-Württemberg
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Krankenhausschließungen und medizinische Versorgung im ländlichen Raum in Baden-Württemberg
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4192
21. Wahlperiode 19.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Anne Zerr, Stella Merendino, Nicole Gohlke, Dr. Michael
Arndt, Jorrit Bosch, Anne-Mieke Bremer, Maik Brückner, Mandy Eißing, Kathrin
Gebel, Christian Görke, Ates Gürpinar, Mareike Hermeier, Maren Kaminski,
Cansin Köktürk, Ina Latendorf, Sonja Lemke, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek,
Zada Salihović, David Schliesing, Evelyn Schötz, Julia-Christina Stange, Donata
Vogtschmidt, Sarah Vollath und der Fraktion Die Linke
Krankenhausschließungen und medizinische Versorgung im ländlichen Raum in
Baden-Württemberg
Die stationäre medizinische Versorgung in Deutschland befindet sich seit
Jahren in einem tiefgreifenden Strukturwandel. In den letzten 35 Jahren hat sich
die Anzahl der Krankenhäuser um mehr als 20 Prozent verringert (vgl. Destatis,
Grunddaten der Krankenhäuser 2024, www.destatis.de/DE/Themen/Gesellscha
ft-Umwelt/Gesundheit/Krankenhauser/Publikationen/_publikationen-innen-gru
nddaten-krankenhaus.html). Gleichzeitig ist die Anzahl privater Krankenhäuser
gestiegen, sodass mittlerweile rund 40 Prozent der Krankenhäuser in privater
Hand sind (ebd.). Der Abbau der stationären Versorgung betrifft insbesondere
kleinere Krankenhäuser im ländlichen Raum. Hier kommt es vermehrt zu
Schließungen von Abteilungen oder ganzen Krankenhäusern,
Standortzusammenlegungen und dem Abbau medizinischer Angebote. Diese Entwicklungen
können erhebliche Auswirkungen auf die Erreichbarkeit von
Gesundheitsleistungen, die Notfallversorgung sowie auf spezialisierte Versorgungsbereiche wie
die Geburtshilfe und den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen haben. Die
Zahl der Kreißsäle hat sich in den letzten 35 Jahren halbiert. Während im
Jahr 1991 noch fast die Hälfte aller Krankenhäuser eine Geburtshilfe anboten,
waren es im Jahr 2023 weniger als ein Drittel (Schulz, J. u.
Valentukeviciute, L.: Kahlschlag in der Krankenhauslandschaft. Wie Schließungen und
Privatisierung die medizinische Versorgung verschlechtern und was wir dagegen tun
können. Rosa-Luxemburg-Stiftung, Oktober 2024, S. 41). Baden-Württemberg
ist als Flächenland mit einem großen Anteil ländlicher Regionen in besonderem
Maße vom Abbau der wohnortnahen stationären Versorgung betroffen. Die sich
aktuell in der Umsetzung befindliche Krankenhausreform hat weitere
Zentralisierung und Spezialisierung zum Ziel und wird so weitere
Krankenhausschließungen bewirken (www.deutschlandfunk.de/ministerin-warken-cdu-klinikschli
essungen-trotz-anpassung-der-krankenhausreform-104.html). Nach Ansicht der
Fragestellenden steht die Bundesregierung jedoch in der Verantwortung, eine
flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen und
Ungleichheiten zwischen städtischem und ländlichem Raum nicht weiter zu
verschärfen. Mit dieser Kleinen Anfrage soll die zahlenmäßige Entwicklung von
Krankenhausschließungen, die Erreichbarkeit stationärer Versorgung sowie die
Versorgungslage im Bereich Geburtshilfe und Schwangerschaftsabbrüche in
Baden-Württemberg erfragt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Krankenhäuser in Baden-Württemberg wurden nach Kenntnis
der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren geschlossen,
zusammengelegt oder in ihrer Versorgungsstufe herabgestuft (bitte nach Jahren
sowie den Kategorien „Landkreis“ und „kreisfreie Stadt aufschlüsseln)?
2. Wie viele Krankenhausbetten je 100 000 Einwohnerinnen und Einwohner
standen in Baden-Württemberg in den letzten zehn Jahren zur Verfügung,
und wie stellt sich dieser Wert im Vergleich zum Bundesdurchschnitt dar
(bitte nach Jahren sowie den Kategorien „Landkreis“ und „kreisfreie Stadt
aufschlüsseln)?
3. Wie viele der in Baden-Württemberg erfolgten Krankenhausschließungen
betrafen nach Kenntnis der Bundesregierung Standorte im ländlichen
Raum, und wie definiert die Bundesregierung in diesem Zusammenhang
„ländlichen Raum“?
4. Wie viele Menschen in Baden-Württemberg leben nach Kenntnis der
Bundesregierung in Regionen, in denen das nächstgelegene Krankenhaus eine
Fahrzeit von mehr als 20 Minuten, 30 Minuten und 45 Minuten mit dem
motorisierten Individualverkehr aufweist (bitte nach Landkreisen
aufschlüsseln)?
5. Wie hat sich die durchschnittliche Fahrzeit zum nächstgelegenen
Krankenhaus in Baden-Württemberg seit 2015 entwickelt?
6. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Auswirkungen
von Krankenhausschließungen in Baden-Württemberg auf die
Notfallversorgung und Rettungsdienstzeiten vor?
7. Wurden in Orten und Landkreisen, wo Krankenhäuser geschlossen
wurden (z. B. Radolfzell, Stühlingen, Sigmaringen, Ortenau), die
Rettungsdienstkapazitäten dementsprechend aufgestockt, und wenn nein, warum
nicht?
8. Wie viele Krankenhausbetten in der Geburtshilfe je 100 000
Einwohnerinnen und Einwohner standen in Baden-Württemberg in den letzten
zehn Jahren zur Verfügung, und wie stellt sich dieser Wert im Vergleich
zum Bundesdurchschnitt dar (bitte nach Jahren sowie den Kategorien
„Landkreis“ und „kreisfreie Stadt aufschlüsseln)?
9. Wie viele geburtshilfliche Abteilungen wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung in Baden-Württemberg seit 2010 geschlossen (bitte nach
Jahren und Regionen sowie den Kategorien „Landkreis“ und „kreisfreie
Stadt aufschlüsseln)?
10. Wie viele Landkreise und kreisfreie Städte in Baden-Württemberg
verfügen aktuell über keine geburtshilfliche Abteilung?
11. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Erreichbarkeit der
Geburtshilfe in Baden-Württemberg vom Wohnort aus und deren
Entwicklung?
12. Wie viele Kliniken in Baden-Württemberg boten nach Kenntnis der
Bundesregierung im Jahr 2025 Schwangerschaftsabbrüche an, und wie stellt
sich diese Zahl im Vergleich zu den Jahren 2015 und 2020 dar?
13. Welche durchschnittlichen Wegstrecken bzw. Fahrzeiten müssen Frauen in
Baden-Württemberg nach Kenntnis der Bundesregierung für einen
Schwangerschaftsabbruch zurücklegen (bitte regionale Unterschiede
darstellen)?
14. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu regionalen
Versorgungsengpässen im Bereich Schwangerschaftsabbrüche in Baden-
Württemberg vor?
15. Welche Rolle spielen wirtschaftliche Gründe, Personalmangel oder
Vorgaben der Krankenhausplanung nach Kenntnis der Bundesregierung als
Ursache von Krankenhausschließungen in Baden-Württemberg?
16. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung durch die geplante
Krankenhausreform konkret für die stationäre Versorgung im ländlichen
Raum in Baden-Württemberg?
17. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den aktuellen Stand
der Zuteilung von Leistungsgruppen an die Krankenhausträger in Baden-
Württemberg und die Folgen der Zuteilung für die Anzahl von
Krankenhausstandorten?
18. Welche Maßnahmen sieht die Bundesregierung vor, um eine
flächendeckende stationäre Versorgung sowie den Zugang zu Geburtshilfe und
Schwangerschaftsabbrüchen in Baden-Württemberg dauerhaft
sicherzustellen?
19. Welche Mittel aus dem Krankenhausstrukturfonds wurden in den
Jahren 2016 bis 2025 für Vorhaben in Baden-Württemberg bewilligt (bitte
nach geförderten Vorhaben, Fördertatbeständen, Antragstellenden,
Zeitraum, Höhe der Mittel, Ergebnis aufschlüsseln)?
Berlin, den 18. Februar 2026
Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
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ISSN 0722-8333
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