Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Aktionsplan für erschwingliche Energie - Erschließung des wahren Werts unserer Energieunion zur Sicherstellung einer erschwinglichen, effizienten und sauberen Energieversorgung für alle Europäer
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Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Aktionsplan für erschwingliche Energie - Erschließung des wahren Werts unserer Energieunion zur Sicherstellung einer erschwinglichen, effizienten und sauberen Energieversorgung für alle Europäer
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Bundesrat Drucksache 131/25
25.03.25
EU - Fz - In - U - Wi - Wo
Unterrichtung
durch die Europäische Kommission
Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den Europäischen
Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Aktionsplan für
erschwingliche Energie - Erschließung des wahren Werts unserer Energieunion zur
Sicherstellung einer erschwinglichen, effizienten und sauberen Energieversorgung für alle
Europäer
COM(2025) 79 final
Der Bundesrat wird über die Vorlage gemäß § 2 EUZBLG auch durch die Bundesregierung
unterrichtet.
Hinweis: Drucksache 255/97 = AE-Nr. 970964;
Drucksache 65/25 = AE-Nr. 250115;
Drucksache 106/25 = AE-Nr. 250201;
AE-Nr. 240326
DE DE
EUROPÄISCHE
KOMMISSION
Brüssel, den 26.2.2025
COM(2025) 79 final
MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN
RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND
DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN
Aktionsplan für erschwingliche Energie
Erschließung des wahren Werts unserer Energieunion zur Sicherstellung einer
erschwinglichen, effizienten und sauberen Energieversorgung für alle Europäer
1
1. EINFÜHRUNG
Unser Energiemarkt ist der Motor unserer Wirtschaft, Stütze unserer Gesellschaft und
Bindeglied für unsere Gemeinschaften. Gemeinsam haben wir widerstandsfähige Netze
aufgebaut, unser Wirtschaftswachstum von unseren Treibhausgasemissionen entkoppelt,
unsere Abhängigkeiten verringert und eine Führungsrolle bei der globalen Energiewende
übernommen. Die EU hat die jüngste Energiekrise dank des raschen Ausbaus sauberer
Energie, der Diversifizierung der Versorgung, der Verfügbarkeit von Energieverbundnetzen,
die für die Sicherheit der EU von entscheidender Bedeutung sind, und dank der Solidarität
zwischen den Mitgliedstaaten gemeistert.
Es ist jedoch eindeutig erforderlich, unsere Energieunion dringend zu stärken. Hohe
Energiekosten schaden unseren Bürgerinnen und Bürgern: Energiearmut betrifft mehr als
46 Millionen Europäerinnen und Europäer und wirkt sich unverhältnismäßig stark auf
benachteiligte Gruppen aus1. Für die Industrie haben sich die Endkundenpreise für Strom
fast verdoppelt: Für einen mittleren industriellen Verbraucher lagen die Preise im Jahr 2023
weiterhin 97 % über dem Durchschnitt der Jahre 2014-20202. Das Energiepreisgefälle
zwischen der EU und unseren wichtigsten Wettbewerbern nimmt zu3; angesichts dessen
besteht die Gefahr, dass bei neuen Investitionen Länder außerhalb Europas bevorzugt und
dass bestehende Wirtschaftszweige verlagert werden, was zu einer potenziellen Abwanderung
kritischer Wirtschaftszweige führen würde, die die Wirtschaft und Widerstandsfähigkeit der
EU fördern und hochwertige Arbeitsplätze schaffen4. Die derzeitige Situation untergräbt die
Stellung der EU in der Welt und die internationale Wettbewerbsfähigkeit5.
Abbildung 1. Verhältnis der Strompreise für industrielle Endkunden auf den Weltmärkten (Schätzungen der
Europäischen Kommission)(Ein Verhältnis von mehr als 1 bedeutet, dass die EU-Preise höher sind als die Preise
des entsprechenden Drittlandes)
1 Eurostat-Datenbank (Online-Datencode: ilc_mdes01).
2 Study on energy prices and costs – Evaluating impacts on households and industry – 2024 edition; Trinomics,
2025.
3 Siehe Abbildung 1. Die Endkundenstrompreise für die Industrie waren in der EU im zweiten Quartal 2024 2,2-
mal so hoch wie in den USA, doppelt so hoch wie in China und 1,2-mal höher als in Japan (historisch gesehen
niedriger).
4 Die Beschäftigung im Bereich der erneuerbaren Energien belief sich im Jahr 2023 in der EU auf rund
1,8 Millionen. Renewable energy and jobs: Annual review 2024; IRENA in Zusammenarbeit mit der IAO, 2024.
5 The future of European competitiveness, part B, Abbildung 2; Mario Draghi, September 2024. Zunehmende
Unterschiede bei den Endkundenpreisen in der EU, von weniger als 100 EUR/MWh (PT, FI, SE) bis zu über
250 EUR/MWh (CY, HU, NL).
2
Daher startet die Kommission ein ehrgeiziges Programm zur Unterstützung unserer
Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Wirtschaftszweige, indem sie Wachstum und
Investitionen ankurbelt und die Bemühungen um eine Dekarbonisierung fördert.
Der Kompass für eine wettbewerbsfähige EU6 wird als Richtschnur für die Arbeit in den
kommenden fünf Jahren dienen, um die wirtschaftliche Dynamik in Europa wiederzubeleben.
Der Deal für eine saubere Industrie, unsere Strategie für Wachstum und Wohlstand, die
Klima und Wettbewerbsfähigkeit zusammenbringt, ist ein zentraler Bestandteil dieser
Arbeit. Zur Unterstützung des Deals für eine saubere Industrie wird sich der Aktionsplan für
erschwingliche Energie darauf konzentrieren, die Energiekosten für Bürgerinnen und
Bürger, Unternehmen, Wirtschaftszweige und Gemeinschaften in der gesamten EU zu senken
und dabei den Bedürfnissen aller Menschen, einschließlich schutzbedürftiger Gruppen,
Rechnung zu tragen.
Dieser Aktionsplan enthält Maßnahmen zur kurzfristigen Senkung der Energiekosten,
während gleichzeitig die Umsetzung dringend benötigter kostensparender
Strukturreformen beschleunigt und unsere Energiesysteme gestärkt werden, um
künftige Preisschocks abzufedern. Mit dem uneingeschränkten Engagement der
Mitgliedstaaten und aller einschlägigen Interessenträger werden diese acht Maßnahmen für
erschwingliche Energie die Energiekosten senken und zum Aufbau einer echten
Energieunion beitragen, die für Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit, Dekarbonisierung und
einen gerechten Übergang sorgt und die Vorteile kostengünstigerer Energie an die Endnutzer
weitergibt.
2. DIE URSACHEN DER STEIGENDEN ENERGIEKOSTEN IN DER EU
Die Energiekosten werden durch eine Kombination von Faktoren bestimmt:
Energieversorgungskosten auf der Grundlage des Gesamtverbrauchs, Netzkosten sowie
Verbrauchsteuern und andere Steuern. Die Energieversorgungskosten wiederum hängen von
den Großhandelspreisen ab, die von unterschiedlichen Faktoren wie Angebots- und
Nachfragebedingungen, Energiemix, Verbindungsleitungen, Wettbewerb, Wetterbedingungen
und geopolitischen Gegebenheiten sowie dem Wettbewerb im Endkundengeschäft zwischen
den Versorgern beeinflusst werden. Diese Faktoren verdeutlichen die strukturellen
Herausforderungen des Energiesystems der EU.
Erstens führt die Abhängigkeit Europas von importierten fossilen Brennstoffen zu
Energiepreisschwankungen und höheren Versorgungskosten und macht die EU gleichzeitig
anfälliger gegenüber Druck von außen und Unsicherheit auf dem Weltmarkt. Während die
Nachfrage nach Erdgas zwischen August 2022 und Mai 2024 um 18 % zurückging7, ist die
EU nach wie vor den weltweiten Schwankungen der Preise für fossile Brennstoffe ausgesetzt,
da sie 90 % ihres Erdgasbedarfs durch Importe deckt8. Die Folgen einer übermäßigen
Abhängigkeit bei der Versorgung sind während der jüngsten Energiekrise deutlich geworden.
Die Tatsache, dass Russland seine Gasexporte als Waffe einsetzte, führte zu
Versorgungsunsicherheiten und erheblichen Preisspitzen. Im Jahr 2022 beliefen sich die
Importkosten der EU für fossile Brennstoffe auf 604 Mrd. EUR, nach einem historischen
6 Ein Kompass für eine wettbewerbsfähige EU (COM(2025) 30 final).
7 Impact Assessment Report for Europe’s 2040 climate target (SWD(2024) 63 final, Anhang 8 (Teil 3/5),
Abschnitt 1.2.3).
8 Eurostat-Erdgasversorgungsstatistik. Die europäischen Importe beliefen sich im Jahr 2024 auf 273 Mrd. m³
gegenüber 334 Mrd. m³ im Jahr 2022.
3
Tiefstand von 163 Mrd. EUR im Jahr 20209. Da ein erheblicher Anteil (28,9 %) des
durchschnittlichen Stromerzeugungsmixes in der EU nach wie vor auf fossilen Brennstoffen
beruht10 und der Verkehr hauptsächlich mit Mineralölerzeugnissen betrieben wird, wirken
sich die Importkosten fossiler Brennstoffe erheblich auf die Energiekosten der
Verbraucher aus (siehe Abbildung 2).
Abbildung 2. Stromkosten für Haushalte (Gruppe DD, links) und Industrie (Gruppe ID, rechts) in der EU zu
realen Preisen von 202311
Zweitens wirken sich auch Ineffizienzen und die unvollständige Integration im
Stromnetz auf die Energiepreise aus. Europa verfügt über das weltweit am stärksten
integrierte Netz, doch muss in Bezug auf Verbindungsleitungen, Netzinfrastruktur,
Integration der Energiesysteme und Systemflexibilität noch mehr getan werden, um die
Integration von kostengünstigeren und saubereren Energiequellen zu fördern. Langwierige
Genehmigungsverfahren für saubere Energie und Netzprojekte bremsen die Fortschritte
zusätzlich. Aktuellen Schätzungen zufolge wird bis 2030 etwa die Hälfte des Bedarfs an
neuen grenzüberschreitenden Stromkapazitäten in der EU nicht gedeckt sein12, wodurch die
vollständige Integration unseres Energiemarktes behindert wird.
Schließlich treiben die steigenden Systemkosten, die durch Netzentgelte, Steuern und
Abgaben gedeckt werden, die Strompreise weiter in die Höhe und machen einen erheblichen
Teil der Kosten aus, die weiter steigen könnten, da unsere Netze in den kommenden Jahren
erhebliche Investitionen benötigen werden.
3. SCHAFFUNG EINER ECHTEN ENERGIEUNION FÜR ERSCHWINGLICHERE
ENERGIE
Die EU-Energiepolitik am Scheideweg
Die Energie ist ein Baustein und eine treibende Kraft unserer Union. Obwohl wir einen stark
vernetzten Energiemarkt aufgebaut haben, verfügen wir noch nicht über eine echte
Energieunion. Dies ist ein kritischer Wendepunkt für die Europäische Union. Die
Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind augenscheinlich und dringend. Unsere
Energiekosten sind nach wie vor vergleichsweise hoch, weshalb für Europa die reale
Gefahr einer Deindustrialisierung besteht und unsere Wirtschaft ernsthaft bedroht ist.
9 Bericht über die Energiepreise und Energiekosten in Europa (COM(2024) 136 final); Europäische
Kommission, März 2024.
10 European electricity review 2025; EMBER, Januar 2025.
11 Eurostat, nrg_pc_204_c und nrg_pc_205_c, 17. Februar 2025.
12 Electricity Infrastructure Monitoring Report 2024; ACER, Dezember 2024.
4
Die Kosten der Untätigkeit sind höher als die Kosten des Handelns. Wenn wir auf halbem
Weg zur Dekarbonisierung stehen bleiben, belastet dies unsere Volkswirtschaften und unsere
industrielle Kapazität. So kostete beispielsweise die Abregelung erneuerbarer Energien allein
in Deutschland im Jahr 2023 über 3 Mrd. EUR, wobei die Vorteile der Erzeugung dieser
günstigen Energie für Verbraucher und Unternehmen verloren gingen. Außerdem steigen mit
der zunehmenden Komplexität des Stromnetzes auch die Kosten: Die Kosten für das
Management von Netzengpässen, hauptsächlich durch Redispatch, erreichten im Jahr 2022
einen Höchststand von 5,2 Mrd. EUR13 und könnten bis 2030 auf 26 Mrd. EUR ansteigen14.
Die wirksamste Möglichkeit, diese Kosten zu bewältigen, sind gemeinsame und strategische
europäische Investitionen bei gleichzeitiger Gewährleistung der Technologieneutralität.
Zu den Kosten, die entstehen, wenn der Übergang nicht vollzogen wird, kommen noch die
Kosten hinzu, die entstehen, wenn unser Binnenmarkt und sein Potenzial zur
Preissenkung nicht voll ausgeschöpft werden. So kam es beispielsweise in Südosteuropa
während der Abendstunden des vergangenen Sommers zu Preisspitzen, die durchschnittlich
bei über 250 EUR/MWh lagen, was unter anderem auf fehlende grenzüberschreitende
Kapazitäten und unzureichende Flexibilität zurückzuführen war, die durch ein stärker
vernetztes Energiesystem hätten abgemildert werden können.
Eine robuste Energieunion als Triebkraft für den Deal für eine saubere Industrie
So klar die Herausforderungen sind, so klar ist auch die Rolle unserer Energieunion bei
deren Bewältigung. Die Energiekrise hat gezeigt, in welchen Bereichen wir unsere
Infrastruktur weiter stärken und die Energiemarktintegration in der EU vertiefen
müssen.
Wir haben bereits wichtige Schritte unternommen. Mit dem REPowerEU-Plan haben wir
unser Energiesystem widerstandsfähiger gemacht, indem die Energieeffizienz gesteigert, eine
saubere Erzeugung auf den Weg gebracht und unsere Versorgung diversifiziert wurde. Es sind
offensichtliche Fortschritte zu verzeichnen. Die neu installierten Wind- und
Solarenergiekapazitäten erreichten im Jahr 2024 ein Rekordniveau von 78 GW, und der
Absatz von Wärmepumpen belief sich sowohl 2022 als auch 2023 auf 3 Millionen Einheiten.
Im Jahr 2024 erreichte der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in der
EU mit 48 % einen neuen Höchststand, gegenüber 45 % im Jahr 2023 und 41 % im Jahr
2022. Unsere Bemühungen haben sich gelohnt: Seit dem Frühjahr 2023 sind die Gaspreise
erheblich gesunken. In den kommenden Wochen wird die Kommission zudem zusätzliche
Impulse für die vollständige Umsetzung von REPowerEU geben, um die Energieimporte aus
Russland vollständig zu beenden. Um dauerhafte, langfristige Lösungen zu erreichen, dürfen
wir jedoch nicht zurückrudern, sondern müssen weiter voranschreiten. Wir müssen endlich
eine echte Energieunion schaffen, und zwar durch drei wesentliche Triebkräfte.
Erstens brauchen wir einen vollständig integrierten Energiemarkt, der durch ein
digitalisiertes Verbundnetz und ein kohärentes Regulierungs- und Governancesystem
unterstützt wird. Der Binnenmarkt für Energie und die Integration der europäischen
Strommärkte kommen den Verbrauchern bereits jetzt jährlich mit rund 34 Mrd. EUR
zugute15. Durch eine weitere Integration könnten diese Vorteile bis 2030 auf bis zu 40-
13Die Netzentgelte könnten bis zum Jahr 2050 im Vergleich zu 2022 um 60 % steigen; Transmission capacities
for cross-zonal trade of electricity and congestion management; ACER, Juli 2024.
14 Redispatch and Congestion Management; Gemeinsame Forschungsstelle, Mai 2024.
15 ACER’s final assessment of the EU wholesale electricity market design; ACER, April 2022.
5
43 Mrd. EUR pro Jahr steigen16. Wir benötigen einen massiven Netzausbau, und zwar auf
möglichst kosteneffiziente Weise: Durch den umfassenderen Einsatz von Technologien zur
Verbesserung des Stromnetzes und die flexible Nutzung des Systems könnten bis zu 35 % der
Kosten für den konventionellen Netzausbau eingespart werden. Durch eine bessere
Vernetzung und engere Koordination17 kann die regionale Zusammenarbeit in ganz Europa
den Bedarf an Flexibilitätsinvestitionen um bis zu 20 % senken18.
Zweitens brauchen wir ein dekarbonisiertes Energiesystem, das durch einen erheblichen
Ausbau der sauberen Energie und Elektrifizierung angetrieben wird und in dessen
Mittelpunkt die Energieeffizienz steht. Die Welt bewegt sich schneller denn je hin zu
sauberer Energie. Die weltweiten Ausgaben für saubere Energie erreichten im vergangenen
Jahr einen Rekordwert von 1,9 Billionen EUR. Für jeden in fossile Brennstoffe investierten
Euro werden zwei Euro in erneuerbare Energien investiert. Wir werden die Dekarbonisierung
vorantreiben, denn die Dekarbonisierung sorgt nicht nur für saubere Energie, sondern auch
für hochwertige Arbeitsplätze, Wachstum und Energieversorgungssicherheit. Darüber hinaus
böte eine Verringerung des Anteils fossiler Brennstoffe im europäischen Energiesystem für
die Verbraucher einen weiteren Schutz vor Marktschwankungen.
Drittens: Da ein Teil des europäischen Energieverbrauchs nach wie vor durch Erdgas gedeckt
wird, brauchen wir einen transparenteren und wettbewerbsfähigeren sowie gut
funktionierenden Gasmarkt und müssen gleichzeitig unsere Bemühungen um
Diversifizierung und Nachfragereduzierung fortsetzen. Die EU ist nach wie vor den
Schwankungen der internationalen Gaspreise ausgesetzt. Wir müssen dafür sorgen, dass Gas
zu fairen Bedingungen gehandelt wird, und wir müssen unsere kollektive Stärke nutzen. So
kamen beispielsweise im Rahmen des Mechanismus für die Nachfragebündelung seit 2023
42 Mrd. Kubikmeter zusammen, was 13 % des Gasverbrauchs der EU in diesem Zeitraum
entspricht.
Kurz gesagt: Nur wenn wir die Investitionen in saubere Energie und in die Infrastruktur
beschleunigen, die Elektrifizierung rasch vorantreiben, die Energieeffizienz steigern und für
Transparenz und Fairness auf den Gasmärkten sorgen, können wir Energie erschwinglich
machen. Deshalb braucht Europa diesen Aktionsplan: um schnell und entschlossen zu
reagieren, um die Energiekosten sofort zu senken, um das Energiesystem zukunftssicher zu
machen, um Investitionen anzuziehen und um die Umsetzung zu gewährleisten. In dieser
Hinsicht können die Straffung unseres Rechtsrahmens und die Verringerung des
Verwaltungsaufwands den Unternehmen helfen, indem die Einführung sauberer Technologien
sichtbarer und einfacher wird. Konzertiertes Handeln und Engagement der europäischen
Staats- und Regierungschefs auf höchster politischer Ebene sind von entscheidender
Bedeutung, um diesen transformativen Aktionsplan umzusetzen.
Ohne die Energiewende würden die Importkosten der EU für fossile Brennstoffe im
Jahr 2025 um 45 Mrd. EUR höher ausfallen als 2019, was schätzungsweise 0,25 % des
BIP der EU entspricht.
Die Umsetzung dieses Aktionsplans wird es der EU ermöglichen, die Vorteile des
Übergangs zu sauberen Energien rasch zu nutzen. Dies wird dazu führen, dass die
16 Integrating the EU energy market to foster growth and resilience; IWF, Januar 2025. Realising the benefits of
European market integration; Baker et al., 2018; Benefits of an integrated European energy market; Booz et al.,
2013.
17 Redispatch and Congestion Management; Gemeinsame Forschungsstelle, Mai 2024.
18 Power system flexibility in the Penta region; Trinomics and Artelys, März 2023.
6
Kosten für den Import fossiler Brennstoffe in die EU Jahr für Jahr sinken und die
Einsparungen bis 2030 130 Mrd. EUR pro Jahr bzw. schätzungsweise 0,65 % des BIP
erreichen19. Diese Einsparungen durch die Reduzierung des Verbrauchs fossiler Brennstoffe
lassen sich grob in drei Bereiche unterteilen: i) Steigerung der Elektrifizierung und
Energieeffizienz, wodurch wiederum der Gesamtbedarf an fossilen Brennstoffen sinkt
(25 %), und ii) Ersetzung der anhaltenden Nachfrage nach fossilen Brennstoffen bei der
Stromerzeugung durch saubere Energie (50 %), unterstützt durch iii) ausreichende
Netzkapazität, intelligente Netzinfrastruktur und Flexibilität des Energiesystems (25 %).
Die Einsparungen bei den Importkosten der EU für fossile Brennstoffe werden bis 2040
jährlich auf bis zu 260 Mrd. EUR steigen20.
4. EIN AKTIONSPLAN FÜR ERSCHWINGLICHE ENERGIE FÜR ALLE EUROPÄER
In diesem Aktionsplan werden sofortige konzertierte Maßnahmen der Kommission, des
Europäischen Parlaments, der Mitgliedstaaten und der Industrie vorgeschlagen, um: i) die
Energiekosten für alle zu senken, ii) die Energieunion zu vollenden, iii) Investitionen
anzuziehen und iv) auf mögliche Energiekrisen vorbereitet zu sein. Die meisten Maßnahmen
werden im Laufe des Jahres 2025 durchgeführt, wobei der Schwerpunkt auf Maßnahmen
zur sofortigen Entlastung der Energieverbraucher liegt.
Abbildung 3. Die vier Säulen des Aktionsplans für erschwingliche Energie
Säule I: Senkung der Energiekosten
Bei der Senkung der Kosten müssen die drei Kostenelemente berücksichtigt werden: Netz-
und Systemkosten, Besteuerung und Versorgungskosten. Da Erdgas ein wesentlicher Teil
des Strommixes ist, wird die Gewährleistung gut funktionierender Gasmärkte mit
19 Einsparungen im Jahr 2025 im Vergleich zu den Importmengen im Jahr 2019, wobei Schätzungen auf der
Grundlage von Annahmen zu den Spotpreisen für fossile Brennstoffe im Jahr 2024 zugrunde gelegt wurden. Bei
Annahme von (höheren) Preisen im Jahr 2022 würden die jährlichen Einsparungen von 140 Mrd. EUR im
Jahr 2025 (etwa 0,75 % des BIP) auf 340 Mrd. EUR im Jahr 2030 (1,75 % des prognostizierten BIP) und bis zu
600 Mrd. EUR im Jahr 2040 (2,7 % des prognostizierten BIP) steigen.
20 1,2 % des geschätzten BIP der EU. Die Einsparungen bis 2040 werden unter der Annahme berechnet, dass bis
2040 eine Reduzierung der Treibhausgase um 90 % angestrebt wird.
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marktgestützten Preisen ebenfalls dazu beitragen, sowohl die Gas- als auch die Stromkosten
zu senken. Darüber hinaus werden Energieeffizienz und Einsparungen die Menge an Strom
verringern, die die Verbraucher kaufen müssen.
Maßnahme 1: Niedrigere Stromrechnungen
Die Mitgliedstaaten können die Stromrechnungen schon heute senken. Dies erfordert
sofortiges Handeln und ehrgeizigere Ziele, insbesondere in den Bereichen Netzentgelte und
Besteuerung.
a) Netzentgelte
Mit den Netzentgelten werden die physische Modernisierung der Netze und der Betrieb des
Netzes finanziert. Für Investitionen in die Modernisierung und den Ausbau des Stromnetzes
ist erhebliches Kapital erforderlich. Dies ist von entscheidender Bedeutung, um den Einsatz
erneuerbarer Energien, die Elektrifizierung und die neue Nachfrage aus Industrie und
Wirtschaft zu fördern. Gleichzeitig steigen die Kosten für den Betrieb des Stromnetzes21.
Durch Netzentgelte, die Anreize für Systemeffizienz und die Nutzung von kostengünstigem
sauberen Strom bieten, könnten die Kosten für den Betrieb des Gesamtsystems rasch gesenkt
werden, indem beispielsweise der Bedarf und die Kosten im Zusammenhang mit Redispatch
gesenkt werden, Nachfragespitzen und damit der Bedarf an Investitionen in das Netz
verringert werden und letztlich die Netzentgeltkomponente der Energierechnung im Vergleich
zu einem Verzicht auf Maßnahmen gesenkt wird.
In Anbetracht des Umfangs der erforderlichen Investitionen kann eine zeitliche Streckung
dieser Investitionen dazu beitragen, dass sich die Kosten für die Verbraucher in Grenzen
halten. Dies ist besonders dann von Bedeutung, wenn bei diesen Investitionen der ungewisse
künftige Anstieg der Stromnachfrage infolge der Elektrifizierung vorweggenommen wird,
denn wenn all diese Investitionen den derzeitigen Nutzern auferlegt würden, könnte dies eine
ungerechte Belastung für frühzeitige Nutzer darstellen und die Elektrifizierung
verlangsamen22.
21 Von 2020 bis 2022 verdoppelten sich die Redispatch-Kosten auf fast 4,2 Mrd. EUR, das Countertrading
verdoppelte sich auf 0,8 Mrd. EUR, und die sonstigen Kosten für das Engpassmanagement gingen auf
0,2 Mrd. EUR zurück, was auf die Effizienz des Netzbetriebs und die Kosten der Stromversorgung
zurückzuführen ist, die 2022 aufgrund der Energiekrise besonders hoch waren. Electricity infrastructure
development to support a competitive and sustainable energy system; ACER, Dez. 2024.
22 Solche Maßnahmen, die auf natürliche oder gesetzliche Monopole angewandt werden, dürften keine
staatlichen Beihilfen darstellen und können mit den Grundsätzen der kostenorientierten Netztarife in Einklang
stehen. Siehe Rn. 188 und 211 der Bekanntmachung der Kommission zum Begriff der staatlichen Beihilfe sowie
Rn. 373-375 der Leitlinien für staatliche Klima-, Umweltschutz- und Energiebeihilfen 2022. Im Fall der
Wasserstoff-Grundstruktur in Deutschland („German Hydrogen Backbone“) stufte die Kommission eine solche
Maßnahme als mit dem Binnenmarkt vereinbare staatliche Beihilfe ein (Beschluss C(2024) 4366 final der
Kommission in der Sache SA.113565).
8
Was Effizientere Netzentgelte zur Senkung der Kosten des Energiesystems
Wie Die Kommission wird
- ein Konzept für Tarifmethoden für Netzentgelte vorlegen, um Anreize
für die Nutzung von Flexibilität und Investitionen in die Elektrifizierung zu
schaffen und gleichzeitig die Anreize für Investitionen in das Netz zu
erhalten und gleiche Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten. Dies wird
es den Netznutzern ermöglichen, ihren Energieverbrauch anzupassen oder
ihn auf Zeiten und Orte zu verlagern, in bzw. an denen die
kostengünstigsten Energiequellen zur Verfügung stehen und dies für das
Gesamtsystem am kosteneffizientesten ist;
- gegebenenfalls einen Legislativvorschlag vorlegen, um dieses Konzept
rechtsverbindlich zu machen;
- Leitlinien vorlegen, um zu erläutern, wie die Mitgliedstaaten
gegebenenfalls in konkreten Fällen ihre öffentlichen Mittel nutzen
könnten, um die Netzentgelte zu senken, um die zusätzlichen Kosten zu
decken, die sich aus Maßnahmen zur Beschleunigung der
Dekarbonisierung und Marktintegration ergeben, insbesondere
Verbindungsleitungen, größere Projekte zum Netzausbau oder
Infrastrukturen zum Offshore-Netzanschluss, im Einklang mit den
Vorschriften über staatliche Beihilfen und dem Wettbewerbsrecht. So
können beispielsweise beim Einsatz staatlicher Haushaltsmittel eine
schnellere Abschreibung für Netzinvestoren ermöglicht und gleichzeitig
Preisspitzen für die Verbraucher vermieden werden;
- Leitlinien für vorausschauende Investitionen in Stromnetze vorlegen
und gleichzeitig Erschwinglichkeit für die Verbraucher sicherstellen, um
Netzbetreiber, Regulierungsbehörden und Mitgliedstaaten weiter zu
unterstützen.
Wann 2. Quartal 2025
Auswirkungen Flexibilität wird die Spitzennachfrage verringern und die Kosten für das
Energiesystem und den Gesamtbedarf an neuen Netzinvestitionen senken.
Durch die Vermeidung eines unkontrollierten Anstiegs der Netzverwaltungskosten,
die sich ohne entsprechende Maßnahmen bis 2030 auf 26 Mrd. EUR erhöhen
würden, werden die Netzentgelte, die die Verbraucher als Teil der Stromrechnung
zahlen, gesenkt.
b) Steuern und Abgaben
Hohe Stromsteuern erhöhen die Stromrechnungen, und die derzeitige Steuerstruktur setzt
keine Negativanreize, die die Nutzung von fossilen Brennstoffen gegenüber der Nutzung von
Strom unattraktiver machen, und bremst so die Elektrifizierung und die Nachfrage nach
günstigem, heimischem Strom. Auf Strom werden im Wesentlichen zwei Steuern erhoben:
Mehrwertsteuer und Energiesteuer – ergänzt durch andere nationale Steuern. Die
Energiebesteuerungsrichtlinie23 sieht eine Mindestbesteuerung (Verbrauchsteuern) von
elektrischem Strom vor und ermöglicht es den Mitgliedstaaten, den Steuersatz für
energieintensive Industrien und Haushalte sowie für alle Industrien im Falle von Strom aus
erneuerbaren Energiequellen auf null zu senken, soweit dies rechtlich möglich ist.
23 Richtlinie 2003/96/EG des Rates zur Restrukturierung der gemeinschaftlichen Rahmenvorschriften zur
Besteuerung von Energieerzeugnissen und elektrischem Strom.
9
Steuersenkungen haben sich während der Energiekrise als sehr wirksam erwiesen, um
die Energiekosten einzudämmen, als die Mitgliedstaaten die Mehrwertsteuer und die
Energiesteuern senkten und Einkommenstransfers an sozial schwache Gruppen vornahmen24.
In Frankreich wurde die Stromverbrauchsteuer beispielsweise von 22,5 EUR/MWh auf
0,6 EUR/MWh gesenkt25. Eine solche Unterstützung sollte besonders zielgerichtet erfolgen,
um das Ziel wirksam zu erreichen und gleichzeitig die fiskalischen Kosten so gering wie
möglich zu halten26.
Was Niedrigere Besteuerung von elektrischem Strom und Streichung von
nichtenergetischen Kostenkomponenten aus den Rechnungen
Wie Der Rat sollte die 2021 vorgeschlagene Überarbeitung der
Energiebesteuerungsrichtlinie abschließen, die darauf abzielt: i) die Besteuerung
von Energieerzeugnissen auf die Energie- und Klimaziele der EU abzustimmen, ii)
saubere Technologien zu fördern und iii) veraltete Steuerbefreiungen und ermäßigte
Steuersätze, die derzeit die Verwendung fossiler Brennstoffe fördern, abzuschaffen.
Die Kommission ist bereit, die Annahme weiterhin zu unterstützen.
Die Kommission weist erneut darauf hin, dass die Mitgliedstaaten i) nationale
Steuern und Abgaben in der Stromrechnung auf die in der
Energiebesteuerungsrichtlinie für Unternehmen vorgesehenen
Mindestverbrauchsteuersätze von 0,5 EUR/MWh senken können27, ii) den gemäß
der MwSt-Richtlinie des Rates und ihrer Änderungsrichtlinie zulässigen ermäßigten
Mehrwertsteuersatz von mindestens 5 % anwenden können28, iii) Abgaben
abschaffen können, die nicht energiebezogen sind29, und iv) Abgaben zur
Finanzierung der Energiepolitik in den Gesamthaushalts verlagern können30.
Im Einklang mit der Energiebesteuerungsrichtlinie, gemäß der eine Senkung der
Steuern auf Energie, die von Haushalten und energieintensiven Industrien
verbraucht wird, bis auf null zulässig ist, wird die Kommission eine Empfehlung
an die Mitgliedstaaten abgeben, wie diese Flexibilität genutzt und sichergestellt
werden kann, dass Elektrizität in allen Branchen niedriger besteuert wird als andere
24 Bericht über die Lage der Energieunion, Empfehlung der Kommission zu Energiearmut und Commission
Staff Working document Accompanying the 2023 Recommendation on energy poverty; Europäische
Kommission, 2023. National fiscal policy responses to the energy crisis; Bruegel, Juni 2023.
25 Recommendations for future-proof electricity market design in light of the 2021-23 energy crisis; Pollitt et al.,
2024.
26 In der Mitteilung der Kommission über Haushaltspolitische Leitlinien für 2024 (COM(2023) 141 final) wird
den Mitgliedstaaten empfohlen, ihre Maßnahmen deutlich gezielter auszurichten als in der Vergangenheit, von
allgemeinen Entlastungen abzusehen und nur diejenigen zu schützen, die diesen Schutz wirklich benötigen,
namentlich schwächer aufgestellte Haushalte und Unternehmen.
27 In der Energiebesteuerungsrichtlinie 2003/96/EG sind Mindestverbrauchsteuersätze festgelegt, die die
Mitgliedstaaten auf Energieerzeugnisse, einschließlich elektrischen Stroms, anwenden müssen.
28 In der Mehrwertsteuerrichtlinie 2006/112/EG ist ein Mehrwertsteuernormalsatz von mindestens 15 % für
Elektrizität, Erdgas und Fernwärme festgelegt, zudem ist ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von mindestens
5 % zulässig. Mit der Richtlinie (EU) 2022/542 des Rates wird der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für
Elektrizität von 5 % bestätigt. Die Anwendung der ermäßigten Sätze wird von den Mitgliedstaaten beschlossen.
Die meisten Unternehmen können die auf elektrischen Strom entrichtete Mehrwertsteuer abziehen, sofern der
Strom für steuerbare Tätigkeiten verwendet wird.
29 Direkt in der Rechnung oder in den Netzentgelten enthalten.
30 Dies bezieht sich insbesondere auf Abgaben im Rahmen von Förderregelungen für erneuerbare Energien.
Mitunter werden auch andere Energieabgaben (z. B. Stilllegung kerntechnischer Anlagen) eingeführt. Einige
Mitgliedstaaten könnten sich dafür entscheiden, bei einer sehr angespannten Haushaltslage einen Teil der
energiepolitischen Kosten in der Rechnung zu belassen, um das Risiko erheblicher politischer Veränderungen
auf nationaler Ebene so gering wie möglich zu halten. Kosten im Zusammenhang mit Maßnahmen zur
Gewährleistung der Versorgungssicherheit können nicht auf den Haushalt übertragen werden, da dies dazu
führen könnte, dass Anreize für die Laststeuerung wegfallen und die Gesamtsystemkosten steigen.
10
Energieträger und gleichzeitig unsere langfristigen Dekarbonisierungsziele verfolgt
werden.
Wann Nach Annahme der überarbeiteten Energiebesteuerungsrichtlinie. Zusätzliche
Empfehlungen der Kommission im 4. Quartal 2025.
Auswirkungen Sofortige Senkung der Energiekosten mit dem Potenzial, die Steuerkomponente
(in EUR/MWh) mindestens zu halbieren, auf der Grundlage der Erfahrungen mit
den Steuersenkungen im Zeitraum 2022-2023 (siehe Abbildung 2). Beschleunigung
der Elektrifizierung durch steuerliche Anreize und Verringerung der Abhängigkeit
von fossilen Brennstoffen.
c) Senkung der Versorgungskosten durch verstärkten Wettbewerb im Endkundengeschäft
Derzeit haben 73 % der Haushalte in der EU sowie ein erheblicher Teil der kleinen und
mittleren Unternehmen feste Stromverträge31. Viele von ihnen könnten ihre Stromrechnungen
senken, indem sie zu einem günstigeren Versorger wechseln oder ihren Verbrauch in Zeiten
niedrigerer Preise verlagern, sind aber nach wie vor mit Marktbarrieren konfrontiert.
Schutzbedürftige Verbraucher benötigen besondere Aufmerksamkeit. Bei Maßnahmen zur
Gewährleistung der Erschwinglichkeit sollten die besonderen Bedürfnisse
einkommensschwacher Haushalte berücksichtigt werden, unter anderem durch flexible
Abrechnungsoptionen, die verhindern, dass wirtschaftlich benachteiligte von der Versorgung
ausgeschlossen werden. Energiegemeinschaften müssen ebenfalls gestärkt werden, damit
lokale Gemeinschaften, Bürger und Unternehmen ihre Kräfte bündeln und in Projekte für
saubere Energie auf lokaler Ebene investieren können; auf diese Weise könnten sie ihre
Energie aus erneuerbaren Quellen erzeugen, verkaufen und verbrauchen. Es ist von
entscheidender Bedeutung, dass die EU weiterhin ausreichende zweckgebundene Mittel
bereitstellt, um die Vollendung der Energieunion zu unterstützen.
Was Ermöglichung des Wechsels der Verbraucher zu günstigeren
Energieversorgern und der Nutzung erschwinglicher erneuerbarer Energien
bei gleichzeitiger Bekämpfung der Energiearmut
Wie Die Kommission wird ein Bürger-Energiepaket vorschlagen, um die Beteiligung
der Bürgerinnen und Bürger an der Energiewende zu erhöhen und die soziale
Dimension der Energieunion zu stärken, und zwar insbesondere durch folgende
Maßnahmen:
- Bereitstellung von Leitlinien für die Mitgliedstaaten, um bestehende
Hindernisse abzubauen, damit Verbraucher durch Wechsel des
Versorgers und des Vertrags bei ihren Energierechnungen sparen können.
Unter anderem sollte dafür gesorgt werden, dass die Verbraucher die
Rechnung verstehen, indem sie klare Informationen und Daten über den
Energieverbrauch und die Preise erhalten, damit sie ihren Verbrauch auf
Zeiten mit niedrigeren Preisen verlagern können32;
- Festlegung von Maßnahmen zur Verringerung der Energiearmut, auch
durch Energieeffizienz, und Ermöglichung der Erzeugung, der Nutzung
und des Verkaufs erneuerbarer Energien durch Verbraucher und
Gemeinschaften zu ihren eigenen Bedingungen, auch über
Energiegemeinschaften.
31 2024 Market monitoring report on energy retail and consumer protection; ACER-CEER, September 2024.
32 Ebd. Die Wechselrate bei den Privathaushalten liegt bei 7,15 %.
11
Wann 3. Quartal 2025 (Bürger-Energiepaket)
Auswirkungen Durch einen Wechsel zu dem Stromversorger mit den niedrigsten Preisen können
Haushalte 150-200 EUR pro Jahr sparen33. Haushalte können durch die
Teilnahme an Energiegemeinschaften 500-1 100 EUR pro Jahr einsparen34.
Maßnahme 2: Senkung der Kosten der Stromversorgung
Eine rasche und vollständige Umsetzung der bestehenden EU-Rechtsvorschriften für
den Strombereich ist von entscheidender Bedeutung, um die Kosten der Stromversorgung zu
senken: kürzlich angenommene Vorschriften über Genehmigungen, Verträge, Flexibilität,
Stärkung der Verbraucher und Marktüberwachung können zu niedrigeren Kosten führen. Dies
sollte durch die folgenden Sofortmaßnahmen ergänzt werden.
a) Langfristige Elektrizitätsversorgungsverträge
Die hohen und volatilen Gaspreise treiben die Strompreise in die Höhe. Durch
Strombezugsverträge und langfristige Verträge zwischen Entwicklern sauberer Energie
und industriellen Verbrauchern sowie Unternehmen können Letztere über einen langen
Zeitraum von stabilen und günstigen Strompreisen profitieren. Strombezugsverträge können
eine Rolle dabei spielen, die Risiken bei Projekten zu verringern, indem sie es den
Entwicklern erneuerbarer Energien ermöglichen, einen langfristigen Preis für ihre Erzeugung
zu erzielen, wodurch Investitionsentscheidungen gefördert werden. Sie können zudem für
langfristige Preisstabilität für industrielle Verbraucher sorgen. Obwohl die Nachfrage nach
Strombezugsverträgen steigt35, müssen diese Verträge dennoch weiter gefördert und etabliert
werden, auch bei energieintensiven Unternehmen, die sie nicht umfassend nutzen können und
möglicherweise immer noch auf Hindernisse stoßen. Die Kommission wird ihre Bemühungen
im Rahmen der Strommarktvorschriften verstärken, um Stromrechnungen von der
Preisvolatilität zu entkoppeln, indem sie die Nutzung langfristiger
Elektrizitätsversorgungsverträge fördert.
Was Entkopplung der Stromrechnungen der Endkunden von den hohen und
volatilen Gaspreisen
Wie Abbau von Hindernissen für neue Akteure36, insbesondere energieintensive
Industrien, beim Abschluss langfristiger Energieverträge durch Unterstützung
nationaler Regelungen und die Einführung von Instrumenten zur Risikominderung.
Die Kommission wird
- gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) ein
Pilotprogramm auflegen, um einen Teil der von Unternehmen
abgeschlossenen Strombezugsverträge für den langfristigen Bezug von
Strom mit einem indikativen Betrag von 500 Mio. EUR abzusichern. Im
Einklang mit dem Konzept für die Gestaltung des Strommarkts wird die
Kommission mit der EIB zusammenarbeiten, um Strombezugsverträge,
33 Annual report on the results of monitoring the internal electricity and gas markets in 2021; ACER, Oktober
2022.
34 Collective energy sharing: CBA and survey evidence of the willingness to invest; Ovaere, 2023; die Vorteile
eines kollektiven Eigenverbrauchs von 50-50 % Solar- und Windenergie und eines Verkaufs von überschüssiger
Energie belaufen sich auf ca. 500-1 100 EUR/Jahr (2020-2022).
35 Bis 2024 war in der EU eine kumulierte Kapazität von 48,4 GW vertraglich vereinbart worden (Quelle: RE-
Source).
36 Wie Kreditwürdigkeit, Vertragskomplexität und Verfügbarkeit von Absicherungen. Commercial PPAs;
Baringa für die EIB, 2022.
12
einschließlich grenzüberschreitender Strombezugsverträge, auf
technologieneutrale Weise zu fördern;
- den Mitgliedstaaten Leitlinien für die Gestaltung wirksamer
Differenzverträge, auch in Kombination mit Strombezugsverträgen, zur
Verfügung stellen;
- neue Vorschriften zur Unterstützung der weiteren Entwicklung
europäischer Terminmärkte und zur Erweiterung der
Absicherungsmöglichkeiten annehmen.
Wann Unverzügliche Beseitigung regulatorischer Hindernisse.
2. Quartal 2025: Koordinierung mit der EIB
Bis zum 4. Quartal 2025: Leitlinien für die Mitgliedstaaten zur Gestaltung von
Differenzverträgen
Auswirkungen Größere Preisstabilität für Abnehmer, indem europäische Unternehmen dabei
unterstützt werden, die Volatilität der Energiekosten zu bewältigen und Zugang zu
besseren grenzüberschreitenden Absicherungsmöglichkeiten zu erhalten. Durch
langfristige Verträge können die Erzeuger erneuerbarer Energien zudem ein
garantiertes Einkommen erzielen, das zur Senkung der Kapitalkosten erforderlich ist;
so kann der Druck auf Verbraucher und Steuerzahler verringert werden.37
b) Verkürzung der Genehmigungsfristen für neue saubere Energieversorgung und
Energieinfrastruktur
Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen ist zur Standardquelle für die
kostengünstigste neue Stromerzeugung geworden38, 39. Die Vorlaufzeiten für neue Projekte
können jedoch sieben bis zehn Jahre für Windenergieprojekte, acht bis zehn Jahre für
Verteilernetzprojekte40 und mitunter sogar bis zu 17 Jahre für Übertragungsnetzprojekte41
betragen. Dies behindert den massiven Ausbau erneuerbarer Energien erheblich und kann
sich auf das Wirtschaftsmodell der Projekte auswirken.
Wie im Draghi-Bericht dargelegt, müssen die Behörden auf allen Ebenen – auf EU-Ebene
sowie auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene – große Anstrengungen unternehmen,
um die Genehmigungsverfahren für Projekte im Bereich der Netze, der Speicherung und
der sauberen Energie zu beschleunigen. Dazu gehört auch die Genehmigung von
Infrastrukturen, die für mehr Flexibilität im Stromnetz sorgen können, z. B. Ladepunkte für
Elektrofahrzeuge. Die Kommission fordert die Mitgliedstaaten auf, den kürzlich
verabschiedeten Rechtsrahmen für die Genehmigung von Projekten im Bereich der sauberen
Energie rasch umzusetzen42. In den Mitgliedstaaten, die die Dringlichkeitsverordnung
umfassend genutzt haben, zeigen die jüngsten Reformen der Genehmigungsverfahren
bereits Wirkung. So haben sich beispielsweise die Genehmigungen für neue Onshore-
Windenergieprojekte als Folge der Anwendung schnellerer Genehmigungsverfahren
37 Phased European Union electricity market reform; Bruegel, März 2023.
38 Renewable power generation costs in 2023; Irena, September 2024.
39 Neben der Straffung der Genehmigungsverfahren tragen auch andere Faktoren zur Senkung der Kosten von
Energieprojekten bei, etwa die Gewährleistung des Zugangs zu wettbewerbsfähigen Finanzierungsbedingungen,
eine widerstandsfähige Lieferkette mit ausreichenden inländischen Produktionskapazitäten und qualifizierten
Arbeitskräften sowie technologische Entwicklungen.
40 Guidance on EU permitting-related provisions on grid and renewable energy projects; Europäische
Organisation der Verteilernetzbetreiber, Januar 2025.
41 Projekt Uckermarkleitung: 115 km lange 380-kV-Freileitung (siehe S&P).
42 Erneuerbare-Energien-Richtlinie; TEN-E-Verordnung; Richtlinie über die Märkte für erneuerbares
Gas, Erdgas und Wasserstoff.
13
während der Energiekrise in Deutschland seit 2022 mehr als verdreifacht, sodass die Zahl
der Anlagen in einem Jahr (2023) um 48 % gestiegen ist43, und seit dem zweiten Quartal
2023 wurden rund 3 300 km an Übertragungsnetzen genehmigt, was eine Zeitersparnis
von 12 Monaten bis zu drei Jahren bei den Genehmigungen bedeutet.
Darüber hinaus ist ein großer Teil der Zeit, die die Genehmigungsverfahren für Investitionen
in saubere Energie, Speicherung und Netze in Anspruch nehmen, für Umweltprüfungen
bestimmt. Gezielte Aktualisierungen des Rechtsrahmens für Umweltprüfungen sind
erforderlich, um die Genehmigungsverfahren für solche Projekte erheblich zu vereinfachen
und zu verkürzen und gleichzeitig den Umweltschutz zu wahren und die Gesundheit der
Menschen zu schützen. Kürzere Fristen für die Genehmigung von
Energieinfrastrukturen auf nationaler Ebene sind ebenfalls von entscheidender
Bedeutung, um die Energiekosten zu senken. Dies kann durch Maßnahmen wie die
stillschweigende Genehmigung bestimmter Verwaltungsentscheidungen im
Genehmigungsverfahren, sofern dieser Grundsatz im nationalen Rechtssystem besteht, und
durch zentrale Anlaufstellen für Entwickler erleichtert werden.
Der Draghi-Bericht kommt auch zu dem Schluss, dass die Digitalisierung der nationalen
Genehmigungsverfahren in der EU stärker in den Mittelpunkt gerückt und der Mangel an
Ressourcen in den Genehmigungsbehörden behoben werden muss. Das
Genehmigungsverfahren und die ökologischen und geologischen Daten, die für
Investitionen in saubere Energie benötigt werden, müssen digitalisiert werden. Darüber
hinaus werden detailliertere Daten über das Ressourcenpotenzial für Wind- und
Solarenergie in der gesamten EU den Mitgliedstaaten dabei helfen, die zur Erreichung ihrer
nationalen Ziele erforderlichen Gebiete zu erfassen und Beschleunigungsgebiete für
erneuerbare Energie auszuweisen, wie in der Erneuerbare-Energien-Richtlinie vorgesehen.
Die Straffung der Genehmigungsverfahren wird sich auch auf hybride Energieprojekte
erstrecken, bei denen mehrere Technologien, z. B. eine erneuerbare Energiequelle und ein
Speicher, denselben Netzanschluss nutzen. Schließlich wird die Kommission die Möglichkeit
prüfen, die derzeitigen Genehmigungs- und Lizenzierungsverfahren für den Einsatz neuer
Kernenergietechnologien wie kleiner modularer Reaktoren zu straffen.
43 15,2 GW im Jahr 2024 (EE-Statistik Auswertung Januar 2025.). Siehe auch Reuters.
14
Was Verkürzung der Genehmigungsfristen zur Beschleunigung der Energiewende
Wie Die Mitgliedstaaten sollten
- Genehmigungs- und Regulierungsverfahren durch eine rasche Umsetzung
und Durchführung von Rechtsvorschriften beschleunigen;
- die nationalen Genehmigungsbehörden stärken, auch durch öffentliche
Mittel und mit ausreichendem Humankapital, und einheitliche
Digitalisierungsansätze für Genehmigungen und
Umweltverträglichkeitsprüfungen ausloten.
Die Europäische Kommission wird die Mitgliedstaaten unterstützen, und zwar durch
- Erstellung spezieller Leitlinien für innovative Formen des Einsatzes
erneuerbarer Energien44 sowie für spezielle Netz- und Speichergebiete;
- gezielte Unterstützung bei der Umsetzung durch Erweiterung des
Umsetzungsplans der Initiative „Accele-RES“ und unter anderem durch
vollständige Ausschöpfung des Potenzials der Sachverständigengruppe für
Genehmigungsverfahren und der konzertierten Aktion (CA-RES)45;
ergänzt wird dies durch einen Umsetzungsdialog, um die verbleibenden
Genehmigungshindernisse und das mögliche weitere Vorgehen zu ermitteln;
- die Stärkung des Austauschs bewährter Verfahren und die Ermittlung
von Hindernissen und Lösungen durch Netzwerke und
Sachverständigengruppen nationaler Behörden, die für Genehmigungen
zuständig sind, sowie den Dialog mit regionalen, nationalen und lokalen
Interessenträgern;
- die Verbesserung eines Online-Leitfadens für Genehmigungen für die
Mitgliedstaaten; 46
- Unterstützung im Rahmen des Instruments für technische Unterstützung
(TSI)47, Sensibilisierung der Mitgliedstaaten für die Aufforderung zur
Einreichung von Vorschlägen von 2025 und Einführung einer neuen TSI-
Vorzeigeinitiative im Jahr 2026.
Die Kommission wird
- Legislativvorschläge vorlegen, um die Genehmigungsverfahren für Netze,
Speicher und erneuerbare Energien zu beschleunigen, einschließlich der
Straffung von Umweltprüfungen und der Verkürzung der
Genehmigungsfristen im Rahmen des Pakets zum Thema „europäische
Netze“;
- die Straffung der Genehmigungsverfahren für neue
Kernenergietechnologien bewerten und eine SMR-Mitteilung
veröffentlichen.
44 Wie Agri-Photovoltaik, gebäudeintegrierte Photovoltaiksysteme (GIPV) und Balkonsolaranlagen.
45 Konzertierte Aktion zur Erneuerbare-Energien-Richtlinie (https://www.ca-res.eu/).
46 Erneuerbare-Energien-Richtlinie – Fragen und Antworten.
47 Verordnung (EU) 2021/240 zur Schaffung eines Instruments für technische Unterstützung.
15
Wann So bald wie möglich: Anpassung der nationalen Genehmigungsregelungen.
Mitte 2025:
- Veröffentlichung neuer, detaillierterer Daten über Potenziale für Offshore-
Windenergie und Fotovoltaik über das Energy and Industry Geography Lab
(April 2025);
- Leitlinien zu innovativen Formen des Einsatzes erneuerbarer Energien sowie
zu Beschleunigungsgebieten für Netze und Speicher;
- Unterstützung bei der Umsetzung.
Zusammen mit dem Paket zum Thema „europäische Netze“:
Legislativvorschläge zur Beschleunigung der Genehmigungsverfahren für Projekte
im Bereich Netze, Speicherung und erneuerbare Energien.
2026: Neuer Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen für TSI-Vorzeigeprojekte;
SMR-Mitteilung
Auswirkungen Durch die Umsetzung der bestehenden EU-Rechtsvorschriften durch die
Mitgliedstaaten und die neuen Maßnahmen kann die Dauer der
Genehmigungsverfahren wie folgt reduziert werden: auf weniger als sechs
Monate für einfachere Projekte wie das Repowering in Beschleunigungsgebieten
für erneuerbare Energie und auf 12 Monate außerhalb dieser Gebiete; auf weniger
als 12 Monate oder zwei Jahre bei Projekten im Bereich der erneuerbaren
Energien (innerhalb oder außerhalb von Beschleunigungsgebieten) und bei
komplexen Projekten etwa im Bereich der Offshore-Windenergie auf weniger
als zwei Jahre in Beschleunigungsgebieten für erneuerbare Energie und drei Jahre
außerhalb dieser Gebiete. Darüber hinaus werden durch den gestärkten
Rechtsrahmen bestehende Lücken geschlossen.
c) Netze und Verbindungsleitungen als Wegbereiter für die Energiewende und die
Dekarbonisierung der Industrie
Ein effizientes Netz sorgt dafür, dass die Energie vom Ort ihrer Erzeugung an den Ort fließt,
wo sie benötigt wird. Dadurch werden Preisspitzen abgemildert und sichergestellt, dass alle
von Energie zu den bestmöglichen Kosten profitieren. Daher ist es wichtig, Gebiete mit
einem großen verfügbaren Potenzial für saubere Energie mit europäischen Regionen mit
hohem Energiebedarf zu verbinden, damit erschwingliche Energie dorthin geliefert werden
kann, wo sie am dringendsten benötigt wird.
In diesem Jahrzehnt sind 584 Mrd. EUR für Investitionen in die Stromnetze erforderlich48,49.
Dem Bedarf an grenzüberschreitender Infrastruktur wird oft nicht durch konkrete
Projekte entsprochen, was zu unangemessenen Preisunterschieden zwischen einigen
Regionen führt, wie kürzlich in Südosteuropa festgestellt wurde. Die Agentur für die
Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER) stellt fest, dass 32 GW der bis
2030 benötigten grenzüberschreitenden Kapazität noch nicht umgesetzt wurden50.
Große Infrastrukturprojekte von regionaler oder europaweiter Bedeutung stehen vor
Herausforderungen im Zusammenhang mit steigenden Projektkosten51 und der gerechten
48 EU-Aktionsplan für Stromnetze (COM(2023) 757 final).
49 Redispatch and Congestion Management; Gemeinsame Forschungsstelle, Mai 2024.
50 Electricity infrastructure development to support a competitive and sustainable energy system; ACER, Dez.
2024.
51 Celtic Interconnector: von 930 Mio. EUR auf 1 482 Mio. EUR (CRE), Golf von Biskaya: von
1 750 Mio. EUR auf 2 600 Mio. EUR (CRE). Die Kosten des Projekts „Princess Elisabeth Island“ sind
Berichten zufolge von 2,2 Mrd. EUR auf 7-8 Mrd. EUR gestiegen (The Brussels Times: 1 und 2).
16
Aufteilung von Kosten und Nutzen52. Vier Beispiele für fehlende Verbindungsleitungen bei
Vorzeigeprojekten:
die Schaffung eines integrierten Offshore-Netzes in der Nordseeregion;
die weitere Stärkung der physischen Integration der baltischen Staaten mit Mittel- und
Nordeuropa nach der Synchronisierung des Stromnetzes der baltischen Staaten und
die Gewährleistung der Sicherheit der grenzüberschreitenden Infrastruktur im
Ostseeraum;
der Ausbau des Verbundgrads zwischen der Iberischen Halbinsel und dem übrigen
Europa;
die Verbesserung der Interkonnektivität und Marktintegration zwischen Südosteuropa
und Mitteleuropa.
Die Vorteile dieser Vorzeigeprojekte werden auch außerhalb der Mitgliedstaaten, in denen
die Projekte durchgeführt werden, spürbar werden. Daher kann die Energieunion nur durch
die Konzeption neuer Projekte und die Beschleunigung und Fertigstellung bestehender
Projekte verwirklicht werden. Angesichts des Umfangs und der Auswirkungen dieser
Projekte ist es von entscheidender Bedeutung, dass die EU weiterhin ausreichende Mittel
bereitstellt, um die Fertigstellung der Verbindungsleitungen der Energieunion sowohl auf
grenzüberschreitender als auch auf nationaler Ebene zu unterstützen. Investitionen zur
Erreichung der Dekarbonisierungsziele der EU und Maßnahmen zur Beseitigung von
Hindernissen für die Energieunion bieten eine Chance für Europa, die Energiepreise zu
senken, seine Energiesicherheit zu erhöhen und eine Führungsrolle bei sauberen
Technologien zu übernehmen53. Darüber hinaus muss gemäß der Mitteilung über den Weg
zum nächsten mehrjährigen Finanzrahmen54 sichergestellt werden, dass aus dem EU-
Haushalt europäische öffentliche Güter, insbesondere grenzüberschreitende Projekte,
unterstützt werden.
Gleichzeitig muss die bestehende Infrastruktur effizient genutzt werden. So sollten
beispielsweise mindestens 70 % der Kapazität der Verbindungsleitungen für den
grenzüberschreitenden Stromhandel zur Verfügung gestellt werden, doch die meisten
Mitgliedstaaten sind noch weit von diesem Ziel entfernt55.
Auf nationaler Ebene nehmen die Anträge auf Anschluss an Verteilernetze in ganz
Europa exponentiell zu und führen zu langen Wartezeiten, wodurch der Einsatz erneuerbare
Energien, die Elektrifizierung und die Einrichtung von Industrieclustern verlangsamt und
Investitionen behindert werden. Neben Stromnetzen sind auch neue Wasserstoff-,
Kohlenstoff- und Nahwärmenetze erforderlich.
52 Im Jahr 2024 wurde ein Projekt für eine Verbindungsleitung zwischen Schweden und Deutschland (siehe FT)
aufgrund von Diskrepanzen bei der Aufteilung der Konsumentenrente annulliert.
53 Der Weg zum nächsten Mehrjährigen Finanzrahmen (COM(2025) 46 final, S. 5 und 8).
54 Register der Kommissionsdokumente (COM(2025) 46).
55 Zahlreiche ÜNB in Gebieten mit starker Vermaschung des EU-Stromnetzes stellten 2023 im Durchschnitt
zwischen 20 % und 50 % der physischen Kapazität bestimmter Netzelemente zur Verfügung. Ein Anteil von
70 % ist also noch in weiter Ferne. Cross-zonal capacities and the 70 % margin available for cross-zonal
electricity trade; ACER, Juli 2023.
17
Was Beschleunigung des Ausbaus, der Modernisierung und der Digitalisierung der
Netze
Wie Aufbauend auf den Maßnahmen des 2023 verabschiedeten Aktionsplans für
Stromnetze wird die Kommission ein Paket zum Thema „europäische Netze“
vorlegen, das aus Legislativvorschlägen und nichtlegislativen Maßnahmen besteht,
um u. a. die transeuropäischen Energienetze (TEN-E-Verordnung) zu vereinfachen,
die grenzüberschreitende integrierte Planung und Durchführung von Projekten,
insbesondere in Bezug auf Verbindungsleitungen, zu gewährleisten, die
Genehmigungsverfahren zu straffen, die Planung der Verteilernetze zu verbessern,
die Digitalisierung und Innovation zu fördern sowie den Bedarf in der Fertigung
sichtbarer zu machen. Dabei wird ein Top-down-Planungsansatz verfolgt, bei dem
regionale und europäische Interessen integriert werden; zudem wird ein effektiver
Kostenteilungsmechanismus (z. B. für grenzüberschreitende Projekte) für ein
optimiertes Energiesystem entwickelt.
Die EIB wird ferner ein „Netzherstellungspaket“ für die europäische Lieferkette
nach dem Vorbild des Pakets für die Windkraft einführen, um Rückgarantien für
die Hersteller von Netzkomponenten mit einem Richtbetrag von mindestens
1,5 Mrd. EUR bereitzustellen.
Wann Das Paket zum Thema „europäische Netze“ soll bis zum 1. Quartal 2026 vorgelegt
werden.
Auswirkungen Durch Investitionen in Höhe von jährlich 2 Mrd. EUR in grenzüberschreitende
Netze entsteht den Bürgerinnen und Bürgern ein Nutzen von 5 Mrd. EUR pro
Jahr56. Vorausschauende Investitionen, hervorragende Anlagenleistung und
netzfreundliche Flexibilität könnten den Investitionsbedarf im Zusammenhang
mit Verteilernetzen um 12 Mrd. EUR jährlich senken57, was 18 % des gesamten
Investitionsbedarfs entspricht.58 Durch die Priorisierung der regionalen oder
europäischen Vorteile in den nationalen Plänen werden Ineffizienzen und unnötige
Kosten, die von den Verbrauchern zu tragen sind, begrenzt.
Der Einsatz netzverbessernder Technologien ist nicht weitverbreitet, obwohl sie
die Netzkapazität bis 2040 um 20-40 % erhöhen und die Kosten für den
konventionellen Netzausbau um bis zu 35 % senken könnten59.
d) Förderung der Flexibilität
Mehr Flexibilität im System, z. B. durch Speicherung und Laststeuerung, trägt dazu bei,
Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage auszugleichen, indem die Kunden
ermutigt werden, ihren Stromverbrauch auf Zeiten zu verlagern, in denen mehr Strom zur
Verfügung steht oder die Nachfrage geringer und der Strom daher billiger ist. Dies reduziert
Preisspitzen und Phasen von Negativpreisen, verringert die Volatilität und trägt insgesamt
zu niedrigeren und stabileren Strompreisen bei. Elektrifizierte Nachfrage wie neue
Elektromobilitätsflotten kann bei der Bereitstellung von Flexibilitätsdiensten eine Rolle
spielen.
In vielen Mitgliedstaaten bestehen mit Blick auf die Laststeuerung und Speicherung
Hindernisse60 beim Zugang zu Großhandelsmärkten oder bei der Teilnahme an Hilfs- und
Engpassmanagementdiensten. In zehn Mitgliedstaaten gibt es keinen ordnungsgemäß
56 System needs study; ENTSO-E, Mai 2023. 64 GW, einschließlich Nicht-EU-Länder in Randlage.
57 The role of electricity distribution systems in assessing flexibility needs; Gemeinsame Forschungsstelle, 2024.
58 Grids for Speed; Eurelectric, Mai 2024.
59 Darüber hinaus können Technologien wie Wettersensoren dazu beitragen, den Betrieb des Stromnetzes zu
verbessern.
60 Demand response and other DER: what barriers are holding them back; ACER, Februar 2024.
18
festgelegten Rechtsrahmen für Aggregatoren, was sie daran hindert, sich an solchen Diensten
zu beteiligen, die den Verbrauchern Vorteile bringen können. In zehn Mitgliedstaaten haben
weniger als 30 % der Haushalte Zugang zu intelligenten Messsystemen (die
Echtzeitinformationen über den Energieverbrauch bereitstellen). Ihre Einführung muss
beschleunigt werden61. Einige industrielle Verbraucher können erheblich zur Netzflexibilität
beitragen, indem sie ihren Energieverbrauch auf Zeiten mit geringer Nachfrage verlagern, die
Kosten senken und die Systemstabilität verbessern.
Was Erhöhung der Systemflexibilität durch Einsatz von Speicheranlagen und
Laststeuerung
Wie Die Mitgliedstaaten müssen
- rasch die EU-Vorschriften über den Marktzugang für Speicheranlagen
und Laststeuerung umsetzen und die nationalen Hindernisse beseitigen.
Die Kommission wird
- die Anforderungen an staatliche Beihilfen für Regelungen für
nichtfossile Flexibilität im neuen Rahmen für staatliche Beihilfen
präzisieren, um es den Mitgliedstaaten zu erleichtern, ihre
Fördermechanismen so zu gestalten, dass die Verbraucher Anreize erhalten,
Flexibilität für das System bereitzustellen;
- neue Vorschriften zur Laststeuerung annehmen, um sicherzustellen, dass
die Verbraucher die Flexibilität in vollem Umfang nutzen können. Durch
diese Vorschriften werden die verbleibenden Hindernisse für
Laststeuerungs- und Speicherdienstleistungen im Elektrizitätsbinnenmarkt
beseitigt;
- die Standpunkte der Mitgliedstaaten zu einem Instrument für saubere
Flexibilität einholen, das auf Strombezugsverträgen und der Verpflichtung
der Industrie zum Verbrauch von sauberem Strom beruht und gleichzeitig so
konzipiert ist, dass die Risiken von Wettbewerbsverzerrungen und
Subventionswettläufen im Binnenmarkt gemäß den Vorschriften für
staatliche Beihilfen ausreichend begrenzt werden.
Wann Die Mitgliedstaaten müssen nationale Hindernisse unverzüglich beseitigen.
Überarbeiteter Rahmen der Kommission auf der Grundlage der Vorschriften für
staatliche Beihilfen bis zum 2. Quartal 2025; neue Vorschriften für die Laststeuerung
bis zum 1. Quartal 2026.
Auswirkungen Die vollständige Verwirklichung eines auf Marktintegration, Erzeugung von Energie
aus erneuerbaren Quellen und flexible Kapazität gestützten Stromnetzes könnte dazu
führen, dass die Großhandelspreise für Strom in der EU im Durchschnitt um
40 % sinken62. Mehr Flexibilität kann zu spürbaren Kosteneinsparungen führen:
Schätzungen der Industrie gehen von einem Betrag von 2,7 Mrd. EUR pro Jahr
aus, der bis 2030 durch vermiedene Spitzenerzeugungskapazitäten eingespart
werden kann63.
61 2024 Market Monitoring Report on Energy Retail and Consumer Protection; ACER und CEER, September
2024.
62 Energy and climate transition: How to strengthen the EU’s competitiveness; Business Europe, Juli 2024.
63 Demand-side flexibility: Quantification of benefits in the EU; DNV für SmartEn, September 2022.
19
Die Nachfrageflexibilität sollte auch auf dem Endkundenmarkt gefördert werden, indem den
Unternehmen und Verbrauchern, die sich freiwillig an der Integration des Energiesystems
beteiligen, niedrigere Preise angeboten werden.
Was Leitlinien zur Förderung der Vergütung von Flexibilität in
Endkundenverträgen
Wie Die Kommission wird
- Leitlinien zur Förderung der Vergütung von Flexibilität in
Endkundenverträgen ausarbeiten;
- eine Vielzahl standardisierter marktbasierter Systeme vorschlagen, die
auf die verschiedenen Bedürfnisse der Industrie und anderer Verbraucher
zugeschnitten sind und auf Systemen aufbauen, die in einigen
Mitgliedstaaten bereits bestehen.
Wann 4. Quartal 2025
Auswirkungen Eine gerechte Vergütung der von den Verbrauchern bereitgestellten Flexibilität
in Endkundenverträgen kann deren Stromkosten um bis zu 12-42 % senken64,65
und Vorteile für Flexibilität und Systemintegration in Höhe von 10-
29 Mrd. EUR bringen66,67.
Maßnahme 3: Gewährleistung gut funktionierender Gasmärkte
Der Preis für importiertes Erdgas wirkt sich unmittelbar auf die Strompreise aus und erhöht
die Marktvolatilität. Die Großhandelspreise für Gas in der EU sind nicht vollständig auf das
Vorkrisenniveau zurückgekehrt und liegen im Durchschnitt fast fünfmal so hoch wie in den
USA, während sie vor der Krise doppelt bis dreimal so hoch waren68. Dieser Preisunterschied
hat Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie.
Angesichts der Bedeutung der Gasmärkte für unsere Wirtschaft ist es unerlässlich, ein
optimales Funktionieren dieser Märkte zu gewährleisten. Eine umfassende
Regulierungsaufsicht und eine enge Zusammenarbeit zwischen Energie- und
Finanzregulierungsbehörden sind erforderlich, um Marktmanipulationen zu verhindern und
etwaige Schlupflöcher im Zusammenhang mit mangelnder Transparenz,
Informationsasymmetrie und dem Risiko einer Marktkonzentration zu schließen. Daher hat
die Kommission Anfang dieses Monats eine Gasmarkt-Taskforce eingerichtet, die die
Erdgasmärkte der EU umfassend prüfen und erforderlichenfalls Maßnahmen ergreifen soll,
um ein optimales Funktionieren der Märkte sicherzustellen und Geschäftspraktiken zu
unterbinden, die die marktbasierte Preisbildung verzerren; dabei werden die Lehren aus der
Energiekrise berücksichtigt.
64 2024 Market monitoring report on energy retail and consumer protection; ACER-CEER, September 2024
(SE-Fallstudie).
65 Die meisten Haushalte, die jährlich 50-145 EUR in Energiemanagementsysteme für Wohngebäude
investieren, die flexible Energiesysteme (wie Wärmepumpen mit Fotovoltaik, Fotovoltaikanlagen mit
Batteriespeichern oder Elektrofahrzeuge) nutzen, würden Kosteneinsparungen erzielen. Dodging the electricity
price hike: Can demand-side flexibility compensate for spot price increases for households in Germany?; Stute
et al. (Fraunhofer Forschungsinstitut), Februar 2024.
66 Energy efficiency 2.0 – Engineering the future energy system; Danfoss Impact Issue Nr. 4, 2023.
67 Demand-side flexibility: Quantification of benefits in the EU; DNV für SmartEn, September 2022.
68 Decarbonising for competitiveness: four ways to reduce European energy prices; Bruegel, Dezember 2024. Es
sei darauf hingewiesen, dass in den USA in erheblichem Umfang Erdgas im eigenen Land gefördert wird und
daher davon auszugehen ist, dass die Großhandelspreise für Gas zum Teil niedriger sind als in der EU.
20
Um rasch gegen rechtswidriges Verhalten auf den Gasmärkten vorgehen zu können, sollten
die Energie- und Finanzregulierungsbehörden wirksam in der Lage sein, Marktentwicklungen
zu überwachen und potenzielle Fälle von Marktmissbrauch (d. h. Marktmanipulation und
Insider-Geschäfte) aufzudecken und zu verfolgen. Die Zusammenarbeit bei der Durchsetzung
und dem Datenaustausch zwischen den nationalen Energie- und Finanzregulierungsbehörden
sowie zwischen ACER und ESMA muss verstärkt und erweitert werden. Die Mitgliedstaaten
müssen sicherstellen, dass die Regulierungsbehörden über alle erforderlichen Befugnisse
verfügen, um Marktmissbrauch zu verfolgen und zu ahnden, und dass sie mit den nötigen
Mitteln ausgestattet sind, um Untersuchungen in diesem Bereich vorrangig durchführen zu
können. Darüber hinaus sollte ACER ihre neuen grenzüberschreitenden
Untersuchungsbefugnisse in vollem Umfang nutzen, um die nationalen
Energieregulierungsbehörden zu unterstützen.
Was Gewährleistung gut funktionierender Gasmärkte
Wie Anfang dieses Monats richtete die Kommission eine Gasmarkt-Taskforce ein, die
die EU-Erdgasmärkte umfassend prüfen und erforderlichenfalls Maßnahmen
ergreifen soll, um ein optimales Funktionieren der Märkte sicherzustellen und
Geschäftspraktiken zu unterbinden, die die marktbasierte Preisbildung verzerren;
dabei werden die Lehren aus der Energiekrise berücksichtigt. Die Kommission wird
eine breit angelegte Anhörung der Interessenträger einleiten, um zu prüfen, ob
weitere Änderungen von Rechtsvorschriften erforderlich sind, um eine
vollständige und nahtlose Regulierungsaufsicht zu gewährleisten, die Vorschriften
für Energie und Finanzmärkte (MiFID/REMIT) anzugleichen und zu stärken und
den Verwaltungsaufwand für Unternehmen, die auf den Finanzmärkten für Energie
handeln (einheitliche Berichterstattung), zu verringern. Die Themen dieser Anhörung
sind die verschiedenen Aspekte der Regulierungsstruktur69, der gemeinsame
Aufsichtsansatz der Energie- und Finanzregulierungsbehörden und die Schaffung
einer gemeinsamen harmonisierten Datenbank mit allen relevanten Marktdaten, zu
der alle Aufsichtsbehörden uneingeschränkt Zugang haben. Sie wird auch bestimmte
Aspekte des Funktionierens von Spotmärkten abdecken, z. B. die Anwendung von
Anforderungen, die an das Regelwerk für Finanzinstrumente angelehnt sind, auf
Spot-Energiebörsen.
Wann Die Arbeit der Gasmarkt-Taskforce wird bis zum 4. Quartal 2025 abgeschlossen
sein.
Auswirkungen Durch die Umstellung der Gasimportverträge von der Ölindexierung auf eine
Preisbildung auf der Grundlage von Angebot und Nachfrage hat die EU in den
letzten zehn Jahren bereits rund 67 Mrd. EUR eingespart70. Die Integration des
EU-Gasmarkts bringt Nettovorteile in Form von Preiskonvergenz und Transparenz
mit sich71. Die Gasmarkt-Taskforce wird sich auf die Gewährleistung gut
funktionierender Gasmärkte und eine marktbasierte Preisbildung in diesen Märkten
konzentrieren.
Nach Möglichkeit sollten Alternativen zu Erdgasimporten geprüft werden, insbesondere die
Elektrifizierung oder die Förderung der Erzeugung von Biogas und Biomethan im Einklang
mit REPowerEU. Die Nachfragebündelung und die gemeinsame Beschaffung können eine
69 Einschließlich der Parameter für die Anwendung der sogenannten Ausnahme für Nebentätigkeiten, der
Vorschriften über Leistungsschalter und Positionslimits, der für Handelsplätze und Marktteilnehmer geltenden
Anforderungen sowie bestimmter Aspekte des Funktionierens von Spotmärkten (z. B. die Anwendung von
Anforderungen, die an das Regelwerk für Finanzinstrumente angelehnt sind, auf Spot-Energiebörsen).
70 Despite short-term pain, the EU’s liberalised gas markets have brought long-term financial gains; IEA, 2021.
71 European natural gas markets: taking stock and looking forward; Chyong, März 2019.
21
wichtige Rolle dabei spielen, die Schaffung von Märkten für Energiequellen und Materialien,
die für die Erzeugung sauberer Energie benötigt werden, zu beschleunigen. Durch die
Nachfragebündelung und die Annahme gemeinsamer Beschaffungsstrategien im Einklang mit
den EU-Wettbewerbsregeln können Abnehmer in der EU ihr kollektives wirtschaftliches
Gewicht nutzen, ihre Verhandlungsposition stärken und bessere Bedingungen mit Lieferanten
aushandeln. Dieser Ansatz wurde auch von Japan verfolgt, das seit Langem Investitionen in
die Exportinfrastruktur in Ländern unterstützt, die Flüssigerdgas (LNG) erzeugen. Die
gemeinsame Kaufkraft der EU sollte genutzt werden, indem die Möglichkeit längerfristiger
vertraglicher Verpflichtungen geprüft wird, um die Preise stabiler zu machen, z. B. durch die
Sicherung von Gasverflüssigungsrechten oder Kaufoptionen. Mit Blick auf die
Wettbewerbsfähigkeit der EU, geopolitische Erwägungen und die Klimaziele könnten die EU
und/oder die Mitgliedstaaten auch EU-Importeure bei Direktinvestitionen in
Exportinfrastrukturen im Ausland unterstützen, indem sie privaten Investoren Darlehen zu
Sonderbedingungen gewähren.
Darüber hinaus können eine bessere Koordinierung zwischen den Mitgliedstaaten und
flexiblere Befüllungspfade mit Unterstützung der Kommission dazu beitragen,
Systembelastungen zu verringern und Marktverzerrungen im Zusammenhang mit der
Wiederbefüllung von Gasspeichern zu vermeiden und somit die Wiederbefüllung zu besseren
Einkaufsbedingungen und die Versorgungssicherheit zu unterstützen.
Was Nutzung der Kaufkraft der EU für bessere Bedingungen für importiertes Erdgas
Wie Die Kommission wird
- sich unverzüglich mit zuverlässigen LNG-Lieferanten in Verbindung
setzen, um zusätzliche kostengünstige Importmöglichkeiten im Rahmen
von bestehenden und künftigen Projekten für den LNG-Export zu ermitteln;
- unter anderem eine Nachfragebündelung für EU-Unternehmen
vorschlagen, die Tolling-Verträge mit LNG-Anlagen weltweit und LNG-
Lieferoptionsverträge mit vertrauenswürdigen LNG-Erzeugern abschließen;
- Optionen prüfen, die über die Nachfragebündelung hinausgehen, sowie
andere Ansätze (z. B. das japanische Modell) untersuchen.
Wann 1.-2. Quartal 2025
Auswirkungen Bessere Möglichkeiten für Abnehmer in der EU, LNG im Rahmen langfristiger
Verträge zu beziehen, können vor Preisschwankungen schützen und den Zugang zu
niedrigeren Preisen ermöglichen, wodurch die EU-Preise näher an die
Weltmarktpreise herangeführt werden. Der Schutz der Abnehmer in der EU vor
Preisschwankungen bei fossilen Brennstoffen könnte zu einer erheblichen
kurzfristigen Senkung der Endkundenpreise führen.
Maßnahme 4: Energieeffizienz – Erzielung von Energieeinsparungen
Energieeffizienz ist ein wichtiger Faktor für erschwingliche Energie in Industrie und
Haushalten sowie für die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Durch sie werden die
Auswirkungen hoher, volatiler Energiepreise auf die Verbraucherrechnungen begrenzt. Die
EU-Industrie hat ihren Energieverbrauch seit dem Jahr 2000 um etwa 20 % gesenkt, und das
bei steigender Industrieproduktion. Um die Herausforderungen zu bewältigen, mit denen die
EU konfrontiert ist, müssen Energieeffizienzlösungen genutzt werden. Die Förderung eines
Binnenmarkts für Energieeffizienzdienstleistungen wird es den Europäerinnen und Europäern
ermöglichen, von Dienstleistungen zu profitieren, die ihnen helfen können, ihre
22
Energierechnungen zu den bestmöglichen Kosten zu senken, insbesondere solche mit hohen
Vorlaufkosten72. Ein verbesserter Markt für Energieeffizienzanbieter kann dazu beitragen,
dass mehr Unternehmen Beratung zu effizienten Lösungen erhalten, z. B. zur
Wiederverwendung ihrer Prozesswärme.
Was Ein Energieeffizienzmarkt von europäischer Dimension
Wie Durch das europäische Bündnis zur Energieeffizienzfinanzierung wird die
Kommission den Zugang zu Kapital verbessern und finanzielle Anreize zur
Unterstützung von Marktteilnehmern schaffen, die Energieeffizienzlösungen für
Unternehmen anbieten.
Die Kommission wird eine weitere Unterstützung des Programms der EIB-
Gruppe für Energieeffizienz in KMU prüfen, das darauf abzielt, die
Wettbewerbsfähigkeit europäischer KMU zu steigern, die Einführung
energieeffizienter und erneuerbarer Lösungen zu fördern und die Klimaresilienz zu
stärken. Die Kommission wird in Zusammenarbeit mit der EIB-Gruppe die
Einrichtung eines EU-Garantiesystems prüfen mit dem Ziel, die
Energieeffizienzdienstleistungen zu verdoppeln. Für 2026 ist ein Pilotprojekt
vorgesehen, das möglicherweise im Rahmen der InvestEU-
Mischfinanzierungsmaßnahme mit LIFE-CET für technische Hilfe durchgeführt
wird. Hierfür sind zusätzliche InvestEU-Mittel erforderlich, die durch die
Optimierung des Einsatzes der EU-Garantie, die derzeit im Rahmen verschiedener
EU-Mandate, einschließlich der Mandate aus dem vorangegangenen
Programmplanungszeitraum, zur Verfügung steht, gewonnen werden sollen.
Wann Erste Blaupause für ein Garantiesystem im 4. Quartal 2025. Start der Partnerschaft
im 3. Quartal 2025.
Bewertung eines EU-weiten Marktes für ein Zertifizierungssystem für
Energieeinsparungen bis zum 4. Quartal 2025.
Auswirkungen Erhöhung des Angebots an Finanzierungslösungen für Energieeffizienzprodukte.
Dies geschieht durch Dienstleistungen von Dienstleistungsunternehmen im
Energiesektor73; Ziel ist es, den Umfang dieses Markts auf bis zu 4-6 Mrd. EUR
pro Jahr zu verdoppeln; dadurch könnten Verbraucher bei der Renovierung von
Gebäuden 25-30 % und bei der öffentlichen Beleuchtung bis zu 70-80 %74 der
Energiekosten einsparen.
Zweitens senken energieeffiziente Produkte unmittelbar die Energiekosten. Die vielen
nicht konformen Produkte, die aus Drittländern importiert werden, beeinträchtigen jedoch die
Wettbewerbsfähigkeit der EU-Lieferanten und verringern die Vorteile für Bürgerinnen und
Bürger sowie Unternehmen.
Was Zugang der Verbraucher zu effizienteren Geräten und Produkten mit längerer
Lebensdauer
Wie Die Mitgliedstaaten sowie die nationalen Marktüberwachungs- und Zollbehörden
sollten die nationale Marktüberwachung und Durchsetzung stärken, auch in
Bezug auf den Zoll und Online-Marktplätze. Im Einklang mit der Mitteilung zum
72 Die EU-Mittel für Energieeffizienzmaßnahmen in den Bereichen Wohnraum, Unternehmen und öffentliche
Infrastruktur im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und der Kohäsionspolitik
(Mittelzuweisung im Rahmen des derzeitigen MFR) beliefen sich auf 4,9 Mrd. EUR für intelligente
Energiesysteme, 8,9 Mrd. EUR für erneuerbare Energien und 21,8 Mrd. EUR für Energie.
73 Ein Dienstleistungsunternehmen im Energiesektor ist ein Unternehmen, das Energiedienstleistungen anbietet,
darunter die Durchführung von Energieeffizienzprojekten oder Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien,
häufig mit schlüsselfertiger Lieferung.
74 Energy Performance Contracting in the EU – 2020-2021; JRC, 2021.
23
elektronischen Handel unterstützt die EU deren Maßnahmen und die weitere
Zusammenarbeit mit Online-Marktplätzen.
Die Kommission wird die Energieverbrauchskennzeichnungs- und
Ökodesignvorschriften der Union aktualisieren, bewährte Verfahren austauschen,
IT-Instrumente75 verbessern und die Einhaltung durch die Betreiber durch klarere
Informationen und Leitlinien erleichtern. Die Mitgliedstaaten sollten in Erwägung
ziehen, Anreize für Verbraucher zu setzen, ihre alten Haushaltsgeräte durch
energieeffiziente Alternativen zu ersetzen.
Wann Unverzüglich
Auswirkungen Schätzungen zufolge haben die EU-Binnenmarktvorschriften für energieeffiziente
Geräte und Produkte im Jahr 2023 zu Einsparungen in Höhe von rund
120 Mrd. EUR bei den Energierechnungen geführt; diese Einsparungen dürften
bis 2030 auf etwa 162 Mrd. EUR ansteigen76. Dennoch gehen jedes Jahr
schätzungsweise 10 % (d. h. über 10 Mrd. EUR) dieser potenziellen Einsparungen
durch den Verkauf von Produkten verloren, die nicht den Vorschriften entsprechen77.
Säule II: Vollendung der Energieunion
Trotz unseres Erfolges beim Aufbau eines vernetzten Energiemarktes ist die Vollendung einer
echten Energieunion noch nicht abgeschlossen. Da die EU mit steigenden Energiekosten
konfrontiert ist, die die Haushalte belasten und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie
beeinträchtigen, was sich insbesondere auf energieintensive Sektoren auswirkt, ist ein
transformativer Ansatz erforderlich. Deshalb müssen wir weiter an längerfristigen
strukturellen Maßnahmen arbeiten, um die sauberere und günstigere Energie, die wir
benötigen, zu erhalten und uns weiter in Richtung einer echten Energieunion zu bewegen;
dafür bedarf es unter anderem verstärkter Investitionen in Forschung und Innovation für
Lösungen für saubere Energie. Die EU muss auf dem Weg zur Elektrifizierung und zu einem
vollständig integrierten Energiebinnenmarkt vorankommen, um Verbundziele zu erreichen
und Komplementaritäten zwischen den Mitgliedstaaten zu nutzen, um eine echte
Energieunion zu schaffen, die allen zugutekommt.
Dieser Aktionsplan ist der erste Schritt hin zu mehr Vernetzung und Integration. Aus diesem
Grund wird die Kommission in den kommenden Monaten eine Reihe von Initiativen auf den
Weg bringen, die darauf abzielen, das Governance-System für die Energieunion zu stärken,
saubere Energie auszubauen, unsere Versorgungssicherheit zu verbessern und die Kosten für
Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen zu senken.
Maßnahme 5: Vollendung der Energieunion
Aufbauend auf dem Erfolg des REPowerEU-Plans, mit dem die Erzeugung sauberer Energie
und eine diversifizierte Energieversorgung gefördert wurden, werden diese Ziele durch einen
neuen Aktionsplan zur Elektrifizierung (1. Quartal 2026) und eine Strategie für die
Wärme- und Kälteerzeugung (1. Quartal 2026) weiter unterstützt. Eine ehrgeizige
Elektrifizierung des Energiesystems und der Ausbau sauberer Erzeugungsquellen werden
75 https://eprel.ec.europa.eu/screen/home; https://webgate.ec.europa.eu/single-market-compliance-space/market-
surveillance.
76 Ecodesign Impact Accounting Status Report 2024, https://circabc.europa.eu/ui/group/418195ae-4919-45fa-
a959-3b695c9aab28/library/b29b3be3-8085-4e2f-8095-74ad98d9166c/details, Tabelle 2 und Abbildung 2.
77 Mitteilung der Kommission – Arbeitsprogramm für Ökodesign und Energieverbrauchskennzeichnung 2022–
2024 (2022/C 182/01).
24
die Energieeffizienz des Energiesektors insgesamt steigern, zur Dekarbonisierung der
Industrie, der Mobilität sowie des Wärme- und Kältesektors beitragen und die Einführung
sauberer und heimischer Energieerzeugung unterstützen. Bis 2030 werden diese
Initiativen unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringern, wodurch jährlich
Milliarden eingespart werden können. Steuergutschriften für die industrielle Elektrifizierung
können die Elektrifizierung insgesamt fördern und dazu beitragen, dass die EU-Industrie
wettbewerbsfähiger wird, indem die Erschwinglichkeit entsprechender Ausrüstungen
gefördert, der Absatz gesteigert und die Akzeptanz durch die Verbraucher gefördert wird.
Die Digitalisierung ist eine weitere Quelle für Einsparungen für die Verbraucher, aber auch
eine potenzielle Schwachstelle. Die Kommission wird 2026 einen strategischen Fahrplan
für Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) für den Energiesektor annehmen, um
die Einführung europäischer KI-Lösungen in Bereichen wie Stromnetzoptimierung,
Energieeffizienz in Gebäuden und in der Industrie sowie nachfrageseitige Flexibilität zu
beschleunigen. Darüber hinaus wird sie KI-gestützte Forschung und Innovation fördern,
indem Start-up-Unternehmen mit Energieunternehmen vernetzt werden und gleichzeitig
robuste Schutzvorkehrungen in Bezug auf Cybersicherheit, Datenschutz und Sicherheit
sichergestellt werden. Die Kommission wird auch den steigenden Energieverbrauch von
Rechenzentren prüfen78,79 und ihre nachhaltige Integration in das Energiesystem fördern.
Rechenzentren könnten die Belastung des Energiesystems erhöhen und die Energiepreise in
die Höhe treiben, zumal sie in der Lage sind, andere Energieverbraucher beim Zugang zu
Energie zu überbieten.
Gleichzeitig wird mit dem Europäischen Strategieplan für Energietechnologie (SET-Plan)
die derzeitige Fragmentierung der Forschungs- und Innovationsportfolios der EU für saubere
Energie und Elektrifizierung angegangen. Die Bemühungen müssen noch verstärkt werden,
um das EU-Ziel von 3 % des BIP für öffentliche und private Ausgaben zu erreichen80,81. Die
Kommission wird Innovationen fördern, insbesondere durch Koordinierung mit den
Mitgliedstaaten im Rahmen der mit der Netto-Null-Industrie-Verordnung82 eingesetzten
Lenkungsgruppe für den SET-Plan. Um die Kernfusion als innovative, dekarbonisierte
Energiequelle für die Zukunft zu unterstützen, wird darüber hinaus eine Fusionsstrategie
vorgeschlagen, einschließlich der Schaffung einer öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP),
um die Kommerzialisierung zu beschleunigen.
Um ihre Energie- und Klimaziele zu erreichen, benötigt die EU zwischen 2021 und 2030
jährlich mehr als 570 Mrd. EUR und von 2031 bis 2040 jährlich 690 Mrd. EUR für
Investitionen in erneuerbare Energien, einschließlich Solarenergie, Windkraft und Biomasse,
Energieeffizienz und Netzkapazität. Die Kommission wird ferner den Investitionsbedarf im
Bereich Kernenergie bewerten83 und Investitionen in saubere Energietechnologien der
nächsten Generation, wie Kernfusion, verbesserte geothermische Batterien und
Feststoffbatterien, sowie in bestehende Kapazitäten, z. B. für die Modernisierung, fördern. Da
78 Auf die digitale Infrastruktur entfallen rund 3,5 % des Stromverbrauchs in der EU, wobei etwa 70 % auf
Rechenzentren entfallen. Energy consumption in data centres and broadband communication networks in the
EU; JRC, 2024.
79 Why European data centres are set for major growth; Morgan Stanley & Co., Juli 2024.
80 Schlussfolgerungen des Europäischen Rates vom 23. März 2023 (EUCO 4/23).
81 Mitteilung der Kommission zur Überarbeitung des Strategieplans der EU für Energietechnologie (SET-Plan)
(COM(2023) 634 final).
82 Verordnung (EU) 2024/1735 zur Schaffung eines Rahmens für Maßnahmen zur Stärkung des europäischen
Ökosystems der Fertigung von Netto-Null-Technologien.
83 https://ec.europa.eu/economy_finance/recovery-and-resilience-scoreboard/green.html?lang=de.
25
der Großteil der Investitionen aus privatem Kapital stammen muss, müssen öffentliche Mittel
gezielter eingesetzt werden, um private Investitionen zu mobilisieren, indem das Risiko
strategischer Projekte insbesondere durch Garantie- und Eigenkapitalinstrumente verringert
wird. Die Kommission wird mithilfe einer Investitionsstrategie für saubere Energie die
Investitionslücke schließen und privates Kapital für die Energiewende mobilisieren sowie ein
aktualisiertes Hinweisendes Nuklearprogramm vorlegen.
Vor allem erfordert die Vollendung einer echten Energieunion einen vollständig integrierten
Energiemarkt mit einem kohärenten Governance-Rahmen, der die Ziele auf nationaler
und EU-Ebene miteinander in Einklang bringt und sicherstellt, dass Entscheidungen von
grenzüberschreitender und EU-weiter Bedeutung auf der richtigen Ebene getroffen werden.
Zu diesem Zweck wird die Kommission bis Anfang 2026 ein Weißbuch über eine vertiefte
Integration des Strommarkts vorlegen.
Darüber hinaus müssen die Nationalen Energie- und Klimapläne (NEKP) zu strategischen
Investitionsplänen weiterentwickelt werden, die die Vorhersehbarkeit von Investitionen, das
Vertrauen der Verbraucher, Innovation und das Marktwachstum für saubere Technologien
fördern. Die Kommission wird eine Überarbeitung der Governance-Verordnung vorschlagen,
um das Governance-System für die Energieunion und für den Klimaschutz84 zu
vereinfachen, zu stärken und zu modernisieren und Europa dadurch auf den energie- und
klimapolitischen Rahmen für die Zeit nach 2030 vorzubereiten. Darüber hinaus könnten
regionale Initiativen wie die Initiative für die Zusammenarbeit in den Bereichen Energie und
saubere Technologien im Mittelmeerraum eine Rolle bei der Unterstützung der Einführung
sauberer Technologien spielen.
Die Höhe der Energiepreise kann von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat sehr unterschiedlich
sein. Um die Koordinierung in der gesamten Energieunion zu verbessern und das
Governance-System für das Stromnetz zu stärken, wird die Kommission eine Taskforce für
die Energieunion einrichten. Die Taskforce, die sich je nach Bedarf aus hochrangigen
Vertretern der Kommission, einschlägiger EU-Gremien, der Mitgliedstaaten und von
Interessengruppen zusammensetzt, wird technische oder regulatorische Anpassungen prüfen
und ermitteln und der Präsidentin der Kommission, dem Europäischen Rat, dem Rat
„Energie“ und dem Europäischen Parlament regelmäßig Bericht erstatten.
Um diese Arbeit zu unterstützen, wird die Kommission den Schwerpunkt verstärkt darauf
legen, die Auswirkungen einschlägiger Initiativen auf die Erschwinglichkeit von Energie
für Haushalte und Unternehmen zu bewerten. Die Ergebnisse der einschlägigen
Analysen – nach Möglichkeit unter Einbeziehung externer Sachverständiger – werden in
Folgenabschätzungen zu neuen Gesetzgebungsinitiativen und bei der Überprüfung
bestehender Rechtsvorschriften angemessen berücksichtigt. Sie werden die Informationen
ergänzen, die die Kommission regelmäßig über die Auswirkungen ihrer Initiativen
veröffentlicht, und zwar durch verschiedene Berichte wie den Bericht über die Lage der
Energieunion85 und die Berichte über Energiepreise und -kosten86.
Was Eine vollendete Energieunion
Wie Die Kommission wird
- eine Taskforce für die Energieunion einrichten;
84 Verordnung (EU) 2018/1999 über das Governance-System für die Energieunion und für den Klimaschutz.
85 Zum Beispiel der Bericht über die Lage der Energieunion 2024 (COM(2024) 404 final).
86 Energy prices and costs in Europe – European Commission.
26
- ein Weißbuch über eine vertiefte Integration des Strommarkts
veröffentlichen;
- die Verordnung über das Governance-System für die Energieunion
überarbeiten;
- eine Investitionsstrategie für saubere Energie, ein aktualisiertes
Hinweisendes Nuklearprogramm und eine Fusionsstrategie vorlegen;
- einen Aktionsplan für Elektrifizierung, einen Strategischen Fahrplan für
Digitalisierung und KI für den Energiesektor und eine Strategie für die
Wärme- und Kälteerzeugung vorlegen.
Wann 2025: Taskforce für die Energieunion, Investitionsstrategie für saubere Energie und
Hinweisendes Nuklearprogramm.
Bis Mitte 2027 für die anderen Initiativen.
Auswirkungen Eine vertiefte Integration des Strommarkts durch die Aufnahme eines Dialogs über
die künftige Marktentwicklung und die Einrichtung einer Taskforce für die
Energieunion.
Vermeidung eines drastischen Anstiegs der Systemkosten, die sich bis 2040 auf
bis zu 103 Mrd. EUR belaufen könnten, wenn keine Maßnahmen ergriffen
werden87.
Förderung von Investitionen und Senkung der Kosten durch Risikominderung,
d. h. Verringerung der potenziellen Risiken im Zusammenhang mit Investitionen,
sowie durch Verringerung des Verwaltungsaufwands für Planung und
Berichterstattung, Verbesserung der Koordinierung der Mitgliedstaaten bei der
Politikgestaltung, Gewährleistung von Investitionssicherheit bis 2040 und
Umwandlung der Nationalen Energie- und Klimapläne in echte
Investitionspläne.
Eine Beschleunigung der Elektrifizierung um 40 % im Jahr 203088 durch Nutzung
der Flexibilität aus der Elektrifizierung des Wärme-, Verkehrs- und
Wasserstoffsektors kann 2030 im Energiesystem jährliche Kosteneinsparungen in
Höhe von 32 Mrd. EUR bewirken89. Allein durch bidirektionales Laden von
Elektrofahrzeugen könnten 9,7 Mrd. EUR eingespart werden90.
Effizienzsteigerungen bei der Wärme- und Kälteversorgung durch Ausweitung
der Wärmerückgewinnung, der Wiederverwendung von Wärme und des Einsatzes
von Wärmepumpen. Eine Ausweitung der Wärmerückgewinnung in industriellen
Prozessen und Energiedienstleistungen kann die Systemeffizienz verbessern und
Kosten senken. Eine breitere Einführung von Wärmepumpen und eine bessere
Effizienz in Haushalten könnten die Ausgaben für den Import fossiler
Brennstoffe bis 2030 um 60 Mrd. EUR senken und gleichzeitig die Nachfrage
nach anderen Energieträgern verringern und die Preise stabilisieren.
Nutzung der Digitalisierung zur Senkung der Kosten des Stromsektors,91
Steigerung der Effizienz mit geschätzten Einsparungen von 5 % bei Betrieb und
Wartung, 5 % bei der Stromerzeugung und 5 % bei Netzverlusten92.
87 Redispatch and Congestion Management; Gemeinsame Forschungsstelle, Mai 2024.
88 Mit Stand 2024 macht Strom etwa 23 % des Endenergieverbrauchs der Europäischen Union aus. Im Jahr 2030
wird dieser Anteil basierend auf der Modellierung des Energiesystems anhand des PRIMES- und des
POTEnCIA-Modells bei 32-33 % liegen. Der zur Ableitung der Spanne verwendete Endenergieverbrauch
entspricht den Eurostat-Definitionen (nrg_ind_fecf), d. h. einschließlich der Bereiche Industrie, Verkehr,
Haushalte, Dienstleistungen, Landwirtschaft und Umgebungswärme aus Wärmepumpen und ohne die Bereiche
internationale Luftfahrt und grenzüberschreitender Seeverkehr (Bunker).
89 Mission Solar 2040: Europe’s Flexibility Revolution; SolarPower Europe, Juni 2024.
90 Potential of a full EV-power-system-integration in Europe; Fraunhofer ISE & ISI im Auftrag von T&E,
Oktober 2024.
91 Implications of digitalisation on future electricity market design; Oxford Institute for Energy Studies, April
2023.
27
Säule III: Anziehen von Investitionen und Gewährleistung der Umsetzung
Eine echte Energieunion auf der Grundlage heimischer, sauberer und erschwinglicher Energie
für alle europäischen Verbraucher erfordert in den nächsten zehn Jahren erhebliche
Investitionen und eine solide Governance. Es bedarf einer starken politischen Führung und
eines starken Engagements sowie die Einbeziehung aller Akteure der
Energiewertschöpfungskette, um diesen Aktionsplan gemeinsam zügig umzusetzen.
Maßnahme 6: Entwicklung eines dreiseitigen Vertrags über erschwingliche Energie für die
europäische Industrie
Die zunehmende Marktunsicherheit kann erhebliche Herausforderungen für Projektträger mit
sich bringen und Investitionen verzögern oder verhindern. Um dem entgegenzuwirken,
können Regierungen, Energieerzeuger und energieverbrauchende Branchen gemeinsam ein
günstiges Investitionsklima für ein erschwingliches und nachhaltiges Energiesystem und
einen wettbewerbsfähigen Industriesektor schaffen und gleichzeitig die Erhaltung und
Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze sicherstellen, wie in der Erklärung von Antwerpen
betont wird.
Die Erzeuger sauberer Energie benötigen eine gewisse Größenordnung und
Sicherheit in Bezug auf die Nachfrage, um langfristig planen zu können, was dazu
beiträgt, die Risiken für Investoren und die Projektkosten zu verringern. Diese
Sicherheit käme auch den Herstellern in der Lieferkette zugute, z. B. den
Herstellern von Umspannwerken oder Kabeln für Netzprojekte; sie könnten nämlich
in neue Produktionskapazitäten in Europa investieren und niedrigere Preise anbieten.
Dies würde es beispielsweise den Entwicklern großer Solar- oder Offshore-
Windenergieprojekte ermöglichen, ihre Lieferketten zu sichern und zu geringeren
Kosten einzukaufen.
Die energieverbrauchende Industrie, und insbesondere die energieintensive
Industrie, benötigt Sicherheit mit Blick auf die Energieversorgung und die
Preise, um ihre Produktion zu planen und Investitionsentscheidungen zu treffen, die
für den Übergang entscheidend sind. So benötigt die Stahlindustrie beispielsweise
langfristige Sicherheit in Bezug auf die Stromversorgung und die Preise, um in die
Elektrifizierung von Produktionsprozessen zu investieren. Im Gegenzug kann die
energieintensive Industrie den Energieerzeugern durch den Abschluss langfristiger
Verträge Abnahmesicherheit bieten.
Die EU und die Regierungen der Mitgliedstaaten können die Risiken durch stabile
Rechtsrahmen und Maßnahmen zur Erleichterung von Investitionen verringern.
Diese Vorhersehbarkeit für Projektentwickler und Lieferketten trägt dazu bei, das
Investitionsrisiko zu senken und die Kosten für Unternehmen und Haushalte zu
reduzieren. Dies könnte beispielsweise durch die Verpflichtung zu einem
längerfristigen, zuverlässigen und granularen Zeitplan für Auktionen für Projekte
im Bereich der sauberen Energie und durch unterstützende
Ausschreibungskonzepte geschehen, die auf den Grundsätzen der Netto-Null-
Industrie-Verordnung für Resilienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit beruhen.
92 Strategic analysis and development plan design on digital transformation in the energy industry; Liu & Lu,
2021.
28
In diesem Zusammenhang haben die Erfahrungen mit der Windkraftcharta93 und der
Solarcharta94 gezeigt, dass es einen Mehrwert bringt, institutionelle und wirtschaftliche
Akteure zusammenzubringen, damit sie entscheidende Schritte zum Aufbau einer
wettbewerbsfähigen Wertschöpfungskette in Schlüsselsektoren der Energiewende
unternehmen.
Aufbauend auf diesen Erfahrungen kann ein umfassenderer dreiseitiger Vertrag für
erschwingliche Energie diese Verpflichtungen zusammenführen und ein Investitionsklima
schaffen, das eine kosteneffiziente Energieerzeugung, eine zuverlässige Energieversorgung
und ein langfristiges Wirtschaftswachstum für alle Beteiligten fördert.
Abbildung 4. Ein dreiseitiger Vertrag für erschwingliche Energie für die europäische Industrie
Was Ein dreiseitiger Vertrag für erschwingliche Energie zwischen dem öffentlichen
Sektor, einschließlich Finanzinstituten, Entwicklern sauberer Energie und
energieverbrauchenden Branchen.
Wie Ein umfassender dreiseitiger Vertrag wird
- für Vorhersehbarkeit und Skalierbarkeit sorgen, und zwar sowohl für
Energieerzeuger, die sichere Abnehmer für ihre Produktion haben werden,
als auch für Energieabnehmer, die von einer erschwinglichen und stabilen
Energieversorgung profitieren können;
- die Geschäftsmodelle des Sektors unterstützen, dank der Unterstützung
durch die Kommission, die EIB und die Mitgliedstaaten, durch die die
Risiken für Investitionen verringert werden und Wachstum ermöglicht wird.
Dies würde sektorspezifische Verträge für bestimmte Sektoren (z. B. Wasserstoff,
synthetische Kraftstoffe, Batterien, Offshore-Windenergie, Solarenergie, Netze)
umfassen.
Wann 2025
93 EU-Windkraftcharta.
94 EU-Solarcharta.
29
Auswirkungen Erhöhung der Transparenz, Sichtbarkeit und Sicherheit für Erzeuger und
energieverbrauchende Branchen, Unterstützung von Investitionsentscheidungen und
Senkung der Kosten und Energiepreise
Säule IV: Vorbereitung auf potenzielle Energiekrisen
Die jüngste Energiekrise, die schwerste, die Europa bisher erlebt hat, hat gezeigt, wie wichtig
eine Koordinierung auf EU-Ebene ist, um Preisspitzen im Binnenmarkt zu bewältigen. Um
die Widerstandsfähigkeit gegenüber möglichen künftigen Energiekrisen zu erhöhen,
benötigen die Mitgliedstaaten Instrumente für wirksame Maßnahmen, und der Rahmen für
die Versorgungssicherheit muss gestärkt werden, wobei die Lehren aus den jüngsten
Entwicklungen zu berücksichtigen sind.
Maßnahme 7: Gewährleistung der Versorgungssicherheit im Interesse der Preisstabilität
Eine stabile Energieversorgung ist für die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit, den
kontinuierlichen Zugang zu erschwinglicher Energie und die Vermeidung extremer
Preisschwankungen von entscheidender Bedeutung. Störungen der Energieversorgung durch
geopolitische Spannungen, Cyberattacken, vorsätzliche Angriffe oder extreme
Wetterereignisse können die Erschwinglichkeit beeinträchtigen. Ein neuer Rechtsrahmen ist
erforderlich, um die Widerstandsfähigkeit des Energiesystems der EU zu erhöhen und die
Volatilität der Energiepreise einzudämmen.
Was Beitrag zur Preisstabilität durch einen Rahmen für
Energieversorgungssicherheit, bei dem die während der Energiekrise
gewonnenen Erkenntnisse berücksichtigt werden
Wie Die Kommission wird einen Legislativvorschlag zur Überarbeitung des derzeitigen
EU-Rechtsrahmens für Energieversorgungssicherheit vorlegen.
Wann Anfang 2026
Auswirkungen Eine bessere Energieversorgungssicherheit zu jedem Zeitpunkt und eine bessere
Vorbereitung auf Zeiten mit Versorgungsengpässen können dazu beitragen,
Preisschwankungen zu verringern und die Preise zu senken
Maßnahme 8: Vorbereitung auf Preiskrisen
Die Elektrizitätsrichtlinie und die Gasrichtlinie enthalten Bestimmungen, die es dem Rat
ermöglichen, auf Vorschlag der Kommission eine Preiskrise auszurufen, wenn bestimmte
Bedingungen für außergewöhnliche Krisen erfüllt sind. In derartigen Situationen spielt die
Verringerung der Nachfrage zu bestimmten Zeiten eine zentrale Rolle bei der Abmilderung
der Auswirkungen von Energiekrisen. Auch außerhalb von Krisenzeiten können bereits heute
Systeme zur Senkung von Nachfragespitzen konzipiert und aktiviert werden, bei denen die
Verbraucher von ihrem Versorger dafür bezahlt werden, dass sie ihren Verbrauch in
bestimmten Stunden reduzieren. Die Erfahrung in mehreren Mitgliedstaaten zeigt, dass die
Verbraucher in Zeiten außergewöhnlicher Systembelastungen und hoher Preise bereit sind,
die Nachfrage freiwillig zu senken.
Was Vermeidung von Preisspitzen in Energiekrisen
Wie Leitlinien der Kommission für die Mitgliedstaaten zur Entwicklung und
Umsetzung von Systemen zur Senkung von Nachfragespitzen durch Einführung
von Anreizen in Form einer Vergütung für Verbraucher. Die
Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) sollten Maßnahmen zur Senkung der
30
Energienachfrage zu Spitzenzeiten und zur Verlagerung der Nachfrage auf einen
späteren Zeitpunkt einführen und umsetzen.
Wann Kontinuierlich und Aktivierung bei Preisspitzen/in Zeiten außergewöhnlicher
Systembelastung.
Auswirkungen Niedrigere Preise in Zeiten von Nachfragespitzen, wodurch die Preisvolatilität
verringert und die Endenergierechnungen im Rahmen bleiben.
Zweitens ist in Fällen, in denen Netzengpässe oder -überlastungen die Energieflüsse
erheblich beeinträchtigen, eine enge Zusammenarbeit mit den ÜNB und den nationalen
Regulierungsbehörden erforderlich, um die verfügbaren Kapazitäten der
grenzüberschreitenden Verbindungsleitungen in bestimmten Situationen (z. B. bei einer
regionalen Preiskrise wie 2024 in Südosteuropa) vorübergehend zu erhöhen und
sicherzustellen, dass die Energie die am stärksten betroffenen Gebiete erreicht.
Wartungsausfälle müssen innerhalb des Energiebinnenmarktes angemessen koordiniert
werden, damit unnötige Auswirkungen solcher Ausfälle auf benachbarte Mitgliedstaaten
vermieden werden.
Was Verbesserter grenzüberschreitender Zugang zu günstigem Strom
Wie Zusammenarbeit mit den ÜNB und den nationalen Regulierungsbehörden, um eine
vorübergehende Erhöhung der verfügbaren grenzüberschreitenden
Kapazitäten in bestimmten Situationen und eine angemessene Koordinierung und
Planung von Wartungsausfällen über Grenzen hinweg sicherzustellen, um
Einschränkungen des Stromflusses zu vermeiden
Wann Bei Bedarf, z. B. bei regionalen Preiskrisen
Auswirkungen Gewährleistung, dass der grenzüberschreitende Stromhandel in Krisensituationen
maximiert wird, um lokale Preisspitzen auf bestimmten Märkten abzumildern
Da davon auszugehen ist, dass Erdgas auch in den nächsten Jahren der wichtigste Preissetzer
für Strom in der EU bleiben wird, ist die Kommission bereit, die Mitgliedstaaten bei der
Ausarbeitung staatlicher Beihilfemaßnahmen zu unterstützen, um sie in die Lage zu
versetzen, extreme Preisspitzen und außergewöhnliche Preisbedingungen zu bewältigen und
die Übertragung hoher Gaspreise auf die Strompreise zu entkoppeln, wobei sie sich auf
bewährte Modelle für Notfallsituationen stützt.
5. SCHLUSSFOLGERUNGEN UND WEITERES VORGEHEN
Der Aktionsplan für erschwingliche Energie enthält acht konkrete kurzfristige Maßnahmen
zur Schaffung einer echten Energieunion für Wettbewerbsfähigkeit, Erschwinglichkeit,
Sicherheit und Nachhaltigkeit. Um diesen transformativen Aktionsplan umzusetzen,
müssen alle Akteure einbezogen werden, und zwar durch i) Koordinierung innerhalb der EU
mit der entscheidenden Unterstützung des Europäischen Parlaments und des Rates, um einen
wirksamen und pragmatischen Rechtsrahmen zu gewährleisten; ii) entschlossene
Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten, um die Maßnahmen vor Ort umzusetzen und
sicherzustellen, dass das Potenzial des Plans für die Bürgerinnen und Bürger voll
ausgeschöpft wird; iii) aktive Einbeziehung der Interessenträger, nämlich der Industrie und
Unternehmen, der Arbeitnehmer, der Innovatoren sowie der Bürgerinnen und Bürger; iv) die
Beteiligung einer Taskforce für die Energieunion auf höchster politischer Ebene.
Die Kommission wird den Aktionsplan umsetzen, überwachen und in künftigen Berichten
zur Lage der Energieunion über die Fortschritte bei seiner Umsetzung berichten. Die
31
Kommission wird das Europäische Parlament und den Ministerrat „Energie“ regelmäßig über
die Fortschritte unterrichten und die Auswirkungen mit ihnen erörtern.
Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind beträchtlich. Aber das gilt auch für unsere
Stärken. Gemeinsam haben wir widerstandsfähige Netze und das am stärksten integrierte
Energienetz der Welt aufgebaut. Wir haben für eine starke Fertigungsbasis, hoch qualifizierte
Arbeitskräfte, fortschrittliche Technologien und einen starken Rechtsrahmen gesorgt. Wir
haben unseren Weg zur Dekarbonisierung konsequent weiterverfolgt, unser
Wirtschaftswachstum von unseren CO2-Emissionen entkoppelt und eine Führungsrolle bei
der globalen Energiewende übernommen. Dank dieser Stärken ist es möglich, die
Herausforderungen zu bewältigen, mit denen Europa derzeit konfrontiert ist.
Die Gründe, aus denen wir diese Herausforderungen annehmen, sind offenkundig.
Energie ist das Fundament unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft. Sie macht nur einen
geringen Teil unserer BIP-Ausgaben aus,95,96 ist aber der Motor unserer gesamten Wirtschaft.
Sie bewegt die Züge, die uns befördern, erwärmt die Häuser, in denen wir leben, und sie setzt
die Maschinen in Gang, die die Waren herstellen, die wir täglich benutzen. Sie ist auch eine
der Grundlagen unserer Union, aus einer Zeit, als Kohle und Stahl die Säulen des
Wiederaufbaus Europas waren – sie hat das Wachstum unserer Wirtschaft unterstützt und das
tägliche Leben der Europäerinnen und Europäer seither verbessert.
Die Energieerzeugung und die Integration unserer Energiemärkte waren seit jeher von
grundlegender Bedeutung für die europäische Einheit. Von den Zeiten der Europäischen
Gemeinschaft für Kohle und Stahl bis hin zur Entwicklung der Energieunion war Energie
stets ein Schlüsselfaktor für unsere wirtschaftliche Stabilität und ein Motor für die
Integration der EU. Aufbauend auf dem Kompass für eine wettbewerbsfähige EU und zur
Unterstützung des Deals für eine saubere Industrie wird dieser Aktionsplan für
erschwingliche Energie es uns ermöglichen, auf unseren Stärken aufzubauen, den wahren
Wert unserer Energieunion zu erschließen und das Engagement der EU für eine inklusive
Energiewende zu bekräftigen, in der kein Mensch und keine Gemeinschaft
zurückgelassen wird.
95 Die Regierungen in der EU geben lediglich 1,1 % des BIP für Energie aus
(https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-
explained/index.php?title=Government_expenditure_on_economic_affairs).
96 Im Zeitraum 2000-2021 machten die Bruttoimporte fossiler Brennstoffe rund 20 % der gesamten
Warenimporte aus, was 2,8 % des BIP der EU entspricht (basierend auf den Handelsdaten von Eurostat für den
KN-Code 27). Folgenabschätzung zur Mitteilung der Kommission über Europas Klimaziel für 2040
(SWD(2024) 63 final, Teil 3/5).
32
ANHANG I: ZUSAMMENFASSUNG DER MAßNAHMEN UND ZEITPLAN
Was Wann Wer
Säule I: Senkung der Energiekosten
Maßnahme 1: Niedrigere Stromrechnungen
Effizientere Netzentgelte zur Senkung der Kosten des
Energiesystems
2. Quartal 2025 Kommission,
Mitgliedstaaten,
NRB
Niedrigere Besteuerung von elektrischem Strom und
Streichung von nichtenergetischen
Kostenkomponenten aus den Rechnungen
Ab der Annahme
4. Quartal 2025
(Empf.)
Mitgliedstaaten mit
Unterstützung der
Kommission
Ermöglichung des Wechsels der Verbraucher zu
günstigeren Energieversorgern bei gleichzeitiger
Bekämpfung der Energiearmut
3. Quartal 2025 Kommission,
Mitgliedstaaten,
NRB
Maßnahme 2: Senkung der Kosten der Stromversorgung
Entkopplung der Stromrechnungen für
Endverbraucher von hohen und volatilen Gaspreisen
2. Quartal 2025
(EIB) und
4. Quartal 2025
(Leitlinien zur
Gestaltung von
Differenzverträgen)
Kommission, EIB,
Mitgliedstaaten
Verkürzung der Genehmigungsfristen zur
Beschleunigung der Energiewende
Ab der Annahme
und während des
gesamten Zeitraums
2025-2026
Kommission,
Mitgliedstaaten,
zuständige nationale
Behörden
Beschleunigung des Ausbaus, der Modernisierung und
der Digitalisierung der Netze
1. Quartal 2026 Kommission,
Mitgliedstaaten,
ÜNB
Erhöhung der Systemflexibilität durch Einsatz von
Speicheranlagen und Laststeuerung
Ab der Annahme
2. Quartal 2025
(Rahmen für
staatliche Beihilfen)
1. Quartal 2026
(neue Vorschriften
für die
Laststeuerung)
Kommission,
Mitgliedstaaten
Leitlinien zur Förderung der Vergütung von
Flexibilität in Endkundenverträgen
4. Quartal 2025 Kommission,
Mitgliedstaaten
Maßnahme 3: Verbesserte Gasmärkte für faire Energiepreise
Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs auf den
Gasmärkten
4. Quartal 2025 Kommission,
Mitgliedstaaten,
ACER, ESMA,
NRB
Nutzung der Kaufkraft der EU für bessere
Bedingungen für importiertes Erdgas
1.-2. Quartal 2025 Kommission mit
internationalen
Partnern
Maßnahme 4: Energieeffizienz: Erzielung von Energieeinsparungen
Ein Energieeffizienzmarkt von europäischer 3.-4. Quartal 2025 Kommission, EIB,
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Dimension Finanzinstitute,
Europäische
Energiewirtschaft
Zugang der Verbraucher zu effizienteren Geräten und
Produkten mit längerer Lebensdauer
Ab der Annahme Kommission,
Mitgliedstaaten,
nationale
Marktüberwachungs-
und Zollbehörden
Säule II: Schaffung einer echten Energieunion
Maßnahme 5: Vollendung der Energieunion
Einrichtung einer Taskforce für die Energieunion 2025 Kommission,
Mitgliedstaaten,
einschlägige EU-
Einrichtungen,
Sachverständige
Schließung der Investitionslücke und Mobilisierung
von privatem Kapital
2. Quartal 2025 Kommission, EIB,
InvestEU
Aufbau eines stärker integrierten Energiemarkts
2026 bis Mitte 2027
Kommission,
Mitgliedstaaten, EP
und Interessenträger
Investitionssicherheit und vereinfachte Governance-
Regelung für eine robuste Energieunion
Kommission
Ausbau der Elektrifizierung Kommission,
Mitgliedstaaten
Verstärkte Digitalisierung und Nutzung von KI im
Energiesektor
Kommission
Dekarbonisierung und Integration des Wärme- und
Kältesektors zur Ersetzung von Gas
Kommission,
Mitgliedstaaten
Säule III: Anziehen von Investitionen und Gewährleistung der Umsetzung
Maßnahme 6: Ein dreiseitiger Vertrag über erschwingliche Energie für die europäische
Industrie
Ein dreiseitiger Vertrag über erschwingliche Energie 2025 Kommission,
Mitgliedstaaten, EIB,
Energieerzeuger &
Industrie
Säule IV: Vorbereitung auf potenzielle Energiekrisen
Maßnahme 7: Versorgungssicherheit im Interesse der Preisstabilität
Beitrag zur Preisstabilität durch einen geeigneten
Rahmen für Energieversorgungssicherheit
Anfang 2026 Kommission
Maßnahme 8: Vorbereitung auf Preiskrisen
Vermeidung von Preisspitzen in Energiekrisen In Energiekrisen Kommission,
Mitgliedstaaten,
ÜNB
Verbesserter grenzüberschreitender Zugang zu
erschwinglichem Strom
In Energiekrisen Kommission, NRB,
ÜNB
Drucksache 131/25 - 34 -]
Relationen
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