Daten, Indikatoren und Wirkungssteuerung bei der Bekämpfung Organisierter Kriminalität
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Daten, Indikatoren und Wirkungssteuerung bei der Bekämpfung Organisierter Kriminalität
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5154
21. Wahlperiode 01.04.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Tobias Matthias Peterka, Sascha Lensing, Knuth Meyer-
Soltau, Rainer Galla, Dr. Christoph Birghan, Lukas Rehm, Dr. Rainer Rothfuß,
Dr. Malte Kaufmann, Edgar Naujok, Hauke Finger, Marc Bernhard, Thomas
Dietz, Dr. Maximilian Krah, Rocco Kever, Erhard Brucker, Kay-Uwe Ziegler,
Jörn König, Kurt Kleinschmidt, Udo Theodor Hemmelgarn, Adam Balten, Stefan
Keuter, Mirco Hanker, Alexis L. Giersch, Bernd Schattner, Dr. Michael Blos und
der Fraktion der AfD
Daten, Indikatoren und Wirkungssteuerung bei der Bekämpfung Organisierter
Kriminalität
Die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (OK) stellt eine der zentralen
sicherheitspolitischen Herausforderungen für den Rechtsstaat dar. In den
vergangenen Jahren wurden zahlreiche Maßnahmen zur Intensivierung der
Strafverfolgung, zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Bund und
Ländern sowie zur internationalen Kooperation ergriffen. Die Bewertung des
Erfolgs dieser Maßnahmen erfolgt bislang jedoch überwiegend anhand
klassischer Kennzahlen wie der Anzahl geführter Ermittlungsverfahren, der Zahl der
Tatverdächtigen oder der erfassten Schadenssummen.
Aktuelle Lagebilder zur Organisierten Kriminalität beschreiben zugleich
tiefgreifende strukturelle Veränderungen krimineller Netzwerke, darunter eine
zunehmende Arbeitsteilung, dienstleistungsorientierte Geschäftsmodelle, digitale
Steuerungsmechanismen sowie eine hohe Anpassungsfähigkeit gegenüber
staatlichem Verfolgungsdruck (www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/Statisti
kenLagebilder/Lagebilder/OrganisierteKriminalitaet/organisiertekriminalitaet_
node.html). Vor diesem Hintergrund stellt sich den Fragestellern die Frage,
inwieweit bestehende Erfassungs- und Bewertungsinstrumente geeignet sind, die
tatsächliche Wirkung staatlicher Maßnahmen auf Struktur, Funktionsfähigkeit
und Resilienz organisierter krimineller Netzwerke abzubilden.
Eine strategische Steuerung der OK-Bekämpfung setzt voraus, dass nicht nur
Aktivität, sondern auch Wirkung messbar gemacht wird, etwa im Hinblick auf
die nachhaltige Schwächung von Netzwerken, die Ausschaltung steuernder
Akteure, den Entzug krimineller Erträge oder die Reduzierung von Rekrutierungs-
und Gewaltpotenzialen. Die vorliegende Kleine Anfrage zielt darauf ab,
transparent zu machen, welche Daten, Indikatoren und Bewertungsmaßstäbe die
Bundesregierung hierfür heranzieht und wie sie die Weiterentwicklung der
strategischen Steuerung der OK-Bekämpfung beurteilt. Gegenstand der Kleinen
Anfrage sind ausschließlich aggregierte und strategische Erkenntnisse;
operative Details zu einzelnen Ermittlungsverfahren werden ausdrücklich nicht
begehrt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Kennzahlen und Indikatoren nutzt die Bundesregierung derzeit
zur Bewertung der Lage und Entwicklung der Organisierten Kriminalität
in Deutschland?
2. In welchem Umfang dienen diese in Frage 1 erfragten Kennzahlen nach
Einschätzung der Bundesregierung dazu, nicht nur Aktivität der
Strafverfolgungsbehörden, sondern auch die tatsächliche Wirkung staatlicher
Maßnahmen auf organisierte kriminelle Netzwerke abzubilden?
3. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung ggf. Wirkungsindikatoren
bei, die über die Anzahl von Ermittlungsverfahren, Tatverdächtigen oder
Schadenssummen hinausgehen, etwa im Hinblick auf die nachhaltige
Schwächung oder Zerschlagung krimineller Netzwerke?
4. Welche Indikatoren werden nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit
genutzt, um strukturelle Veränderungen organisierter krimineller
Netzwerke, wie etwa Arbeitsteilung, Rollenverteilung oder Anpassungsfähigkeit,
systematisch zu erfassen und zu bewerten?
5. Inwieweit werden Erkenntnisse zur Vermögensabschöpfung, zum Entzug
krimineller Erträge und zur finanziellen Schwächung organisierter
krimineller Strukturen als eigenständige Wirkungsgrößen berücksichtigt?
6. Welche Rolle spielen Erkenntnisse aus anderen Lagebildern, insbesondere
aus den Bereichen Cybercrime, Menschenhandel, Ausbeutung oder
Wirtschaftskriminalität, für eine phänomenübergreifende Bewertung der
Organisierten Kriminalität?
7. Inwieweit bestehen ggf. bundeseinheitliche Erfassungs- und
Datenstandards für die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, und welche
Unterschiede zwischen den Ländern sind der Bundesregierung bekannt?
8. Welche Auswirkungen haben unterschiedliche Erfassungs- und
Bewertungspraktiken der Länder nach Einschätzung der Bundesregierung auf
die Vergleichbarkeit der Daten und die strategische Steuerungsfähigkeit
auf Bundesebene?
9. Welche Mechanismen bestehen, um Erkenntnisse aus Lagebildern,
Evaluationen oder operativen Erfahrungen systematisch in die
Weiterentwicklung der strategischen Ausrichtung der OK-Bekämpfung einfließen zu
lassen?
10. Inwieweit werden bestehende Strategien und Maßnahmen zur
Bekämpfung der Organisierten Kriminalität regelmäßig evaluiert, und anhand
welcher Kriterien erfolgt eine solche Bewertung?
11. Welche Rolle spielt die internationale und europäische Zusammenarbeit
bei der Entwicklung von Indikatoren und Bewertungsmaßstäben für die
Wirksamkeit der OK-Bekämpfung?
12. Inwieweit orientiert sich die Bundesregierung bei der Bewertung der
Organisierten Kriminalität ggf. an europäischen oder internationalen
Ansätzen zur Bedrohungs- und Wirkungsanalyse, und welche Unterschiede
sieht sie hierbei zur nationalen Praxis?
13. Welche Defizite sieht die Bundesregierung derzeit bei der Datengrundlage
und Indikatorik zur Bewertung der Wirksamkeit der Bekämpfung
Organisierter Kriminalität?
14. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus diesen in
Frage 13 erfragten Defiziten für die Weiterentwicklung von Erfassungs-,
Analyse- und Steuerungsinstrumenten auf Bundesebene?
15. Inwieweit beabsichtigt die Bundesregierung ggf., künftige
Bundeslagebilder zur Organisierten Kriminalität stärker wirkungs- und strukturorientiert
auszugestalten, etwa durch Aussagen zur nachhaltigen Schwächung
krimineller Netzwerke, zur Ausschaltung steuernder Akteure oder zur
Reduzierung zentraler Risikofaktoren?
16. Welche zeitlichen Perspektiven sieht die Bundesregierung für eine
Weiterentwicklung der Daten- und Indikatorbasis zur strategischen Steuerung
der Bekämpfung Organisierter Kriminalität?
Berlin, den 1. April 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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