Den 50. Jahrestag der Schlussakte von Helsinki als Verpflichtung für eine zukunftsfähige Friedensordnung in Europa begreifen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/787)
Text
Den 50. Jahrestag der Schlussakte von Helsinki als Verpflichtung für eine zukunftsfähige Friedensordnung in Europa begreifen (Beschlussempfehlung und Bericht zu Drs. 21/787)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/5002
21. Wahlperiode 25.03.2026
Beschlussempfehlung und Bericht
des Auswärtigen Ausschusses (3. Ausschuss)
zu dem Antrag der Abgeordneten Ulrich Thoden, Dr. Dietmar Bartsch, Desiree
Becker, weiterer Abgeordneter und der Fraktion Die Linke
– Drucksache 21/787 –
Den 50. Jahrestag der Schlussakte von Helsinki als Verpflichtung für eine
zukunftsfähige Friedensordnung in Europa begreifen
A. Problem
Die Antragsteller weisen darauf hin, dass in der Vergangenheit zahlreiche OSZE-
Teilnehmerstaaten wie die USA, Russland, die Türkei und andere NATO-Staaten
elementare Normen des Völkerrechts zur Durchsetzung von geopolitischen
Interessen gebrochen hätten. Auch sei das internationale Vertragswerk zur Abrüstung
und Rüstungskontrolle lange vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine
systematisch ausgehöhlt worden. Zudem habe die Obstruktionspolitik Russlands
die OSZE personell wie finanziell immer stärker geschwächt.
Vor diesem Hintergrund solle nach dem Willen der Antragsteller der Deutsche
Bundestag die Bundesregierung dazu auffordern, sich auf OSZE-Ebene für einen
mittelfristigen Aufwuchs des Gesamthaushalts der OSZE auf mindestens 1
Milliarde Euro einzusetzen, die weitere Überarbeitung des Beitragsschlüssels
anzuregen und den auf Deutschland entfallenden 9,35-Prozent-Anteil bei den regulären
Haushaltsmitteln für die OSZE mindestens um denselben Betrag als freiwillige
Zusatzleistung aufzustocken. Die Bundesregierung solle sich weiterhin dafür
einsetzen, mit den zusätzlichen Finanzmitteln die Kapazitäten des OSZE-
Konfliktverhütungszentrums zu erweitern und mit Nachdruck dafür eintreten, dass
möglichst alle OSZE-Teilnehmerstaaten das Übereinkommen über Vergleichs- und
Schiedsgerichtsverfahren innerhalb der OSZE ratifizieren. Die Bundesregierung
solle sich aus Sicht der Antragsteller zudem für eine friedliche
Konfliktbearbeitung einsetzen, indem sie etwa auf sämtliche Waffen- und Rüstungsexporte
Deutschlands an OSZE-Teilnehmerstaaten mit inner- und zwischenstaatlichen
Konflikten verzichte und im Fall des andauernden bewaffneten Konflikts in der
Ukraine Initiativen der aktiven Konfliktdiplomatie und die Wiederaufnahme von
substanziellen politischen Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien
entwickle.
Weiterhin fordern die Antragsteller, dass die Bundesregierung für eine Stärkung
des ersten Sicherheitskorbes für politisch-militärische Sicherheit eintreten solle,
indem sie unter anderem Initiativen ergreife, um die Vertragsparteien USA und
Russland zur Verlängerung des New-START-Vertrages zur Begrenzung ihrer
strategischen Kernwaffen aufzurufen und indem sie auf die Stationierung von
neuen Mittelstreckenraketen in Deutschland verzichte. Außerdem solle die
Bundesregierung aufgefordert werden, im dritten Sicherheitskorb für die menschliche
Sicherheit und den Schutz der Menschenrechte unter anderem folgende
Schwerpunkte zu betonen: für die Einhaltung und Wahrung der Rechtsstaatlichkeit im
Inneren und Äußeren, gegen staatliche Willkürherrschaft, für die Gleichheit aller
vor dem Gesetz, effektive Selbstbestimmungsmöglichkeiten und den Schutz von
Minderheiten und vulnerablen Menschengruppen in allen OSZE-
Teilnehmerstaaten sowie für freie politische Wahlen und den Erhalt der Demokratie einzustehen,
die Todesstrafe sowie Folter und andere Formen grausamer, erniedrigender und
unmenschlicher Behandlung durch alle OSZE-Teilnehmerstaaten konsequent zu
ächten sowie für offene Grenzen für Menschen in Not, eine solidarische humane
Politik gegenüber Geflüchteten, die Wiederherstellung und Ausweitung des
Rechts auf Asyl in Deutschland und in den anderen OSZE-Teilnehmerstaaten
einzutreten.
Abschließend solle die Bundesregierung nach dem Willen der Antragsteller durch
den Deutschen Bundestag zu einer regelmäßigen Berichterstattung im Deutschen
Bundestag zur deutschen OSZE-Politik sowie zu einer Implementierung
geeigneter Instrumente der Wissenschaftsdiplomatie/Science Diplomacy in der deutschen
Außenpolitik aufgefordert werden.
B. Lösung
Ablehnung des Antrags mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, AfD,
SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gegen die Stimmen der Fraktion Die
Linke.
C. Alternativen
Wurden nicht erörtert.
D. Kosten
Wurden nicht erörtert.
Beschlussempfehlung
Der Bundestag wolle beschließen,
den Antrag auf Drucksache 21/787 abzulehnen.
Berlin, den 25. März 2026
Der Auswärtige Ausschuss
Armin Laschet
Vorsitzender
Tobias Winkler
Berichterstatter
Gerold Otten
Berichterstatter
Nancy Faeser
Berichterstatterin
Deborah Düring
Berichterstatterin
Vinzenz Glaser
Berichterstatter
Bericht der Abgeordneten Tobias Winkler, Gerold Otten, Nancy Faeser, Deborah
Düring und Vinzenz Glaser
I. Überweisung
Der Deutsche Bundestag hat die Vorlage auf Drucksache 21/787 in seiner 18. Sitzung am 10. Juli 2025 beraten
und zur federführenden Beratung dem Auswärtigen Ausschuss und zur Mitberatung dem Verteidigungsausschuss
und dem Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe überwiesen.
II. Wesentlicher Inhalt der Vorlage
Die Antragsteller weisen darauf hin, dass in der Vergangenheit zahlreiche OSZE-Teilnehmerstaaten wie die USA,
Russland, die Türkei und andere NATO-Staaten elementare Normen des Völkerrechts zur Durchsetzung von
geopolitischen Interessen gebrochen hätten. Auch sei das internationale Vertragswerk zur Abrüstung und
Rüstungskontrolle lange vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine systematisch ausgehöhlt worden. Zudem
habe die Obstruktionspolitik Russlands die OSZE personell wie finanziell immer stärker geschwächt.
Vor diesem Hintergrund solle nach dem Willen der Antragsteller der Deutsche Bundestag die Bundesregierung
dazu auffordern, sich auf OSZE-Ebene für einen mittelfristigen Aufwuchs des Gesamthaushalts der OSZE auf
mindestens 1 Milliarde Euro einzusetzen, die weitere Überarbeitung des Beitragsschlüssels anzuregen und den
auf Deutschland entfallenden 9,35-Prozent-Anteil bei den regulären Haushaltsmitteln für die OSZE mindestens
um denselben Betrag als freiwillige Zusatzleistung aufzustocken. Die Bundesregierung solle sich weiterhin dafür
einsetzen, mit den zusätzlichen Finanzmitteln die Kapazitäten des OSZE-Konfliktverhütungszentrums zu
erweitern und mit Nachdruck dafür eintreten, dass möglichst alle OSZE-Teilnehmerstaaten das Übereinkommen über
Vergleichs- und Schiedsgerichtsverfahren innerhalb der OSZE ratifizieren. Die Bundesregierung solle sich aus
Sicht der Antragsteller zudem für eine friedliche Konfliktbearbeitung einsetzen, indem sie etwa auf sämtliche
Waffen- und Rüstungsexporte Deutschlands an OSZE-Teilnehmerstaaten mit inner- und zwischenstaatlichen
Konflikten verzichte und im Fall des andauernden bewaffneten Konflikts in der Ukraine Initiativen der aktiven
Konfliktdiplomatie und die Wiederaufnahme von substanziellen politischen Verhandlungen zwischen den
Kriegsparteien entwickle.
Weiterhin fordern die Antragsteller, dass die Bundesregierung für eine Stärkung des ersten Sicherheitskorbes für
politisch-militärische Sicherheit eintreten solle, indem sie unter anderem Initiativen ergreife, um die
Vertragsparteien USA und Russland zur Verlängerung des New-START-Vertrages zur Begrenzung ihrer strategischen
Kernwaffen aufzurufen und indem sie auf die Stationierung von neuen Mittelstreckenraketen in Deutschland verzichte.
Außerdem solle die Bundesregierung aufgefordert werden, im dritten Sicherheitskorb für die menschliche
Sicherheit und den Schutz der Menschenrechte unter anderem folgende Schwerpunkte zu betonen: für die Einhaltung
und Wahrung der Rechtsstaatlichkeit im Inneren und Äußeren, gegen staatliche Willkürherrschaft, für die
Gleichheit aller vor dem Gesetz, effektive Selbstbestimmungsmöglichkeiten und den Schutz von Minderheiten und
vulnerablen Menschengruppen in allen OSZE-Teilnehmerstaaten sowie für freie politische Wahlen und den Erhalt
der Demokratie einzustehen, die Todesstrafe sowie Folter und andere Formen grausamer, erniedrigender und
unmenschlicher Behandlung durch alle OSZE-Teilnehmerstaaten konsequent zu ächten sowie für offene Grenzen
für Menschen in Not, eine solidarische humane Politik gegenüber Geflüchteten, die Wiederherstellung und
Ausweitung des Rechts auf Asyl in Deutschland und in den anderen OSZE-Teilnehmerstaaten einzutreten.
Abschließend solle die Bundesregierung nach dem Willen der Antragsteller durch den Deutschen Bundestag zu
einer regelmäßigen Berichterstattung im Deutschen Bundestag zur deutschen OSZE-Politik sowie zu einer
Implementierung geeigneter Instrumente der Wissenschaftsdiplomatie/Science Diplomacy in der deutschen
Außenpolitik aufgefordert werden.
III. Stellungnahmen der mitberatenden Ausschüsse
Der Verteidigungsausschuss hat die Vorlage auf Drucksache 21/787 in seiner 23. Sitzung am 25. März 2026
beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, AfD, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke die Ablehnung.
Der Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe hat die Vorlage auf Drucksache 21/787 in seiner 20.
Sitzung am 25. März 2026 beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, SPD und BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke bei Stimmenthaltung der Fraktion der AfD die
Ablehnung.
IV. Beratungsverlauf und Beratungsergebnisse im federführenden Ausschuss
Der Auswärtige Ausschuss hat die Vorlage auf Drucksache 21/787 in seiner 20. Sitzung am 25. März 2026
beraten und empfiehlt mit den Stimmen der Fraktionen CDU/CSU, AfD, SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke die Ablehnung.
Berlin, den 25. März 2026
Tobias Winkler
Berichterstatter
Gerold Otten
Berichterstatter
Nancy Faeser
Berichterstatterin
Deborah Düring
Berichterstatterin
Vinzenz Glaser
Berichterstatter
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ISSN 0722-8333
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