Anhaltspunkte für deutsche Bezüge zu den Epstein-Akten systematisch untersuchen
Text
Anhaltspunkte für deutsche Bezüge zu den Epstein-Akten systematisch untersuchen
Antrag
der Abgeordneten Dr. Götz Frömming, Stephan Brandner, Peter Bohnhof,
Martin Erwin Renner, Ronald Gläser, Matthias Helferich, Nicole Hess, Sven
Wendorf, Tobias Matthias Peterka, Dr. Christoph Birghan, Sascha Lensing,
Thomas Fetsch, Martin Reichardt, Birgit Bessin, Kay Gottschalk, Carolin
Bachmann, Joachim Bloch, Erhard Brucker, Tobias Ebenberger, Boris
Gamanov, Rainer Groß, Udo Theodor Hemmelgarn, Dr. Malte Kaufmann,
Dr. Michael Kaufmann, Rocco Kever, Kurt Kleinschmidt, Maximilian Kneller,
Heinrich Koch, Achim Köhler, Kerstin Przygodda, Arne Raue, Angela Rudzka,
Lars Schieske, Manfred Schiller, Dr. Paul Schmidt, Tobias Teich, Wolfgang
Wiehle, Jörg Zirwes und der Fraktion der AfD
Anhaltspunkte für deutsche Bezüge zu den Epstein-Akten systematisch
untersuchen
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Die deutsche Gesellschaft fordert im Zuge der Veröffentlichung der Epstein-Akten
umfassende Aufklärung über eine mögliche Verwicklung deutscher Staatsbürger in
Straftaten u. a. des sexuellen Missbrauchs und Menschenhandels mit dem Ziel der
Erpressung von Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft.
Dies äußert sich in Petitionen (z. B. auf Change.org), parlamentarischen Eingaben,
Umfragen, Protesten und Social-Media-Kampagnen.1 Hierbei geht es um das
Vertrauen in den Rechtsstaat und demokratische Prozesse. In europäischen
Nachbarländern wurden Sonderkommissionen eingerichtet, um Verwicklungen der eigenen
Staatsbürger zu untersuchen.
Eine polnische Sonderkommission (Zespół analityczno-koordynacyjny) analysiert die
Akten dateibasiert, kooperiert mit US-Behörden und fordert bei Bedarf Dokumente an.
Ziel ist der Schutz potenzieller Opfer, Identifizierung von Tätern, internationale
Kooperation und ggf. Strafverfolgung. Andere EU-Länder, wie Schweden, die Slowakei
und Litauen, planen oder prüfen Untersuchungen.2
Frankreich hat ein spezielles Magistratsteam der Pariser Staatsanwaltschaft eingesetzt,
dessen Aufgabe es ist, zu analysieren, welche nach französischem Recht zu beurtei-
1 www.change.org/topic/epstein-files-en-us
2 www.the-independent.com/news/world/europe/jeffrey-epstein-files-investigation-europe-b2916546.html
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4462
21. Wahlperiode 03.03.2026
lenden Straftaten es gibt (Human Trafficking, Steuerbetrug, z. B. Jack Lang, Jean-Luc
Brunel-Fall neu prüfen).3
In Norwegen wurde im Februar 2026 vom Parlament eine unabhängige
parlamentarische Kommission eingerichtet, die speziell die Elitenverbindungen, wie zum
ehemaligen sozialdemokratischen Premierminister Thorbjørn Jagland oder der Botschafterin
Mona Juul, prüft.4
Obwohl in den bisher bekannten Epstein-Akten auch zahlreiche Bezüge zu deutschen
Staatsangehörigen und Institutionen enthalten sind, gibt es bisher in Deutschland keine
geeignete Untersuchungskommission, die der Komplexität der Aufgabe entspricht.5, 6,
7, 8, 9, 10
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
eine Sonderkommission zur Untersuchung deutscher Bezüge in den Epstein-Akten
einzurichten und sich dabei bereits existierende Untersuchungskommissionen anderer
Länder, wie zum Beispiel Polens, zum Vorbild zu nehmen.11 Ziel der
Sonderkommission ist es, die im Januar und Februar 2026 vom United States Department of Justice
(DOJ) veröffentlichten über 3 Millionen Seiten Dokumente, mehr als 2.000 Videos
und ca. 180.000 Bilder im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen Jeffrey
Epstein, Ghislaine Maxwell und weitere Personen (sog. „Epstein Files Transparency
Act“) nach Bezügen zu deutschen Staatsbürgern, Regierungsvertretern und
Unternehmen zu prüfen.12
Die Arbeit der Sonderkommission soll sich auf die Klärung folgender Aspekte
konzentrieren:
• Finden sich Hinweise, dass Opfer sexueller Ausbeutung – insbesondere
Minderjährige – in Deutschland über das Epstein-Netzwerk rekrutiert wurden?
• Finden sich Hinweise, ob Deutschland als Drehscheibe für den internationalen
Menschenhandel im Rahmen des Epstein-Netzwerkes genutzt wurde oder
deutsche Staatsangehörige sich an Straftaten beteiligt haben?
• Finden sich Hinweise darauf, dass im Rahmen des Epstein-Netzwerkes Einfluss
auf die deutsche Haushalts- und Finanzpolitik, insbesondere die Aufweichung der
Schuldenbremse genommen wurde?
3 www.dw.com/en/epstein-files-france-investigation-magistrates/a-75975774;
www.lemonde.fr/en/france/article/2026/02/19/epstein-files-hand-french-prosecutors-trove-of-new-
leads_6750639_7.html
4 www.nytimes.com/2026/02/11/world/europe/epstein-files-global-chaos-resignations.html
www.reuters.com/world/norway-diplomats-politicians-found-epstein-files-2026-02-12/
5 www.dw.com/en/epstein-files-deutsche-bank-under-scrutiny-for-links-to-late-financier-and-convicted-
sexoffender/a-75919028
6 www.aa.com.tr/en/europe/former-german-chancellor-scholz-s-ex-secretary-named-in-
epsteindocuments/3836728
7 www.zeit.de/wissen/2026-02/joscha-bach-jeffrey-epstein-files-research-english
8 www.mannheimer-morgen.de/orte/heidelberg_artikel,-heidelberg-grossinvestor-und-ehrensenator-der-
uniheidelberg-taucht-in-epstein-akten-auf-_arid,2359537.html
9 www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_101111970/epstein-akten-angela-merkel-und-die-afd-tauchen-
in-dokumenten-auf.html?utm_source=chatgpt.com
10 www.t-online.de/unterhaltung/royals/id_101114612/stephanie-von-bismarck-guttenberg-ex-spricht-ueber-
epstein-erwaehnung.html?utm_source=chatgpt.com
11 www.gov.pl/web/sprawiedliwosc/minister-sprawiedliwosci-powolal-zespol-analityczno-koordynacyjny-
dospraw-polskich-watkow-w-tzw-aferze-epsteina. Die Initiative geht auf Premierminister Donald Tusk
zurück, der am 3. Februar 2026 die Einrichtung ankündigte, um potenzielle polnische Opfer (insbesondere
Minderjährige aus der Modelbranche), Rekrutierungsnetzwerke zu untersuchen.
12 www.justice.gov/epstein
• Finden sich Hinweise darauf, dass das Epstein-Netzwerk Einfluss auf die
Entwicklungen von Wirecard genommen hat?
• Finden sich Hinweise darauf, dass das Epstein-Netzwerk Einfluss auf deutsche
Regierungsmitglieder genommen hat?
• Ergeben sich aus den Dokumenten, Videos und Fotos Hinweise darauf, dass
deutsche Staatsangehörige, in Deutschland ansässige Personen oder Institutionen
strafbare Handlungen begangen haben?
• Ergeben sich aus den Dokumenten, Videos und Fotos Hinweise darauf, dass sich
deutsche Staatsangehörige, in Deutschland ansässige Personen oder Institutionen
erpressbar gemacht haben? Könnte dies Auswirkungen auf nationale
Sicherheitsinteressen haben und wenn ja, welche?
• Alle in den Epstein-Akten vorkommende Namen deutscher Staatsangehöriger sind
dahingehend zu prüfen, ob sie sich an den Jeffrey Epstein zur Last gelegten
Straftaten beteiligt haben oder anderweitig involviert waren.
• Zur Erfüllung dieser Aufgaben sind frühere Erkenntnisse und
Ermittlungsmöglichkeiten deutscher Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden, deutscher
Nachrichtendienste und anderer Aufsichtsbehörden einzubeziehen.
Es sind Vorschläge für Maßnahmen vorzulegen, die zur Stärkung der Aufarbeitung
internationaler Missbrauchs- und Erpressungsnetzwerke führen und einen besseren
Opferschutz für Betroffene vorsehen.
Zeitplan und Untersuchungsumfang
Die Sonderkommission zur Untersuchung der Epstein-Akten soll unverzüglich
konstituiert werden. Dem Deutschen Bundestag sollen innerhalb von sechs Monaten ein
Zwischenergebnis und weitere Handlungsempfehlungen vorgelegt werden. Der
Umfang der Untersuchung erstreckt sich auf die bisherigen und künftigen
Veröffentlichungen im Rahmen des „Epstein Files Transparency Act“. Darüber hinaus soll die
Sonderkommission an die US-amerikanischen Behörden herantreten, um auch
Einblick in die als geheim eingestuften Dokumente zu erlangen, insoweit diese sich auf
Straftaten nach deutschem Recht beziehen.
Berlin, den 3. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Die im Rahmen des „Epstein Files Transparency Act“ veröffentlichten E-Mails, Textnachrichten, Flugprotokolle,
Zeugenaussagen, interne Berichte und Bildmaterialien, die teilweise prominente Persönlichkeiten aus Politik,
Wirtschaft, Wissenschaft und Adel in Beziehung zu dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein bringen, offenbaren
ein weltweites Netzwerk. Auch Deutschland ist davon betroffen.
Falls deutsche Staatsangehörige in einflussreichen Positionen, beispielsweise in Politik oder Wirtschaft, in die
Epstein-Akten verwickelt sein sollten, stellt dies ein mögliches Erpressungspotential dar und könnte die
nationalen Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland gefährden.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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