Die "Kosten eines ungebremsten Klimawandels" (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/3535)
Text
Die "Kosten eines ungebremsten Klimawandels" (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/3535)
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3976
21. Wahlperiode 03.02.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Enrico Komning, Leif-Erik Holm, Dr. Malte Kaufmann, Marc
Bernhard, Uwe Schulz, Christian Reck und der Fraktion der AfD
Die „Kosten eines ungebremsten Klimawandels“
(Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 21/3535)
In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage „Förderung von Verbund- und
Einzelprojekten zur sozial-ökologischen Transformation und zum Klimaschutz“ auf
Bundestagsdrucksache 21/3535 schreibt die Bundesregierung wörtlich: „Bei
den Kosten der zur Erreichung der gesetzlichen Klimaziele notwendigen
Transformation gilt es stets, die Kosten eines ungebremsten Klimawandels
gegenüberzustellen.“
Was diese Kosten des Klimawandels betrifft, verweist das Bundesministerium
für Wirtschaft und Energie (BMWE) in seinem Netzauftritt ausführlich auf die
Studie „The economic commitment of climate change“ des Potsdam-Instituts
für Klimafolgenforschung (PIK) aus dem Jahr 2024 (www.bundeswirtschaftsm
inisterium.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolitik/2024/07/04-k
osten-des-klimawandels.html). Hierbei handelt es sich um die Studie, die
mittlerweile wegen ihr vorgehaltener schwerer methodischer Mängel
zurückgezogen werden musste (www.sueddeutsche.de/wissen/klimawandel-studie-zurueck
gezogen-pik-potsdam-li.3349118). Ein Presseartikel bezeichnet die Studie
aufgrund wissenschaftlich nicht haltbarer Übertreibungen als „skandalös“. Er
weist zudem auf Interessenkonflikte des PIK und der beteiligten
Wissenschaftler hin. Diese Interessenkonflikte werden als mögliche Gründe für die stark
übertriebenen Zahlen für die prognostizierten Schäden des Klimawandels
(präzise eigentlich klimatische Änderungen) genannt (www.welt.de/wissenschaft/pl
us69330e05bdb9c3d5970e55b1/skandaloese-klimastudie-dubiose-verstrickung
en-hinter-widerrufener-katastrophenprognose.html). Zudem bleibt nach Ansicht
der Fragesteller völlig offen, welchen Anteil an den besagten Kosten und damit
auf die Wirkung bei klimatischen Änderungen allein die CO2-Emissionen
haben, denn nur diese Kosten wären nach ihrem Verständnis als Vergleich für die
Kosten der CO2-Vermeidung z. B. durch die CO2-Bepreisung heranzuziehen.
Die Fragesteller sind daran interessiert, zu erfahren, wie die Bundesregierung
die „Kosten eines ungebremsten Klimawandels“ ermittelt, die es laut ihrer
eigenen Aussage stets den Kosten zur Erreichung der „Klimaziele“
gegenüberzustellen gilt, und mit welcher Methode sie diese Kosten einzelnen Maßnahmen
konkret zuordnet und gegenüberstellt, um eine Abwägung zu ermöglichen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hoch sind nach Kenntnis oder Einschätzung der Bundesregierung die
deutschlandweiten und weltweiten Kosten eines „ungebremsten
Klimawandels“, die es laut Aussage der Bundesregierung stets den Kosten der zur
Erreichung der gesetzlichen „Klimaziele“ notwendigen Transformation
gegenüberzustellen gilt (siehe Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wie setzen sich diese Schäden nach Sektoren, Bereichen und
Kategorien zusammen?
b) Auf welcher wissenschaftlichen Basis erfolgt die Annahme dieser
Schäden?
2. Hat sich die Bundesregierung mit der Frage auseinandergesetzt, wie
plausibel die in der zurückgezogenen Studie „The economic commitment of
climate change“ prognostizierten Einkommensverluste von 38 Bill. US-Dollar
im Jahr 2049 sind (siehe Vorbemerkung der Fragesteller)?
3. Hat sich in der Einschätzung der Bundesregierung zu der Höhe der Kosten
eines „ungebremsten Klimawandels“, die es laut Aussage der
Bundesregierung stets den Kosten der zur Erreichung der gesetzlichen „Klimaziele“
notwendigen Transformation gegenüberzustellen gilt (siehe Vorbemerkung der
Fragesteller), dadurch etwas es geändert, dass die in der Vorbemerkung der
Fragesteller erwähnte und vom BMWE herangezogene Studie des Potsdam-
Instituts für Klimafolgenforschung zurückgezogen werden musste (vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wenn ja, was hat sich geändert, und warum wird die Studie weiterhin
auf der Seite des BMWE verlinkt, wobei der verlinkte Beitrag zur
entsprechenden Quelle (nature.com) nicht mehr existiert (www.bundeswirt
schaftsministerium.de/Redaktion/DE/Schlaglichter-der-Wirtschaftspolit
ik/2024/07/04-kosten-des-klimawandels.html)?
b) Wenn nein, warum nicht?
4. Mit welcher Methode stellt die Bundesregierung die Kosten des
„ungebremsten Klimawandels“ den Kosten der zur Erreichung der gesetzlichen
„Klimaziele“ notwendigen Transformation gegenüber, und mit welcher
Methode wägt die Bundesregierung diese beiden Kosten gegeneinander ab?
5. Berücksichtigt die Bundesregierung bei dieser Gegenüberstellung (vgl.
Frage 4), dass Deutschland aufgrund seines „überschaubaren Anteils an den
weltweiten THG-Emissionen [THG = Treibhausgas] einen relativ geringen
direkten Einfluss auf die weitere Entwicklung des Klimawandels“ hat, was
die Bundesregierung in ihrem Jahreswirtschaftsbericht 2022 auf
Bundestagsdrucksache 20/520 (S. 16) selbst erwähnt, und wenn ja, wie?
6. Ermittelt die Bundesregierung angesichts der Tatsache, dass sie es für nötig
hält, die „Kosten eines ungebremsten Klimawandels“ stets zu
berücksichtigen (Bundestagsdrucksache 21/3535), bei ihren einzelnen Maßnahmen
jeweils den Anteil der Kosten des „Klimawandels“, der durch die betreffende
Maßnahme (insbesondere die Absenkung von CO2-Emissionen) vermieden
werden kann – oder der ohne Durchführung dieser Maßnahme entstehen
würde?
a) Wenn ja, mit welcher Methode (bitte auch quantitativ unterlegen)
erfolgt die Zuordnung der Kosten des „ungebremsten Klimawandels“
(insbesondere für die Absenkung von CO2-Emissionen)?
b) Wenn nein, wie wägt die Bundesregierung im konkreten Einzelfall die
Kosten und Einnahmen aus einzelnen Maßnahmen (insbesondere die
Absenkung von CO2-Emissionen) für die öffentlichen Haushalte,
Unternehmen sowie Verbraucherinnen und Verbraucher einerseits und die
Kosten eines „ungebremsten Klimawandels“ andererseits
gegeneinander ab?
7. Von welchem weltweiten Ausstoß an sog. Treibhausgasen (CO2-Äquvalent)
geht die Bundesregierung im Fall eines ungebremsten „Klimawandels“
aus?
a) Wie hoch wäre nach dieser Schätzung des weltweiten Schadens durch
einen ungebremsten Klimawandel der Schaden je Tonne CO2-
Äquvalent an solchen Emissionen?
b) Bis zu welchen Kosten je gesparter Tonne CO2-Äquvalent an solchen
Emissionen hält die Bundesregierung „Klimaschutzmaßnahmen“ für
kosteneffizient bzw. sinnvoll?
c) Wie hoch ist der deutsche Anteil am weltweiten finanziellen Schaden
durch einen ungebremsten „Klimawandel“, und in welchem Verhältnis
steht dieser zum deutschen Beitrag an den weltweiten Emissionen an
„Treibhausgasen“?
8. Mit welchen Kosten rechnet die Bundesregierung für die komplette sog.
Dekarbonisierung Deutschlands?
Berlin, den 27. Januar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
Relationen
- asked ← Christian Reck (Kleine Anfrage)
- asked ← Enrico Komning (Kleine Anfrage)
- asked ← Leif-Erik Holm (Kleine Anfrage)
- asked ← Malte Kaufmann (Kleine Anfrage)
- asked ← Marc Bernhard (Kleine Anfrage)
- asked ← Uwe Schulz (Kleine Anfrage)
- authored ← Enrico Komning
- authored ← Fraktion der AfD
- authored ← Leif-Erik Holm
- part_of_vorgang → Die "Kosten eines ungebremsten Klimawandels" (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/3 (Kleine Anfrage)