Wettbewerbsfähigkeit und Klimaneutralität als Leitlinien deutscher Wirtschaftspolitik
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Wettbewerbsfähigkeit und Klimaneutralität als Leitlinien deutscher Wirtschaftspolitik
Deutscher Bundestag Drucksache 21/8034
21. Wahlperiode 16.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Michael Kellner, Sandra Stein, Julia Schneider, Dr. Alaa
Alhamwi, Lisa Badum, Dr. Sandra Detzer, Julian Joswig, Claudia Müller, Katrin
Uhlig, Andreas Audretsch und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Wettbewerbsfähigkeit und Klimaneutralität als Leitlinien deutscher
Wirtschaftspolitik
Deutschland befindet sich gegenwärtig in einer wirtschaftlich herausfordernden
Situation. Schwaches Wirtschaftswachstum, hohe Energie- und Rohstoffkosten,
Investitionszurückhaltung in Teilen der Wirtschaft sowie zunehmender
internationaler Wettbewerbsdruck prägen die wirtschaftspolitische Debatte.
Gleichzeitig steht Deutschland vor der Aufgabe, die Wettbewerbsfähigkeit seines
Wirtschaftsstandorts zu stärken und die Transformation zur Klimaneutralität bis
2045 erfolgreich zu gestalten.
Über die wirtschaftspolitischen Schlussfolgerungen, die sich daraus ergeben,
werden unterschiedliche Positionen vertreten. So hat die Deutsche Industrie-
und Handelskammer (DIHK) Frontier Economics mit der Studie „Neue Wege
für die Energiewende (Plan B)“ (vgl. www.dihk.de/resource/blob/153726/97f3
9a33a519ece00c3a65e014fbc707/energie-dihk-energiewende-plan-b-data.pdf)
beauftragt. Die Studie hebt besonders die Kosten der Energiewendepolitik
hervor und führte aufgrund der Abkehr von strikt terminierten Minderungszielen
zu einer deutlichen Veränderung der bisherigen Klimaposition der DIHK, die
sich an den gesetzlich festgelegten, terminierten Klimazielen orientiert hatte.
Gleichzeitig haben sich in den vergangenen Monaten zahlreiche Unternehmen
und Wirtschaftsverbände öffentlich für eine ambitionierte Modernisierungs-
und Klimapolitik auf Grundlage der bestehenden zeitlichen Reduktionsziele
ausgesprochen. Sie betonen die Bedeutung von Klimaneutralität,
Investitionssicherheit und dem Ausbau erneuerbarer Energien für die langfristige
Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie die Bundesregierung die
wirtschaftlichen Chancen der Modernisierung hin zu einer klimaneutralen
Wirtschaft bewertet, wie sie unterschiedliche wirtschaftliche Perspektiven darauf
einordnet, welche Schlussfolgerungen sie aus den verschiedenen Beiträgen zur
wirtschafts- und energiepolitischen Debatte zieht und auf welcher
wissenschaftlichen Grundlage sie ihre Wirtschafts-, Energie- und Klimapolitik gestaltet.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Bedeutung wird der Erreichung der Klimaneutralität bis 2045 für
die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts
Deutschland beigemessen?
2. Welche wirtschaftlichen Chancen werden mit der Modernisierung hin zu
einer klimaneutralen Wirtschaft, insbesondere im Hinblick auf
Wertschöpfung, Beschäftigung und industrielle Entwicklung in internationalen
Wachstumsmärkten für Klimaschutztechnologien beigemessen?
3. Welche Risiken für Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und
Beschäftigung drohen bei einer Verzögerung der Modernisierung?
4. Welche Erkenntnisse über die volkswirtschaftlichen Kosten einer
verzögerten oder unterlassenen Modernisierung, insbesondere im Vergleich zu
den Kosten entschlossenen Handelns, liegen der Bundesregierung vor?
5. Hat die Bundesregierung über die von der DIHK veröffentlichte Studie
„Neue Wege für die Energiewende (Plan B)“, erstellt von Frontier
Economics, Kenntnis?
6. Zu welcher Bewertung gelangt die Bundesregierung hinsichtlich der in
der Studie dargestellten volkswirtschaftlichen Kosten der Energiewende?
7. In welchen Punkten unterscheiden sich die Einschätzungen der
Bundesregierung von den zentralen Schlussfolgerungen der Studie?
8. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung dem Ausbau erneuerbarer
Energien für die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher
Unternehmen bei?
9. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung dem Ausbau erneuerbarer
Energien für die Senkung der Abhängigkeit Deutschlands von fossilen
Energieimporten bei?
10. Welche Bedeutung haben aus Sicht der Bundesregierung verlässliche
klima- und energiepolitische Rahmenbedingungen für
Investitionsentscheidungen von Unternehmen?
11. Bis wann plant die Bundesregierung, ein neues Erneuerbare-Energien-
Gesetz (EEG) vorzulegen und in Kraft zu setzen?
12. Welche Auswirkungen auf Investitionsentscheidungen von Unternehmen
erwartet die Bundesregierung, wenn bestehende Ausbaupfade und
sektorale Transformationsziele grundlegend verändert oder aufgegeben
würden?
13. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass die Verschiebung von
Klimaschutzmaßnahmen zu höheren Anpassungs- und
Transformationskosten in späteren Jahren führen kann?
14. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass verbindliche jahresscharfe
Klimaziele durch einen flexiblen CO2-Budgetansatz ersetzt werden
sollten?
15. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die wirtschaftlichen
Kosten einer verzögerten oder unterlassenen Modernisierung vor?
16. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass fehlende bzw.
verschobene Transformation zu Standortverkleinerungen oder Standortschließungen
von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) führt und damit Jobs und
Wohlstand kostet?
17. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung dem frühzeitigen Hochlauf
klimaneutraler Technologien für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher
Unternehmen in internationalen Zukunftsmärkten bei?
18. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über unterschiedliche
Positionen von Unternehmen zu den Themen Klimaschutz, Energiewende
und industrielle Transformation vor?
19. Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass unterschiedliche Positionen,
die aus der Wirtschaft heraus artikuliert werden, im Regierungshandeln
angemessen berücksichtigt werden?
20. Inwiefern wirken sich fehlende Klimaanpassungsmaßnahmen auf die
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands aus, und welche Erkenntnisse und
Schlüsse zieht die Bundesregierung diesbezüglich aus den
Hitzeereignissen des Sommers 2026?
Berlin, den 2. September 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
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ISSN 0722-8333
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