Folgen der Klimakrise in Deutschland - Auswirkungen des Hitzesommers
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Folgen der Klimakrise in Deutschland - Auswirkungen des Hitzesommers
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7915
21. Wahlperiode 08.09.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Julia Schneider, Lisa Badum, Johannes Wagner, Karo Otte,
Harald Ebner, Dr. Jan-Niclas Gesenhues, Michael Kellner, Dr. Janosch Dahmen,
Timon Dzienus, Linda Heitmann, Karl Bär, Claudia Müller, Dr. Alaa Alhamwi,
Ophelia Nick, Sylvia Rietenberg und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Folgen der Klimakrise in Deutschland – Auswirkungen des Hitzesommers
Extreme Hitzeperioden gehören mittlerweile zu den gravierendsten Folgen der
Klimakrise in Deutschland. Sie gefährden die Gesundheit insbesondere älterer
Menschen, chronisch Kranker, Pflegebedürftiger, Menschen ohne festen
Wohnsitz, Schwangerer, von Säuglingen sowie von Menschen, die im Freien oder
unter schlechten Arbeitsbedingungen tätig sind. Des Weiteren treiben die
anhaltenden Trockenperioden die Wasserverfügbarkeit an ihre Grenzen, sodass z. B.
bereits in Oberbayern Trinkwasser per Tanklaster geliefert werden musste
(www.br.de/nachrichten/bayern/trockenheit-laster-liefern-bayerischen-gemeind
en-trinkwasser,VRR8BlQ). Zugleich verursachen Hitzewellen zunehmend
erhebliche Schäden an der öffentlichen Infrastruktur: Straßenbeläge verformen
sich, Gleise verwerfen sich, Stromnetze werden überlastet, Brücken und
Betonbauwerke leiden unter thermischer Belastung, und Binnenschifffahrt sowie
Kühlwasserversorgung von Kraftwerken sind durch Niedrigwasser und hohe
Wassertemperaturen beeinträchtigt. Auch volkswirtschaftlich schlagen
Hitzeperioden zu Buche, durch Produktivitätsausfälle, Schäden am Waldbestand,
Ernteschäden in der Landwirtschaft, Notschlachtungen in der Nutztierhaltung,
Instandsetzungskosten an Infrastruktur sowie steigende Gesundheits- und
Pflegekosten. Eine Greenpeace-Analyse beziffert die volkswirtschaftlichen Schäden
auf des Hitzesommers 2026 auf 36 bis 42 Mrd. Euro (www.greenpeace.de/klim
aschutz/klimakrise/kosten-der-hitze-so-teuer-war-der-extremsommer-2026).
Trotz dieser wachsenden Bedrohung fehlt es in Deutschland bislang an einem
kohärenten, verbindlichen und ausreichend finanzierten Hitzeschutzplan. Zwar
hat die Bundesregierung einen solchen Plan angekündigt und einzelne
Bundesländer sowie Kommunen haben eigene Konzepte, wie Hitzeaktionspläne und
Klimaanpassungsstrategien, entwickelt, doch bleibt unklar, welche
gesundheitlichen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Schäden durch Hitzeperioden in
Deutschland bereits entstanden sind und in welchem Umfang künftige Schäden
durch unzureichende Prävention, fehlende Frühwarnsysteme, nicht
klimaresiliente Infrastruktur oder mangelnden Schutz vulnerabler Gruppen drohen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der Hitzetage
(Tage mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 30 °C) in den
Jahren 2000 bis 2025 sowie im bisherigen Jahresverlauf 2026 entwickelt
(bitte tabellarisch nach Jahren, Bundesländern sowie Landkreisen und
kreisfreien Städten aufschlüsseln, keine bundesweiten Durchschnittswerte
angeben)?
2. Zu welchem Zeitpunkt wurden welche Informationen zu hitzebedingten
Gefahren durch welche Bundesbehörde an welche Landes- und
Kommunalbehörden weitergegeben?
3. Welchen Koordinierungsmechanismus gibt es für die strukturierte
Absprache zwischen Bundes- und Landesbehörden und den Kommunen zum
Hitzeschutz?
4. Warum wurde bislang von der Einrichtung eines Hitzegipfels abgesehen?
5. Wie viele Landkreise und kreisfreie Städte verfügen nach Kenntnis der
Bundesregierung aktuell über verbindlich implementierte und
ausfinanzierte Hitzeaktionspläne?
6. Welche Gründe sind der Bundesregierung bekannt, aus denen Landkreise
und kreisfreie Städte bislang keinen Hitzeaktionsplan implementiert
haben, und welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um diese
Umsetzungshemmnisse abzubauen?
7. Welchen Stand hat die Erarbeitung des angekündigten nationalen
Hitzeschutzplans, bis wann soll der Plan dem Kabinett bzw. dem Deutschen
Bundestag vorgelegt werden, und in welcher Höhe sollen für die
Umsetzung der darin enthaltenen Maßnahmen Mittel im Bundeshaushalt
bereitgestellt werden (bitte nach Einzelplan, Kapitel, Titel (inklusive
Titelnummer) sowie Betrag (Soll-Ansatz und Verpflichtungsermächtigungen)
aufschlüsseln?
8. Wieso wird die Notlage Hitzewelle anders behandelt als andere Natur-
und Extremwetterereignisse, und plant die Bundesregierung, ein
Framework auch für solche Schadensereignisse zu erarbeiten?
9. Inwiefern bereitet sich die Bundesregierung auf einen möglichen
Hitzesommer 2027 vor, und welche Schlussfolgerungen zieht sie aus den
Erfahrungen aus dem Jahr 2026?
10. Welche Schlüsse wurden aus dem Fortschrittsbericht der Bundesregierung
zur Deutschen Anpassungsstrategie (Bundestagsdrucksache 18/7111)
gezogen, der die Vulnerabilität Deutschlands gegenüber den Auswirkungen
des Klimawandels beschreibt (siehe Antwort der Bundesregierung auf die
Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 19/5131)?
11. Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um die wirtschaftlichen
und gesundheitlichen Schäden von Extremwetter in Deutschland
einzudämmen?
12. Welche Forschungsvorhaben zur Anpassung an die Klimakrise hat die
Bundesregierung in dieser Legislaturperiode bereits in Auftrag gegeben,
und welche weiteren Vorhaben plant sie?
13. Welche Förderfenster bestehender Bundesförderprogramme plant die
Bundesregierung in den Jahren 2026 oder 2027 noch angesichts der
Hitzekrise zu eröffnen, zum Beispiel für die Förderrichtlinie „Anpassung
urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“, und wenn keine geplant
sind, mit welcher Begründung?
14. Wie hoch schätzt die Bundesregierung den Investitionsbedarf im Bereich
hitzeresilienter Infrastruktur in Deutschland bis 2035 ein, und auf welcher
Datengrundlage beruht diese Einschätzung, wenn der Bundesregierung
keine Einschätzung vorliegt, warum nicht, welchem Investitionsbedarf
stehen aktuell welche Mittel gegenüber, die über bestehende
Bundesprogramme für hitzeresiliente Infrastruktur bereitgestellt werden, und wie
hoch schätzt die Bundesregierung die daraus resultierende Deckungslücke
ein?
15. Welche Einzelmaßnahmen umfassen die vom Bundeskanzler im ARD-
Sommerinterview vom 30. August 2026 erwähnten „über 300
verschiedenen Maßnahmen“ (bitte alle Maßnahmen, aufgeschlüsselt nach Name der
Maßnahme und zuständigem federführendem Bundesressort,
durchnummeriert auflisten), und wenn die Bundesregierung keine 300 Maßnahmen
auflisten kann, was meinte der Bundeskanzler dann mit seiner Aussage?
16. Bis wann plant die Bundesregierung, einen konkreten Vorschlag zur
Aufnahme der Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe von Bund und
Ländern in das Grundgesetz vorzulegen, und wie soll eine dauerhafte
Beteiligung des Bundes an den Kosten kommunaler Klimaanpassungs- und
Hitzeschutzmaßnahmen ausgestaltet werden?
17. Wird für die Gemeinschaftsaufgabe finanziell Vorsorge getroffen?
18. Hat die Bundesregierung eigene Schätzungen über die
volkswirtschaftlichen Schäden des Hitzesommers 2026 vorgenommen, und wenn nein,
warum nicht?
19. Wie vereinbart die Bundesregierung ihr politisches Ziel, Unternehmen
und Sozialkassen finanziell zu entlasten, mit der Tatsache, dass ein
Hitzetag volkswirtschaftliche Schäden in dreistelliger Millionenhöhe verursacht
(www.merkur.de/wirtschaft/teure-klimafolge-hitzetag-kostet-deutschland-
431-millionen-euro-94366588.html)?
20. Welche Daten liegen der Bundesregierung über den volkswirtschaftlichen
Schaden durch Arbeitsausfälle von Eltern vor, die in den Jahren 2020 bis
2025 sowie im bisherigen Jahresverlauf 2026 aufgrund von hitzebedingten
Schließungen oder verkürzten Betreuungszeiten („Hitzefrei“) in Schulen
und Kindertagesstätten die Betreuung ihrer Kinder übernehmen mussten,
und wenn der Bundesregierung hierzu keine systematischen Erkenntnisse
vorliegen, warum verzichtet sie auf ein bundesweites Monitoring für diese
massiven volkswirtschaftlichen Ausfälle, und plant sie, ein solches
einzuführen?
21. Wie viele meldepflichtige Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten, die im
Zusammenhang mit Hitze- und UV-Exposition stehen (z. B. Hitzschlag,
Dehydration, weißer Hautkrebs), wurden in den Jahren 2020 bis 2025
sowie im bisherigen Jahresverlauf 2026 bei den Berufsgenossenschaften
registriert (bitte nach Branchen sowie Bundesländern aufschlüsseln)?
22. Liegen der Bundesregierung Untersuchungen zu Produktivitätsverlusten
durch hitzebedingten Leistungsabfall am Arbeitsplatz in Deutschland vor,
und wenn ja, mit welchem Ergebnis (bitte, soweit möglich, nach
Wirtschaftszweigen bzw. Berufsgruppen aufschlüsseln)?
23. Plant die Bundesregierung neue Maßnahmen zum Schutz von
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern am Arbeitsplatz vor den gesundheitlichen
Folgen hoher Temperaturen, und wenn ja, welche?
24. Wie viele hitzebedingte Stromausfälle sind nach Kenntnis der
Bundesregierung in den Jahren 2020 bis 2025 sowie im bisherigen Jahresverlauf
2026 aufgetreten (bitte aufgeschlüsselt nach Jahr, Region, Anzahl der
betroffenen Haushalte, Dauer angeben)?
25. Wie hoch beziffert die Bundesregierung die volkswirtschaftlichen
Schäden durch eingeschränkte Binnenschifffahrt und hitzebedingte
Produktionsdrosselungen in der Industrie (z. B. wegen fehlendem Kühlwasser) in
den Jahren 2020 bis 2025 sowie im bisherigen Jahresverlauf 2026 (bitte
nach Kalenderjahren und betroffenen Wirtschaftszweigen aufschlüsseln)?
26. Welche Auswirkungen erwartet die Bundesregierung durch die geplanten
Wasserentnahmen zur Flutung der Tagebaue Hambach und Garzweiler auf
die Schiffbarkeit des Rheins in Niedrigwasserperioden, und welche
Anpassung der Entnahmemengen ist für den Fall vorgesehen, dass die bisher
zugrunde gelegten Mindestabflüsse künftig häufiger unterschritten
werden?
27. In wie vielen Kommunen kam es nach Kenntnis der Bundesregierung in
den Sommern 2020 bis 2025 und im bisherigen Jahresverlauf 2026 zu
Einschränkungen oder Verboten der Trinkwassernutzung?
28. Welche Fläche von Wäldern und Mooren in Deutschland war im Jahr
2026 nach Kenntnis der Bundesregierung von Bränden betroffen, und
welche Schäden beziehungsweise Kosten sind dadurch entstanden?
29. Verfügt die Bundesregierung über Daten zur Schadensbestimmung am
deutschen Waldbestand durch den Extremsommer 2026, und wenn ja, wie
hoch ist er?
30. Liegen der Bundesregierung Schätzungen vor, welche Schäden
Straßenbäume durch die Hitze 2026 erlitten haben, und welche Maßnahmen zum
Schutz der Straßenbäume sind geplant?
Berlin, den 8. September 2026
Katharina Dröge, Britta Haßelmann und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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