Kulturgut Fleisch schützen mit Kennzeichnungspflicht und Bezeichnungsschutz
Text
Kulturgut Fleisch schützen mit Kennzeichnungspflicht und Bezeichnungsschutz
[Antrag
der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Julian Schmidt, Danny
Meiners, Bernd Schuhmann, Christian Reck, Bernd Schattner, Stefan
Schröder, Lars Schieske, Enrico Komning, Steffen Janich, Dario Seifert,
Dr. Michael Blos, Alexander Arpaschi, Adam Balten, Dr. Christina Baum,
Carsten Becker, Joachim Bloch, Erhard Brucker, Kay Gottschalk, Dr. Ingo
Hahn, Udo Theodor Hemmelgarn, Nicole Hess, Nicole Höchst, Dr. Malte
Kaufmann, Heinrich Koch, Achim Köhler, Markus Matzerath, Reinhard Mixl,
Edgar Naujok, Volker Scheurell, Manfred Schiller, Martina Uhr, Sven Wendorf,
Jörg Zirwes, Ulrich von Zons und der Fraktion der AfD
Kulturgut Fleisch schützen mit Kennzeichnungspflicht und Bezeichnungsschutz
Der Bundestag wolle beschließen:
I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:
Zellbasierte Fleischimitate werden unter labortechnischen Bedingungen hergestellt
und sollen laut Befürwortern dazu beitragen, den Fleischkonsum umweltfreundlicher
und tiergerechter zu gestalten1. Essenziell für die Herstellung sind biopsierte
Stammzellen aus der Muskulatur eines lebenden Tieres oder embryonale Stammzellen, bei
deren Entnahme Muttertier und ungeborener Embryo sterben2. Die entnommenen
Zellen werden in einer Nährlösung kultiviert. Die Ausbildung von Muskel- und Fettzellen
erfolgt unter Laborbedingungen in einem Bioreaktor, wo sich Zellschichten auf einer
Trägerschicht übereinander ablagern und anschließend entnommen werden können.
Um die optimale Entwicklung der Zellen zu gewährleisten, muss dem Nährmedium
bislang fetales Kälberserum zugesetzt werden. Es wird aus dem Blut der noch
schlagenden Herzen ungeborener Kälber gewonnen. Das Kalb stirbt bei der Entnahme. Es
bietet eine Vielzahl von funktionellen Proteinen, Spurenelementen, Hormonen und
auch Wachstumsfaktoren, um das Zellwachstum überhaupt zu ermöglichen3. Nach
aktuellem Stand der Wissenschaft kann das Kulturmedium auch serumfrei hergestellt
werden. Zur Auslösung und Beschleunigung der Zellteilung müssen in diesem Fall
Wachstumsfaktoren und Hormone nichttierischen Ursprungs dem Medium zugesetzt
werden. Mögliche Kontamination mit krankmachenden Bakterien, Viren oder
Pilzsporen stellen ein Problem bei der Kultivierung der Zellen dar und könnten Antibiotika
und Fungizide im Nährmedium erforderlich machen.2
1 www.bundestag.de/resource/blob/546674/6c7e1354dd8e7ba622588c1ed1949947/wd-5-009-18-pdf-
data.pdf
2 www.fokus-fleisch.de/laborfleisch-kunstfleisch-cultured-meat-nachhaltigkeit-klimaschutz
3 www.aerzte-gegen-tierversuche.de/de/fuer-experten/alternativen-zu-tierversuchen/infos/fks-frei-
naehrmedien-ohne-fetales-kaelberserum
Deutscher Bundestag Drucksache 21/3834
21. Wahlperiode 27.01.2026
Singapur war im Jahr 2020 das erste Land, in dem die Herstellung von Fleischimitaten
aus Zellkulturen zugelassen wurde4. Im Jahr 2022 genehmigte auch die
Lebensmittelbehörde der USA erste Produkte5. In der EU unterliegen Lebensmittel aus Zell- oder
Gewebekulturen der Verordnung (EU) 2015/2283 für neuartige Lebensmittel (Novel-
Food-Verordnung) und müssen eine Reihe von Kriterien erfüllen, um auf dem
europäischen Markt verkehrsfähig zu sein. Bisher ist synthetisches Fleisch in Europa noch
nicht erhältlich, aber es gibt bereits einen ersten Antrag auf Zulassung für die
Europäische Union6. Das EU-Projekt „Meat4All“ ist ein Forschungsprojekt zur
Industrialisierung und Kommerzialisierung von kultiviertem Laborfleisch, das von der EU mit
rund 1,9 Millionen Euro aus dem Programm „Horizon 2020“ gefördert wird7. Ziel ist
es, die Technologie für die Produktion von Kunstfleisch voranzutreiben,
Marktbedenken zu adressieren, sichere Produktionsverfahren zu etablieren und die Kosten durch
die Entwicklung von Alternativen zu teuren pharmazeutischen Nährstoffen zu senken.
Im Januar 2025 reichte der Kulturfleisch-Pionier Mosa Meat ein umfangreiches
Antragsdossier für kultiviertes Rinderfett ein, eine Schlüsselkomponente in der
Herstellung von Kunstfleisch8. Die italienische Abgeordnetenkammer hat bereits ein Gesetz
verabschiedet, das die Herstellung und Vermarktung von kultiviertem Fleisch und die
Verwendung verbietet9. Mehr als die Hälfte der Deutschen lehnt laut einer
repräsentativen Umfrage den Verzehr von Laborfleisch ab10.
Analog zu Fleischimitaten aus dem Labor hat am 7. Oktober 2025 das
Europaparlament bereits dafür gestimmt, Begriffe wie Wurst und Schnitzel für pflanzliche
Fleischersatzprodukte zu verbieten11. Die Mehrheit der EU-Abgeordneten sprach sich
dafür aus, dass künftig nur noch tierische Produkte diese Namen tragen sollen. Auch die
27 EU-Staaten müssen zustimmen, damit das Vorhaben in Kraft treten kann. Die
Entscheidung des Parlaments geht nun in die Verhandlung mit den Ländern, um eine
Einigung zu finden. Die Antragsteller nehmen dies zum Anlass, mit dem Antrag den
Schutz des natürlichen Lebensmittels Fleisch als deutsches Kulturgut weiter zu
verstärken. Hierzu soll ein Bezeichnungsschutz auch gegenüber Fleisch aus dem Labor
eingeführt werden.
II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf,
1. eine Pflicht zur unmittelbar für den Verbraucher ersichtlichen Kennzeichnung der
Verwendung von künstlichem Fleischersatz oder seinen Bestandteilen als Zutat
auf der Vorderseite eines verpackten Lebensmittels in Form eines Hinweises in
Klarschrift gesetzlich zu verankern;
2. die aktuelle Gesetzeslage anzupassen, dass Produkte aus Fleischimitaten oder ihre
Bestandteile nicht mit irreführenden und traditionellen Bezeichnungen wie
beispielsweise „Fleisch“ deklariert werden dürfen;
4 www.swr.de/wissen/laborfleisch-erstmals-zugelassen-100.html
5 www.landwirtschaft.de/landwirtschaftliche-produkte/wie-werden-unsere-lebensmittel-erzeugt/
tierischeprodukte/fleisch-aus-dem-labor-ein-markt-der-zukunft
6 www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/baerchenwurst-firma-erstmals-verkauf-von-
laborfleisch-in-der-eu-beantragt/29391370.html
7 https://cordis.europa.eu/article/id/444091-sustainable-slaughter-free-meat-removes-need-to-kill-ani-
mals/de#:~:text=Vor%20dem%20EU%2Dfinanzierten%20Projekt%20Meat4All%20waren%20die,
leben%20k%C3%B6nnen%20und%20die%20Lebensmittelqualit%C3%A4t%20statt%20
Pharmaqualit%C3%A4t
8 www.transgen.de/lebensmittel/2700.fleisch-zellkultur-biotechnologie.html
9 www.topagrar.com/schwein/news/italien-verbietet-laborfleisch-und-irrefuehrende-namen-fuer-fleischer-
satzprodukte-13531078.html
10 www.fleischerei.de/fleischlust-bremst-ernaehrungswandel-372853/
11 www.merkur.de/politik/nur-fleisch-ist-fleisch-eu-will-namensverbot-fuer-veggie-burger-co-zr-
93939033.html
3. sich auf EU-Ebene im Rat „Landwirtschaft und Fischerei“ und im Rahmen der
Trilog-Verhandlungen für Bezeichnungsverbote für pflanzliche
Fleischalternativen einzusetzen;
4. dass im Zusammenhang mit dem Prozess regelmäßig notwendiger
Zellentnahmen am lebenden Tier, die Aspekte Tiergesundheit und emotionales
Wohlbefinden nach Art. 20a GG sowie nach dem Tierschutzgesetz (TierSchG)
berücksichtigt und sichergestellt werden;
5. die Verwendung von fetalem Kälberserum bei der Herstellung zellbasierter
Fleischimitate zu Nahrungszwecken sowie den Import und Vertrieb von
Lebensmitteln, die aus Zellkulturen stammen, gesetzlich zu verbieten;
6. das natürliche Lebensmittel Fleisch und traditionelle Wurstwaren als nationales
Kulturgut besonders zu schützen.
Berlin, den 27. Januar 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Begründung
Ethisch und moralisch, aber auch tierschutzrechtlich sollten Fleischimitate als Ganzes in Frage gestellt werden.
Beginnend bei der Gewinnung des Nährmediums, dass aus dem Blut der noch schlagenden Herzen ungeborener
Kälber gewonnen wird und diese dabei sterben. Über die regelmäßige Entnahme von Muskelbiopsien aus
Zellspendern bis hin zur industriellen Massenproduktion. Da künstlicher Fleischersatz aus der Retorte bisher weltweit
praktisch noch nicht verzehrt wurde, existieren keine validen Daten zum Gesundheitswert (www.verbraucher-
zentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/clean-meat-ist-laborfleisch-die-zukunft-65071). Ganz
im Gegenteil zum natürlichen und komplexen Lebensmittel Fleisch, das schwer zu reproduzieren ist. Es enthält
viele essenzielle Nährstoffe wie Eisen, Zink und Vitamin B12. Sie können vom Körper gut aufgenommen und
verwertet werden. Diese Stoffe müssten einem künstlichen Fleischersatz in vitro zugesetzt werden und könnten
die Nährstoffqualität aber auch deren Verfügbarkeit bzw. Aufnahme zu unseren Ungunsten beeinträchtigen.
Neben Wasser besteht natürliches Muskelfleisch mit durchschnittlich rund 22 Prozent hauptsächlich aus Eiweiß. Es
ist reich an lebensnotwendigen Aminosäuren und gehört deshalb zusammen mit Ei- und Milcheiweiß zu den
Proteinen mit der höchsten biologischen Wertigkeit. Der Schutz unserer Esskultur, unserer heimischen
Lebensmittel und vor allem die Gesundheit unserer Bürger hat höchste Priorität. Da es bislang an validen Daten zum
Thema Fleischimitaten aus dem Labor mangelt, schlagen wir vor, dass bereits jetzt vor Markteinführung von
Laborfleisch eine transparente Kennzeichnung auf der Vorderseite eines Lebensmittels entwickelt wird. Auf
diese Weise können die Verbraucher eine freie und informierte Kaufentscheidung treffen und es hilft
traditionellen Lebensmitteln dabei, sich von industriell stark verarbeiteten Nahrungsmitteln abzugrenzen. Fleisch und
Fleischkonsum sind seit Jahrhunderten als besonders wertig tradiert und unsere Essgewohnheiten sind
kulturhistorisch tief verwurzelt. Das Wissen darüber wurde von Generation zu Generation weitergegeben und verbessert.
Es steht in einer engen Verbindung zu Region und Landschaft. Obwohl mehr als die Hälfte der Deutschen
(53 Prozent) laut einer repräsentativen Umfrage den Verzehr von Laborfleisch ablehnt, ist davon auszugehen,
dass eine Etablierung von Fleischersatzprodukten am Markt und ideologische Ernährungstrends einen weiteren
Absatzrückgang von Fleisch und Wurstwaren nach sich ziehen werden (www.fleischerei.de/fleischlust-
bremsternaehrungswandel-372853/). Dieser Trend träfe vor allem kleinere Betriebe des Fleischerhandwerks und ihre
Zahl im Bundesgebiet würde weiter sinken. Derartige Wettbewerbsverzerrungen auf dem Fleischmarkt durch
Kunstprodukte lehnen wir entschieden ab. Stattdessen wollen wir das natürlich gewachsene Lebensmittel Fleisch
in besonderem Maße schützen. Heute werden in Deutschland etwa 1.500 Wurstsorten hergestellt
(www.wurst.de/tradition/tradition.php). Viele traditionelle Fleischwaren wie der Schwarzwälder Schinken,
Frankfurter Würstchen, Thüringer Rostbratwurst, Pfälzer Leberwurst, Göttinger Stracke, Münchener Weißwurst
und viele mehr erfreuen sich nicht nur auf regionaler Ebene großer Beliebtheit. Dank der Sortenvielfalt und hohen
Qualität sind sie auch über unsere Landesgrenzen hinaus sehr gefragt. Diese Einzigartigkeit ist identitätsstiftend
für unsere Gesellschaft und Kultur sowie Zeugnis einer Jahrhunderte alten Handwerkskunst, die es für künftige
Generationen mit den vorgeschlagenen Maßnahmen zu bewahren gilt. Das gilt sowohl gegenüber Laborfleisch
als auch gegenüber Fleischimitaten pflanzlicher Herkunft.Neben Italien hat auch ungarische Parlament die
Produktion und den Verkauf von Laborfleisch verboten, um Gesundheit, Kultur und nachhaltige Landwirtschaft zu
schützen12.
Des Weiteren ist ebenso der Import von zellbasierten Fleischimitaten gesetzlich zu verbieten, damit das
Herstellungsverbot durch den Verkauf von eingeführten Waren in Deutschland nicht unterlaufen werden kann. Dies
entspricht auch dem geltenden EU-Recht. Nach Art. 36 AEUV kann der freie Warenverkehr innerhalb der EU
eingeschränkt werden, wenn dies wegen des Tierschutzes erforderlich ist. Ansonsten droht das gleiche Szenario
wie bei der französischen Gänsestopfleber (www.lto.de/recht/hintergruende/h/gaensestopfleber-tierschutz-
import-europarecht-frankreich-delikatesse-gourmet).
Unsere heimischen Bauern produzieren auf höchstem Niveau, die Produktionsstandards bei Kunstfleisch-
Produkten sind vergleichbar niedrig. Hochqualitative Urprodukte konkurrieren jetzt mit billigen Imitaten von
multinationalen Konzernen. Ein enormer Schaden für die Landwirtschaft und den Konsumentenschutz. Die
Verwendung von Namen von Fleischerzeugnissen für vegetarische/vegane Produkte spiegelt auch eine Gleichheit der
Erzeugnisse vor, die in der Regel nicht besteht. Sensorische Eigenschaften wie Aussehen oder Geschmack
stimmen möglicherweise überein, nicht aber die ernährungsphysiologische Beschaffenheit. Viele Nährstoffe sind rein
pflanzlich nicht substituierbar, es sei denn man substituiert sie mit Nahrungsergänzungsmitteln. Die Antragsteller
setzen sich für einen umfassenden Schutz der Bezeichnungen für Fleisch und Wurstwaren auf nationaler und
europäischer Ebene ein. Der Gesetzgeber ist aufgerufen, wie bei Milch einen Bezeichnungsschutz auf EU-Ebene
für das Original festzuschreiben. So wenig wie es einen veganen Käse geben darf, kann es auch keine fleischfreie
Schinkenwurst geben.
12 www.epochtimes.de/politik/ausland/laborfleisch-verbot-in-ungarn-parlament-staerkt-landwirte-und-traditionelle-lebensmittelkultur-
a5310665.html
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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