Wirtschaftsspionage und Einflussnahme ausländischer Akteure in Deutschland
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Wirtschaftsspionage und Einflussnahme ausländischer Akteure in Deutschland
[Deutscher Bundestag Drucksache 21/3408
21. Wahlperiode 22.12.2025
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Raimond Scheirich, Leif-Erik Holm, Dr. Malte Kaufmann, Uwe
Schulz, Adam Balten, Stefan Henze, Andreas Mayer, Udo Theodor Hemmelgarn,
Jan Wenzel Schmidt, Stefan Keuter, Sascha Lensing und der Fraktion der AfD
Wirtschaftsspionage und Einflussnahme ausländischer Akteure in Deutschland
Wirtschaftsspionage zählt zu den zentralen sicherheits- und
wirtschaftspolitischen Herausforderungen für die Bundesrepublik Deutschland. Nach Angaben
des Bundesamtes für Verfassungsschutz nimmt die Zahl der versuchten und
erfolgreichen Spionageakte gegen deutsche Unternehmen und
Forschungseinrichtungen seit Jahren zu (www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/kurzmeldungen/
DE/2025/2025-09-18-studie-bitkom.html). Dabei treten insbesondere staatlich
gelenkte oder staatlich geduldete Aktivitäten ausländischer Akteure in
Erscheinung, die auf den Abfluss von Know-how in strategischen
Schlüsseltechnologien, kritischen Infrastrukturen und zukunftsrelevanten Innovationsfeldern zielen.
Zugleich bestehen Hinweise, dass nicht nur klassische nachrichtendienstliche
Mittel eingesetzt werden, sondern auch zunehmend Instrumente des
sogenannten „Soft Power“-Einflusses, etwa über kulturelle oder wissenschaftliche
Kooperationseinrichtungen (www.zeit.de/politik/deutschland/2019-11/konfuzius-i
nstitute-china-hochschulen-fdp-kritik, Bundestagsdrucksache 19/24163). In
diesem Zusammenhang geraten die in Deutschland ansässigen Konfuzius-
Institute, die als Plattformen für chinesische Sprache und Kultur auftreten,
regelmäßig in den Fokus öffentlicher Diskussionen. Kritiker verweisen auf
institutionelle, organisatorische und finanzielle Abhängigkeiten dieser Institute
von der politischen Führung der Volksrepublik China und auf mögliche
Einflussnahmen auf Lehre, Forschung und Meinungsfreiheit.
Vor diesem Hintergrund soll die Bundesregierung zu den bestehenden
Erkenntnissen, ihrer Bewertung sowie zu getroffenen und geplanten Schutzmaßnahmen
Stellung nehmen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie bewertet die Bundesregierung die aktuelle Gefährdungslage
Deutschlands durch Wirtschaftsspionage (bitte differenziert nach staatlich
unterstützten und nichtstaatlichen Akteuren angeben)?
2. Welche Staaten stuft die Bundesregierung derzeit als besonders aktive
Urheber oder Auftraggeber von Wirtschaftsspionage gegen deutsche
Unternehmen oder Forschungseinrichtungen ein (bitte mit kurzer Begründung
auflisten)?
3. Wie viele nachweisbare Fälle oder Verdachtsfälle von Wirtschaftsspionage
sind der Bundesregierung in den Jahren 2018 bis 2025 bekannt geworden
(bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
4. Wie hoch war der wirtschaftliche Schaden durch Wirtschaftsspionage in
den Jahren 2018 bis 2025 (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
5. In welchen Wirtschafts- oder Technologiebereichen verzeichnet die
Bundesregierung ein erhöhtes Risiko für Wirtschaftsspionage (bitte angeben)?
6. Welche Rolle spielen digitale Angriffe und Cyberoperationen bei der
Erlangung von wirtschaftlich sensiblen Informationen nach Einschätzung
der Bundesregierung?
7. Welche Bundesbehörden sind mit der Aufklärung, Prävention und Abwehr
von Wirtschaftsspionage befasst, und wie erfolgt die ressortübergreifende
Koordinierung dieser Aufgaben?
8. Welche rechtlichen Grundlagen und Befugnisse stehen den
Sicherheitsbehörden zur Verfügung, um Wirtschaftsspionage zu verfolgen und zu
verhindern und zu sanktionieren?
9. Welche finanziellen und personellen Ressourcen stehen den zuständigen
Behörden zur Bekämpfung von Wirtschaftsspionage zur Verfügung (bitte
für das Bundesamt für Verfassungsschutz, den Bundesnachrichtendienst,
das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, das
Bundesministerium des Innern und das Bundesministerium für Wirtschaft und
Energie sowie eventuelle Behörden der Bundesländer angeben)?
10. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Struktur,
Finanzierung und Steuerung der in Deutschland ansässigen Konfuzius-Institute?
11. Welche Bundesländer und Hochschulen beherbergen nach Kenntnis der
Bundesregierung derzeit Konfuzius-Institute, und in welcher Rechtsform
sind diese organisiert (bitte tabellarisch darstellen)?
12. Welche Stellen oder Institutionen der Volksrepublik China (insbesondere
ihrer politischen Führung) sind nach Kenntnis der Bundesregierung an der
Finanzierung oder inhaltlichen Steuerung der Konfuzius-Institute in
Deutschland beteiligt?
13. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über mögliche
Einflussnahmen der Konfuzius-Institute auf Lehrinhalte, Forschungsthemen oder
Personalentscheidungen an deutschen Hochschulen vor?
14. Hat die Bundesregierung Bewertungen zu möglichen Verstößen gegen
akademische Freiheit oder Wissenschaftsfreiheit im Umfeld der
Konfuzius-Institute vorgenommen, und wenn ja, welche?
15. In welcher Weise arbeitet die Bundesregierung ggf. mit den Ländern und
Hochschulen zusammen, um mögliche sicherheitsrelevante Risiken im
Zusammenhang mit den Konfuzius-Instituten zu bewerten?
16. Welche Gespräche hat die Bundesregierung in den letzten fünf Jahren ggf.
mit Vertretern chinesischer Behörden oder Organisationen über die
Tätigkeit der Konfuzius-Institute geführt (bitte Zeitpunkt, Teilnehmer und
Themenbereich nennen)?
17. Liegen der Bundesregierung belastbare Hinweise auf
nachrichtendienstliche Aktivitäten im Umfeld der Konfuzius-Institute oder in deren
organisatorischem Umfeld vor?
18. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus ähnlichen
Entwicklungen in anderen westlichen Staaten, in denen Konfuzius-Institute
geschlossen oder neu strukturiert wurden (z. B. Schweden, Dänemark,
Finnland, Vereinigte Staaten von Amerika, vgl. https://internationalepoliti
k.de/de/konfuzius-welterfolg, www.gao.gov/products/gao-24-105981,
www.gfbv.de/de/news/universitaet-stockholm-schliesst-chinesisches-konf
uzius-institut-6656/#:~:text=Die%20Gesellschaft%20f%C3 ProzentBCr%
20bedrohte%20V%C3 ProzentB6lker%20(GfbV)%20begr%C3 ProzentB
C%C3 Prozent9Ft,Stockholm%20nach%20 ProzentC3 ProzentB6ffentlich
er%20Kritik%20die%20Schlie%C3, https://euractiv.de/news/finnland-sch
liesst-konfuzius-institut-nach-zensur-und-spionagevorwuerfen/)?
19. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung ggf., um den Schutz
sensibler Forschungskooperationen mit chinesischen Partnerinstitutionen
sicherzustellen?
20. In welcher Weise und durch welche Behörde werden Hochschulen und
Forschungseinrichtungen ggf. über Risiken internationaler Kooperationen,
insbesondere mit Einrichtungen der Volksrepublik China, informiert und
sensibilisiert?
21. Plant die Bundesregierung, gesetzliche oder administrative Regelungen
zur stärkeren Kontrolle, Transparenz oder Aufsicht über ausländisch
finanzierte Kultureinrichtungen und Bildungskooperationen einzuführen,
und wenn ja, in welchem Zeitrahmen, und wenn ja, allgemein für alle oder
nur jene aus bestimmten Staaten?
22. Über welche Schätzungen oder Daten zur durch Wirtschaftsspionage
verursachten jährlichen wirtschaftlichen Gesamtschadenshöhe in
Deutschland verfügt die Bundesregierung (bitte differenziert nach Jahren seit 2018
und verursachendem Land angeben)?
23. Wie viele Ermittlungsverfahren und Verurteilungen wegen Spionage,
Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen oder vergleichbarer Delikte
im Zusammenhang mit Wirtschaftsspionage wurden seit 2018 nach
Kenntnis der Bundesregierung eingeleitet bzw. ausgesprochen (bitte nach
Jahren und verursachendem Land differenzieren)?
24. Welche speziellen Unterstützungs-, Beratungs- und
Sensibilisierungsangebote hält die Bundesregierung für kleine und mittlere Unternehmen
(KMU) sowie Start-ups ggf. bereit, um diese vor Wirtschaftsspionage zu
schützen (bitte nach Programmen und Ressorts differenzieren)?
25. Welche Vorgaben zur Sicherheitsüberprüfung und zum Schutz sensibler
Informationen bestehen bei der Vergabe von Bundesmitteln für
gemeinsame Forschungsprojekte mit Partnerinstitutionen aus Staaten mit
erhöhtem Spionagerisiko, insbesondere der Volksrepublik China?
26. Wie bewertet die Bundesregierung, insbesondere das Bundesamt für
Verfassungsschutz, die Konfuzius-Institute sicherheitsrechtlich, und werden
Konfuzius-Institute oder andere von der Volksrepublik China getragene
oder mitgetragene Einrichtungen in Deutschland wegen des Verdachts der
Wirtschaftsspionage oder vergleichbarer Aktivitäten beobachtet?
27. Wie bewertet die Bundesregierung, insbesondere das Bundesamt für
Verfassungsschutz, ausländische, von Staaten getragene oder mitgetragene
Vereine, Stiftungen sowie Kultur- und Bildungseinrichtungen in
Deutschland sicherheitsrechtlich, und werden derartige Einrichtungen
ausländischer Staaten in Deutschland wegen des Verdachts der
Wirtschaftsspionage oder vergleichbarer Aktivitäten beobachtet (bitte nach Herkunftsstaat
und Art der Einrichtung aufschlüsseln)?
28. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung ggf. über die
Personalauswahl, Weisungsgebundenheit und etwaige Rückkehrpflichten von durch
die chinesische Seite entsandten Lehrkräften und sonstigem Personal an
Konfuzius-Instituten in Deutschland?
29. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung ggf. über die IT-
Infrastruktur der Konfuzius-Institute und über mögliche Zugriffe
ausländischer Stellen auf personenbezogene Daten von Studierenden,
Kursteilnehmern oder Hochschulangehörigen?
30. In welcher Weise sind ggf. Fälle dokumentiert, in denen Hochschulen
oder Bundesländer Kooperationen mit Konfuzius-Instituten aus Gründen
der Wissenschaftsfreiheit, Meinungsfreiheit oder Sicherheit eingeschränkt
oder beendet haben, und hat sich die Bundesregierung zu diesen Schritten
eine eigene Auffassung erarbeitet (bitte ggf. ausführen)?
31. Hat die Bundesregierung Leitlinien oder Empfehlungen für Hochschulen
erarbeitet, wie bestehende Kooperationen mit Konfuzius-Instituten
risikominimierend umgestaltet oder – falls erforderlich – geordnet beendet
werden können?
32. Welche vergleichbaren Risiken sieht die Bundesregierung im Hinblick auf
andere ausländisch finanzierte Kultur- und Bildungseinrichtungen, und in
welcher Weise werden diese Risiken ggf. adressiert?
33. Nach welchen Kriterien bewertet die Bundesregierung, insbesondere das
Bundesamt für Verfassungsschutz, ob ausländische, von Staaten getragene
oder mitgetragene Vereine, Stiftungen sowie Kultur- und
Bildungseinrichtungen in Deutschland ein sicherheitsrelevantes Risiko im Hinblick auf
Wirtschaftsspionage oder unzulässige Einflussnahme darstellen (bitte die
maßgeblichen Prüfkriterien und Rechtsgrundlagen darstellen)?
34. Plant die Bundesregierung, die Strukturen der Cyberabwehr in Bund und
Ländern zu vereinheitlichen bzw. weiter zu harmonisieren, und wenn ja,
welche organisatorischen, rechtlichen und technischen Maßnahmen sind
hierzu konkret vorgesehen?
35. Inwieweit erhebt die Bundesregierung statistisch, in welchen Fällen
erfolgreiche Cyberangriffe auf Hochschulen und Forschungseinrichtungen
zu Abflüssen sensibler Forschungsdaten oder Technologiewissen führen,
und wie werden diese Erkenntnisse systematisch ausgewertet?
Berlin, den 18. Dezember 2025
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333]
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