Sabotage, Spionage und Einschüchterungsversuche fremder Staaten gegen Deutschland
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Sabotage, Spionage und Einschüchterungsversuche fremder Staaten gegen Deutschland
Deutscher Bundestag Drucksache 21/7074
21. Wahlperiode 10.07.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Jan Ralf Nolte, Thomas Ladzinski, Kurt Kleinschmidt, Sascha
Lensing, Martin Hess, Dr. Alexander Wolf, Udo Theodor Hemmelgarn, Dr. Malte
Kaufmann, Dr. Alexander Gauland, René Springer, Stefan Keuter, Gerold Otten
und der Fraktion der AfD
Sabotage, Spionage und Einschüchterungsversuche fremder Staaten gegen
Deutschland
Die Sicherheitslage in Deutschland und Europa hat sich in den vergangenen
Jahren verschärft. Nachrichtendienste, Sicherheitsbehörden und europäische
Partner warnen vor einer Zunahme hybrider Bedrohungen und
sicherheitsgefährdender Aktivitäten fremder Staaten sowie ihnen zurechenbarer Akteure
(www.bbk.bund.de/DE/Themen/Kritische-Infrastrukturen/KRITIS-Gefahrenlag
en/Hybride-Bedrohungen/hybride-bedrohungen_node.html). Hierzu zählen
unter anderem Spionage, Sabotage, Desinformation, Cyberangriffe,
Ausforschung Kritischer Infrastrukturen sowie mögliche Einschüchterungs- und
Bedrohungshandlungen gegen Personen des öffentlichen Lebens, Journalisten,
Vertreter der Verteidigungsindustrie und andere sicherheitsrelevante Akteure
(www.verfassungsschutz.de/DE/verfassungsschutz/der-bericht/vsb-spionageab
wehr/vsb-spionageabwehr-node.html).
Besondere Bedeutung kommt dabei der Frage zu, inwieweit staatliche oder
staatlich gesteuerte Akteure versuchen, durch Ausspähung, Einflussnahme,
Bedrohung, Sabotagevorbereitung oder sonstige verdeckte Maßnahmen politische
Entscheidungsprozesse, wirtschaftliche Schlüsselbereiche, Kritische
Infrastrukturen oder die Sicherheits- und Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu
beeinträchtigen. Vor diesem Hintergrund stellt sich den Fragestellern die Frage, in
welchem Umfang die Bundesregierung über Erkenntnisse zu Bedrohungen,
Einschüchterungen, Ausspähungen oder Sabotagevorbereitungen fremder
Staaten gegen Journalisten, Vertreter von Industrie und Wirtschaft, Unternehmen
der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, Kritische Infrastrukturen sowie
sonstige exponierte Personen verfügt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu konkreten Spionage-,
Sabotage-, Einschüchterungs-, Bedrohungs- oder Ausspähungshandlungen
fremder Staaten oder staatlich gelenkter Akteure auf deutschem
Hoheitsgebiet in den vergangenen fünf Jahren vor, und welche konkreten Vorfälle
wurden hierbei durch Bundesbehörden erfasst (bitte nach Jahren,
Bundesländern, mutmaßlichen Herkunftsstaaten bzw. Akteuren, Art der Vorfälle,
betroffenen Zielen bzw. Personenkreisen sowie gegebenenfalls bekannt
gewordenen Vorgehensweisen aufschlüsseln)?
2. Welche Bundesbehörden erfassen entsprechende Vorgänge, und in
welchen Lagebildern, Datenbanken oder statistischen Kategorien werden
diese geführt (vgl. Frage 1)?
3. Gibt es ein ressortübergreifendes Lagebild der Bundesregierung zu
Sabotage, Spionage und Einschüchterungsversuchen fremder Staaten in
Deutschland, wenn ja, seit wann, durch welche Stelle und in welcher
Aktualisierungsfrequenz?
4. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu konkreten
Bedrohungen, Einschüchterungen, Ausforschungen, Einflussnahmeversuchen oder
Sabotagevorbereitungen fremder Staaten oder staatlich gelenkter Akteure
gegen Vertreter deutscher Industrieunternehmen in den vergangenen fünf
Jahren vor, und welche konkreten Vorfälle wurden hierbei durch
Bundesbehörden erfasst (bitte nach Jahren, betroffenen Unternehmen bzw.
Branchen, Bundesländern, mutmaßlichen Herkunftsstaaten bzw. Akteuren, Art
der Vorfälle, betroffenen Personenkreisen sowie gegebenenfalls bekannt
gewordenen Vorgehensweisen aufschlüsseln)?
5. In wie vielen Fällen waren Unternehmen oder Führungskräfte aus den
Bereichen Energie, Logistik, Verkehr, Telekommunikation, Rüstung, Luft-
und Raumfahrt, Drohnentechnologie, Robotik, IT-Sicherheit oder
Kritische Infrastruktur betroffen?
6. Welche Schutzmaßnahmen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
infolge dieser Gefährdungslage für betroffene Personen der
Verteidigungsindustrie ergriffen?
7. In wie vielen Fällen wurden in den letzten fünf Jahren
Personenschutzmaßnahmen für Vertreter der Wirtschaft aufgrund mutmaßlicher
ausländischer Bedrohungen angeordnet, angepasst oder empfohlen?
8. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu physischen
Sabotagehandlungen oder Sabotagevorbereitungen gegen Unternehmen,
Lieferketten oder Infrastruktur der deutschen Rüstungsindustrie vor ,und welche
konkreten Vorfälle wurden hierbei durch Bundesbehörden erfasst (bitte
nach Jahren, betroffenen Unternehmen bzw. Branchen, Bundesländern,
mutmaßlichen Herkunftsstaaten bzw. Akteuren, Art der Vorfälle,
betroffenen Personenkreisen sowie gegebenenfalls bekannt gewordenen
Vorgehensweisen aufschlüsseln)?
9. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über Personen vor, die
in Deutschland im Auftrag fremder Nachrichtendienste potenzielle
Sabotageziele auskundschafteten oder entsprechende Informationen
weitergaben?
10. In wie vielen Fällen wurden in den vergangenen fünf Jahren
Ermittlungsverfahren wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit, Sabotage,
Vorbereitung von Sabotagehandlungen, Ausspähung sicherheitsrelevanter
Einrichtungen oder sicherheitsgefährdender Nachrichtendiensttätigkeit
eingeleitet?
11. In wie vielen Fällen wurden entsprechende Ermittlungsverfahren mit
Bezug zu anderen fremden Staaten eingeleitet (vgl. Frage 10)?
12. In wie vielen Fällen kam es in den letzten fünf Jahren zu Festnahmen,
Anklagen oder Verurteilungen wegen geheimdienstlicher Tätigkeit,
Spionage, Sabotage oder Sabotagevorbereitung im Auftrag fremder Staaten?
13. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu sogenannten
Lowlevel Agents, angeworbenen Einzelpersonen, kriminellen Mittelsmännern
oder digitalen Anwerbungen durch fremde Nachrichtendienste vor?
14. Welche Rolle spielen nach Einschätzung der Bundesregierung soziale
Medien, Messenger-Dienste, Darknet-Foren oder kriminelle Netzwerke bei
der Anwerbung von Personen für Spionage- oder Sabotagehandlungen in
Deutschland?
15. In wie vielen Fällen wurden in den letzten fünf Jahren Vertreter von
Nichtregierungsorganisationen, wissenschaftlichen Einrichtungen,
Thinktanks oder Stiftungen Ziel ausländischer Einschüchterung, Ausforschung
oder Einflussnahme?
16. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu
Desinformationskampagnen vor, die gezielt deutsche Rüstungsunternehmen oder deren
Führungspersonal diskreditieren sollen?
17. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu Einflussoperationen
vor, die gezielt Journalisten, Medienhäuser oder einzelne Publizisten in
Deutschland durch gefälschte Webseiten, nachgeahmte Medienauftritte
oder manipulierte Inhalte diskreditieren sollen?
18. Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu sogenannten
Einflussagenten fremder Staaten in Deutschland vor, insbesondere
hinsichtlich ihrer Aktivität in Medien, Wissenschaft, Wirtschaft,
Nichtregierungsorganisationen, politischen Parteien, Verbänden, sozialen Netzwerken und
sonstigen gesellschaftlichen Strukturen?
19. Wie bewertet die Bundesregierung den Einfluss solcher Einflussagenten
fremder Staaten auf die öffentliche Meinungsbildung, auf politische
Entscheidungsprozesse und sicherheitsrelevante Debatten in Deutschland?
20. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um Einflussagenten
fremder Staaten zu identifizieren, deren Tätigkeit zu unterbinden oder zu
erschweren, und werden betroffene Organisationen, Einrichtungen,
Unternehmen oder Medienhäuser von staatlicher Seite informiert, wenn nach
Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden eine Kompromittierung,
Einflussnahme oder gezielte Unterwanderung vorliegt?
21. Welche Schutz- und Beratungsangebote des Bundes bestehen derzeit für
Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie gegen
Spionage, Sabotage, Cyberangriffe und Einschüchterungsversuche?
22. Wie viele Unternehmen wurden in den letzten fünf Jahren durch das
Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), das Bundesamt für Sicherheit in der
Informationstechnik (BSI), das Bundeskriminalamt (BKA), den
Militärischen Abschirmdienst MAD, die Bundespolizei oder andere
Bundesbehörden im Zusammenhang mit Spionage- und Sabotagegefahren beraten?
a) Wie viele Sicherheitsgespräche, Sensibilisierungen oder Warnhinweise
wurden seither an Unternehmen der Sicherheits- und
Verteidigungsindustrie herausgegeben?
b) Welche Meldewege bestehen für Unternehmen, Journalisten oder
exponierte Einzelpersonen, die Einschüchterung, Ausforschung,
Bedrohung oder Sabotagevorbereitung durch fremde Staaten vermuten?
c) Hält die Bundesregierung die bestehenden Meldewege und
Zuständigkeiten für ausreichend übersichtlich, insbesondere für mittelständische
Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie?
23. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung bisher ergriffen, um
Führungskräfte und sicherheitsrelevante Beschäftigte deutscher Unternehmen vor
Ausspähung, Bedrohung und Einschüchterung durch fremde Staaten zu
schützen, und plant die Bundesregierung eine eigene Statistik oder ein Lagebild zu
Einschüchterungs-, Bedrohungs- und Ausspähungshandlungen fremder Staaten
gegen Journalisten, Industrievertreter und sonstige exponierte Personen?
24. Welche Rolle spielen nach Auffassung der Bundesregierung
Landesbehörden, Landesämter für Verfassungsschutz und Landeskriminalämter bei der
Abwehr solcher Bedrohungen?
25. Wie bewertet die Bundesregierung den Informationsaustausch zwischen
Bund, Ländern, Unternehmen und betroffenen Einzelpersonen im Bereich
Spionage- und Sabotageabwehr?
a) Wie viel Personal des Bundesamts für den Militärischen
Abschirmdienst, des Bundesnachrichtendienstes und des Verfassungsschutzes
befasst sich prozentual nur mit dem Bereich Spionage- und
Sabotageabwehr?
b) Haben fremde Geheimdienste oder Personen, die von ihnen beauftragt
wurden, in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren
Tötungsoperationen gegen Industrievertreter geplant bzw. vorbereitet (bitte nach
Jahren, Bundesländern, mutmaßlichen Herkunftsstaaten bzw.
Akteuren, Art der Vorfälle, betroffenen Zielen bzw. Personenkreisen sowie
gegebenenfalls bekannt gewordenen Vorgehensweisen aufschlüsseln)?
Berlin, den 24. Juni 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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